Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

The Chick Corea Elektric Band is Back on Tour!

Aus der Kategorie »just music«

Dieser Beitrag ist ein bisschen ein reminder für mich selbst. Ich versuche, ihn in eine halbwegs interessante Geschichte zu verpacken, ok?

Ja, ich weiß, beim Wörtchen „Jazz“ verziehen viele den Mund; ich weiß aber auch, dass jemand, der jetzt von woanders mitliest als früher, das nicht tut. Und alle anderen: Lesen Sie ruhig weiter.

Ein Freund, nahm mir damals – als Musik noch auf Cassetten ihre Runden machte – hinter die gewünchten LPs ans Ende der Cassettenseiten immer noch so lange was auf, bis die Seite voll war. Als ich zum Beispiel um Bryan Adams bat (den durfte man damals noch hören, ohne seine Credibility zu verlieren, jaja), fand ich dahinter ein hibbliges Stück Instrumentalmusik. Es war die Chick Corea Electric Band mit „Got a match“

Aha, das war also Jazz.

Jazz zu hören entwickelte sich damals bei ein paar Freunden und mir zu so etwas wie einem sophisticated hobby. Ich will nicht sagen, dass wir uns damit von dem Modern Talking hörenden Rest des Jahrgangs abheben wollten, dass wir fanden, wir wären etwas besseres, aber … ich denke, leider muss ich es genau so sagen. Es war so. Wir fühlten uns was besseres, sorry.
Wir versuchten, in der Teestube unsere Cassetten in die Stereoanlage zu bekommen, wir saßen in Gruppen im Bus und hörten auf schrebbeligen Walkman-Lautsprechern Musik und übten uns lautstark im „Wo ist die eins?“-Spielen. Wir ließen das so richtig raushängen. Ich nehme an, sie haben uns gehasst.

Vor allem, als der Freund es schaffte, dass unsere Musiklehrerin in der 10ten eben exakt meinen Cassettefüller als Thema für die nächste Unterrichtseinheit von ihm übernahm – ja, das war vermutlich der Höhepunkt. Mein Gott, müssen die uns alle gehasst haben.
Naja, als wir vorher mit ihnen Dirty Dancing gucken musten, haben wir sie auch nicht wirklich mit Liebe überschüttet.

Als wir dann zwei Jahre später auf Studienfahrt in London waren, hatten wir den Auftrag unserer Lehrerin, bitte einmal in dieser Woche ein kulturelles Event mitzunehmen. Wärend der Großteil der stumpfen Horde der anderen ohne weiteres Nachdenken Karten für „die Mausefalle“ kauften, durchblätterten wir die Zeitungen und suchten nach Konzerten, die wir in unserer Kleinstadt garantiert nie zu Gesicht bekommen würden.

Strike. Die Chick Corea Electric Band war in der Stadt. In der Royal Albert Hall.
Oh. Mein. Gott.

Ja, war sehr geil. Wir saßen zwar hinter der Bühne, aber die Band entdeckte uns da und spielte mindestens ein Drittel des Konzertes auch mit dem Gesicht nach hinten. Wir saßen als quasi in der ersten Reihe.

Chick, der schon mit Miles Davis das gemacht hatte, was viele als „Fusion“, also als Verbindung von Rock und Jazzmusik und damit unhörbaren hibbeligen Krach, der keinem erkennbaren Muster mehr folgt fürchten, hatte die Electrik Band gegründet, um eben genau das fortzuführen.
Geiler Scheiß.

Und jetzt, kaum 25 Jahre später, schaut nur, schaut nur! Schaut Euch den Trailer an und auch wenn die Musik nicht Eure ist – schaut nur wie viel Spaß die haben. Die müssen bittebittebitte auch nach Europa kommen. Schließt Ihr diesen Wunsch wohl bitte in Eure Abendgebete ein – Ihr würdet einen kleinen jawl sehr glücklich machen.


#saaldigital Wandbilder

Aus der Kategorie »just work«

Saal-digital hat diesen Artikel mit einem 50,- -Gutschein unterstützt.

Als ich etwas ernsthafter begann, digital zu fotografieren sagte mir ein Bekannter: kauf Dir eine Nikon und wenn Du was auf Papier oder an der Wand haben willst, dann geh zu Saal. Ich habe beides erst einmal nicht gemacht. Nikon war mir zu teuer und den Bedarf, Fotobücher oder Wandbilder zu haben, hatte ich damals noch nicht.

