Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

… der Vorhang geht auf …

Aus der Kategorie »just people«

Wie die treue Leserin weiß, war ich auch dieses Weihnachten wieder im kleinen Theater und habe Musik und Fotos gemacht. Passend zu diesen Worten hier gibts drüben im Fotoblog auch die Fotos.

Am Anfang steht eine Idee, stehen ein paar Worte.
Da ist es fast egal, ob ein Engländer vor vierhundert Jahren Elfen und anderes Waldvolk eine Hochzeit feiern lässt oder wie in diesem Fall der wunderbare Stadtnarr im Cafe sitzt und die Menschen beobachtet: Am Anfang ist das Wort und das Wort ist irgendeinem Kopf entsprungen und das ist gut so.
Sind es der Worte genug, haben sich zu den Worten auch Bilder gesellt, dann trifft man sich. Sitzt im Kreis, liest sich die geschriebenen Worte vor und im ein oder anderen Hirn merkt man, dass dort eine Idee entsteht. Hier eine Betonung, dort eine Pause oder Stimmlage; man merkt, die Phantasie beginnt von einem zum nächsten rüber zu springen.
Und neben den Frontallappen tun auch die Stammhirne ihren Job. Man beschnuppert sich. Denkt erst „Jippie“ und ist dann enttäuscht, wenn der andere von damals in der echten Kneipe zu kellnern hat und deswegen nicht im Cafe auf der Bühne spielen kann. Oder wundert sich, was denn DER oder DIE ausgerechnet hier wollen.

Irgendwann wird es organisatorisch und – das sei vorweg genommen: Künstler können das selten gut. Deswegen wird es auch irgendwann anstrengend und chaotisch. Das gehört dazu und wird doch jedes Mal schlimmer. Vollkommen logischerweise wird das also am eigenen Alter liegen, denn wenn von den alten Griechen bis heute beim Theaterspiel alles immer schlimmer geworden wäre, dann würde niemand mehr niemals Stücke auf die Bühne bringen.

Mein persönlicher Lieblingsmoment: Die erste Probe, in der die erste Person das erste Wort auf der Bühne spricht. Vielleicht unsicher, vielleicht schon sehr bestimmt, vielleicht mutig ausprobierend; im besten Falle erlebt man sogar, wie man sich eine Viertelstunde über zwei Buchstaben unterhalten kann. Aber vollkommen egal, wie groß oder klein der Moment auch scheint: Jetzt geht es los.

Immer wenn Menschen zusammen etwas tun wollen, egal ob es Arbeit, ein Marmorkuchen oder ein Theaterstück ist: Alle haben verschiedene Vorstellungen davon. Davon wie es sein soll, davon wie es gerade ist und davon, was man selbst und alle anderen dazu tun müssen, damit es so wird, wie man selbst glaubt, dass es sein soll – in der festen Überzeugung, dass alle über Wie und Was und Warum exakt das gleiche meinen wie man selbst.
Das muss schief gehen und das geht auch schief. Wer wie ich gerne gruppendynamische Prozesse beobachtet, die oder der wird lieben, was dann passiert: Wie der versucht Allianzen zu schmieden und die einfach nur noch schmollt. Wer auf einmal vollkommen überraschend vom Mauerblümchen zur leisen Chefin wird und welcher Silberrücken auf einmal alleine da sitzt und sich anbiedernd das Fell andern Leuten unters Kinn schubbert.

Die Krise kommt, manchmal lautstark und so, dass man es eigentlich hinterher kaum noch in einem Raum aushält, manchmal so leise und bei allen einzeln, dass es die anderen kaum mitbekommen.
Und plötzlich hat man noch zwei oder besser auch drei Wochen zu proben aber dass die Premiere trotzdem schon in einer Woche statt findet, das steht auf allen Plakatwänden der Stadt. Dann fällt irgendwem auf, dass ja dies und das noch geregelt sein muss, überraschenderweise finden sich Menschen, die sonst nichts miteinander zu tun haben zu einer Nachtschicht und morgens um vier ist sowohl dies als auch das geregelt und außerdem verbindet diese drei Menschen jetzt eine dieser magischen Nachtschichten, die durch nichts auf der Welt zu ersetzen sind und ewige Liebe mit sich bringen – oder wenigstens bis nach der letzten Aufführung.

