Der jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Der Blogger:

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog. Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog. Manchmal schreibe ich auch woanders.

Hier gehts zu den Artikeln

Der Webworker:

Beruflich mache ich aus dem Web optisch und inhaltlich einen schöneren Ort. Bist Du an meiner Arbeit als Webworker oder Berater für digitale Kommunikation interessiert, sprich mich gerne an.

Auch für Schulen, die nicht vor dem Web Angst, sondern lieber Ahnung davon haben wollen, habe ich ein spezielles Angebot.

Das jawl:

Meist geht es hier um diese Themen …

  1. just people

    just people

    Alltag. Alltäglichkeiten. Was so passiert. Und so. …

  2. just music

    just music

    jawl hört Musik. Immer, jeden Tag und …

  3. just jawl

    just jawl

    Hin und wieder muss es hier auch …

  4. just pix

    just pix

    jawl macht Fotos. Die meisten finden sich …

  5. just movies

    just movies

    jawl geht ins Kino, guckt Serien und …

  6. just twittered

    just twittered

    Twitter ist … Großartig. Überschätzt. Seltsam. Schon …

… alle Themen findest Du hier.


Aber das weiß ich doch alles. Blend das aus! Und dann gib mir ein Cookie und zeig mir in Zukunft sofort das Blog!

Die letzten Artikel …

And the living is easy

Aus der Kategorie »just people«

„Summertime – and the living is easy”, beginnt sie zu singen.
Wir sitzen auf dem Berg; also auf DEM Berg. Es ist halb elf, vielleicht auch halb zwölf an einem Dienstag Abend in den frühen Neunzigern. Dienstags um sieben haben wir Probe und nach der Probe fahren wir gerne noch auf den Berg. Manchmal alle, manchmal nicht, es gibt keine feste Gruppe, es ergibt sich unabgesprochen jeden Dienstag neu.
Der Berg ist eigentlich eine alte Müllhalde. Vor ein paar Jahren geschlossen und versiegelt wachsen gerade die ersten kargen Gräser, der Stadtförster hat in parallelen Reihen die ersten Bäumchen an dicke Pflöcke gebunden – aber man kann noch über all das hinweg schauen und hat einen guten Blick auf die Lichter der Stadt, den Vorort und die Nachbarstadt. Und über uns ist nur der Sternenhimmel.
Oben stehen drei Bänke um einen massiven Felsblock und ein örtlicher Künstler hat einen Baumstamm hochgeschleift und sägt tagsüber daran herum. Wir können im Dunkeln nicht sehen, was es wird, aber man kann gut darauf sitzen und man sagt, es ginge um Krieg und Vertreibung. Uns interessiert es nicht wirklich, aber Anfang der neunziger klingt das nach einer plausiblen Aufgabe für einen jugoslawischen Bildhauer im deutschen Exil. Krieg, Vertreibung, Leid und Tod vermutlich.
Wir sind immer sehr aufgekratzt, haben wir doch schließlich vorher versucht, die nächsten Chilli Peppers zu werden und suchen da oben dann noch etwas Ruhe. Zeit für eine Dose Bier und ein paar Träume über die große Rock-Karriere, das ist es, was der Berg Dienstags Abends bietet.

„Fish are jumpin’ and the cotton is high”, singt sie, und weiter: „Your daddy’s rich and your ma is good lookin’”
Bei „lookin’” kommt sie so tief runter, wie niemand sonst von uns in der Band. Deswegen ist sie unsere Sängerin.

Heute sind nur wir zwei auf dem Berg, die anderen waren müde, aber sie wollte noch und ich bin eh ein Nachtmensch. Wir haben gegenüber am Teich geparkt, haben uns die hundert Meter durch den stockdunklen Wald getastet, sind über die Schranke geklettert, im Dunkeln den Weg hoch und haben unsere Plätze auf dem Baum gefunden. Wir haben nichts zu reden und dann singt sie. Nur für mich und die Nacht.

Wenn wir nicht seit Monaten zusammen Musik machen würden, wenn ich nicht meine Freundin in der nächsten Stadt und sie ihre jahrelange on-off-Beziehung hätte, dann wäre es vermutlich sehr romantisch.

