Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

Twitter-♥ im Juni 2016

Aus der Kategorie »just twittered«

Die [pls insert Lieblings-Adjektiv] Anne sammelt wieder wieder alle Twitter-Liebe. Merci dafür!

(Ja, ich weiß, es ist schon der siebte. Aber wenn Ihr mir so viel Leben bestellt, dann dauerts eben etwas länger.)

Außerdem gabs die offiziellen „gehts kürzer?“-Meisterschaften. Eine wichtige Disziplin für uns Twitterati.


Christian, wie funktioniert eigentlich Politik?

Aus der Kategorie »just politics«

Ach, das ist aber eine spannende Frage. Ich glaube, dazu erzähle ich Euch eine kleine Geschichte, genauer: Die Geschichte eines kleinen Jugendtreffs in einem Vorort von Menden. Diese Geschichte ging so:
In diesem Vorort gibt es einen großen Platz. Früher war hier der wöchentliche Markt, am einen Ende liegt eine große Bushaltestelle, am anderen das Bürgerbüro, von den Vorortbewohnern auch liebevoll „das Amt“ genannt. Rechts ein paar Parkplätze, links ein Brunnen und alles so unbeschreiblich 70-er-Jahre hässlich, dass sich außer denen, die auf den Bus warten niemand hier länger aufhält.
Niemand außer den Jugendlichen des Ortes, die keinen anderen Platz haben um sich zu treffen.

Und das geht natürlich auch nicht. Das subjektive Angstgefühl der Busnutzer steigt, über dem Amt sind auch noch ein paar Etagen mit Wohnungen und immerhin ist das hier der zentrale Platz des Ortes. Also beschweren sich die Anwohner.

Der Vorort und erst Recht die Ortsmitte mit dem Platz haben keine gute Lobby. Die Einwohner hier sind eher einfache Arbeiter, die Besserverdienenden haben eher am Ortsrand gebaut.
Es passiert: Nichts.

Dann stehen Wahlen für den Rat der Stadt an und der Kandidat für den Wahlkreis „Vorort Mitte“ wird von den Anwohnern relativ klar vor die Wahl gestellt: Mach die Jugendlichen da weg, sonst wählen wir Dich nicht.
Er verspricht das.
Die Wahl kommt, der Kandidat zieht in den Rat der Stadt ein, es passiert: Nichts.

Ein Jahr nach der Wahl geht der Sohn eines Freundes des frisch gebackenen Ratsmitglieds abends über den Platz und fühlt sich von den anwesenden Jugendlichen bedroht; der Vater des Jungen geht zu seinem Kumpel, denn der ist ja im Rat und spricht: Die müssen da weg.

Auf einmal geht alles sehr schnell: Das Thema wird in der Fraktion besprochen, dann im Fach-Ausschuss – und: Die Politik schickt einen Sozialarbeiter. Der nimmt Kontakt zu den Jugendlichen auf und lernt: Ihnen ist langweilig. Gut, für diese Erkenntnis hätte auch etwas gesunder Menschenverstand und eine ehrliche Erinnerung an die eigene Jugend gereicht, aber immerhin.
Der Sozialarbeiter sagt: Man muss eine Anlaufstelle für die Jugendlichen schaffen, damit die von der Straße kommen. Die Politik sagt: Lasst uns einen Jugendtreff bauen. Der Kämmerer sagt: Die Stadt hat kein Geld. Die Anwohner sagen: Die sollen da weg. Der Sozialarbeiter sagt: Die brauchen einen eigenen Ort. Die Politik sagt … so geht das ein, zwei, drei Jahre.

Dann wird eine nahe Schule frei, weil es nicht mehr genügend Schüler gibt, außerdem stehen Wahlen vor der Tür und man beschließt: Das ist ein billiger Platz für einen Treff.
Die Politik schaut sich den Ort an und findet: Das wundervolle 70-er-Jahre-Mosaik in der Eingangshalle darf aber nicht zerstört werden, falls es in zwei, drei Jahren keine Jugendlichen mehr gibt und wir vielleicht statt dessen einen Seniorentreff brauchen. Aber bitte, wenn man das erhält, dann soll in Gottes Namen hier ein Jugendtreff entstehen.
Die Stadt heuert also ein paar Honorarkräfte (dh: Studentinnen und Studenten) an, die erst ein bisschen schrauben, werkeln, mauern und streichen, viel streichen, wirklich sehr viel streichen und später Angebote für die Jugendlichen durchführen sollen. Dann wird der Jugendtreff eröffnet.
Der Treff ist von der ersten Minute an gut besucht.

