Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

Vom Dateinamen zum Technik-Zweifel

Aus der Kategorie »just people«

tl;dr: Eine These: Wenn wir eine Technik so weit entwickelt haben, dass sie die Komplexität des Lebens annähernd komplett abbildet, flüchten wir zu einer neuen Technik, die wieder vieles uns verbirgt.

Vorhin lud ich mir aus Gründen ein ZIP mit ein paar offiziellen Pressefotos herunter. Vor einer – sagen wir mal – nicht kleinen Firma.
In dem ZIP stiess ich auf diese Dateien:

Bildschirmfoto 2015-04-15 um 14.44.37

Zur Erklärung: „SH” hat immerhin entfernt etwas mit dem Produktnamen zu tun.

Und so nach und nach waberte mir eine kleine Assoziationskette durch den Kopf, die mit Spott und Hohn über Menschen, die Dateien nicht brauchbar benennen können anfing und sich schnell viel weiter bewegte.

Ihr dürft jetzt und hier daran Teil haben:

Bei dem letzten richtig, richtig großen Job, den ich vor ca. einem Jahr begann und letzten Freitag abschloss, hatte ich versucht, Regeln für das Benennen von Dateien einzuführen. Ich hatte an so etwas wie kunde_2014-08-10_wasistinderdatei-version.eps gedacht, also an Dateinamen, die mir helfen, ohne dass ich sie öffnen muss. Ich merkte, dass mein Kunde mich im Gespräch groß anguckte und nickte; später merkte ich, dass er nicht begriffen hatte, was ich wollte. Noch etwas später begriff ich, dass er gar nicht in der Lage war, Dateien umzubenennen. (Ganz zum Schluss dann, dass er gar keine Dateien kannte, nur Fotos und Dokumente)
Das war also gründlich in die Hose gegangen.

Schaue ich in das vorhin geöffnete ZIP, dann sehe ich, das ist nicht ungewöhnlich.

Schaue ich mir an, wie meine Betriebssysteme seit ein paar Jahren versuchen, Dateien und das Dateisystem vor mir zu verstecken, dann verstehe ich das auch. Bilder werden vom mitgelieferten Bildbetrachter automatisch in den Bilderordner gelegt. Das Schreibprogramm will in „Dokumente” speichern und so weiter. Dass das alles nur Ordner sind, soll der User irgendwie gar nicht wissen. Dass man diese Vorgaben beliebig ändern kann ebenfalls nicht.

Nun denn.

Hat man das erste Mal nach einem Urlaub nicht wie sonst vier Schnappschüsse, sondern 765 Urlaubsbilder importiert, erkennt man die Schwäche des Systems. Nach dem zweiten Urlaub erst Recht.
Als Reaktion wurden die Bildbetrachter klüger – beziehungsweise: Sie versuchten es. Sie ordnen unsere Bilder nach „letzter Import” (das ist die Einstellung für alle die wissen, dass man sich seine Fotos sowieso nie wieder ansieht), oder überhaupt nach dem Datum, sie versuchen Personen zu erkennen oder schieben unsere Bilder auf eine Weltkarte.
Hat man die Geotags im iPhone nicht abgeschaltet, haben die Freunde keinen neuen wilden Frisuren und öffnet man seine Bilder nie in einem anderen Programm, welches das Dateidatum ändert, dann funktioniert das einigermaßen. Hat man einen guten Freund, der einem den „echt viel besseren Bildbetrachter” installiert, hat man leider verloren.

Meine Fotos sind in vielen, vielen Unterordnern sortiert, die alle im Namen sagen, was drin ist. 2014-07-05-zoo-dortmund oder 2013-10-15-closeup-bassbridge ist auch Jahre später sehr eindeutig.

Schauen Freund auf mein System sagen sie gerne „Das ist ja aufwändig, das mache ich nicht. Brauch ich aber auch nicht.” Will ich bei ihnen mal Urlaubsbilder gucken, sagen sie meist „Die müssten doch …, warte mal … hm, da fehlen jetzt noch die vom Ausflug ins Inland …, wo sind denn die…?”

Gedankensprung. Ich merke: Meine private Kommunikation hat sich in großen Teilen auf den facebook-Messenger verlegt. Leider; ich hasse das. Ich hasse, dass meine Kommunikation bei einem amerikanischen Anbieter mit undurchschaubaren Privacy-Einstellungen gespeichert ist, ich hasse, dass ich nicht suchen kann, was ich letzte Woche besprach, ich hasse die niedlichen kleinen Geräusche, die das Ding inzwischen macht.
Ich würde gerne eMails schreiben und bekommen. Ich bin da der letzte Mohikaner, so scheint es.

