Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

Die Bundesjugendspiele

Aus der Kategorie »just people«

Christine von Mama arbeitet hat – wie manche vielleicht mitbekommen haben – eine Petition zur Abschaffung der Bundesjugendspiele gestartet. Und wie es so ist, lädt das viele zum Nachdenken und dazu, ihre Meinung dazu aufzuschreiben ein.
Ja, mich auch.

Viele dieser Artikel beginnen mit der eigenen Sportunterrichts-Karriere der Schreibenden; ich will darauf, vollkommen untypisch für mich, verzichten.

Ich möchte lieber, vielleicht aber auch typisch für mich, versuchen, einen Schritt zurückzutreten.
Christine schreibt:

Sport sollte Spaß machen und ein positives Körpergefühl vermitteln. Aber die Bundesjugendspiele leben von Wertung: Aufwertung und Abwertung einzelner auf Kosten anderer. Oft ist das Lehrpersonal auch noch so unsensibel, die Unterschiede zwischen den Kindern besonders herauszustellen bei der anschließenden Vergabe der Urkunden in der Klasse. Bei einem Wettkampf gehöre es dazu, heißt es dann. Aber welchen Sinn hat ein Wettkampf, dem man sich nicht freiwillig stellt und bei dem Einzelne schon vorher wissen, dass sie am unteren Ende der Leistungsskala sein werden?

Und da stimme ich ihr erst einmal in vielen Punkten zu. Sport sollte Spaß machen und ein positives Gefühl vermitteln, da bin ich vollkommen dabei. Und ja, die Bundesjugendspiele leben von der Wertung.
Aber, da mag ich ergänzen: Wie das gesamte Schulsystem übrigens auch von Wertung lebt. Und das Berufsleben auch. Schaut man sich manche Nachbarschaftsverhältnisse an, möchte man ergänzen: Wie das gesamte Leben.
Den wenigsten davon stelle ich mich übrigens freiwillig; ich persönlich würde gerne einfach nur hier sitzen und ich kenne viele, denen es da genau so geht.

Schaut man auf die Menschheitsgeschichte zurück zieht sich aber der Vergleich mit anderen wie ein roter Faden durch die Zeiten: Wer hat die größere Keule, wer das größere Stück vom Bison, wer hat mehr Land, wer hat mehr Weibchen und so weiter und so weiter. Vieles davon konnte die sogenannte Zivilisation zum Glück in geordnete Bahnen lenken: Der Vergleich um die größere Keule wurde irgendwann größtenteils als unerwünschte Gewalt erkannt, Landbesitz nahm an Wichtigkeit ab, Vielweiberei verlor ebenfalls an Bedeutung und heute misst sich der, der möchte dann eher mit der Anzahl der Prozessoren im Laptop.

Oder aber auch im Sport. Die alten Griechen erfanden die Olympischen Spiele und schaut man sich alle vier Jahre zu den Spielen, zur W- oder EM auf den Straßen und den Medien um, dann sind solche Wettkämpfe auch immer noch recht beliebt.

Ich möchte insgesamt die These aufstellen, dass der Wunsch, sich zu vergleichen dem Menschen inne wohnt. Ob das jetzt gut oder schlecht ist sei dahin gestellt, aber ich nehme es einfach mal so hin.

Zurück zu den Bundesjugendspielen: Das alles aber macht sie keinesfalls zu einer guten Veranstaltung. Die derzeit in Deutschland gelebte Schulpraxis und das gnadenlose gegeneinander Ausspielen von Kollegen in Betrieben übrigens auch nicht.

Schaue ich mir dann aber solche Bundesjugendspiele, schaue ich mir den im Rahmen der Diskussion auch arg beschossenen Sportunterricht in Schulen mal genauer an, dann bemerke ich ein paar Punkte, gegen die ich jede Petition der Welt sofort unterschreiben würde:

Da wird bemängelt, dass der Sportunterricht nicht auf die sogenannten „Spiele“ vorbereitet. Eine Praxis, die in jedem anderen Fach zu berechtigten Proteststürmen führen würde. Mal ganz konkret: Geometrie-Arbeiten am Ende einer Algebra-Reihe? Undenkbar.
Gebt mir also bitte die Petition zur Reform des Sportunterrichts!

