Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Und wieder ist einer der Tage, wo man überlegt, ob man hier einfach so bloggen kann, ob man einfach hier Dinge ins Netz schreiben kann.

Viel war es eh nicht, diese Woche. Zum einen ging es um Empathie, ein nie falsches Thema. Wie sie entsteht, warum sie manchen fehlt. Das sind ja nicht unwichtige Fragen dieser Tage. Nein, nicht dieser Tage, das ist eigentlich immer interessant. Empathie können wir alle nie genug haben.

Und zum anderen fand ich einen netten kleinen Artikel, der auch für Anfänger erklärt, wie man auf dem Laternen- (oder: St. Martins-Umzug, wie er Säkularisierung-hin-oder-her mancherorts immer noch genannt wird) schöne Fotos hinbekommt. Jetzt ist der Umzug zwar schon rum, aber dunkel ists immer noch und Kinder bleiben ja auch meist noch ein paar Jahre länger. Also ruhig mal reingucken.

Aber je länger ich hier tippe: Ich mag nicht in Angst erstarren. Ich glaube, dass das stärkste, was man Terror entgegensetzen kann, keine-Angst ist. Also hinaus in die Welt, mit meinen kleinen Links hier.

Warum ich manches, was im Moment so auf mich einprasseln möchte nicht an mich heranlassen kann, hat Patricia in einem Satz perfekt zusammengefasst: Ich will aber nicht handlungsunfähig sein, ich will meinen Teil zu einer besseren Welt beitragen, egal wie verschwindend winzig und am Ende lächerlich er sein mag.

Und darüber hinaus sage ich nichts, ich weiß nichts zu sagen. Wenn überhaupt wüsste ich was zu fragen, aber alle Fragen hat Jan Böhmermann schon gestellt. Ich schließe mich da an.


#12 von ach

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Seit Monaten beobachte ich, wie Menschen, die ich gerne habe auf instagram am zwölften eines Monats #12von12 spielen. Das heißt, sie posten über den Tag hinweg 12 Bilder, die ihren Tagesablauf ein bisschen dokumentieren.

Und da ich ja alles mitmache, mache ich auch bei #12von12 mit. Schon seit Monaten. Also theoretisch. Ein paar Monate lang habe ich jeweils abends am 12. festgestellt, dass ichs wohl verpasst hatte. Am 13.10. bin ich dann auf die kluge Idee gekommen, mir einen Kalendereintrag anzulegen. Mit Erinnerung am Vorabend und einer Erinnerung am Morgen.

Heute Morgen also: Pieppiep.

Aber ich lag ja noch im Bett und mochte nicht wach werden, auch wenn Frau und Katz schon lustig rein und raus wechselten.

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Naja, einschlafen ging nicht mehr, also bin ich eine Treppe hochgestiegen und habe mich in den Codeflöz begeben. Ich kann das prima, coden bevor ich das erste Wort gesprochen habe. Mein Kopf läuft dann im Automatik-Modus und ich hab im Moment so furchtbar viel zu tun, da kann ein bisschen Automatik-Modus nicht schaden.

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Ein bisschen später kam die Sonne raus und ich saß immer noch im Codeflöz. Ob ich schon wieder meinen Bildschirm fotografiere?
Auch auf Twitter teilte man meine Bedenken.

Aber dann kam zum Glück die Sonne raus. Da konnte ich ja die Tageslichtlampe ausmachen. Wie gehaltvoll.

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Ich habe dann noch ein bisschen gecodet und dann Mittagspause gemacht. Zum Glück für mich gibts auf Netflix ja die Kinderecke und Tim und Struppi sind exakt mein Niveau wenn ich aus dem Codeflöz komme.

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Und dann fand ich meinen nicht-das-Haus-verlassenden Arbeitsalltag so unfassbar langweilig, dass mein Dünndarm mir signalisierte, dass er hochkommen und mich erwürgen würde, wenn ich mit diesem Scheiß weiter machen würde.

Sorry, schöne Aktion aber in Zukunft leider ohne mich.


Wer Dummes tut

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Wisst Ihr, welchen Satz ich so richtig nicht mehr hören kann? „Dumm ist, wer Dummes tut“ – genau den.

