Einen Propeller bitte.
Aus der Kategorie »just people«
Die Liebste ist ja – wie manche Leserin schon weiß – Lehrerin. Neben all den netten Vorteilen (Ferien, Beamtentum, Privatversicherung) auch mit dem ein oder anderen Nachteil behaftet. Einer davon ist die zwangsweise Teilnahme an den jährlichen Karnevalsveranstaltungen – egal ob mal Karneval jetzt mag oder nicht. Und egal, ob man sich verkleiden mag oder nicht.
Getsern kam die Liebste denn also an, denn sie hatte eine Idee für das diesjährige Kostüm. Sie hatte eine Latzhose in der Hand und fragte mich „Kannst Du da einen Propeller hinten dran bauen?”
Ich grinste zurück „Der soll sich aber auch drehen, oder?”
Sie strahlte, daran hatte sie noch nicht gedacht.
Nachdem ich dann gestern kurz das Inernet durchsucht hatte (Modellhubschrauber, USB-Ventilatoren) bin ich heute Morgen dann mal in die große Stadt gefahren und habe Conrad aufgesucht.
Jetzt ist Conrad ja normalereise eher eine Grenzerfahrung – letztens las ich irgendwo einen Tweet, der ging sinngemäß so: „Bei Conrad gewesen. Fühle mich jetzt gebräunt, gesund und psychisch stabil”. Ich kann das Gefühl eigentlich bestätigen.
Aber heute hatte ich Glück. Nach einem kurzen Blick bei den USB-Ventilatoren bin ich dann in die Modellbau-Abteilung gewechselt und habe mich beherzt fordernd guckend an den Tresen gestellt.
Er: Wie kann ich helfen?
Ich: Hm, ich fürchte, meine Frage ist etwas seltsam …
Er: Haha. Seltsam? Hören Sie, Sie sind hier bei den Modellbauern. Das müssen Sie erstmal schaffen, etwas seltsames zu fragen …
Ich mochte ihn sofort. Und beschrieb was ich vorhatte.
Er grinste, tippte kurz was in seinen Rechner, grinste breiter und zog mit mir los.
Und dann haben wir eine halbe Stunde lang verschiedene Motoren ausprobiert, verschiedene Batteriepacks an die Motoren geklemmt um zu testen, wie schnell sich der Propeller dann so dreht („Ihre Frau soll ja mit den Füßen auf dem Boden bleiben!”) und so die beste Kombination herausgefunden.
Highlights zwischendurch waren noch der Kollege, der vorbei kam und halb entrüstet fragte, warum denn bitte auf dem Arbeits-PC die Google Bildersuche mit „Karlsson vom Dach” aufgerufen wäre und uns beiden erst nicht glauben wollte, dass das dienstlich gewesen wäre.
Und natürlich seine nebenbei erzählte Geschichte, als er beim letzten Dortmunder irgendwas-Schul-Wettbewerb den achten Platz belegt hatte. Von 64. Naja, irgendwie nicht er, sondern irgendwie die drei Teenies, die ihm das letzte Mal so eine spanndene Aufgabe gestellt hatten wie ich jetzt.
Er war trotzdem ganz zufrieden gewesen und die drei hatten ihn hinterher auch noch ein paar mal besucht.
Nach einer halben Stunde grinsten wir beide uns glücklich bis über beide Backen an und versicherten uns, wie viel Spaß wir gerade gehabt hätten.
Hier liegen also die Einzelteile und demnächst werde ich das dann alles hinten an eine Latzhose bauen. Und dann mal die neue Videokamera einweihen.
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