Strategie, um einen Abend mit einem Vegetarier zu überleben

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Sie kennen das: Sie sitzen mit einem Bekannten im Restaurant und freuen sich gerade auf ihr 500g-Steak, liebevoll dem Mozart-beschallten, täglich mit frischem Bier massierten Rind aus der Keule geschnitten – und dann bestellt dieser Typ einen vorwurfsvoll guckenden Salat. Und erklärt: „Sabine und ich essen ja kein Fleisch mehr”.

Sie ahnen: Diese dämlichen roten Zwiebelringe die immer oben liegen, die werden Sie jetzt Ihr gesamtes Steak lang nicht aus dem Augen lassen. Sie werden jeden Bissen beobachten, während es irgendwo unter der Joghurtsauce leise „Mörder” flüstert, „Mörder!”

Oder, in anderen Worten: Wenn Ihnen jetzt nicht ganz schnell etwas einfällt, dann war’s das mit dem ungestörten Essgenuss.
Jetzt heißt es: Ruhe bewahren.

Beginnen Sie am besten mit einer harmlosen Frage, wiegen Sie Ihren Gegner erst einmal in Sicherheit: „Auch kein’ Fisch?”
Die Frage ist deswegen der ideale Einstieg, weil beide möglichen Antworten ein beherztes Abbiegen auf den wichtigsten Platz der Welt ermöglichen – den Nebenschauplatz.

  1. „Nein, auch kein’ Fisch”
    => „Das ist aber nicht gesund, Du bekommst ja gar kein Eisen!”
  2. „Doch, Fisch schon noch”
    => „Das ist aber nicht konsequent, das sind auch Lebewesen!”

Das war’s eigentlich schon. Schon sind Sie abgebogen.
Aber stoppen Sie jetzt nicht ab, treten Sie nach, der Gegner ist nur angezählt.
Und wie? Einfach: Vorwürfe! Vegetarier sind ein unsicheres Völkchen. Die angeborene Charakterschwäche, die dazu geführt hat, dass sie „keine Tiere mehr töten” wollen, sorgt auch dafür, dass diese dummen kleinen Menschen sich leicht selbst in Frage stellen. Nutzen Sie das, zeigen Sie der kleinen Wurst, dass ein echter Mann so etwas nicht tut, gehen Sie in die Offensive!
Den ersten Schritt haben sie ja mit der Einleitungsfrage schon gemacht. Zögern Sie jetzt nicht, stoßen Sie beherzt rein in die offene Flanke!

Sie sagen also im Falle …:

  1. („Nein, auch kein’ Fisch”)
    Das ist nicht gesund! Du bekommst nicht genug Eisen! Kriegen Eure Kinder etwa auch kein Fleisch? Die sind doch noch im Wachstum! Und, kannst Du überhaupt noch arbeiten bei dem Mineralienmangel? Denkst Du mal an die Volkswirtschaft?
  2. („Doch, Fisch schon noch”)
    Aber Fische sind doch auch Lebewesen! Wo ist denn da für Dich der Unterschied? Und die Käfer, die in Deinen Gräsern leben? Die Kaninchen auf dem Feld? Hamster? Hast Du mal überlegt, wie viele Tiere in so einem Kornfeld leben – die sterben ja auch, wenn Dein Gras gemäht wird!

Soweit so gut, haben Sie den Rohkostfresser hier, sind Sie schon quasi auf der Zielgeraden. Aber hören Sie jetzt nicht auf. Um endgültig zu siegen brauchen Sie noch weitere Nebenschauplätze damit dieser Freak sich endgültig verläuft und verheddert.
Auch hierfür wieder einige Tipps:

  • Der Mensch ist ein Allesfresser. Das ist biologisch. Guck Dir doch Deine Zähne mal an.
  • Du isst unserem Essen das Essen weg, denk mal an den Hunger in der dritten Welt.
  • Die Tiere sind doch eh schon tot, da kann ich sie auch essen. Wo sollen die ganzen Tiere denn sonst hin?
  • Gras empfindet auch Schmerz.
  • Und jetzt sollen alle immer Rücksicht auf Euch nehmen? Findest Du dann auch gut, dass die Grünen ganz Deutschland vorschreiben will, was wir essen? Bist Du etwa auch fürs Rauchverbot?
  • Peta geht aber auch schlecht mit seinen Mitarbeitern um, hab ich mal gehört.
  • Für Eure Monokulturen stirbt der Urwald! Und die Metzger werden dann alle arbeitslos!
  • Hitler war ja übrigens auch Vegetarier.

