Der jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Der Blogger:

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog. Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog. Manchmal schreibe ich auch woanders.

Hier gehts zu den Artikeln

Der Webworker:

Beruflich mache ich aus dem Web optisch und inhaltlich einen schöneren Ort. Bist Du an meiner Arbeit als Webworker oder Berater für digitale Kommunikation interessiert, sprich mich gerne an.

Auch für Schulen, die nicht vor dem Web Angst, sondern lieber Ahnung davon haben wollen, habe ich ein spezielles Angebot.

Das jawl:

Meist geht es hier um diese Themen …

  1. just people

    just people

    Alltag. Alltäglichkeiten. Was so passiert. Und so. …

  2. just music

    just music

    jawl hört Musik. Immer, jeden Tag und …

  3. just jawl

    just jawl

    Hin und wieder muss es hier auch …

  4. just pix

    just pix

    jawl macht Fotos. Die meisten finden sich …

  5. just movies

    just movies

    jawl geht ins Kino, guckt Serien und …

  6. just twittered

    just twittered

    Twitter ist … Großartig. Überschätzt. Seltsam. Schon …

… alle Themen findest Du hier.


Aber das weiß ich doch alles. Blend das aus! Und dann gib mir ein Cookie und zeig mir in Zukunft sofort das Blog!

Die letzten Artikel …

Twitter-♥ im August 2014

Aus der Kategorie »just twittered«

Sammelt Anne wieder alle Twitter-♥?


Warum die #ice bucket challenge […] ist.

Aus der Kategorie »just people«

… cool …
Weil mit einer ziemlich simplen Idee eine bis dahin eher unbekannte Krankheit viel Aufmerksamkeit bekam. Viel Aufmerksamkeit bedeutet oft und auch in diesem Falle ebenfalls viel Geld für die, die an der Krankheit forschen. Obwohl gerade sie es sein sollten sind Pharmaunternehmen nämlich gar keine Gutmenschen und so forschen sie genau da am intensivsten, wo sie am meisten Geld verdienen können. Seltene Krankheiten ohne Lobby haben es da schwer.
In sofern ist die #ice bucket challenge: Cool.

… uncool …
Wenn etwas durchs Netz, durch die Medien oder sonst woher schwappt, dann gibt es einen Punkt, wo es aber-echt-jetzt auch mal gut ist. Im Bereich der Popmusik gilt das gleiche Prinzip: So lange nur wenige Menschen eine Band mögen, ist es ok sie zu mögen. Ist sie dann bekannt, muss man sie als wahrer Musik-Fan hassen. (Auch bekannt als „die alten Sachen fand ich ja ganz gut, die neuen nicht”-Syndrom).
Inzwischen hat sich vermutlich jeder dritte Internet-Anschluss-Inhaber einen Kübel Eiswasser über den Kopf gekippt und deswegen nervts, aber ganz gehörig.
In sofern ist die #ice bucket challenge: Uncool.

… verwerflich …
Pamela Anderson war die erste, von der ich las, dass sie sich der Challenge verweigerte. Warum? Weil die ALS-Forschung mit Hilfe von Tierversuchen forscht.; inzwischen haben sich auch Verbände wie z.B. die Ärzte gegen Tierversuche positioniert. Tierversuche sind natürlich absolut indiskutabel und es ist gut, dass dieses schlimme Treiben an die Öffentlichkeit kam.
In sofern ist die #ice bucket challenge: Moralisch verwerflich.

… peinlich …
Wie gesagt hat geschätzt jeder dritte Internet-Anschluss-Inhaber inzwischen den Eimer geschwungen und wer auch nur ein bisschen Mathematik kann, der weiß: In dieser Menge befinden sich auch diverse D- bis Z-Promis. Je nach Veranlagung nutzen die die Challenge, um im engen weißen oder gleich gar keinem T-Shirt dem Eiswasser zu trotzen und außerdem mit den Nominierungen dezent einfließen zu lassen, wen sie denn alles wichtiges kennen. Voll der Hoffnung natürlich, so ihren Buchstaben-Rang eins nach oben zu korrigieren.
Und in sofern ist die #ice bucket challenge natürlich: Megapeinlich.