Die Generalprobe. Sie muss schiefgehen, sagt das abergläubische Theatervolk, aber auch nicht so richtig, damit die Motivation für den nächsten Abend nicht ganz verpufft.
Zur Generalprobe sitzen das erste Mal alle stundenlang zusammen in der Garderobe.
Zur Generalprobe haben sich alle so richtig lieb.

Wenn die Premiere geschafft ist, dann ist aus dem Liebhaben tiefe, reine ewige Liebe geworden. Man muss sich gegenseitig lieben, denn niemand anders auf der Welt versteht den wilden Walzer, den die Gefühle nach dem Schlussapplaus spielen. Es mag – gerade nach gelungenen Premieren – auch manchmal gemeinsamer Alkohol im Spiel sein.
Dementsprechend fehlt am zweiten Abend etwas Energie, dann erschrecken sich alle und ab dann wirds richtig gut. Hat man Glück, versteht auch die Lokalpresse den Sinn der Worte, die – gereift von der ersten Idee zum richtigen Theaterstück – dargeboten werden. Hat man Glück sagt die angereiste Verwandtschaft mehr als „Du hast Deinen Text aber gut gekonnt“

Zu schnell sind die wenigen Aufführungen vorbei. Das Theater lässt sich erschreckend schnell aufräumen, das Licht wird abgehängt, die Kostüme die Treppe hoch getragen und aus dem Cafe wird innerhalb von Minuten wieder eine leere Bühne und ein paar zusammengeklappte Wände.
Noch einmal trifft man sich um zusammen essen zu gehen und wenn man sich zwei Monate später in der Stadt begegnet, dann fühlt es sich an wie damals in der Kneipe zu Weihnachten nach dem Schulabschluss, als man nicht mehr genau wusste, warum man die anderen so lieb hatte; auch wenn man es wirklich feste wieder versuchen möchte.
Gut dran ist, wer weiß, dass das immer so ist, immer so sein wird und nie persönlich gemeint ist, wenn man sich plötzlich nichts mehr zu sagen hat.

Oder erst nächstes Jahr wieder, wenn jemand eine Idee hatte und die gerne auf der Bühne sähe.


Was schön war in den letzten Tagen

Aus der Kategorie »just jawl«

Tja.

Normalerweise nehme ich mir zu Weihnachten so ab Mitte Dezember frei. Dann habe ich Zeit, ein Bäumchen ins Wohnzimmer zu stellen, antizyklisch zu allen anderen durch den leeren Laden zu schlendern und einzukaufen und dann sehr entspannt Weihnachten zu verbringen. Die Tage „zwischen den Jahren“ sind ruhig, man kann gelegentlich an den kurz vor Weihnachten im Übermaß gekauften Nettigkeiten naschen, oft beginne ich dann auch mal wieder ein neues Stück Musik. Silvester fahren wir auf den Berg, von dem aus man den besten Blick über Sauerland und Ruhrgebiet hat, stoßen dort oben an und freuen uns auf das Kommende. In den Tagen danach ist Zeit, Bilder zu sortieren, ein wenig aufzuräumen und alberne und nicht-alberne Neujahrsvorsätze auseinander zu halten.
Das alles sind in langen Jahren erworbene, teilweise erkämpfte Riten und ich liebe sie inzwischen sehr.

Dieses Jahr wurde ich kurz vor Weihnachten krank, lag meist im Bett, hustete viel und keuchte fröhlich, wenn ich die Treppe zwischen Wohn- und Schlafzimmer hinter mich gebracht hatte. Menschen sprechen oder gar treffen war nicht drin, rausgehen auch nicht. Denken fiel schwer. Leider bin ich irgendwie immer noch nicht richtig gesund – so ein richtig hartnäckiges doofes Erkältungsdings. Vielleicht wars hinterher auch eine Bronchitis, wer weiß sowas schon immer.

Morgen werde ich den ersten Tag wieder arbeiten und wenn ich nicht so einen Husten hätte, dann könnte ich vielleicht so viel fressen wie ich … naja, Ihr wisst schon.

Ach ja: Irgendwann zwischen den Tagen war eine Freundin hier, und die Liebste und ich ließen uns unsere Weihnachtsgeschenke in die Haut stechen. Das war schön und ist es noch. Hometatooing rocked.