„With Daddy and Mummy, Mummy standing by – Don’t you cry” beendet sie das Lied. Wir trinken aus, schenken dem Künstler die leere Dose; ich fahre sie nach Hause. Wir quatschen noch einen Moment in der Einfahrt vor dem Einfamilienhaus und als Licht in der Küche angeht, steigt sie aus: „Bis Samstag!”
Samstags proben wir nachmittags und landen danach traditionell im Mc Donalds.
Samstags Abends ist ebenso traditionell Party oben auf dem Berg – da wird gegrillt und ein paar Büsche sind schon hoch genug um zu zweit darin zu verschwinden. Aber da sind wir nie, das hat nichts mit unserem Berg zu tun. Unser Berg ist stiller.

Die Band zerbricht bald darauf, wir verlieren uns alle aus den Augen. Sie und ich, wir treffen uns irgendwann viele Jahre später wieder. Gehen als alte Freunde zusammen essen und gestehen uns gegenseitig, dass wir damals beide eine Zeit lang überlegt haben, ob man nicht doch einmal …? Wir versuchen lachend, das zeitlich zu rekonstruieren und wir vermuten, das sich diese Überlegungen bei ihr und bei mir exakt um die Länge einer Dose Bier und eines „Summertime” in einer Sommernacht überschnitten haben.

Noch viele, viele Jahre später sehe ich, dass die Bäume inzwischen zu hoch sind, um die Nachbarstädte noch zu sehen. Die Bänke sind weg, der Baumstamm steht ein paar hundert Meter weiter am Teich und kündet stumm vom Leiden eines zerrissenen Landes. Das Gras oben auf der Kuppe des Berges wächst hoch und die Jugendlichen heute haben ganz offensichtlich keinen Grund mehr, hier noch hoch zu kommen.

Auf dem Berg


Wald, Wasser, Licht

Aus der Kategorie »just pix«

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Filme und Serien im September 2014

Aus der Kategorie »just movies«

Alle Filme und Serien – egal ob @Kino oder @home im September 2014.

