Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

Schöne neue Welt? Ein Brief an Herrn Kleber.

Aus der Kategorie »just TV«

(Ich schreibe Sie jetzt mal direkt an, weil ich davon ausgehe, dass Sie eine gewisse Verantwortung für die Sendung tragen, wenn Ihr Name oben drüber steht, Sie die Interviews führen und den Text sprechen. Wenn dem nicht so sein sollte: Sorry, ich kenne mich mit den öffentlich rechtlichen Gepflogenheiten nicht so tief aus. Sie können das dann sicher weiter leiten)

Sehr geehrter Herr Kleber,

Sie haben das Silicon Valley besucht und einen Film darüber gemacht (Interview darüber / Film in der Mediathek). Und ich bin etwas traurig nach dieser Stunde Fernsehen – beziehungsweise genauer: dieser Stunde Mediathek, denn Sie wissen sicher, dass Menschen wie ich eher Mediathek streamen als Fernsehen zu schauen. Es wäre für mich jetzt zwar einfach, aber auch sehr billig, einfach über diese Sendung zu lästern. Aber das möchte ich nicht.

Darf ich mich kurz vorstellen?
Aber lassen Sie mich vielleicht erst ein paar Worte zu meinem Hintergrund erzählen. Sie kennen mich ja gar nicht und eine kleine Vorstellung ist ja nicht nur höflich, sondern hilft Ihnen vielleicht auch, Dinge, die ich sage einzuordnen.
Als ich 1997 das erste Mal online ging ist mir etwas wichtiges passiert. Wäre das in Deutschland seit dem rauchenden Ex-Kanzler nicht so verpönt, würde ich fast sagen: Ich hatte eine Vision. Aber eigentlich erkannte ich nur die Vision, die Tim Berners Lee hatte, als er die Hypertextauszeichnungssprache und damit das heutige WWW erfand. Ich bekam eine schwer erklärbare aber sehr große Ahnung davon, was die Vernetzung jedes Fitzelchens Information bedeuten könnte.
Folgerichtig warf ich mein Studium der Diplom-Pädagogik hin und wurde Webdesigner. Eine Freundin, der ich versuchte, mein Gefühl des Aufbruchs zu beschreiben, beschloss damals die Diskussion mit den Worten „Niemand wird jemals Pizza online bestellen wollen, Christian“ und erklärte meinen Plan für vollkommen verrückt: „Und was machst Du, wenn all die zehn Geschäfte in Menden, die so eine »Homepage« brauchen eine haben? Dann machst Du Deinen Laden wieder zu?
Das ist jetzt 19 Jahre her und ich mache den Beruf immer noch. Oder nein: Ich mache immer noch das, was aus dem damaligen Beruf geworden ist; das hat sich nämlich geändert. Immer und immer und immer wieder und ich habe seit 1997 nicht mehr aufgehört zu lernen.-
Die Freundin bestellt übrigens inzwischen nicht nur ihre Pizza online, sondern wartet auch sehnlichst darauf, dass der örtliche Supermarkt endlich online-Bestellungen und Lieferservice anbietet. Denn die Dinge ändern sich.

Und so klasse ich das finde, so werbe ich auch für eine meiner Leistungen inzwischen unter anderem damit, dass ich nicht auf jeden online-Zug blind aufspringe. Und hier in meinem Blog-Entwürfe-Ordner liegt ein Text darüber, wie sehr ich es bedaure, dass all die Messenger das persönliche(re) Telefonieren getötet haben. Was ich mit diesen zwei Beispielen sagen will: Trotz – oder gerade wegen? – der letzten 19 Jahre bin ich nicht blind technikgläubig.

