Antigone 2015 – Die Fotos

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Ihr erinnert Euch vielleicht, dass im Herbst das kleine 365-Tage-Projekt etwas ins Stocken geriet, ich aber trotzdem recht zufrieden davon berichtete, dass ich dauernd in einem kleinen Theater säße und dort Fotos machen dürfe?

Vorschau-CollageWie es immer so ist, dauern manche Dinge etwas länger, aber jetzt kann ich endlich die Bilder zeigen, die damals entstanden sind.

Da in diesem Theater, das war aus vielen Gründen eine recht großartige Zeit.
Zum einen ist so eine Theaterproduktion eh schon etwas spezielles. Man hockt sehr viel sehr dicht aufeinander und wenn die Chemie zu Beginn auch nur einigermaßen stimmt, dann haben sich am Ende alle ganz furchtbar lieb.
Exkurs: Das bedeutet auch, dass man nach der letzten Vorstellung in ein tiefes Loch fällt. Dann vielleicht eine der anderen auf der Straße trifft und merkt, dass man außerhalb des Theaters wenig gemeinsam hat. Man schweigt sich etwas an, geht auseinander und fällt in ein noch viel tieferes Loch. Nach vielen Jahren auf und hinter Bühnen weiß ich das zum Glück. Exkurs Ende.

Zum anderen war das eine wirklich sehr schöne Produktion. Ich habe ja schon an einigem in diesem Theater mitgearbeitet und manches mag man dann im Ergebnis, manches ist ganz ok, über manches spricht man nur noch nach viel Bier und manches ist wirklich toll. Antigone war toll. Eine (mich Buchbanause überraschende) gute Geschichte und ein paar Menschen, die sich sehr beindruckend da einiges aus dem Leib gespielt haben.

Apropos „aus dem Leib spielen“: Nicht versäumen möchte ich einen riesigen Dank an das Ensemble. Theaterproben sind gerne mal etwas echt intimes. Wenn man ausprobiert, wohin einen der Text und die Regieanweisungen führen und dabei vielleicht selbst überrascht ist, was aus einem rauskommt. Wenn man trauert, wütet, liebt, weil Regisseur und Text es einem sagen – Danke, dass ich immer dabei sein und es festhalten durfte!

Wo war ich? Ach ja: Last but absolutely not least war die Zeit für mich persönlich sehr großartig, denn: Ich war ja dorthin gegangen, um Bühnenfotografie zu üben. Schaue ich heute mit etwas Abstand über die 2914 Bilder, dann kann ich sagen: Ich habe viel geübt und dabei eine Menge gelernt.
Von daher würde ich mich freuen, wenn Ihr mir mal wohlwollend auf meine kleine Foto-Seite folgt und Euch dort die 18 best of 2914 anschaut. Hope u like it 2.


Über das Lernen.

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Also: Erstmal über mein Lernen. Das hier ist ja eines von diesen OldSchool-Blogs, da darf ich mit anekdotischer Evidenz kommen. Und auch mit Fachausdrücken direkt im ersten Satz.

Beginnen wir mit einem Geständnis: Ich kann nicht lernen. In der Grundschule flog mir alles zu und ich war Klassenbester und deswegen habe ich nie gelernt, zu lernen. Und deswegen habe ich meine Schullaufbahn dann auch mit dem schlechtesten Abi seit 10 Jahren (oder so) beendet. Danach bin ich dann noch komplett am System Uni gescheitert und dann hab ich mir selbst beigebracht, was ich heute tue.
(Was vielleicht ja bedeuten könnte, dass ich doch lernen kann?)

