Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

Erst asynchron dann sprachlos?

Aus der Kategorie »just people«

„Telefonieren will ja sonst nur noch meine Mutter“, sagt er halb belustigt und halb empört als ich vorschlage, mal wieder ein paar Worte zu schnacken – weil wir uns ja schon ewig schon nur über facebook und twitter „gesehen“ haben.

„Da guck ich eine Woche auf meinen Homescreen und hab irgendwie das Gefühl, da fehlt ’ne App. Dann gemerkt: Es ist das Telefon“, twittert sie und sammelt Fav-Herzchen und Retweets.

„Warum ich kein Telefon mehr habe“, bloggt der Business-Blogger und erklärt, er nähme keine dieser unfassbar unhöflichen Kunden mehr an, die sich nicht mit Mail und Messenger begnügen.

Und ich? Ich finds schade. Schon Telefonieren ist für mich nur ein Ersatz fürs Gespräch von Angesicht zu Angesicht – aber immerhin eins, wo man die Stimme des anderen hört. Aber ein Ersatz. Und einer, der selbst immer mehr ersetzt wird.
Wir kommunizieren mit mehr als unseren Worten. Tonfall, Betonungen, Pausen und dann Mimik, Gestik und der ganze Körper sprechen mit – ich glaube kaum, dass das jemand anzweifelt.
Aber wenn ich mir meine Filterbubble anschaue, dann stehe ich auf verlorenem Posten. Synchrone Kommunikation abseits von echtem Aufeinandertreffen ist out, asynchron ist in. Wer das nicht findet, ist ein Anachronismus.

Warum ich da jetzt drüber schreibe? In den letzten Wochen und Monaten kam zum persönlichen Bedauern darüber noch eine weitere Überlegung:

Seit vielen Monaten, bald auch schon seit wenigen Jahren beobachten „wir“ Menschen auf facebook, bei twitter, aber auf der Straße und seit neustem auch in präsidialen Ehren, die nicht (mehr?) kommunizieren können. Also: Sie können zwar (meist) Buchstaben aneinander reihen und auch sprechen, benutzen das aber hauptsächlich, um lauthals in Textfelder, Mikrofone oder die frische Luft zu brüllen. Wirklich kommunizieren, sich austauschen, können sie nicht mehr.
Erst vor ein paar Tagen sah z.B. ich den Dresdner Bürgermeister vor einer wütenden Bürgerin stehen, die ihn anbrüllte, sie wolle diese Busse da nicht stehen haben, aber er höre ihr ja nicht zu. Und als er ihr zuhörte, drehte sie sich weg. Kam zurück, brüllte ihn an, er und die anderen „da oben“ machten ja eh, was sie wollten und hörten nicht zu und würden ohne Rücksicht auf Verluste einfach machen. Was der Scheiss den solle? Und als er da dann den Mund zur Antwort öffnete, brüllte sie, sie wolle jetzt gar nichts von ihm hören, er höre ihr ja eh nicht zu. Und ging endgültig.
Ja. Irgendwie vollkommen absurd.

Man könnte aber auch sagen: Einfach nur konsequent asynchron kommuniziert.

Jetzt war und ist diese asynchrone Kommunikation ja an einigen Stellen ein wahrer Segen. Bei der Arbeit wird man vom Klingeln des Telefons oder der Haustür nicht aus dem aktuellen Gedankengang gerissen. Man kann antworten, wenn man Zeit und Ruhe hat.
Man muss einem Streit oder einer Diskussion nicht dem spontanen, vielleicht verletzten Gefühl folgen, sondern kann eine Antwort auch mal eine Nacht liegen lassen. Und wenn es Konflikte geben sollte, kann man sogar mit STRG-F nachschauen, was der oder die andere gesagt hat.
Das bedeutet, negativ formuliert aber auch: Man man übt seine Impulskontrolle nicht mehr und verliert allmählich die Übung, sich auf jemand anderen einzulassen. Der Respekt gegenüber dem Gegenüber ist im Gespräch nicht mehr grundsätzlich vorhanden, sondern schleicht sich im besten Fall noch einmal ein, während das Geschriebene über Nacht „reift“, wie wir es so schön nennen.
Im Vordergrund steht dabei das Ich und das aktuelle Handeln. Mitmenschen werden zu (Stör?)-Faktoren und beliebig plan- und terminlich schiebbaren Ressourcen.