Hat Ihr Gegenüber auf einen Punkt eine Antwort, wechseln Sie das Thema. Denken Sie an Muhamed Ali, bleiben Sie beweglich. Sie wollen doch jetzt nicht wirklich diskutieren.

Ist Ihr Gegenüber aber schließlich verwirrt, kommt er nicht mehr hinterher, dann können Sie etwas auf ihn zu gehen. Reichen Sie ihm großmütig die Hand, schließlich wollen Sie ja irgendwie auch noch das gemeinsame Essen genießen.
Werfen Sie ihm also ein paar Brosamen zu: „Sooo viel Fleisch essen Sie ja nun auch nicht mehr. Und am liebsten ja Bio, das schmeckt auch wirklich besser.”

Und dann zeigen Sie ihm, wie „der Fleischsaft aus ihrem Steak auf den Teller läuft, wenn Sie mit der Gabel drauf drücken”. Das ist aber auch lecker.


Synje Norland am 1.2.2014 in Dortmund

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Synje Norland in Dortmund 10Wie angekündigt war ich gestern Abend in Dortmund und habe Synje Norland wieder einmal zugehört. Und obwohl Synje zu Beginn ankündigte, sie könne »erkältungsbedingt vermutlich nicht mit der angekündigten glockenklaren Stimme dienen« und habe etwas Angst »Herr Becker und sie könnten eventuell musikalisch ausnahmsweise etwas auseinanderdriften, sie habe aufputschendes Aspirin-Zeugs genommen, während er auf dämpfendem Hustensaft unterwegs sei«, war weder von dem einen, noch von dem anderen etwas zu merken.

Synje spielte einen Querschnitt durch die beiden Alben »Skipping Stones« und »To the other side« sowie einige neue Songs.
Und während ich mich schon beim ersten Konzert damals daran erfreute, wie Michael Becker, ihr Cellist nicht nur sein Instrument, sondern auch äußerst songdienlich ein bisschen angedockte Technik ausreizte, haben die beiden das sowohl auf der Bühne als auch im Songwriting weiter ausgebaut.
Und so wechseln sich intimste Momente mit Stimme und Gitarre ab mit großen Klang- und Beat-Collagen, in denen ein gesampelter Schlag aufs Mikro, ein paar tiefe Cello-Noten Beat & Bass geben und beide dann darüber spielen, bis zum Schluss Synje ihre eigene Stimme sampelt und mit sich selber mehrstimmig große Refrains aufbaut. Ganz groß.
Denn gerade wenn »nur« jemand mit einer Gitarre auf der Bühne steht, dann kann das ja ehrlich gesagt langweilig werden. Gitarren-Schrumm-Schrumm, you know? Aber mit Synje Norland und Michael Becker ist man da auf der sehr sicheren Seite. Dabei dient die Technik nie dem Selbstzweck, sondern erweitert Songwriting und Konzert, sorgt für Abwechslung und unterstützt die wunderbaren Songs und Synjes Stimme perfekt.
Dazu kamen noch einige Solo-Parts von Michael Becker an seinem Cello (wow.) die das Ganze perfekt abrundeten.

Es war toll.

Die Pauluskirche kann man übrigens gut mal im Auge behalten; dort finden anscheinend regelmäßig Konzerte statt, die Stimmung dort ist gut, der Sound klasse. Kann man gut machen.

Ps: Ja, das ist die Synje Norland, die auch mit Santiano unterwegs ist. Nein, die Musik, der Auftritt ist ganz anders.

Nachtrag: Auch die Dortmunder Nordstattblogger haben über das Konzert geschrieben: Synje Norland bietet erdigen Folk, experimentellen Elektropop, Streichquartett und spirituelle Sinnsuche

Synje Norlands Alben: Skipping Stones und To the Other Side (affiliate-Links)


Musik am Freitag

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Mir wurde auf facebook vorgeworfen, ich wäre etwas eindimensional in meinen Musiktipps.
Deswegen hier mal wer anderes:

Von uns Bassisten haben viele ja das Bild, dass wir am Rand der Bühne im Dunkel stehen, nicht tanzen können (meist richtig) und man nicht so genau weiß, was wir tun. Irgendwelche tiefen Töne, die man nicht so hört halt.