… hip …
Für den echten Hipster ist das Leben ja recht einfach: Er macht alles anders als die anderen. Da die Grundstimmung inzwischen gegen die Challenge kippt, findet sie der Hipster, der sie erst mochte und dann verachtete, inzwischen wieder richtig gut. Oder auch nicht, aber das ist dann ironisch.
In sofern ist die #ice bucket challenge: Hip.

… asozial …
Es gibt so viele andere schlimme Krankheiten die weder so prominente Opfer wie Stephen Hawking noch Promis in nassen T-Shirts als Lobby hinter sich stehen haben. Jetzt haben wieder alle ihren jährlichen Gutes-Gewissen-Scheck ausgefüllt und die anderen gehen leer aus.
In sofern ist die #ice bucket-challenge: Asozial.

… Ein gutes Zeichen dafür, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt …
Ja, das alles, was ich bis hierhin schrieb ist irgendwie wahr. Naja, bis auf den Hipster-Teil, der war ironisch. Aber im Ernst: Wo man sich selber sieht, das ist eher eine Frage der eigenen Präferenzen als einer absoluten Wahrheit.
Und deswegen sind die – wie üblich im Web – erbittert geführten Grabenkriege zwischen Challenge-Gegnern und -Befürwortern inzwischen für mich vor allem ein Symptom das zeigt: Alle sehnen sich so furchtbar nach simplen Wahrheiten. Nach schwarz und weiß, gut und böse, nach klaren Linien. Und müssen das mit Klauen und Zähen verteidigen, wenn jemand anderer Meinung ist.
Aber dafür ist das Leben zu komplex.
In sofern ist die #ice bucket challenge: Spannend.

Und nu? Ach, ich wollt’s nur mal laut gedacht haben.
Aber dass ich da drei Tage für gebraucht habe, mag ein gutes Zeichen dafür sein, dass es sich lohnen kann, erst einmal drüber zu schlafen. Nahezu immer.
Kleiner Tipp am Rande: Das gilt auch, wenn Du jetzt schon die Finger auf der Tastatur liegen hast, um mir einen geharnischten Kommentar zu schreiben, weil ich hier etwas für oder gegen die Challenge oder Deinen Lieblingspromi oder sogar Dich geschrieben habe ;)


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

„Empört Euch!” stand früher mal an Wänden, da schien so ein Aufruf noch nötig gewesen zu sein. Heute empört sich jeder – nein falsch – der Durchschnittskommentator empört sich nicht, er explodiert geradezu, wen er etwas liest, was ihm nicht passt. Ob das gut und richtig so ist? Wir hatten das Thema ja in der letzten Folge unserer kleinen Linksammlung schon, aber es scheint wichtig zu bleiben. Don Dahlmann schreibt lang und ausführlich dazu und spannt den ein oder anderen interessanten Bogen von der Filter- zur Empörungsbubble und es lohnt, sich einen Moment Zeit dafür zu nehmen.

Abzugrenzen von den Empörungskommentatoren sind im Web ja die sog. Trolle. Die nämlich regen sich nicht kurzfristig auf, die sticheln nur herum – allerdings aus der reinen Lust am Sticheln. Die merken ganz schnell, was das gegenüber wohl so richig reizen könnte und genau da legen sie dann los. Ob sie das ernst meinen ist unklar.
Deswegen finde ich auch die Überschrift „Die Trolle von der Polizei” nicht so passend – der Rest des Artikels hingegen erinnert uns an einige wichtige Wahrheiten, die in einer angeblichen „Sicherheits”-Debatte zu oft unter den Tisch fallen.

