#rumsblog – die Nachlese

Aus der Kategorie »just jawl«

Am Freitagabend war ich ja in Bochum bei der GLS-Bank zu Gast und habe dort ein paar Geschichten aus diesem kleinen Blog vorgetragen. Einige von Euch waren da, einige mehr haben zu Hause in diesem Internet an den Empfangsgeräten den Livestream geschaut, wie unsere wunderbare Moderatorin Karla Paul zu sagen pflegte.
Und ich möchte mich bei allen bedanken. Bei der GLS-Bank für die Einladung, bei Rouven für das Schild, bei Karla für die Worte, mit denen sie mich vorstellte, bei Candy, Ninia und Hannes für ihre Geschichten. Und vor allem bei Euch allen, fürs Kommen, Zuhören, Twittern, Mailen, für all die lieben Worte, die da noch reinkamen. Das war wirklich ein sehr großartiges Gefühl.
Ich schreibe ja hier schon länger nur noch selten Geschichten – oft habe ich gefühlt keine Zeit, oft bin ich so müde, dass ich keine Energie mehr habe, das was ich sehe, höre, erlebe oder erinnert habe noch in schöne Worte zu fassen.

Aber Euer Zuspruch, der hat mich sehr nachdenklich gemacht und ich will versuchen, mir diese Zeit wieder zu nehmen. Und obwohl gerade so ein Uraltblog wie das jawl ja eigentlich alles verträgt, was man in es hineinschreibt, so habe ich immer gerne Geschichten geschrieben. Und ich bedaure etwas, dass sie durch die Monatstweets, die Linksamlungen, die Gesellschafts- oder Politik-Rants und vor allem den blöden Alltag ins Hintertreffen geraten sind.
Wie gesagt: Ich will mir die Zeit wieder mehr nehmen.

Für neue Leserinnen (liebe neue Leser, hier herrscht zum Ausgleich oft generisches Femininum – Ihr seid natürlich mitgemeint): Seid willkommen.

Und wer nachlesen möchte, was ich las:

Ihr werdet merken: Ich hab das für Euch am Freitag nochmal optimiert. So bin ich zu Euch.


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Letzte Woche haben wir mit dem Thema „Flüchtlinge“ aufgehört, heute fangen wir damit an. Ob man das mit den ganzen Flüchtlingen noch gut fände, das ist so eine Frage, die ich auch schon gehört habe. Und irgendwie war die Frage so seltsam, dass ich sie gar nicht umfassend genug beantworten konnte – ich meine: Hallo? Ich finde die Musik von Tina Dico gut, den Milchreis in der Milchbar auf Norderney, sorgsam geschriebenes HTML auch, aber Flüchtlinge? Niemand soll flüchten müssen, nein! Fransziska, die GottSeiDank endlich wieder ins Internet schreibt hat die Frage auch gestellt bekommen und etwas ausführlicher darauf geantwortet. Und, um das vorweg zu nehmen: Nein, sie findet das mit den Flüchtlingen auch nicht gut.

Auf eine ganz andere Art und Weise nicht gut finden die Sache mit den Flüchtlingen auch die, die im Moment Abends auf den Straßen behaupten, sie seien das Volk und deren Angt in Hass umgeschlagen ist, den sie frei heraus schreien. Ich verstehe recht viel von Angst, aber ich verstehe nie, warum andere unter meiner Angst leiden sollten. Immer wieder frage ich mich, wie die Haltung hinter solch einem oben-unten-Denke ist. Nehmen wir mal an, ich akzeptierte, dass der Bessere bestimmt wie und wo es langgeht – woran mach ich denn dann fest, wer besser ist? Körperkraft? Geld? Intelligenz? Buchstabierfähigkeiten? Sorry, liebe Wutbürger, da schneide ich in mindestens drei von vier Kategorien besser ab als Ihr, und für die vierte kann ich kraften gehen. Darf ich dann jetzt bestimmen? (ich vermute mal, nicht). Auch Jens hat sich ähnliche Gedanken gemacht und stellt fest, es geht nicht um besser oder schlechter, es geht wohl nur um „ich”. Und zwar bitte oben, dann ist alles gut.