Das hier ist Marcus Miller, den ich sehr mag, weil er Miles Davis noch einmal mit Kraft und Ideen versorgt hat. Er spielt ein bisschen Solo über ein Stück von Jaco Pastorius, den jeder Bassist mag, weil er den Bass aus exakt dieser oben beschriebenen Ecke heraus geholt hat.

Ja, so etwas geht mit dem Bass auch. Nein, ich kann das auch nicht.


Me’Shell Ndegéocello

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Schaut nur, was mir spotify gerade vorschlug:

Meshell Ndegeocello ist eine US-amerikanische Musikerin und Komponistin. Meshell Ndegeocello kam als Tochter des in Deutschland stationierten US-Soldaten und Saxophonisten Jacques Johnson in Berlin zur Welt. Anfang der 1970er Jahre übersiedelte die Familie nach Virginia (USA), wo sie aufwuchs und die Duke Ellington Highschool of the Arts (Washington D.C.) besuchte. Als Teenager lernte sie Bass zu spielen und begann schon während ihres Studiums an der Howard University in den 1980er Jahren in den Clubs der Stadt ihre musikalische Karriere. Ihr Hauptinstrument ist der E-Bass. Daneben spielt sie auch Keyboard, E-Gitarre und hat ihren eigenen Stil aus einer Mischung von Gesang und Rezitation entwickelt. Ihre Musik bewegte sich auf ihren ersten fünf Alben vor allem im Spannungsfeld zwischen Funk, Soul, Hip-Hop und Jazz und zeigte auch Einflüsse aus Reggae und Rock.
Wikipedia

Leider ist bei dem Video keine weitere Information, wo es aufgenommen wurde oder wie der Song heißt. Mir kommen aber diese „Artists”-Shirts bekannt vor; ich verbinde sie mit einer Sendung, die ich eigentlich kenne. Aber ich komme nicht drauf.
Weiß wer mehr?

Nachtrag: „Ecclesiastes: Free My Heart” von der CD „Peace Beyond Passion” sei es, wusste jemand bei facebook, während an anderer Stelle vermutet wurde, es sei das Ambiente von Manu Katchés „One shot not”.


Weniger diskutieren?

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In der letzten Zeit sind ein paar Dinge passiert, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Ich habe über Helene Fischer gebloggt. Die Grünen in Menden sind kurz ins Schussfeld von P*litically Inc*rrect geraten. Und (schon länger) immer mehr Menschen in meinem Umfeld essen kein Fleisch und sehen sich erstaunlich oft in die Situation gedrängt, darüber reden zu sollen.

Jetzt seid Ihr gespannt, was das alles miteinander zu tun hat, hm?

Als ich über Helene Fischer schrieb, da war das zum einen einfach etwas, was mich beschäftigte. Wenn mich etwas beschäftigt, dann hab ich hier mein Blog, dann denk ich hier laut rein, das klappt schon seit Jahren oft ganz gut so. Gleichzeitig erinnerte ich mich beim Schreiben natürlich daran, wie ich vor einigen Jahren mal auch eher kritisch über die Casting-Show „Popstars” nachdachte. Und wie mir danach in irgendeinem Fanforum dafür der Tod durch den Strick gegönnt wurde.
Als ich dann in meinen Statistiken die ersten Verweise aus einem Helene Fischer-Fan-Forum entdeckte, war ich erstens gespannt, zweitens gewappnet aber auch: sehr neugierig. Und so meldete ich mich unter einem blöden Namen dort an.
Was ich entdeckte: Nette Menschen, die meinen Artikel zwar nicht unbedingt mochten, aber mein Auftauchen im Forum sehr respektierten und sich auf hohem Niveau und voller gegenseitigem Respekt mit mir unterhielten. Die meine Kritik diskutierten, sich in philosophische Unterhaltungen über Ästhetik verstiegen und mich nach meiner Lieblingsmusik fragten.

Derweil wurde außerhalb des Forums „befürchtet”, dass ich jetzt dort infiltriert würde, wahlweise die Fans dort jetzt auf einmal gute Musik mögen könnten. „Häh???” fragte ich mich und begann zu begreifen, dass es hauptsächlich darum ging, die gegenseitigen Fronten aufrecht zu erhalten. Und dass unpraktischerweise die Fans im Forum jetzt nicht ins Bild passten und so diese Fronten an unerwarteter Stelle bröckelten.
Menschen mögen ihre Feindbilder wohl, auch in unwichtigen Dingen.

