Warum lernt main kind so aine komische rechtschraibunk?

Aus der Kategorie »just people«

Und überhaupt – warum machen die Schulen heute alles anders? Liest man sich so durch die Feuilletons, stößt man immer mal wieder auf solche oder ähnliche Fragen. Ältere Männer, deren tagtäglicher Job das Schreiben ist, Männer die an einem Tag mehr lesen und schreiben als der durchschnittliche RTL2-Gucker im Monat, erklären den Untergang des Abendlandes. Weil sie gesehen haben, wie heute in vielen Grundschulen den Kindern die Lust am Schreiben und Lesen nahegebracht wird.

Und so sehr alle Herrn Martensteins Polemiken sonst verachten – da sind dann alle mal seiner Meinung. Vor allem Mütter mit Kindern zwischen 5 und 15 springen heftigst da drauf an.
Und das ist ja auch logisch und irgendwie richtig – nichts ist dem Herzen näher als das eigene Kind.
Und: Wir waren ja alle selbst mal in der Schule, haben also persönliche Erfahrung mit dem Thema – also auch genug Ahnung um zu sagen wie’s laufen müsste. Oder? Da kann man doch mal seine Meinung sagen!

Dröseln wir das doch mal auf:
Die Durchschnittsmutter mit 6-jährigem Kind ist zwischen Ende zwanzig und Ende dreißig, der Durchschnittsvater etwas älter. Der Durchschnittsfeuilletonist deutlich älter.

Im besten Falle ist die Grundschulzeit also etwas mehr als zwanzig Jahre her, im schlimmsten auch vierzig oder fünfzig Jahre.
In dieser Zeit hat sich einiges geändert in der Schule. Wie übrigens im restlichen Leben auch. Exemplarisch greife ich mal raus, dass jede und jeder mit dem ich sprach, ziemlich froh darüber war, dass heute niemand mehr in fest aneinander geschraubten Pulten mit 40 anderen den Klassenraum teilen muss, so wie ich das zum Beispiel vor dreißig Jahren noch tat.

Und so hat sich eben auch die Methode geändert, nach der man Schreiben lernt. Kluge Menschen haben sich Gedanken gemacht, haben viele, viele Kinder beobachtet, haben Diktate, Aufsätze und unzählige Schulhefte ausgewertet und haben bemerkt, dass es langweilig ist, wochenlang so gehaltvolle Geschichten wie „Tut Mimi?” – „Mama tut!” zu schreiben – nur weil man blöderweise noch nicht mehr Buchstaben als A,I,M T und U schreiben kann. Oder schreiben darf. Haben entdeckt, dass Kinder mehr Lust am Schreiben bekommen, wenn sie es – wie das Sprechen auch – benutzen können. Auch mit Fehlern.

Wer sehen will, wohin fehlende früh-schulische positive Schreiberfahrung führt, der schaue mal in die Rechtschreibergüsse des durchschnittlichen Hass-Kommentators auf welt.de oder beobachte einen durchschnittlichen Arbeiter, Handwerker oder Büromenschen, wenn man ihm ein weißes Blatt hinlegt und sagt: „Schreiben Sie doch mal kurz auf …”
Dann kann man nämlich in geschätzten 70% aller Fälle eine komplette Schreibhemmung beobachten – teilweise sogar mit echten Schweißausbrüchen! Ehrlich, ich hab da schon Sachen erlebt …
In weiteren 20% liest man dann eine Flucht in diesen unsäglichen Passiv-Nominal-Stil, von dem bei im Büros zum Zeitpunkt des Verfassens in Beschäftigungsverhältnissen befindlichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern angenommen wird, dass er dem Stil, den andere in Büros angestellte Personen, die solchermaßen verfasste Werke zur Kenntnisnahme vorgelegt bekommen werden, entspricht. (Na, verstanden? Das meine ich.)
Auflösung: … -Stil, von dem viele denken, dass man so schreibt.

Was ich sagen will: So wie vieles andere haben sich auch hier die Konzepte geändert – und wenn ich mir meine Lebensrealität ansehe, die sich nicht nur in literarisch beschäftigten Autoren-, Lektoren, Uni- oder Texter-Kreisen abspielt, dann war das auch nötig.

Trotzdem wird gerade das Schreibenlernen von allen aufs Korn genommen. Ob es vielleicht auch in der Mathematik neue Wege gibt (gibt es) interessiert übrigens kaum eine Sau – vermutlich weil es ja bis in die angeblich intelligentesten Kreise hinauf vollkommen en vogue ist, mit seinem Mathe-Unverständnis zu kokettieren. Und einen Aufschrei darüber, dass auf einem Sachkundeblatt der Pluto noch ein Planet war, habe ich auch noch nie gehört. Naja, MINT am Arsch.

Aber ich komme vom Weg ab. Ich fasse mal zusammen, wie ich das so beobachte:

Ein hoher Prozentsatz der heute 40-jährigen kann nicht gut schreiben. (Dazu zähle ich sowohl mangelnde Rechtschreibkenntnisse wie auch die Unlust, Wörter zu Papier oder Bildschirm zu bringen) Das sind also die, die das Schreiben so gelernt haben wie „wir”.