Geändert hat sich das zuerst zu Anfang dieses Jahres, als ich die Bilder aus dem Theater auch den Schauspielern zur Verfügung stellen wollte. Ich machte ein Fotobuch daraus und ließ es bei Saal drucken. Das Ergebnis war super, alle fanden’s voll schön – und ich freute mich über die gut bedienbare Software zum Gestalten des Buchs und die geile Qualität.

Jetzt also ein Wandbild.
Ich stieß auf eine Test-Aktion und bewarb mich. Die Vorgaben waren einfach: „Du kriegst nen Gutschein, bestell Dir ein Wandbild und schreib ehrlich darüber.“ Kurzform: Klang fair, hab ich gemacht, war auch wieder geil.

Die Langform:
Nachdem ich im April bei Tina fotografiert habe, wollte ich schon länger auch eines der Bilder groß hier irgendwo an der Wand hängen haben. Klug wie ich bin, liess ich erst einmal die erste Euphorie sacken, damit sich so etwas wie ein Lieblingsmotiv herauskristallisieren konnte und jetzt war passenderweise die Zeit reif.

Die Saal-Software ist immer noch leicht zu bedienen, das Anlegen des Bildes dauerte für mich also ca. 1 Minute. Für Menschen, die weniger oft mit digitaler Grafik zu tun haben als ich sollte es aber auch sehr fix gehen.
software-qualiwarnungWas ich zum Beispiel sehr mag: Das Programm informiert mich bei jedem Foto, ob die Qualität des Bildes für die gewünschte Druckgröße ausreicht. Direkt am Bild, nicht am Ende des Bestellprozesses. Bei Wandbildern wichtig, aber auch damals beim Fotobuch konnte ich so auch ein paar Handybilder reinschmuggeln. Für nicht-Grafiker gibts auch Gestaltungsvorlagen – über die kann ich jetzt nichts sagen. Erstens weil ich sie noch nicht benutzt habe und zweitens weil ein vollflächiges Bild eben ein vollflächiges Bild ist. Was soll ich da gestalten?
Als Grafiker habe ich aber eh vollkommen freie Hand, sehr gut benutzbare Tools für die üblichen Funktionen zum Layouten und – das hab ich leider zu spät gesehen – auch ICC-Profile. Die nutz ich dann beim nächsten Mal.

Die Bestellung geht fix, die obligatorischen E-Mails über den Status der Bestellung kommen ebenso fix und wenn ich gewollt hätte, hätte ich einen Link zum Nachbestellen des Bildes erzeugen können. Wenn ich das Bild also zum Beispiel auch noch anderen zur Verfügung hätte stellen wollen.

All das habe ich am Samstag getan und heute klingelte das DHL-Männchen. Kannste nicht meckern.

Das Bild war allerbestens mit Schrumpffolie auf mehrere stabile Pappen gedonnert die dann in einem Umschlag steckten. So soll’s sein. Die gewünschte Aufhängung (man kann da wählen) liegt bei.

unpacking

Ach ja, das Bild :)
Ja, ist wieder super. Ich hab mir für ein Alu-Dibond in 60×40 entschieden. Auf meinem Foto sind zum einen recht feine Strukturen – so wie Gitarrensaiten oder die noch nicht ganz perfekte Auftritts-Frisur vor dem nicht tiefenscharfen Klavier. Zum anderen aber auch große einfarbige, dunkle Flächen (wer schon mal versucht hat, Fotos selbst auszudrucken weiß vielleicht, dass man gerade da auch mal Schwächen sehen kann).
Aber: Nix zu meckern, ganz im Gegenteil: Alles sehr, sehr geil, I love it.

details

Alles in allem: Leider geil. Genauso übrigens wie die Nikon, die ich ja jetzt am Ende doch auch habe. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wer auch will: Im Moment gibts bei saal-digital Kennenlern-Gutscheine für die Wandbilder.


Twitter-♥ im Juni 2016

Aus der Kategorie »just twittered«

Die [pls insert Lieblings-Adjektiv] Anne sammelt wieder wieder alle Twitter-Liebe. Merci dafür!

(Ja, ich weiß, es ist schon der siebte. Aber wenn Ihr mir so viel Leben bestellt, dann dauerts eben etwas länger.)

Außerdem gabs die offiziellen „gehts kürzer?“-Meisterschaften. Eine wichtige Disziplin für uns Twitterati.


Christian, wie funktioniert eigentlich Politik?

