CD-Swap Frühling 2008
Da heute Mittag eine – bis jetzt ganz, ganz wunderbare – CD bei mir im Briefkasten lag will ich doch mal fix die Playlist und ein paar Liner-Notes meines CD-Swaps schreiben.
Erst aber: Vielen Dank für die tolle CD!
Mein persönliches Thema war „Rare Trax” – das hatte sich schon länger im Hinterkopf abgezeichnet und der Swap war nur der Auslöser. Ich habe über die Jahre auf CD, Platte und auch noch auf Cassetten so viele schöne Live- und schräge Cover-Versionen angesammelt – die sollten also alle mal auf einer CD versammelt werden. Oder – wie es eine Freundin so schön sagte: Da legst Du aber ganz schön die Eier auf den Tisch mit Deiner Musik-Kenne.
Ja. Und?
- Sting – Message in a bottle
Die Aufnahme stammt vom Live Aid – Konzert 1985. Sting stand alleine im Wembley-Stadium auf der großen Bühne, hatte sich gerade gedanklich von The Police gelöst und spielte ein paar der alten Hits. Nur er und seine Gitarre. Das war meine erste Begegnung mit ihm – und die konnten auch diverse schlechte Konzerte später nicht wirklich kaputtmachen. Was ein Glück. - Jewel & Flea – You were meant for me
Der Song stammt von Jewels erstem Album Mitte der 90er. Die Aufnahme stammt aus der David Letterman-Show und die kleine Folk-Sängerin Jewel wird begleitet vom Bassisten der Red Hot Chili Peppers Flea. Eine wunderbare Kombination - Tori Amos – Time
Den Song kennt vielleicht der ein oder andere von Tom Waits – Tori Amos hat sich des an sich schon wunderbaren Stücks auf ihrem Konzeptalbum Strange little girls (das begegnet uns noch mal) 2001 angenommen und es noch einmal reduziert. Ein guter Song kann das ab. - Lars Lehmann & Britt Peters – Uninvited
Lars Lehmann kennen viele Musiker von Deutschlands Tieftöner-Fachmagazin „Bass-Professor”. Hier hat er genau das getan, was ich eigentlich schon immer tun wollte – eine Platte nur im Duett Bass & Gesang.
Der Song ist im Original von Alanis Morisette und stammt von Soundtrack von City of Angels - Lou Reed – Sweet Jane
Nach soviel Ruhe ein bißchen Krach. Lou Reed tritt in der David Letterman Show auf. Pure Rock’n'Roll. mehr ist eigentlich nicht zu sagen. - Tori Amos – Enjoy the silence
… zurück zu Frau Amos. Hier nimmt sie sich ein altes Stück von Depeche Mode vor, nimmt ihm allen Bombast und umschmiegt das Gerüst dann zärtlich düster mit ihrer Stimme. - Neil Young – Like a hurricane
Neil Young wird nicht umsonst von allen Grunge-Musikern als Godfather verehrt. Sebst so akustisch und zurückgenommen wie hier beim MTV-Unplugged spürt man noch die ungeheure Energie hinter dem Song. - Lenny Kravitz – Are you gonna go my way
Wer bei MTV unplugged spielt hat mehrere Möglichkeiten: Einfach die Songs wie immer spielen – egal, ob da E- oder andere Gitarren vor dem Bauch hängen oder sich etwas einfallen lassen. Entweder vom Drumherum oder bei den Songs. Ersteres haben zum Beispiel Kiss gemacht – und das war unglaublich blöd, zweiteres die Fantastischen Vier in der Balver Höhle (das war großartig) und letzteres hier Mr. Kravitz. Man erkennt den Song kaum wieder – aber dieses Blues-Kleid steht ihm gut. - Muriel Zoe – Rikki don’t loose that number
Muriel Zoe kommt – soweit ich weiß aus Hamburg und hat nacheinander zwei Konzeptalben vorgelegt – das erste mit Jazz-Standards, das zweite mit den Lieblingsliedern der Band. Steely Dans Rikki don’t loose … kommt wesentlich cooler daher als das Original und macht einfach Spaß. - Tori Amos – Tell me why I don’t like mondays
Das Original ist von den Boomtown Rats die mir die Popcorn in den 80ern als Punkband vorstellte. Damals als man zum Live Aid – Konzert die Nena-sozialisierte Leserschaft schnell über Bob Geldof informieren musste. Was mein Bild von Punk übrigens jahrelang arg verzerrt hat.
