Es knirscht im Großraumbüro
Aus der Kategorie »just people«
Vor ein paar Jahren habe ich Twitter immer so erklärt: Ich sitze in einem großen, virtuellen Großraumbüro. Es gibt die Ecke mit den Nerds, die ich bei Fachproblemen fragen kann, es gibt die Ecke mit den Gossip-Girls, die sich über und mich mit Klatsch und Tratsch unterhalten, es gibt die Kollegen, die immer was lustiges und die, die immer was nettes sagen. Es gibt die, die mir im Laufe der Zeit ganz nah ans Herz wachsen und die, zu denen das Verhältnis immer »nur« professionell, aber freundlich sein wird.
Ich bedanke mich mit dem, was ich gut kann: Gelegentlich mal ein netter Spruch, wenn ich kann gerne Hilfe und meine persönliche Mischung aus Web-Gossip und -Infos.
Allen gemeinsam ist aber, dass wir alle uns bemühen, dass wir alle uns damit wohler fühlen als ohne.
Ein bisschen später freute ich mich, denn auch mein facebook-Stream funktionierte so.
In der letzten Zeit bricht das leider etwas weg. Da erzählt einer was, verlinkt einer was und man kann Wetten darauf abschließen, wer sich zuerst meldet: Die Selber-Schuld!-Rufer oder die das-musst-Du-aber-so-machen-Wisser, die egal-was-Du-sagst-aber-hör-mal-was-ich-weiß-Unterbrecher oder die Haha-ich-kann-einen-Witz-dazu-Reißer.
Es ist egal, was und warum man etwas ins Netz stellt – es wiederholt sich ständig.
Wenn ich ganz doll an das Gute glauben möchte – was ich immer gerne tue – dann ist das nur Scheiße, weil sich nach vielen Jahren Social-Web-Freundschaften ein Gefühl von Klassenfahrt eingeschlichen hat. Weil alle glauben, dass wir ja eh wissen, warum jemand anderes etwas tut, weil der ja schon immer exakt unserer Meinung war. Und weil auch dieses Bild, jeder Link, dieser Satz und jede Frage ja bitte nur genau so gemeint sein können wie immer. Oder wie man es schon immer verstanden hat.
Scheiße – wie gesagt – ist das aber trotzdem, weil es keinen Raum für Veränderungen lässt. Vielleicht hat die Königin des Zynismus inzwischen ihre Seele geöffnet, vielleicht ist der König der Provokation inzwischen nachdenklich geworden. Vielleicht ist auch jemand facettenreicher, als man es bisher glaubte, vielleicht braucht das Mäuschen gar keine Hilfe sondern will nur mal Dampf ablassen, vielleicht ist der Superhero auch mal schwach.
Wenn ich nicht so doll an das Gute glaube, dann fuckt mich das alles einfach nur ganz gehörig ab.
Dann will ich manchem da draußen – natürlich nur den anderen! – ins Gesicht schreien: Denk doch mal nach, bevor Du anderen ins Kommentarfeld rotzt.
Gerade gelesen: Es knirscht im Großraumbüro http://t.co/VdQOt4oe