Wo ich gerade so auf meine Statistiken schaute, bemerkte ich im Augenwinkel auch, dass die Grünen in Menden da auf einmal einen sehr untypischen Besucherzahlen-Anstieg auf ihrer Website hatten. Ein zweiter Blick zeigte: Die kommen alle von P*litically Inc*rrect1. Na Hurra.
Maßnahme eins: Die Website grinsend mit einer Zeile Programmierung ergänzen, die die Besucher von dort direkt zu Lily Allen und ihrem herzlichen „Fuck you” durchreicht2.
Maßnahme zwei: Tief durchatmen und lesen. Ja, mit allen Kommentaren. Und dann noch einmal tief durchatmen.
Ich begann zu begreifen, dass es Menschen gibt, mit denen ich nicht diskutieren kann und möchte (ja, das klingt jetzt naiv; es ist auch arg verkürzt und ich komme da gleich noch einmal drauf zurück).

Und die Tiere? Passen irgendwie auch da rein. Wie ich letztens schon schrieb ist die Entscheidung, kein Fleisch zu sich zu nehmen keine, die von denen, die sie noch nicht getroffen haben, einfach so toleriert wird.
Gleichzeitig rüsten viele Vegetarier und Veganer auch auf und erfreuen ihre Mitmenschen gerne mal mit Horrorfotos aus Ställen und Schlachthöfen. Manchmal tränenüberströmt erschrocken, manchmal vorwurfsvoll aggressiv werden dem unvorbereiteten Fußgängerzonen- oder Timeline-Besucher gequälte Tiere präsentiert.
Und ich verstehe das irgendwie. Ich möchte all das nicht sehen, weil ich weder mitten in der Fußgängerzone noch mitten an einem Arbeitsvormittag die Tränen in den Augen haben möchte. Aber ich verstehe auch, warum man es anderen zeigen möchte, ich verstehe, warum man sein nicht-fassen-Können teilen muss und bin da selbst oft hin und her gerissen.

Und jetzt der Bogen zu PI und Helene Fischer.

Ich bin ein kluges Kerlchen, ich glaube an die Macht des eleganten Wortes. Präsentiert man mir eine saubere Argumentation, dann setzt das Denkprozesse in Gang. Und natürlich denke ich, dass auch Ihr, dass auch alle Menschen so sind. (Vielleicht bin ich doch kein so kluges Kerlchen?)

Weiter vorne schon angedeutet will ich jetzt noch einmal darauf zurückkommen: Wie ich begriff, dass es Menschen gibt, die nicht diskutieren möchten.
Dieser Satz ist ja ein oft benutzter – oft voller Abscheu, oft herabblickend, meist als letztes Scheinargument, wenn man selber nicht weiter kommt. All das meine ich nicht.
Es ist eine schlichte, wertfreie Einsicht. Das Lesen der Kommentare dort zeigte mir: Ich möchte hier nicht diskutieren, weil hier nicht diskutiert werden möchte.
Obwohl ich – wie gesagt – an die Macht des Wortes glaube, bekommt dieser Glauben dort einen Dämpfer. Niemand kann diese Gruppe dort mit einer Argumentation von irgendetwas überzeugen. Auch dort mag man seine Feindbilder. It seems to be human.

Lacht mich aus, aber ich habe das in der Tiefe seiner Bedeutung erst spät begriffen; es gab immer ein Eckchen in meinem Gehirn das hartnäckig glaubte „Aber wenn man mal richtig mit ihnen redet …”
Nein.

Das aber bringt mich zu der Frage, ob diskutieren im Web überhaupt etwas bringt.
Vielleicht ist ein Kommentarstrang, ein Forum, ein facebook-Post immer der falsche Ort. Das Web, vor allem das soziale ist ja in vieler Hinsicht ein Ort der Selbstdarsteller – ist das offen genug für eine echte, offene Diskussion? Treffen sich Menschen z.B. in einem Forum nicht generell, um unter sich zu sein, um sich gegenseitig zu bestärken?