Die Honorarkräfte haben bis jetzt alle in einer anderen Einrichtung der Stadt gearbeitet: Einer hübschen, am Waldrand gelegenen Jugendbildungsstätte, in der Eltern ihre Kinder für pädagogisch wertvolle kleine Wochenend-Angebote anmelden können. Da die meisten Honorarkräfte außerdem nie auf dem Platz waren, um sich die Jugendlichen mal anzusehen sind sie etwas überrascht, dass ihre Angebote „Papierschöpfen“, „Töpfern“ und „Mandalas-Malen“ bei den überwiegend türkischen Jugendlichen zwischen 16 und 21 irgendwie nicht so ankommen. Die wollen lieber möglichst laut die aktuellen Bravohits hören und dabei abhängen. Aber auch das spielt sich ein, die Honorarkräfte werden schnell nahezu komplett ausgetauscht, dann gehts.
Außerdem gibts überraschend Geld für einen Kicker und einen Billardtisch.

Es wird Sommer, die Jugendlichen wollen gerne Basketball spielen; die Treffleitung findet die Idee gut und bemüht sich um einen Korb auf dem ehemaligen Schulhof. Außerdem beantragen sie ein bisschen Geld, um dort im Sommer auch draußen ein paar Sitzgelegenheiten zu schaffen.
Man erfährt: Geld für Tische und Stühle ist leider im Budget nicht drin, aber der Korb kann aus einem anderen Haushaltstopf bezahlt werden, der geht. Nein, leider darf man aus diesem anderen Topf keine Tische und Stühle kaufen, denn die wären ja Mobiliar. Das Mobiliar-Budget ist aber wie bereits erklärt alle; im Sportgeräte-Budget, da ist halt noch Geld da. Ob man jetzt den Korb wolle?
Ja bitte.
Die Stadt kommt, besichtigt das Gelände, misst den Abstand zum nächsten Anwohner und genehmigt den Korb, es ist Hochsommer.
Jemand anders von der Stadt kommt, vermisst das Gelände und markiert eine Stelle für den Korb, es ist September.
Der Baubetriebshof kommt und macht ein Loch in den Boden und stellt ein paar rot-weiße Warnbaken darum auf, es ist Ende Oktober.
Der Baubetriebshof kommt wieder und stellt den Korb auf, es ist Januar.

Im April scheint das erste mal so viel Sonne, dass man draußen Basketball spielen möchte. Alle Treffbesucher hängen auf den Stufen rum und schauen den Spielenden zu. Die Türen sind auf, von drinnen hört man ein bisschen Musik, die Stimmung ist ausgelassen und allgemein sehr gut. Ein paar der jüngeren Jugendlichen fragen nach Tonpappe und Stiften und malen spontan ein Bild vom tollen Treff.
Dann beginnt der Spanischkurs der VHS, die im gleichen Gebäude untergebracht wurde. Die Spanisch-lernenden müssen zwischen den Jugendlichen durchgehen, um ins Treppenhaus zu kommen. Die Jugendlichen freuen sich, die Ihnen teilweise natürlich bekannten Erwachsenen zu treffen.

Am nächsten Morgen flattert eine Anweisung von der Stadt ins Haus, man dürfe den Korb nicht mehr benutzen, ein Anwohner habe sich beschwert, das regelmäßige Doink-Doink des Balles habe ihn um den Schlaf gebracht. Außerdem haben die VHS-Besucher Angst um ihre 35m weiter weg geparkten Autos, da könne ja mal ein Ball fliegen. Ach ja, die fühlten sich eh von den Jugendlichen auf der Treppe gestört, man darf den Außenbereich nicht mehr benutzen. Der Baubetriebshof war auch morgens um acht schon da und hat ein paar Stahlstangen quer durch den Korb geschraubt.

