Liebe Marienhof-Macher, …
… ich fürchte, ich muss Euch mal etwas erklären.
Dass der 16? 17?-jährige Steve Busch jetzt eine eigene Firma gründen will, weil er keinen Bock mehr auf die Schule hat – geschenkt. So etwas kommt vor.
Dass er als Geschäftsidee hat „lizenzfreie Musik zu verkaufen” finde ich etwas seltsam. Ohne definierte Lizenzen stellt sich mir die Frage: Hat er die Verwertungsrechte der Inhaber? Oder sind Open-Source, Gema und Gema-frei, Public-Domain, MP3, Creative Commons Lizenz, Digital Rights Management, Major-Deal, Raubkopie, Hacker und Cracker, Indie-Label, Bootleg und Freeware für Euch nur so ein Durcheinander (von dem Ihr eh nichts versteht, ausser das fast alles böse ist), dass Ihr nur einfach irgendwelche hippen Wörter aus dem Internet aufgriffen und aneinandergepappt habt?
Naja, machen wir weiter. Schön, dass Steve es nach einem Tag Selbstständigkeit schon geschafft hat, sowohl morgens den ersten Behördenmarathon hinter sich gebracht hat, als auch sich eine Website zu programmieren.
Wenn die Programmierung allerdings so schlicht ist, wie das öfter in Grossaufnahme gezeigte Design, dann wird der Knabe nie was verkaufen. (Hattet Ihr gerade Praktikanten, die behauptet haben, sie „könnten auch mit dem Computer„, oder wie ist das passiert?)
Ach ja und noch etwas:
Wenn Ihr ernsthaft verkaufen wollt, dass am ersten Tag, quasi 5 Stunden nach dem Launch schon an die 100 Leute dieses dilletantische Machwerk besucht haben, dann seid Ihr schon mutig.
Zu behaupten, dass auch welche Geld dagelassen haben ist sehr mutig.
Die entsprechenden Domains aber nicht wirklich zu besetzen, dass ist mehr als nur ungeschickt.
Ich habe gestern Abend kurz überlegt. Wenn auch nur 10% Eurer Zielgruppe bei mir ein paar schlecht zusammengeschusterte MIDIs gekauft hätten, wären schon ein paar Mark zusammengekommen.

Peter Neuhaus
(18. September 2006 - 10:34 Uhr)
Ich weiß, es ist doof und überflüssig weil es auf der Hand liegt und Du es schon auf eine detaillierte Art beleuchtet hast, aber ich muß es schreiben – es ist eine Art innerer Zwang, den mein Verstand ausübt durch Schmerzen beim Betrachten solcher Serien-Inhalte …
Jedenfalls: Was die Macherinnen (Autoren, Redakteurinnen, Regisseure, Darstellerinnen, …) mit dem Thema online-Musik anstellen, unterscheidet sich nicht im geringsten von dem, was sie mit allen anderen Dingen machen – bei der Betrachtung und Darstellung von Leben, Liebe, Sorge, Leidenschaft, Angst, Trauer (bitte beliebig fortsetzen):
Keine Tiefe und eine schlichte Oberfläche.
Das ist das, von dem sie wollen, das wir es konsumieren sollen. Oder, um mit einer unlängst bestrittenen Streitschrift zu streiten: Don’t make them think.