Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Demokratie ist manchmal schwer auszuhalten. Wenn die Mehrheit eine andere Meinung hat, obwohl man es selbst so genau weiß zum Beispiel. Oder wenn sich Gerichtsurteile, wenn sich Gesetze dem, was man so den gesunden Menschenverstand nennt, irgendwie entziehen. Wenn zum Beispiel jemand, der drei, nein achtzehn, nein achwereißwieviele Millionen Steuern hinterzogen hat dreieinhalb Jahre ins Gefängnis soll – wie lange muss dann wohl ein notorischer Schwarzfahrer ins Gefängnis? Schwer zu verstehen.

Wenn wir schon bei schwer zu verstehenden Urteilen sind, dann können wir auch gleich noch den Bogen schlagen und zu schwer zu verstehenden Ermittlungsarbeiten kommen. Genau: Die NSU-Geschichte. Was sind das für Menschen, wie konnten die zu dem werden, was dann Jahre lang mordend durch Deutschland zog und dabei ja noch an irgendetwas glaubte? Man versucht, sich anzunähern.

Und auch an anderer Stelle stehen sich nicht nur Polizeilogik und gefühlte Logik, sondern tragischerweise auch Polizeilogik und geltendes Recht gegenüber. Was tun? Aufstehen, zusammenhalten und es ihnen erklären. Meint jemand der aufstand, weil er sein Recht kannte.

Kommen wir von den großen zu den kleinen Themen, vom Land zu einer kleinen Stadt, zufällig zu der, in der ich lebe. Da sollte „sogenanntes WLAN” an Schulen eingeführt werden. Aber keine Sorge, so neumodischer Kram hat hier keine Chance.
Ich lebe so gerne hier.

Apropos „neumodischer Kram”: Selfies. (Na, war das ’ne Überleitung?) Waren die nicht sogar Wort des Jahres? Die haben es sogar auf die Oskars geschafft, schafften es, zum most-retweetet Dings der Welt zu werden – und das sogar ohne dass Frau Lawrence ihre Brust rausholte.
Frau Winnemuth hat hinter die Kulissen geguckt. Da ist wie oft nicht alles so hübsch.

Musik hab ich nicht gehört in der letzten Woche, aber in eigener Sache würde ich Sie gerne zur Frau Nessy rüberschicken. Die hat nämlich ein neues virtuelles Zuhause und ich freue mich sehr, dass sie mich darum bat, ihr das zu gestalten und zu programmieren.


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Als ich das Wort „Prokrastination” kennen lernte, da war das natürlich auf Twitter und äußerte sich hauptsächlich im dauerndem Übermitteln neuer HighScores im sog. „Kügelchenspiel”. Und im nachhinein glaube ich, wir fanden uns da oft ganz niedlich mit. Kann aber auch unniedlich sein.

Wobei natürlich – jetzt mal weg von diesem speziellen Fall – die Möglichkeiten zur Ablenkung in unserem ach so hippen Arbeitsumgebung reichlich gesäht sind. Wir müssen gucken, was bei Twitter los ist, ob bei facebook mehr los ist, ob es bei instagram was neues zu essen gibt und dann vor dem Loslegen noch einmal kurz in die Mails … wir kennen das alle. Philippe Wampfler hat eine Woche versucht, ohne Handy und ohne diese ganzen Ablenkungen zu leben (hat so mittel geklappt) und kommt im Fazit zu einem wunderbar unaufgeregten Schluß.

Geht aber auch ganz anders: Das alles kann nämlich auch ein Beruf sein, wie Luca im Interview erklärt.

Kommen wir zu Ablenkung der anderen Art. „The internet is for porn”, sang es uns einst fröhlich aus einem Video entgegen. Das war ganz lustig, dieses Video.
Überhaupt nicht lustig ist, wenn die Menschen im Porn da gar nicht sein wollen. Und während uns abgeklärten Internetpeople nahezu klar ist, dass man da nix mehr machen kann, hat eine Mutter in Amerika den Kampf für ihre Tochter aufgenommen. Sehr beeindruckend. Und sehr erschreckend, wie groß der Aufwand werden musste.