Der Treff versucht, Einspruch zu erheben und verweist auf die Notwendigkeit einer vom Treff selbst gestalteten pädagogischen Arbeit.
Die Stadt sagt: Das ist dann Angelegenheit der Politik. Auf Beschwerden aus der Bevölkerung reagieren dürfen, ja müssen sie selbst, aber so etwas können sie nicht entscheiden, da muss die Politik ran.
Die nächste Ratssitzung ist in acht Wochen.
Die Besucher des Treffs haben selbstorganisiert den Weg aus dem Vorort in die Stadt gefunden; sie haben Plakate bei sich, auf denen sie den Erhalt ihres Basketballkorbs fordern. Mit denen sitzen sie auf den sonst immer gähnend leeren Besucherplätzen im Ratssaal. Die Stadt-Abgeordneten gucken irritiert, aber der Bürgermeister erklärt ihnen, auch das wäre Demokratie.
Dann begrüßt er die Jugendlichen und erklärt, die Plakate müssten leider weg, aber sie seien herzlichst eingeladen, hier zu bleiben. „Ihr“ Tagesordnungspunkt sei die Nummer neun. Die Punkte eins bis drei gehen recht fix vorbei, aber bei Punkt vier geht es um die etwas komplizierte Situation die entstanden ist, als die Stadt ihre komplette Kanalisation in ein Privatunternehmen ausgelagert hat. Lustigerweise handelt dieses Unternehmen jetzt nach unternehmerischen Prinzipien und hört nicht mehr auf die Weisungen der Stadt – und deswegen gibts hinten am Wehr jetzt Ratten. Bis geklärt ist, mit wie viel Prozent die Stadt Anteilseigner an der Privatentwässerungsgesellschaft ist und was das für die Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat der Privatentwässerungsgesellschaft bedeutet und ob man vielleicht vor sieben Jahren einen Fehler gemacht habe und ob vielleicht der politische Gegner sowieso so strunzdumm ist, dass man sich eh wundert, wie er auf zwei Beinen geradeaus laufen kann vergehen anderthalb Stunden. Die Jugendlichen sind entweder eingeschlafen oder mussten los, weil der letzte Bus in den Vorort fuhr.
Von 21:09 Uhr bis 21:12 Uhr wird Tagesordnungspunkt neun besprochen. Es dauert nur deswegen so furchtbar lange, weil die Vertreterin einer der kleinen Oppositionsfraktionen meint, unbedingt eine flammende Rede für gute Jugendarbeit halten zu müssen. Alle nicken. Danach wird mit 48 zu 4 Stimmen gegen eine Wiederöffnung des Korbs gestimmt.
Der Baubetriebshof bekommt den Auftrag, den Korb abzubauen, für das Außengelände des Treffs wird das Nutzungsverbot bestätigt.

Es wird Sommer, die Jugendlichen, die gerne draußen sitzen, hängen wieder auf dem Platz rum und kommen erst später in den Treff.
Die Anwohner beschweren sich. Die Stadt reagiert fix und schraubt die letzen Bänke auf dem Platz ab.
Die Leute im Ort wissen: „Siehste, so ein Treff bringt gar nix. Hab ich gleich gesagt. Und das schöne Mosaik ist auch weg und dabei gehen die Jugendlichen da jetzt nicht mal hin.“

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt habe ich den Treff verlassen und habe nicht mehr alles so ganz direkt mitbekommen. Ich weiß nur noch: Das Treffteam arbeitet tapfer weiter und versucht innerhalb der Mauern attraktive Angebote zu machen. Das Haus wird, je nach Wetter ganz gut oder so lala besucht.
Leider: Der Treff verfällt zusehends, denn niemand kümmert sich um das Haus. Und so muss man nach einigen Jahren in die nächste freiwerdende Schule umziehen. Die liegt zwar nicht mehr so zentral, aber die Politik versichert, dass das attraktive Angebot des Treff-Teams bestimmt die Jugendlichen auch an den Ortsrand locken wird. Da würde nämlich eine ganz hervorragende Arbeit geleistet. Zur Einweihung gibts eine Kiste mit Fuß- und Basketbällen.
Der Korb steht noch heute auf dem ehemaligen Schulhof.