Da wird bemängelt, dass Sportlehrer oft einfach nur sadistisches Pack sind. Bezieht man mit ein, dass meist diejenigen Sportlehrer werden, bei denen es zur Sportler-Karriere haarscharf nicht gereicht hat, und die deswegen aus Verzweiflung am Schluss des Studiums halt auf Lehramt umgeschwenkt sind, dann mag ich zumindest unterstellen, dass da bei der Berufswahl nicht die Begeisterung an der pädagogischen Arbeit mit Kindern im Vordergrund stand.
Bitte also eine Petition zur Reform der Lehrer-Ausbildung!

Da wird bemängelt, dass die Spiele – teilweise sogar vom Lehrer gefördert – mit Ohnmachts- und Demütigungsgefühlen der nicht-so-guten verbunden sind. Das ist aber nicht nur im Sport so. Wer je an der Tafel stand und die Tangente von X^2 nicht fand, wer je an der Karte die Nebenflüsse des Neckar nicht fand – oder nicht mal den Neckar oder eigentlich nichtmal das verf**te Deutschland weil alle guckten und das Hirn abgeschaltet hatte, der kennt exakt die gleichen Gefühle. Und alleine ich persönlich kenne genug Lehrerinnen und Lehrer, die das ebenso zelebrierten wie meine Sportlehrer, dass es empirisch zur Verallgemeinerung ausreichen dürfte.
Also gleich die Petition zur Reform der Lehrer-Ausbildung nochmal unterschreiben!

Was ich sagen will: Wir alle haben immer wieder Situationen, in denen wir gemessen, bewertet, verglichen werden. Und in all diesen Situationen können wir die Anforderungen erfüllen – oder weniger oder gar nicht.
Aber es hängt – zumindest in der Schule – von den Lehrkräften ab, ob sich am Ende des Vergleichs „Gewinner“ und „Verlierer“ gegenüber stehen oder welche, die das gut konnten und welche, die das weniger gut konnten.
Total revolutionäre pädagogische Idee: Vielleicht können sich ja die, die gut werfen können mit denen, die wissen wo der dämliche Neckar liegt treffen und sich gegenseitig zeigen, wie’s geht.
Gucke ich mir meine eigene Klasse oder auch den typischen amerikanischen College-Film an passt das ganz gut: man ist entweder Deutscharbeits-Checker oder Quarterback.

Ich habe nur dummerweise den Eindruck, dass besonders Deutschland gut darin ist, in den Kategorien Gewinner vs. Verlierer zu denken. Denke ich zum Beispiel an die Startup-Szene, höre ich häufig, es sei in Deutschland so schwer, weil man einen, der einmal gescheitert ist nie mehr aufstehen ließe. Wohingegen in Amerika dem, der zwei oder drei gescheiterte Versuche hinter sich habe und es dann schaffe mehr Respekt gezollt würde als anderen.
Ich höre auch aus internationalen Firmen häufig, dass asiatische Kontakte eine Ablehnung gerne begründet bekommen, weil sie dann aus ihren Fehlern lernen und es beim nächsten Mal besser machen können.

Beides scheinen mir Zeichen dafür zu sein, dass es dort jeweils einen anderen Umgang mit dem Scheitern oder dem nicht-gut-können gibt. Ob der jetzt jeweils in den Ländern perfekt ist – keine Ahnung. Aber man muss ja nicht alles kopieren und könnte es ja selbst einfach mal gut machen.

Ich halte es für falsch – um mal aus dem großen Bogen zurück zu kommen – jede Form von Wettbewerb von Kindern fern zu halten. Auch vollkommen weit weg von jeder Form von Sozialdarwinismus muss ich mich wohl damit abfinden, dass Wettbewerb wohl da ist.
Ich halte es aber für absolut unbedingt notwendig, Kindern einen neuen, anderen, fairen, partnerschaftlichen Umgang miteinander zu vermitteln, so dass der Wettbewerb ein Wettbewerb bleibt und nicht eine Gelegenheit, sich über den anderen zu erheben und ihn zu verspotten.
Egal, ob an der Sprunggrube oder an der Deutschlandkarte.

Und wo wir schon mal dabei sind: Uns selbst täte ein anderer Umgang auch oft ganz gut.


Threema ist prima

Aus der Kategorie »just tools«

Threema ist prima

Und Threema ist – für den Fall dass es einem keine 2,- wert ist, sicher zu kommunizieren gerade im Sonderangebot.

Die Vorteile von Threema:

  • sichere, verschlüsselte Kommunikation
  • die Sicherheit, dass man auch wirklich mit demjenigen spricht, mit dem mnan glaubt zu sprechen
  • Ich bin da auch
  • Man kann WhatsApp endlich löschen

Ist das nix? Hier gibts Threema für iPhone* und für andere Plattformen.