Tori hat auch dieses Lied komplett auf das wesentliche reduziert und dann wunderbar neu belebt. - Lars Lehmann & Britt Peters – Hedonism
Noch einmal das Bass&Gesang-Duo. Hier mit einem Song von Skunk Anansie – einer Band die zu Hochzeiten des Grunge und vor dem Nu Metal versuchte wütender, härter und vor allem more credibel rüber zu kommen als all die anderen zusammen. „It takes blood and guts to be this cool – but I’m still just a clichee” hiess einer ihrer Songs. Hedonism ist ein traurig-wütender Song über den Ex-Freund den sie in der neuen Beziehung beobachtet. - Van Morrison & Sinead O’Connor – Have I told you lately that I love you
Ein Song, der eigentlich gar nicht mehr geht, seitdem Rod „I am sailing” Stewart ihn auf irgendeiner Kuschelrock-Ausgabe verwurstet hat. Darüber vergisst man gerne, dass das Stück eigentlich von Van „The Man” ist, der ihn deswegen hier in der David Letterman Show auch dementsprechend hinrotzen darf. Ganz und gar bezaubernd wird das dann aber erst durch Sinead O’Connor, die das Ding jetzt aber gefälligst voller Inbrunst singen möchte, so dass im Endeffekt der Eindruck entsteht, dass da fast zufällig zwei Menschen gerade ein ähnliches – aber bestimmt nicht das gleiche – Lied singen. Was stellenweise so absurd auseinander driftet, dass sie selbst lachen müsssen und ihnen am Schluß das Mikrofon hinfällt. *Pock!* „Ooops!” - Paul Simon – Graceland
Paul Simon war die Häfte von Simon & Garfunkel, die auch nach dem Split noch erfolgreich war. Am erfolgreichsten mit einem der ersten kommerziell erfolgreichen Ethno-Pop-Alben „Graceland”.
Der Titelsond groovt einfach unglaublich locker daher – und diese Version stammt vom MTV-Unplugged. - Lars Lehmann & Britt Peters – Hello
Ach komm, wir waren doch schon fast im tiefsten Kitsch – warum dann nicht ganz rein? Hello ist natürlich eigentlich ziemlich inakzeptabel von der Restfeuchte der älteren Hausfrauen benetzt, die beim Lionel Richie Konzert in der ersten Reihe stehen. Nimmt man dem Song den ganzen Schmalz und lässt nur Gesang und Bass über bleibt aber wieder was ganz schönes. man muß sich nur weigern, an Mr. Richies Gesicht zu denken. - K.D.Lang – Barefoot
Ich kenne von K.D.Lang genau einen Song – den hier, der beim MTV-Unplugged aufgenommen wurde. Deswegen weiss ich jetzt auch nichts kluges zu sagen. - Phil Collins – In the air tonight
Nein, ich mag Phil Collins eigentlich nicht. Trotzdem ist die Nummer an sich schon echt in Ordnung – und diese Aufnahme vom Live Aid – Konzert 1985 nur mit Herrn Collins am Flügel fällt da echt positiv aus dem Rahmen. Deswegen darf sie die CD abschließen.
Ich versuche mal in den nächsten Tagen meinen simfy-Account mit den Stücken zu füllen; wer sich voller Vorfreude das Cover schon mal herunterladen will findet hier ein PDF (zip, ca 8MB).

joerg
(6. März 2008 - 00:00 Uhr)
Ich hoffe, ich hatte auch hier schonmal angemessen über “rebirth” von Lehmann/Peters geschwärmt, falls nicht: Was für ein Juwel, großartig. (siehe auch NJT-Winterswap 2003 ;-)
(Aber vorsichtig mit Richie-Dissen, sonst schnallen dich die Commodores auf die Gleise und überfahrn dich mit dem Soul Train!)