Und jetzt, liebe Leserin weißt Du, wie Politik funktioniert.

Anmerkung: Diese Geschichte ist zu ca 85% wahr, zu weiteren 10% so in ähnlichen Situationen passiert, dass mir eine Vermengung der Geschichten zur besseren Lesbarkeit zulässig erschien. Ein Detail ist erfunden, aber nicht unwahrscheinlich. Vielleicht war aber auch zur Einweihung des „neuen“ Treffs einfach niemand da und es gab kein Geschenk. Die Zeitangaben mögen ein wenig im Nebel des Vergessens verschwommen sein.

Basketballkorb


Gedanken am Morgen

Aus der Kategorie »just people«

Millionen Mal geteilt, sechsstellig den Daumen hoch – ich denke man kann sagen: Ein Video ist erfolgreich im Web, wenn es solche Like- & Share-Zahlen hat.

Momentan erfolgreich ist ein Video einer jungen englischen Frau, die von ihrem Freund (hinter der Kamera) gefragt wird, ob sie ihre Pizza lieber in acht oder zwölf Stücke geschnitten haben möchte. Sie sagt acht, weil sie zwölf Stücke nicht schafft.
Er lacht sie dann noch ein bisschen aus und sie regt sich noch ein bisschen auf, weil er sie auslacht, mehr ist nicht zu sehen.

Lustig, nicht?

Naja, irgendwie schon. Irgendwie ist es aber auch wirklich perfektes Beispiel für jemanden, die bereits in der achten Klasse, wenn man Bruchrechnen lernt nicht mehr begriffen hat, dass die Zahlenspiele des Lehrers vorne an der Tafel nicht Selbstzweck waren.
Ich hab da ja vor vier Wochen noch drüber gebloggt.

Woran das liegt? Keine Ahnung. Schule, Gesellschaft, Eltern und Medien, denke ich.
Ja, ernsthaft.

Liebe alle, die Ihr da was ändern wollt: Ja, ernsthaft, es fürchte es liegt an allem. Da kann man nicht einzeln die Schuld der Schule / den Eltern / … geben, ein Notfallprogramm starten und sich dann zurücklehnen.

Aber das ist vermutlich ein anderes Thema.

Aber apropos anderes Thema: Ich bin eh ja manchmal verwundert, wie andere Menschen ihre Beziehungen so gestalten, aber in den letzten Tagen sind mir gleich zwei so virale Videos (das Paar im Auto, wo er sie ankackt, sie soll ihn jetzt bitte direkt in die Windhose fahren, das wäre schließlich nur ein bisschen Regen und jetzt dieses hier), wo in meinem Weltbild meine Partnerin danach in der Garage schliefe.

Ich geh dann mal arbeiten.


Schöne neue Welt? Ein Brief an Herrn Kleber.

Aus der Kategorie »just TV«

(Ich schreibe Sie jetzt mal direkt an, weil ich davon ausgehe, dass Sie eine gewisse Verantwortung für die Sendung tragen, wenn Ihr Name oben drüber steht, Sie die Interviews führen und den Text sprechen. Wenn dem nicht so sein sollte: Sorry, ich kenne mich mit den öffentlich rechtlichen Gepflogenheiten nicht so tief aus. Sie können das dann sicher weiter leiten)

Sehr geehrter Herr Kleber,

Sie haben das Silicon Valley besucht und einen Film darüber gemacht (Interview darüber / Film in der Mediathek). Und ich bin etwas traurig nach dieser Stunde Fernsehen – beziehungsweise genauer: dieser Stunde Mediathek, denn Sie wissen sicher, dass Menschen wie ich eher Mediathek streamen als Fernsehen zu schauen. Es wäre für mich jetzt zwar einfach, aber auch sehr billig, einfach über diese Sendung zu lästern. Aber das möchte ich nicht.