*) Affiliate-Link


Leute, Ihr habt ein Problem.

Aus der Kategorie »just people«

Und mit „ihr“ meine ich jetzt mal Deutschland. Alle. Nicht nur „die da“.

tl;dr: Das Problem ist, dass sich dieses Land von Menschen abhängig gemacht hat, die es nicht mag. Deren Arbeit es nicht versteht und erst recht nicht wertschätzt, Menschen, die es im allgemeinen verlacht oder so weit wie möglich von sich fern hält: Den Nerds.

Schaut man sich eine typische Schule an, schaut man sich eine aktuelle oder auch eine alte Fernsehserie an, dann sieht man: Braungebrannte, sportliche Typen sind beliebt. Die mit der Brille, oder die, die im Schach-Club (ups, das war jetzt das amerikanische Film-Klischee) und in der Computer-AG sind, die habens schwerer. Die kriegen keine Mädchen, die kann man auf dem Schulklo einsperren. Oder höchstens mal eben ihre Dienste abgreifen, wenn man jemanden braucht, der den Schulcomputer hackt, um die Fehlstundenzahl herunter zu setzen.

Schaue ich mir einen deutschen Krimi an, dann sehe ich: Die echten Komissare sind harte Typen. Diejenigen, die im Labor die forensische Arbeit machen sind lustig verschrobene Gesellen, die nie ans Tageslicht kommen. Und auch wenn ihre Arbeit den Fall löst, so ist das nur lustige Zuarbeit: Den Heldenruhm stauben die ab, die dann noch 5 Minuten hinter dem Täter her rennen und sich beim Schusswechsel noch einmal in den Matsch werfen.

Aus dem amerikanischen haben wir für die, die da im Schatten vor sich hinwuseln, den Begriff Nerd übernommen. Der ist dort ein Schimpfwort.

Seit ihr alle Computer zu Hause habt, pflegt ihr ja alle mindestens eine lose Bekanntschaft zu einem solchen Nerd – denn irgendwer muss ja das WLAN einrichten und den Rechner wieder flott kriegen, wenn er hakt. Seufzt der Nerd dann beim zweiten und dritten Rechner-wieder-flottmachen und erinnert Euch an ein paar Sichgerheitsregeln, die er Euch genannt hatte, dann sagt Ihr „jaja“. „Jaja“ wie „leck mich am Arsch“
Und auch wenn Ihr ihm irgendwie dankbar seid – ob er dann aber auch auf die große Gartenparty eingeladen wird, das ist zweifelhaft.

Ich habe ernsthaft Menschen – sogar Freunde – erlebt, die wirklich dachten, es würde mir Spaß machen, ihren komplett virenverseuchten Computer zu sichern, Datei für Datei zu untersuchen und dann wieder ein sauberes Betriebssystem zu installieren. „Und Word, das haste doch bestimmt da!“
Der nach allgemein gesellschaftlich anerkannten Regeln unhöflichste Anruf kam an einem Ostersonntag um 13:00. Ich sollte sofort kommen. Für umme natürlich und mich beeilen, es war ja schließlich Ostern.
Einen habe ich mal gezwungen, die gesamte Zeit neben mir zu sitzen; die abschließende Wertschätzung der 12 Stunden Arbeit lautete immerhin „is ja doch ne Menge irgendwie“. Und ich weiß, dass die eine Hälfte meiner Leser jetzt wissend nickt.

Vor ein paar Jahren haben die Nerds eine Partei gegründet. Nein, was habt Ihr gelacht. Und auch, wenn die Nerd-Partei zwischenzeitlich ein paar ganz beachtliche Erfolge hatte, so habt Ihr sie aber doch mit gerunzelten Augenbrauen beobachtet und wart froh, dass sie sich dann wieder selbst demontiert haben.

Nur – und damit komme ich zu dem in der Überschrift versprochenen Problem:
Ohne uns Nerds funktioniert das Land nicht mehr. Nichts. Gar nichts, nirgends. Wenn alle Admins dieses Landes morgen streiken und hinter sich den Aus-Schalter drücken, dann steht zehn Minuten später alles still. Dann ist Steinzeit. Auch keine Heizung, kein Benzin für die Autos, kein Telefonnetz, kein Radio, kein Fernsehen, keine Zeitung am nächsten Morgen. Denn auch alle diese vermeintlich analogen Techniken sind vollkommen von digitalen Steuerungen abhängig.