Hat man gerade keine Zeit zu antworten oder benötigt im Positiven oder Negativen die berühmte Nacht zum drüber-Schlafen, bricht die Kommunikation auch einfach mal mitten drin ab.
Und so wird leicht aus jedem Posting, aus jedem Tweet und aus jedem Chat-Fetzen ein geschlossener Beitrag, einer der für sich auch als letztes Wort stehen kann, einer, der so angelegt ist, dass er eben vielleicht keine Antwort bekommt. Eine Form zu formulieren, die man sonst nur aus Einbahnstraßen-Medien wie Zeitung oder Fernsehen; im persönlichen Aufeinandertreffen nur aus einer Rede oder einem Vortrag kannte.

Kaum etwas bringt das so schön auf den Punkt wie der in Marketingkreise so oft gehörte Satz „Wie kommunizieren wir das denn unseren Kunden?“

Man kann das natürlich benutzen und ich müsste lügen, wenn ich nicht schon eMails oder Kommentare geschrieben hätte, die so formuliert waren, dass sie nur den einzigen Grund gehabt hätten: Das Gespräch zu beenden – oder erst gar keins aufkommen zu lassen. Man kann das zum Beispiel durch die schiere Masse an Text tun; so viel Argumente präsentieren, dass der andere sich darin verheddert. (Funktioniert leider meist nicht mehr, weil wir ja alle noch die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs haben und uns dann an irgendeinem willkürlichen Nebensatz aufhängen und antworten.)

Den gleichen Zweck kann man aber auch erreichen, in dem man die Kommunikation institutionalisiert: Vorstandsvorsitzende und Politiker nutzen nicht ohne Grund so gerne Pressekonferenzen. Dort haben Sie die Kontrolle über das Geschehen und im Zweifelsfall springt ein Scherge ein und sagt: Herr X beantwortet jetzt keine Fragen mehr.
Für Methode zwei braucht man erst einmal einen Machtposten oder mindestens einen Statusunterschied, für die erste zumindest eine gewisse Übung in schriftlicher Kommunikation.

Die dritte Möglichkeit hingegen ist simpel: Lautstärke. Egal ob über Großbuchstaben mit vielen Satzzeichen oder wirkliches Gebrüll – auch so hindere ich den anderen an der Kommunikation. Vielleicht ein durchaus verständlicher Weg, wenn man vorher zu lange durch die anderen Methoden mundtot gemacht worden ist.

Und nun weiß ich auch nicht.


#WMDEDGT Februar 2017

Aus der Kategorie »just people«

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

Eigentlich begann der Sonntag schon um 0:00,
…da schauten wir gerade „Quantico“.
Das fing ja nett an, aber im Moment weiß ich nicht mehr so genau. Ein bischen nervt mich momentan das in jeder Folge gleiche Muster …
– Wir lernen in der Ausbildung was
– Wir brauchen es zuufälig auch privat im Umgang mit den anderen Trainees
– Wir brauchen es zufällig in der anderen Zeitschiene nach den Anschlägen
– Jemand neues hat ein neues dunkles Geheimnis

Aber mal sehen, andererseits bin ich noch neugierig, wie sich das alles auflöst.

 

Zehn Uhr
Lange geschlafen. Der Tag gestern hatte Migräne im Gepäck gehabt, die hab ich offensichtlich weggeschlafen.
Mal sehen, was Katz und Liebste machen. Der Plan ist, heute ein bisschen zu heimwerken.

Viertel vor eins
Ein bisschen geheimwerkt. Die lampe über meinem Schreibtisch, wisst Ihr, eine von diesen wunderbaren Ikea-Lampen, die man durch Berührung der Lampe an und aus-schalten und dimmen konnte, hatte das Zeitliche gesegnet. Sie dimmte von alleine und zwar in ca 5 Sekunden auf voll und in den nächsten 5 wieder runter und das im Kreis und ich sag Euch: So kann man nicht arbeiten. Ja, ich hatte sie schon gründlich geputzt :)

Es sollten also die neuen Lampen an die Decke. Ich hatte mir zwei Ranarp gekauft, deren altmodischen Keller-Charme stellte ich mir schön vor, hier überm Schreibtisch.
War klar, dass man, wenn man Sonntags heimwerkeln will, exakt ein Teil zu wenig aus dem Baumarkt mitgebracht hat, oder?
Nun denn.

 

halb neun
Tja. Erwähnte ich die Migräne gestern. Wer selbst Spaß mit dem bösen M. hat kennt das vielleicht: Auch ohne direkte Schmerzen noch (oder auch vorher schon) Begleiterscheinungen wie Schwindel, Übelkeit, Sehfeldbeeinträchtigungen und so.
Und dann wisst Ihr, wie ich meinen Nachmittag verbracht habe. Und was ich jetzt auch noch so machen werde. Vielleicht hätt’ ich doch vorher nicht auf der Leiter rumklettern sollen.