Schaue ich bei anderen Menschen ins eMail-Programm, stelle ich zuerst fest: Sie haben keins, sie nutzen GoogleMail. Weil: „Da kann man so gut suchen”. Und das filtert so klug vor. Und die Tags sind so praktisch. Und man kann von überall auf der Welt an die eMails.

Und deswegen liegen alle eMails in der Inbox und man vertraut darauf, dass Googles kluge Algorithmen das schon regeln. Tags benutzt keiner.

eMails haben Betreffzeilen; ich versuche sie mit Inhalt zu füllen. 70% der Mails meiner Kunden heißen „Homepage” oder „Website” oder „(ohne Betreff)”

In meinem eMail-Programm habe ich für jeden Schreib-Partner einen Ordner. Taggen könnte ich auch, wenn ich wollte. Ich hab ein IMAP-Postfach und einen Webmailer auf dem Server, ich komme an jedem Internetzugang auf der ganzen Welt an meine Mails. Dank VPN auch verschlüsselt und sicher aus dem McWlan. Dank GPG und S/MIME auch signiert und/oder verschlüsselt.
Habe ich mehr als 10 Mails in meiner Inbox werde ich nervös. Suche ich etwas von Person X, dann gucke ich in Person Xs Ordner.

Der facebook-Messenger, so habe ich gelernt, ist so praktisch, weil „man da immer sieht, mit wem man gesprochen hat”. Und weil er die anderen immer erreicht.
Ich gucke auf meine Ordner und verstehe es nicht. Ich gucke auf die Smartphones, die vor allen anderen Funktionen seit Dekaden einen eMail-Client haben und verstehe es nicht.

Und bevor das hier ein sehr unangenehmes „Ich bin super und Ihr nicht” wird:
Ja, ich habe mich für alle diese Dinge gekümmert. Gelernt, gelesen, ausprobiert, getestet, verworfen, richtig viel Zeit investiert. Das hat viel Zeit gekostet und ich weiß, diese Zeit hat nicht jede. Uns es will sie auch nicht jede haben, wenn sie Abends ihren Computer oder ihr Tablet in der Freizeit einfach gerne benutzen möchte.
Und ich weiß wirklich nicht, ob mein Weg besser ist, ich weiß nur: Er ist anders.

Und ich habe keine Lösung dafür.

Ich sehe nur, wie wir uns immer weiter den Algorithmen in die Hände werfen.
Und wenn Gmail eine Mail nicht findet, ist sie eben weg. Findet mein Fotobetrachter das Bild mit der Möwe nicht, gibt es eben keine cooles Möwenbild.
Der Vorteil, dass man bei einer schriftlichen, asynchronen Kommunikation nachschauen kann, was der andere gesagt hat, verschwindet im Scrollverhalten und der fehlenden Durchsuchbarkeit des facebook-Messengers.
Die gute Erreichbarkeit in der Unvorhersehbarkeit, mit der facebook beschließt, dass man mit dem anderen nicht oft genug gesprochen hat und ihn in den Ordner „sonstiges” schiebt, von dessen Existenz angeblich höchstens 50% der User wissen.

Als ich damals las, dass die Maschinen Macht über unser Leben bekommen, hatte ich das nicht so verstanden.

Ich habe ein tiefes Bauchgefühl, dass das alles umso schlechter funktioniert je besser es funktioniert. Brauchen wir das vielleicht? Als wir 836 Fotos aus dem Urlaub mitbringen konnten, haben wir uns in eine Software gestürzt, die die Bilder nach ausgeklügelten, Ordnung suggerierenden Systeme vor uns verstecken. Als wir immer per eMail erreichbar waren und uns jeder unter die Nase reiben konnte, dass wir aber um halb sieben verabredet waren, haben wir eMail verlassen.
Ja, genau so fühlt es sich an.

Es ist kompliziert.


Die inneren Werte von Tanjas BH

Aus der Kategorie »just read«

… so sprach ich, nachdem ich vorgestern die Empörung über das Poster zum Buch zum Anlass genommen hatte, um ein bisschen Ruhe zu bitten. Ich wollte das Buch gerne erst einmal lesen, bevor ich mich über ein – eventuell aus dem Zusammenhang gerissenes Poster aufrege. Ich wollte wissen, ob das Buch vielleicht zum Beispiel die Entwicklung eines Teenie-Jungen vom hirnlosen, hormongesteuerten Chauvi zum nicht ganz so hirnlosen, auch mal kopfgesteuerten Menschen zum Inhalt hat. Ob das Poster vielleicht Teil einer Reihe von Illustrationen wäre, die die Entwicklung aufzeigen. Ich hatte es vielleicht sogar etwas gehofft, wir haben doch schließlich 2015.