Aber zu Ihrem Film
Sie waren also im Silicon Valley und haben sich angehört, woran dort gerade gearbeitet wird. Genauer natürlich: woran dort gearbeitet wurde, denn eigentlich haben wir ja nur Dinge gesehen, die bereits weit verbreitet sind oder kurz vor der Serienreife stehen. Die aktuellen Forschungen dürften vermutlich also bereits ein gutes Stück weiter sein; aber ebenso vermutlich zu geheim für Journalisten.
Das könnte – gerade in einem Land wie unserem gemeinsamen Heimatland Deutschland ein schöner, guter und auch wichtiger Beitrag werden; in einem Land, in dem unsere Kanzlerin das Web noch dreiundzwanzig Jahre nach seiner Erfindung „Neuland“ nennen konnte, ohne dass sich außerhalb der Netzkreise wesentlicher Widerspruch regte. (Die „5 neuen Länder“ sind quasi genau so alt und haben es deutlich schneller geschafft, das „neu“ abzulegen, um mal ein Beispiel aus der nicht-digitalen Welt dagegen zu halten.)

Und auch ich, der ich recht technikbegeistert bin, habe noch ein paar neue Dinge in Ihrem Bericht gehört oder zumindest das erste Mal in Aktion gesehen.

Was also hat mich traurig gemacht?
Erst war es nur ein unbestimmtes Gefühl, das aber im Lauf der letzten Stunde immer deutlicher wurde; erst war ich nur irritiert und verstimmt über die kleinen Spitzen. Über kleine Nebensätze, die vermutlich Kritik ausdrücken sollten. Über die dazwischen geschnitten Geschichte des Uber-Fahrers ebenso wie die Andeutungen über das Hippietum der dortigen Menschen. Die nehme ich übel, weil ich weiß, wie der bundesdeutsche Durchschnitt bei Erwähnung von Hippietum reagiert und mich schwer tue, da keine Absicht zu unterstellen.
Sollte das alles Kritik sein? Es schuf eher ein unwohles Gefühl.
Wie gesagt: Für Kritik am Digitalen bin ich sehr offen. Aber bitte sachlich und am liebsten konstruktiv. Das aber habe ich vermisst. Ich hörte statt dessen: Sie machen sich Sorgen, also machen wir uns doch alle mal Sorgen!. Ihnen ist die Denke der Valley-Leute unheimlich. Wo bleibt bei denen die Moral? Da bleiben viele auf der Strecke.

Und am Schluss, und das tat mir besonders weh: Aber wir sind ja Europäer, wir sind je bedächtiger.

Genau: Und wir sind nicht nur Europäer, wir beide sind auch Deutsche. Das heisst auch: Wir beide leben in einem Land, das sich dem digitalen Fortschritt verweigert wie kaum ein zweites. In einem Land, in dem es also offensichtlich viele Ängste und Unsicherheiten über diesen ganzen digitalen Fortschritt gibt.

Und nu?
Und da frage ich mich: Wo bleibt der Umgang mit dem Ganzen? Wo bleibt die Perspektive? Reicht es wirklich in einer Art neumodischen Schreckenskabinett die bärtige Frau mit den beiden Köpfen … Verzeihung: Die technikgläubigen Visionäre aus der Bay Area zu zeigen, damit wir uns alle mal wohlig gruseln können?
Oder wäre es nicht schön, auch zu überlegen, was wir tun können, wenn uns all diese Erfindungen erreichen? Ich persönlich halte es nämlich nach dem Siegeszug von Computer, Smartphone, Cloud, oder Amazon/Google/Apple/Facebook/Uber/ und so weiter für arg unwahrscheinlich, dass ausgerechnet die nächste Erfindung nicht global erfolgreich wird. Und auch Sie klingen in 60 Minuten nicht wirklich so als glaubten Sie daran, dass man diese Innovationskraft und Energie stoppen kann.
Denn, wie oben schon erwähnt: Die Zeiten ändern sich. Immer. Korbflechter, Schmiede, Kutscher und viele andere Berufe sind schließlich auch vom Fortschritt gefressen worden.

Reicht es dann also wirklich, trotzig zu sagen: „Wir sind Europäer, wir wissen es besser“, um dann ein paar Monate später mit dem Smartphone in der Hand auf facebook zu verkünden, dass man gerade gekündigt worden ist?
Reicht es dann, sich darauf zu verlassen, dass man seit 100 Jahren die besseren Autos baut – auch wenn man zuletzt ein bisschen schummeln musste, um diesen Ruf zu halten – um mal ein aktuelles Beispiel aus der Industrie heraus zu picken?
Oder wäre es nicht gut, zu reagieren und dabei mehr Möglichkeiten zu sehen als „stoppen“ und „bremsen“?
Gebietet nicht sogar der Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms, weiter zu denken?