Seit ein paar Wochen lerne ich Englisch. Also genauer: Ich treffe mich einmal die Woche in einer Sprachschule mit (m)einer Lehrerin und wir reden eine Stunde über dies und das. Und wenn ihr auffällt, dass ich etwas falsch mache, dann reden wir darüber und sie zaubert Arbeitsblätter dazu aus der Tasche.
Nach längerem Überlegen war ich zu ihr gegangen, weil ich die kläglichen Reste meines Leistungskurs-Wissens so furchtbar … – na eben kläglich fand. Sie bestätigte mir B2-Niveau und verstand nicht ganz, was ich wolle – aber ich geh trotzdem und liebe jede Minute; oft ist die Stunde das Highlight meiner Woche.
Ich liebe den Input, ich liebe den konzentrierten Umgang mit einem Thema – ich schätze, ich liebe das Lernen.

Stellt sich ja die Frage: Wie kommt das denn jetzt?

Gestern saß ich in Aachen in einem Cafe und hörte zwangsweise das Gespräch am Nebentisch mit. Schnell war klar, dass dort zwei zukünftige Grundschullehrerinnen saßen. Die eine jetzt frisch, die andere schon ein Jahr im Referendariat.
Ich zitiere mal ein paar Gesprächsfetzen:

  • Schon anstrengend, jetzt nur noch sechs Wochen Ferien im Sommer zu haben. Sind denn wenigstens da auch wirklich Ferien oder will das Seminar dann noch was von uns? Ostern waren ja auch nur zwei Wochen in der Sonne, das reicht einfach nicht
  • Ach, ich hätte so einen tollen Flug nach New York gehabt, aber da wär ich am letzten Feriensonntag abends um elf zurück geflogen. Letztens hat schon wer im Seminar wegen Urlaub gefragt und die haben ganz komisch reagiert. Viel zu streng, man muss da offensichtlich echt immer hin, oder?
  • Aber ich muss dringend mal wieder nach New York. – Ja, Amerika ist so toll. Und so billig! – Die anderen sagen ja immer, Thailand wäre auch so schön, aber da ists ja arg fremd. Da sind bestimmt auch Tiere, so wie in Afrika. – Ja und auch die Menschen ganz fremd; ich war ja letztens in Rom, aber das ist ja schon ne andere Mentalität, das mag ich nicht so. Deswegen flieg ich ja nach Amerika, die sind so wie wir. – Ja, nur cooler! Hahaha …

Ungefähr da konnte ich meinen Drang, den Kopf auf den Tisch zu schlagen nur noch mit lästernden Tweets (Hashtag: #referendarinnenamnebentisch) bekämpfen und fasste schließlich meine Fassungslosigkeit zusammen:

Aber vielleicht beinhaltet diese Aachender Anekdote ja doch auch irgendwie die Antwort auf die Frage am Ende meiner Lern-Anekdote.
Oder, wie mal ein kluger Mensch sagte: „Wir müssen dafür sorgen, dass nicht mehr die schlechtesten, sondern die besten eines Schuljahrgangs den Lehrberuf ergreifen“ (An mitlesende Lehrerinnen: No offense intended)

Die beiden verabschiedeten sich dann übrigens voneinander, gingen auseinander, merkten, dass es die falsche Richtung war, drehten synchron um, dengelten zusammen und stellten dann fest, dass für beide die dritte Richtung die richtige wäre. Dann sagte das erste mal der Freund der einen was: „Pass aber auf, die A4 ist hinter dem Aachener Kreuz voll gesperrt“
Die andere (wie vorher erzählt in Aachen geboren und aufgewachsen): „Was ist denn die A4?“


Miles ahead

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Meine Vorliebe für die Musik von Miles Davis war hier ja über die Jahre schon das ein oder andere Mal Thema.

Für alle die, die gerne mal einsteigen würden, vor der schieren Größe des Gesamtwerks aber bisher scheiterten, gibt es jetzt praktischerweise einen Kinofilm. Schaut selbst:


Wenn die die Klassenfahrt sind, bin ich die Jugendherberge. Oder so.

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Einfach ist es, darüber zu erzählen, dass gestern Pia, serotonic und Johannes hier waren. Sie nannten es Klassenfahrt und schickten eine Threema (ja, ich nutze das noch) als sie im Rheinland losfuhren, sie schickten Nachrichten bei jedem Autobahnwechsel und ich schnibbelte vorfreudig derweil Gurken und Paprika, rührte Dips und Rührei.
Und als sie hier waren saßen wir ein paar Stunden um den Tisch und verputzten das alles und quatschten, als sähen wir uns täglich.