Also, wie gesagt, mi-hich(gedehnte, arrogante Betonung!) kann man ja mit einer guten Argumentation schon immer überzeu…
Hm, kann man? Spiele ich – einfaches Beispiel – theoretisch mal durch, wie es mir ginge, wenn jemand mir theoretisch fundiert, mit ein paar wissenschaftlichen Untersuchungen belegt, beweisen würde dass Dieter Bohlen gute Musik macht … Nö, macht er nicht.
Na, da bin ich ja super viel besser als die, die über Helene Fischer und ihre Fans lästerten.
Und da sind wir ja noch nicht bei wichtigen Themen oder gar bei welchen, die meine Gewohnheiten und mein alltägliches Wohlgefühl in Frage stellen.
Seien wir doch mal ehrlich und überlegen mal, wie wir wohl – gerade die Lager auf Lampedusa diskutierend – auf jemanden reagieren würden, der „sollen doch alle da bleiben” argumentiert. Egal wie eloquent.
Oder, um mal zwei typische Beispiele eloquenter Netz-liberaler Diskussionskultur und stumpfer Foren-Polemik gegenüber zu stellen: Ist „geh doch sterben” weit weg von „früher hätte man Dich gehängt”?

Aber, wenn argumentieren nichts außer Widerstand bringt, was dann? Mal in den Spiegel geguckt – was überzeugt denn mich? Was erreicht mich wirklich? Erreicht das dann vielleicht auch andere Menschen?

Gute Musik überzeugt mich durch Hören, Träumen, Tanzen; Diskussionen mit Menschen, die nicht diskutieren wollen kosten Energie.
Gutes Essen macht mich satt, gesund und froh; eine Demo vor McDonalds macht kalte Füße und hasserfüllte Sprüche derer, die über ihren Burger nicht nachdenken möchten.
Ein liebevolles Miteinander überzeugt mich mit einem warmen Gefühl im Seelchen; eine Unterhaltung über bessere Gesellschaftsmodelle ist vielleicht intellektuell anregend aber mehr auch nicht.

Oder anders: Ich glaube, ich glaube nicht mehr daran, dass man Mitgefühl herbeireden kann.
Ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, deren Komfortzone daraus besteht, möglichst wenig nachzudenken. Und die deswegen – vollkommen logisch – eine Frage oder eine andere Meinung schon als Angriff sehen.
Ich habe aber auch, schon vor Ewigkeiten gelernt, dass Menschen etwas Gutes, Schönes (Leckeres, Tolles, …) auch gerne haben wollen. Wenn man es ihnen zeigt und nicht wenn man es ihnen erklärt.

Ich versuchs mal. Ich werde in Zukunft wohl mehr leckere Rezepte, mehr gute Musik, mehr schöne Geschichten posten. Es ist ja immer leicht sich aufzuregen und gegen etwas anzureden, aber es bringt nichts. Vielleicht bringt ein unmissionarisches Vorbild etwas. Und wenn es nur Freude ist.
Vielleicht werde ich aber auch auf weniger Diskussionen eingehen und manchen Kommentar nicht freischalten.
Mal sehen.

Fußnoten:
1) Googelt es Euch bitte selber, wenn Ihr es nicht kennt. Ich werde keinen Link dorthin verschenken.
2) Merci an Volker Beck für diese hübsche Idee.


Die Filme im Januar

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Alle Filme – egal ob im Kino, auf DVD, im Stream oder im Fernsehen im restlichen Januar 2014.