Nun habe ich das Buch gelesen. Und würde sich noch irgendjemand dafür interessieren – immerhin wurde der Verlag schon vor zwei Tagen durchs Dorf getrieben, das sind achtundvierzig Stunden oder zweitausenachthundertachtzig Minuten oder siebenhundertzwanzig durchschnittliche Tweet-Aufmerksamkeitsspannen – würde es also noch irgendjemanden interessieren, dann würde ich jetzt über das Buch schreiben.

Hat da jemand „Mach doch!” gerufen? Ok.

Nun denn: „Die inneren Werte von Tanjas BH” von Alex Haas.
Ich gehe mal wie in der Schule dran und erzähle erstmal, worum es geht: Beschrieben werden – aus der ich-Perspektive des 14-jährigen Benni – ca. zehn Wochen in irgendeinem Sommer. Da Handy und Internet selbstverständlich sind, spielt die Handlung vermutlich ziemlich nah am jetzt.
Genauer geht es um die letzten Schulwochen vor den Sommerferien, die Sommerferien in Dänemark und dann noch einmal kurz um die ersten Schulstunden nach den Ferien.

Benni lebt in der DHSF – also der deutschen Hetero-Standard-Familie – mit Papa, Mama und einem älteren Bruder und steckt mitten in der Pubertät. Er denkt an seine Mitschülerin Tanja, er denkt an ihre Brüste, er denkt an Sex mit ihr und er onaniert. Alles andere nervt ihn. Die Lehrer, die versuchen, Unterricht zu halten sind nervig, die Eltern, die ihm den Traumsommer mit der angebeteten Tanja am Baggersee mit einem gemeinsamen spontanen Urlaub versauen nerven, sein älterer Bruder, der schon Sex hatte (also nicht alleine) nervt. Nur sein bester Freund Felix, der ist ganz ok.
Und er selbst, er ist sehr ok, meist ziemlich cool sogar. Er ist Skater und ja quasi mit Tanja zusammen und mit der wird er bald Sex haben; spätestens, wenn sie zusammen am Baggersee liegen und sie nur einen Bikini trägt und er nur eine Badehose. Wesentlich mehr ist über Tanja eigentlich nicht bekannt, außer dass sie Brüste hat und dass er mit ihr zusammen sein will.

Tja, dann kommen ihm seine Eltern mit dem doofen Urlaub in die Quere, er vertraut Felix das Aufpassen auf Tanja an, im Urlaub gibts kein Internet, sein Vater will immer angeln und seine Mutter die Dünen und das Meer anseufzen, Felix schreibt ihm einen Brief, dass er mit Tanja im Kino war und sie gefummelt haben, er lernt Viola kennen und von der erfahren wir immerhin, dass sie surft und größere Brüste als Tanja hat und ihn mal anlächelt und sich für ihn zu interessieren scheint und dann …

Tja, das war’s in etwa. Es ist alles furchtbar belanglos und klischeehaft. Lehrer: Doof. Vater: Busy, kann ohne Karte den Weg finden und will im Urlaub nur angeln. Mutter: Findet das Meer toll, streitet, weil sie die Karte lesen will und sie sich verfahren und platzt mit Plätzchen ins Zimmer wenn er gerade onaniert. Tanja: Hat Brüste. Viola: Sieht super aus, spricht ihn mal an und hat größere Brüste. Sie fällt ihm aber erst auf, als sie den warmen Sweater und die Mütze auszieht und im engen Neopren-Anzug vor ihm steht.
Sagte ich schon: Belanglos und klischeehaft? Ach ja.

Jetzt habe ich mich natürlich gefragt: Warum dieses Buch?
Hinten auf dem Deckel steht: „Nur für Jungs” und glücklicherweise war ich ja mal einer.
Ich war auch mal ein Junge, der von der überraschenden Hormonwelle so überrannt wurde, dass er ganze Mathestunden damit verbracht hat cool an die Heizung gelehnt exakt so zu sitzen, dass sich in dem Moment wenn Petra aufzeigte einen kleinen Moment lang ein Blick durch den weiten T-Shirt-Ärmel bot. Wohin auch immer. Vermutlich also ein ganz normaler Teenie-Junge.

