nebelig wars heute Morgen

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Nebel


Switch im Home-Office. Von Windows 7 zum Mac. Nachtrag 2: Allerlei Tipps und Tricks.

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Da hier inzwischen gelegentlich mal jemand von der Suchmaschine ihrer Wahl rübergeschickt wird und Fragen zum Umstieg von Windows auf den Mac hat, sammele ich hier mal die Fragen, die Menschen so hier rüber treibt und beantworte sie, wenn ich kann.

Wie kann ich die Finder-Fenster in einer bestimmten Größe und mit bestimmten Vorgaben (Ansicht/Sortierung…) öffnen?
Zieh und bastele Dir Dein Finder-Fenster so zurecht, wie Du es haben möchtest; stell Dir also Deine Lieblingsansicht zusammen. Halte dann die CTRL-Taste gedrückt und schließe das Fenster mit einem Klick auf den roten Button. Fenster, die Du mit ⌘-N öffnest werden sich daran halten, Fenster die Du mit Doppelklick auf ein Desktop-Icon öffnest leider nicht.

Wenn ich den grünen Button klicke, maximiert sich das Fenster gar nicht wie von Windows gewohnt. Kann ich das Ändern?
Ja. Hier gibts Right Zoom. Runterladen, aktivieren und glücklich sein.

Windows hatte an der Taskleiste eine Vorschau des Programmfensters, wenn ich mit der Maus über das Icon ging. Kann ich so etwas auch beim Mac haben?
Ja. HyperDock kann das. Und auch das automatische Maximieren eines Fensters, wenn man es an den Bildschirmrand schiebt. Und noch ein paar nette Dinge mehr. Das MacBook hat allerdings ein Problem und kriegt ein paar Programme nicht mehr gestartet und ich komme prima ohne klar.

Ich kann ein heruntergeladenes Programm nicht öffnen, weil es nicht von einem zertifizierten Entwickler stammt. Was kann ich tun?
Das Programm rechtsklicken und im Kontextmenu „öffnen” wählen. Kurz nachdenken, ob Du das gerade wirklich willst, dann die Warnung bestätigen und ab dann gehts.

Wie kann ich Sonderzeichen eingeben?
Viel mehr als unter Windows kannst Du Sonderzeichen über die Tastatur erreichen. Unter Systemeinstellungen ⇒ Tastatur ⇒ Tastatur kannst Du ein Häkchen bei „Tastatur- und Zeichenübersichten in der Menüleiste anzeigen” setzen. Dann hast Du oben neben der Uhr ein neues Icon. Klick drauf, dann auf „Tastaturübersicht einblenden” und es erscheint eine Abbild Deiner Tastatur. Drückst Du auf Deiner echten Tastatur ⌘ oder Alt, ändern sich auf der Darstellung die Beschriftungen und Du kannst sehen, welches Zeichen sich wo versteckt.
Noch mehr Zeichen (zum Kopieren und Einfügen) bekommst Du, wenn Du am Icon in der Menüleiste „Zeichenübersicht einblenden” anklickst.

Wie kann ich sehen, welche Shortcuts es in einem Programm gibt?
Dank Matthias Mees nutze ich dazu CheatSheet.

Wie kann ich einen Ordner, der im Netzwerk freigegeben ist Einbinden? Am besten automatisch beim Start?
Prinzipiell machst Du das mit ⌘-K und der Eingabe der Adresse; dann taucht der Ordner als Volume auf dem Desktop auf.
Soll die Verbindung – zB die zu einem NAS – beim Start automagisch hergestellt werden, findet man viele Möglichkeiten im Web, ich bevorzuge nach längerem Ausprobieren diese:
Ich habe im AppleScript-Editor ein neues Script angelegt und folgendes hineingeschrieben:

mount volume "afp://name_meines_nas/freigabe"
mount volume "afp://name_meines_nas/andere_freigabe"

mountthemallBrauchst Du aus irgendeinem Grund eine Samba-Freigabe, ersetzt Du „afp://” durch „smb://”, hat Dein NAS keinen Namen tut es auch die IP-Adresse.
Das ganze habe ich gespeichert, und zwar (Achtung!) nicht als Script, sondern als Programm und habe das Programm in die Startobjekte aufgenommen. C’est ça.
Will man später etwas ändern, kann man das Programm auch wieder mit dem Script-Editor öffnen.