Letztens las ich (sinngemäß) den schönen Satz „Wir arbeiten jetzt seit 150 Jahren daran, dass uns Maschinen die Arbeit abnehmen. Sollten wir nicht langsam mal versuchen daran zu denken, was wir tun, wenn wir es geschafft haben?“ Ja, vielleicht wird sich unsere gesammte Gesellschaft ändern. Wahrscheinlich sogar mal wieder. Vielleicht müssen wir dann nicht mehr in Firmen arbeiten, in der die Anwesenheitskultur Menschen dazu zwingt, schlechte Eltern zu sein. Vielleicht können wir uns ein bedingungsloses Grundeinkommen leisten, so dass wir nicht nur nichts mehr zu arbeiten haben, sondern auch nicht mehr arbeiten müssen, um zu überleben. Vielleicht ist das sogar super, den Wert eines Menschen nicht mehr an seiner mehr oder minder zufälligen Arbeitsstelle festmachen zu können. Vielleicht, nein: bestimmt passiert noch viel mehr, als ich es mir hier gerade vorstellen kann – ich bin kein Fachmann für so etwas. Aber die gibt es ja. Wo waren die? Warum haben Sie nicht auch mit denen gesprochen? Wo haben die Ihren Zuschauern gezeigt, dass diese Zukunft wirklich prima werden kann, wenn wir uns ihr stellen – statt den Kopf in den Sand zu stecken, weil das bestimmt alles ganz furchtbar wird?

Das habe ich vermisst, lieber Herr Kleber und deswegen bin ich traurig. Und weil ich gelernt habe, dass man Zuschauerbriefe schreiben soll, damit das Fernsehen mitbekommt, was man von Fernsehen hält, habe ich das hier geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen und voll der Hoffnung, dass Sie bei ihrem nächsten Besuch im Valley mit großen Kinderaugen einfach mal staunen können,

Christian Fischer


Naturschutz? Wozu?

Aus der Kategorie »just people«

Ich glaube, Naturschutz ist vollkommener Blödsinn. Niemand muss die Natur schützen. Die Erde gibts (sorry, liebe Kreationisten) über den Daumen seit 4,6 Milliarden Jahren und sie hat dabei ebenfalls über den Daumen 4,58 Milliarden Jahren ziemlich ohne uns Menschen leben müssen. Für die Matheschwachen: Das ist circa 99,5%. Also die meiste Zeit, die es sie gibt.
Wenn wir Pech haben, hat die noch gar nicht gemerkt, dass wir hier sind, so kurz sind wir hier.

Oder anders ausgedrückt: Die kommt prima ohne uns klar. Der ist das vollkommen wumpe, ob wir Boden versiegeln und Treibhausgase in ihre Atmosphäre pumpen. Der ist vollkommen egal, ob wir ihre Gewässer mit Chemikalien vollkippen oder die ganze Kohle verbrennen. Auch radioaktiver Müll geht ihr vollkommen am Hintern vorbei.

Die hat ohne uns schon viele Jahre mit Millionen Arten verbracht bis der Meteor einschlug und die hat auch schon einfach mal ein paar Millionen Jahre unter Eis verbracht. Hat ihr alles nix gemacht.

Der gehts gut ohne uns, egal, wie warm oder kalt es so ist.

Echt.

Ja wirklich, ich bin da sicher.

Aber …

Aber was?