Was schön war diese Woche

Aus der Kategorie »just jawl«

Ja, ich hab letzte Woche etwas geschlunzt und deswegen gibts jetzt hier anderthalb Wochen im Rückblick. Was hauptsächlich daran lag, dass es in der externen Büro-Kommunikation unterschiedliche Definitionen von „noch ein paar kleine Änderungen“ gab. Oder in anderen Worten: Ich hab in der letzten Woche quasi nur gearbeitet, denn was als „kleine Änderungen“ angekündigt war, kostete etwa 20 Stunden aufs geplante Tagesgeschäft für eine Woche obendrauf.

Jetzt höre ich die ein oder anderen sagen: „Sei doch froh, wenn Du als Selbstständiger was zu tun hast“, aber das ist auch nur die Hälfte der etwas komplizierteren Wahrheit, über die die geneigte Leserin gerne unter dem schönen Schlagwort „Work-Life-Balance“ recherchieren mag.

Donnerstag begann dann offiziell mein Urlaub, inoffiziell aber hatte ich bis Freitag noch etwas am Schreibtisch zu tun. Was aber schön war: Trotz allem fiel ich exakt Mittwoch Abend in einen sehr tiefenentspannten Ferienmodus.

Ein lange gehätscheltes Kundenprojekt ist online. #schamloseEigenwerbung

Gute Nachrichten: Die Krankenkasse zeigte sich kulant. Da darf man mal lobhudeln.

Die erste Hälfte einer 25-stündigen Zusammenarbeit mit großer gegenseitiger Zufriedenheit abgeschlossen. Im Rückblick gemerkt, wie viel ich erreicht habe.

Ein Gewinnspiel veranstaltet. Tina Dico hatte mir im Herbst bei Helgi Jonssons Konzert ein paar Abzüge eines Fotos, das ich im April gemacht hatte signiert und ich hab zu Weihnachten ein paar dieser, für Fans doch schon recht exklusiven Stücke verlost. Und es ist unglaublich schön, wie sich die Menschen freuen.
Überhaupt merke ich, wie viel ich von der Arbeit für diese kleine Fanpage zurück bekomme. Ganz großartig.

Ein technischer Durchlauf im Theater. Etwas, was allen Beteiligten außer dem Techniker relativ unsympathisch ist und vielleicht gerade deswegen immer Unmengen Energie verschluckt. Aber auch hier: Lobhudeln, lobhudeln und lobhudeln: Die Schauspieler sind toll und geduldig und supportive. Oder lag es daran, dass ich ja gar nicht als Techniker engagiert bin und selbst nur unterstützend dabei war? Man weiß es nicht.

Überhaupt fügte sich das kleine Theaterstück immer und immer mehr zu einem organischen Ganzen zusammen. (Fand der Autor&Regiesseur&GodfatherOfItAll übrigens auch) Das ist toll anzusehen und macht viel mehr Spaß als manche Probe davor, an deren Ende ich doch noch etwas zweifelte.

Das Katz brauchte neue Tabletten und die dazu nötige Fahrt quer durchs Ruhrgebiet hab ich genutzt, auch mal wieder außerhalb des Theaters Fotos zu machen.

Nach den Proben haben wir endlich „The Blacklist“ geschaut. Warum zum Teufel haben wir das im ersten Anlauf nicht zu Ende geguckt? Ach ja: Es lief im linearen Fernsehen und das passte nicht in unseren Zeitplan.

Die ersten Bilder auf getty. Mal sehen.

Dann begann der tödliche Männerschnubben, der mich arg entschleunigte und so bleibt im Rückblick nur noch mal – ja, so kurz vor einer Premiere ist das Leben hier so monothematisch – das Theater: Da war nämlich die Generalprobe und das waren erstaunlich schon viele Zuschauer. Und die fanden es gut und es lief alles glatt und man sagte mir, die Musik sei gut und man habe auch schon Bilder gesehen und die seien toll – und das machte mich froh.

Außerdem – Nerd-Anhang – entsteht dieser Text hier gerade in Ulysses und das war ja wohl mal die beste Investition in eine Programm, die ich in den letzten Monaten so getan habe. Ulysses gibts zu Weihnachten für kurze Zeit mit 25% Rabatt (affiliate-Link) und wenn ichs jetzt nicht schon hätte würd ichs kaufen.