Wie kann ich die Schriftgröße im Finder ändern?
Du öffnest ein Finder-Fenster und drückst ⌘-J, dann gehen die Anzeigeeinstellungen auf und Du kannst unter anderem die Schriftgröße in Finder-Fenstern ändern.

Wie kann ich die Schriftgröße auf dem Desktop ändern?
Du klickst auf den leeren Desktop und rufst mit ⌘-J die Anzeigeeinstellungen für den Desktop auf. Da finden sich auch Symbolgröße und Symbolabstand.

Wie kann ich die Schriftgröße in der Seitenleiste in Finder-Fenstern ändern?
Die wiederum findest Du in Systemeinstellungen⇒Allgemein.

Wie kann ich überhaupt überall die Schriftgröße ändern?
Hier findest Du TinkerTool. Have fun. Es gibt auch einen Reset-all-Button :)


Woanders

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„Linke Kriminalität nimmt zu!”, so konnte man lesen. Als ein Mensch, der seine Werte auch eher links als rechts findet, irritierte mich diese Meldung des Bundesinnenministeriums. Schaut man genauer hin, ist das wieder mal nicht so besonders schön: Denn zum einen muss man schauen, was überhaupt eine „links motivierte” Straftat ist. Setzt man sich zum Beispiel mit ein paar flüchtigen Bekannten auf eine Straße weil auf dieser Straße eine Nazi-Demo laufen will, dann begegnet die Polizei dem gerne mit dem Versammlungsgesetz. Oder, wie es beim Kraftfuttermischwerk so schön steht: „Wenn Oma Müller nämlich auf einer Sitzblockade gegen Nazis weggetragen wird, zählt das hier als »von links motivierte Straftat«.”
Dazu kommt, dass unsere Justiz immer wieder in solchen Zusammenhängen klar eine politische Inspiration erkennen, am anderen Rand des Spektrums jedoch größere Probleme hat.

Wo wie gerade dabei sind mag ich übrigens einwerfen, das es sich unter ähnlichen Aspekten sehr lohnt, sich Statistiken über Ausländer- / Asylbewerber-Kriminalität gründlich anzusehen. Wie ich schon vor längerem mal schrieb, hat Deutschland ein beispiellos scharfes Asylgesetz, in dem zum Beispiel das Grundrecht der Freizügigkeit beschnitten wird. Asylbewerber begehen daher gern einmal Straftaten, die andere Menschen erst gar nicht begehen können; die fließen dann aber trotzdem in die Statistiken ein. (Äpfel, Birnen, bla).

Übrigens soll das noch verschärft werden. Ich würde mich an dieser Stelle gerne übergeben vor hilfloser Wut.

Apropos „Hilflose Wut”: Sascha Lobos Vortrag habt Ihr alle gesehen, oder? DemdiedasNufs ihre Antwort auch? Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, denke ich; Sascha hat gleichzeitig total Recht. Wer hier flattrt oder Werbung bucht, spendet damit ab sofort quasi an irgendeinen besseren Zweck als meine Geldbörse. Ich schreib das jeweils dran. Ja, da gibt es Zusammenhänge.
t3n hat übrigens ein paar digitale Initiativen zusammengestellt, falls Ihr auch wollt.

Aber wo wir schon bei der republica-Nachlese sind möchte ich noch kurz auf Jens verweisen, der einen, wie ich finde, unfassbar interessanten Vortrag über ein unfassbar brisantes Thema gebracht hat. Leider, (sorry lieber Jens!) wirkt er auf mich arg nervös (was ich verstehen kann) und die Brisanz des ganzen geht dadurch etwas unter. Was ich mag ist die Schlussfolgerung, selbst einen Gegenentwurf auf die Beine zu stellen.

Selbst etwas auf die Beine zu stellen ist ja eh oft eine gute Idee – auch wenn es einem an überraschenden Stellen schwer gemacht wird. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie möchten den Kram, der bei Firmen tagtäglich weggeworfen wird (weil zum Beispiel, oh Graus, das Etikett schief sitzt) an Menschen verteilen, die sich die Sachen nicht leisten können. Ein wie ich finde ebenso logischer wie ehrenwerter Gedanke. Dem aber das deutsche Steuerrecht erstmal mit Karacho eine kräftige Latte zwischen die Beine wirft. Man schüttelt den Kopf und guckt ein bisschen blöd. Also ich.