  • Under the Dome (S2) (IMDB)
    Serie, @home, 2014
    Nachdem die erste Staffel ja halbwegs unzufriedenstellend mittendrin aufhörte geht das Leben unter der Glasglocke weiter. Machtkämpfchen, Intrigen, Heldentaten und paranormale Erlebnisse.
    Zwischendurch passieren Dinge, die ich mit offenem Mund als „Lost”-Momente bezeichnete – kleine Spins, in denen auf einmal vollkommen unerwartetes passiert, wo neue Ebenen, neue Personen einegführt werden – aber die bis jetzt noch alle gut passen.
    Wir fanden das weiterhin spannend.
    Und wie schon bei Staffel 1 hängen wir jetzt am Cliff, aber sowas von.
    Bechdel-Test: Ich glaub ja.
    ★★★★★★★★☆☆
  • Die Welle (IMDB)
    Film, @home, 2008
    Anarcho-Lehrer Wenger bekommt für die Projektwoche das Thema „Autokratie” aufgedrückt. Um den Schülern zu verdeutlichen, was für eine Dynamik eine Bewegung bekommen kann, erfindet und gründet er spontan eine Bewegung namens „die Welle”. Und wird prompt von ihr davon getragen.
    Das Buch von 1981 gehörte wahrscheinlich bei den meisten Mitgliedern (m)einer Generation zur Pflichtlektüre und es ist kein dummes Buch. Basierend auf einem Sozialexperiment „The third wave”, das 1967 in Kalifornien stattfand zeigen Buch und Film, wie einfach es ist, ein Gruppengefühl aufzubauen und zu benutzen.
    Die Verfilmung von 2008 geht schon in Ordnung.
    Bechdel-Test: Ich glaub ja.
    ★★★★★★★★☆☆
  • Hacker (IMDB)
    Doku, @home, 2010, @home
    Am Beispiel fünf verschiedener Beispiele versucht die Doku sich dem Phänomen „Hacker” zu nähern. Sowohl Altmeister, die bei der Gründung des CCC dabei waren als auch junge Virenschreiber werden begleitet, interviewt und erzählen ein bisschen.
    Als jemand, der sich selber auch als Hacker bezeichnet, dabei aber nicht nur an Computer denkt fand ich die Doku thematisch etwas einseitig. Als jemand, dem der Unterschied zwischen „Hacker” und „Cracker” noch etwas wert ist wurde mir nicht so richtig klar, was die Doku denn überhaupt bezwecken soll. Wer sie sich etwas open minded anguckt, der dürfte aber schon ein bisschen etwas mitnehmen.
    ★★★★★★☆☆☆☆
  • Hangover Girls (IMDB)
    Film, @home, 2013
    Claire wird heiraten und verbringt ihren Junggesellinenabschied mit drei Freundinnen in Vegas (Baby!)
    Die Dinge geraten, nachdem sie aus dem obligatorischen Stripclub geflogen sind (nein, man fasst keine Stripper an, auch wenn sie einem ihre Genitalien ins Gesicht hängen!) recht schnell einigermaßen außer Kontrolle.
    Die Idee ist nicht neu, ganz im Gegenteil – nur statt der vier Jungs snd hier halt vier Mädels unterwegs. An mancher Stelle hatte ich das Gefühl, dass man nach dem Überraschungs-Mega-Erfolg von „Hangover” ganz fix eine Mädels-Version dranhängen und den Erfolg ein wenig mitreiten wollte. Die Idee ist eins zu eins übernommen, nur die einzelnen Episoden sind halt anders. Und weniger überraschend, weniger skurril, dafür derber. Naja.
    Bechdel-Test: Ja.
    ★★★★☆☆☆☆☆☆
  • Sex Tape (IMDB)
    Film, @the movies, 2014
    Annie und Jay sind schon eine ganze Weile verheiratet und seit der Ehe, seit den Kindern und dem Vororthäuschen ist das Sexleben etwas eingeschlafen. Dann hat sie an einem kinderfreien Abend die Idee, ein Sextape aufzunehmen. Nach drei durchgevögelten Stunden schlafen sie glücklich und erschöpft ein – doch statt dass er am nächsten Tag das Video wie verabredet löscht behält er es auf seinem iPad. Apropos „iPad” – die Dinger sammelt er quasi manisch – abgelegte Exemplare verschenkt er großzügig an Freunde, Verwandte und den Postboten. Wie dumm, dass er die Cloud-Synchronisation nicht vorher abgestellt hat.
    Den Rest des Films versuchen die beiden, die iPads beziehungsweise die Video-Datei wieder unter Kontrolle zu bekommen.
    Das ist ziemlich belanglos aber halt nette Hollywood-Unterhaltung. Ich persönlich gucke Cameron Diaz schon länger gerne beim Schauspielen zu und auch mal auf den Hintern – und müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es mich gestört hat, dass der Hintern auch mal unbekleidet war.
    Jason Segel ist und bleibt Marshall Eriksen.
    Bechdel-Test: Nope.
    ★★★★★★★☆☆☆
  • Anvil: The Story of Anvil (Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft) (IMDB)
    Doku, @home, 2010
    Als alter Metalhead musste ich hier natürlich reingucken, als mir der Film beim maxdome-Stöbern vor den Mauszeiger kam. Anvil waren damals, als ich begann mir die Matte wachsen zu lassen ein wichtiger Name: Sie hatten noch vor Metallica und Anthrax einfach die Geschwindigkeit massiv erhöht und damit ein komplett neues Genre innerhalb des Heavy Metal erschaffen.
    Im Gegensatz zu diesen beiden Bands hörte man aber dann später nichts mehr von ihnen. Die Doku begleitet die beiden Gründungsmitglieder „Robbo” und „Lips”, wie sie nach all den Jahren immer noch an den Erfolg als Rockstars glauben und sich das Geld zusammen leihen, um ihr dreizehntes Album aufzunehmen – nachdem kurz davor eine mit viel Hoffnung getartete Europatour im Disaster endet.
    Ich war am Ende des Films unfassbar traurig – wenn Dir zwanzigjährige mit einem Strahlen im Gesicht erzählen, dass das DIESMAL aber der GROSSE DURCHBRUCH sein wird, dann hat das Charme und Energie. Mittfünfziger, die seit dreißig Jahren kaum anderes machen, machen traurig.
    Aber vielleicht macht mich das auch deswegen traurig, weil mir und allen anderen um mich herum dieser tiefe Glaube an sich selbst irgendwann verloren gegangen ist.
    Wikipedia sagt, dass der Film der Band geholfen hat, noch einmal etwas bekannter zu werden. Ich fände das schön, wenn das auch überhaupt nicht mehr meine Musik oder mein Stil ist.
    ★★★★★★★★★★
  • Abduction (Atemlos – Gefährliche Wahrheit) (IMDB)
    Film, @home, 2011
    Der Schüler Nathan stößt auf einer Website für vermisste Kinder auf sein eigenes Bild und findet so heraus, dass er dann wohl adoptiert ist. Die Website stellt sich allerdings als Falle eines skrupellosen Killers heraus, der auf der Suche nach Nathan ist, da er eigentlich Nathans Vater, einen super-geheimen Geheimagenten sucht. Das FBI wiederum hatte eigentlich vor Nathan zu beschützen, als der aber jetzt ins Visier des Bösen gerät, muss der 16-jährige das halt selbst übernehmen. Ist ja klar, dass ein Team Profis das nicht so gut kann.
    Das hätte ein ganz hübsches Filmchen werden können, wären da nicht zum einen die in der Beschreibung schon angedeuteten Unlogiken und zum anderen die doch etwas lieblos zusammengesetzte Story – jedenfalls gibts immer wieder ganz solide Action-Momente. Sehr viel mehr aber auch nicht.
    Außerdem wirken einige Szenen so, als hätte Taylor Lautner (wir erinnern uns: Jacob aus den BISSigen Vampir-Filmchen) eingefordert, doch bitte einmal eine richtige Hauptrolle spielen zu dürfen. So eine mit sich-prügeln und viel Moped-fahren. Vielleicht hat auch darunter das Drehbuch dann gelitten. Aber ich war ja schon immer im Team Edward.
    Bechdel-Test: Nope.
    ★★★★☆☆☆☆☆☆
  • Die Schlikker-Frauen (oder so ähnlich)
    Film, @home, 2014
    Die Drogeriekette Schlikker meldet Insolvenz an. In einer Filiale beschließen die Mitarbeiterinnen, das nicht mit sich machen zu lassen. Sie besetzen die Filiale und entführen den unsympathischen Herrn Schlikker.
    Liebe Katharina Thalbach, lieber Sky Dumont, liebe Annette Frier: Warum? Also: Warum???
    Mein Gott, was für eine hohle, gequirlte Scheiße. Wir hatten ja nicht super viel von diesem Sat1 Film-Film erwartet, aber diese drei Schauspieler hatten wenigstens etwas Substanz vermuten lassen. Also wenigstens genug für einen müden Fernsehabend.
    Aber so bleibt als einziger Daseinszweck dieses Films wohl nur, dass man damit schön das Gejammer von Netflix beweisen kann, in Deutschland gäbe es einfach keine Qualität.
    Bechdel-Test: Jup.
    ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆

Was ist eigentlich dieser Bechdel-Test? Guckstu hier. Banner und Links mit Sternchen führen zu iTunes und sind affiliate-Links



Krankheit?

Aus der Kategorie »just people«

„Krankheit, Depressionen, Erschöpfung und BurnOut sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind eine Krankheit. Teile dieses Bild, wenn Du das auch findest.”

Immer mal wieder gehen solche oder ähnliche Bilder bei facebook um. Sie bekommen viele Likes, sie werden geteilt und mancher setzt noch einen Punkt in die Kommentare darunter.

Das ist schön, aber Punkte, Likes und Shares helfen auch nur bedingt. Denn: Wie damit umgehen, wenn jemand krank ist? Wenn er sich zurückzieht? Was tun, wenn jemand nicht mehr teilhaben kann? Wenn er von heute auf morgen nichts mehr postet, nicht mehr twittert, nicht mehr da ist? Weil er auch das nicht mehr schafft.

Wir sind ja alle immer so toll immer in Kontakt, wir lesen uns ja täglich. Stündlich. Kommentieren mal eben ein „Nomnomnom” unter das Bild vom Abendessen, freuen uns, wenn der andere gerade einen schönen Sonnenuntergang instagramt und vielleicht springt man sich auch mal gegenseitig bei, wenn der andere gerade in einem Kommentarstrang von den Deppen überrollt wird.
Und das ist schön und gut so und dieses ganze Zeug schafft uns unfassbar viele Möglichkeiten, sehr angenehm und einfach in einem ständigen Kontakt zu bleiben.

Aber wenn das nicht mehr geht?
Würde ich es merken, wenn einer der 250 Facebook-Freunde aus dem Stream verschwinden würde? Wann würde ich es nicht mehr auf die Super-Algorithmen des Herrn Zuckerberg schieben und mal nachfragen? Habe ich Zeit, um neben meinem durchgetakteten Alltag mal jemanden anzurufen? Kann ich die Verbindungskanäle wechseln, wenn jemand auf einmal nicht mehr täglich im facebookInstagramTwitterDings-Stream auf meinem Schirm präsent ist und ich mich statt dessen aktiv kümmern müsste?