Und so gab es in dem Buch auch zwei oder drei Stellen, bei denen ich grinsen musste, weil all das im Rückblick so lächerlich und vertraut peinlich war. Ich hoffe, ich sage Euch jetzt nichts neues, aber es gibt Phasen im Leben der meisten Jungen, in denen es außer dem Gedanken an die Brüste irgendeiner Person – wahlweise an den Hintern einer Person – wenig anderes gibt.

Und bleibe ich auf dieser vordergründigen Ebene ist das sogar ein „wieso – ist doch lustig?”-Buch. Cock-Lit sozusagen.
Aber sorry, auch – oder sogar gerade – von einem Jugendbuch würde ich mir da ein bisschen mehr wünschen.
Vielleicht eine Viola, bei der Benni dann nicht nur überrascht ist, dass sich unter den Klamotten ein Körper versteckte, sondern von der er dann auch lernt, das es überhaupt mehr gibt als Brüste im Bikini.
Vielleicht etwas mehr als nur ein paar coole Buddy-Sprüche, als er Felix wiedertrifft – der ihm ja immerhin recht knallhart seinen Schwarm ausgespannt hat.
Vielleicht dass wenigstens Violas Eltern ein anderes Familienmodell leben als „Papa ist für den Job versetzt worden und wir ziehen halt alle hinterher”.
Was ich sagen will: Selbst ohne sich sehr viel Mühe zu geben, wären da bei gleichbleibender Geschichte eine Menge Möglichkeiten gewesen, die Geschichte ein bisschen bunter, ein bisschen vielfältiger zu machen.
Schade, setzen, glatte Fünf. Und ich verweise mal auf die Bücherliste die Ella zusammen gestellt hat – da gibt es wohl etwas mehr Abwechslung.

Ach ja: Das Poster: Es hat leider quasi überhaupt keinen Bezug zum Buch: Außer den einen, dass der schwer hormongeschwächte Benni die Welt im Moment so leer und traurig sieht. Wenn man sich ernsthaft vierzehnjährige Jungs anguckt, will man die Welt aber nicht so. Im Buch bleibt sie aber so und so ist das Poster das i-Tüpfelchen.
Machen wir eine Fünf Minus draus, immerhin ist’s ganz flott geschrieben.

Ach ja, nochwas: Liebe Lehrperson, die Sie das Poster an der Schule aufgehängt haben: Sagensemal – Gehts noch?


Über die Empörung

Aus der Kategorie »just people«

Ich tue jetzt etwas Dummes: Ich schreibe jetzt anhand eines tagesaktuellen Ereignisses über Empörungswellen im Web.

Letztens zum Beispiel, da hatte ein Schuhhersteller eine Unterführung mit Werbung beklebt. Das war ärgerlich, weil da sonst immer Konzert-Ankündigungen hingen. Und besonders ärgerlich, weil der Schuhhersteller sonst doch gerne auf Konzerten und mit Konzerten wirbt. „Kann man also auch nicht mehr kaufen”, las ich.

Oder als da heute Morgen eine Werbung für ein „Jungs”-Buch auftauchte. Also, ein Bild, eine Karikatur, eine einzelne Seite ohne Zusamenhang – oder war’s ein Plakat? Das war sexistische Kackscheiße, dieses Bild und die Welle ging hoch.
Zu Recht.

Ich musste an eine Geschichte denken, die sich begab, als ich in der Oberstufe war.
Damals hatte Bundestagspräsident Jenninger eine Rede (wer damals nicht dabei war: Hier steht mehr.) gehalten, die (vereinfacht formuliert) so arg ungeschickt formuliert war, dass hinterher niemand mehr wusste, ob jetzt gerade Herr Jenniger oder Herr Himmler sprach. Das darf einem Bundestagspräsidenten nicht passieren, also ging er.
Nee. Er ging, weil

„Das mediale Echo in Deutschland, bei dem es zu falschen Zitaten und unzulässigen Verkürzungen kam, verheerend war. Unter diesem Eindruck trat Jenninger bereits am darauffolgenden Tag vom Amt des Bundestagspräsidenten zurück.
(Wikipedia)

Unsere Geschichtslehrerin nahm diesen Anlass, um endlich mal tagesaktuellen Unterricht machen zu können, besorgte die Rede und befahl uns: „Lesen Sie Zeile 48-165!”
Auf unsere Frage, ob wir denn jetzt da Himmler oder Jenninger lesen würden, reagierte sie empört – das wäre doch egal, wir sollten das jetzt lesen und dann würden wir schon selber zu dem Schluss kommen, dass ein Bundestagspräsident gegenüber den Juden nicht so eine Haltung zeigen dürfe. Oder anders: Auch sie wollte uns – ohne die lästige Auseinandersetzung mit dem was passiert war – auch nur auf die bequeme, schnelle Empörungswelle bringen.