Dummerweise behandelt Ihr die Nerds immer noch, als wären sie kleine dumme Jungs, die Euch mit ihren Computerspielzeugen nerven wollen, wenn sie Euch etwas über Datensicheheit oder auch nur über die Bedienung des neuen Rechners erzählen wollen.

Der Bundestag zum Beispiel, der wollte sich auch nicht von den Brillenträgern nerven lassen.

Es gibt aber noch einen viel simpleren Grund, warum der Bundestag derart einfach angegriffen werden kann: Die Abgeordneten sind bequem. Früher musste jeder USB-Stick, den ein Parlamentarier von draußen mitbrachte, von IT-Fachleuten kontrolliert und für den Einsatz freigegeben werden. Das ist mühsam. Deswegen haben die Abgeordneten durchgesetzt, dass sie seit einiger Zeit relativ uneingeschränkt eigene Hard- und Software an die Bundestagscomputer anschließen können.
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hackerangriff-auf-bundestag-…

Tja. Dumm gelaufen, hm?
Aber ich wollte ja nicht über „die da“ lästern – und seid ehrlich: Ihr behandelt Euren Computerspezi doch auch nicht besser. Ihr sagt ihm, wies laufen soll und seine Erklärungen interessieren so mittel viel und wehe, wenn er Euch einschränken will
Lese ich hier die Erfahrungen eines IT-lers aus einer Kommunalbehörde, dann nicke ich bei jeder einzelnen Zeile.

Niemand hat Euch, niemand hat die Welt gezwungen, alles zu digitalisieren, alles aus Bequemlichkeit kleinen Rechenknechten in die Hand zu geben. Nur: Wenn man sich einmal abhängig gemacht hat – dann ist es ein ganz minikleines bisschen ungeschickt, nicht auf die Leute zu hören, die wissen, wie man mit dem ganzen Scheiss umgeht. Oder sie sogar mies zu behandeln.


Das Kulturquartier Münster

Aus der Kategorie »just people«

Dieser Artikel entstand im Rahmen der GLS Blog-Kooperative. Für meinen Aufwand bin ich bezahlt worden.

Ganz am Anfang stand der Wunsch, als Musiker nicht in dunklen, feuchten Kellerräumen zu arbeiten und zu unterrichten, sondern an einem etwas inspirierenderen Ort, erzählt Thomas Grollmus vom Kulturquartier Münster.
Ich bin für die GLS Blog-Kooperative nach Münster zu einem Unterstützertreffen des Kulturquartiers gefahren. Und nicht nur, weil auch ich viele Jahre in solchen nassen Kellern verbracht habe, kann ich diesen Wunsch sehr gut verstehen.

Vor etwa acht Jahren kam Thomas nach Münster und begann bald, etwas zu verändern – und das schnell nicht nur für sich und seine eigene Arbeit. Denn als er Räume suchte, da fand er Menschen. Menschen die seine Ideen von Zusammenarbeit und zusammen-arbeiten teilten.
In der halle.8 entstand ein Ort für Musiker, und Chöre, für Tanz und Yoga; ein Raum der schnell mehr war als ein zufällig gemeinsamer Ort zum Proben.
Ende 2014 aber wurde die Halle verkauft und sie mussten raus.

Als ich das bei meiner Vorbereitung auf das Treffen las, zweifelte ich: Was will ich denn da berichten, was kann man mir denn da wohl zeigen?
Thomas lud mich zum Unterstützertreffen ein. Die Kulturinitiative hat nach dem Verlust des Zuhauses nicht zurückgesteckt, sondern erst richtig losgelegt: Zu acht haben sie eine GmbH gegründet, treffen sich alle mindestens einmal die Woche. Alle vier Wochen gibt es eine offenen Kreis für alle die, die sich vorstellen zu können in irgendeiner Art und Weise dabei zu sein.

Die acht sind bunt zusammengewürfelt, neben der Percussionistin und der Sängerin gibt es Pädagogen, finden sich Designer, Projektmanager, Architekten. Sie haben ein Grundstück gekauft und planen gerade, das Kulturquartier darauf zu bauen.
Ein Haus der Begegnung, der Kultur und der Kreativität soll es sein, ein Ort an dem es nicht primär um den Kommerz gehen soll – auch wenn sich der Betrieb selbst tragen soll. Ein Ort mit Garten und eigener Energieversorgung, ein Platz für Kreative und Künstler, Pädagogen und Therapeuten, ein Ort für Ökologie und Generationen-verbindende Bildung. 
Um das alles auch langfristig am Leben zu erhalten wird es eine Stiftung geben, so dass Gewinne direkt wieder dem Projekt zu Gute kommen werden.
Und als die acht sich den interessierten Gästen vorstellen, da merke ich: Ich habe eigentlich Glück gehabt, dass es gerade kein Räume zum Fotografieren gibt. Denn wenn ich diesen achten zuhöre, dann verstehe ich viel mehr von der Idee des Kulturquartiers. Ihre Idee wird getragen von den Ideen derer, die mitmachen. Vom Idealismus, von der Ahnung, dass es auch anders gehen muss.
Die Energie steckt an.