Oder, in anderen Worten: Wir hatten halt eine äußerst nette Frühstücksverabredung.

Etwas weniger einfach, vor allem im Jahr 2016, ist es, darüber zu erzählen, warum wir uns trafen. Warum sie gestern oder letztens ich uns mehrere Stunden durch ein paar der meistbefahrenen Autobahnkilometer Deutschlands quälen, um uns zu treffen.

Wir alle haben uns kennen gelernt, als Blogs noch etwas anderes waren. Johannes und ich kennen uns sogar seit 14 Jahren, wir alle zusammen saßen vor 10 Jahren das erste Mal an einem Tisch. Blogs waren damals kleiner und persönlicher, gleichzeitig vielfältiger als das, woran man heute denkt. Es gabe keine Strick-, Näh-, Crafting- und Mutti-Blogs, keine Business-, Medien-Watch-, SEO- und Vegan- oder andere Foodblogs. Heute bleiben meist alle in ihren eigenen Blasen bleiben und haben außerhalb wenig miteinander zu tun. Damals reichte es, ein Blog zu haben.
Denn wir schrieben all das auf einmal, unsere Blogs waren unsere Spielwiese, auf der wir das Internet ausprobierten, auf der wir uns selbst ausprobierten und gleichzeitig das Medium erfanden. Und egal, wohin unsere Reisen, wohin unsere Blogs und wohin wir uns entwickelten – die Blogs waren immer persönlich und ehrlich und es ging letztlich immer um den Menschen dahinter.
Und diese Menschen habe ich damals kennen gelernt, gelesen und dann auch mal getroffen. Ich kannte erst ihre Blogs und ich wusste, dass ich sie mögen würde, bevor ich sie traf. Wie Pia letztens schrieb: Sie …

sind Menschen, die mir sehr nah sind. Emotional. Vertraut. Ich glaube, sowas würde ich heute auf so einem Treffen mit lauter Fremden gar nichts mehr finden. Man musste schon diese eine besondere Schraube locker haben, um 2005 Tagebuch ins Internet zu schreiben. Unser gemeinsamer Nenner.

Heute versuchen Kommunikationsprofis oft ebenso verzweifelt wie erfolglos, ihren Kunden diesen Zauber zu erklären, den Blogs, vorher Foren und Mailinglisten und später jede andere Form von SocialMedia-Dings zu Beginn haben.
Aber während sie das versuchen, haben diese Menschen ihren Platz an meinem Herzen eingenommen und ich weiß sicher, die gehen da auch nicht wieder weg.

Auf die nächsten zehn, Ihr Lieben.


WMDEDGT April 2016

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WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

Sieben Uhr sieben
Ich wache auf. Also: Ich wache zum zigsten Male auf, den Dank eines Familienmitglieds, der gerne hin und wieder den 5.April dazu nutzt, per Brief seinen Hass über mir auszuschütten hab ich aus Angst miserabel geschlafen. Danke auch dafür.

IMG_5151Ich wache aber auch endgültig auf und stehe auf. Es knackt im Rücken, das muss das Alter sein.
Aber egal, als ich die Treppe runter komme steht da ein Kuchen! Mit Kerzen! Die Liebste hat für mich gebacken, denn heute werde ich … Fünf?? Naja, passten wohl nicht mehr Kerzen drauf :)

Außerdem habe ich heute Urlaub und die Sonne scheint es regnet nicht – das muss ja gut werden!

Zehn Uhr
Ups, da bin ich wohl noch mal eingeschlafen. Die kleine Schwester ruft an und singt mir ein Lied, das ist toll.
Draußen ists grau, es lohnt also überhaupt nicht, da raus zu gehen. Fürchte, ich werde diesen Tag mit einen PS-Controller in der Hand vor dem Fernseher verbringen – was man halt so tut, wenn man 44 ist.
Mal sehen, vielleicht kann ich Euch auch gleich erzählen, dass ich den Bass weiter gebaut habe – drückt Euch und meiner Motivation die Daumen.