Apropos „ich“: Ich hab ja immer Recht. Logisch. Also, Du natürlich auch.
Ok, das war jetzt ein Spaß, wir sind ja alles aufgeklärte, kluge Menschen, die wissen, dass sie nichts wissen. Nur wenn es um alte oder neue Nazis geht, wenn es um Wutbürger und Kommentarspalten-Vollrotzer, um Verschwörungstheoretiker und CSU-Hardliner geht, dann wissen alle: Die sind halt einfach doof.
Gaaaanz dummerweise hilft das keinen Zentimeter weiter, denn wenn man mal hört, was die sagen, dann sind wir uns alle das erste Mal einig: Die anderen sind doof. Nur die Definition „der anderen“, die passt halt nicht übereinander. Naja, und ob man „die anderen“ jetzt ausweist oder auslacht, auch darüber müsste man sich noch einigen.
Sich aber damit wahrhaft auseinander zu setzen, dass man evtl selbst auch Fehler macht, dass man auch selbst in der Lage sein könnte, Böses zu tun, das ist schwer. Wäre aber mal dringend nötig. Je nach Veranlagung zeigt uns nämlich entweder die deutsche Geschichte oder das Lesen der Harry-Potter-Reihe: Das Böse zu tabuisieren ist nie gut – damit geben wir ihm Macht und Platz. Also: Er heisst nicht der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-soll, er heißt Tom Riddle.

Es gibt, um jetzt mal zu anderen Themen zu kommen aber auch noch andere Gründe, nicht über Fehler zu sprechen. Zum Beispiel die Mitgliedschaft in Geheimbünden, die das Brechen des Schweigens mit Ausschluss bestraft. Gibts nicht mehr? Doch doch, so ein Geheimbund scheint zum Beispiel die Deutsche Bank zu sein, wenn man der ZEIT Glauben schenken darf – wobei ich persönlich fest davon überzeugt bin, dass nicht nur die Vorstandsetage dieser Bank sondern eher ein Großteil der Großkonzerte exakt so funktionieren. Was nichts, aber auch überhaupt nichts besser macht.

Mein Lieblingslied in der letzten Woche war „My Mirror“ von Tina Dico. Nach dem wunderbaren Abend mit ihr vor ein paar Wochen läuft sie wieder mal in Dauerschleife und wärmt mir das Seelchen.


#rumsblog

Aus der Kategorie »just jawl«

Ihr kommt doch heute Abend?

Das wird ganz groß. Und das sage ich nicht, weil ich heute Abend da lesen werde, sondern weil die großartigen Kolleginnen und Kollegen Candy Bukowski, Ninia LaGrande und Johannes Korten da lesen werden. Na gut und ich auch. Und Karla Paul moderiert uns!

Ihr kommt nicht heute Abend?
Aber dann setzt Ihr Euch doch heute Abend frischgebadet, im Frotteebademantel und mit Käsehäppchen auf dem Tisch vor den Fernseher das Internet und guckt uns zu?

Das wird ganz groß.


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Kaum ein Jahr später mach ich mit dieser Reihe weiter, als wäre nichts passiert. Was ist unter guten Freunden schon ein Jahr?

Peter Gabriel sagte einmal in einem Interview sinngemäß etwas wie:„The problem begins, when we begin to tell apart »us« and »them«. And the smaller »us« gets, the bigger gets »them« and then it’s easy to live in fear.“
Traurigerweise sammeln sich dieser Tage ja die Beispiele dafür, dass es Menschen so verzweifelt wichtig ist, Unterschiede zu machen – meist, um sich abzuheben. Um vermeintlich etwas besseres zu sein.

Beginnen wir mit einer Computer und ihren Kolleginnen. Ja, der Satz ist richtig, oder sagen wir: Er war einmal richtig, denn die ersten Computer waren Frauen. Zu computen war nämlich Drecksarbeit und außerdem war Krieg, da kann man sogar einmal Frauen an die Arbeit bekommen. So muss es in den Köpfen der Herren damals wohl abgegangen sein – was sie aber nicht daran hinderte, die Frauen ganz fix beiseite zu schieben, als ihr kleines Projekt dann ein bisschen Ruhm abbekam. Die Rolle der Frauen war auf einen Schlag wie ausgelöscht. Nachträglich: Great job, meine Herren. Wie erbärmlich.

Springen wir ins Jetzt. Wir haben ja natürlich ein / natürlich kein Rassismus-Problem in Deutschland, je nach Sichtweise. Politiker und solche die es gerne wären sitzen allsonntäglich in den Talkshows und dürfen darüber sprechen. Möchten darüber bestimmen. Besetzen mit ihren wichtigen Sätzen die Deutungshoheit und die ist: Wir sind alle nicht rassisistisch hier in Deutschland. Es mag Einzelfälle geben. (Je nach Ausrichtung folgt dann ein „aber“). Ich finds ja immer ganz schön, mal nicht über Menschen zu reden, sondern mit ihnen, oder sie in anderer Form einfach mal selbst zu Wort kommen zu lassen. Sie erzählen zu lassen, wie sich die Hebamme gefreut hat, dass Kind aber gar nicht ganz so dunkel ist. Great job, gute Frau. Ziemlich erbärmlich.