To be nicht mehr continued.


Was schön war in den letzten Tagen

Aus der Kategorie »just jawl«

Das war die fuckin’ hartnäckgste Bronchitis ever. Ever, ever. Aber schon seit ein paar Tagen mehr kehrt Kraft wieder und vor allem auch die Lust mal etwas anderes zu tun als nur einfach irgendwie den Tag zu überstehen.

Das Firmen-Jahr fängt gut an. So als Selbstständiger ist man ja auch immer auch die eigene Firma und das ist hübsch. Ich hab ok viel zu tun, es sind nette Jobs und ein paar Anfragen aus dem Blogumfeld, die ich auch immer sehr gerne mache.
Und es gibt ein bisschen Zeit, um am Projekt W zu arbeiten. Keine Sorge, ich hab von Projekt W noch nie etwas erzählt, werde das aber zu gegebener Zeit tun.

Zweieinhalb Monate, bevor er zurück zum Händler geht, wollte das aktuelle Auto nochmal zur Inspektion. Worst timing ever. Aber der Verkäufer, der mit mir den Nachfolger zusammengestellt hatte, hatte mich an der Terminvergabe stehen sehen, teilte meine Meinung über das schechte Timing und linderte meine Schmerzen mit „Brauchen Sie ’nen Leihwagen an dem Tag? Den übernehm ich, ich such Ihnen was Schönes aus“. Und das hatte er getan. Kinder, Ihr habt natürlich Recht wenn Ihr sagt, dass Automatik was für alte Männer ist. Aber eine S-Tronic ist halt auch keine Automatik und ich hab den halben Tag im Kreis gegrinst..

In einer Mailingliste, die ich nur deswegen abonniert habe, weil alle Jubeljahre mal eine interessante Veranstaltungsankündigung reinschneit, schneite eine interessante Veranstaltungsankündigung herein. Professor Harald Lesch, Ihr wisst schon: Der, der im ZDF die tollen Wissenschaftssendungen macht und der der AFD wisschenschaftlich Paroli bietet. Er war in Dortmund und sprach dort über Wissenschaftsvermittlung. Was natürlich sehr spannend war, weil er a) im Alltag ganz klassisch seiner Professur nachkommt, b) für seine Fernseh- oder YouTube-Sendungen all das komplett anders aufbereiten muss und c) eine relativ coole Sau ist.
Wir fuhren hin, waren zum exakt spätestmöglichen Zeitpunkt da, bevor der Hörsaal richtig, richtig voll wurde und waren hinterher einfach sehr glücklich. Gut rübergebrachter Input ist so eine geile Sache.
Spannend: Erbetonte, wie wichtig räumliche Nähe für das Gelingen wie nicht-gelingen seiner Arbeit sei. Ich werde da noch einmal drüber nachdenken.
Aber mal am Rand: Sich im Erwachsenenalter mal einen Hörsaal anzusehen lässt einen auch kurz darüber schaudern, wie Deutschland mit seinem Bildungshungrigen Nachwuchs umgeht.

Ein bisschen Regelmäßigkeit in mein morgendliches Qi Gong gebracht. Hach.

Besuch zum Videogucken gehabt. War voll schön.
Habt Ihr das auch ewig nicht mehr gemacht? Videoabende? Mit Nüsschen und Paprika- und Kohlrabischnitzen und Dip? Auch so ein Dings, was ausstirbt, weil jeder sein eigenes Netflix auf dem Schoss hat.

Gerade, als ich aufstand, gemerkt wie schön wir es hier haben und wie gern ich hier, genau so wie wir es tun, mit der Liebsten zusammen lebe. Could it be better?


Videos oder Filme im Internet zu gucken kann teuer werden

Aus der Kategorie »just TV«

… sagte mir jedenfalls letztens eine Sendung im WDR.

Weil es nämlich verschiedene Anbieter gibt und die einen sind legal und die anderen nicht. Auch wenn man etwas zahlt, ist man nicht automatisch sicher.
Da gibt es nämlich welche, da lädt man automatisch auch selbst was hoch und das ist verboten.
So weit der Bericht im Fernsehen.

Was die Sendung leider nicht tat – ich vermute weil es ja als Werbung hätte ausgelegt werden können, sogar noch als Werbung für die Konkurenz:
Namen nennen.
Den Zuschauern erklären, was Netflix, amazon Prime oder maxdome von Peer2Peer-Anbietern oder KinoxTo oder ähnlichem unterscheidet. Technisch und rechtlich.