So ein Totschlagargument. Jemand macht was blödes, also ist er blöd. Fertig. Muss ich mich nicht mehr drum kümmern, der ist ja blöd. Ist zu schnell Fahrad gefahren und liegt jetzt auf der Straße? Ach, selbst Schuld, war ja selbst blöd. Hat während der Arbeitszeit zu oft auf facebook rumgehangen und bangt jetzt um seine Stelle? Egal, selbst Schuld, ist ja blöd. Steht auf der Straße und schreit was von Lügenpresse? Muss ich mich nicht mit beschäftigen, ist ja dumm.

Man sagt: Der ist blöd, und praktischerweise gibt einem so eine ergriffene Deutungshoheit ja auch die Chance, schnell weitere Definitionen festzulegen. Man sagt also auch: Ich bins nicht (Ha, gerettet!) und fertig.
Es kotzt mich an. Es ist überheblich, es ist arrogant, es dient nur dazu, fix einen Status festzulegen und eine Diskussion zu beenden. Und es ist: Dumm. Tja.

Arm hoch, wer noch nie was dummes getan hat. Na? Noch nie mit einem Bierchen zuviel Auto gefahren? Noch nie außerhalb der Beziehung mal ein Mississippi zu lang geguckt? Noch nie kurz verunsichert gewesen, weil der Türke so düster guckte? Noch nie in der Kaffeeküche über den Chef gelästert? Noch nie die 500 Meter ohne Gurt oder Helm gefahren? Noch nie ohne Quellencheck einfach was bei facebook geteilt? Zu lange mit dem Arztbesuch gewartet? Das aber wirklich allerletzte Bier bestellt? Einfach kurz geschwindelt, um jetzt nicht länger bleiben zu müssen, obwohl es garantiert am nächsten Morgen auffliegt? Doch die Pizza bestellt, obwohl dann wieder die halbe Nacht Sodbrennen droht? Die Liste ist unendlich …
Also nochmal: Arme hoch – wer hat noch nie was dummes getan? Ach guck, das bleibt ja überschaubar.

Jede und jeder hat schon mal was Blödes getan und kann noch viel blöderes tun. Wenn wir behaupten, dass es nicht so ist, dann sind wir noch nie außerhalb des innersten Kerns unserer Komfort-Zone gewesen. Innerhalb dieses Bereichs mag es einfach sein, keine Fehler zu begehen. Aber wir Menschen schleppen ein Jahrtausende lang trainiertes Stammhirn mit uns rum und es gibt Dinge, die uns genau da kitzeln. Wenn Lust, Trieb, Furcht oder auch nur Bequemlichkeit getriggert werden, dann übernimmt manchmal ein Teil des Hirns die Kontrolle bevor wir auch nur den Mund aufgekriegt haben, um „ja aber“ zu sagen. Das ist menschlich.

Wir sollten uns das eingestehen. Kann jedem passieren.

Aber wir sind – wie gerade schon gesagt: Menschlich. Wir tragen auch ein paar immerhin schon viele Jahre, teils auch viele Jahrhunderte trainierte Errungenschaften mit uns herum, die das Zusammenleben einfacher machen. Zivilisation halt. Haben Regeln gelernt, die manches Verhalten bestrafen.
Pizza am Abend: Sodbrennen in der Nacht.
Flirten in der Beziehung: Schlafen auf der Couch.
Facebook auf der Arbeit: Gespräche mit dem Chef.
Und so weiter. Alles passiert trotzdem. Manchmal gehts gut, manchmal gibts kein Sodbrennen, keine Abmahnung und keinen schiefen Haussegen, manchmal nicht.

Worauf ich raus will: Fehler sind menschlich, die können passieren. Menschlich zu sein heiß auch: Tolerant zu sein, verzeihen zu können.
Ich will – bevor das hier jemand rauslesen möchte – keineswegs die gesellschaftlich anerkannten Strafmechanismen in Frage stellen. Fahren ohne Gurt: Dreißig Euro, Pizza nach acht: Sodbrennen: nicht unter drei Stunden, Totschlag: Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren. Alles gut und richtig.

Aber: Fehler sind – ich sagte es schon ein paar mal – menschlich und wer einen Fehler macht, der ist immer noch ein Mensch. Und nicht nur noch über eine dumme Tat definiert. Oder in anderen Worten: Da hat jemand was dummes getan, aber: er. ist. nicht. dumm.
Ich weiß, das ist jetzt unbequem, jetzt muss man sich mit allen, die einem querkommen auf einmal mehr auseinandersetzen. Aber ich bleibe dabei. Wer dummes tut, der tut dummes.

