Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

WMDEDGT Februar 2016

Aus der Kategorie »just people«

WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

Sieben Uhr
Ich finde es ja ein wenig ekelig, dass mein Pünktlichkeitsfimmel mich sogar exakt zur vollen Uhrzeit aufwachen lässt, aber was will man tun?
Ich klicke ein wenig im Internet rum und sehe, dass about.me alles „viel viel schöner gemacht“ hat. In anderen Worten: Ich muss alles neu einrichten und das von mir sehr geschätzte freie designen der Seite geht nicht mehr. Hmpf.

Dann bimmelt mich mein Kalender an: Ich muss los zum Arzt, mir die nächste Spritze abholen. Die Formulierungen seit El Capitan finde ich total schön: „Fahren Sie in 15 Minuten los um pünktlich anzukommen“. Fahr ich also los.

Neun Uhr.
Beim Arzt bin ich dann direkt rückwärts wieder raus. Im Eingangsbereich stapelten sich die ersten 12 Leute und nachdem der erste mir auf mein leises „Guten Morgen“ mit einem fröhlichen Huster mitten ins Gesicht antwortete, beschloss ich: Nö, das hat noch Zeit.
Naja, bin ich wenigstens schon ne Stunde Auto gefahren. (Jaja, die Freuden des Lebens in der Kleinstadt)

Halb elf
Ein Kunde möchte auf seiner Website einen Link auf eine andere Seite haben. Auf dieser anderen Seite werden auch Pelze verkauft. Ich dachte wirklich darüber wären wir alle raus. Einer der Momente, wo sich alles sträubt.

Huch, vier Uhr
Den weiteren Vormittag habe ich damit verbracht, ein Script, das ich schon geschrieben hatte, nochmal zu schreiben. Ich vermute, dass es jedem codenden Menschen da draußen genau so geht: Das ist in etwa so lustig wie ungetoastetes Toast ohne alles. Aber irgendwie hatte ich mich verrannt und im Endeffekt war es bestimmt die sauberere Lösung, noch einmal von vorne anzufangen. Und saubere Lösungen beim Arbeiten – da stehe ich ja drauf.

Dann meldete sich die Liebste. Sie müssen wissen, dass die seit einer Woche mit Fieber, Schmerzen, Schlaflosigkeit und entsprechend super Laune durchs Haus schleicht. Ein paar Schritte vor die Tür wollte sie gerne und natürlich hat mich das a) sehr gefreut und b) wollte ich eh gerne den im Herbst gekauften und noch nie genutzten Graufilter mal ausprobieren. Und wo soll man Graufilter besser ausprobieren, als an einem Wasser?
Das Bild ist nix geworden, für eine zweite Langzeitbelichtung hatten wir nicht genug Geduld, aber es hat mir gereicht, um die Möglichkeiten zu erkennen. Stay tuned, ich werde hier demnächst Bilder von ausgestorbenen Städten posten. Oder so.

Und jetzt muss ich anscheinend dringend nochmal ins Bett. Dank großzügigem Sicherheitsabstand zum Virenmutterschiff und täglichen Immunkick- und Vitamin-Dosen habe ich mich zwar nicht vollends angesteckt, aber müde bin ich, meine Herren.

Viertel vor sieben
Hab nicht schlafen können, lag also blöd im Bett rum und klickte mich durchs Internet. Bei der Überlegung, hier weiter zu schreiben stand im jawl plötzlich nur noch: Fehler beim Aufbau der Datenbankverbindung.
So, jetzt bin ich wenigstens wieder vollständig wach. Aber das Telefonat mit der freundlichen Hotline ergab: Schluckauf des Datenbank-Servers. Naja, mein Jahr begann damit, einem Kunden sein gehacktes WordPress wieder unter Kontrolle zu bekommen – da kann man ja mal hektisch werden.

Viertel nach acht
Schnittchen-Abendessen mit Tee. Die Frau memmt rum, weil ihr Kreislauf noch nicht so will wie sie. Ich memme rum, weil ich so müde bin.
Das kann ja noch was werden.
Aber wir haben eine uns vollkommen unbekannte Frucht gekauft und die Identifikation ergibt am Ende noch einen Eintrag im Techniktagebuch.

Aber jetzt geht The Voice Kids los und ich freu mich so furchtbar drauf. Müssen wir wohl noch ein bisschen durchhalten.
Und ich so:Lena! Lena! Lena!
Und sie so: Sascha! Sascha! Sascha!
Das kann ja noch was werden.

elf Uhr
Krasser Scheiß. Jetzt bin ich tatsächlich schon zwei Wochen nacheinander freitags so lange wach.
The Voice Kids war wieder recht großartig; ich frage mich ja immer: Wo finden die diese talentierten Kinder bloß?