„Ja, aber …” höre ich es aus der Ecke, „Ja aber wenn es doch unserer Sicherheit dient?” Und abgesehen davon, dass einem „ja aber” irgendwie selten ein gutes Argument folgt: Nein. Überwachung dient nicht unserer Sicherheit. Überwachung produziert mehr Verdächtige und insgesamt ein Klima der Unsicherheit. Viel wirkungsvoller wäre es, einmal dorthin zu gucken, wo ermittelt wird und wie ermittelt wird. Im Falle der NSU zum Beispiel unter aller Sau, das war ja irgendwie schon bekannt. Der Untersuchungsausschuss hat jetzt aber noch mehr herausgefunden. Und das ist nicht schön, da könnte man mal ansetzen, bevor man ein ganzes Land unter Generalverdacht stellt.

Aber wenn wir uns schon in der unschönen rechten Ecke herumtreiben, dann beenden wir unsere kleine Sammlung doch mit einem schönen Moment. Mit einem Städtchen, dass in einer sicher nicht einfachen Situation einfach mal etwas hatte, was an anderer Stelle oft fehlt: Eine Haltung nämlich.

Apropos „Haltung”: In eigener Sache möchte ich ganz zumm Schluss noch auf einen Artikel bei der GLS-Bank hinweisen – die hat nämlich Blogger gesucht, die für sie die von ihnen unterstützten Projekte besuchen und darüber berichten. Das jawl und ich hatten uns beworben und ich freue mich sehr, eines unter achtzehn tollen Blogs zu sein. Und ebenso, dann bald ein (noch nicht feststehendes) Projekt zu besuchen und darüber hier an dieser Stelle zu berichten.


Filme und Serien im August 2014

Aus der Kategorie »just movies«

Alle Filme und Serien – egal ob @Kino oder @home im August 2014. Und weil es diesmal so viel ist, schreib ich einfach heute schon einen Eintrag. Ist ja mein Blog, ich darf das.