Und nur wer dumm ist, ist dumm, aber das ist eine andere Geschichte.

Und im zweiten Teil der Geschichte sprechen wir dann über die anhängigen Themen: Resozialisation, Umgang mit Scheitern und gescheiterten, Aufarbeitung der Nazizeit und gerne auch noch mal Pizza nach acht.


Sagense mal, Du, äh … sag mal, Sie …

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Stoße ich doch gerade auf diese kleine Gewissensfrage in der SZ: Wenn aus den Kindern Erwachsene werden – muss aus dem »Du« ein »Sie« werden? Und wenn ja, wann – und warum? und erinnere mich an eine lustige Geschichte, die mir so mit knapp 20 passiert ist.

Damals – das war ja vor dem Internet – fuhr ich Botenfahrten für die Werbeagentur unserer Nachbarn. Ich hatte einen Kombi und recht flexibel Zeit und zahlte weder Steuern noch Versicherung – sie zahlten den üblichen Kilometersatz. Oder, in anderen Worten: das war eine ziemliche Win-Situation für mich. Meist fuhr ich Druckvorlagen, manchmal auch frisch gedruckte Prospekte – immer frühmorgens am zweiten Messetag von der Druckerei zur Messe. Aber das ist eine andere Geschichte.

Da ich die beiden schon ewig kannte, duzten sie mich und ich siezte sie. War halt so.
Da ich mal ein Praktikum in der Agentur gemacht hatte, duzte ich mich mit den Mitarbeitern.

Nur einer, der, der auch auf einem eigenen Büro bestanden hatte, den kannte ich nicht von früher, mit dem hatte ich auch bisher nie mehr Kontakt gehabt, als ein freundliches „Guten Tag!“, wenn ich an der angelehnten Bürotür vorbeikam. Und dann rief der mich an, um eine weitere Tour zu irgendeiner Messe mit mir zu besprechen. Nennen wir ihn mal Max Muster.

Er: Hallo Christian, wir hätten mal wieder eine Fahrt für Dich. Könntest Du morgen was von Werl nach Köln fahren?

Ich: (gedanklich, ach guck, wir duzen uns, wie nett): Hallo Max! Ja, das ginge, wann solls de…

Er, mich ruppig unterbrechend: Entschuldigung, aber ich denke, es wäre angemessen, wenn wir beim Sie blieben.

Ich: (gedanklich: ??): Ups, sorry. Also, hallo Herr Muster, ja, das ginge, wann solls denn sein?

Er: Ziemlich früh, kannst Du um sechs bei der Druckerei sein und dann direkt nach Köln fahren?

Ich (gedanklich das Du sehr wohl registrierend): Ja klar, kein Ding. Sagst Du mir die Adresse der Druckerei und krieg ich dann von Dir einen Aussteller…

Er, mich ruppig unterbrechend: Entschuldigung, aber ich denke, es wäre angemessen, wenn wir beim Sie blieben.

Ich (gedanklich: ach guck, ein Arschloch): Aber gerne. Sagen Sie mir dann die Adresse der Druckerei und krieg ich von Ihnen einen Ausstellerausweis, damit ich aufs Messegelände komme?

Er: Ja sicher, den kannst Du Dir gleich noch abholen.

Ich (gedanklich mit viel Freude an dem Spiel): Das ist ja prima von Dir, dann komm…

Er, mich brüllend unterbrechend: Ich denke, es wäre angemessen, wenn wir beim Sie blieben.

Ich: Gerne, wenn dann auch wirklich wir beim Sie bleib …

Er, mich wieder unterbrechend: Das ist ja wohl was anderes!

Ich: Ach so, Herr Muster.

Er hat den süffisanten Tonfall, den ich jahrelang an meiner katholischen Privatschule perfektioniert hatte nicht gehört. Und wie steht es so schön bei der SZ: Wie sollte man sich dazu verhalten, wenn Erwachsene damit weitermachen? Am besten so, wie man sich allgemein verhält, wenn sich jemand unhöflich benimmt: Man denkt sich seinen Teil.

Das hab ich dann auch getan. Wenn ich nicht vollkommen falsch liege war das dann auch der Typ, der ein paar Jahre später versucht hat, mit allen Kunden abzuhauen. Hat mich nicht so überrascht.

Ich duze übrigens gerne. Menschen, die im Status über mir stehen, merken auch so, dass ich das weiß.