Darf ich mich kurz vorstellen?
Aber lassen Sie mich vielleicht erst ein paar Worte zu meinem Hintergrund erzählen. Sie kennen mich ja gar nicht und eine kleine Vorstellung ist ja nicht nur höflich, sondern hilft Ihnen vielleicht auch, Dinge, die ich sage einzuordnen.
Als ich 1997 das erste Mal online ging ist mir etwas wichtiges passiert. Wäre das in Deutschland seit dem rauchenden Ex-Kanzler nicht so verpönt, würde ich fast sagen: Ich hatte eine Vision. Aber eigentlich erkannte ich nur die Vision, die Tim Berners Lee hatte, als er die Hypertextauszeichnungssprache und damit das heutige WWW erfand. Ich bekam eine schwer erklärbare aber sehr große Ahnung davon, was die Vernetzung jedes Fitzelchens Information bedeuten könnte.
Folgerichtig warf ich mein Studium der Diplom-Pädagogik hin und wurde Webdesigner. Eine Freundin, der ich versuchte, mein Gefühl des Aufbruchs zu beschreiben, beschloss damals die Diskussion mit den Worten „Niemand wird jemals Pizza online bestellen wollen, Christian“ und erklärte meinen Plan für vollkommen verrückt: „Und was machst Du, wenn all die zehn Geschäfte in Menden, die so eine »Homepage« brauchen eine haben? Dann machst Du Deinen Laden wieder zu?
Das ist jetzt 19 Jahre her und ich mache den Beruf immer noch. Oder nein: Ich mache immer noch das, was aus dem damaligen Beruf geworden ist; das hat sich nämlich geändert. Immer und immer und immer wieder und ich habe seit 1997 nicht mehr aufgehört zu lernen.-
Die Freundin bestellt übrigens inzwischen nicht nur ihre Pizza online, sondern wartet auch sehnlichst darauf, dass der örtliche Supermarkt endlich online-Bestellungen und Lieferservice anbietet. Denn die Dinge ändern sich.

Und so klasse ich das finde, so werbe ich auch für eine meiner Leistungen inzwischen unter anderem damit, dass ich nicht auf jeden online-Zug blind aufspringe. Und hier in meinem Blog-Entwürfe-Ordner liegt ein Text darüber, wie sehr ich es bedaure, dass all die Messenger das persönliche(re) Telefonieren getötet haben. Was ich mit diesen zwei Beispielen sagen will: Trotz – oder gerade wegen? – der letzten 19 Jahre bin ich nicht blind technikgläubig.

Aber zu Ihrem Film
Sie waren also im Silicon Valley und haben sich angehört, woran dort gerade gearbeitet wird. Genauer natürlich: woran dort gearbeitet wurde, denn eigentlich haben wir ja nur Dinge gesehen, die bereits weit verbreitet sind oder kurz vor der Serienreife stehen. Die aktuellen Forschungen dürften vermutlich also bereits ein gutes Stück weiter sein; aber ebenso vermutlich zu geheim für Journalisten.
Das könnte – gerade in einem Land wie unserem gemeinsamen Heimatland Deutschland ein schöner, guter und auch wichtiger Beitrag werden; in einem Land, in dem unsere Kanzlerin das Web noch dreiundzwanzig Jahre nach seiner Erfindung „Neuland“ nennen konnte, ohne dass sich außerhalb der Netzkreise wesentlicher Widerspruch regte. (Die „5 neuen Länder“ sind quasi genau so alt und haben es deutlich schneller geschafft, das „neu“ abzulegen, um mal ein Beispiel aus der nicht-digitalen Welt dagegen zu halten.)

Und auch ich, der ich recht technikbegeistert bin, habe noch ein paar neue Dinge in Ihrem Bericht gehört oder zumindest das erste Mal in Aktion gesehen.

Was also hat mich traurig gemacht?
Erst war es nur ein unbestimmtes Gefühl, das aber im Lauf der letzten Stunde immer deutlicher wurde; erst war ich nur irritiert und verstimmt über die kleinen Spitzen. Über kleine Nebensätze, die vermutlich Kritik ausdrücken sollten. Über die dazwischen geschnitten Geschichte des Uber-Fahrers ebenso wie die Andeutungen über das Hippietum der dortigen Menschen. Die nehme ich übel, weil ich weiß, wie der bundesdeutsche Durchschnitt bei Erwähnung von Hippietum reagiert und mich schwer tue, da keine Absicht zu unterstellen.
Sollte das alles Kritik sein? Es schuf eher ein unwohles Gefühl.
Wie gesagt: Für Kritik am Digitalen bin ich sehr offen. Aber bitte sachlich und am liebsten konstruktiv. Das aber habe ich vermisst. Ich hörte statt dessen: Sie machen sich Sorgen, also machen wir uns doch alle mal Sorgen!. Ihnen ist die Denke der Valley-Leute unheimlich. Wo bleibt bei denen die Moral? Da bleiben viele auf der Strecke.