  • Fantômas se déchaîne (Fantomas gegen Interpol) (IMDB)
    Film, 1965, @home
    Zweiter Teil der Ende letzten Monats begonnenen Trilogie. Ein Jahr, nachdem Komissar Juve Fantomas vertreiben konnte, taucht der geniale Verbrecher wieder auf. Er entführt einige Wisenschaftler und will mit ihrer Hilfe ein Gerät konstruieren, mit dem er die Gedanken anderer fernsteuern kann.
    Wird Juve ihn diesmal stellen können?
    Nachdem der erste Teil und vor allem Louis de Funès sehr erfolgreich gewesen waren erschien ein Jahr später der zweite Teil. Louis ist schon etwas klamaukiger aber immer noch überwiegt der langsame Charme, mit dem die Geschichte und jede einzelne Handlung gezeigt werden. Besonders verliebt war man damals wohl in die verschiedenen Masken, unter denen Fantomas auftritt und die Tom Cruise Jahre später dann in den M:I-Filmen wieder ausgrub.
    Bechdel-Test: Nope, Frauen sind weiterhin nur Beiwerk.
    ★★★★★★☆☆☆☆
  • Fantômas contre Scotland Yard (Fantomas bedroht die Welt) (IMDB)
    Film, 1967, @home
    Der dritte Teil der Trilogie. Fantomas hat sich überlegt, die Reichen der Welt zu erpressen und beginnt beim alten Adel Schottlands. Ein dort lebender Lord, der auch schon Besuch vom Verbrecher in der blauen Maske erhalten hat, bittet Komissar Juve zu Hilfe. Das eingespielte Trio Juve, Fandor und Hélène reist also los und das Verwirr- und Versteckspiel beginnt.
    Aber irgendwie macht es keinen Spaß mehr, ales wirkt lieblos zusammengestückelt, es fehlt der rote Faden, oder der „Glue”, wie wir Musiker bein Endmix sagen.
    Bechdel-Test: Nope, die eine Frau spielt zwar immerhin jetzt so etwas wie eine Rolle aber alle anderen dürfen nur beiwerken.
    ★★★★☆☆☆☆☆☆
  • Non Stop (IMDB)
    Film, 2014, @home
    Bill Marks ist erstens Air Marshall und zweitens eine ziemlich kaputte Type. Bei einem Job erhält er kurz nach dem Start auf seinem abgesicherten Diensthandy eine Nachricht. Der Absender, der gar keinen Zugriff auf diese Nummer haben dürfte stellt sich als Erpresser heraus, der damit droht, alle 20 Minuten jemanden zu töten, wenn er nicht furchtbar viel Geld bekommt. Jetzt ist es natürlich schwer, in einem Flugzeug unauffällig jemanden zu töten, doch der Plan …
    … Ja, der Plan hat es in sich. Wir saßen ziemlich gebannt auf der heimischen Couch, weil dieser Film einfach unfassbar spannend ist.
    Der komische letzte Stern unten in der Wertung soll ein halber sein, denn ein halbes Sternchen Abzug gibts für ein par der Story geschenkten Logikbrüche und für den etwas überhasteten Schluß. Da wären 5 Minuten mehr sehr viel mehr gewesen und wir haben beide etwas blöd geguckt.
    Bechdel-Test: Nope, Frauen sind Sidekick und dürfen zuarbeiten. Mehr nicht.
    ★★★★★★★★★✪
  • Broen (Die Brücke – Transit in den Tod) (IMDB)
    Serie, 2014, @home
    Die Liebste stieß auf die Serie, die wir dank maxdome und Chromecast dann schauen konnten wann wir und nicht wann der Lerchenberg es wollte.
    In der ersten Staffel suchen Saga Norén und Martin Rohde, eine schwedische Polzistin und ihr dänischer Kollege einen Verbrecher, der eine Leiche exakt auf die schwedisch-dänische Grenze auf die Öresundbrücke gelegt hat und weitere Morde ankündigt.
    Die Serie ist schwedisch und dänisch, es ist ein Krimi und folgerichtig ist es meist dunkel.
    Aber erstens ist es unfassbar schön anzusehen dunkel (also jetzt mal im Ernst: schwedisches Design, Alter; es haut mich immer wieder um) und zweitens ist die Story komplex genug, die Charaktere interessant genug um voller Freude zuzusehen und nicht wie bei deutschen Produktionen oft dem amerikanischen Standard nachzujammern.
    Bechdel-Test: Mehrere Frauen ja, ich fürchte aber sie reden selten miteinander.
    ★★★★★★★★★☆
  • Begegnung im All
    Doku, 2012, @home
    Die Doku begleitet den niederländischen Astronauten ein bisschen auf der ISS und den Deutschen Alexander Gerst bei seinen Vorbereitungen auf den Flug ins All.
    Seit Gravity und den Dokus, die wir damals dazu geguckt haben geht eine hübsche Weltraum-Doku immer gut. Nett gemacht, Weltall, ein paar wunderschöne Erd-Aufnahmen und alles ist fein.
    ★★★★★★★☆☆☆
  • Lucy (IMDB)
    Film, 2014, @the movies
    Lucy (oder wie auch immer sie heißt) lebt irgendwo in Asien und stolpert in eine Drogen-Kurier-Geschichte hinein. Dummerweise platzt der ihr eingepflazte Beutel und die folgende Überdosis pusht ihr Gehirn in ungeahnte Leistungsbereiche hinein. Während sie auf die 100%ige Nutzung des vorhandenen Potentials (wir erinnern uns: Angeblich dümpeln wir alle bei 10%) zusteuert, verfolgen sie die Bösen, denen die die Drogen gehören.
    Luc Besson hat sich ja schon im fünftem Element ausgiebig damit auseinander gesetzt, was die Menschheit so treibt. Ebenfalls da nutzte er eine wortkarge schöne Frau, für den Blick von außen. Ich mag die Gedanken, die er sich macht und ich mag auch wohin sie ihn führen und ich mag seine Bildsprache. Deswege gucke ich auch über die ein oder andere etwas flache Figur großzügig hinweg und denke über die Philosophie nach. Und finde es schade, dass Lucy ab dem ersten 10% Gewinn ziemlich kommentarlos alles plattmacht, was sich ihr in den Weg stellt.
    Bechdel-Test: Nein. Außer Scarlett spielen eigentlich nur noch Männer in sprechenden Rollen mit mehr als einem Satz mit.
    ★★★★★★★★☆☆
  • Stand by me (Stand by me – Geheimnis eines Sommers) (IMDB)
    Film, 1986, @home
    Der Schriftsteller Gordon Lachance erinnert sich daran, wie er mit zwölf mit seinen drei besten Freunden aus der Kleinstadt Castle Rock hinaus in die Wälder los zog, um die Leiche eines verunglückten Jungen zu sehen.
    Ja, das ist schon die ganze Geschichte. Eine wunderschöne, ruhig erzählte Geschichte über das, was King am besten erzählen kann: Kinder auf der Schwelle zwischen Kindheit und Jugend. Die Vorlage ist eine Novelle von Stephen King, die in der Sammlung „Frühling, Sommer, Herbst und Tod” veröffentlicht wurde. Nein, es ist weder eine Horrorgeschichte, noch ein Horrorfilm. Aber es ist eines meiner all-time-favorite Bücher und der Film ist der Vorlage würdig – was gerade bei King sehr selten der Fall ist.
    Bechdel-Test: Nein. Die Geschichte spielt im Amerika der späten 50er und da spielen Frauen nahezu keine Rolle.
    ★★★★★★★★★★