„Das Leben ist so viel von Arbeit geprägt, dass ich es als ein Geschenk empfinde an einem Ort zu arbeiten, wo die Arbeit sich so anfühlt, wie das ganze Leben sich anfühlen soll”

… sagt Simon, als sie sich vorstellt. Und man sieht in den Augen aller, die schon in der halle.8 dabei waren, das sie das dort auch so erlebt haben.

Der Architekt ist da und präsentiert an diesem Abend neue Pläne, wie das Quartier aussehen wird. Das Grundstück liegt in einem Industriegebiet im Norden Münsters und es wird, so wie es aussieht eine kleine grüne Oase werden. Mit solarthermischer Heizung, mit Regenwasserspeicher und einer eigenen Stromversorgung. Der Garten wird als Permakulturgarten1 angelegt und damit als naturnahes Firmengelände ganz nebenbei eines von wenigen Pilotprojekten deutschlandweit.
Genau, denke ich: Wenn man etwas macht, warum dann nicht gleich richtig?

Und ich merke: Das sind große Pläne – aber die acht haben sich alles sehr konkret überlegt und sie meinen es ernst. Spätestens als ich erfahre: Am vierten Oktober ist Eröffnung – und das, obwohl auf dem Grundstück heute noch nichts als Wiese zu sehen ist. Aber sie wissen:„Wenn wir erst eröffnen, wenn wir fertig sind, dann werden wir nie fertig. Und wir wissen doch vom Messebau oder von Produktpräsentationen: Wenn es eine Deadline gibt, dann ist man da halt irgendwie fertig.”
Ich erinnere mich an einige Runden, in denen ich selbst mit anderen an alternativen Ideen und Konzepten „herumgesponnen“ habe und aus denen oft nichts wurde. Das hier wird was.

Neben dem Team sitzen an diesem Abend noch circa zehn Interessierte um den Tisch. Eine erzählt, sie würde „irgendwie gerne mitmachen”, sie wäre zwar jetzt keine Künstlerin, aber sie könne anpacken, habe halt seit drei Jahren ein Café und dann noch eine pädagogische Ausbildung. Ob sie wohl mitmachen dürfe?
Und es beschreibt die Stimmung wahrscheinlich am besten, als Simon mir hinterher sagt:„Ich habe gar nicht verstanden, warum die fragt – eigentlich müssten wir sie fragen. Die kann doch so viel und ich bin so dankbar über all diese Menschen.”

Ziemlich beeindruckt fahre ich später wieder nach Hause. Ein paar Tage später sehe ich mir noch die Open Stage an und freue mich schon sehr darauf, am 4.10. zur Eröffnung zu fahren. Ich weiß, da wird etwas auf der grünen Wiese stehen.

Fotos von der Open Stage-Veranstaltung am 7.6., mehr Bilder hier.

1) Permawas? Zitat: „Permakultur bildet den Oberbegriff für die Entwicklung und Umsetzung von ethisch basierten Leitsätzen zur Planung, Gestaltung und Erhaltung zukunftsfähiger Lebensräume. Schwerpunkte bilden dabei die Nahrungsproduktion, die Energieversorgung, die Landschaftsplanung und die Kreation nachhaltiger Gemeinschaften.“ (
Quelle und mehr Infos hier).


Unser Bundestag ist kaputt. Unser Sicherheitsbedürfnis auch.

Aus der Kategorie »just people«

Vor ein paar Wochen las ich, dass das Netzwerk des Bundestages gehackt war; heute lese ich, dass Experten vermuten, dass sich das auch nicht mehr reparieren lässt.

Und ich gucke blöd. Die haben das noch nicht repariert? Die haben nicht den Bundestag vom Netz genommen und das geregelt? Bitte was?

