Ein Staat hat 11 Bundesländer und die Kanzlerin ist 61 Jahre alt. Wie viele Nazis kann das Land ertragen?

Aus der Kategorie »just people«

In der Pädagogik gilt der Grundsatz, dass man etwas, dessen Sinn man nicht verstanden hat kaum oder gar nicht begreifen und erst recht nicht benutzen kann. Vielleicht an der Oberfläche nachmachen, aber der Transfer und damit der wahre Lernerfolg stellt sich nicht ein.

Schön beobachten kann man das zB im Matheunterricht, wenn die Lehrerinnen oder Lehrer es versäumt haben, die Spiele mit Zahlen irgendwie im Leben der Kinder zu verankern. Und dann kommen auf einmal Textaufgaben, deren Sinn es eigentlich wäre genau das zu tun.
Dann sitzt man da und liest gemeinsam: „Ein Bauer hat 4 Felder. Auf jedem Feld erntet er 2 Tonne Weizen.“ Lustiges Lehrpersonal … ach nein, schieben wir es nicht wieder auf die Pädagoginnen …
Also anders: Ich, als ich noch Nachhilfe gab, hab fragt dann schon mal lustigerweise gefragt: „Wie alt ist die Bäuerin“ und hörte zum eigenen Entsetzen meine Nachhilfeschüler stolz „Das is’ einfach: Acht“ sagen.
Ich so: Hey komm, das kann nich’ sein. Denk mal nach.
Verzweifelte Nachhilfeschülerin: „Ach, zwei durch vier? Menno, das ist Komma, das kann ich doch nich’.“

Ja, das ist sehr lustig. Nicht.

Beweist es nämlich, dass das arme Mädchen damals absolut nicht begriffen hatte, dass Rechnen auch in ihrem Alltag vorkam. Mathe war für sie Selbstzweck, und sie hatte bisher nur gelernt, irgendwie die vorhandenen Zahlen mit den ihr halbwegs bekannten Rechenverfahren aneinander zu reihen, bis ihr lehrer sie in Ruhe ließ. Egal ob es auch nur im entferntesten Sinn machte.
Die Rechnung „2×4=8“ ist ja richtig – aber eben an dieser Stelle sinnlos

Und wenn Mathe vorbei ist, gehts rüber in den Geschichtsraum und da wird *gähn* schon wieder „Nazis“ gemacht. Was muss man tun, um am Ende gute Noten zu bekommen? „Grauenhaft, böse, Völkermord, schlimm, ungerecht, alles ganz schrecklich“ sagen. Sinn brauchts auch da nicht.

Wenn man dann irgendwann erwachsen ist, wenn man Politiker oder Journalist ist, dann passierts vielleicht mal, dass man sich von Nazis distanziert und gleichzeitig an ihre Positionen anbiedert. Weil der Sinn von dem, was Nazis angerichtet haben, in seiner kompletten menschenverachtenden Grausamkeit irgendwann verloren ging und man nur noch reflexhaft „schrecklich“ sagte.

Das ist nicht durchdacht und ich weiß weder eine Lösung noch sonst kluge Worte. Ich hab nur den Gedanken gehabt und wollts mal aufschreiben. Mach ich glaube ich mal wieder öfter.


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Gedanken am Morgen | just another weblog :: Christian Fischer – fine bloggin' since 2001

[…] Naja, irgendwie schon. Irgendwie ist es aber auch wirklich perfektes Beispiel für jemanden, die bereits in der achten Klasse, wenn man Bruchrechnen lernt nicht mehr begriffen hat, dass die Zahlenspiele des Lehrers vorne an der Tafel nicht Selbstzweck waren.Ich hab da ja vor vier Wochen noch drüber gebloggt. […]