Aber …

Ach so, ja, da war noch was. Wir, also Du und ich und auch die anderen, die können nämlich nur in einem verflixt kleinen Temperatur- und Feuchtigkeitsbereich leben. Einem winzig kleinen. Im Universum sind Temperatur vorrätig – von zigtausend Grad plus bis weit, weit, weit unter Null.
Wir können aber dauerhaft gerade mal von minus 10° bis plus 40°.
Wirds kälter oder wärmer – oder zu basisch oder zu sauer, zu hell oder zu dunkel oder sonstwas – dann sind wir, sorry, ganz fix am Arsch. Wir haben einfach echt Glück gehabt, dass diese irre zufällige Kombination von Lebensbedingungen hier gerade läuft.
Also: Wir haben Glück; die Erde kann wie gesagt auch anders. Kein Problem.

Naturschutz braucht also keiner. Naja, außer uns.


Twitter-♥ im Mai 2016

Aus der Kategorie »just twittered«

Die gute Anne sammelt wieder wieder alle Twitter-Liebe. Merci!

Sonder-Edition mit dem Ergebnisprotokoll des Jahrestreffens der fernsehschauenden Twitterati Deutschlands, oder, wie die anderen sagen: Dem ESC.


Schreib doch mal was über Snapchat, Christian!

Aus der Kategorie »just work«

Ach, nett dass Du mich darum bittest.

Ich hörte, auf der republica sei ein Blog Twitter Facebook Pinterest ello ach Quatsch: Snapchat das neue heiße Dings gewesen, darüber hinaus höre ich hauptsächlich dass das ja wohl niemand brauche. Die Bedienung sei unkomfortabel und es müsse doch wirklich niemand sein Privatleben jetzt auch noch in irgendwelchen überflüssigen Artikeln kleinen Videos hinaus an die Klowände des Internets in die Welt blasen.
Die heiße-Dings-Fraktion plant hingegen schon Content-Strategien, weiß aber noch nicht so genau, ob das schicke Bürogebäude im Sonnenuntergang in den 10 Sekunden auch gut genug rüberkommt.

Aber das habe ich ja alles nur gehört. Darüber hinaus findet Ihr mich dort unter dem Namen derjawl und wie alles neue in diesem Web ist es erst einmal ungewohnt, dann spannend, dann langweilig, dann hat man sich die richtigen Freunde zusammengesucht und dann ist es eine von vielen Möglichkeiten, sich auszudrücken oder Fremdes und Fremde zu entdecken.
Wer etwas zu sagen hat, was sich in Snapchat-Geschichten ausdrücken lässt, dem werden die Menschen zuhören. Den anderen nicht.

Dummerweise ist das ja alles wie schon bei Blogs, Twitter, Facebook, Pinterest und ello und das kann ich doch nun wirklich nicht schon wieder schreiben.
Außerdem: Wenn diese einfache Wahrheit endlich verstanden würde, dann hätten so tolle Menschen wie Kerstin ja nichts mehr zu schreiben.


Ein Staat hat 11 Bundesländer und die Kanzlerin ist 61 Jahre alt. Wie viele Nazis kann das Land ertragen?

Aus der Kategorie »just people«

In der Pädagogik gilt der Grundsatz, dass man etwas, dessen Sinn man nicht verstanden hat kaum oder gar nicht begreifen und erst recht nicht benutzen kann. Vielleicht an der Oberfläche nachmachen, aber der Transfer und damit der wahre Lernerfolg stellt sich nicht ein.

Schön beobachten kann man das zB im Matheunterricht, wenn die Lehrerinnen oder Lehrer es versäumt haben, die Spiele mit Zahlen irgendwie im Leben der Kinder zu verankern. Und dann kommen auf einmal Textaufgaben, deren Sinn es eigentlich wäre genau das zu tun.
Dann sitzt man da und liest gemeinsam: „Ein Bauer hat 4 Felder. Auf jedem Feld erntet er 2 Tonne Weizen.“ Lustiges Lehrpersonal … ach nein, schieben wir es nicht wieder auf die Pädagoginnen …
Also anders: Ich, als ich noch Nachhilfe gab, hab fragt dann schon mal lustigerweise gefragt: „Wie alt ist die Bäuerin“ und hörte zum eigenen Entsetzen meine Nachhilfeschüler stolz „Das is’ einfach: Acht“ sagen.
Ich so: Hey komm, das kann nich’ sein. Denk mal nach.
Verzweifelte Nachhilfeschülerin: „Ach, zwei durch vier? Menno, das ist Komma, das kann ich doch nich’.“

Ja, das ist sehr lustig. Nicht.