Und am Schluss, und das tat mir besonders weh: Aber wir sind ja Europäer, wir sind je bedächtiger.

Genau: Und wir sind nicht nur Europäer, wir beide sind auch Deutsche. Das heisst auch: Wir beide leben in einem Land, das sich dem digitalen Fortschritt verweigert wie kaum ein zweites. In einem Land, in dem es also offensichtlich viele Ängste und Unsicherheiten über diesen ganzen digitalen Fortschritt gibt.

Und nu?
Und da frage ich mich: Wo bleibt der Umgang mit dem Ganzen? Wo bleibt die Perspektive? Reicht es wirklich in einer Art neumodischen Schreckenskabinett die bärtige Frau mit den beiden Köpfen … Verzeihung: Die technikgläubigen Visionäre aus der Bay Area zu zeigen, damit wir uns alle mal wohlig gruseln können?
Oder wäre es nicht schön, auch zu überlegen, was wir tun können, wenn uns all diese Erfindungen erreichen? Ich persönlich halte es nämlich nach dem Siegeszug von Computer, Smartphone, Cloud, oder Amazon/Google/Apple/Facebook/Uber/ und so weiter für arg unwahrscheinlich, dass ausgerechnet die nächste Erfindung nicht global erfolgreich wird. Und auch Sie klingen in 60 Minuten nicht wirklich so als glaubten Sie daran, dass man diese Innovationskraft und Energie stoppen kann.
Denn, wie oben schon erwähnt: Die Zeiten ändern sich. Immer. Korbflechter, Schmiede, Kutscher und viele andere Berufe sind schließlich auch vom Fortschritt gefressen worden.

Reicht es dann also wirklich, trotzig zu sagen: „Wir sind Europäer, wir wissen es besser“, um dann ein paar Monate später mit dem Smartphone in der Hand auf facebook zu verkünden, dass man gerade gekündigt worden ist?
Reicht es dann, sich darauf zu verlassen, dass man seit 100 Jahren die besseren Autos baut – auch wenn man zuletzt ein bisschen schummeln musste, um diesen Ruf zu halten – um mal ein aktuelles Beispiel aus der Industrie heraus zu picken?
Oder wäre es nicht gut, zu reagieren und dabei mehr Möglichkeiten zu sehen als „stoppen“ und „bremsen“?
Gebietet nicht sogar der Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms, weiter zu denken?

Letztens las ich (sinngemäß) den schönen Satz „Wir arbeiten jetzt seit 150 Jahren daran, dass uns Maschinen die Arbeit abnehmen. Sollten wir nicht langsam mal versuchen daran zu denken, was wir tun, wenn wir es geschafft haben?“ Ja, vielleicht wird sich unsere gesammte Gesellschaft ändern. Wahrscheinlich sogar mal wieder. Vielleicht müssen wir dann nicht mehr in Firmen arbeiten, in der die Anwesenheitskultur Menschen dazu zwingt, schlechte Eltern zu sein. Vielleicht können wir uns ein bedingungsloses Grundeinkommen leisten, so dass wir nicht nur nichts mehr zu arbeiten haben, sondern auch nicht mehr arbeiten müssen, um zu überleben. Vielleicht ist das sogar super, den Wert eines Menschen nicht mehr an seiner mehr oder minder zufälligen Arbeitsstelle festmachen zu können. Vielleicht, nein: bestimmt passiert noch viel mehr, als ich es mir hier gerade vorstellen kann – ich bin kein Fachmann für so etwas. Aber die gibt es ja. Wo waren die? Warum haben Sie nicht auch mit denen gesprochen? Wo haben die Ihren Zuschauern gezeigt, dass diese Zukunft wirklich prima werden kann, wenn wir uns ihr stellen – statt den Kopf in den Sand zu stecken, weil das bestimmt alles ganz furchtbar wird?