Wo wir schon beim Spenden sind, wenden wir unseren Blick doch noch mal schnell in Richtung der klassischen Spendenziele, Sie wissen schon: traurige schwarze Kinder, die uns von schräg rechts unten mit großen Augen hungrig anguck…STOP. Erst gehen wir bei den rustyradiator-awards vorbei und gucken uns das launige Filmchen an.

Puh. Das war lots of heavy stuff bis hier her.
Hab ich doch letzte Woche noch behauptet, ich wollte hier schönes und gutes verlinken, um aus dem Web einen schöneren Ort zu machen.
Wie schön, dass ich da wenigstens noch auf Liebe und Salz verweisen kann. Ein kleines Projekt, was genau das tut: Geschichten sammeln. Geschichten aus dem Alltag, Geschichten von Paaren, garniert mit wunderhübschen Fotos. Und ohne Salz ist das Leben nicht süß. Und eine Beziehung auch nicht.


Musik am Freitag

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Mir wurde auf facebook vorgeworfen, ich wäre etwas eindimensional in meinen Musiktipps.
Deswegen hier mal wer anderes:

Julie Slick habe gar nicht ich entdeckt, die hat der Herr Mennigmann entdeckt. Ich erzählte ja schon, wie er sie dann ins Sauerland geholt hat und mit ihr eine Platte machte.
Aber auch neben ihrem unfassbaren Mut, sich in die unzivilisierten Teile Deutschlands zu begeben ohne die Sicherheit zu haben, dort überhaupt Strom für ihr Instrument zu finden, gucke ich mir seitdem sehr interessiert an, was sie so macht mit ihrem Bass.

Mit ihrem Bass und einigen Effektgeräten und Samplern hat sie zum Beispiel dieses hübsche kleine Dings gemacht. Ziemlich impressive, wie ich finde.


Die VersichertenGesundheitskarte und ich.

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Einer der größten Späße der letzten Zeit habe ich mit der VersichertenGesundheitskarte erlebt. Wir erinnern uns: Ende 2011 bekam auch ich ein mittel-aufwändig gestaltetes, miserabel getextetes Infoblättchen, in dem mir die Vorteile der neuen Gesundheitskarte gegenüber der bewährten Versichertenkarte angepriesen wurden.

Da ich von den Vorteilen jetzt nicht so überzeugt war, mag es vielleicht sein, dass ich den Zettel erst einmal weggeworfen ignoriert verlegt habe, aber irgendwann kam dann ein Drohbrief, es wurde mit irgendwelchen Paragraphen gewedelt und dann habe ich resigniert, habe ein Foto hochgeladen und das alles vergessen. Das war vermutlich irgendwann Anfang 2012.

Als ich dann zwischen Oktober 2013 und Januar 2014 diverse Male beim zahnärztlichen Notdienst vorsprechen durfte, erinnerte ich mich dunkel, dass 2014 doch das Jahr des endgültigen Wechsels sein sollte. Und richtig: Auf dem Tresen an der Anmeldung war auch ein Info-Zettelchen geklebt, das genau darauf hinwies: Versichertenkarte: ungültig, Gesundheitskarte: gültig (leicht verkürzt zusammengefasst).
Lustigerweise trug das Zettelchen auch noch Logo meiner Kasse, der TK.
Mich störte das trotzdem erst einmal nicht, die Dame hinter dem Tresen auch nicht. Sollte mir ja recht sein.

Erst als ich mich dann im Januar mit leerem, aber nervösen Magen gerade auf die OP-Liege legte und mir der Anästhesist links schon die erste Nadel im Unterarm platzierte, sprach mich von rechts eine Helferin an: Das Kärtchen, dass ihr die Liebste gerade draußen in die Hand gedrückt hätte, wäre leider ungültig und man könne mich jetzt nicht operieren. „Ach?” sprachen der Anästhesist und ich parallel. Ich fand den Zeitpunkt für diese Unterhaltung ja eher ungünstig gewählt und die anschließende Erklärung der Helferin ging dann auch darin unter, das der Anästhesist befahl, ich solle jetzt mal von zehn auf null runter zählen. Ich kam leider nur bis sieben und dann wurde alles angenehm schwarz vor meinen Augen.

Nach der OP war das dann aber alles furchtbar wichtig. Ich solle bitte entweder in den nächsten zehn Tagen das gute Kärtchen nachreichen – oder eine Bescheinigung der TK, dass ich wirklich bei ihnen versichert wäre. Sonst müsse! ich das alles! selber zahlen! Sobald ich also wieder sprechen konnte, rief ich die TK an.