Was schön war diese Woche

Aus der Kategorie »just jawl«

Ich weiß, innerhalb dieser Filterblase ist es eher verbreitet, dass einem das eigene Auto so egal ist, dass man sich kaum erinnert, wo es parkt oder dass man es an einem Powercharger tankt.
Zweiteres kann ich mir leider nicht leisten, ersteres ist zum einen hier in der Kleinstadt nicht möglich und zum anderen: Ich mag Autos. Die Firma Audi und der Mutterkonzern VW haben ihre kleine Unpässlichkeit erschreckend miserabel kommuniziert aber trotzdem bin ich wieder da gelandet. (Wahrscheinlich konnten sie es sich exakt deswegen leisten, so miserabel zu kommunizieren. Nun ja.)
Auf jeden Fall haben sie mir ein gutes Angebot gemacht und ich werde ab April mit ziemlich viel mehr PS, ziemlich mehr Spoilern und ziemlich mehr elektronischen Schnickschnack durch die Gegend fahren. Und mit mit ziemlich viel breitem Grinsen im Gesicht, das hab ich bei der Probefahrt gemerkt.
Leider versteht das kaum wer – spätenstens bei „Spoiler“ oder „tiefer und breiter“ hörts auf.
Falls sich also jemand mit mir freuen und sich über weitere Einzelheiten austauschen möchte: Immer gern.

Abends bei den Proben viele feine Fotos gemacht.

Endlich mal wieder am See gewesen und ein paar Bilder vom Wintereinbruch gemacht.

Verrückte Pläne für verrückte Ausfahrten im nächsten Jahr gemacht. Falls jemand Lust hat, Tina Dico in ihrer dänischen Heimat live zu sehen – ich denke da sehr ernsthaft drüber nach.

Jemandem ein paar ehrliche Worte gesagt und unerwartet Antwort bekommen.

Jemandem eine paar ehrliche Worte gesagt und unerwartet aber sehr erfreulich eine Frühstücksverabredung rausbekommen.

Mitten im Theater eine traurige Nachricht bekommen; erlebt, wer Freund ist und wer ein bisschen mehr Abstand verdient hat. (Nein, das war nicht wirklich schön. Eine kleine Geste zwischendurch war schön. Gibt es Schönes in der Trauer?)


Was schön war diese Woche

Aus der Kategorie »just jawl«

Mir von der Lieblingsärztin eine gute Dosis Vitamin B ins Sitzfleisch jagen lassen. Quasi sofort einen ganz guten Energieschub gespürt.

Ganz schön viel Arbeit vom Berg weg und ins Internet rein befördert. Dann quasi zwei Tage lang nur dann schönes erlebt, wenn die Schmerztabletten ein bisschen wirkten und wieder zwei Tage verloren. Nun denn, der Herr gibts, der Herr nimmts.

Gemerkt, WIE sehr ich die Liebste vermisse, wenn sie mal zwei Tage nicht da ist. Ein gutes Zeichen.
Zum Abschalten nach ihrer Fortbildung ins Kino gefahren. Als einziger Mann im Saal Bridget Jones beim Baby-Kriegen zugeguckt. Überraschend unschlecht.

Über Leisten und Scheitern nachgedacht. Erleichternd.

Relativ spontan den audi.de-Konfigurator angeworfen und nach Lust und Laune mal einen hübschen Nachfolger für den aktuellen Wagen zusammen gestellt – der muss nämlich im April weg. Den Preis gesehen und gelacht. Zum Händler gegangen und gefordert: Mach da mal was akzeptables draus. Gepriesen, dass ich den Gewerbeschein habe und damit vom Autohändler ein wenig mehr umpuschelt werde, denn die unwahrscheinliche Rechnung: Mehr PS, mehr Ausstattung, mehr Service – aber gleicher Preis ging tatsächlich auf.
Probefahrt – zwar nicht mit dem neuen Auto aber mit dem gewählten Motor – gemacht. Den Automatik-Hebel (jaja, ich werde jetzt Automatik-Fahrer) auf „S“ gestellt und laut gelacht.
Überhaupt das Grinsen über die kleinen S-Applikationen an den Kotflügeln kaum aus dem Gesicht gekriegt.

Ein paar sehr lustig formulierte aber sehr nette Worte von weit weg gesagt bekommen.

Viel Schlaf nachgeholt. Zu wenig Schlaf nachgeholt.

Kurz am See gewesen. Sehr nebenbei eines meiner „erfolgreichsten“ Instagram-Bilder ever gemacht.