Jetzt läuft noch Frau Hill und darüber werde ich wohl dann einschlafen.
Schlaft gut, wo auch immer Ihr seid!

(To be continued)


Twitter-♥ im Januar 2016

Aus der Kategorie »just twittered«

Anne sammelt wieder alle Eure Twitter-Liebe. Ich mag das sehr.

Und ein paar #ibes-Highlights – zuerst drei Bewertungen zum exakt gleichen Moment:

… und dann die erwachende Liebe zu einem, den man vorher als den Looser dieser Staffel eingeschätzt hätte:


Ihr kommt doch alle, oder?

Aus der Kategorie »just links«

#mimimimi


Boing?

Aus der Kategorie »just people«

Kennt Ihr Zipp-Zapp-Boing? Ein Kinder- oder Warmmachspiel für Erwachsene. Alle stehen in einem Kreis. Einer startet und zeigt mit gefalteten Händen und ausgestreckten Zeigefingern auf einen Nebenmann und sagt „Zipp“ oder auf irgendwen anderes im Kreis und sagt „Zapp“. Wer ein Zipp oder Zapp (beide mit weichem Z) zugespielt bekommt, muss es weitergeben – wieder mit „Zipp“ an einen Nachbarn oder mit „Zapp“ an irgendwen im Kreis. Oder, wenn er keinen Bock hat, dann hebt er die Hände und sagt „Boing“. Dann kriegt der Absender es zurück und muss versuchen, es woanders hin loszuwerden.

Ich fühle mich von Frau serotonix geboingt; sie hat mir die 11 Fragen zurückgespielt. Das Buch mit den Regeln für gutes Bloggen aus dem Jahr 2004 ist ja leider während der großen Credibility-Kriege 2007 verloren gegangen und so konnte ich nicht nachschlagen, ob das überhaupt erlaubt ist. Nun denn. Auf gehts.