Die erklärte mir, das wäre ja alles totaler Unsinn. Auf meinem Versichertenkärtchen stände ein Gültigkeitsdatum, das wäre bei mir irgendwann in 2016 und die Karte wäre auch genau das: Nämlich gültig. Bis 2016.
Fand ich ja töfte, ich hatte aber trotzdem keine Lust, auf den OP-Kosten sitzen zu bleiben und ließ mir eine Bescheinigung mailen. Verstand die Dame am Telefon dann auch.
Wer denn da eigentlich etwas anderes behauptet hätte?
Ich erwähnte den von der TK gestalteten Zettel bei meinem Arzt und sie seufzte. Ob sie mir vielleicht sicherheitshalber dann mal das neue Kärtchen schicken solle? Na gut.

Ich vergaß das ganze natürlich sofort wieder, bis ich letzte Woche wieder eine ähnliche Unterhaltung hatte. Eine Arzthelferin pochte auf das neue Kärtchen, das sei sehr! wichtig, schließlich stände da jetzt „Gesundheitskarte” drauf (WTF??).
Ich wiederholte tapfer, was mir die TK gesagt hatte, sie deutete auf den Zettel der TK, der auch bei ihr auf dem Tresen klebte und ich rief, wieder zu Hause, dann doch nochmal bei der Kasse an.
Das KärtchenMan wunderte sich dort zwar, warum diese Zettel denn überhaupt in den Umlauf geraten wären, aber das konnte ich ihnen leider auch nicht erklären.
Man wunderte sich ebenfalls, warum ich immer noch kein neues Kärtchen hätte, denn das wäre doch Anfang 2012 und vor acht Wochen noch einmal an mich verschickt worden – aber: man wollte mir ein neues schicken.

Ich finds also insgesamt super, wie sehr da wieder mal die rechte und die linke Hand zusammenarbeiten und wie reibungslos und sicher das alles läuft. Trotzdem: seit ein paar Tagen habe auch ich also eine Gesundheitskarte. Mit einem Foto darauf, dessen schlechter Druck es mir übrigens auch deutlich einfacher macht, mich krank zu fühlen. Ach, und vorhin habe ich kurz überlegt, ob und wer sich denn wohl mit meinen beiden anderen Karten gerade Gesundheitsleistungen erkauft.

Aber Quatsch – die Karten sind ja personalisiert und fälschungssicher, da kann ja gar nichts passieren.


Woanders

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Diese Woche war ja nur eine halbe Woche, daher fällt der Link-Rückblick diesmal etwas kürzer aus als sonst.

Werden wir erst einmal kurz politisch, dann haben wir das schon einmal hinter uns. Wer nicht vollkommen mit Scheuklappen durch das Netz und das Leben gelaufen ist, der hat mitbekommen, dass es ein Europäisches Urteil zur Vorratsdatenspeicherung gab. Richtig, darum gab es schon länger Streit, die sogenannte „Netzgemeinde” (was auch immer das sein soll) war dagegen, während unsere Innenminister und die Polizei ohne sie den Untergang des Abendlandes prognostizierten. Eine gute Gelegenheit also, sich mal anzusehen was passiert, wenn ein Rechtsanwalt die gängigen Argumente zur Vorratsdatenspeicherung einmal anschaut. Besonders wertvoll finde ich diesen Satz:

Mythos 6: Der Polizei müssen alle technisch möglichen Instrumentarien auch zur Verfügung gestellt werden
Nein. In einem Rechtsstaat gibt es keine Strafermittlung um jeden Preis. Darin besteht nämlich gerade der Unterschied zu Unrechtsstaaten wie der DDR, die jede Form der Überwachung und Kontrolle des Bürgers für legitim hielten.

Da kann man mal einen Moment drüber nachdenken.

(Ja, auch gerne jetzt und hier. Ich warte.)

(…)

(…)

(…)

Nachdenken ist ja eh immer prima. Zum Beispiel über das, was man so täglich seinen facebook-Freunde per „teilen”-Button ins Gesicht wirft. Wer dort ein paar aktivere Freude hat, der wird vermutlich schon auf die Website gestoßen sein, um die es jetzt gehen soll: heftig.co. Kleine Geschichten, die irgendwie rührend, aufregend, emotional sind und alle ein bisschen arg reißerisch geschrieben scheinen. Herm hasst diese Seite und schreibt, warum. Und die Rhein-Zeitung schaut etwas hinter die Kulissen. Nicht schön.