Neben derart verletzten Persönlichkeitsrechten treffen wir im Web ja vermutlich nur noch häufiger auf verletzte Urheberrechte. Ein schwieriges Thema; dem Laien ist es oft nicht so einfach klar zu machen, was er darf und was nicht und Politiker brauchen wie so oft etwas länger. Nahezu unterhaltsam wird es, wenn die Politiker sich dann auch als Laien herausstellen. Und sich auch wie solche herausreden möchten.

Mein Lieblingslied in der letzte Woche war Under the bridge. Was bedeutet, dass ich viel Bass gespielt habe.


Liebe ist kein Argument?

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via Kaltmamsell


First kiss

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Das Problem ist, dass wir zwischen »Ihnen« und »uns« unterschieden. Je kleiner das »Uns« wird, desto mehr gibt es, was uns fremd ist. Und umso größer wird das Problem.
(Halbwegs frei nach Peter Gabriel übersetzt)

Das war Anfang der neunziger, als er gerade mitten in dem wilden Musik-Festival steckte, was viele Jahre später zu »Big Blue Ball« wurde. Und er meinte die vielen verschiedenen Kulturen die dort aufeinander trafen. Hört man sich Big Blue Ball an, sieht man übrigens sehr schön, dass es lohnt, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten. Großartiges Album, aber das nur am Rande.

Und so wie er immer gerne auf anderes, fremdes, neues zuging, so ist es auch im kleinen; so ist es auch, wenn wir auf einen einzelnen fremden Menschen zugehen. Klar muss man vielleicht mal kurz über den eigenen Schatten springen, aber es lohnt eigentlich immer. Gerade gestern war ich zum Beispiel am Bahnhof, wollte ein paar Fotos machen und war wieder mal erschrocken, wie abweisend und jeder-für-sich da alle rumliefen. (Ja, lacht ruhig, ihr coolen Großstädter, aber ich geh ja nicht so oft unter Menschen.)

Ich komme drauf, weil ich gerade vollkommen verliebt vor dem Rechner sitze und dieses Video anschaue. Die Macher baten fremde Menschen, sich zu küssen. Ja zugegeben, das ist ein etwas größerer Schatten, über den man da springen muss, aber …
Aber abgesehen davon, wie süß alle rumgibbeln und -kichern finde ich es am unfassbar beindruckendsten, was nach dem Kuss passiert. Wie viel Nähe, wie viel Zuneigung da ist.


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir” – den Satz haben wir doch alle irgendwann mal gehört. Aber natürlich leben auch Lehrer – genau wie wir alle – in einer kleinen Blase, die mit der Realität (was auch immer das sein mag) nicht immer hundertprozentig übereinstimmt. Gleichzeitig haben Firmen entdeckt, dass man durch auf den ersten Blick gute Taten recht einfach ein bisschen der eigenen – also der gewünschten Firmenrealität – in die Schulen transportieren kann. Oder anders: Drei Viertel der größten deutschen Unternehmen erstellen und verbreiten eigene Unterrichtsmaterialien und die meisten Lehrer denken nicht darüber nach, dass man so etwas auch zu Lobby-Zwecken nutzen kann. Über so etwas zu sprechen gehört offensichtlich weder in die Ausbildung noch in den Schulalltag.