  • Now You See Me (Die Unfassbaren – Now You See Me) (IMDB)
    Unitymedia VOD
    Die vier Zauberkünstler J. Daniel Atlas, Henley Reeves, Jack Wilder und Merritt McKinney werden auf etwas mysteriöse und für sie selbst sehr überraschende Art und Weise zusammengebracht. Ein Jahr später stehen sie gemeinsam in Las Vegas auf der Bühne und rauben – vor tausenden Zuschauern – von dort aus eine Bank in Paris aus.
    Danach jagt das FBI sie, ein enttäuschter Zauberer, der inzwischen in einer Fernsehshow Zauberer enträtselt jagt das FBI und man weiß nicht, wer gerade warum wann und wo und hinter wem her und wer wem voraus ist. Und wo das alles hinführt.
    Was ein unglaublicher Spaß. Wer Spaß an Oceans Dings oder dem Clou hatte, der hat auch Spaß an den Unfassbaren. Ich hatte.
    Die Unfassbaren – Now You See Me bei itunes*
    Bechdel-Test: Sowohl unter den Zauberern als auch im Ermittlerteam finden sich Frauen, die auch vollwertieg Teammitglieder sind. Aber reden tun die Frauen quasi nur mit Männern.
    ★★★★★★★★☆☆
  • X-Men: First Class (X-Men: Erste Entscheidung) (IMDB)
    Sonntagsabend-Fernsehen
    Das Prequel zu den anderen X-Men-Filme erzählt die unterschiedlichen Lebenswege der Personen, die man aus den späteren (früheren? Ach Mist, das war doch bei Star Wars schon so kompliziert zu formulieren) Filmen kennt: Der wohlbehütet aufgewachsene Charles Xavier, Erik Lensherr der im KZ gefoltert wird, Raven, die in Charles ihren ersten Freund findet, der sie als Mutantin akzeptiert. Immer mehr Mutanten trefen sich und finden in zwei Gruppen mit sehr unterschiedlichen Ideen zueinander. Drumherum stürzt die Welt gerade in die Kuba-Krise und die Mutantengruppen mischen mit und haben sehr unterschiedliche Interessen.
    Ich mag die X-Men-Filme. Ich glaube sogar, es sind meine liebsten Comic-Verfilmungen.
    X-Men: Erste Entscheidung bei itunes*
    Bechdel-Test: Es sind ein paar Mutantinnen auf beiden Seiten, auch das CIA-Team wird von einer Frau geführt. Ein paar Mal unterhalten sich auch alle und Liebesgeschichten finden eher am Rande statt.
    ★★★★★★☆☆☆☆
  • You again (Du schon wieder) (IMDB)
    maxdome
    Marni (Kristen Bell) war in der Highschool das hässliche Entlein und das allgemein anerkannte Opfer aller. Inzwischen ist sie erfolgreiche PR-Tante in L.A., doch als sie zur Hochzeit ihres Bruders zurück nach Hause kommt muss sie feststellen, dass die Braut ihre Erzfeindin aus der Schule ist, die sich inzwischen sehr erfolgreich in ihrer Familie festgesetzt hat. Ihre Muter stellt derweil fest, dass die Tante der Braut wiederum ihre alte Erzfeindin ist und so entstehen ein paar klamaukige Verwirrungen.
    Natürlich gibts ein cheesy HappyEnd und einen netten Abschlussgag. Ist sehr ok.
    Das klingt alles sehr seicht, aber wenn man Hollywood-Unterhaltung mag, dann ist das ein sehr geil besetztes (Kristen Bell, Sigourney Weaver, Jamie Lee Curtis) und sehr unterhaltsames Filmchen. Und Kristen kann auch hässlich sein.
    Du schon wieder bei itunes*
    Bechdel-Test: Die Väter und der Bräutigam spielen eigentlich kaum eine Rolle und die drei Frauen sprechen viel über ihre alten Rivalitäten. Die Hochzeit gibt nur den Rahmen und ich würd sagen: Ja. Alles andere wäre bei diesen drei wunderbaren Frauen ja nun auch extra blamabel.
    ★★★★★★★☆☆☆
  • Red (R.E.D. Älter. Härter. Besser.) (IMDB)
    maxdome
    Bruce Willies spielt Frank Moses, einen pensionierten CIA-Agenten, der recht unerwartet in seinem kleinen Vorstadthäuschen von einem Killerkommando überfallen wird. Er flieht – zusammen mit Sarah, einer Frau, die er zufällig mit reingezogen hat und kommt einer ominösen Liste auf die Spur. Zusammen mit ein paar alten Kollegen, Partnern und auch alten Gegnern (früher war ja alles besser, da respektierte man sich auch als feindlicher Agent noch) zieht er los, um noch einmal aufzuräumen.
    Natürlich knallt es viel, Morgan Freeman (cool), John Malcovic (durchgeknallt) und die wundervolle Helen Mirren spielen auch mit und mischen die Jungspunde, die sie verfolgen kräftig auf.
    Manchmal mag ich wenn es kracht und rummst. Es kracht und rummst heftig und mit extrem viel Spaß inszeniert ist es auch.
    R.E.D. – Älter. Härter. Besser. bei itunes*
    Bechdel-Test: Äh, ich denke nein.
    ★★★★★★★☆☆☆
  • Source Code (IMDB)
    Fernsehen
    Captain Colter Stevens, ein Hubschrauberpilot der Navy, wacht in einem Zug auf, trifft dort eine Frau, die ihn für jemand anderes hält. Der Zug explodiert und er sitzt in seinem Hubschrauber und wird von einer Frau auf einem Bildschirm begrüßt. Sie erklärt ihm, dass er gerade die letzten acht Minuten im Körper und Geist eines sterbenden Menschen erlebt hat und so bitte herausfinden soll, wer den Zug zum explodieren gebracht hat. Er wird wieder und wieder und wieder in den Zug geschickt um erneut acht Minuten zu erleben und mehr herauszufinden.
    Wir haben den Film damals schon im Kino gesehen und ich erinnerte mich an nichts, nur dass er mir gefiel. Auch heute fnd ich das unterhaltend und recht spannend. Kann man ganz gut gucken.
    Source Code bei itunes*
    Bechdel-Test: Das nicht.
    ★★★★★★★☆☆☆

Was ist eigentlich dieser Bechdel-Test? Guckstu hier.