Aus der Kategorie »just politics«

Ach, das ist aber eine spannende Frage. Ich glaube, dazu erzähle ich Euch eine kleine Geschichte, genauer: Die Geschichte eines kleinen Jugendtreffs in einem Vorort von Menden. Diese Geschichte ging so:
In diesem Vorort gibt es einen großen Platz. Früher war hier der wöchentliche Markt, am einen Ende liegt eine große Bushaltestelle, am anderen das Bürgerbüro, von den Vorortbewohnern auch liebevoll „das Amt“ genannt. Rechts ein paar Parkplätze, links ein Brunnen und alles so unbeschreiblich 70-er-Jahre hässlich, dass sich außer denen, die auf den Bus warten niemand hier länger aufhält.
Niemand außer den Jugendlichen des Ortes, die keinen anderen Platz haben um sich zu treffen.

Und das geht natürlich auch nicht. Das subjektive Angstgefühl der Busnutzer steigt, über dem Amt sind auch noch ein paar Etagen mit Wohnungen und immerhin ist das hier der zentrale Platz des Ortes. Also beschweren sich die Anwohner.

Der Vorort und erst Recht die Ortsmitte mit dem Platz haben keine gute Lobby. Die Einwohner hier sind eher einfache Arbeiter, die Besserverdienenden haben eher am Ortsrand gebaut.
Es passiert: Nichts.

Dann stehen Wahlen für den Rat der Stadt an und der Kandidat für den Wahlkreis „Vorort Mitte“ wird von den Anwohnern relativ klar vor die Wahl gestellt: Mach die Jugendlichen da weg, sonst wählen wir Dich nicht.
Er verspricht das.
Die Wahl kommt, der Kandidat zieht in den Rat der Stadt ein, es passiert: Nichts.

Ein Jahr nach der Wahl geht der Sohn eines Freundes des frisch gebackenen Ratsmitglieds abends über den Platz und fühlt sich von den anwesenden Jugendlichen bedroht; der Vater des Jungen geht zu seinem Kumpel, denn der ist ja im Rat und spricht: Die müssen da weg.

Auf einmal geht alles sehr schnell: Das Thema wird in der Fraktion besprochen, dann im Fach-Ausschuss – und: Die Politik schickt einen Sozialarbeiter. Der nimmt Kontakt zu den Jugendlichen auf und lernt: Ihnen ist langweilig. Gut, für diese Erkenntnis hätte auch etwas gesunder Menschenverstand und eine ehrliche Erinnerung an die eigene Jugend gereicht, aber immerhin.
Der Sozialarbeiter sagt: Man muss eine Anlaufstelle für die Jugendlichen schaffen, damit die von der Straße kommen. Die Politik sagt: Lasst uns einen Jugendtreff bauen. Der Kämmerer sagt: Die Stadt hat kein Geld. Die Anwohner sagen: Die sollen da weg. Der Sozialarbeiter sagt: Die brauchen einen eigenen Ort. Die Politik sagt … so geht das ein, zwei, drei Jahre.

Dann wird eine nahe Schule frei, weil es nicht mehr genügend Schüler gibt, außerdem stehen Wahlen vor der Tür und man beschließt: Das ist ein billiger Platz für einen Treff.
Die Politik schaut sich den Ort an und findet: Das wundervolle 70-er-Jahre-Mosaik in der Eingangshalle darf aber nicht zerstört werden, falls es in zwei, drei Jahren keine Jugendlichen mehr gibt und wir vielleicht statt dessen einen Seniorentreff brauchen. Aber bitte, wenn man das erhält, dann soll in Gottes Namen hier ein Jugendtreff entstehen.
Die Stadt heuert also ein paar Honorarkräfte (dh: Studentinnen und Studenten) an, die erst ein bisschen schrauben, werkeln, mauern und streichen, viel streichen, wirklich sehr viel streichen und später Angebote für die Jugendlichen durchführen sollen. Dann wird der Jugendtreff eröffnet.
Der Treff ist von der ersten Minute an gut besucht.

Die Honorarkräfte haben bis jetzt alle in einer anderen Einrichtung der Stadt gearbeitet: Einer hübschen, am Waldrand gelegenen Jugendbildungsstätte, in der Eltern ihre Kinder für pädagogisch wertvolle kleine Wochenend-Angebote anmelden können. Da die meisten Honorarkräfte außerdem nie auf dem Platz waren, um sich die Jugendlichen mal anzusehen sind sie etwas überrascht, dass ihre Angebote „Papierschöpfen“, „Töpfern“ und „Mandalas-Malen“ bei den überwiegend türkischen Jugendlichen zwischen 16 und 21 irgendwie nicht so ankommen. Die wollen lieber möglichst laut die aktuellen Bravohits hören und dabei abhängen. Aber auch das spielt sich ein, die Honorarkräfte werden schnell nahezu komplett ausgetauscht, dann gehts.
Außerdem gibts überraschend Geld für einen Kicker und einen Billardtisch.