Apropos „drüber sprechen” – das würde ja in vielen Bereichen mal gut tun. Denn Tabuisierung vergrößert die Probleme. Immer. Oder, um es mit einem recht erfolgreichen Buch zu sagen: „Er heißt nicht »der, dessen Name nicht genannt wird«, er heißt Tom Riddle.”
Spricht man über Dinge, dann kann man sich ihnen stellen, dann kann man sie sich ansehen und sie verstehen und mit ihnen umgehen. Das gilt auch für weitaus komplexere und damit oft viel mehr tabuisierte Themen erst recht. Findet Antje Schrupp, sagt: „Beim eigenen Körper endet der Arm des Gesetzes” und spannt unter dieser Überschrift einen bemerkenswerten Bogen über eine ganze Reihe von Tabuthemen – von Abtreibung über Prostitution und Leihmutterschaft zu Suizid und Sterbehilfe.

Ein anderer Bogen, um mit diesen großen Themen umzugehen ist natürlich immer der Humor. Satire, Ironie oder Sarkasmus machen vieles aushaltbarer. Auch diese vielen Homosexuellen, die uns da neuerdings in unser Bett reinreden wollen. Aber glücklicherweise erkennen viele da jetzt Dank Sarrazin und Matussek ihren Irrtum.

Kommen wir zu angenehmeren Themen. Es ist zwar eine Binsenweisheit, dass das Alleinsein, oder besser noch: Das Allein-Unterwegs-Sein die Gedanken schärft, aber das macht ja nichts. Wenn dann ein Text darüber das gleiche Gefühl auslöst wie ein gutes Roadmovie, dann ist das schon einen Link wert.

Und wo wir bei Allgemeinplätzen sind, dann behaupte ich mal: Wenn wir die einfachen Dinge vergessen, wenn wir nicht mehr auf unseren Bauch hören, nur weil der Satz „Hör auf Deinen Bauch” ein solcher ist, dann hilft das am Ende auch keinem. Das wusste übrigens schon Till Eulenspiegel, als er den versammelten Schneidern erklärte, dass ein Knoten am Ende des Fadens eine praktische Sache ist. Und deswegen lohnt es auch, zum einhundertunddritten Mal zu lesen, was kreative Menschen so tun. Auch wenn der Titel etwas reißerisch ist.

Von „reißerisch” und „kreativ” zur Oscar-Verleihung ist es keine besonders weite, wenn auch – zugegeben – keine besonders einfallsreiche Überleitung. Trotzdem ist es ganz wunderbar zu lesen, wie es so ist, auf so einer Oscar-Feier. Also wenn man nicht A-, B- oder C-Promi, nicht nominiert oder sonstwie berühmt ist, sondern einfach nur ein ganz normales Mädchen.

Mein Lieblingslied der letzten Woche war Jamie Lidells „When I Come Back Around”


Großstadtflair in Kleinstadthausen

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Unterführung


Dortmund. Hier und da.

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Musik am Freitag *hust* Samstag

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Mir wurde auf facebook vorgeworfen, ich wäre etwas eindimensional in meinen Musiktipps.
Deswegen hier mal wer anderes:

Nils Landgren tauchte, wenn ich mich richtig erinnere, Mitte der neunziger durch einem Sampler der damals hippen Zeitschrift „Max” auf meinem Radar auf.

Max gibts schon länger nicht mehr, Nils, der Mann mit der roten Posaune hingegen macht immer noch seinen funky Scheiß und reist damit durch die Welt, lehrt an der Musikhochschule Hamburg und ist künstlerischer Leiter des Jazz Baltica-Festivals, eines der Festivals, die ich in einem anderen, einem gesunderem Leben fürchterlich gerne mal besuchen würde.
2004, 30 Jahre nach dem ESC-Sieg veröffentlichte er als Tribut eine Platte nur mit Songs von Abba, die er auch in den Studios aufnahm, in den Björn und Benny damals gearbeitet haben.
Man sagt, sie hätten seine Arbeit sehr geil gefunden. Ich auch.

Ich habe ihn vor ein paar Jahren mal live gesehen und ich würe es jederzeit wieder tun. Wann hat schon mal mit dem Kauf einer Konzertkarte quasi die Garantie für eine lange, spielfreudige und verflixt funky Party?



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