Ich habe ja in einem früheren Leben für andere Menschen deren Computer repariert. Und für den Fall, dass jemand einen Virus auf seinem Rechner hatte, gab es damals exakt eine richtige Möglichkeit: Dem Rechner den Netzzugang nehmen, alles formatieren und neu aufsetzen. Dann die eigenen Dateien aus dem BackUp holen und die Sache war geritzt.

Anders geht es nicht, wenn man sicher arbeiten will.

In der Theorie.

In der Praxis gab es „das BackUp“ nie und ich musste – gegen meinen ausdrücklichen Rat – mit einem sogenannten „Virenscanner“ versuchen, die betroffenen Dateien zu finden und zu reparieren.

Wenn ich dann immerhin diesen Virenscanner so einstellte, dass er sich mindestens jeden Tag ein Update aus dem Netz holte und vorschlug, ein Backup-Programm sowie – wenn man schon mal dabei war – ein paar sichere Passwörter einzurichten war das immer. allen. zu viel Aufwand.

Da niemand für einen Virenscanner Geld ausgeben wollte installierte ich alo wenigstens die kostenlose Version von Avira. Schaute ich drei Wochen später auf den Rechner, war das letzte Update zwei Wochen und vier Tage her. Oder anders: Menschen, die nicht genügend technisches Verständnis aufbrachten um in Word eine andere Schrift als Times New Roman auszuwählen hatten es geschafft, in den Einstellungen von Avira die Update-Funktion abzuschalten – weil die kostenlose Version „ja immer mit diesem Fenster nervt“.

Leider habe ich dann wohl jetzt lernen müssen, dass der Bundestag generell genau so tickt.

Nachtrag: Sven hat da was ganz ähnliches mit ein par netten Links drin geschrieben.

Nachtrag zwei: Dazu passt, wenn ichs recht überlege, eigentlich ganz gut, dass ich mir vor ein paar Tagen die Mühe gemacht habe, eine sichere Cloud-Lösung zu skizzieren. Schaue ich in meine Statistiken hat seit dem umgekippten Sack Reis am 31.2.1012 nichts mehr so wenig Leser interessiert.
Dafür bleibt der Artikel darüber, dass man einen Anruf von Microsoft bekommen hat der meistbesuchte im Blog.
Passt scho‘.


Überraschung! Schlechtes Kita-Essen

Aus der Kategorie »just people«

Ein hingerotzter Rant.

Jetzt gerade geht der Bericht über das Team Wallraff und das grauenhaft schlechte Essen in Kitas und Schulen durch die Timelines.
Und – entschuldigt bitte – aber ich frage mich: Das haben wir doch gewusst?
Ich verstehe es nicht. Die „Familien-Grillplatte mit sechs leckeren Schnitzelchen“ kostet beim Discounter 4,99, google ich nach „Kosten Kita Essen“, dann lese ich, wie sich Menschen über 3,- für ein Kita-Mittagessen beschweren.
Das. kann. nicht. funktionieren, ohne dass dabei jemand auf der Strecke bleibt.

Und es blieben zuerst die Tiere auf der Strecke, die immer und immer unwürdiger behandelt werden und als nächstes bleib halt der Verbraucher auf der Strecke.

Und das weiss auch jeder, da muss kein RTL und Team Wallraff kommen.
Vielleicht will es nicht jeder wissen, aber wer einmal über mehr nachdenkt als „Wie krieg ich möglichst billiges Essen?“, der weiss das; da kann mir auch niemand etwas anderes erzählen.

Man sagt ja so gerne: „Der Verbraucher stimmt mit den Füßen ab“. Und der Verbraucher hat in Deutschland schon lange dafür abgestimmt, (sorry!) Scheiße zu fressen.


Die private Cloud im Small Office / zu Hause

Aus der Kategorie »just tools«

Wir sind uns einig: Cloud ist super. Also, es ist super, seine Daten immer griffbereit zu haben, egal auf dem Handy, auf dem Laptop oder (falls noch vorhanden) am Desktop-Rechner.
Gleichzeitig – Hand aufs Herz – hat vermutlich noch niemand die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Dropbox und Co gelesen UND verstanden UND ein gutes Gefühl dabei. Oder?

