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Icon zum Thema 'just listen' Prince of darkness

Miles Dewey Davis III. * 26. Mai 1926 † 28. September 1991

So ca. in der Zwölf (ja, Opa erzählt wieder vom Krieg) bildete sich bei uns im Jahrgang eine kleine Clique, die sich unter anderem dadurch von den anderen abheben wollte, dass sie „bessere” Musik hörte. Gut, das war zu der Zeit als Stock, Aitken und Waterman die Grenzen steckten nicht besonders schwer, aber trotzdem.
Gut abheben kann man sich ja mit Jazz, also mit diesem Zeugs, was auch den meisten Erwachsenen einen seltsamen Zug um die Lippen zaubert.

Ich weiß gar nicht mehr genau, warum Miles Davis auf meinem Schirm auftauchte, aber irgendwie wusste ich, dass er wichtig war, bervor ich den ersten Ton von ihm gehört hatte.
Die erste Platte, die ich von ihm hörte war die »You’re under arrest«. Beim ersten Stück brüllte Sting irgendetwas spanisches ins Mikro und mit Michael Jacksons »Human nature« und mit Cindy Laupers »Time after time« waren gleich zwei Coverversionen von reinrassigen Popsongs auf dem Album – vermutlich war das also eine sehr angenehme Einsteigerplatte. Gleichzeitig waren es genau diese beiden Stücke, die mir eine Ahnung machten, was Jazz sein kann.
»Time after time« ist von Frau Lauper schon vorher ein wirklich hübsches kleines Popliedchen, aber wenn Miles es gespielt hat, dann hat es gestrahlt.
Und »Human nature« habe ich erst von Miles gekannt und ich habe mich schlichtweg nur gelangweilt, als ich das erste Mal das Original des King of Pop hörte. Jackson-Fans halten es für eins seiner besten, habe ich mal gehört. Tja.

Ich habe dann begonnen, über Miles zu lesen – das war ja vor dem Internet, das war nicht so einfach – und habe etwas über die verschiedenen Phasen und Stile zwischen Bebop und HipHop gelernt, die er so gespielt und beeinflusst hatte. Habe auch gelernt, dass seine Pop-Phase – also die, die ich gerade so erlebte und mochte – dass die von den Jazzpuristen sehr gehasst und verachtet wurde. Als gesunde Gegenreaktion habe ich damals eine tiefe und bis heute anhaltende Abwehrhaltung gegen Jazzpuristen entwickelt.
Ich habe dann noch ein paar weitere der aktuelleren Alben gekauft auf Cassette gehabt und im Frühjahr 1991 sogar noch die Gelegenheit gehabt, Miles live zu sehen.
Schon vorher hatte ich gewusst, dass seine Musik für mich auch immer ein Ausloten meiner Grenzen war, dass es immer wieder Zeug gab, was mir einfach zu hoch, zu hudelig und zu anstrengend war. Aber genau das habe ich auch geliebt – das Wissen, dass es da immer noch mehr gab, dass es immer noch weiter gehen konnte, dass es da noch immer etwas zu entdecken gab.

Das Konzert war dementsprechend sicherlich großartig, aber es hat mich auf auf eine gewisse Art und Weise auch gut überfordert. Voll egal. Ich habe Miles live gesehen.
Ein halbes Jahr später ist der Prince of Darkness dann gestorben.

Später, als es dann das Web gab, habe ich angefangen zu jeder CD, die ich so bestellte eine Miles-CD dazu zu bestellen. Ich habe im Web und auf Papier mehr gelesen, ich habe eine Biographie auf DVD gesehen und flennend wie ein kleines Kind vor dem Fernseher gesessen, wenn in dem Film jeder seiner alten Freunde irgendwann in seinen rauh-flüsternden Tonfall verfiel und ihn beim Erzählen seiner persönlichen Lieblingsanekdote imitierte. Weil sie ihn alle so sehr verehrt hatten.

Meine persönlichen Lieblingsgeschichten, die ich auch gerne benutze, um anderen Menschen wenigstens ansatzweise meine Liebe zu erklären, sind zu einen die, wo er beim amerikanischen Präsidenten eingeladen war – zu einer Zeit als Schwarze im weißen Haus noch keine Selbstverständlichkeit waren. Prompt fragte ihn dann auch eine Senatorengattin, was ER denn bitte hier wolle – und er ließ sie mit »Ich habe fünfmal die Musik revolutioniert – und Sie?« stehen.
Die andere ist von John Scofield, der erzählt, wie Miles ihn anrief, um ihn zu fragen, ob er in der Band spielen wolle. Miles war so etwas wie ein Gott für ihn und natürlich wollte er. Wann sie denn proben würden? Nein, keine Probe. »Just join us and listen and play«
Es ging übrigens nicht um irgendeinen Gig, sondern um einen Auftritt beim Montreux Jazz Festival, einem der größten und wichtigsten der Welt. Einen Auftritt am nächsten Abend.