Charlotte Roche: Mädchen für alles

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IMG_4719Ich muß vorweg schicken: Generell blicke ich mit großem Wohlwollen auf das, was Frau Roche so tut. Ich besitze einen Genesungswunsch von ihr und warte immer noch darauf, dass Herr Böhmermann gesteht, dass seine Show und Dendemann und Twitter und alles gar nicht wahr ist und Frau Roche mit einer neuen Show um die Ecke kommt – obwohl ich bei letzterem langsam ahne, dass es nicht mehr passieren wird.

Naja, das war dann also die Vorraussetzung, als die Liebste aus der Bücherei zurückkam und ein Buch von Frau Roche mitbrachte.
Außerdem, die treue Leserin könnte es wissen, bin ich grundsätzlich dafür, Tabus zu brechen. Der Satz „aber da spricht man doch nicht drüber“ hat vermutlich schon mehr Teenagern schlaflose Nächte bereitet als das Wissen darüber, dass Küsse schmatzen können und Sex riecht.

Manche Leserin mag ja vermuten, dass Frau Roche nur für diesen Tabubruch schreibt. Ich persönlich glaube das nicht; ich glaube, dass sie eben nur tabulos ihre Geschichten schreibt.

Was für eine Geschichte also?
Chrissi, die Hauptperson der Geschichte ist in der Vorstadthölle gefangen. Mann, Kind, Haus, kein Job mehr, keine Party mehr – sieht man von der Hochzeitsfeier des kleinen Bruders ihres Jörgs ab, die gerade durch ihr Haus tobt. Es muss sich also was ändern und damit sich was ändert, holt sie sich ein Mädchen für alles ins Haus. Also wirklich für alles.

Hab ichs gemocht?
Ich habs in einem Rutsch durchgelesen, ich wollte wissen, wie Chrissi damit umgeht, ob sie aus der Vorstadthölle raus kommt. So ab der Mitte merkt man, dass Chrissi ziemlich abdreht und das hat einen ganz hübschen Sog. Und das Ende fand ich erst doof und dann hab ich angefangen drüber nachzudenken und das war ganz lustig und ist noch nicht beendet.
Ich glaube also, ich fands ziemlich prima.

Ist es ein Skandalbuch?
Nö. Wenn man schon mal Sex hatte und weiß, dass feuchte Geschlechtsorgane Geräusche machen können, dann nicht. Wenn man das zwar weiß aber nicht wissen will, dann wird man allerdings auch irgendwie enttäuscht sein, dafür gibts nicht genug Sex um sich wirklich aufzuregen.

Das Buch kann man zB hier bei amazon kaufen. Ich krieg dann ein paar Cent ab.

Und während des Lesens dachte ich ständig an dieses kleine Lied von Frau Dico, in dem sie eine ganz ähnliche Situation erzählt: „The silence in your house and in your head and in your heart is so loud
Naja, vielleicht mit einer anderen Wendung.


Woanders

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Überraschenderweise hat sich weder die Situation in Syrien noch die Stimmung in Deutschland in der letzten Woche um 180° gedreht und so so können wir uns weiter um die verschiedensten Aspekte deutscher Fremdenfeindlichkeitskultur Gedanken machen.

Eine Aussteigerin erzählt, wie es bei den Nazis so ist. Also nicht bei denen, die wir aus dem Fernsehen kennen, bei den Jugend-Cliquen mit Spingerstiefeln, Rockmusik und Bier, sondern bei den Nazifamilien. Bei denen seit Generationen die alten Ideale hoch und die Kinder klein gehalten werden. Das ist gruselig, das möchte man gar nicht wissen. Ups, so haben wirs ja mit den Nazis immer gemacht. Hm …

Sascha Lobo hingegen nimmt einen Faden auf, den ich Anfang der 90er in einem vollkommen anderen Zusammenhang beim damals sehr bekannten Rödelheim Hartreim Projekt fassungslos beobachtete: Da war ein Rapper, dessen ganze Attitüde daraus bestand zu sagen „Ey Alter, wenn Du mich Scheiße behandelst, dann schlag ich halt zurück“. Das Problem war damals schon: Niemand behandelte ihn schlecht. Die Beats waren zwar die fettesten damals erhältlichen, aber das hab ich nie begriffen. Andere aber anscheinend schon. Wahrscheinlich nicht vom RHP ausgehend aber trotzdem gründlich hat sich diese Haltung verbreitet, meint Sascha.