Das ist natürlich unglaublich unnütz für den Zuschauer, sehr dumm und irgendwie auch unglaublich schade.
Aber natürlich ist es besser den Zuschauer im Ungewissen zu lassen – am besten erzählt man gar nichts über die Konkurenz und lässt dieses Internet weiter als einen seltsamen gefährlichen Raum dastehen.
Wie 2005. So schön. Nicht.


ein richtig guter Mensch

Aus der Kategorie »just people«

Die G.
Ich möchte Euch jemanden vorstellen: Das ist die G.
G. ist in einem Vorort aufgewachsen, aber es gibt G.s bestimmt in jedem Ort, ob online oder offline, egal wie groß oder klein.
G. kommt aus einem sogenannten ziemlich guten Elternhaus, vor allem ihr Vater hat immer sehr gut auf sie geachtet. Als Nachkriegspatriarch alter Schule sagte er ihr, wie‘s geht und wie nicht und im Zweifel auch mal, was man worüber dachte. Vielleicht sogar ein bisschen viel, denn als sie erwachsen wurde, war G. arg unselbstständig und naiv und viele nutzten das fröhlich aus. Und beinahe alle amüsierten sich königlich über das kleine Purzelchen.

G. findet neue Freunde
Aber G. fand zum Glück neue Freunde, als sie zum Studieren loszog. Gute Freunde, gute Menschen. Die waren aufmerksam für ihre Mitmenschen, die lachten andere nicht aus. Die waren selbstbewusst und tolerant, die machten keine Unterschiede zwischen Frau und Mann, die waren auch mal offen für Alternatives und die engagierten sich für Minderheiten – und G. lernte das alles mit großen Augen kennen. Ihre neuen Freunde lachten auch nicht über sie, sie rieten G. vielmehr, auch mal ihre eigene Meinung zu finden und zu vertreten.

Es war erst schmerzhaft, all das zu sehen, aber sie merkte nach und nach, wie sehr ihr Vater und auch alte Bekannte immer ausgenutzt hatten, dass sie so brav war. Sie lernte auch, wie sexistisch vieles von dem war, was sie erlebt hatte und begriff, dass ihr Vater wohl das beste Beispiel für Mansplaining war, das man hätte finden können. Es war nicht nur schön, das alles zu durchschauen.
Sie überlegte, wie sie mehr Selbstbewusstsein erlangen könnte; sie begriff, wie andere sie ausnutzten und über sie lachten.

Und eines Tages beschloss sie: Heute ist der Nullpunkt und ich achte ab jetzt jeden Tag ein wenig mehr auf mich und weniger auf andere, denn ich will mich nicht immer so leicht beeinflussen lassen.

Außerdem – ich muss es kurz erwähnen – nahm sie von ihren neuen Freunden auch Kleidungs- und Frisur-Stil an, richtete ihr WG-Zimmer neu ein und warf ihr Studium über den Haufen um Diplompädagogin zu werden – auch wenn es ihrem Vater so gar nicht gefiel. Und so unwichtig Kleidung und Frisur und auch so ein Job eigentlich sind, die werden noch wichtig.

Ein paar Jahre später
Schon wenige Jahre später war G. auf den ersten Blick nicht von ihren neuen Freunden zu unterscheiden. Nur wenn man mehr mit ihr zu tun hatte merkte man: Sie war ihrem Vorsatz treu geblieben und achtete jeden Tag etwas mehr auf sich. Und etwas weniger auf andere.
Wer etwas bewandert in Mathe oder Logik ist kann jetzt messerscharf schließen: Wer seit Jahren jeden Tag etwas – sagen wir ein viertel Prozent, das ist ja wirklich nicht viel – egoistischer wird, der denkt nach Eins-Komma-Eins Jahren zu einhundert Prozent nur noch an sich selbst. Und so geschah es auch.

G. war weder in Mathe noch in Logik besonders gut. Und so hatte sie übersehen, dass ihr Vorsatz nur so lange ein guter gewesen war, so lange er sich auf ihren damaligen Nullpunkt bezog. Dass sie sich inzwischen schon ein gutes Stück weiter entwickelt hatte, das übersah sie und so sagte mancher, sie sei inzwischen ein ziemlich egoistisches Miststück, das außerhalb ihres kleinen Kosmos nichts anderes gelten lasse als sich selbst. Und eigentlich würde sie sogar jeden Tag schlimmer. Naja, logisch, das war ja auch irgendwie genau ihr Plan gewesen.