Das habe ich vermisst, lieber Herr Kleber und deswegen bin ich traurig. Und weil ich gelernt habe, dass man Zuschauerbriefe schreiben soll, damit das Fernsehen mitbekommt, was man von Fernsehen hält, habe ich das hier geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen und voll der Hoffnung, dass Sie bei ihrem nächsten Besuch im Valley mit großen Kinderaugen einfach mal staunen können,

Christian Fischer


Naturschutz? Wozu?

Aus der Kategorie »just people«

Ich glaube, Naturschutz ist vollkommener Blödsinn. Niemand muss die Natur schützen. Die Erde gibts (sorry, liebe Kreationisten) über den Daumen seit 4,6 Milliarden Jahren und sie hat dabei ebenfalls über den Daumen 4,58 Milliarden Jahren ziemlich ohne uns Menschen leben müssen. Für die Matheschwachen: Das ist circa 99,5%. Also die meiste Zeit, die es sie gibt.
Wenn wir Pech haben, hat die noch gar nicht gemerkt, dass wir hier sind, so kurz sind wir hier.

Oder anders ausgedrückt: Die kommt prima ohne uns klar. Der ist das vollkommen wumpe, ob wir Boden versiegeln und Treibhausgase in ihre Atmosphäre pumpen. Der ist vollkommen egal, ob wir ihre Gewässer mit Chemikalien vollkippen oder die ganze Kohle verbrennen. Auch radioaktiver Müll geht ihr vollkommen am Hintern vorbei.

Die hat ohne uns schon viele Jahre mit Millionen Arten verbracht bis der Meteor einschlug und die hat auch schon einfach mal ein paar Millionen Jahre unter Eis verbracht. Hat ihr alles nix gemacht.

Der gehts gut ohne uns, egal, wie warm oder kalt es so ist.

Echt.

Ja wirklich, ich bin da sicher.

Aber …

Aber was?

Aber …

Ach so, ja, da war noch was. Wir, also Du und ich und auch die anderen, die können nämlich nur in einem verflixt kleinen Temperatur- und Feuchtigkeitsbereich leben. Einem winzig kleinen. Im Universum sind Temperatur vorrätig – von zigtausend Grad plus bis weit, weit, weit unter Null.
Wir können aber dauerhaft gerade mal von minus 10° bis plus 40°.
Wirds kälter oder wärmer – oder zu basisch oder zu sauer, zu hell oder zu dunkel oder sonstwas – dann sind wir, sorry, ganz fix am Arsch. Wir haben einfach echt Glück gehabt, dass diese irre zufällige Kombination von Lebensbedingungen hier gerade läuft.
Also: Wir haben Glück; die Erde kann wie gesagt auch anders. Kein Problem.

Naturschutz braucht also keiner. Naja, außer uns.


Twitter-♥ im Mai 2016

Aus der Kategorie »just twittered«

Die gute Anne sammelt wieder wieder alle Twitter-Liebe. Merci!

Sonder-Edition mit dem Ergebnisprotokoll des Jahrestreffens der fernsehschauenden Twitterati Deutschlands, oder, wie die anderen sagen: Dem ESC.


Schreib doch mal was über Snapchat, Christian!

Aus der Kategorie »just work«

Ach, nett dass Du mich darum bittest.

Ich hörte, auf der republica sei ein Blog Twitter Facebook Pinterest ello ach Quatsch: Snapchat das neue heiße Dings gewesen, darüber hinaus höre ich hauptsächlich dass das ja wohl niemand brauche. Die Bedienung sei unkomfortabel und es müsse doch wirklich niemand sein Privatleben jetzt auch noch in irgendwelchen überflüssigen Artikeln kleinen Videos hinaus an die Klowände des Internets in die Welt blasen.
Die heiße-Dings-Fraktion plant hingegen schon Content-Strategien, weiß aber noch nicht so genau, ob das schicke Bürogebäude im Sonnenuntergang in den 10 Sekunden auch gut genug rüberkommt.