Zwanzig nach zwei
Da ich im Moment an der Foto-Challenge 11 Wochen teilnehme, war ich ein bisschen in der Stadt unterwegs, um mich für das Thema dieser Woche umzuschauen. Es lautet „Der hässlichste Ort meiner Stadt“ und es fällt mir natürlich so viel dazu ein. Nehme ich eine der abgerissenen Fabriken? Die vielen leerstehenden Läden der Fußgängerzone? Werde ich metaphorischer und fotografiere meine alte Schule oder das Fraktionszimmer der CDU? Hach, so viele Ideen.
Dummerweise kam ich nicht sooo weit, denn es begann zu regnen. Also so richtig. Das macht zwar alles noch viel hässlicher, aber das war vermutlich nicht der Sinn der Sache.

25653022164_45a15a5252_mUps. 5 nach zwölf
Weil der Tag so doof war, beschloss die Liebste: „Du hast soviel gearbeitet und hast es verdient, wir fahren jetzt nach Dortmund und Du kaufst Dir das iPad.“ Und wer wäre ich, ihr zu widersprechen.
Wir stellten uns also in den Stau nach Dortmund, hielten noch kurz am Nähparadies, liefen zum Apfel-Dealer und … der hatte keine iPads mehr da. Hmpf.
Aber Sushi, Sushi gabs noch. (Nein, nicht beim Apfel-Dealer)

Ich machte noch ein Bild vom Abendsonnen-beschienenen Florian und wir fuhren nach Hause.
Gerade angekommen klingelte das Telefon und eine liebe Freundin sang mir erst ein Lied zum Geburtstag um danach die nächsten zweieinhalb Stunden durchzuquatschen. Das war ein schönes Ende für den Tag.

(to be continued)


Twitter-♥ im März 2016

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Die gute Anne sammelt wieder alle unsere Twitter-Liebe. <3, Anne!

Wie immer mit „was zum Lachen“, „was zum Nachdenken“, was Klugem und erschreckend vielen Bildchen. Dieses Web wird doch noch ein Multimedia-Medium.


ÖPNV auf dem Land

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Seien wir realistisch: Die meisten Blogs werden von anderen Bloggern (Twitterati, crazy Internet-People) gelesen und die leben zu einem Großteil in der (Groß-)Stadt.
Liest man also in Blogs etwas über Autos und den öffentlichen Personennahverkehr, dann liest man „versteh ich nich, wozu man ein Auto braucht“, „man kann doch alles mit dem Bus oder Zug machen“ oder ähnliches.

Wenn ich erwähne, dass wir zu zweit zwei Autos haben, dann hat auch schon mancher mal ein bisschen die Augenbraue hochgezogen.

Ich erzähl Euch mal ein bisschen was.

Als ich mit drei in den Kindergarten kam, musste ich zum Kindergarten den Bus nehmen. Der Bus war ein Schulbus, wir hatten feste Plätze und der Fahrer kannte uns. Das war super.

Mit sechs war ich umgezogen und wohnte auf DEM Dorf.

Zum nächsten Ort und damit zur Grundschule fuhr sechsmal am Tag ein Bus, netterweise exakt passend jeweils im 45-Minuten Abstand. Und dann nochmal einer nachmittags gegen vier.

Mit zehn wollte ich aufs Gymnasium; das Gymnasium lag in der anderen nächsten Stadt.
Der Bus dorthin verließ das Dorf morgens um 6.55 Uhr, um 3 Minuten nach 7 stieg ich im Nachbarörtchen in die nächste Linie um, um 7:18 Uhr war ich in Menden. Selbst wenn ich schlenderte (wozu man je nach Wetter ja auch nicht immer Lust hat) war ich um 7:40 in der Schule. Ging ich normal um 7:33Uhr, da war die Schule meist noch nicht auf. Machte mindestens zwanzig, später 25 Minuten Warten auf den Unterrichtsbeginn.
Begann mein Unterricht erst zur zweiten oder dritten Stunde hatte ich Pech.