Ich könnte noch ewig weiter schreiben, wahrscheinlich wäre alleine meine eigene Geschichte um sein berühmtes »Bitches Brew« ein eigener Blogeintrag, und meine Liebeserklärung an die Pausen, die er spielte der nächste aber …

Heute vor zwanzig Jahren ist er gestorben.
Nie den Tanzneger geben. Nicht sprechen, nur spielen.
Nicht proben. Just listen and play.


Icon zum Thema 'just listen' Nico Suave – an dich. Reduce to the jawl rmx. (Loud Earth)

Ich muss nochmal kurz von damals™ erzählen.

1993 hatte sich meine Blues&Soul-Band gerade aufgelöst und ein Freund sprach mich an, ob Lust auf eine Funk-Band mit einem Geiger und einer echt guten Sängerin hätte. Ich hatte, dummerweise hatten die Sängerin und der Geiger nicht wirklich und wir dümpelten so rum. Hatten auch mal einen oder zwei Gigs, aber die meiste Zeit saßen der Freund und ich im McDonalds, wenn die anderen wieder nicht gekommen waren.

Viel wichtiger aber: Wir probten damals im Aufnahmeraum der legendären *hust* Mendener Loud-eARTh-Studios. Ich muss dringend mal suchen, ich hab hier irgendwo noch ein Video von damals.

Dieses Studio war damals die Keimzelle der Westkurve, der Mendener HipHop-Szene die so Menschen wie Dendemann, Kraans oder Nico Suave hervorbrachte. Letzterer sendete letztens mit dem kleinen Track „an dich” ein Lebenszeichen und forderte zum Remixen auf.

Ich hab dann auch mal den Rechner angeworfen und mich dran versucht.

Nico Suave – an dich (reduce to the jawl rmx) by jawl


Icon zum Thema 'everyday People' Aus dem Takt

Vor ca. 7 Jahren saß ich nachmittags im Büro. Ich hatte einen eher anstrengenden Sommer hinter mir, so langsam hörte der Stress auf und ich versuchte, wieder so etwas wie einen Rhythmus zu bekommen.

Rhythmus ist überhaupt ein gutes Stichwort, denn auf einmal bemerkte ich, wie mein Herz aufhörte eben diesen zu haben.
So ein regelmäßiger Herzschlag ist ja eine seltsame Sache: Man merkt ihn ja nicht. Gelegentlich, wenn man oben am Berg vom Rad absteigt, spürt man sein Herz schlagen. Oder wenn man SIE wieder sieht – das eine ist so mittelschön, das zweite sehr. Aber im allgemeinen merkt man sein Herz nicht. Deswegen ist es dann auch sehr irritierend, wenn man es auf einmal spürt.

Und ich spürte es. Außerdem war mir irgendwie übel, mein linker Arm tat weh, mein Hemd war auf einmal zu eng, ich hatte kalten Schweiß auf der Stirn und sehr schnell sehr große Angst.
Um die Geschichte abzukürzen: Ich hatte keinen Herzinfarkt. Dafür begann an disem Tag eine gut halbjährige Irrfahrt zwischen Kardiologe, Allgemeinmediziner und regelmäßigen Besuchen in der Apotheke beim Blutdruckmessen. Der Kardiologe machte mit mir einen Termin in acht Wochen, das war das schnellste, was er anbieten konnte. Na gut, ein 24h-EKG auch schon vorher. Und wenn etwas wäre dürfe ich auch unangemeldet reinkommen. Die Allgemeinmedizinerin maß meinen Blutdruck, verschrieb mir sicherheitshalber niedrig dosierte BetaBlocker und verbot mir das Radfahren. Die Apotherkerinnen maßen allerlei zwischen besorgniserregend hoch und ziemlich niedrig und manchmal auch gar nix, weil das Gerät nicht mit dem fehlenden Rhythmus klarkam. Beim unangemeldeten Arztbesuch war immer alles ok. Ich begann, mich wie ein Simulant zu fühlen.
Ich begann, die Apotheken zu wechseln, um nicht zu oft in einer aufzutauchen (Den Kauf eines eigenen Mess-Geräts hatten die Docs und ich zusammen verworfen. Ich hätte dann alle 5 Minuten gemessen und wäre in Wahnsinn und Hysterie gestorben). Ich traute mich kaum noch, mich wieder beim Arzt zu melden. Es war ja nie was.