Um das nochmal klar zu sagen: Selbst wenn Jenninger damals im Nachhinein weitestgehend rehabilitiert wurde, halte ich seinen Rücktritt immer noch für richtig. Allerdings finde ich nicht, dass er zurücktreten musste, weil er Nazipropaganda gemacht hat. Sondern weil sein Amt verlangte, bessere, eindeutigere Reden zu schreiben.

Kommen wir zurück zu den Schuhen. Erste Frage: Wer ist Converse (denn um die ging es ja). Die Firmenleitung? Die Menschen, die die Schuhe nähen und kleben? Die Marketingmenschen? Die Pressesprecher? Die in Amerika, in Europa, in Deutschland? Wer hat die Plakate geklebt? Wem schade ich, wenn ich jetzt die Schuhe nicht mehr kaufe, weil ein Plakatkleber ohne nachzudenken geklebt hat? Ich weiß es nicht.

Kommen wir zu dem Plakat/Bild/whatever da heute durch meine Timeline rauschte. Ja, das Bild alleine ist sexistische Kackscheiße. In welchem Zusammenhang steht es? Hat mal jemand das Umfeld gesehen? Kommt es aus einem Buch, in dem die Entwicklung eines Teens vom Vollpfostenchauvi zum netten Kerl erzählt wird? Hat schon jemand den Verlag gefragt? Nachdem ich las „…und bestimmt sagt der Verlag wieder »ist doch lustig«…”, nehme ich das zum aktuellen Zeitpunkt nicht an.
Ich weiß das alles nicht.

Aber es ermüdet mich, dass ich so unfassbar selten mitbekomme, dass sich jemand da draußen diese Fragen stellt. Vor vier Tagen haben wir alle noch geliked, wenn „die Medien” durch den Kakao gezogen wurden. Wir haben Petitionen gegen „die Journalisten” beklickt, weil die in der Hektik unfassbar scheiße gearbeitet haben. (Ja, haben sie.)
Heute wird ein Verlag durchs Dorf getrieben, weil irgendwer irgendwo ein Bild aufgetrieben und geteilt hat. Und zwar innerhalb von wenigen Stunden. Find the mistake.

Noch einmal: Wenn es das Bild gibt …, wenn es Werbung für ein Buch ist …, wenn es ernstgemeint oder „ist doch aber lustig”-ernstgemeint ist – dann freue ich mich über jeden Tweet, über jeden Blogartikel, über alles, was Verlag und Autor_in sagt: „Das. Ist. Kackscheiße. Und es gibt im Jahr 2015 eine Menge Menschen, die sich darüber aufregen.
Aber ich weiß das alles nicht.

Und trotzdem ich das hier schreibe, trotzdem ich jeden zweiten Absatz betone, dass ich weder überklebte Clubkonzert-Plakate noch sexistische Kackscheiße noch Jenningers Rede gut finde, habe ich Angst davor, wann der erste Kommentar mir Frauenfeindlichkeit vorwirft.
Und das sagt eigentlich alles.

Ich tue jetzt etwas Dummes: Ich klicke jetzt auf „Veröffentlichen”.

Edit: Ich hatte oben zuerst Bundespräsident statt Bundestagspräsident stehen.


Es brummt

Aus der Kategorie »just people«

Zieht man in eine Stadt, so lernt man ja erst langsam ihre Eigenarten kennen. Gut – zieht man nach Köln, sollte man vielleicht besser schon vorher etwas von der schäl Sick und vom Karneval gehört haben … aber nicht jede Stadt lebt ihre Eigenarten so weltberühmt aus.

Menden zum Beispiel pflegt – nebem dem tiefen Misstrauen gegenüber allen Lebewesen nördlich der Ruhr – eine tiefe christliche Tradition. Als einzige katholische Enklave im heidni…äh…evangelischen Umfeld muss man vielleicht auch misstrauisch sein. Und schon 1684 trugen das erste Mal Männer ein Kreuz auf beziehungsweise über den Berg. Und seitdem – soweit ich weiß – jedes Jahr.