Es wird Sommer, die Jugendlichen wollen gerne Basketball spielen; die Treffleitung findet die Idee gut und bemüht sich um einen Korb auf dem ehemaligen Schulhof. Außerdem beantragen sie ein bisschen Geld, um dort im Sommer auch draußen ein paar Sitzgelegenheiten zu schaffen.
Man erfährt: Geld für Tische und Stühle ist leider im Budget nicht drin, aber der Korb kann aus einem anderen Haushaltstopf bezahlt werden, der geht. Nein, leider darf man aus diesem anderen Topf keine Tische und Stühle kaufen, denn die wären ja Mobiliar. Das Mobiliar-Budget ist aber wie bereits erklärt alle; im Sportgeräte-Budget, da ist halt noch Geld da. Ob man jetzt den Korb wolle?
Ja bitte.
Die Stadt kommt, besichtigt das Gelände, misst den Abstand zum nächsten Anwohner und genehmigt den Korb, es ist Hochsommer.
Jemand anders von der Stadt kommt, vermisst das Gelände und markiert eine Stelle für den Korb, es ist September.
Der Baubetriebshof kommt und macht ein Loch in den Boden und stellt ein paar rot-weiße Warnbaken darum auf, es ist Ende Oktober.
Der Baubetriebshof kommt wieder und stellt den Korb auf, es ist Januar.

Im April scheint das erste mal so viel Sonne, dass man draußen Basketball spielen möchte. Alle Treffbesucher hängen auf den Stufen rum und schauen den Spielenden zu. Die Türen sind auf, von drinnen hört man ein bisschen Musik, die Stimmung ist ausgelassen und allgemein sehr gut. Ein paar der jüngeren Jugendlichen fragen nach Tonpappe und Stiften und malen spontan ein Bild vom tollen Treff.
Dann beginnt der Spanischkurs der VHS, die im gleichen Gebäude untergebracht wurde. Die Spanisch-lernenden müssen zwischen den Jugendlichen durchgehen, um ins Treppenhaus zu kommen. Die Jugendlichen freuen sich, die Ihnen teilweise natürlich bekannten Erwachsenen zu treffen.

Am nächsten Morgen flattert eine Anweisung von der Stadt ins Haus, man dürfe den Korb nicht mehr benutzen, ein Anwohner habe sich beschwert, das regelmäßige Doink-Doink des Balles habe ihn um den Schlaf gebracht. Außerdem haben die VHS-Besucher Angst um ihre 35m weiter weg geparkten Autos, da könne ja mal ein Ball fliegen. Ach ja, die fühlten sich eh von den Jugendlichen auf der Treppe gestört, man darf den Außenbereich nicht mehr benutzen. Der Baubetriebshof war auch morgens um acht schon da und hat ein paar Stahlstangen quer durch den Korb geschraubt.

Der Treff versucht, Einspruch zu erheben und verweist auf die Notwendigkeit einer vom Treff selbst gestalteten pädagogischen Arbeit.
Die Stadt sagt: Das ist dann Angelegenheit der Politik. Auf Beschwerden aus der Bevölkerung reagieren dürfen, ja müssen sie selbst, aber so etwas können sie nicht entscheiden, da muss die Politik ran.
Die nächste Ratssitzung ist in acht Wochen.
Die Besucher des Treffs haben selbstorganisiert den Weg aus dem Vorort in die Stadt gefunden; sie haben Plakate bei sich, auf denen sie den Erhalt ihres Basketballkorbs fordern. Mit denen sitzen sie auf den sonst immer gähnend leeren Besucherplätzen im Ratssaal. Die Stadt-Abgeordneten gucken irritiert, aber der Bürgermeister erklärt ihnen, auch das wäre Demokratie.
Dann begrüßt er die Jugendlichen und erklärt, die Plakate müssten leider weg, aber sie seien herzlichst eingeladen, hier zu bleiben. „Ihr“ Tagesordnungspunkt sei die Nummer neun. Die Punkte eins bis drei gehen recht fix vorbei, aber bei Punkt vier geht es um die etwas komplizierte Situation die entstanden ist, als die Stadt ihre komplette Kanalisation in ein Privatunternehmen ausgelagert hat. Lustigerweise handelt dieses Unternehmen jetzt nach unternehmerischen Prinzipien und hört nicht mehr auf die Weisungen der Stadt – und deswegen gibts hinten am Wehr jetzt Ratten. Bis geklärt ist, mit wie viel Prozent die Stadt Anteilseigner an der Privatentwässerungsgesellschaft ist und was das für die Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat der Privatentwässerungsgesellschaft bedeutet und ob man vielleicht vor sieben Jahren einen Fehler gemacht habe und ob vielleicht der politische Gegner sowieso so strunzdumm ist, dass man sich eh wundert, wie er auf zwei Beinen geradeaus laufen kann vergehen anderthalb Stunden. Die Jugendlichen sind entweder eingeschlafen oder mussten los, weil der letzte Bus in den Vorort fuhr.
Von 21:09 Uhr bis 21:12 Uhr wird Tagesordnungspunkt neun besprochen. Es dauert nur deswegen so furchtbar lange, weil die Vertreterin einer der kleinen Oppositionsfraktionen meint, unbedingt eine flammende Rede für gute Jugendarbeit halten zu müssen. Alle nicken. Danach wird mit 48 zu 4 Stimmen gegen eine Wiederöffnung des Korbs gestimmt.
Der Baubetriebshof bekommt den Auftrag, den Korb abzubauen, für das Außengelände des Treffs wird das Nutzungsverbot bestätigt.