Fachleute haben das ebenso beobachtet und alternative Methoden entwickelt.

Der geringe Prozentsatz derer, die gut schreiben können und sich qua Beruf oder Position als Hüter der Sprache verstehen, finden das Scheiße. Liest man die Diskussionen, dann haben sie sich selten mit dem Konzept beschäftigt, sondern sehen nur den falsch geschriebenen Aufsatz(!), den ihnen ihr stolzes Kind nach acht Wochen(!) Schule mit nach Hause bringt. (Ob es die Lust der Kinder am Schreiben – also an der Auseinandersetzung mit Schriftsprache – fördert, wenn Mama diesen Stolz dann mit „Das ist ja alles falsch!!” kommentiert, das mag sich an dieser Stelle jede selbst überlegen.)

Liebe (beliebigen Beruf einsetzen). Wie fändet Ihr das eigentlich, wenn jede und jeder sich darüber auslassen würde, dass Ihr Eure (beliebiges Produkt des beliebigen Berufs) aber nicht richtig macht, weil das früher aber anders war? Und das obwohl gerade in Eurem Beruf eine Menge Grundlagenforschung betrieben wurde und Ihr echt nach dem neustem Standard arbeitet?

Es gibt sicherlich viel zu diskutieren in der Pädagogik. Forschung hier ist immer auch etwas anderes als Forschung in vielen anderen Gebieten, weil es keine Labore gibt, in denen man erstmal wirklich total gesicherte Erkenntnisse finden kann.

Über eins aber sind sich seit Jahren alle einig: Es tut keinem Kind gut, wenn die eine Seite den einen Weg und die andere Seite den anderen Weg geht. Lese ich also in einem Forum „Mir egal, was für einen Scheiß diese neumodische Lehrerin da macht – bei mir zu Hause lernt das Kind vernünftig schreiben” – dann läufts mir kalt den Rücken runter.

Ach ja, und: Seid doch bitte klug genug zwischen einem Konzept und denen, die es ausführen zu unterscheiden. Nicht jede Grundschullehrerin, die aufgerieben zwischen Curriculum und Elternschaft, zwischen „ham wa schon immer so gemacht”-Kolleginnen und seltsamen Fachleitern auch mal Mist machen ist Beweis dafür, dass es falsch ist, Kinder Fehler machen zu lassen. Oder dass „die da”, bei den Pädagogen eh keine Ahnung haben.

Und – um da noch einmal drauf zurück zu kommen: Ja, es gibt viel zu diskutieren in Schulen und es gibt sicher auch vieles was schief läuft. Wie wärs denn da mal mit Widerstand? Ich kenne zum Beispiel quasi nur noch Grundschulen in denen die Lehrer oder die Eltern selber putzen müssen, weil die selbstständigen Sub-Unternehmerinnen der Reinigungsfirmen (=Putzfrauen) laut der Vorgabe der EU-weit ausgeschriebenen Putzstelle nur 4,5 Minuten Zeit pro Klassenzimmer haben.
Wenn Ihr schon für Eure Kinder meckern müsst (ja bitte: mehr Lobby für Kinder!) – tuts doch da, wo es wirklich nötig ist.


Spiderman?

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… nein, da sind Sie hier falsch, der wohnt in 8a, nicht 8b.

spiderman


(Nachricht aus dem Maschinenraum)

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Ich habe ein bischen aufgeräumt – konkret: Ich habe für all die unter Euch aufgeräumt, die mit sehr kleinen Bildschirmen vorbei kommen. Also zB mit Smartphones. Falls Ihr irgendwelche Funktionen schmerzlich vermisst, meldet Euch bitte. Falls Ihr eh nur zum lesen der aktuellen Artikel vorbei kommt, dürfte es Euch gar nicht auffallen.
Danke für die Aufmerksamkeit. Weitermachen.


Der Tag wird kommen

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Mehr zum Hintergrund


Nein, ich war alleine auf dem Spielplatz

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Schaukel


Schöne Dinge am Freitagabend

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Bei Sven gefunden


Fünf von vielen

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4 von meinen 5

Ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

Wenn Sie wissen möchten, was ich so für Bücher lese, dann können Sie sich hier auf die sträflichst vernachlässigte Rubrik „just read” verlassen oder einen Blick auf die wunderbare Website 5 Bücher werfen. Die ist erstens eh sehr lesenswert und zweitens freue ich mich sehr, dass auch ich dort „meine” 5 Bücher vorstellen durfte.


Von einem der auszog, einen künstlichen See zu fotografieren und in einer Entenfütterung landete

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Entenfütterung am Phoenixsee

Die ganze Aktion war generalstabsmäßig geplant: Die beiden Familien schwammen D-Day-würdig aufs Ufer zu, die eine große sicherte das Wasser, die andere sprang raus und checkte den Weg und die Wiese, schnatterte einmal, alle hüpften raus, kreuzten den Weg, stürmten auf die Wise und grasten los. Beide großen sicherten die Umgebung, dann ein „Quak!” und alle hetzten wieder ins Wasser. Das alles hat keine 5 Minuten gedauert.