Zeit also, zu den schönen Dingen in diesem Web zu kommen, dazu ist diese kleine Kolumne am Wochenende ja auch ausdrücklich gedacht. Zum einen gibt es da eine kleine Seite mit Fotos, die ich seit längerem gerne und regelmäßig besuche. Sie sammelt „rare, beautiful, fun, strange and awesome celebrity photos” – Bilder abseits der gephotoshopten Hochglanz-Welt, abseits von „drunken leaving a pub”, BeachCandids, NipSlips und Upskirts. Dafür viel Backstage und behind-the-scenes-Bilder. Zum Beispiel von Yoda und Herrn Lucas. (By the way: Happy Star Wars day!) Man kann sich dort problemlos länger von Seite zu Seite durchklicken.

Und zum anderen war dem Herrn Buddenbohm sein Kind krank, das ist natürlich eigentlich gar nicht schön. Aber der Herr Buddenbohm hat sich da Zeit für genommen und hat darüber geschrieben. Und das wiederum ist sehr schön geworden. Falls Sie also nicht aus meiner engeren Internetblase kommen und das eh schon kennen …?!

Mein Lieblingslied in der letzten Woche war „On your radio” von Joe Jackson. Good ole times revisited, oder wie der Nachbarsjunge gerne sagt: Alter Sack.


Back To Front

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Die geneigte Leserin – also eher: Die sehr treue Leserin mag sich erinnern, dass sie vor circa zehn Jahren davon genervt wurde, dass ich wochenlang nur Bilder von Peter Gabriel mit darunter-stehenden Lyrics postete. Vor Freude weil er – für mich vollkommen überraschend – endlich wieder auf Tour war.
Aber so ist das halt mit der Liebe; manchmal geht sie anderen eben auf den Sack.

Gestern Abend wieder, gestern Abend „Back To Front” – Herr Gabriel zelebriert nämlich seit einiger Zeit, dass seine kommerziell erfolgreichste Platte, die „So” vor 25 Jahren erschien. Dazu hat er die Band von damals noch einmal zusammen geholt und ist mit ihnen auf Tour gegangen. (Inzwischen sind es 27 Jahre, aber er feiert eben ausgiebig.)

Wir feierten zusammen in der Lanxess-Arena; er stand unten auf der Bühne, wir saßen recht sehr weit oben auf dem Rang. Guter Blick, große Leinwände rechts und links der Bühne: alles prima.

Peter Gabriels Back To Front-Bühne

Punkt acht betrat er die Bühne, um seinen Support-Act anzukündigen: Jennie Abrahamson & Linnea Olsson die im weiteren Verlauf des Abends auch die Backing-Vocals übernehmen sollten.
Im Vorprogramm bedienten sie ein Cello und ein Dings (Musiker-Fachbegriff für ein nicht-erkennbares Instrument, das wie ein E-Xylophon wirkte). Da ich ja – wie bekannt sein sollte – sehr auf skandinavische Pop-Musikerinnen stehe, hat mir das schon sehr gut gefallen.
Und: Ich liebe das ja, wenn Haupt-Acts ihre Supports ansagen, das zeigt so viel Respekt, das ist einfach toll.

Die beiden spielten vier Stücke, zwei von jeder und räumten dann die Bühne, so dass gegen viertel vor neun Herr Gabriel selbst wieder auftauchte und sich zuerst mal an den Flügel setzte. Er begrüßte uns in seinem typischen liebevoll schlechten, meist abgelesenen Deutsch und erklärte, es gäbe heute Abend drei Teile: Eine akustische Vorspeise, denn es wäre ja manchmal spannend zu sehen, wie Dinge so entständen. Manchmal ja sogar spannender als das eigentliche Ergebnis. Das Saallicht bliebe dabei übrigens noch an.
Dann eine elektrische Hauptspeise und wenn wir die alle gut überlebt hätten als Dessert alle Songs der „So”. Ja, exakt dafür waren wir gekommen.

Part I überraschte mich schon sehr. Ich verbinde Peter Gabriel so sehr mit „Sound-Tüftler”, dass es wirklich toll zu sehen war, wie gut die Songs auch akustisch, mit Kontrabass, Akkordeon und Westerngitarre funktionieren. Eigentlich doof, ich halte ihn seit Jahren für einen der größten Komponisten, da wäre alles andere doch seltsam gewesen. Nun denn, doof kann ich ja gut.
Ach, apropos „doof”: Ich glaube, ich habe noch nie so viele gealterte, fusselbärtige Sozialpädagogen auf einen Haufen gesehen wie gestern Abend im Publikum. Gealterte, fusselbärtige Sozialpädagogen bewegen sich übrigens nicht bei Musik. Sie singen auch nicht. Naja.