Das 24h-EKG war auch bestens; die Helferin guckte drauf und meinte was von „eine Kurve wie gemalt” und dass sie sich melden wollten, wenn Herr Doktor noch was entdeckte. Sie meldeten sich nicht.
Bei der Untersuchung (endlich!) haben die Helferin und ich dann beim Belastungs-EKG ausprobiert, ob denn wenigstens was auffälliges passiert, wenn ich über den üblichen Umfang weit hinaus ging – wir erinnern uns: Ich fuhr damals regelmäßig Rad und war recht fit. Nö, da passierte nix.
Und der Doc guckte in seinen Ultraschallapparat und attestierte mir ein tolles Herz.

Das war alles irgendwie beruhigend, aber irgendwie auch sehr beängstigend. Denn auch wenn mir alle erzählten, dass ich gesund sei, auch wenn ich die BetaBlocker wieder absetzen durfte, so merkte ich doch regelmäßig, dass da irgendetwas nicht stimmte. Das Gefühl ist schwer zu beschreiben – letztens fiel mir nach langen jahren ein halbwegs brauchbarer Vergleich ein: Kennt Ihr den Moment vor dem Einschlafen, wenn ihr den Boden verliert und fallt? Genauso, nur irgendwie ständig.
Eigenlich ist das auch logisch: Wir haben da eine Beatbox im Körper, die uns ständig einen Rhythmus gibt und wenn der nicht stimmt, dann ist man aus dem Takt, dann fehlt die Grundkonstante.

Im Ergebnis zog ich mich ziemlich zurück. Ich merkte, da war irgendetwas, aber alle Ärzte sagten „Da ist nix”. Man beginnt an sich selbst zu zweifeln. Simulant? Hypochonder? Man beginnt an den Ärzten zu zweifeln. Aber was bedeutet das im Ergebnis? Ich erinnere mich an einen Urlaub auf meiner geliebten Insel, den ich mit dem durchgängigen Gefühl verbrachte, all das zum letzten Mal zu sehen. Es war keine schöne Zeit.

An meinem dreiunddreißigsten Geburtstag war es mal wieder ganz schlimm und wir fuhren in die Notaufnahme. Ich bekam von den beiden Docs die bekannten Dinger auf die Brust geklebt. Sie guckten auf den Bildschirm und wurden hektisch, während ich überlegte, was für eine Scheißidee es wohl war, ausgerechnet am Geburtstag zu sterben. Andererseits war ich fast erleichtert, da schien ja endlich etwas sichtbares zu sein.
Während Doc 1 losrannte, um die Haus-Kardiologin zu holen, redete der andere beruhigend auf mich ein, guckte noch einmal auf den Bildschirm und sagte sowas wie „Höh?”. Denn da war eine Kurve, „wie gemalt”.

Während er sich noch wunderte und ich wieder besser Luft bekam, kam die Kardiologin rein. Guckte auf mich, versuchte mit mir zu sprechen während er auf sie einredete und ihr den Streifen Papier zeigte, der aus dem EKG-Gerät gekommen war seit ich da lag.
Und dann lachte sie und sagte zu mir: „Erst einmal: Es ist alles ok, und den Rest erklär ich Ihnen gleich”.

Kurzfassung: Sie erklärte, ich habe einen zweiten Taktgeber an der Herzwand. Halbwegs laienhaft erklärt gibt es wohl einen (Nerven-)Punkt, der die Bewegung des Herzmuskels auslöst. Ich habe zwei. So lange die beiden im gleichen Takt laufen ist alles prima. Fängt aber einer an, das Tempo zu ändern, dann wird das ein haltloses Stolpern – so lange bis beide dann quasi gegentaktig laufen und sich mein Puls verdoppelt. Dann stolpern sie wieder rum, bis sie wieder im Takt sind.

Ich werde nie den Satz „Das ist höllisch unangenehm, aber total ungefährlich” vergessen, den sie sagte. Höllisch unangenehm, weil der Körper – der ist ja auch nicht doof – merkt, das was nicht stimmt und erstmal sein Herzinfarkt-Reaktions-Szenarium loslässt. Adrenalin galore, Enge im Brustkorb, und so weiter. Kann er ja auch nicht für, der arme Körper, dass ihm da nichts anderes einfällt.