  1. Wie hast Du Deinen ersten Kuss Korb erlebt? (receiving)
    Ich tat, was ein Mann tun muss: Ich soff, ich zog, schmutzige Lieder singend durch die Stadt und schleppte wen anders ab. Ich saß während des Rests der Party frustriert in der Ecke. Um zehn wurde ich eh abgeholt und zu Hause lief dann noch Rocky im Fernsehen.
    Deswegen kann ich übrigens auch heute noch nicht „Eye of the tiger“ hören, ohne melancholisch zu werden – ein Zusammenhang, den natürlich keiner versteht.
  2. Wie hast Du Deinen ersten Kuss Korb erlebt? (giving)
    Das war Klassenkameradin S., die sich in der letzten Nacht in der Jugendherberge auf dem Mädchenzimmer immer wieder etwas zu dicht an mich dran setzte. Ich mochte das nicht und wir wechselten (erst ich flüchtend, dann sie, mir lüsternd direkt folgend) ein paar Mal das Bett. Und dann brachte ich mein Desinteresse verbal zum Ausdruck. Sie antwortete mit der angestrengten Würde einer arg angetrunkenen: „Du bisss ein Aschloch, Chrisssian Fischer. Aber ein sssüsses Aschloch.“ Und wechselte zum Kameraden M., mit dem sie zwei Minuten später knutschend unter irgendeiner Decke verschwand.
  3. Wenn Du nochmal zurück könntest, worum würdest Du Deine erste Grundschullehrerin (m/w) bitten?
    Ich weiß es genau, aber vollkommen überraschenderweise gibt es auch im fünfzehnten Jahr des jawls Dinge, die hier nicht gesagt sein wollen, weil sie zu privat sind.
  4. Zahnseide oder Munddusche?
    Zahnzwischenraumbürste. (Die Magentafarbene.) Und Munddusche.
  5. Notlüge oder bittere Wahrheit?
    Hängt arg davon ab, in welchem Verhältnis ich zum Gegenüber stehe. Nochmal treffen oder nie wieder sehen? Freund oder Feind? Die Mühe wert oder LmaA? Ich glaube: Je werter der Mensch, desto bitterer auch die Wahrheit, die ich zu sagen bereit bin.
  6. Hütchenspiel oder Skat?
    Ich beherrsche beides nicht. Scrabble anyone?
  7. Musical oder Oper?
    Musical ist Kultur light, da steh ich drüber. Der Satz käme deutlich geiler arrogant rüber, wenn ich nicht im gleichen Zusammenhang sagen müsste, dass ich für Oper zu doof bin.
    Ich bin eher in der Pop- Rock- oder Jazzmusik zu Hause.
    Ach ja, und „Cats“ hör ich gelegentlich noch mal; das habe ich damals sogar mehrfach gesehen und das mochte ich. Aber den Hype um Musicals heute, den mag ich nicht.
  8. Nachschlag oder Nachtisch?
    Ich verstehe die Frage nicht.
  9. Wenn Du eine Sache an Deinem Körper ändern könntest, welche wäre das?
    Hm, weniger Bauch oder mehr Haar.
  10. Wenn Du eine Sache an Deinem Charakter ändern könntest, welche wäre das?
    Da ich grundsätzlich der Meinung bin, dass man seinen Charakter auch bewusst bilden und/oder ändern kann und ich seit langen Jahren daran arbeite bin ich eigentlich aktuell recht zufrieden.
    Was natürlich nicht bedeutet, dass ich der Supertyp bin, sondern dass ich dem, was ich möchte einigermaßen nah gekommen bin. Aber da sich die Dinge immer ändern, wird sich auch das wieder ändern. Charakter ist ein laufender Prozess.
  11. Wenn Dir ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglichen würde, Dich – anstatt zu arbeiten – einer Aufgabe zu widmen – welche wäre das?
    Im Moment wäre es wohl, Schulen dabei zu unterstützen, mal einen vorsichtigen Schritt in Richtung Digitalien zu tun, ohne dabei auf die Kompetenz deutscher Schulbuchverlage zu hoffen. Aber die wahre Freiheit wäre wohl, sich nicht auf ein Ding konzentrieren zu müssen, sondern mein Wissen und Können je nach Bedarf mal hier mal da einsetzen zu können.
  12. Deine größte irrationale Angst ist …?
    Als Kind hab ich mir mal folgende Geschichte ausgedacht: Wenn ich es nicht schaffe, dass mindestens immer ein irgendwas – also Schublade, Kühlschrank, Herd, whatever … offen ist, kommen die Geister raus. Manchmal packt mich heute die Erinnerung daran und Du siehst mich eine Schublade zuwerfend aus der Küche rennen – damit die Türe hinter mir zu ist, bevor die Schublade zu ist.
    Naaa? Ist DAS mal eine irrationale Angst??
  13. Gibt es einen Film, den Du immer wieder gucken kannst?
    Ich hatte da lange diverse Kandidaten*, aber viele haben es dann nicht mal bis heute geschafft – und „immer“ ist ja noch mal viel länger.
    Deswgen fällt es mir schwer, neue auf die Liste aufzunehmen, selbst das heißgeliebte „Friends“ wirkt beim siebten Mal auf einmal so alt wie es ist.
    *) Water, 2001, Blues Brothers, Die Hard zum Beispiel.
    Im Moment fielen mir aber der Herr der Ringe und Dogma ein.
  14. Wie stehst Du zu Deinen Füßen?
    Ich find die prima. Dass ich irgendwann hörte, ich hätte die falsche Fußform hat mich kurz getroffen, aber ist mir auch wieder egal.
    Neben meiner linken Hand sind meine Füße übrigens die Körperteile mit den meisten Narben. Die an der Hand sind selbstgemacht (Messer, Fuchsschwanz, Stichsäge), die an den Füßen alles OP-Narben.
  15. Kann serotonic bis elf zählen?
    Nein.

Wenn noch irgendjemand mag – hier wären noch ein paar Fragen:

  1. Schon mal vegetarisch/vegan gelebt?
  2. Dancing queen oder die Füße leicht neben dem Beat?
  3. Was ist Dein guilty-pleasure-Song?
  4. Bravo oder PopRocky?
  5. Du bekommst ein Sabbatical geschenkt. Wohin geht die Reise?
  6. Kirche – yay or nay?
  7. Punks sind …?
  8. Für immer nur noch die Küche eines Landes. Welches Landes?
  9. 3 CDs Download-Alben für die einsame Insel?
  10. Schon mal was selbst genäht/gestrickt/gehäkelt und dann auch getragen?
  11. Hier fehlt welche Frage? Und was ist Deine Antwort?


It’s just a tool?! – Oh, no!