Er begann also mit einem neuen, noch unfertigen Song „But”, dann folgten „Come Talk To Me”, „Shock The Monkey” und „Family Snapshot” in dessen Verlauf das Licht ausging und die großartige Licht- und Videoshow das erste mal zum Einsatz kam. Er kommentierte das mit einem lapidaren „part two”.

Der elektrische Teil: „Digging In The Dirt”, „Secret World”, „The Family And The Fishing Net”, „No Self Control”, „Solsbury Hill”, „Why Don’t You Show Yourself?”
Na, das waren doch gleich noch mal vier meiner all-time-favourites, ein schon-ok und ein mir unbekannter Song. Mehr als zufriedenstellend also.
Vor allem „Digging in the Dirt” haut mich jedes Mal wieder um. Der Mann ist inzwischen Mitte sechzig, man sieht und merkt es ihm auch immer wieder an – aber das ist einer Songs, wo man wirklich in seine dunkle Seite sehen kann. Düster, wirklich böse und unfassbar laut. Melanie Gabriel, seine Tochter, die auch gerne mal mit ihm auf Tour war sagte einmal sinngemäß: „Bei dem Song bin ich immer sehr alleine auf der Bühne. Ich weiß nicht genau, wohin Dad und seine alten Freunde da geraten, aber es ist dunkel und ein bisschen arg »weird«. Und ich will nicht mit dahin”. Ich verstehe sie. Und ich liebe, dass er nicht einfach hübsche Versionen seiner alten Hits spielt, sondern auch diesem unfassbaren Krach seinen Platz gibt.

Schon damals auf der Tour zur „So” hatte Gabriel auf der Bühne mit beweglichen Lichtmasten gespielt, die ihm folgten, ihn teilweise auch verfolgten und ihm auch mal sehr, sehr nah kamen. Fast dreißig Jahre später hat die Technik ja den ein oder anderen Fortschritt gemacht und das Konzept fand sich bis zur Perfektion ausgereizt wieder auf der Bühne. Neben den Lichtmasten gab es dazu an jeder Ecke der Bühne Kameras und eine perfekte Bildregie, die dafür sorgte, das nicht einfach platt die Musiker auf den Leinwänden zu sehen waren, sondern dass rechts, links und hinter der Bühne ein eigenständiges Konzertvideo lief. Mit vielen Details und perfekten Schwenks und immer wieder mit Animationen und Videoschnipseln zu den Songs. Ganz groß.

Apropos „ganz groß”. Hatte ich erwähnt, dass dort auf der Bühne die alte Band der „So” stand? Die Band, die mir damals, Ende der Achtziger zeigte, was geniale Popmusik sein kann – nachdem ich als tapferer Metalhead jahrelang alles, was Tasteninstrumente bediente mit Verachtung gestraft hatte? Die Band, die immerhin meinen Lieblingsdrummer und meinen Lieblingsgitarristen in einer Band vereint – ganz zu schweigen von diesem Menschen am Bass, bei dem ich zwar nie begreife, was genau er da tut, der mich aber immer wieder voller Bewunderung und Faszination zusehen lässt, was man aus diesem, meinem Instrument so alles rausholen kann.
Wahrscheinlich hätte mich jeder einzelne von ihnen schon vollständig glücklich gemacht.

Dann also die Part III, die „So”. Was soll ich sagen? Wer es bis hier zu lesen geschafft hat, der hat begriffen, dass diese Platte für mich wichtig war. Ich breite das also nicht weiter aus. Es war perfekt.

Um dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen bestand die Zugabe aus „Ja, jetzt kommt die Flut”, „The Tower That Ate People” (erwähnte ich, wie ich es liebe, wenn er Krach macht?) und: „Biko”.
Call me cheesy, aber mir bedeutet der Song etwas. Ich bin aufgewachsen in einer Zeit, die manche rückblickend als „arg betroffen” bezeichnen. In der Rockstars auf die Bühnen gingen, um Geld für Afrika zu sammeln oder die Bühnen verließen, um ihren Einfluss zu nutzen. Ja, heute sind wir alle so supercool, dass wir das peinlich finden, Live Aid belächeln und Bono hassen – aber ich denke oft, dass es ein Teil unseres großen Problems ist, dass die Arschlöcher es geschafft haben, Mitgefühl als uncool zu brandmarken.