Toleranz, Empathie oder sogar Großzügigkeit haben in diesem Denken natürlich immer noch Platz, aber … (nach Belieben: „Man wird doch wohl mal sagen dürfen“ / „Irgendwann ist auch genug“ / oder ähnliches einsetzen). Und das nicht nur bei Ausländern, Schwulen, Frauen, Grünen, Genderforscherinnen oder ähnlichem – nein: Eigentlich wird erbarmungslos mindestens verbal auf alles eingedroschen, was nicht bei drei den „Du hast Recht“-Daumen geklickt hat. Meint zumindest Mirna Funk und ich erkenne in ihrem Text vieles aus meinem Alltag wieder.

Aber was tun? Kann man wirklich Millionen Menschen so einfach aufnehmen, verwalten, sortieren, ihnen vernünftig Hilfe zu kommen lasssen oder ist das eben auch einfach eine sehr, sehr große Aufgabe? Wir habens aber auch wirklich nicht leicht mit dieser großen Aufgabe, da hat man sich sein Feierabendbier auch mal verdient. Oder? Mely Kiyak sieht das anders und wirft einen Vergleich in die Runde, über den man mal einen Moment nachdenken kann. Vielleicht bei einem Teller Köttbullar.

Wahnsinn das alles; kommen wir zu anderem Wahnsinn. (Ja, das macht 5€ in die Überleitungskasse – aber wie soll man denn auch wegkommen von diesem Thema?)
Trotzdem: Schule in Deutschland – auch so ein Wahnsinn. Übrigens auch einer, bei dem man eine Menge oben schon angerissener Muster finden kann: Die Bildungsopfer, die sich wehren, die unbarmherzig kämpfenden Eltern – da findet man viel wieder. Vielleucht haben wir ja gar kein Flüchtlingsproblem in Deutschland, vielleicht haben wir ja überhaupt ein Problem?
Schule also. Denkende digitale Menschen finden sich da auf einmal in einer Situation wo sie mit dem Wort „Handyverbot“ konfrontiert werden. Äh? Warum??
Denkende digiale Menschen wissen: Weil das Handy alles umwirft. Also, ich find so ein Handy ja auch echt praktisch, aber …

Zum Schluss – in diesem ganzen Zusammenhang fast versöhnlich trivial aber irgendwie auch total bekloppt: Anne war Einkaufen, sie hat eine Tasche gekauft. Auch nicht so einfach, wie man denken könnte.

Mein Lieblingslied in der letzten Woche war tatsächlich Kayleigh. Ich hatte da so einen retro-Flash.
Die war damals so schön, die Kayleigh in dem Video – was macht die wohl heute? Ah, auch geschieden und die Tochter ist Model. Wie überraschend.


Mockingjay im Sauerland

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Wir schreiben das jahr 2015. Die ganze Welt befindet sich im Mockinjay-Fieber. Die ganze Welt? Nein, eine kleine Stadt im Sauerland wehrt sich standhaft gegen den Hype. Und das Leben ist nicht leicht für Christian …

Nachdem wir für das Double-Feature in unserem Lieblingskino leider schon zu spät waren, war ich gestern im Mendener Kino um zu fragen, ob sie Mockingjay II auch in der Preview zeigen. Das wäre dann nämlich genau der Liebsten ihr Geburtstag und eine schöne Möglichkeit, diesen zu verbringen – so hatte sie gesagt.

Ich betrete den kleinen Eingangsbereich. Hinter der Theke eine Frau, telefonierend und ein Kind das so aussieht, als dürfte es noch nicht arbeiten eine junge Frau, die sich sehr, sehr gut gehalten hat.

Ich: Guten Abend. Ich wollte fragen, ob Sie Mockingjay auch in der Vorpremiere zeigen?

Frau 2: Was?

Ich: Mockingjay. Hat ja am 19. Bundesstart und viele Kinos haben schon eine Vorstellung am 18.?

Frau 2: Mockingwas?

Ich (etwas erstaunt, wie man als Kinofachverkäuferin dem Hype entkommen konnte): Tribute von Panem?

Sie: Was?

Ich: Jennifer Lawrence? Der vierte Teil?

Sie (rettet sich in …): Weiß nicht. Das weiß die Kollegin (und zeigt auf die telefonierende Kollegin).