Etwas problematisch, auch für ihre eigentlich diskussionsgewandten Freunde, war, dass man mit ihr über kaum noch irgendetwas und erst Recht nicht speziell darüber sprechen konnte. Denn sie hatte sich ja vorgenommen, sich nicht immer reinreden zu lassen, so wie es ihr auch alle empfohlen hatten (die Ironie darin war eh niemand aufgegangen und soll hier auch nicht Thema sein).

Und so sehr G. nach außen immer noch die gemeinsamen Werte vertrat, so sehr sie für Minderheiten und gegen Bullies, für Gleichberechtigung, Offenheit, Toleranz und Empathie eintrat, so wenig verknüpfte sie Außen und Innen – und wenn man sie auf ihr Verhalten ansprach dann sagte sie sinngemäß: „Schau, ich bin doch feministische Pädagogin, ich bin vegane Yogalehrerin, ich trage Henna im Haar und Batik am Leib, ich gehe auf Demos gegen die Bonzen und für Flüchtlinge – ergo geht Deine Kritik ins Leere, denn ich kann gar kein schlechter Mensch sein.“

Noch schwieriger: G. verwechselte auch das was sie tat mit dem, wie sie war. Selbst wenn man gar nicht über ihren maßlosen Egoismus sprechen wollte sondern über irgendetwas vollkommen anderes was sie tat: Egal, ob es eine Nachfrage (von Kritik wollen wir erst gar nicht reden) zu etwas im Job, oder eine Frage an den von ihr favorisierten Yoga-Stil war: Sie fühlte sich an ihren immer alles steuernden Vater erinnert und schoss entsprechend heftig zurück. Denn sie! musste sich ja nichts mehr sagen lassen. Hatten ja alle gesagt.

Wieso erzähl ich das?
G. habe ich lange nicht mehr gesehen und vielleicht ist sie auch eigentlich ausgedacht.
Aber warum spreche ich über sie, was lernt uns das für heute?
Mich lernt das folgendes: Ich beobachte immer wieder G.s in meiner Umgebung und ich fürchte Dank der originalen G. verstehe ich, was ihnen geschehen ist.

Die eine G., die ist dick und deswegen immer gemobbt worden. Der andere G. trug schon als Kind eine Brille und wurde immer gehänselt. Die dritten G.s sind vielleicht einfach nur nicht normsexuell, norm-familiär, normschön, norm-erziehend, normdeutsch, norm-irgendwas und mussten oder müssen an dieser Front immer kämpfen. Ihr versteht schon.

Zum Glück gibt es seit ein paar Jahren das Internet und das ist immer gut dafür, wenn man andere finden möchte, denen es genau so geht wie einem selbst. Menschen, mit denen man sich austauschen kann, mit denen man zusammen eine Stimme haben kann; mit denen man den ewigen Kampf auch mal zusammen führen kann. Das ist richtig, richtig, richtig gut, versteht mich nicht falsch.

Nur schlechte G.s sind echte G.s
Aber die G.s die ich meine, die sind nur dann echte G.s, wenn sie nicht alle vergessen würden, wann denn der Tag Null war und wie weit der Weg ist, den sie seit da gemacht haben. Wie viele kleine Schritte für sich sie schon gemacht haben in den vielen Tagen seit Tag Null.
Und so benehmen sich viele G.s heute genau so wie die, vor denen sie damals Angst hatten. Egoistisch, rücksichtslos, laut und unangenehm, intolerant und engstirnig. Nur eben nicht „konservativ“ engstirnig, sondern „liberal“ oder „links“ engstirnig. Ja ja, das geht.

Spricht man sie aber z.B. darauf an, wenn man von ihnen mal schlecht behandelt wird oder aber übt man an dem was und wie sie es tun Kritik, dann rufen sie: Aber wir sind doch die Nerds, die Alternativen, die Unterbezahlten, die Alleinerziehenden, kurz: die Anderen, wir sind doch die Opfer! Wir sind doch die, die immer leiden mussten! Wir können doch gar nicht unfreundlich sein, wir können per Definition kein Hatespeech sprechen, unsere Tweets sind immer gut und richtig, unsere Taten immer strahlend gut. Und dabei ist es egal, ob man sie auf ihre neue Brille oder ihr StartUp, ihre Haarfarbe oder ihre Partei anspricht: Sie fühlen nicht die Frage oder Kritik von heute sondern den Angriff von damals und schießen entsprechend heftig zurück.

Meist – was die Sache noch unangenehmer macht – schießen alle ihre neuen Freunde gleich mit, für so was ist dieses Internet ja auch ganz gut geeignet.