Ich habe hier inzwischen ein SetUp, bei dem meine Daten nur auf meinen Festplatten liegen, aber trotzdem auf allen meinen Rechnern immer synchron sind. Ich erzähl’ mal:

Die Basis für alles sind zwei Geräte, die vermutlich schon zum Teil in vielen Haushalten / Büros stehen oder aber zu einigermaßen normalen Preisen erhältlich sind: Eine aktuelle FritzBox und ein NAS von Synology. (Andere NAS-Hersteller mögen ähnliche Funktionen bieten, die kenne ich halt größtenteils nicht. Ich komme später darauf zurück, dass manche der dort angebotenen Lösungen mit Vorsicht zu genießen sind)
Außerdem nutze ich einen Internet-Dienst. Aber der Reihe nach:

41xKV-B5m9L._SL160_
Das NAS.
Synology bietet zu seinem NAS die sogenannte „Cloud Station”. Die Cloud Station bietet mir Speicherplatz auf dem NAS sowie einen Client, der auf Mac oder PC die gleichen Funktionen anbietet wie der bekannte Dropbox-Client: Er synchronisiert mir alle Dateien in einem wählbaren Ordner auf allen meinen Computern. Darüber hinaus kann ich über die Software auch auf frühere Versionen einer Datei zugreifen – total praktisch wenn man – wie gerade hier geschehen – seinen Text einfach in ein bestehendes Dokument hineinschreibt und speichert, weil man gepennt hat.
Wenn ich es möchte, kann ich auch Dateien über einen Link freigeben. Habe ich mein Netzwerk nach außen, also in Richtung Internet zugemacht, funktionieren diese Freigaben nur innerhalb des Intranets. Also praktisch für Büros, Firmen usw.

Ich habe der Cloud Station also gesagt, sie soll bitte einen Ordner „Cloud Station” in meinem Benutzerverzeichnis anlegen und synchronisieren. Dann habe ich alle meine Dateien dort hineingeschoben und gewartet, bis ich wieder ein grünes Häkchen am Cloud Station-Symbol hatte. (Das kann je nach Menge der Daten etwas dauern, ich hab zwischendurch auch gegessen, „Arrow“ geguckt und geschlafen)
Ich habe all den Mist, den Programme oder das Betriebssystem so anlegen und im Benutzerverzeichnis speichern bei der Gelegenheit NICHT dort hinein geschoben; diese Dateien sollen gerne auf jedem Computer unterschiedlich sein. Im Endeffekt muss und wird aber natürlich jeder selbst wissen, welche Daten er immer und überall verfügbar haben möchte.
Der schöne Nebeneffekt ist, dass ich jetzt diesen ganzen Mist nicht mehr sehe und nur noch wirklich „meine” Daten vor Augen habe.

Hat man das bis hierhin auf seinem Desktop-Rechner und seinem Laptop eingerichtet, hat man schon den vollen Cloud-Luxus. Jedenfalls, so lange man nicht das Haus verlässt oder so lange es nicht wichtig ist, dass die Daten sofort synchronisiert werden.
Will ich das Haus verlassen und es ist mir wichtig, dass auch unterwegs die Daten sofort synchronisiert werden, muss ich von unterwegs auf das zu Hause stehende NAS zugreifen.

Da kommen dann die beiden nächsten Mitstreiter ins Spiel:

Der Internetdienst und die Fritzbox:
Ich habe schon NAS-Systeme erlebt, die „total praktisch” per Mausklick einen Zugang von außen auf das NAS auf dem heimischen Schreibtisch erlaubten. Schaute ich genauer hin, ging der Datenverkehr dazu über irgendeinen amerikanischen Server und tunnelte sich irgendwie durch eine eigentlich nach außen abgeriegelte FritzBox. Ich rate also davon ab und nutze lieber ein VPN, um von außen an meine Daten auf dem Schreibtisch zu kommen.
Weil meine FritzBox ja bei jeder Einwahl ins Netz eine neue IP-Adresse bekommt, nutze ich www.noip.com. Dort habe ich mir dazu einen Account gegönnt und bin damit im Besitz der Domain irgendwas-uninteressantes.no-ip.biz.
Die brauche ich später. Eigentlich reicht auch der kostenlose Account, aber der muss regelmäßig manuell verlängert werden und weil man das ja vergisst, habe ich halt etwas Geld bezahlt. Außerdem überschüttet no-ip.com den Nutzer der kostenlosen Dienste mit noch mehr Mails als die zahlenden User und die meisten dieser eMails tun so, als ginge gerade die Welt unter, wenn man nicht jetzt einen kostenpflichtigen Account kauft. Ich habe also quasi resigniert und einen gekauft.