Ich weiß es nicht. Aber warum ausgerechnet ich?


Twitter-♥ im September 2014

Aus der Kategorie »just twittered«

Anne sammelt wieder alle Twitter-♥. Danke dafür!


The old shivers down the spine

Aus der Kategorie »just music«

Kleiner Programmtipp: Frau Dico war gestern Abend in Hamburg und in der Mediathek kann man’s sich angucken.


Warum lernt main kind so aine komische rechtschraibunk?

Aus der Kategorie »just people«

Und überhaupt – warum machen die Schulen heute alles anders? Liest man sich so durch die Feuilletons, stößt man immer mal wieder auf solche oder ähnliche Fragen. Ältere Männer, deren tagtäglicher Job das Schreiben ist, Männer die an einem Tag mehr lesen und schreiben als der durchschnittliche RTL2-Gucker im Monat, erklären den Untergang des Abendlandes. Weil sie gesehen haben, wie heute in vielen Grundschulen den Kindern die Lust am Schreiben und Lesen nahegebracht wird.

Und so sehr alle Herrn Martensteins Polemiken sonst verachten – da sind dann alle mal seiner Meinung. Vor allem Mütter mit Kindern zwischen 5 und 15 springen heftigst da drauf an.
Und das ist ja auch logisch und irgendwie richtig – nichts ist dem Herzen näher als das eigene Kind.
Und: Wir waren ja alle selbst mal in der Schule, haben also persönliche Erfahrung mit dem Thema – also auch genug Ahnung um zu sagen wie’s laufen müsste. Oder? Da kann man doch mal seine Meinung sagen!

Dröseln wir das doch mal auf:
Die Durchschnittsmutter mit 6-jährigem Kind ist zwischen Ende zwanzig und Ende dreißig, der Durchschnittsvater etwas älter. Der Durchschnittsfeuilletonist deutlich älter.

Im besten Falle ist die Grundschulzeit also etwas mehr als zwanzig Jahre her, im schlimmsten auch vierzig oder fünfzig Jahre.
In dieser Zeit hat sich einiges geändert in der Schule. Wie übrigens im restlichen Leben auch. Exemplarisch greife ich mal raus, dass jede und jeder mit dem ich sprach, ziemlich froh darüber war, dass heute niemand mehr in fest aneinander geschraubten Pulten mit 40 anderen den Klassenraum teilen muss, so wie ich das zum Beispiel vor dreißig Jahren noch tat.

Und so hat sich eben auch die Methode geändert, nach der man Schreiben lernt. Kluge Menschen haben sich Gedanken gemacht, haben viele, viele Kinder beobachtet, haben Diktate, Aufsätze und unzählige Schulhefte ausgewertet und haben bemerkt, dass es langweilig ist, wochenlang so gehaltvolle Geschichten wie „Tut Mimi?” – „Mama tut!” zu schreiben – nur weil man blöderweise noch nicht mehr Buchstaben als A,I,M T und U schreiben kann. Oder schreiben darf. Haben entdeckt, dass Kinder mehr Lust am Schreiben bekommen, wenn sie es – wie das Sprechen auch – benutzen können. Auch mit Fehlern.

Wer sehen will, wohin fehlende früh-schulische positive Schreiberfahrung führt, der schaue mal in die Rechtschreibergüsse des durchschnittlichen Hass-Kommentators auf welt.de oder beobachte einen durchschnittlichen Arbeiter, Handwerker oder Büromenschen, wenn man ihm ein weißes Blatt hinlegt und sagt: „Schreiben Sie doch mal kurz auf …”
Dann kann man nämlich in geschätzten 70% aller Fälle eine komplette Schreibhemmung beobachten – teilweise sogar mit echten Schweißausbrüchen! Ehrlich, ich hab da schon Sachen erlebt …
In weiteren 20% liest man dann eine Flucht in diesen unsäglichen Passiv-Nominal-Stil, von dem bei im Büros zum Zeitpunkt des Verfassens in Beschäftigungsverhältnissen befindlichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern angenommen wird, dass er dem Stil, den andere in Büros angestellte Personen, die solchermaßen verfasste Werke zur Kenntnisnahme vorgelegt bekommen werden, entspricht. (Na, verstanden? Das meine ich.)
Auflösung: … -Stil, von dem viele denken, dass man so schreibt.