Wir gucken beide die Kollegin an, die die ganze Zeit laut sehr offensichtlich privat direkt neben uns telefoniert.

Kollegin erschrickt, zeigt auf den Hörer und geht ein paar Schritte weg.

Ich seufze, lehne mich an die Theke und warte. Schaue hoch und sehe an der gegenüberliegenden Wand in zwei Meter Größe Frau Lawrence mit einem Pfeil auf mich zielen. Ein schöner Anblick. Darunter ein Schild: „In Vorbereitung“. Aha.

Hinter mir wird verabschiedet und aufgelegt. Ich drehe mich wieder rum: Guten Abend. Ich wollte fragen, ob Sie Mockingjay auch in der Vorpremiere zeigen?

Frau 1: Panem?

Ich: Jup.

Sie (lässt die Augen hektisch durch den Raum gleiten und entdeckt einen Flyer auf der Theke): Ja, der hat ja am (blättern … ah! gefunden! stolzer Tonfall) 19. Bundestart.

Ich: Ja, ich weiß. Ich frage ja nach einer Vorpremiere, das gibts ja oft. Das wäre dann der 18.

Sie: Hm. (Schaut auf einen Computerausdruck an der Wand, auf dem das Programm der laufenden Woche steht.) Also diese Woche läuft er nicht. Hier steht, was diese Woche läuft.

Ich: Ja, aber das wäre ja übernächste Woche …

Sie: … und das steht hier nicht.

Frau 2: Wo issen der Mart…

Frau 1 (unterbricht sie): Weiß nich.

Ich: Kann ich den Martin vielleicht mal anrufen, wenn der Bescheid weiß?

Sie: Ja genau, am besten Sie rufen dann mal an. Am 18. oder 19. Dann wissen wir ja, ob der läuft.

Ich: Am 18. oder 19. frage ich dann, ob Sie die Vorpremiere zeigen und bestelle Karten vor?

Sie (stolz) Ja genau, so gehts am besten.

Ich fürchte, sie hat den sarkastischen Tonfall nicht bemerkt, mit dem ich mich bedankt und verabschiedet habe.
Aber vielleicht war die Geschichte ja immerhin dafür gut, dass Ihr jetzt wisst, warum ich nicht mein local cinema supporte und 35 Minuten Fahrt auf mich nehme, wenn ich mal ins Kino will.

Mein Lieblingskino 35 Minuten Fahrt entfernt ist übrigens eher kleiner als das in Menden. Und Altena ist – verzeiht, liebe Altenaer – noch mehr am Arsch der Welt. Trotzdem ist das Kino dort um Klassen besser, quatsch: Um Ligen … nee, das ist ein anderer Sport. Die wissen da Bescheid, es gibt gemütliche Sitze, Höckerchen zum Füße hochlegen, Kissen auf den Sitzen, einen Schrank mit Kuscheldecken, eine reichhaltige Essens- und Getränkearte und zwei volldigitale Surroundsound-Hyper-Dingsbums-4K-Säle. Man dankt es ihnen damit dass die Besitzerin nur lachen konnte, als wir vorgestern noch Mockingjay-Karten haben wollte. Aber für die StarWars-Premiere am 17.12. wären noch ein paar Karten da.
Eine Frage der Größe ist es also wohl nicht.


WMDEDGT November 2015

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WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

5:58: Ziemlich exakt um sechs aufgewacht. Aufwachen ist dummerweise im Moment immer der erste angstbesetzte Moment des Tages, denn vor knapp einer Woche hatte Joschka zwei sehr seltsame Krampfanfälle nach denen sie mit diversen Medikamenten vollgestopft wird. Diese bringen (und das wäre bei der Menge an lustig bunter Chemie bei mir genau so) ihren Magen arg durcheinander und so sind im Aufwachen die ersten beiden Gedanken: „Lebt sie noch?“ und „Hat sie gekotzt?“

Ersters mit „ja“, zweiteres mit „nein“ beantwortet. Das sind dann seit einer Woche die ersten 24h ohne Katzenkotze. Vorsichtig glücklich. Einen Moment noch mit ihr schnurrend (sie) froh (ich) im Arm im Bett gelegen, dann steht die Liebste auf und das Katz entdeckt, dass sie gerade vor Hunger stirbt. Ich entdecke, dass ich noch was schlafen könnte.