Also nochmal: Was lernt uns das?
Mich, dass es klug ist, sich selbst nicht nur einmal im Leben, sondern immer wieder mal zu hinterfragen. Ist selten spaßig und tut manchmal richtig weh, aber meist lohnt’s.
Außerdem: Manche Diskussionen im Netz führe ich nicht mehr. Wenn ich merke, ich rede gerade nicht mit einem Menschen, sondern mit seinen Dämonen von früher, dann schweige ich still.

Und was Dir das lernt? Ach .com.

Kleine Anmerkung, weil ich verschiedentlich darauf angesprochen wurde: „Was lernt mich das“ ist schreckliches Deutsch, hier in der Gegend aber durchaus geläufig. Bitte verzeiht diesen kleinen Seitenhieb auf mein geliebtes (…) Sauerland.


… der Vorhang geht auf …

Aus der Kategorie »just people«

Wie die treue Leserin weiß, war ich auch dieses Weihnachten wieder im kleinen Theater und habe Musik und Fotos gemacht. Passend zu diesen Worten hier gibts drüben im Fotoblog auch die Fotos.

Am Anfang steht eine Idee, stehen ein paar Worte.
Da ist es fast egal, ob ein Engländer vor vierhundert Jahren Elfen und anderes Waldvolk eine Hochzeit feiern lässt oder wie in diesem Fall der wunderbare Stadtnarr im Cafe sitzt und die Menschen beobachtet: Am Anfang ist das Wort und das Wort ist irgendeinem Kopf entsprungen und das ist gut so.
Sind es der Worte genug, haben sich zu den Worten auch Bilder gesellt, dann trifft man sich. Sitzt im Kreis, liest sich die geschriebenen Worte vor und im ein oder anderen Hirn merkt man, dass dort eine Idee entsteht. Hier eine Betonung, dort eine Pause oder Stimmlage; man merkt, die Phantasie beginnt von einem zum nächsten rüber zu springen.
Und neben den Frontallappen tun auch die Stammhirne ihren Job. Man beschnuppert sich. Denkt erst „Jippie“ und ist dann enttäuscht, wenn der andere von damals in der echten Kneipe zu kellnern hat und deswegen nicht im Cafe auf der Bühne spielen kann. Oder wundert sich, was denn DER oder DIE ausgerechnet hier wollen.

Irgendwann wird es organisatorisch und – das sei vorweg genommen: Künstler können das selten gut. Deswegen wird es auch irgendwann anstrengend und chaotisch. Das gehört dazu und wird doch jedes Mal schlimmer. Vollkommen logischerweise wird das also am eigenen Alter liegen, denn wenn von den alten Griechen bis heute beim Theaterspiel alles immer schlimmer geworden wäre, dann würde niemand mehr niemals Stücke auf die Bühne bringen.

Mein persönlicher Lieblingsmoment: Die erste Probe, in der die erste Person das erste Wort auf der Bühne spricht. Vielleicht unsicher, vielleicht schon sehr bestimmt, vielleicht mutig ausprobierend; im besten Falle erlebt man sogar, wie man sich eine Viertelstunde über zwei Buchstaben unterhalten kann. Aber vollkommen egal, wie groß oder klein der Moment auch scheint: Jetzt geht es los.

Immer wenn Menschen zusammen etwas tun wollen, egal ob es Arbeit, ein Marmorkuchen oder ein Theaterstück ist: Alle haben verschiedene Vorstellungen davon. Davon wie es sein soll, davon wie es gerade ist und davon, was man selbst und alle anderen dazu tun müssen, damit es so wird, wie man selbst glaubt, dass es sein soll – in der festen Überzeugung, dass alle über Wie und Was und Warum exakt das gleiche meinen wie man selbst.
Das muss schief gehen und das geht auch schief. Wer wie ich gerne gruppendynamische Prozesse beobachtet, die oder der wird lieben, was dann passiert: Wie der versucht Allianzen zu schmieden und die einfach nur noch schmollt. Wer auf einmal vollkommen überraschend vom Mauerblümchen zur leisen Chefin wird und welcher Silberrücken auf einmal alleine da sitzt und sich anbiedernd das Fell andern Leuten unters Kinn schubbert.