Biko also. Einer der Songs, die mich zu einem politischen Menschen gemacht haben, einer der kraftvollsten Rocksongs die je geschrieben wurden. Nach „San Jacinto” das zweite Mal einer dieser magischen Momente, dass mir nur weil ich es so viele Jahre später noch einmal live hören durfte, das Glück die Tränen in die Augen trieb. Yihla moja, yihla moja. The man is dead.

Wer eine ganz doll super-viel-sachlichere Konzert-Kritik lesen will, der kann hier zur Süddeutschen gehen. Sachlich kann ich bei dem Album nämlich nicht. Und pseudo-cooles „Da steh ich ja heute drüber” auch nicht. Ich stehe lieber zu meiner Liebe.

Nachtrag: So sah das Knonzert von der Bühne aus aus.


Die Filme im April 2014

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Alle Filme – egal ob @Kino oder @home im Februar 2014.

  • Tangled (Rapunzel neu verföhnt) (IMDB)
    @home
    Die alte Gothel findet eine Zauberblume, die sie verjüngt. Nach jahrelangem Gebrauch gerät die Blume jedoch auch noch an Rapunzel, die übernimmt die Zauberkraft, dafür übernimmt die Alte dann Rapunzel, sperrt sie in einen Turm und es dauert achtzehn Jahre bis jemand vorbei kommt.
    Animationsfilm von Disney, den ich leider nicht bis zum Ende ausgehalten habe, so uninteressant fand ich ihn.
    Hübsch animiert (ein Stern) und bestimmt war die Auflösung super und ich hab sie verpasst (noch ein Stern).
    Bechdel-Test: Jup.
    ★★☆☆☆☆☆☆☆☆
  • The counselor (IMDB)
    @home
    Ein Counselor wird von einem Drogenbaron in ein Drogengeschäft hineingezogen. Alles geht aber irgendwie ein bisschen schief.
    Ridley Scott hat hier Regie geführt und ich hatte an der ein oder anderen Stelle das Gefühl, dass er vorher ein bisschen viel Tarantino geguckt hat. Die Leute reden stundenlang miteinander, manch einer mag es auch schwafeln nennen und zwischendurch passiert heftige, sehr skurrile Gewalt.
    Und irgendwo dazwischen marschiert Cameron Diaz her und ist sehr cool.
    Und ich mag sowas.
    Bechdel-Test: Ich denke nicht.
    ★★★★★★★★★☆
  • Silver Linings (IMDB)
    @home
    Pat Solitano Jr. (Bradley Cooper) kommt gerade aus der psychiatrischen Klinik – er hatte dort einige Zeit verbracht, nachdem er den Liebhaber seiner Frau Nikki ins Krankenhaus geprügelt hat. Er hätte seine Frau gern zurück, darf sich ihr aber – mit einer einstweiligen Verfügung gestützt – nicht nähern. Bei einem Abendessen lernt er Tiffany (Jennifer Lawrence) kennen, die nach dem Tod ihres Mannes auch heftige psychische Probleme hat. Die bietet ihm erst Hilfe an, wieder mit Nikki zusammen zu kommen, aber irgendwie werden dann auch die beiden Freunde.
    Jennifer Lawrence hat für ihre Rolle den Oscar gewonnen. Zu Recht. Aber auch alle anderen und die sehr schräge Story und überhaupt der ganze Film sind sehr grandios.
    Bechdel-Test: Nope.
    ★★★★★★★★★☆
  • Zack and Miri Make a Porno (IMDB)
    @home
    Miri und Zack, zwei Freunde, die sich seit der High School kennen und auch zusammen wohnen, sind eh andauernd pleite – und eines Abends hat man ihnen Strom und Wasser abgestellt. Um an Geld zu kommen beschließen sie, einen Porno zu drehen. Außer sich selbst als Hauptdarsteller finden sie noch ein paar Freunde, die ihnen helfen. Die Idee scheint gut, die Freunde sind begeistert und der Beginn der Dreharbeiten setzt bei allen viel Energie frei – doch irgendwie haben die beiden ewigen platonischen Freunde übersehen, dass sie sich sehr mögen.
    Ich bin durch Zufall in die ersten drei Minuten reingezappt und hängen geblieben, weil das alles so liebevoll und schön gemacht war. Zack und Miri sind zwei sympathische Loser, die nicht begreifen, wie sehr sie sich lieben und auch wenn das Ende absehbar ist (Naaa? Ob sie sich wohl kriegen??) ist das ein sehr, sehr hübsches kleines Filmchen.