Es wird Sommer, die Jugendlichen, die gerne draußen sitzen, hängen wieder auf dem Platz rum und kommen erst später in den Treff.
Die Anwohner beschweren sich. Die Stadt reagiert fix und schraubt die letzen Bänke auf dem Platz ab.
Die Leute im Ort wissen: „Siehste, so ein Treff bringt gar nix. Hab ich gleich gesagt. Und das schöne Mosaik ist auch weg und dabei gehen die Jugendlichen da jetzt nicht mal hin.“

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt habe ich den Treff verlassen und habe nicht mehr alles so ganz direkt mitbekommen. Ich weiß nur noch: Das Treffteam arbeitet tapfer weiter und versucht innerhalb der Mauern attraktive Angebote zu machen. Das Haus wird, je nach Wetter ganz gut oder so lala besucht.
Leider: Der Treff verfällt zusehends, denn niemand kümmert sich um das Haus. Und so muss man nach einigen Jahren in die nächste freiwerdende Schule umziehen. Die liegt zwar nicht mehr so zentral, aber die Politik versichert, dass das attraktive Angebot des Treff-Teams bestimmt die Jugendlichen auch an den Ortsrand locken wird. Da würde nämlich eine ganz hervorragende Arbeit geleistet. Zur Einweihung gibts eine Kiste mit Fuß- und Basketbällen.
Der Korb steht noch heute auf dem ehemaligen Schulhof.

Und jetzt, liebe Leserin weißt Du, wie Politik funktioniert.

Anmerkung: Diese Geschichte ist zu ca 85% wahr, zu weiteren 10% so in ähnlichen Situationen passiert, dass mir eine Vermengung der Geschichten zur besseren Lesbarkeit zulässig erschien. Ein Detail ist erfunden, aber nicht unwahrscheinlich. Vielleicht war aber auch zur Einweihung des „neuen“ Treffs einfach niemand da und es gab kein Geschenk. Die Zeitangaben mögen ein wenig im Nebel des Vergessens verschwommen sein.

Basketballkorb


Gedanken am Morgen

Aus der Kategorie »just people«

Millionen Mal geteilt, sechsstellig den Daumen hoch – ich denke man kann sagen: Ein Video ist erfolgreich im Web, wenn es solche Like- & Share-Zahlen hat.

Momentan erfolgreich ist ein Video einer jungen englischen Frau, die von ihrem Freund (hinter der Kamera) gefragt wird, ob sie ihre Pizza lieber in acht oder zwölf Stücke geschnitten haben möchte. Sie sagt acht, weil sie zwölf Stücke nicht schafft.
Er lacht sie dann noch ein bisschen aus und sie regt sich noch ein bisschen auf, weil er sie auslacht, mehr ist nicht zu sehen.

Lustig, nicht?

Naja, irgendwie schon. Irgendwie ist es aber auch wirklich perfektes Beispiel für jemanden, die bereits in der achten Klasse, wenn man Bruchrechnen lernt nicht mehr begriffen hat, dass die Zahlenspiele des Lehrers vorne an der Tafel nicht Selbstzweck waren.
Ich hab da ja vor vier Wochen noch drüber gebloggt.

Woran das liegt? Keine Ahnung. Schule, Gesellschaft, Eltern und Medien, denke ich.
Ja, ernsthaft.