Die fünfte Stunde endete um 12:25 Uhr, der Weg zur Bushaltestelle dauerte 15 Minuten. Die Anschlusslinie ins Dorf fuhr um 13:30 Uhr im Nachbarörtchen ab. Bedeutete, dass ich 30 Minuten in der Stadt rumhängen musste. Oder im Nachbarörtchen. Beide hatten ab 12:30 Uhr die Läden zur Mittagspause geschlossen.

Die sechste Stunde endete um 13:15 Uhr. Wer aufmerksam mitgerechnet hat, der weiß: Unerreichbar. Der nächste Bus ins Dorf fuhr um 17:45 Uhr. Also hat mich bis zur achten Klasse meine Mutter mittags abgeholt.

Hatte ich nur drei oder vier Stunden, dan kam ich mit dem Bus wenigstens bis ins Nachbardorf, von dort konnte man zu Fuß in guten 20 Minuten (weils so fuckin’ steil den Berg raufging) ins Dorf kommen. Wenn man Glück hatte, kam wer vorbei und nahm einen mit.

Als ich in die fünfte Klasse kam, war die nächst-ältere Gymnasiums-Schülerin in der elf und ging dann ab.
Als ich in die sieben kam, kam der nächst-jüngere nach, im Jahr danach dann sogar nochmal drei.
Eine der drei hatte einen energischen Vater, der der örtlichen Verkehrsgesellschaft erklärte, dass man die Kinder nach der sechsten nicht immer abholen könne und ab der neun gab es dann einen Einsatzwagen. Der fuhr um 13:28 ab. (Wir erinnern uns: Schul-Ende 13:15, 15 Minuten reguläre Wegzeit. Ich war also ganz gut zu Fuß damals, trotzdem konnte einen so ein lehrertypisches „ich bestimme, wann die Stunde zu Ende ist und nicht die Klingel“ schon ganz schön ins Rennen bringen.

Wollte ich nachmittags Schulfreunde besuchen, musste ich direkt zum Mittagessen mitfahren. Will auch nicht jeder. So etwas wie ein spontanes Treffen nachmittags in der Eisdiele gab es für mich nicht.
Und auch wenn Eltern einen prinzipiell immer fahren würden, so möchte ein Teenager vielleicht manchmal auch nicht fragen oder diskutieren müssen, ob „Da treffen sich alle. Ja, alle halt.“ ein valider Grund für einen Erwachsenen ist, den Wagen zu starten.

Das Dorf war sicher sehr, sehr krass, aber als wir älter wurden und auch einmal abends etwas unternehmen wollten, da war ich zum einen wieder außen vor, denn der dritte Bus am Tag, der zum Dorf fuhr war dann auch der letzte. Aber auch die Freunde aus den andren Städtchen drumherum mussten sich abends um zehn vor zehn überlegen, ob sie jetzt die letzte ÖPNV-Möglichkeit in Anspruch nahmen oder ob der Abend so gut war, dass man durchmachen würde.

Ich kannte Mitschüler, die hatten es schlechter. Die mussten zur Haltestelle erst noch zwanzig Minuten laufen.

Ich will auch nicht über meine Jugend jammern, jedenfalls nicht hier. Was ich möchte ist: Einmal schildern, was für Dinge auch Realität sind. Man übersieht das Leben auf dem Land gern, wenn man in einer Stadt lebt, ich verstehe das. Aber ein Drittel aller Deutschen, sogar mehr als ein Drittel der Deutschen mit Kindern möchte gerne auf dem Land leben.
Und das bedeutet neben vielem anderen eben auch eine Entscheidung für schlecht ausgebauten ÖPNV und eine klare Entscheidung für ein Auto für jedes Familienmitglied über 17.