Was ist eigentlich dieser Bechdel-Test? Guckstu hier. Banner und Links mit Sternchen führen zu iTunes und sind affiliate-Links



Naherholung

Aus der Kategorie »just pix«

2014-08-17-sorpe


Phoenix West

Aus der Kategorie »just pix«

phoenixwestpreview

Ich war in Dortmund und habe Fotos gemacht. Bitte hier entlang.


Oh Captain my captain.

Aus der Kategorie »just people«

Robin Williams ist tot. Vermutlich hat er sich umgebracht. Vermutlich war er depressiv. So weit momentan das, was man so weiß.

mycaptainViele Menschen finden das traurig und dieses öffentliche Trauern im Web nimmt manchmal Formen an, die uns noch seltsam vorkommen, wir üben ja alle noch.
Manche Menschen – auch wir – haben sich auf einen Tisch gestellt und das fotografiert. Sie beziehen sich auf eine Szene aus dem „Club der toten Dichter” in der die Schüler protestieren, dass ihr Lehrer, gespielt von Robin Williams gehen soll.

Manche andere Menschen nehmen das zum Anlass, über Depressionen zu sprechen: Er hatte doch alles, war erfolgreich, hatte einen Oskar und wir alle liebten ihn.

Sorry, was für ein Bullshit; das nehme ich jetzt mal zum Anlass, auch über Depressionen zu schreiben.
Ich werde nicht darüber schreiben, was man erlebt und wie es einem geht, wenn man an Depressionen erkrankt ist. Das wäre vermessen, denn ich bin sicher, das schwarze Loch erlebt jede und jeder anders.

Aber ich möchte mir wünschen, dass wir alle einmal versuchen, Depressionen als das wahrzunehmen, was sie sind: Eine Krankheit. Wie Schnupfen. Wie ein Bänderriss. Wie eine Bindehautentzündung. Wie eine Querschnittslähmung. Wie kreisrunder Haarausfall.

Und natürlich auch überhaupt nicht so, wie alle diese Krankheiten – genau so wie alle meine Beispiele auch alle ganz unterschiedlich sind. Aber nehmen wir mal diesen einen Aspekt: Jede dieser Krankheiten beeinflusst uns, mit jeder können wir manches tun wie immer und manches nicht. Jede schränkt uns in irgendetwas ein und lässt andere Teile von uns unangetastet.

