Vier Farben: Blau grün gelb rot

Aus der Kategorie »just pix«

Vier Farben: Blau grün gelb rot


Stand der Dinge

Aus der Kategorie »just pix«

#Fretless 2015


Realness, Authentizität, Ruhm und Dings

Aus der Kategorie »just people«

Herr Böhmermann arbeitet sich ja schon seit geraumer Zeit am Phänomen „YouTuber” ab. Phänomen „YouTuber”? Ok, wenn Du a) die letzten Wochen hinter dem Mond gelebt hast oder b) einfach gelegentlich noch was anderes zu tun hast als jedem Blubb im Web hinterher zu laufen hier kurz die Fakten:
(Meist) junge Menschen machen auf YouTube kleine Clips über ihr Leben, über Computerspiele, über nichts oder einfach: Egal über was und sammeln damit Abonnenten im hohen sechsstelligen bis in den Millionen-Bereich dafür.
Manche von ihnen sind in sogenannten Netzwerken organisiert, man mag auch sagen: bei Netzwerken angestellt. Nachdem alle Eltern, Spon-Leser und Social-Media-Experten noch von Jahresfrist fassungslos darauf geschaut haben, was sich dort unbeobachtet bei YouTube für eine Subkultur entwickelt hat, gerät YouTube heute in aller Munde. Also genauer: Die hippe Internetblase hat es als alten Hut abgehakt während es im Bewusstsein der Normalos langsam ankommt.
Im Bereich der sogenannten „alten Medien” hat Jan Böhmermann, der ja jetzt im ZDF und damit im Establishment angekommen ist, die Rolle des Aufklärers übernommen.

Schauen wir also erst dieses kleine Filmchen:

Alles klar? Ich lerne: YouTuber doof, Netzwerke und Manager Abzocker.

Aber wir wären hier ja nicht im jawl, dem Fachmagazin für differenzierte Betrachtungsweisen, wenn mir mit diesen einfachen Wahrheiten wohl wäre.

Ich mache mal, denn da kenne ich mich besser aus, einen Ausflug in die Welt der Popmusik:

1962 hatten 5 Jungs ihren ersten Auftritt, die einfach nur Musik machen wollten. Sie wurden ganz passabel erfolgreich und spielten ein paar recht bekannte Alben ein und tourten fröhlich durch die Welt. 1970 trennten sie sich von ihrem Manager und prozessierten danach noch jahrelang gegen ihn, denn irgendwie waren ihre Verträge nicht so richtig gut gewesen. Vielleicht kennt ihr die fünf, sie sind heute noch gelegentlich unterwegs, Rolling Stones, hatten sie sich genannt.

Mehr Beispiele?
1973: Die Beatles verklagen ihren Manager wegen ausstehender Tantiemenzahlungen..
1989: Die Vollblut Funk-Frau Nikka Costa, die als Kind mit Sly Stone spielte nimmt ein Schnulzen-Duett mit Pierre Cosso auf.
2002: Der spätere dänische Superstar Tina Dico wird von ihrer Plattenfirma gedrängt, radiotauglichere Musik zu schreiben. Sie schreibt Singles, die sie später als „zu poppig” nicht mal mehr live spielen mag.
2014: Die Google-Suche nach „Band Streit Manager” ergibt vier Komma sieben Millionen Treffer.

Oder anders: Es scheint eine hohe Korrelation zwischen künstlerischen Können und Attraktivität für abgezockte Managements und Label zu geben. Ist ja auch logisch: Die wenigsten von uns haben das Können oder die Ausstrahlung, um in einer Öffentlichkeit außerhalb der städtischen Musikschule / der örtlichen VHS-Bühnen zu bestehen. Deutlich mehr von uns fänden es aber heimlich ganz geil, auch mal ein bisschen im Rampenlicht zu stehen und noch deutlich mehr von uns geifern die, die im Rampenlicht stehen an.

Um wirklichen künstlerischen Erfolg zu haben, hat es sich über die Jahre aber ganz offensichtlich bewährt, etwas anders zu machen als der Mainstream. Nirvana brach das Herz von Millionen Teenagern, Nickleback sind allseits als Lachnummer bekannt. Die erste HipHop-Single auf einem DiscoBeat ist der Durchbruch für drei sympathische Hamburger, die zweite bringt drei nicht minder sympathische Mendener nicht mal in die HeavyRotation.
Und bevor Ihr jetzt verzweifelt fragt, ob ich die Stones und YouTube-Schminkmädchen künstlerisch auf eine Stufe stelle, erinnert Euch bitte kurz im Tonfall Eurer Eltern an die Frage, ob Ihr denn wirklich [Euren bevorzugten Star als 13-jährige] mit dem wirklichen Talent von [dem bevorzugten Künstler Eurer Eltern] vergleichen wolltet. Danke.