Wen man auch mal gut zu Wort kommen lassen kann ist jemand, der Tag für Tag mit den Flüchtlingen, die im Moment nach Deutschland kommen zu tun hat. Also so richtig vor Ort mit Menschen, nicht nur in Form von Formularen und Statistiken. Und die auch mit den Menschen zu tun hat, die helfen wollen und sich trotzdem mal eine Frage stellen, sich aber nicht mehr trauen. Und auf einmal fügt sich ein großes Bild zusammen und der Rahmen heißt: Fehlende Auseinandersetzung. Fehlende Aufarbeitung. Tabuisierung statt Diskussion. Das gesamte Spektrum zwischen Unsicherheit über Angst bis hin zur offenen Feindseligkeit geht nicht davon weg, dass man Anne Jauch oder Maybritt Will und den Kameras fix erklärt, das nicht ist, was nicht sein soll.
Great job, Deutschland. So erbärmlich.

OffTopic: Besonders schön finde ich übrigens, dass die Hälfte der Kommentare unter dem zuletzt verlinkten Text die fehlenden Großbuchstaben und die zu kleine Schriftgröße zum Thema haben. Ich denke, es geht uns eigentlich ganz super.


Ich war am Donnerstag bei Tina Dico …

Aus der Kategorie »just music«

… und ich habe natürlich auch etwas drüber geschrieben:

IMG_4658 10.48.52Auf meinem iPhone ist eine kleine App, die mir immer sagt, was ich letztes, vorletztes und vor 3, 4 und 5 Jahren am heutigen Tag gemacht habe. Morgens schaue ich immer einmal kurz drauf und erinnere mich.
Am Donnerstag Morgen sehe ich, dass ich exakt 5 Jahre vorher bei meinem ersten Konzert von Tina war. Na, wenn das mal kein gutes Zeichen ist.

Das Konzert damals war in Dortmund im Konzerthaus und Tina hat mich damals endgültig zum Fan gemacht. Aber das Publikum da war so lahm, dass ich – wenn immer es geht – lieber woanders hin fahre. Nach Köln zum Beispiel immer sehr gerne, so wie heute.

Wir sind zu dritt, als wir gegen halb acht am Gloria ankommen, außerdem treffen wir noch die beiden Gewinner der Tickets für Köln. Nachdem wir noch kurz geschnackt haben, gehen wir rein, bringen die Jacken weg und stellen dann fest: Oh, keine festen Plätze – und der Raum ist natürlich schon fast komplett voll.
Naja, sitzen wir eben nicht alle beieinander. Und eben weiter hinten. Dann gibts eben keine Fotos, aber egal, das wird schon passen.

Ziemlich pünktlich kommt Mads Langer auf die Bühne … weiter gehts drüben bei tinadicofan.de: Wie immer: Danke Köln!


WMDEDGT Oktober 2015

Aus der Kategorie »just people«

WMDEDGT heißt „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag“ und ist eine Idee der hochgeschätzten Frau Brüllen. Und ich will seit Monaten mal mitmachen, verpasse es aber immer. Hurra, heute nicht. Wie ging das nochmal, dieses Tagebuchbloggen?

Ach ja.

Der Tag fing mit einem großen Schreck an, ich wachte auf und die typischen „die Liebste rödelt hier rum“-Geräusche fehlten. Statt dessen schlief sie noch und ich konnte mich ca. 2mm vor einem hektischen „Schatz Du hast verschlafen“-Überfall zum Glück gerade noch daran erinnern, dass sie ja seit heute Herbstferien hat.

Also besser leise aufstehen, Tee, Toast, dem Katz den Katzenzoll geben und dann langsam ins Büro hoch.

Da überfiel mich dummereise sofort die große Hektik; vor allem musste ich mir mal auf die Schnelle ein Gewinnspiel aus den Fingern saugen, weil im Vorfeld weder die beteiligte Künstlerin noch ich das so richtig durchdacht hatten. Ich merkte das aber erst beim Formulieren …
Wer also gerne noch auf die fast vollständig ausverkaufte Tour von Tina Dico möchte, darf gerne sein Glück versuchen.