Liebe alle, die Ihr da was ändern wollt: Ja, ernsthaft, es fürchte es liegt an allem. Da kann man nicht einzeln die Schuld der Schule / den Eltern / … geben, ein Notfallprogramm starten und sich dann zurücklehnen.

Aber das ist vermutlich ein anderes Thema.

Aber apropos anderes Thema: Ich bin eh ja manchmal verwundert, wie andere Menschen ihre Beziehungen so gestalten, aber in den letzten Tagen sind mir gleich zwei so virale Videos (das Paar im Auto, wo er sie ankackt, sie soll ihn jetzt bitte direkt in die Windhose fahren, das wäre schließlich nur ein bisschen Regen und jetzt dieses hier), wo in meinem Weltbild meine Partnerin danach in der Garage schliefe.

Ich geh dann mal arbeiten.


Schöne neue Welt? Ein Brief an Herrn Kleber.

Aus der Kategorie »just TV«

(Ich schreibe Sie jetzt mal direkt an, weil ich davon ausgehe, dass Sie eine gewisse Verantwortung für die Sendung tragen, wenn Ihr Name oben drüber steht, Sie die Interviews führen und den Text sprechen. Wenn dem nicht so sein sollte: Sorry, ich kenne mich mit den öffentlich rechtlichen Gepflogenheiten nicht so tief aus. Sie können das dann sicher weiter leiten)

Sehr geehrter Herr Kleber,

Sie haben das Silicon Valley besucht und einen Film darüber gemacht (Interview darüber / Film in der Mediathek). Und ich bin etwas traurig nach dieser Stunde Fernsehen – beziehungsweise genauer: dieser Stunde Mediathek, denn Sie wissen sicher, dass Menschen wie ich eher Mediathek streamen als Fernsehen zu schauen. Es wäre für mich jetzt zwar einfach, aber auch sehr billig, einfach über diese Sendung zu lästern. Aber das möchte ich nicht.

Darf ich mich kurz vorstellen?
Aber lassen Sie mich vielleicht erst ein paar Worte zu meinem Hintergrund erzählen. Sie kennen mich ja gar nicht und eine kleine Vorstellung ist ja nicht nur höflich, sondern hilft Ihnen vielleicht auch, Dinge, die ich sage einzuordnen.
Als ich 1997 das erste Mal online ging ist mir etwas wichtiges passiert. Wäre das in Deutschland seit dem rauchenden Ex-Kanzler nicht so verpönt, würde ich fast sagen: Ich hatte eine Vision. Aber eigentlich erkannte ich nur die Vision, die Tim Berners Lee hatte, als er die Hypertextauszeichnungssprache und damit das heutige WWW erfand. Ich bekam eine schwer erklärbare aber sehr große Ahnung davon, was die Vernetzung jedes Fitzelchens Information bedeuten könnte.
Folgerichtig warf ich mein Studium der Diplom-Pädagogik hin und wurde Webdesigner. Eine Freundin, der ich versuchte, mein Gefühl des Aufbruchs zu beschreiben, beschloss damals die Diskussion mit den Worten „Niemand wird jemals Pizza online bestellen wollen, Christian“ und erklärte meinen Plan für vollkommen verrückt: „Und was machst Du, wenn all die zehn Geschäfte in Menden, die so eine »Homepage« brauchen eine haben? Dann machst Du Deinen Laden wieder zu?
Das ist jetzt 19 Jahre her und ich mache den Beruf immer noch. Oder nein: Ich mache immer noch das, was aus dem damaligen Beruf geworden ist; das hat sich nämlich geändert. Immer und immer und immer wieder und ich habe seit 1997 nicht mehr aufgehört zu lernen.-
Die Freundin bestellt übrigens inzwischen nicht nur ihre Pizza online, sondern wartet auch sehnlichst darauf, dass der örtliche Supermarkt endlich online-Bestellungen und Lieferservice anbietet. Denn die Dinge ändern sich.

Und so klasse ich das finde, so werbe ich auch für eine meiner Leistungen inzwischen unter anderem damit, dass ich nicht auf jeden online-Zug blind aufspringe. Und hier in meinem Blog-Entwürfe-Ordner liegt ein Text darüber, wie sehr ich es bedaure, dass all die Messenger das persönliche(re) Telefonieren getötet haben. Was ich mit diesen zwei Beispielen sagen will: Trotz – oder gerade wegen? – der letzten 19 Jahre bin ich nicht blind technikgläubig.