Man kann das – wenn man möchte – operieren. Die OP ist eine Try-and-error-OP, denn man kann den Punkt nicht anders lokalisieren, als sich per Katheter in die Leiste rein und dann zum Herzen hoch zu arbeiten und dann an der Herzwand verschiedene Punkte zu reizen und zu gucken, ob es eine Reaktion gibt. Dummerweise ist der einzige, der messen kann, ob es eine Reaktion gibt man selbst, weswegen man bei der ganzen Sache bei Bewusstsein sein muss. Ich kenne inzwischen einen Menschen, der – wenn ich mich richtig erinnere – fünf Stunden so verbracht hat und danach von den Freuden unbetäubter Wurzelbehandlungen schwärmte. Wenn ich mich richtig erinnere war auch die Formulierung „schlimmste 5 Stunden meines Lebens” im Gespräch. Ich habe mich gegen die OP entschieden und jahrelang Ruhe gehabt.

Warum ich das alles jetzt hier und heute aufschreibe?
Zum einen weil ich gerade – die ein oder andere Leserin wird es sich schon gedacht haben – innerlich arg rumstolpere. Und weil das Aufschreiben der Geschichte, weil das Erinnern mir hilft, mich wirklich an den Satz „höllisch unangenehm, aber total ungefährlich” zu erinnern. Es ist nämlich nicht immer so einfach, nur mit der Vernunft gegen sein Gefühl anzukommen. Vor allem, wenn man nachts um drei stolpernd aufwacht, der Serotoninspiegel im Keller ist und sich Stimmung und Zuversicht gleich mit genommen hat, dann ist das schon mal nur so mittel-einfach.

Und zu anderen, weil das alles bei vielen Ärzten wohl vollkommen unbekannt ist. Jeder Arzt, mit dem ich danach darüber sprach reagierte erst einmal mit einem herzhaften „Höh?”. Und ich hatte damals wohl auch nur wirklich sehr viel Glück, dass es in meinem Krankenhaus eine OP-Schwester mit dem gleichen Herzfehler gab. Die Kardiologin erzählte, sie habe diese Schwester mal im OP-Saal erwischt, wie sie sich gerade den Pulsmesser an den Finger geklemmt hatte und stolz „Boah: 220″ verkündete. Da war sie dann gerade genau gegentaktig und hatte eh gerade eine anstrengende OP hinter sich.

Und weil ich ja letztens noch lauthals gefordert habe, jemand müsse ja alles ins Netz reinschreiben, damit andere ales finden: Voila.
Las ich doch letztens noch bei einer heißgeliebten Bloggerkolegin ihre Krankheitsgeschichte, und dass sie sich so alleine damit fühle, seltsame Krankheiten zu haben. Bist Du nicht.
Aber ehrlich gesagt schon auch, damit ich gleich schlafen kann.


Icon zum Thema 'just listen' Here we are.

Irgendwie ist es schön, dass jetzt hier direkt untereinander die Erinnerung an Nevermind und die Meldung vom Ende von REM stehen.
Auch wenn die »Shiny Happy People«-Hippies es oft nicht wissen – REM und Nirvana liebten sich gegenseitig sehr. Erst letztens sah ich eine Doku, in der Michael Stipe sich erinnerte, dass er noch versucht hatte, mit Kurt Cobain ein gemeinsames Projekt zu beginnen und seine Erinnerung mit dem traurigen Satz »Aber ich kam zu spät« abschloß.

Schon länger her ist eine Sendung, in der nacheinander zwei Interview-Schnipsel kamen – zuerst erzählte Kurt, dass es ihm in seiner Musik immer um Dynamik gehe: Laut-leise. Und dass er so unglaublich gerne einmal mehr als nur ganz laut und ganz leise spielen würde, so wie REM. Die hätten das echt raus mit der Dynamik.
Dann kam Michael Stipe und schwärmte mit leuchtenden Augen davon, er würde so gerne einmal in seinem Leben nicht der intellektuelle Musiker mit den klugen Kompositionen sein, er würde so gerne einmal so ungezügelt und laut spielen wie Nirvana.

Keine Pointe, ich geh jetzt wieder zur Feier des Tages »In Bloom« hören. Laut.
Sorry, liebe Nachbarn, diese Platte änderte damals mein Leben.


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Nevermind


Icon zum Thema 'just listen' It’s the end of the world as we know it. I don’t feel fine.

R.E.M. haben sich aufgelöst. I really don’t feel fine.

»Shiny happy people« war damals auf einmal nach Meinung der Leute, die die AbiZeitung gemacht hatten so sehr „unser” Lied, dass es in der AbiZeitung eine eigene Seite bekam. Ich hatte zwar keine Ahnung, wie die Leute darauf kamen, aber dumm war das trotzdem nicht.



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