Die Krise kommt, manchmal lautstark und so, dass man es eigentlich hinterher kaum noch in einem Raum aushält, manchmal so leise und bei allen einzeln, dass es die anderen kaum mitbekommen.
Und plötzlich hat man noch zwei oder besser auch drei Wochen zu proben aber dass die Premiere trotzdem schon in einer Woche statt findet, das steht auf allen Plakatwänden der Stadt. Dann fällt irgendwem auf, dass ja dies und das noch geregelt sein muss, überraschenderweise finden sich Menschen, die sonst nichts miteinander zu tun haben zu einer Nachtschicht und morgens um vier ist sowohl dies als auch das geregelt und außerdem verbindet diese drei Menschen jetzt eine dieser magischen Nachtschichten, die durch nichts auf der Welt zu ersetzen sind und ewige Liebe mit sich bringen – oder wenigstens bis nach der letzten Aufführung.

Die Generalprobe. Sie muss schiefgehen, sagt das abergläubische Theatervolk, aber auch nicht so richtig, damit die Motivation für den nächsten Abend nicht ganz verpufft.
Zur Generalprobe sitzen das erste Mal alle stundenlang zusammen in der Garderobe.
Zur Generalprobe haben sich alle so richtig lieb.

Wenn die Premiere geschafft ist, dann ist aus dem Liebhaben tiefe, reine ewige Liebe geworden. Man muss sich gegenseitig lieben, denn niemand anders auf der Welt versteht den wilden Walzer, den die Gefühle nach dem Schlussapplaus spielen. Es mag – gerade nach gelungenen Premieren – auch manchmal gemeinsamer Alkohol im Spiel sein.
Dementsprechend fehlt am zweiten Abend etwas Energie, dann erschrecken sich alle und ab dann wirds richtig gut. Hat man Glück, versteht auch die Lokalpresse den Sinn der Worte, die – gereift von der ersten Idee zum richtigen Theaterstück – dargeboten werden. Hat man Glück sagt die angereiste Verwandtschaft mehr als „Du hast Deinen Text aber gut gekonnt“

Zu schnell sind die wenigen Aufführungen vorbei. Das Theater lässt sich erschreckend schnell aufräumen, das Licht wird abgehängt, die Kostüme die Treppe hoch getragen und aus dem Cafe wird innerhalb von Minuten wieder eine leere Bühne und ein paar zusammengeklappte Wände.
Noch einmal trifft man sich um zusammen essen zu gehen und wenn man sich zwei Monate später in der Stadt begegnet, dann fühlt es sich an wie damals in der Kneipe zu Weihnachten nach dem Schulabschluss, als man nicht mehr genau wusste, warum man die anderen so lieb hatte; auch wenn man es wirklich feste wieder versuchen möchte.
Gut dran ist, wer weiß, dass das immer so ist, immer so sein wird und nie persönlich gemeint ist, wenn man sich plötzlich nichts mehr zu sagen hat.

Oder erst nächstes Jahr wieder, wenn jemand eine Idee hatte und die gerne auf der Bühne sähe.


Was schön war in den letzten Tagen

Aus der Kategorie »just jawl«

Tja.

Normalerweise nehme ich mir zu Weihnachten so ab Mitte Dezember frei. Dann habe ich Zeit, ein Bäumchen ins Wohnzimmer zu stellen, antizyklisch zu allen anderen durch den leeren Laden zu schlendern und einzukaufen und dann sehr entspannt Weihnachten zu verbringen. Die Tage „zwischen den Jahren“ sind ruhig, man kann gelegentlich an den kurz vor Weihnachten im Übermaß gekauften Nettigkeiten naschen, oft beginne ich dann auch mal wieder ein neues Stück Musik. Silvester fahren wir auf den Berg, von dem aus man den besten Blick über Sauerland und Ruhrgebiet hat, stoßen dort oben an und freuen uns auf das Kommende. In den Tagen danach ist Zeit, Bilder zu sortieren, ein wenig aufzuräumen und alberne und nicht-alberne Neujahrsvorsätze auseinander zu halten.
Das alles sind in langen Jahren erworbene, teilweise erkämpfte Riten und ich liebe sie inzwischen sehr.

Dieses Jahr wurde ich kurz vor Weihnachten krank, lag meist im Bett, hustete viel und keuchte fröhlich, wenn ich die Treppe zwischen Wohn- und Schlafzimmer hinter mich gebracht hatte. Menschen sprechen oder gar treffen war nicht drin, rausgehen auch nicht. Denken fiel schwer. Leider bin ich irgendwie immer noch nicht richtig gesund – so ein richtig hartnäckiges doofes Erkältungsdings. Vielleicht wars hinterher auch eine Bronchitis, wer weiß sowas schon immer.

Morgen werde ich den ersten Tag wieder arbeiten und wenn ich nicht so einen Husten hätte, dann könnte ich vielleicht so viel fressen wie ich … naja, Ihr wisst schon.