Zum Haus Kemnade gefahren. Viele alte Musikinstrumente hatten wir zu erwarten, stand im NRW-Touristik-Führer. Dass da eine Sonderausstellung der Augsburger Puppenkiste war, hatten wir vorher nicht gewusst.
Da stand Lummerland, mein Gott, Lummerland. Das war sehr schön.

Und wenn ich ehrlich bin habe ich gerade nicht den Hauch einer Ahnung, wie und warum ich morgen aufstehen soll.


Verstehen ist nicht: Verständnis haben.

Aus der Kategorie »just people«

Warum ich so viel darüber nachdenke, wie es zu all dem kommen konnte, warum ich so viele Gedanken daran verschwende, wie aus vielen netten Deutschen AFD-Wähler werden konnten, wurde ich gefragt. Warum ich sogar Parallelen zum eigenen, liberalen Lebensweg suche? Man wolle jetzt etwas tun und nicht mehr nur nachdenken.
Man wolle auch gar nicht über die nachdenken, man wolle auch nicht mit ihnen reden, hörte ich manchmal im Nachsatz.

Ich kann beides nachvollziehen, sowohl den Drang zur Tat als auch die Scheu vor dem unangenehmen Konflikt.
Aber meine Antwort ist einfach: Ich denke darüber nach, weil mir das dabei hilft eine Haltung zu entwickeln.
Nicht, dass ich an meiner Haltung gegenüber Xenophobie, Hass, Bullying oder ähnlichem Crap noch etwas tun musste. Aber mir hilft es herauszufinden, was diese Menschen bewegt. Weil ich es verstehen möchte.
Jetzt ist „verstehen“ irgendwann ein kompliziertes, weil doppeldeutiges Wort geworden, man kann es als „begreifen“ und aber auch als „Verständnis aufbringen“ deuten.

Ersteres immer, zweiteres niemals.

Wenn ich jemandem verweigere, seine Gedanken zu hören zu wollen (Nicht: Sie ok zu finden! Nicht: Sie zu akzeptieren! Nicht: Sie gut zu heißen!), dann bin ich verflixt nah an der Grenze, auch ihn selbst abzulehnen. Kann ich einen Menschen ablehnen, weil er anders denkt als ich? Klingt vertraut, aber nicht gut vertraut, hm?

Dieser Unterschied ist mir wichtig und ich denke, den in einer Haltung zu betonieren ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Tage.
Sowohl „wir“ müssen lernen, da zu differenzieren, um sowohl felsenfest zur eigenen Position stehen zu können ohne dabei das Gegenüber zu verachten oder zu hassen. Gerade in Deutschland und gerade im Internet – so mein Gefühl – ist die Kunst, dem Gegner in jedem Moment stark gegenüber zu stehen ohne ihn dabei zu verachten nicht geübt.
Aber auch der Gegner muss wissen, dass ich seine Haltung immer und in jedem sich bietenden Moment bekämpfen werde – dass ich aber immer stärker bin als er, eben weil ich ihn dabei als Menschen achte.
Anmerkung: Den Begriff „Gegner“ nutze ich nur dann, wenn sich jemand entscheidet, mein Gegner zu sein. Ich weiß, „der hat aber angefangen“ ist ein schwaches Argument, aber wer damit droht Menschen meiner Meinung zu verletzen, vergasen, anzuzünden, der darf mit Gegenwehr rechnen. Maßvoller Gegenwehr, bevor jemand auf die Idee kommt, man wolle ja nur Menschen anzünden, weil die einem verboten hätten Witze über Frauen zu machen.

Aber zurück: Zu oft missversteht man die beiden Bedeutungen von „verstehen“, auch in den liberalen oder linken Kreisen. Das Bild vom fluffigen Sozialarbeiter, den man ja mit ein bisschen Gequatsche um den Finger wickeln kann kommt ja auch nicht von ungefähr.
Verstehen hilft mir, eine Haltung zu haben. Daher hilft mir, mich an eigene Provokationsmuster, an eigenen Hass, an eigene Ängste zu erinnern – um dann stark da zu stehen, um dann jedem sagen zu können: Ich weiß, Du hast Angst. Angst ist nicht schön und ich bin immer bereit, Dir aus Deiner Ansgt heraus zu helfen. Aber, not sorry, nicht auf Deinem Weg. Niemals. Nicht mit Hass und Gewalt als Lösung.