Dann klingelte Skype. Montags arbeite ich immer mit der weltbesten Serotonic zusammen. Wir machen Skype an und arbeiten an einem gemeinsamen Projekt. Es ist eigentlich meist ziemlich großartige Arbeit. Zum einen arbeite ich einfach unglaublich gerne mit ihr zusammen, denn wir haben in langjährigen Versuchen die optimale Mischung aus größtmöglichem Spaß und größtmöglicher Effizienz erreicht. Das Projekt ist über ein paar Jahre gewachsen und es ist inzwischen ganz schön komplex und die grauen Zellen sind danach richtig wach. Oder das erste mal für die Woche müde. Richtig geil.

Während wir noch arbeiteten ziepte es wieder unüberfühlbar im rechten Oberkiefer. Also spontan auf zum Zahnarzt. Wie bekannt sein könnte, habe ich da eine recht solide Panik und so waren die nächsten Stunden leicht anstrengend. Und mit dem Ergebnis „Da ist absolut gar nichts zu erkennen“ könnte ich eigentlich ganz froh sein, aber ich traue dem Braten noch nicht.

Wieder zu Hause fiel meiner Körpermitte auf, dass sie kein Mittagessen bekommen hatte, also gabs fix Salat, bevor meinem Hirn auffiel, wie müde es war und ich dringend ein halbes Stündchen die Augen zu machen musste.

Danach bin ich dann noch einmal hoch ins Büro. Da ich im Moment die Proben zu „Antigone“ im kleinen Theaterverein fotografisch begleite, brauchte meine Fotoseite einen passwortgeschützten Bereich. Den hat sie jetzt.
Und ich hatte spontan arbeitsbegleitend noch einen netten Schwatz mit der weltbesten Serotonic, die nämlich auch noch spät im Büro saß. Skype ist so super.

Gegen neun dann runter und der Liebsten erzählt, dass Serotonic begonnen hatte, Akte X mal von ganz vorne an zu gucken. Haben wir dann gleich mal nachgemacht. Nachdem ich sowohl Buffy als auch Twin Peaks im Jahr 2015 gar nicht mehr so dolle gefunden hatte, war ich erst skeptisch, aber nach den ersten paar Minuten kann ich sagen: Super Idee.

Dann ins Bett und beim letzten Blick aufs Laptop Pias WMDEDGT-Eintrag entdeckt, mich erinnert und noch schnell augerafft.


Twitter-♥ im August und im September 2015

Aus der Kategorie »just twittered«

Ich hab da einen Monat geschlampt. Ihr müsst mir das bitte nachsehen.


Mantra, heutiges

Aus der Kategorie »just people«

Habt Ihr mal irgendeine Casting-Show geguckt? Ach kommt, irgendeine habt Ihr mal gesehen. Möchtegern-Models, Möchtegern-Sänger, Möchtegern-Tänzer, hm? Oder das Dschungelcamp?

Ihr erinnert Euch an die Model-WG? Das Bandhaus? Hübsche, Spa-bewehrte Villen mit fetten Küchen, netten Schlafzimmern für alle und einem guten Geist, der täglich frisches Obst und Gemüse vorbeibringt?
Wisst ihr noch, wie trotzdem schon nach zwei bis drei Tagen alle aufeinander losgegangen sind? Wie ein falscher Blick, eine Begegnung auf der Sonnenterasse oder am Pool für Stimmungs-Explosionen sorgen konnten?
Klar, wenn man so aufeinander hängt. Wer schon mal mit Freunden im Urlaub war kennt das.

Dabei waren die doch alle freiwillig da. Wussten, dass ihnen am Ende die Chance auf eine Band, ein Album, eine Tour winkten. Oder dass sie im Dschungel sogar für jeden Tag vier- bis fünfstellige Beträge bekamen. Und sie hatten vielleicht mal zu zweit ein Zimmer; im Dschungel wars zugegebenermaßen etwas weniger privat, aber Platz war da eigentlich auch.

Die aktuellen Flüchtlingsheime sind übrigens meist vollkommen überbelegt. Die Heime, in denen ich war, nutzen eine durchschnittliche Kinderzimmergröße für sechs bis acht Betten. Wer geflohen ist hat kein Geld, darf nicht arbeiten und darf die Stadt nicht verlassen. Die wenigsten Heime die ich sah, liegen super zentral – also hängt man halt den ganzen Tag da rum. Wie auch wegkommen ohne Geld und ohne Ziel?

Und ein Album gibts am Ende auch nicht.

Und wer sich wundert, warum es in Flüchtlingsheimen öfter knallt als sonstwo, der liest jetzt alles noch mal.