Was ich sagen will: So wie vieles andere haben sich auch hier die Konzepte geändert – und wenn ich mir meine Lebensrealität ansehe, die sich nicht nur in literarisch beschäftigten Autoren-, Lektoren, Uni- oder Texter-Kreisen abspielt, dann war das auch nötig.

Trotzdem wird gerade das Schreibenlernen von allen aufs Korn genommen. Ob es vielleicht auch in der Mathematik neue Wege gibt (gibt es) interessiert übrigens kaum eine Sau – vermutlich weil es ja bis in die angeblich intelligentesten Kreise hinauf vollkommen en vogue ist, mit seinem Mathe-Unverständnis zu kokettieren. Und einen Aufschrei darüber, dass auf einem Sachkundeblatt der Pluto noch ein Planet war, habe ich auch noch nie gehört. Naja, MINT am Arsch.

Aber ich komme vom Weg ab. Ich fasse mal zusammen, wie ich das so beobachte:

Ein hoher Prozentsatz der heute 40-jährigen kann nicht gut schreiben. (Dazu zähle ich sowohl mangelnde Rechtschreibkenntnisse wie auch die Unlust, Wörter zu Papier oder Bildschirm zu bringen) Das sind also die, die das Schreiben so gelernt haben wie „wir”.

Fachleute haben das ebenso beobachtet und alternative Methoden entwickelt.

Der geringe Prozentsatz derer, die gut schreiben können und sich qua Beruf oder Position als Hüter der Sprache verstehen, finden das Scheiße. Liest man die Diskussionen, dann haben sie sich selten mit dem Konzept beschäftigt, sondern sehen nur den falsch geschriebenen Aufsatz(!), den ihnen ihr stolzes Kind nach acht Wochen(!) Schule mit nach Hause bringt. (Ob es die Lust der Kinder am Schreiben – also an der Auseinandersetzung mit Schriftsprache – fördert, wenn Mama diesen Stolz dann mit „Das ist ja alles falsch!!” kommentiert, das mag sich an dieser Stelle jede selbst überlegen.)

Liebe (beliebigen Beruf einsetzen). Wie fändet Ihr das eigentlich, wenn jede und jeder sich darüber auslassen würde, dass Ihr Eure (beliebiges Produkt des beliebigen Berufs) aber nicht richtig macht, weil das früher aber anders war? Und das obwohl gerade in Eurem Beruf eine Menge Grundlagenforschung betrieben wurde und Ihr echt nach dem neustem Standard arbeitet?

Es gibt sicherlich viel zu diskutieren in der Pädagogik. Forschung hier ist immer auch etwas anderes als Forschung in vielen anderen Gebieten, weil es keine Labore gibt, in denen man erstmal wirklich total gesicherte Erkenntnisse finden kann.

Über eins aber sind sich seit Jahren alle einig: Es tut keinem Kind gut, wenn die eine Seite den einen Weg und die andere Seite den anderen Weg geht. Lese ich also in einem Forum „Mir egal, was für einen Scheiß diese neumodische Lehrerin da macht – bei mir zu Hause lernt das Kind vernünftig schreiben” – dann läufts mir kalt den Rücken runter.

Ach ja, und: Seid doch bitte klug genug zwischen einem Konzept und denen, die es ausführen zu unterscheiden. Nicht jede Grundschullehrerin, die aufgerieben zwischen Curriculum und Elternschaft, zwischen „ham wa schon immer so gemacht”-Kolleginnen und seltsamen Fachleitern auch mal Mist machen ist Beweis dafür, dass es falsch ist, Kinder Fehler machen zu lassen. Oder dass „die da”, bei den Pädagogen eh keine Ahnung haben.

Und – um da noch einmal drauf zurück zu kommen: Ja, es gibt viel zu diskutieren in Schulen und es gibt sicher auch vieles was schief läuft. Wie wärs denn da mal mit Widerstand? Ich kenne zum Beispiel quasi nur noch Grundschulen in denen die Lehrer oder die Eltern selber putzen müssen, weil die selbstständigen Sub-Unternehmerinnen der Reinigungsfirmen (=Putzfrauen) laut der Vorgabe der EU-weit ausgeschriebenen Putzstelle nur 4,5 Minuten Zeit pro Klassenzimmer haben.
Wenn Ihr schon für Eure Kinder meckern müsst (ja bitte: mehr Lobby für Kinder!) – tuts doch da, wo es wirklich nötig ist.


Spiderman?

Aus der Kategorie »just pix«

… nein, da sind Sie hier falsch, der wohnt in 8a, nicht 8b.

spiderman