Aus der Kategorie »just links«

Große Geister können auch mal ein Zentimetrchen über den Tellerrand gucken.


digitale Medien im Unterricht im Jahr 2016

Aus der Kategorie »just people«

Es ist zweitausendsechzehn und dass unsere Kanzlerin dieses Internet „Neuland“ genannt hat ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her. Auch die Einsicht, dass Kinder die Zukunft unseres Landes sind und wir sie durch eine gute Bildung auf das Leben vorbereiten müssen, hat sich in der breiten Masse durchgesetzt. (Na gut, an der Umsetzung haperts manchmal noch aber … )

Heute hatte die Liebste, die ja bekanntlich Lehrerin ist, einen Schulbuchkatalog in der Post.
„Na, mal schauen, was die da so anbieten“, dachte ich mir.

Der Katalog hat in etwa 250 Seiten; ich scanne das Inhaltsverzeichnis. Deutsch … Mathe … Sprachen … ah: Sachkunde/Internet/Medien: Seite 204-208. Vier Seiten? Oha …

Ich schlage Seite 204 auf und sehe: Arbeitsblätter. Keine Screenshots, keine CDs (das hätte ich mir ja noch gefallen lassen), sondern Arbeitsblätter.
Ich beginne zu lesen.

„Biologie als Vorbild für Technik! Hier geht es darum zu erforschen, was die Wissenschaft von der Natur lernen kann“

Häh? Was hat das mit Computer oder Medienkompetenz zu tun? Ich lese weiter.

„Jedes Heft der Reihe bietet 20 Arbeitsblätter als Kopiervorlagen“

Arbeitsblätter. Cool, es könnten ja auch Matrizen sein.

„Eine jeweils vorgegebene Internetadresse führt zu kindgerechten Webseiten, die die Antworten auf die gestellten Fragen enthalten. Durch Nachforschen auf diesen Internetseiten können die Kinder die Arbeitsblätter selbstständig bearbeiten“

Es gibt 35 Hefte und exakt eines der Themen hat etwas mit Computer, Web oder Medien allgemein zu tun.

Mit anderen Worten: Für einen Schulbuchverlag ist „Lernen im Netz“ (so der Titel der Reihe), wenn Kinder eine Adresse abtippen und ihre Antworten dann von einer Website abschreiben statt vom Arbeitsblatt, Tafelbild oder der Overheadprojektor-Folie.

Nicht unterschlagen will ich, dass es außerdem noch „Lernen am PC“ (Arbeitshefte mit jeweils 20 Arbeitsblättern zu Themen wie „Rechtschreibung mit Word“, „Kunst und Mathe mit Paint“, „Gestalten mit Word“ usw) sowie „Lernen mit Software“ gibt. Zitat: „Entsprechend dem schmalen Geldbeutel der meisten Schulen handelt es sich bei der ausgewählten Software nicht um teure, im Handel erhältliche Spiele, sondern um Freeware [anderer Hersteller, die wir gesammelt haben (Anmerkung des Autors)].“

Ach ja, und: Vier Bücher zu facebook, Smartphone, Computer und Internet sowie einen PC-Führerschein. Der abgebildete Computer hat Tower, Monitor, Scanner und Drucker und damit mit der Lebensrealität von Schülerinnen oder Schülern vermutlich ebensoviel zu tun, wie das Post-zugelassene Telefon-Sondermodell Dallas von 1983.

Ich bin einigermaßen fassungslos.


Wochenrückblick 2/2016

Aus der Kategorie »just people«

Ich probier das jetzt auch mal. Blog-Füllung und Seelenhygiene in einem.

Work
Die Woche hatte wieder so langsam etwas von einer echten Arbeitswoche. Mehrere langjährige Kunden freuen sich, dass ich wieder mit Ihnen arbeite – und das ist natürlich der schönste Vertrauensbeweis, den man sich so wünschen kann. Beides sind schöne Jobs, die auch schön losgehen.
Und dann war da noch der eine, der mich mit einem Anwalt verwechselte und sowieso etwas unaufmerksam war. Aber das ist jetzt auch abgeschlossen.

Life
Wir haben die Peanuts im Kino gesehen. Im Lieblingskino, und wir hatten es ganz für uns alleine. Monntags nachmittags scheint kein Zeitpunkt für Altenaer Jugendliche zu sein.
Der Film ist natürlich grauenhaft, weil es CGI-Figuren und nicht mehr Schulz’ Strichfiguren sind. Und wenn man das zusammen mit „früher war alles besser“ über Bord werfen kann, dann ist das ein wunderschöner kleiner Film. Respektvoll zu Schulz’ Figuren und Geschichten und an ein paar Stellen lief sogar der lustige Jazz, den ich in den alten Filmen so geliebt habe.
Auf der Werkbank liegt der Jazz-Bass, den ich letztes Jahr gebaut habe. Ich habe das übers Jahr genau beobachtet: Ich hab ihn, obwohl er sehr geil klingt, quasi nie gespielt. Und ich vermute, weil er geschätzte acht Tonnen wiegt. Inzwischen wiegt er die nicht mehr, dafür liegt auf der Werkbank eine zentimeterdicke Schicht Schleifstaub. Und aus dem eher ganz normalen, klassischen Jazz-Bass wird jetzt eine modernere, weniger dicke Variante. Ich bin selbst sehr gespannt.