Und für alle andern bedeutet das: Ups, da gibts mehr Einschränkungen als dass die 315 ab acht nur noch alle zehn Minuten fährt.


Schutzengel galore.

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Wisst Ihr, mir fällt es ja so schwer, regelmäßig tagebuchzubloggen, weil da meist stände: „Bin ins Büro gegangen, habe programmiert, es gab etwas zu essen“

Aber wenn mal etwas anderes geschieht, dann will ich das ja auch gerne erzählen.

Gestern zum Beispiel begann eher doof. es war so gegen fünf, als ich wach genug war um festzustellen, dass die doofen Kopfschmerzträume keine waren, sondern eine mittelsolide Migräne. Solide genug, um die Augen nicht aufzukriegen, nicht schlimm genug, um den Mageninhalt nicht behalten zu wollen, wenn Sie wissen was ich meine.

Ich bleib also im Bett und hatte Glück, es wurde über den Vormittag langsam erträglicher.

Dafür rief die Tierärztin an. Wir hatten vorgestern neue Herztabletten für das Katz bestellt. Sie teilte uns mit, sie könne die wohl bekommen, aber es gäbe da ca zwei Wochen Lieferzeit. Ach?, wenn wir jetzt nur noch bis zum Mittwoch Abend welche hätten, dann müssten wir sie wohl in Duisburg abholen, da hatten wir sie auch her. Hurra.

Naja, der Kopf war frei genug um guter Hoffnung zu sein, also ab auf die Bahn, einmal quer durch das komplette Ruhgebiet. In Duisburg die Tabletten geholt, der Uschi gesagt, dass sie mich wieder nach Hause führen soll, ab auf die Autobahn und rein in den Stau.
Ich stop-and-go-te mich durch die ersten Kilometer und rein in irgendein Kreuz. So eines von den großen im Ruhrgebiet, wisst Ihr? Rechts ne Wand, links ne Wand und dazwischen kommen 4 oder 5 Spuren zusammen. Uschi sagte mir, ich solle sofort wieder rechts rausfahren, also stand ich rechts an der Wand. Fuhr wieder 5 Meter, stand wieder und hörte links ein komisches Geräusch, als ob ein Blech gebogen wird.
Guckte mich um und es war ein Blech, genauer: Meine linke hintere Tür, die gerade von einem LKW eingedrückt wurde. Fand ich doof, so mit der Mauer rechts erst recht, aber mit beherztem Gasgeben kam ich noch raus. Hmpf.

So hab ich dann also die nächsten zwei Stunden auf dem nächst erreichbaren Standstreifen in einem Duisburger Autobahnkreuz verbracht, habe die Polizei gerufen und konnte (Navigationsystem sei Dank quasi überhaupt nicht erklären wo ich war – dass 50m weiter die Kollegen eine Blitze aufgebaut hatten hat mich dann da gerettet). Habe gewartet und hin und wieder mit dem des Deutschen voll nicht mächtigen polnischen LKW-Fahrer sowas wie „yes, we are waiting really long“ ausgetauscht, hatte Glück, dass seine Skizze den Polizisten exakt das beschrieb, was ich auch sagte, nämlich: „Ich stand, er fuhr rein“. Und bin jetzt im Besitz eines unfassbar liebevoll ausgefüllten Unfallberichts, einer polnischen Versicherugskarte und werde ehrlich gesagt gleich versuchen, als Leihwagen irgendetwas mit einer kleinen S-Applikation im Kühlergrill zu bekommen.

Und ich weiß, dass ich in Relation zu den beteiligten Einzelzutaten „Unfall auf der Autobahn“ und „Unfall mit Sattelschlepper“ einfach ganz, ganz unfassbares Glück gehabt habe.

Ich beschließe, dass man in einem normalen Autofahrerleben statistisch einen Unfall mit einem Laster auf der Bahn hat und bin jetzt sehr beruhigt.

Wie gesagt: Wenn mal was los ist, dann blogg’ ich das ja auch gerne.