Um ein anderes Beispiel zu nehmen: Es ist wie als Lehrer in der Schule: Wenn ich begriffen habe, warum mein Schüler den Unterricht stört, warum er seine Mitschülern drangsaliert, dann kann ich mit ihm daran arbeiten, dann finde ich einen Zugang zu ihm. Will er nicht daran arbeiten bleibts bei der Strafe.
Nichts davon schönt seine Taten und auch nichts davon bewahrt ihn vor der Strafe.
Wenn ich ihn aber nach erfolgter Strafe als Menschen wieder aufnehme und mit ihm daran arbeite, wie er beides – Fehlverhalten und damit auch seine Strafe – demnächst vermeiden kann, dann habe ich eine reelle Chance, ihn noch zu erreichen.
Ist so, glaubt mir, ich habe das studiert ;)

Natürlich weiß ich, dass mittvierziger Wutbürger, vor allem in der Horde schwerer zu erreichen sind als Grundschüler. Aber das Prinzip bleibt das gleiche, denn bei einem bin ich mir sicher: Es hilft exakt gar nichts, Ihnen (weiterhin?) zu erklären, dass sie doof sind und stinken.

Ach ja, noch eine Anmerkung: Es ist an dieser Stelle sicher noch wichtig zu differenzieren, über wen ich eigentlich gerade spreche. Und das sind sicher nicht die in vorderster Front agierenden Hardliner. Die haben ihre eigenen machtgeilen Interessen und die „erreicht“ man auch nicht. Aber den Nachbarn, der wegen des Aslybewerberheims in der Straße schlecht schläft, der Freund, der erzählt, er wisse nicht, ob er nicht bei der nächsten Wahl, vielleicht auch das eigene Kind, das neue Freunde nachplappert. Mit denen möchte ich reden. Die kann man noch erreichen.

Nachtrag: Auch ganz interessant in diesem Zusammenhang: Was ich in 10 Jahren Diskussion mit Impfgegner_innen über postfaktische Kommunikation gelernt habe


Dann wird er halt Skinhead.

Aus der Kategorie »just people«

So mit 21 oder 22 da war ich über meine damalige Freundin oft und gern zu Gast in ihrer Familie. Beide Eltern: Lehrer. Bruder und Schwägerin, Tante und Onkel ebenso. Fast alle mit langen Haaren und gern zu Besuch in Second-Hand-Shops sowie in alternativen Theaterstücken, Ausstellungen oder auch mal auf ’ner Demo. Im Lehrerrat engagiert und immer mit vorbildlich getrenntem Müll.

Eine ganz wunderbare, leicht grüne, links-liberale Famile.

Eines Tages saßen wir alle und ein paar weitere Freunde zusammen und sprachen darüber, wie die Freunde und ich unsere links-liberale Einstellung sowie unser alternatives Äußeres gegen unsere Eltern erkämpfen mussten. Wie viel Glück Freundin und Bruder doch mit ihren alt-68er Eltern hatten, die sich durch so etwas nicht provoziert fühlten.
In Ansätzen aber auch darüber, dass in vielen Familien zum Erwachsenwerden der Kinder auch eine Provokations-Phase gehört.

Und dann grinste ich und meinte: „Naja, wenn S. (der kleine Sohn des Bruders meiner Freundin) Euch dann später provozieren will, dann wird er halt Skinhead. Das ist Euch doch klar, oder?.“

Es war niemand klar, noch konnte irgendjemand diese Vorstellung überhaupt auch nur vollkommen theoretisch nachvollziehen. Denn sie fanden:

  • Sie hatten doch nur gegen die konservative Elterngeneration protestiert, um die Welt besser zu machen.
  • Denn: Links-liberal war doch besser als konservativ.
  • Und überhaupt hatten nur die jeweiligen Eltern das in ihrem Unverständnis als Provokation ausgelegt, sie hatten doch gar nicht provoziert. Sie machten es doch nur besser und im besten Fall würden ihre Eltern das auch noch begreifen.
  • Und wie sollten ihre Kinder denn gegen sie sein, denn sie waren doch schon selbst die, die „dagegen“ waren?