Und? Balance?
Work: 1 / Life: 1, denke ich


Gelesen: Slash. Die Autobiographie.

Aus der Kategorie »just read«

Slash mit Anthony Bozza: Slash Die Autobiographie

Slash Die Autobiographie auf amazon bestellenGuns N‘ Roses waren für mich in den 90ern eine dieser Hairspray-Metal-Bands. Ich hörte erst Thrash und vielleicht die NWOBHM und später SkatePunk und Grunge und ich hasste Guns N‘ Roses.
Na ja, jeder macht mal Fehler.

GnR waren dann ja auch fix wieder weg und ich fand es nicht schade. Doch dann tauchte Slash aus der Versenkung auf und machte irgendwie guten, ehrlichen Rock. Dummerweise hörte ich aber keinen guten, ehrlichen Rock mehr und so dauerte es ein paar Jahrzehnte, bis erstens Slash und zweitens GnR wieder auf meinem Schirm erschienen. Und dann nochmal ein paar, bis ich auf diese Biographie stieß.

Worum geht’s?
Slash erzählt sein Leben: von frühen Kindheitstagen bis ca 2007; Inklusive the raise and fall von GnR – inklusive vermutlich aller Eskapaden, die er in den Jahren er- und gelebt hat. Inklusive aller Heroin-Phasen, jedes Tropfens Alkohol und eines mehrminütigen Herzstillstandes, als sein Körper nicht mehr mochte. Relativ sachlich, teilweise schon fast distanziert arbeitet er sich chronologisch durch die Jahre; und ich vermute, er würde auch nicht mehr leben, wenn es nicht inzwischen eine gewisse Distanz hätte.
Es klingt übertrieben – was aber nicht heißt, dass es nicht passiert ist“ steht oben auf dem Buchdeckel. Das ist sicher ein bisschen effektheischend, aber passt als Motto ganz gut zum Buch.

Hab ichs gemocht?
Generell haben es Biographien bei mir leicht. Rock-Biographien von Musikern die ich mag erst recht. Als GnR berühmt wurden, traf ich mich zweimal die Woche in Menden in einem schimmeligen Raum mit meiner Band und wir probten auf die große Karriere hin, vermutlich ohne den Hauch einer Ahnung, was diese Karriere bedeutet hätte. Geschichten von zerstörten Hotelzimmern, von Heroinsucht und billigen Alkohol und billigen Mädchen gehörten natürlich irgendwie zu den Legenden, die wir alle im Hinterkopf hatten – aber eher so als Relikte einer lang vergangenen Zeit.

Jetzt, Jahre später, ist es irgendwie befremdlich, diese Geschichten exakt so und noch viel schlimmer zu lesen. Zu lesen, dass eine Band, die ich nur als Stadien-füllend kannte, noch viel chaotischer angefangen hatte als wir es je waren. Dass implodierte Hotelzimmer, Alkohol und Heroin, Mädchen und endloser Suff so vollkommen selbstverständlich zu jedem einzelnen Tag gehört hatten. Und dass während der Tourneen die Band teilweise nicht miteinander sprach und sich nur auf der Bühne sah.
Wirklich interessant.
Slash erzählt, wie gesagt, alles relativ emotionslos einfach der Reihe nach runter – was aber gerade zu der Beschreibung einer Karriere viel besser passt als irgendwelche thematischen Einheiten, die dann Zeitsprünge nötig machen würden. Ich stieß – trotz meiner damaligen Abneigung – immer wieder auf Passagen, die ich damals in Funk und Fernsehen mitbekommen hatte und da wars natürlich interessant, die Lücken dazwischen gefüllt zu bekommen. Slash schont sich nicht, er wäscht angenehm wenig dreckige Wäsche und das ganze ist von Anthony Bozzy sehr unterhaltsam in Form gebracht. Ja, ich habs gemocht.

Das Buch kann man im Buchhandel oder hier bei amazon kaufen. Fällt Deine Wahl auf „hier bei amazon“ bekomme ich ein paar Cent ab.