Ach ja: Irgendwann zwischen den Tagen war eine Freundin hier, und die Liebste und ich ließen uns unsere Weihnachtsgeschenke in die Haut stechen. Das war schön und ist es noch. Hometatooing rocked.


Was schön war diese Woche

Aus der Kategorie »just jawl«

Ja, ich hab letzte Woche etwas geschlunzt und deswegen gibts jetzt hier anderthalb Wochen im Rückblick. Was hauptsächlich daran lag, dass es in der externen Büro-Kommunikation unterschiedliche Definitionen von „noch ein paar kleine Änderungen“ gab. Oder in anderen Worten: Ich hab in der letzten Woche quasi nur gearbeitet, denn was als „kleine Änderungen“ angekündigt war, kostete etwa 20 Stunden aufs geplante Tagesgeschäft für eine Woche obendrauf.

Jetzt höre ich die ein oder anderen sagen: „Sei doch froh, wenn Du als Selbstständiger was zu tun hast“, aber das ist auch nur die Hälfte der etwas komplizierteren Wahrheit, über die die geneigte Leserin gerne unter dem schönen Schlagwort „Work-Life-Balance“ recherchieren mag.

Donnerstag begann dann offiziell mein Urlaub, inoffiziell aber hatte ich bis Freitag noch etwas am Schreibtisch zu tun. Was aber schön war: Trotz allem fiel ich exakt Mittwoch Abend in einen sehr tiefenentspannten Ferienmodus.

Ein lange gehätscheltes Kundenprojekt ist online. #schamloseEigenwerbung

Gute Nachrichten: Die Krankenkasse zeigte sich kulant. Da darf man mal lobhudeln.

Die erste Hälfte einer 25-stündigen Zusammenarbeit mit großer gegenseitiger Zufriedenheit abgeschlossen. Im Rückblick gemerkt, wie viel ich erreicht habe.

Ein Gewinnspiel veranstaltet. Tina Dico hatte mir im Herbst bei Helgi Jonssons Konzert ein paar Abzüge eines Fotos, das ich im April gemacht hatte signiert und ich hab zu Weihnachten ein paar dieser, für Fans doch schon recht exklusiven Stücke verlost. Und es ist unglaublich schön, wie sich die Menschen freuen.
Überhaupt merke ich, wie viel ich von der Arbeit für diese kleine Fanpage zurück bekomme. Ganz großartig.

Ein technischer Durchlauf im Theater. Etwas, was allen Beteiligten außer dem Techniker relativ unsympathisch ist und vielleicht gerade deswegen immer Unmengen Energie verschluckt. Aber auch hier: Lobhudeln, lobhudeln und lobhudeln: Die Schauspieler sind toll und geduldig und supportive. Oder lag es daran, dass ich ja gar nicht als Techniker engagiert bin und selbst nur unterstützend dabei war? Man weiß es nicht.

Überhaupt fügte sich das kleine Theaterstück immer und immer mehr zu einem organischen Ganzen zusammen. (Fand der Autor&Regiesseur&GodfatherOfItAll übrigens auch) Das ist toll anzusehen und macht viel mehr Spaß als manche Probe davor, an deren Ende ich doch noch etwas zweifelte.

Das Katz brauchte neue Tabletten und die dazu nötige Fahrt quer durchs Ruhrgebiet hab ich genutzt, auch mal wieder außerhalb des Theaters Fotos zu machen.

Nach den Proben haben wir endlich „The Blacklist“ geschaut. Warum zum Teufel haben wir das im ersten Anlauf nicht zu Ende geguckt? Ach ja: Es lief im linearen Fernsehen und das passte nicht in unseren Zeitplan.

Die ersten Bilder auf getty. Mal sehen.

Dann begann der tödliche Männerschnubben, der mich arg entschleunigte und so bleibt im Rückblick nur noch mal – ja, so kurz vor einer Premiere ist das Leben hier so monothematisch – das Theater: Da war nämlich die Generalprobe und das waren erstaunlich schon viele Zuschauer. Und die fanden es gut und es lief alles glatt und man sagte mir, die Musik sei gut und man habe auch schon Bilder gesehen und die seien toll – und das machte mich froh.

Außerdem – Nerd-Anhang – entsteht dieser Text hier gerade in Ulysses und das war ja wohl mal die beste Investition in eine Programm, die ich in den letzten Monaten so getan habe. Ulysses gibts zu Weihnachten für kurze Zeit mit 25% Rabatt (affiliate-Link) und wenn ichs jetzt nicht schon hätte würd ichs kaufen.