Heutzutage tun sie in das den Karfreitag über jede volle Stunde und die Stadt wird schon sehr davon bestimmt. Zu den großen Prozessionen folgen hunderte Christen den Kreuzträgern aber auch nachts um vier soll dem Hörensagen nach noch jemand dabei sein.

Besonders schmerzhaft erfuhr eine Bekannte von dieser alten Tradition: Sie war Anfang April neunzehnhundertirgendwas ins Städtchen gezogen. Die ersten Tage waren natürlich hektisch gewesen, hier noch eine Kiste, da noch etwas aufzuhängen und „Hast Du eine Ahnung, in welche Kiste wir die Fernbedienung gesteckt haben??”
Am Osterwochenende erst mal ein bisschen Luft, erst mal ausschlafen.

Pünktlich morgens um fünf vor sieben brummte es im Garten los. Es brummte laut. Sehr laut. Dann knackte es ein paar Mal und als die beiden die hektische Runde durchs neue Haus auf der Suche nach Einbrechern und Sturmschäden gerade hinter sich hatten, tönte der erste christliche Singsang in straßenbeschallender Lautstärke ins Haus.
Zwei eher unchristliche Neumendener guckten sich verwirrt an.

Und lernten: Egal wie viele Jahrhunderte Vorlauf man hat – eine ganze Stadt mit Lautsprechern und Funk-Mikros zu bestücken, damit hunderte Gläubige die Gebete und Gesänge von vorne hören können, ist eine technisch anspruchsvolle Aufgabe. Sagen wir: Es ist unwahrscheinlich, dass es nicht brummt.
Egal, brummt es eben in der ganzen Stadt.

Hat man keine Rockstarprofis am Mikro, sondern tief im Gebet versunkene Priester, dann knackt es eben hin und wieder mal übelst.
Egal, knackt es eben durch die ganze Stadt.

Die Menschen, die am Prozessionsweg wohnen und die Lautsprecher direkt vor dem Haus stehen haben – die kennen das ja. Oder nicht?
Egal kernen sie es eben kennen.

Ich habe den leiden Verdacht, dass dieses Willkommen im Städtchen das Verhältnis der beiden zur katholischen Kirche nicht verbessert hat.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

Und das nächste Mal erzähle ich Euch, wie wir mal sehr frühmorgens auf einer Party subversive Ideen rund um die Prozessionen spannen. Ganz vorne die Idee, sich ein eigenes Kreuz zu zimmern und die Strecke falsch herum zu gehen. Mit etwas Alkohol im Kopf war die Vorstellung, wie sich oben auf dem Berg zwei Jesusse treffen unfassbar lustig.


Twitter-♥ im März 2015

Aus der Kategorie »just twittered«

Anne sammelt wieder alle unsere Twitter-♥.

(Diesen Monat ist die Sammlung aufgrund der grundsätzlich – außer in den Schulen unseres Landes – öffentlich aufgeführten Sonmnenfinsternis thematisch etwas einseitig. In der zweiten Monatshälfte hab ich mich aus Gründen dann ziemlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen; diese Wellen von Ensetzen, aufgeregten „Medien”, Empörung und Gegenempörung waren mir ein bisschen viel. Wenn ich mir so anschaue, wie ich mit der Welt noch so klarkomme, dann werde ich wohl irgendwann in den nächsten Jahren in ein kleines Haus ziehen, das so aussieht, als sei es von innen nach außen gekrempelt.)


Projekt 365

Aus der Kategorie »just pix«

Ziemlich spontan beschloss ich am 18.3, ein Jahr lang jeden Tag ein Foto zu machen. Also: Ein richtiges Foto, nicht nur einen Instagram-Schnappschuss (also nichts gegen Instagram-Schnappschüsse).

Bis jetzt habe ich erst einen Tag geschlampt und dazu muss ich zu meiner Verteidigung sagen: Ich stand eine dreiviertel Stunde im strömenden Regen und versuchte, die Spiegelung einer Kirchturmuhr in einer Pfütze auf den Chip zu bannen. Hätte ich, gerade am Tag der Zeitumstellung schön gefunden, aber, aber … Danach war ich durchnass und hatte keine Lust mehr.

Bislang ist das hier passiert und alle Bilder gibts natürlich bei flickr.

#projekt365


Durchbruch

Aus der Kategorie »just pix«

Durchbruch


Twitter-♥ im Februar 2015.

Aus der Kategorie »just twittered«

Und Anne sammelt wieder unser aller Twitter-♥.