Diese Energie zu neuem, um darauf zurückzukommen, ist mit Anfang zwanzig noch deutlich leichter zu leben als mit Mitte vierzig. Und wenn wir uns ans Ende unserer Schulzeit erinnern – wen fanden wir sympathisch? Die Kofferträger, die uns schon auf dem Schulhof über ihre erste geplante Consulting-Stelle mit 23 erzählten oder die leicht verstrahlten, die lieber fünf Minuten später zu Mathe kamen, weil die Sonne gerade so schön schien und der Eiswagen ja auch gerade vor dem Tor gestanden hatte?
Und welche Bands mögen wir? Die frühen Oasis oder die frühen Mr President?

Fassen wir zusammen: Unbekümmertheit und Regelbruch sind offensichtlich kein ganz unwichtiger Faktor für eine gewisse künstlerische Ausstrahlung.
Das aber sind zwei Faktoren, die sich auch mit dem besten Coaching eher zerstören als „machen” lassen und so haben die BWLer ein wirkliches Problem: Sie können im künstlerischen Bereich nichts selber erschaffen, obwohl sie die dort fließenden Millionen natürlich gerne hätten.

Aber sie können es manchmal erkennen und sie können versuchen, es zu kontrollieren. Und ebenso natürlich ist es logisch, dass ein bekiffter Trupp Rockmusiker weniger intensiv das zweihundert-seitige Vertragswerk lesen wird als ein Trupp Anwälte einer gegnerischen Firma. Ich habe das mal für Euch beobachtet: Zum Musikmachen ist bekifft sein oft ganz prima, zum Vertrag-Verstehen eher nicht so.

Und ist es einem zwanzig-jährigen Musiker, der auf einmal mit seinem Riff den Nerv einer Zeit getroffen hat zu verübeln, dass ihn das überrollt?
Ist es einem Mädchen zu verübeln, die eigentlich nur aus ihrem Leben erzählt und sich gerne schminkt? Ist es ihr zu verübeln, dass sie denjenigen glaubt, die ihr einen einfachen Weg zeigen? Die ihr erklären, dass es schon ok ist, wenn der Hinweis auf die Produktunterstützung nur ein paar Sekunden aufblitzt – wenn sie gerade noch davon geflashed ist, dass ihr zig-tausende zugejubelt haben?
Kann jemand ohne Kofferträger-Hintergrund mit Anfang zwanzig schon so abgezockt sein, dass er niemandem mehr vertraut? Dass er jedem Manager der ihm erzählt wie super er ist erst einmal unterstellt, dass der ihn natürlich kommentarlos fallen lassen wird, wenn seine Gamer-Tipps nur noch zehntausend mal angeschaut werden? Darf jemand in diesem Alter überhaupt schon so misstrauisch sein?

Ich finde nein. Ich finde, weder Mick oder Keith, Nikka oder Tina, John, Paul oder Ringo noch Dagi oder Unge sind Schuld daran, wenn andere sie benutzen möchten. (Eine Einsicht, die sich ja übrigens im sexuellen Bereich schon eher durchgesetzt hat, aber das nur nebenbei)

Was bleibt am Ende? Ich beobachte dieses YouTube-Dings mit großer Faszination. Beobachte die verzweifelte Suche nach etwas authentischem der Kids und was das vielleicht auch über unsere Gesellschaft sagt. Beobachte auch ihre gnadenlose Loyalität, wenn ihre Stars angegriffen werden und ihre Blindheit dafür, wenn sie verarscht werden. Aber das tat ich auch schon bei Take That und Helene Fischer. Eigentlich wiederholen sich die Dinge nur. Wüsste man das in seiner Konsequenz mit 18 schon, man könnte mal was anders machen.

Und ich hoffe, DagiUngeGronkhMelina haben wenigstens einen Menschen in ihrem Umfeld, die die Kohle fest anlegen und für die Jahre danach vorsorgen. Und schon mal einen guten Therapeuten buchen.


Techniktagebuch. Als Buch, juche!

Aus der Kategorie »just links«

Vor einem Jahr (also genauer: Am Dienstag vor einem Jahr) wurde das Techniktagebuch geboren. Seinen ersten Klaps auf den Po bekam es von Kathrin Passig, ich bin seit März 2014 mal mehr, mal weniger aktiv dabei.
Das hat unter anderem den Grund, dass ich in der Redaktion (aka: Redaktionschat) so viele kluge Menschen tummeln, die so viele kluge Dinge zu sagen haben, dass mein Handy im Schnitt dreimal in fünf Minuten piepst. Manchmal habe ich anderes zu tun, und dann muss ich den Chat stummschalten

Was, wenn nicht der erste Geburtstag wäre denn ein besserer Grund, aus einem Blog ein Buch zu machen? Kathrin hat exakt das gemacht. Und so gibt es jetzt …

  • … ein eBook mit allem. Als PDF, EPUB oder MOBI
  • … ein Best-of für alle, denen 2000 Seiten zu viel zu lesen sind. Bei SoBooks
  • … die Kurzfassung auch bei amazon.