6:10: Dummerweise gucke ich vor dem Einschlafen noch kurz auf mein Handy (Kommt, das tut Ihr auch), entdecke, dass mein Hoster offensichtlich etwas geändert hat und auf einer meiner Seiten vor lauter Warnungen kaum noch Text zu finden ist und repariere schnell die Seiten. Schwups, ist es acht.
Jetzt aber noch mal schlafen.

8:03: Einschlafen klappt nicht mehr, dafür lerne ich auf irgendeinem öffentlich-rechtlichen Digitalsender eine Menge über den Alltag eines Rettungssanitäters.

8:45: Aufstehen? Auja: Baden. (Es tut mir übrigens leid, liebe Leserin, heute hab ich mir vollkommen Selbstständigen-klischeehaft einen day-off genommen. Sie müssen da jetzt durch)
Danach Frühstück und mal gucken.
Beim Frühstück pingt der neue „Neues aus der Zukunft“-Newsletter in die Mailbox. Nicht nur wegen der heutigen Überschrift „Die mit Herpes“ liebe ich diesen Newsletter sehr (er ist der einzige, den ich liebe). Er erzählt mir regelmäßig, was in der Welt der Wissenschaft geiles passiert ist – und warum es geil ist.
Warum ich alter Öko sowas lese? Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass so manches vergangene Jahrzehnt durchaus einiges zu blind technikggläubig war, aber dass wir heute ein echtes Problem haben. Wissenschaft findet in der Öffentlichkeit fast nur noch in Form von sarkastischen Sprüchen – „jaja, amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt“ statt – oder bei Galileo und darunter. Und das ist doof. Wissenschaftler denken differenziert während sie versuchen, die Dinge zu verstehen – und das beides sind Eigenschaften, die man heutzutage mal echt gut gebrauchen könnte.
Und – gebts zu: Wir alle lieben unsere antihaftbeschichteten Pfannen auf den Induktionsherden.
So lange es aber nicht nur ok, sondern fast schon hip ist, mit der eigenen Mathe- und Naturwissenschafts-Schwäche zu kokettieren während man dem gegenüber die Kommafehler im Geiste rot anstreicht wird das nix. Also: Go for MINT! und lest die Website und den Newsletter.

9:10: Ach vielleicht doch mal kurz an den Schreibtisch? Nur eben die beiden Mails schreiben. Und ganz kurz bei Twitter in das Thema einmischen.
Ach, wo ich hier doch gerade sitze, da könnte ich doch mal diese seltsame Fehlermeldung googeln, die gestern da im CMS erschien. Hm, das bringt ja auch alles nix. Ob ich wohl einfach das CMS fix neu installiere?
(Sie wissen schon, dass der letzte Absatz seine tiefe Ironie daraus bezog, dass es „fix“ oder „mal eben“ am Computer nicht gibt? Es ist jetzt elf zwölf Uhr.)

12:05: Ok, hier im Haus wird das nix mit dem day-off. Also ab zum Teich. Hübsch da, mit dem bunten Laub auf dem Boden. Gleich mal ein Foto machen, die 365-Tage-Challenge liegt ja momentan ziemlich am Boden.

Zum Mittagessen ein Blick in den Kühlschrank. Hm, ob sich aus Geschnetzeltem, Reis, Tomaten und Yoghurt was machen läßt? Mit viel Curry und viel Phantasie könnte es vielleicht leicht indisch schmecken?
Beim Essen ein Blick in den Fernseher und festgestellt, dass der Begriff „sexistische Kackscheiße“ offenbar nur für die ProSieben-HD-Werbung gemacht wurde. Ich fühle mich als Mann beleidigt und wie ich mich als Frau fühlen würde, darüber möchte ich gar nicht nachdenken müsssen.

14:50: Auf gehts zum Tierarzt, neue Entwässerungstabletten holen. Wir hoffen, dass sie die besser verträgt, sonst werde ich wohl lernen müssen, meiner Katze Spritzen zu setzen. Ich denk einfach noch nicht drüber nach.
Dann die Liebste von einer Tagung abgeholt und direkt durchgefahren zur Sneak-Preview vom neuen Bond. Um nicht zu spoilern sag ich da jetzt logischerweise gar nix zu.

Und jetzt noch ein bisschen Rest-Pseudo-Curry essen, #tvog gucken und dabei vermutlich nach knappen 10 Minuten einschlafen.

To be continued.