Beweist es nämlich, dass das arme Mädchen damals absolut nicht begriffen hatte, dass Rechnen auch in ihrem Alltag vorkam. Mathe war für sie Selbstzweck, und sie hatte bisher nur gelernt, irgendwie die vorhandenen Zahlen mit den ihr halbwegs bekannten Rechenverfahren aneinander zu reihen, bis ihr lehrer sie in Ruhe ließ. Egal ob es auch nur im entferntesten Sinn machte.
Die Rechnung „2×4=8“ ist ja richtig – aber eben an dieser Stelle sinnlos

Und wenn Mathe vorbei ist, gehts rüber in den Geschichtsraum und da wird *gähn* schon wieder „Nazis“ gemacht. Was muss man tun, um am Ende gute Noten zu bekommen? „Grauenhaft, böse, Völkermord, schlimm, ungerecht, alles ganz schrecklich“ sagen. Sinn brauchts auch da nicht.

Wenn man dann irgendwann erwachsen ist, wenn man Politiker oder Journalist ist, dann passierts vielleicht mal, dass man sich von Nazis distanziert und gleichzeitig an ihre Positionen anbiedert. Weil der Sinn von dem, was Nazis angerichtet haben, in seiner kompletten menschenverachtenden Grausamkeit irgendwann verloren ging und man nur noch reflexhaft „schrecklich“ sagte.

Das ist nicht durchdacht und ich weiß weder eine Lösung noch sonst kluge Worte. Ich hab nur den Gedanken gehabt und wollts mal aufschreiben. Mach ich glaube ich mal wieder öfter.


Sowas passiert heute doch nicht mehr

Aus der Kategorie »just politics«

(Anmerkung: Dieser Artikel lag schon ein paar Tage in der Pipeline, bevor ich ihn fertigstellte und veröffentlichte. Sascha Lobo hat inzwischen eine teils nahezu wortgleiche Kolumne veröffentlicht. Ich wollte das trotzdem hier sagen.
Da wo er sie nicht fast wortgleich schrieb, da schrieb er wie immer deutlich wohlformulierter, weitergedachter und lesenswerter. Gehense ruhig mal rüber. )

Ich denke, es ist ca. vier Jahre her, dass ich mit ein paar Freunden zusammensaß und wir auf das immer wieder wichtige, immer wieder leidige Thema datenschutz kamen.

Sie fragten mich, was ich denn jetzt zB gegen die Vorratsdatenspeicherung habe, wenn ich doch nichts zu verbergen habe.
Unter anderem versuchte ich zu erinnern, dass der Maßstab, was denn „etwas zu verbergen“ sei, sich laufend ändere: Kann man frei erzählen, dass man homosexuell ist? Mit 20 an der Uni bestimmt, mit 30 beim Eintritt in den Rat der Stadt vielleicht nicht.
Ach naja, da übertreibe ich doch bestimmt.

Also suchte ich nach drastischere Beispielen und erinnerte daran, wie sich zB die Bewertung jüdischer Vorfahren in den wenigen Jahren zwischen 1930 und 1935 in Deutschland geändert habe.
Ach, ich Unke, „sowas“ würde doch in der heutigen Zeit nun wirklich nicht mehr passieren. Und wenn es doch dem Kampf gegen den Terror helfe?

Wir glitten weiter in den ebenso unerfreulichen Themenkomplex „aber es hilft doch gar nicht“ sowie den Nebenschauplatz „wenn man Statistik kann, dann weiß man, wie viele Falschverdächtigungen es gibt, wenn so ein Überwachungsverfahren zu 99% genau ist“

Letzten Sonntag ist unser Nachbarland Österreich haarscharf daran vorbei geschlittert, einen Mann als Bndespräsident zu haben, der mit dieser Macht die aktuelle Regierung hätte entlassen können und das Land vor den Neuwahlen mit Notverordnungen hätte überziehen können.