Ausnahmsweise: Serien

Außerdem haben wir begonnen, „Breaking Bad” zu gucken. Und wieder abgebrochen; ich komme nach jeder Folge so mies drauf – das lohnt nicht, auch wenn ichs objektiv sehr gut fand, was ich sah. Aber die triggerte irgendwas in mir.
Dann fing „The Blacklist” auf RTL an und machte uns viel Freude. Man sollte aber die Wiederholungen nachts gucken, die sind ungeschnitten.
Und ich gucke endlich mal „Mad Men” (was die Liebste aus Gründen nicht gucken mag) und erfreue mich daran sehr. Was eine geile Serie.

*) affiliate-Links


Aus dem Maschinenraum: Hintergründe und technisches zum neuen Look

Aus der Kategorie »just jawl«

Kein Einleitungssatz, denn der Titel sagt ja schon alles.

Hintergrund (aka. „Warum?”)

Außer, dass man sich ja gelegentlich am Look des eigenen Blogs satt gesehen hat gab es zwei Grundgedanken, die das neue Theme erfüllen sollte:

  1. Für die regelmäßigen Leserinnen sollten die Artikel komplett im Mittelpunkt stehen. Ihr kommt, um zu lesen, das freut mich und das möchte ich Euch nicht unnötig erschweren.
  2. Wer zufällig vorbei kommt, der sollte aber alles finden, um auch ein bischen hier zu bleiben. Ich schreibe ja schließlich nicht umsonst seit 13 Jahren hier rein, da gibts ja mehr zu entdecken als ich mich selbst erinnere.
    Früher packte man dafür eine Sidebar mit verwandten Artikeln, Tags, Kategorien, der Blogroll und so weiter voll – aber (siehe a) das wollte ich nicht.

Die Quadratur des Kreises also? Ich habs versucht.

Die Artikel stehen groß und zentriert auf der Seite; ich hab mir mit der Typographie Mühe gegeben und ich hoffe, es ist alles gut lesbar. Statt der Droid Sans schaut Ihr auf die Open Sans – das ist nicht besonders originell, aber ich finde das eine sehr angenehm lesbare Schrift.1

Alles andere verbirgt sich hinter Slidern und Akkordeons (Akkordeonen? Akkordeoni?) – und bei „alles andere” hoffe ich, dass ich dem Zufallsbesucher viele Möglichkeiten an die Hand gebe, ein bisschen ins Stöbern zu kommen und ihm alle Fragen beantworte, die man beim Zufallsbesuch einer fremden Website so haben kann. Ich werde in der nächsten Zeit mal sehen, ob sich die Absprungrate – die auch hier natürlich blogtypisch eher hoch ist – in der nächsten Zeit ändert.

Technisches

Ich habe bis auf eine Ausnahme2 keine Pixelgrafiken mehr auf der Seite. Alle Icons, egal ob bei den Kategorien, bei den Share-Icons, die Link-Kennzeichnungen, das Logo oder whatever: Alles SVGs.
„Aber die doofen Internet Explorer können doch keine SVGs?” höre ich Euch fragen. Richtig.
In meiner htaccess-Datei stehen deshalb folgende Zeilen:

RewriteEngine On
RewriteBase /
RewriteRule \.svg$ /makesvg.php [L]

Wenn also eine SVG-Datei angefordert wird, dann wird die Anfrage an die Datei makesvg.php umgeleitet. In dieser Datei steht (unter anderem, ich habe das hier der Übersichtlichkeit halber gekürzt) folgendes:

<?php
if (strchr($_SERVER['HTTP_USER_AGENT'], "MSIE") ) {
header("Content-Type: image/png");
echo file_get_contents(str_replace('.svg', '.png', $_SERVER["DOCUMENT_ROOT"].$_SERVER["REQUEST_URI"]));
} else {
$datei = $_SERVER["DOCUMENT_ROOT"].$_SERVER["REQUEST_URI"];
$grafik = file_get_contents($datei);
header("Content-Type: image/svg+xml");
echo $grafik;
}
?>

… oder in anderen Worten: Wenn ein Internet Explorer z.B. die Datei „bild.svg” haben will, dann gib statt dessen die Datei „bild.png” aus. Alle anderen bekommen „bild.svg”.
(Ich werde das noch verfeinern, die neuen IEs können ja mit Vektoren)

Damit das auch klappt, habe ich alle SVGs noch einmal als PNG ins gleiche Verzeichnis gelegt. Voila.