    Extrem traurig finde ich zu lesen, dass in Amerika teilweise der Titel geändert wurde, um das Wort „Porno” zu vermeiden und dass es verschiedene Filmplakate gibt – eines mit einer Strichzeichnung – um jeden Schmuddelverdacht weit genug von sich zu weisen.
    Bechdel-Test: Nicht ganz, denke ich.
    ★★★★★★★★☆☆
  • Unknown identity (IMDB)
    @home
    Der Amerikaner Dr. Martin Harris, ein Biologe, landet mit seiner Frau in Berlin um auf einem wichtigen Kongress zu sprechen. Nach einem Autounfall liegt er vier Tage im Koma und als er wieder aufwacht weiß niemand mehr wer er ist. Seine Frau erkennt ihn nicht, auf dem Kongress läuft ein Dr. Martin Harris herum und er soll verhaftet werden.
    Auf Basis einer der klassischen Alptraum-Situationen entwickelt sich ein spannender Thriller mit einem ganz soliden Auflösung. Konnte ich mir gut angucken.
    Bechdel-Test: Nope.
    ★★★★★★☆☆☆☆
  • The Amazing spiderman 2: Rise of Electro (IMDB)
    @SuperDuperKinoInAltena
    Peter Parker ist ein HighSchool-Schüler und im Nebenjob der Superheld „Spiderman”. Dieser Job beeinträchtigt hin und wieder seine Beziehung zu seiner Freundin Gwen. Der kleine Oscorp-Angestellte Max fühlt sich unbedeutend und ewig übersehen und wird bei einem Unfall zu einem Dings mutiert. Der Dings beschließt, böse zu sein und will sich aus Gründen an Spiderman rächen. Nachdem der alte Oscorp-Chef gestorben ist, braucht sein Sohn und Nachfolger, Harry, Spidermans Hilfe – der muss ihm die aber verwehren. Harry beschließt, sich zu rächen.
    Obwohl das alles ja weder neu noch bisher nicht schon mal verfilmt gewesen wäre also eine Menge zu erzählen – und man ging auch mit viel irgendwas dran. Irgendwas wurde leider nicht genauer definiert und so fand ich das atemberaubendste an dem Film, wie er alle Handlungsfäden kurz aufnimmt um sie dann gekonnt vollkommen zu vergessen und schnell irgendetwas anderes (nicht) zu erzählen. Als Handlungsersatz gibts viele stille Momente mit Großaufnahmen von traurigen Gesichtern oder Wände anschreiende, Dinge werfende Protagonisten. Ich fürchte, das soll gehaltvoll sein.
    Auf facebook schrieb ich: „Die habe auf dem Kinoplakat was vergessen – der Film muss »The amazing much to long spiderman« heißen.” Und damit ist alles gesagt.
    Bechdel-Test: Überraschenderweise auch das nicht.
    ★★★☆☆☆☆☆☆☆
  • Außerdem habe ich, Stromberg durch. Großer Spaß.
    Und bei Mad Men* bin ich in der vierten Staffel angekommen. Ebenfalls ganz großes Kino.
    Ach ja: Im Fernsehen läuft Homeland und The Blacklist und das sind auch noch mal zwei Serien, die wirklich Spaß machen und nicht von ProSieben totgesendet werden (da muss ich auch dringend mal was drüber bloggen).
  • Und ganz dringend ans Herz legen möchte ich Euch noch Sing my song, eine wunderhübsche Sendung Dienstags Abends auf vox, in der Xavier Naidoo sich Sandra Nasic, Sarah Connor, Sascha, Andreas Gabalier, Roger Cicero und Gregor Meyle eingeladen. In jeder der sieben Folgen steht eine oder einer der sieben im Mittelpunkt und die anderen sechs singen jeweils eines der Lieder des siebten. Und die ersten beiden Folgen waren ganz wunderbar, weil alle sieben wirklich großartige Musiker sind, die mit großem Respekt und großer Freude an die Hits der anderen gehen. Wenn man Musik mag, dann lohnt das wirklich sehr.

Was ist eigentlich dieser Bechdel-Test? Guckstu hier. Banner und Links mit Sternchen führen zu iTunes und sind affiliate-Links