Aber sowas passiert ja nun wirklich heute nicht mehr.

In Amerika sieht es arg so aus, als sei das Land dumm genug, einen rückwärtsgewandten Menschenhasser allererster Güte zum Präsidenten zu wählen. Der bekommt dann den gesamten Überwachungsaparat in die Hand, den die NSA seit 2001 aufgebaut hat, um Feinde von außen zu finden. Aber, ach Gott, wenns schon mal da ist, kann man damit bestimmt auch prima Moslems, Mexikaner, Schwule, Liberale, Scharze, Frauen und anderes Pack im Inland verfolgen.

Aber sowas passiert ja nun wirklich heute nicht mehr.

In Deutschland werden der AFD bei nahezu allen Wahlen zweistellige Wahlergebnisse prognostiziert. In Dortmund sitzt seit ein paar Jahren die NPD und die Rechte im Rat der Stadt; vor nicht allzu langer Zeit haben sie beantragt, eine Liste mit den Adressen aller in Dortmund lebenden Juden zu bekommen. Und die der in der Stadt lebenden Aids-Kranken, möglichst mit exueller Orientierung.

Nee, sowas passiert ja nun wirklich heute nicht mehr.


Twitter-♥ im April 2016

Aus der Kategorie »just twittered«

Die Anne sammelt wieder wieder den ganzen shize. So geil.

Na, das war ja mal ein lohnender Monat.


Liebe Fleischesser – ach …

Aus der Kategorie »just people«

veganVor zweieinhalb Jahren schrieb ich einen relativ beachteten Artikel, in dem ich (ich kürze jetzt etwas ab) sagte, dass ich keine Lust mehr darauf habe, dass jede und jeder Carnivore mir die Ohren abkaut, wenn er oder sie meine Moral- und Ernährungsüberzeugungen mitbekommt.

Neben viel Ohren-Abgekaue (sic!) ein paar „isch ess nur Bio“ und ein paar „der Mensch ist nunmal Fleischesser“, ein bisschen Hass und ein bisschen Diskussion (ich habe nämlich eigentlich äußerst reizende Leserinnen und Leser, die normalerweise genau reizend kommentieren) bekam ich im Schnitt am meisten zu hören, das könne ja wohl gar nicht sein. Schließlich seien es die Vegatarier und Veganerinnen, die immer ins Philosophieren und Missionieren kämen und man habe das von Carnivoren noch nie gehört.

Gestern stieß ich bei facebook zufällig auf diesen kleinen Thread. Da er nur exemplarisch ist und ich niemanden der beteiligten persönlich meine, habe ich alle Namen und Profilbilder hochprofessionell im Photoshop verwuschelt.
Genommen habe ich dieses Posting mit seinen Kommentaren, weil sich so hübsch komprimiert alles findet, was ich sonst gerne so live erlebe:

  • Wenn V.s ihre Bedürfnisse formulieren, nerven sie *
  • Witze drüber machen
  • Nicht ernst nehmen
  • Hass / Gewalt
  • (Wirklich dumme) Gegen„argumente“ **
  • … und nochmal Sprüche und Witze

*) Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich Fleisch oder tierische Zutaten in meinem „nee ne, ist voll vegan“-Gericht fand. (gebutterte Nudeln, Ei im Burger-Bun, Schinkenröllchen im Salat, Speck im Gemüse …) Daher neige auch ich aus Sicherheitsgründen zum Nachfragen; es ist leider nötig.
*) Bei denen ging ich davon aus, es sei Ironie. Eine kurze, repräsentative Umfrage im VFBK ergab: Nö, das hör ich dauernd. Bitte überzeugt mich vom Gegenteil.

Besten Dank fürs Zuhören, mehr wollte ich gar nicht sagen.
Da ich an dieser Stelle jetzt einmal keine Kommentare möchte, mache ich das Formular ausnahmsweise zu. Lesen Sie also an dieser Stelle demnächst: Die schönsten E-Mails von überzeugten Fleischfressern.