31yxALAci6L._SL250_In der FritzBox kann man im Bereich Internet->Freigaben->Dynamic DNS dann die Daten des bei no-ip.com gekauften Accounts eingeben. Die FritzBox teilt dann immer, wenn sie beim Einwählen eine neue IP-Adresse bekommt, diese IP an den Dienst no-ip.com mit. Und der verknüpft diese IP-Adresse mit dem gekauften Domainamen und sorgt so dafür, dass meine FritzBox unter dieser Adresse irgendwas-uninteressantes.no-ip.biz im Web erreichbar ist.
Weil ich ja aber eigentlich gar nicht will, dass mein Netzwerk für jedermann aus dem Internet erreichbar ist, habe ich alle Freigaben im Bereich Internet->Freigaben und im Bereich System->Fritz!Box-Benutzer->[ich] deaktiviert. Das einzige, einsame Häkchen ist bei „VPN” gesetzt. Nein, auch bei „Zugang aus dem Internet erlauben” kein Häkchen.

Als nächstes habe ich auf dem Laptop und dem iPhone (den Desktop-Rechner nehme ich ja selten mit nach draußen) eine VPN-Verbindung zur heimischen FritzBox eingerichtet. Die FritzBox macht es einem da recht leicht und bietet eine komplette Schritt für Schritt-Anleitung an. Man muss nur bei System->Fritz!Box-Benutzer einen Benutzer anlegen und dort das Häkchen für VPN setzen. Da taucht dann auch die Anleitung auf.

Halten wir also der Reihe nach fest:
– Meine Daten liegen auf dem NAS, das NAS steht auf dem Schreibtisch
– Die Software synchronisiert die Daten auf allen angeschlossenen Geräten
– Die FritzBox lässt niemanden von außen in mein Netzwerk, außer er meldet sich via VPN an.
– Das VPN stellt sicher, dass auch in einem öffentlichen WLAN niemand so einfach mitlesen kann.

That’s it. Cloud-Luxus und eine verschlüsselte Verbindung.

41m316h-5ZL._SL160_Zusätzlich fürs gute Gefühl: Sogar in meinem kleinen NAS sind zwei Festplatten; die eine ist eine Spiegelung der anderen (Raid1). Fällt eine aus, sind meine Daten immer noch da. Zusätzlich steht neben dem NAS noch eine externe Festplatte (bzw .zwei, ebenfalls als Raid1), auf die wiederum das NAS sichert. Das fühlt sich halbwegs sicher an. Exkurs Ende.

Ja, ich weiß: Das alles ist aufwändiger als einfach DropBox oder ähnliches zu installieren, aber: Ich sehe jeden Tag wo meine Daten liegen, die sind nämlich auf der kleinen weißen Kiste gespeichert, die am anderen Ende des Schreibtischs steht. Und das ist es mir wert.

Nachteile: Ja, gibt es.
– Die Cloud Station-Software bekommt regelmäßig Updates (gut!), aber manchmal vertragen sich die Versionen auf dem NAS und auf dem Client nicht – man muss immer sehr hinterher sein, alles auf dem (gleichen) aktuellen Stand zu halten.
– Die Synchronisierung läuft nicht so 100%ig sauber wie in der Dropbox, sondern, vor allem bei großen Datenmengen und im ersten Sync-Durchgang, nur 99%ig. Verloren habe ich noch nie etwas, aber ganz selten finde ich zwei Dateiversionen, die die Cloud Station anlegt, wenn sie irgendwie nicht weiter weiß.
– Die iPhone-Version der Cloud Station war für mich beim letzten Versuch unbrauchbar. Warum? Weil sie alle Dateien direkt aufs Handy runterlud, anstatt sie nur die Namen anzuzeigen. Mir fällt dabei auf: Ich muss mir das nochmal angucken, ob das jetzt besser läuft.

Kommen wir nochmal kurz zum Dateiaustausch mit anderen – einer der großen Stärken der Dropbox. Ja, dafür nutze ich die dann auch. Ich sehe aber einen wesentlichen Unterschied zwischen zB Bilddateien, die mir ein Grafiker schickt und die eh ins Web sollen und einem Konzept, einer Rechnung oder meinen gesammelten Kundendaten. Erstere lege ich auch ohne große Hemmungen in die Dropbox, den Rest eher nicht so gerne.
Daher laufen hier friedlich Dropbox und Cloud Station neben einander her. Die Dropbox übrigens mit Boxcryptor verschlüsselt, weil ich ja doch ein Paranoiker bin, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Links zu amazon/Dropbox sind affiliate- bzw. Empfehlungslinks


Twitter-♥ im Mai 2015

Aus der Kategorie »just twittered«

Anne sammelt wieder für uns alle.