Hast Du einen heftigen Schnupfen, überrascht es Dich, wenn auf einmal stehen, sitzen, liegen anstrengend ist. Dann kannst Du auf einmal nicht mehr den ganzen Tag am Rechner sitzen, weil sich Dein Hirn zusetzt und die Knochen schmerzen.
Hast Du einen Schnupfen mit Fieber und allem was dazugehört, wird niemand von Dir verlangen, Dich nicht so anzustellen.
Hast Du einen Bänderriss wird niemand von Dir verlangen, den Treppenlauf im EmpireStateBuilding mitzulaufen.
Hast Du eine Bindehautentzündung, wird niemand von Dir verlangen, den ganzen Tag durch ein Fernglas die Sonne zu beobachten.

Hast Du Schnupfen, bist Du kein anderer Mensch. Hast Du Schnupfen, bist Du nur dann ein anderer Mensch, wenn man Dich auf Deine Fähigkeit zu denken, wach und fit zu sein beschränkt. Du bist der gleiche, nur langsamer und vielleicht etwas genervt. Und ob Du Dich „anstellst” oder nicht – manches geht eben nicht. Dein Imunsystem ist eben gerade krank.

Hast Du einen Bänderriss, dann bist Du kein anderer Mensch. Hast Du einen Bänderriss, bist Du nur ein anderer Mensch, wenn man Dich auf Deine Fähigkeit, schnell zu laufen beschränkt. Du bist der gleiche, nur langsamer und vielleicht etwas genervt. Und ob Du Dich „anstellst” oder nicht – manches geht eben nicht. Dein Fuß ist eben gerade krank.

Hast Du eine Depression, eine depressive Phase, whatever you may call it, dann bist Du der gleiche. Nur manches geht eben nicht. Oder langsamer. Nicht wie gewohnt. Du stellst Dich nicht an, sondern Dein Gehirn tut Dinge anders als sonst. Dinge, die Dich sonst froh gemacht haben, lassen Dich vielleicht gleichgültig. Manches geht eben nicht. Dein Gehirn ist eben gerade krank.
Dinge die Dir wichtig waren, sind vielleicht egal. Dein Gehirn ist nämlich gerade krank.

Und vielleicht bist Du müder, wahrscheinlich trauriger und es besteht eine große Chance, dass Du jede Menge Deiner verbliebenen Energie dafür aufbringst, nach außen möglichst gesund zu erscheinen, weil auch alle anderen sich genau diese Gedanken hier noch nie gemacht haben und Dich komisch behandeln.

Wenn ein Schnupfen vorbei ist, dann kannst Du Dich nicht mehr erinnern, wie sich das anfühlte, dann kannst Du es Dir nicht mehr vorstellen. So wie man sich im Sommer keinen Schnee, zu Weihnachten keine Sonne vorstellen kann.
Sei also bitte nicht so vermessen, jemandem zu sagen, er soll sich nicht so anstellen, nur weil Du auch schon einmal ein paar Tage mies drauf warst. Depression ist eine Krankheit und nicht eine Laune.
Hast Du diese Krankheit nicht kannst Du sie Dir nicht vorstellen. Das kann nicht mal ein Depressiver, wenn er gerade keinen akuten Schub hat. Du kannst Dir ja auch keine Grippe vorstellen, wenn Du gerade keine hast.
Aber wenn Du einen depressiven Schub hast, dann kannst Du Dir keine Sonne vorstellen.

 

Ja, ich weiß: Natürlich ist das auch alles etwas vereinfacht, weil ein gebrochener Fuß das Wesen eines Menschen nicht verändert, eine Depression augenscheinlich aber schon.

Aber irgendwo dahinter ist es so. Unter der Krankheit, da ist der gleiche Mensch. Er oder sie stellt sich nicht an, er oder sie ist nicht undankbar – er oder sie ist gerade krank. Lassen wir ihn oder sie dann nicht zusätzlich auch noch alleine. Bestrafen wir sie nicht auch noch dafür, dass es ihnen nicht gut geht.


Die neue Kamera und ein bisschen drama in the sky, baby.

Aus der Kategorie »just pix«

Cloudporn