Aber das habe ich ja alles nur gehört. Darüber hinaus findet Ihr mich dort unter dem Namen derjawl und wie alles neue in diesem Web ist es erst einmal ungewohnt, dann spannend, dann langweilig, dann hat man sich die richtigen Freunde zusammengesucht und dann ist es eine von vielen Möglichkeiten, sich auszudrücken oder Fremdes und Fremde zu entdecken.
Wer etwas zu sagen hat, was sich in Snapchat-Geschichten ausdrücken lässt, dem werden die Menschen zuhören. Den anderen nicht.

Dummerweise ist das ja alles wie schon bei Blogs, Twitter, Facebook, Pinterest und ello und das kann ich doch nun wirklich nicht schon wieder schreiben.
Außerdem: Wenn diese einfache Wahrheit endlich verstanden würde, dann hätten so tolle Menschen wie Kerstin ja nichts mehr zu schreiben.


Ein Staat hat 11 Bundesländer und die Kanzlerin ist 61 Jahre alt. Wie viele Nazis kann das Land ertragen?

Aus der Kategorie »just people«

In der Pädagogik gilt der Grundsatz, dass man etwas, dessen Sinn man nicht verstanden hat kaum oder gar nicht begreifen und erst recht nicht benutzen kann. Vielleicht an der Oberfläche nachmachen, aber der Transfer und damit der wahre Lernerfolg stellt sich nicht ein.

Schön beobachten kann man das zB im Matheunterricht, wenn die Lehrerinnen oder Lehrer es versäumt haben, die Spiele mit Zahlen irgendwie im Leben der Kinder zu verankern. Und dann kommen auf einmal Textaufgaben, deren Sinn es eigentlich wäre genau das zu tun.
Dann sitzt man da und liest gemeinsam: „Ein Bauer hat 4 Felder. Auf jedem Feld erntet er 2 Tonne Weizen.“ Lustiges Lehrpersonal … ach nein, schieben wir es nicht wieder auf die Pädagoginnen …
Also anders: Ich, als ich noch Nachhilfe gab, hab fragt dann schon mal lustigerweise gefragt: „Wie alt ist die Bäuerin“ und hörte zum eigenen Entsetzen meine Nachhilfeschüler stolz „Das is’ einfach: Acht“ sagen.
Ich so: Hey komm, das kann nich’ sein. Denk mal nach.
Verzweifelte Nachhilfeschülerin: „Ach, zwei durch vier? Menno, das ist Komma, das kann ich doch nich’.“

Ja, das ist sehr lustig. Nicht.

Beweist es nämlich, dass das arme Mädchen damals absolut nicht begriffen hatte, dass Rechnen auch in ihrem Alltag vorkam. Mathe war für sie Selbstzweck, und sie hatte bisher nur gelernt, irgendwie die vorhandenen Zahlen mit den ihr halbwegs bekannten Rechenverfahren aneinander zu reihen, bis ihr lehrer sie in Ruhe ließ. Egal ob es auch nur im entferntesten Sinn machte.
Die Rechnung „2×4=8“ ist ja richtig – aber eben an dieser Stelle sinnlos

Und wenn Mathe vorbei ist, gehts rüber in den Geschichtsraum und da wird *gähn* schon wieder „Nazis“ gemacht. Was muss man tun, um am Ende gute Noten zu bekommen? „Grauenhaft, böse, Völkermord, schlimm, ungerecht, alles ganz schrecklich“ sagen. Sinn brauchts auch da nicht.

Wenn man dann irgendwann erwachsen ist, wenn man Politiker oder Journalist ist, dann passierts vielleicht mal, dass man sich von Nazis distanziert und gleichzeitig an ihre Positionen anbiedert. Weil der Sinn von dem, was Nazis angerichtet haben, in seiner kompletten menschenverachtenden Grausamkeit irgendwann verloren ging und man nur noch reflexhaft „schrecklich“ sagte.

Das ist nicht durchdacht und ich weiß weder eine Lösung noch sonst kluge Worte. Ich hab nur den Gedanken gehabt und wollts mal aufschreiben. Mach ich glaube ich mal wieder öfter.