Hurra!


Wir waren mal wieder am Teich gewesen

Aus der Kategorie »just pix«

Collage Hexenteich

Guckstu bei flickr.


Möchtet Ihr etwas über meine Woche wissen?

Aus der Kategorie »just people«

Damit ist alles gesagt.


Sag mal, was machst Du da eigentlich, Christian?

Aus der Kategorie »just music«

Jugendzimmer 1987Schön, dass Du fragst. Ich hatte ja schon fast befürchtet, dass die wild über facebook, Instagram und Twitter verteilten Bilder von Bass-Fragmenten in verschiedenen Stadien des auseinander- und zusammengebaut-seins nicht unbedingt für jede Leserin Sinn ergeben.

Vorgeschichte etwas ausführlich er: Als ich 16 war, wollte ich Gitarrenbauer werden. Ein Freund und ich wühlten in Katalogen, lasen uns in die Klangeigenschaften verschiedener Holzsorten und Tonabnehmer ein und träumten von Instrumenten. Der Bassbauer, bei dem ich wegen einer Ausbildung vorsprache fragte mich dann aber, ob ich reiche Eltern oder im Lotto gewonnen hätte – oder wovon ich wohl leben wolle. Das hat mich nachdenklich gemacht.

geagedVorgeschichte kürzer: Vor guten eineinhalb Jahren baute ich auf Basis eines Bausatzes meinen ersten Bass – also meinen ersten nicht von der Stange gekauften. Das bauen hat mich voll glücklich gemacht und das Spielen macht es noch heute.

Vor guten zehn Jahren hatte ich mir mal einen Fretless-Bass gekauft. Der klang ganz prima, aber zum einen war das Ding so kopflastig, dass es nicht richtig Spaß machte ihn zu spielen …
Exkurs für nicht-Bassisten: Ein gutes Instrument ist so ausbalanciert, dass es einfach gerade vor dem Körper hängt. Er hängt gerade am Gurt und muss nicht abgestützt werden, beide Hände können sich aufs Spielen konzentrieren. Ist der Bass kopflastig, muss die linke Hand ständig dagegen halten und das ist anstrengend und unbequem.
… außerdem war er wirklich nicht besonders hübsch.

Vor ein paar Wochen schraubte ich also alles abschraubbare ab und brachte das übrigbleibende Stück Holz zum Möbelschreiber. Auf das Stück Holz hatte ich ein in selbst-ausgedachter Form ausgesägtes Stück Sperrholz geschraubt, damit der Schreiner eine Vorlage hatte.

Mehr Mut zur Farbe!Seit vorgestern ist das Stück Korpus wieder hier und das Ergebnis gefällt mir sogar noch besser als gedacht. Seit gestern wird lackiert – da das alte und das neue Holz farblich nicht ganz passt muss ein deckender Lack drauf.
Und es macht wieder alles voll glücklich.

Und morgen erzähle ich Euch von den Linien, die ich ins Griffbrett säge, was das damit zu tun hat, dass ich besser gucken als hören kann und warum ich einen lustigen Engländer brauchte, um mir das einzugestehen.

neuer Korpus mit Hals


For The Love Of God

Aus der Kategorie »just music«

Ich hatte es gestern versprochen.
Aber erst ein paar Worte dazu. Steve Vai ist – schaut man sich das Video an – nach heutigen Maßstäben natürlich furchtbar. Optisch ist er fast noch mehr das pure Klischee eines achtziger-Jahre-Rockstars als Bon Jovi und das will wirklich etwas heißen. Konsequenterweise tritt er heute auch gerne mit einer Windmaschine vor sich im Boden auf.

Egal. Blendet man das mal aus, erliegt man nicht der reflexhaften Versuchung, sich über Haare, offene Rüschenhemden und ähnliches lustig zu machen und hört statt dessen der Gitarre zu – dann ist das einfach beeindruckend. Und nicht nur technisch.

Wie gestern angedeutet, hatte ich das Video mal der Bürokollegin gezeigt – hauptsächlich, damit wir uns gemeinsam darüber amüsieren konnten, wie die Menschen, deren Musik micht früher sozialisiert haben mit dem Blick von heute so wirken – und dann sprach sie: „Der hat mir ja gerade mit der Gitarre eine Geschichte erzählt”.

Open minded eben. Sucht man sich seine Bürokollegen gut aus, dann kann man so ein Glück haben.

Aber hier, bitte: Mr Steve Vai. Ehemals bei Frank Zappa zuständig für „Stunt Guitar” mit einem Song seiner ersten Solo-LP. Einem mit dem er meiner Meinung nach perfekt beweist, dass er nicht nur technisch einer der besten ist, sondern dass er all die Technik dafür einsetzt, sein Instrument sprechen zu lassen.