Dass es manchmal überhaupt keine Rolle spielt, ob das eigene Handeln Sinn macht, so lange sich davon nur jemand provoziert fühlt, dass Begriffe wie „besser“ und „schlechter“ oder andere Werte dann auch überhaupt keine Rolle spielen müssen, das ging ihnen nicht in den Kopf.
Dass „dagegen“ keine feste Richtung nach ökig-links-liberal ist, auch nicht.

Ich versuchte zu erklären, dass in ihrem kleinen Bezugsrahmen sie diejenigen waren, die Regeln und Werte repräsentierten. Dass sie damit, wenn sie auf die Einhaltung dieser Werte pochten für ihre Kinder quasi konservativ waren.
Und so den Kindern, so die denn etwas suchten um zu provozieren halt in die andere Richtung wechseln mussten.

Sie waren so in ihrem Richtigsein verhaftet, dass sie es nicht verstanden. In ihrem Selbstbild waren sie doch die protestierenden, die alternativen, die guten gegen das alte System.

Sie bekamen den Perspektivwechsel nicht hin, der nötig gewesen wäre um anzuerkennen, dass sie mit ihrem eigenen Leben ein neues System, einen neuen Bezugsrahmen erschaffen hatten, gegen den man sich bei Provokationsdrang wieder prima auflehnen konnte.

 

Ich denke oft an diese Unterhaltung dieser Tage, wenn links-liberale Menschen nach Gründen suchen, warum Trump, warum Brexit, warum AFD.


Was schön war diese Woche

Aus der Kategorie »just jawl«

Es geschafft, zweimal ein paar Gedanken, die mir schon zu lange im Kopf herumirren in eine lesbare Form zu bringen. Hat aber kaum jemand interessiert. Blogs sind echt tot.

Aus irgendeinem Grund eine hübsch-kreative Idee gehabt, die der Kunde auch mag. Und zwar Print! Eine Print-Idee. Quasi fast schon ein Werbemittel. Ist ja sonst gar nicht so mein Gebiet.

Sehr nette Hilfe von alten Kollegen bekommen. Es lohnt sich, auch offene Gräben einfach mal zuwuchern zu lassen, man kann sich dann später viel besser wieder begegnen.

Das Thema von letzter Woche lässt mich nicht los. Die Seelenmasseuse und ich haben da ein bisschen dran rumgedoktort und das war sicherlich sehr gut – aber manche Erkenntnisse über einen selbst brauchen wohl erst ein wenig Zeit, um zu etwas Gutem zu werden. Und auch wenn ich davon fest überzeugt bin, dass das ein gutes Ende haben wird und ich heil und gesund und stark daraus hervorgehen werde: Im Moment hab ich schlicht keinen Boden unter den Füßen.

Aber schön auch diese Woche: Menschen, die ohne zu fragen einfach mal Arm und Herz öffnen, weil sie das mitkriegen.

Abends sind jetzt immer Proben im Scaramouche (wer meine Instagram-Stories* guckt, weiß das). Die sind schön, weil da Menschen sind, die ich gern habe. Und weil ich es als ein ganz großes Privileg empfinde, an so einem Proben-Prozess teilhaben zu dürfen.
Außerdem hatten meine große Klappe und ich angeboten, Musik dafür zu komponieren. Haha, ich! Ich bin Bassist, ich kann quasi per Definition nicht komponieren! Diese Woche war die erste Probe mit meinem fertigen ersten Playback und als ich alles zusammen – also meine Musik und fünfzehn Stimmen zusammen – durchs Theater schallen hörte, das hab ich aber mal gepflegt im Kreis gegrinst.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Ein bisschen seltsam und sehr, sehr schön. (Schon mal einen Film geguckt, in dem Hauptdarsteller am wenigsten Text hat? [Terminator zählt nicht])

Im Audi-Gebrauchtwagen-Zentrum herumgeschlichen und zumindest eine Sorge weniger. Wenn alle B- und C-Pläne schiefgehen, dann finde ich dort innerhalb von wenigen Minuten einen Nachfolger für den aktuellen Wagen (der im April wegkommt).

Kaffee mit einem der liebsten Menschen getrunken haben werden. „Haben werden“ weil: Das ist zwar erst gleich, aber das ist immer verlässlich schön.

*) Genau, die Stories. Ich hab das jetzt so geregelt: Im instagram-Stream gibts die Fotos, die ich mache und in den flüchtigen Stories gibts ein bisschen Alltags-Schnappschüsse.