Aber zu Ihrem Film
Sie waren also im Silicon Valley und haben sich angehört, woran dort gerade gearbeitet wird. Genauer natürlich: woran dort gearbeitet wurde, denn eigentlich haben wir ja nur Dinge gesehen, die bereits weit verbreitet sind oder kurz vor der Serienreife stehen. Die aktuellen Forschungen dürften vermutlich also bereits ein gutes Stück weiter sein; aber ebenso vermutlich zu geheim für Journalisten.
Das könnte – gerade in einem Land wie unserem gemeinsamen Heimatland Deutschland ein schöner, guter und auch wichtiger Beitrag werden; in einem Land, in dem unsere Kanzlerin das Web noch dreiundzwanzig Jahre nach seiner Erfindung „Neuland“ nennen konnte, ohne dass sich außerhalb der Netzkreise wesentlicher Widerspruch regte. (Die „5 neuen Länder“ sind quasi genau so alt und haben es deutlich schneller geschafft, das „neu“ abzulegen, um mal ein Beispiel aus der nicht-digitalen Welt dagegen zu halten.)

Und auch ich, der ich recht technikbegeistert bin, habe noch ein paar neue Dinge in Ihrem Bericht gehört oder zumindest das erste Mal in Aktion gesehen.

Was also hat mich traurig gemacht?
Erst war es nur ein unbestimmtes Gefühl, das aber im Lauf der letzten Stunde immer deutlicher wurde; erst war ich nur irritiert und verstimmt über die kleinen Spitzen. Über kleine Nebensätze, die vermutlich Kritik ausdrücken sollten. Über die dazwischen geschnitten Geschichte des Uber-Fahrers ebenso wie die Andeutungen über das Hippietum der dortigen Menschen. Die nehme ich übel, weil ich weiß, wie der bundesdeutsche Durchschnitt bei Erwähnung von Hippietum reagiert und mich schwer tue, da keine Absicht zu unterstellen.
Sollte das alles Kritik sein? Es schuf eher ein unwohles Gefühl.
Wie gesagt: Für Kritik am Digitalen bin ich sehr offen. Aber bitte sachlich und am liebsten konstruktiv. Das aber habe ich vermisst. Ich hörte statt dessen: Sie machen sich Sorgen, also machen wir uns doch alle mal Sorgen!. Ihnen ist die Denke der Valley-Leute unheimlich. Wo bleibt bei denen die Moral? Da bleiben viele auf der Strecke.

Und am Schluss, und das tat mir besonders weh: Aber wir sind ja Europäer, wir sind je bedächtiger.

Genau: Und wir sind nicht nur Europäer, wir beide sind auch Deutsche. Das heisst auch: Wir beide leben in einem Land, das sich dem digitalen Fortschritt verweigert wie kaum ein zweites. In einem Land, in dem es also offensichtlich viele Ängste und Unsicherheiten über diesen ganzen digitalen Fortschritt gibt.

Und nu?
Und da frage ich mich: Wo bleibt der Umgang mit dem Ganzen? Wo bleibt die Perspektive? Reicht es wirklich in einer Art neumodischen Schreckenskabinett die bärtige Frau mit den beiden Köpfen … Verzeihung: Die technikgläubigen Visionäre aus der Bay Area zu zeigen, damit wir uns alle mal wohlig gruseln können?
Oder wäre es nicht schön, auch zu überlegen, was wir tun können, wenn uns all diese Erfindungen erreichen? Ich persönlich halte es nämlich nach dem Siegeszug von Computer, Smartphone, Cloud, oder Amazon/Google/Apple/Facebook/Uber/ und so weiter für arg unwahrscheinlich, dass ausgerechnet die nächste Erfindung nicht global erfolgreich wird. Und auch Sie klingen in 60 Minuten nicht wirklich so als glaubten Sie daran, dass man diese Innovationskraft und Energie stoppen kann.
Denn, wie oben schon erwähnt: Die Zeiten ändern sich. Immer. Korbflechter, Schmiede, Kutscher und viele andere Berufe sind schließlich auch vom Fortschritt gefressen worden.

Reicht es dann also wirklich, trotzig zu sagen: „Wir sind Europäer, wir wissen es besser“, um dann ein paar Monate später mit dem Smartphone in der Hand auf facebook zu verkünden, dass man gerade gekündigt worden ist?
Reicht es dann, sich darauf zu verlassen, dass man seit 100 Jahren die besseren Autos baut – auch wenn man zuletzt ein bisschen schummeln musste, um diesen Ruf zu halten – um mal ein aktuelles Beispiel aus der Industrie heraus zu picken?
Oder wäre es nicht gut, zu reagieren und dabei mehr Möglichkeiten zu sehen als „stoppen“ und „bremsen“?
Gebietet nicht sogar der Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms, weiter zu denken?