Nachtrag: Wenn Ihr das einsetzt, sorgt bitte dafür, dass das Script nur auf ein bestimmtes Verzeichnis (also Euer Bilderverzeichnis) reagiert – sonst kann man im Extremfall so ziemliche jede Datei auf Eurem Server auslesen. Auch so etwas wie „./” aus dem Pfad heraus zu löschen ist eine gute Idee.

Nebenbei habe ich in dieser Datei auch noch ein paar header-Anweisungen, die ich jetzt hier der Übersichtlichkeit weggelassen habe – damit setze ich die „Last-modified”- und die „expires”-Werte und sorge (unter anderem damit) dafür, dass das jawl jetzt einen PageSpeed von 93/100 hat.

Das Bild im Hintergrund wird mit Backstretch angepasst, die Bilder werden mit der Fancybox vergrößert. Außerdem sorgt ScrollTo für die Scroll-Geschichten, ein ganz normales Accordion für die Infos unter den Artikeln und ein bisschen selbstgeschriebenes jQuery-Zeugs für die verschiedenen Bereiche im Kopf.
Die Kategorie-Icons setze ich inzwischen3 mit dem PlugIn Category Icons um

Die Share-Links binden keine fremden Scripte ein, sondern linken nur auf die jeweiligen Share-Seiten der Dienste. Für Euch bedeutet das, dass nicht automatisch Daten an Facebook, Twitter & Co geschickt werden; für WordPress-Bastler bedeutet das …

Irgendwo im Loop:
<?php
$sharetitle = get_the_title();
$sharelink = get_permalink();
$shareshortlink = wp_get_shortlink();
?>

Egal wo:
<a title="Bei facebook teilen" href="http://www.facebook.com/sharer.php?u=<?php echo $sharelink; ?>">Bei facebook teilen</a>
<a title="Bei google+ teilen" href="https://plusone.google.com/_/+1/confirm?hl=de&url=<?php echo $sharelink; ?>">Bei google+ teilen</a>
<a title="Bei twitter teilen" href="http://twitter.com/intent/tweet?text=Lese%20gerade:%20jawl.net%20-%20<?php echo str_replace(" ", "%20", $sharetitle); ?>%20-%20<?php echo str_replace("www.", "", $shareshortlink); ?>">Bei twitter teilen</a>

Vielleicht könnt Ihr das ja mal gebrauchen.

Fußnoten
1) In der Standardeinstellung handelsüblicher Browser ist die Schrift jetzt 16px groß. Kürzlich stieß ich in den Tiefen des Laufwerks „Archiv” auf meine ersten Websites – und erinnerte mich, wie wir Designer damals alles in 10px Größe angelegt haben. Times are a-changing. Zum Glück.

2) Ich habe versucht, mein Bild zu vektorisieren. Aber das möchten wir nicht.

3) „Inzwischen”, weil ich immer noch Anfragen auf einen Artikel von vor 5 Jahren bekomme, in dem ich mal was handgestricktes vorgestellt hatte.


Synje Norland in Dortmund

Aus der Kategorie »just music«

Über Synje Norland habe ich 2011 das erste Mal geschrieben – damals erfreute sie mich als Vorprogramm von Helgi Jonsson, der in dem Herbst ohne seine Tina und mit seiner eigenen Musik unterwegs war.

Seitdem ist Synje leider nur in Norddeutschland oder als Begleitung von Santiano unterwegs gewesen – ein paar Gründe also, um sich jetzt darüber zu freuen, dass sie Anfang Februar nach Dortmund kommt.

Synje Norland also am 1.2.2014 in Dortmund in der Pauluskirche (Link zur facebook-Veranstaltungsseite). Ich auch.

Und zum Vorfreuen hat sie gerade noch ein neues Video geteilt – eines, das mir ausnehmend gut gefällt. Ich hoffe dann doch direkt mal auf ein drittes Album. Synje?

(Für die Musiker unter Euch: Ich glaube, ich muss mir auch mal so ein Sampler-Dings kaufen. Das ist ja auffallend nett, was der Herr Becker da macht.)