Letztens las ich (sinngemäß) den schönen Satz „Wir arbeiten jetzt seit 150 Jahren daran, dass uns Maschinen die Arbeit abnehmen. Sollten wir nicht langsam mal versuchen daran zu denken, was wir tun, wenn wir es geschafft haben?“ Ja, vielleicht wird sich unsere gesammte Gesellschaft ändern. Wahrscheinlich sogar mal wieder. Vielleicht müssen wir dann nicht mehr in Firmen arbeiten, in der die Anwesenheitskultur Menschen dazu zwingt, schlechte Eltern zu sein. Vielleicht können wir uns ein bedingungsloses Grundeinkommen leisten, so dass wir nicht nur nichts mehr zu arbeiten haben, sondern auch nicht mehr arbeiten müssen, um zu überleben. Vielleicht ist das sogar super, den Wert eines Menschen nicht mehr an seiner mehr oder minder zufälligen Arbeitsstelle festmachen zu können. Vielleicht, nein: bestimmt passiert noch viel mehr, als ich es mir hier gerade vorstellen kann – ich bin kein Fachmann für so etwas. Aber die gibt es ja. Wo waren die? Warum haben Sie nicht auch mit denen gesprochen? Wo haben die Ihren Zuschauern gezeigt, dass diese Zukunft wirklich prima werden kann, wenn wir uns ihr stellen – statt den Kopf in den Sand zu stecken, weil das bestimmt alles ganz furchtbar wird?

Das habe ich vermisst, lieber Herr Kleber und deswegen bin ich traurig. Und weil ich gelernt habe, dass man Zuschauerbriefe schreiben soll, damit das Fernsehen mitbekommt, was man von Fernsehen hält, habe ich das hier geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen und voll der Hoffnung, dass Sie bei ihrem nächsten Besuch im Valley mit großen Kinderaugen einfach mal staunen können,

Christian Fischer


Naturschutz? Wozu?

Aus der Kategorie »just people«

Ich glaube, Naturschutz ist vollkommener Blödsinn. Niemand muss die Natur schützen. Die Erde gibts (sorry, liebe Kreationisten) über den Daumen seit 4,6 Milliarden Jahren und sie hat dabei ebenfalls über den Daumen 4,58 Milliarden Jahren ziemlich ohne uns Menschen leben müssen. Für die Matheschwachen: Das ist circa 99,5%. Also die meiste Zeit, die es sie gibt.
Wenn wir Pech haben, hat die noch gar nicht gemerkt, dass wir hier sind, so kurz sind wir hier.

Oder anders ausgedrückt: Die kommt prima ohne uns klar. Der ist das vollkommen wumpe, ob wir Boden versiegeln und Treibhausgase in ihre Atmosphäre pumpen. Der ist vollkommen egal, ob wir ihre Gewässer mit Chemikalien vollkippen oder die ganze Kohle verbrennen. Auch radioaktiver Müll geht ihr vollkommen am Hintern vorbei.

Die hat ohne uns schon viele Jahre mit Millionen Arten verbracht bis der Meteor einschlug und die hat auch schon einfach mal ein paar Millionen Jahre unter Eis verbracht. Hat ihr alles nix gemacht.

Der gehts gut ohne uns, egal, wie warm oder kalt es so ist.

Echt.

Ja wirklich, ich bin da sicher.

Aber …

Aber was?

Aber …

Ach so, ja, da war noch was. Wir, also Du und ich und auch die anderen, die können nämlich nur in einem verflixt kleinen Temperatur- und Feuchtigkeitsbereich leben. Einem winzig kleinen. Im Universum sind Temperatur vorrätig – von zigtausend Grad plus bis weit, weit, weit unter Null.
Wir können aber dauerhaft gerade mal von minus 10° bis plus 40°.
Wirds kälter oder wärmer – oder zu basisch oder zu sauer, zu hell oder zu dunkel oder sonstwas – dann sind wir, sorry, ganz fix am Arsch. Wir haben einfach echt Glück gehabt, dass diese irre zufällige Kombination von Lebensbedingungen hier gerade läuft.
Also: Wir haben Glück; die Erde kann wie gesagt auch anders. Kein Problem.

Naturschutz braucht also keiner. Naja, außer uns.


Twitter-♥ im Mai 2016

Aus der Kategorie »just twittered«

Die gute Anne sammelt wieder wieder alle Twitter-Liebe. Merci!

Sonder-Edition mit dem Ergebnisprotokoll des Jahrestreffens der fernsehschauenden Twitterati Deutschlands, oder, wie die anderen sagen: Dem ESC.