Woanders. Und die anderen. Und: Anders sein

Aus der Kategorie »just people«

Diese Woche habe ich nicht viele Links und beide sind nicht schön. Aber sie passen sehr zu etwas, was mich arg beschäftigt und deswegen ist das heute Linksammlung und normaler „Christian-denkt-so-rum”-Artikel in einem.

Da ist zum einen die Geschichte aus irgendeinem der Nachbarkäffer, in der jemand Schützenkönig wurde, um dann feststellen zu müssen, dass er wohl nicht Schützenkönig sein darf. Oder anders: Im Gegensatz zu Frauen dürfen auch Moslems Schützenbrüder sein, aber eben nicht Schützenkönig (jedenfalls in diesem speziellen Kaff).

Die andere Geschichte ist gar keine, sondern nur eine Antwort eine sächsischen Politkers auf eine Frage bei abgordnetenwatch.de. Aber sie erzählt eine Geschichte.

Und das bringt mich zu einem Thema, über das ich dieser Tage viel nachdenke. Das ist alles noch sehr ungeordnet, aber ich werfe die Puzzlestücke hier einmal rein. Wer weiß, was entsteht.

Diese beiden oben verlinkten Geschichten eint ja, dass dort jemand nach Regeln und vor allem wohl nach: Werten(!) lebt, die nicht meine sind. Schaue ich mir die Reaktionen meiner Filterbubble an, die die Links im Laufe der letzten Woche gesehen hat, sind sie auch nicht Deine Regeln und Werte, nicht unsere Werte (ich sag das jetzt der Einfachheit halber mal so)

Aber: Das ist nur eine Filterbubble. Unsere Filterbubble. Meine, Deine, unsere Werte scheinen nicht gesellschaftlicher Konsens zu sein, denn in beiden Fällen stellt sich jemand – sei es ein Schützenverein, sei es ein Politiker – hin und vertritt selbstbewusst, dass das Leben bitte anders zu sein habe.

Wer hat Recht? Niemand. Wer möchte Recht haben? Beide. Das nennt sich dann wohl gesellschaftlicher Diskurs. Man müsste drüber reden. Man müsste Lösungen finden.

Schaut man im großen Rahmen auf gesellschaftliche Entwicklungen, dann hat sich Gesellschaft, dann hat sich das Zusammenleben von Menschen in den letzten Jahrhunderten laufend verändert; ich picke mal zwei bekannte Besipele heraus:

Adelige zum Beispiel haben nicht mehr automatisch das Recht, den Bauern, die zufällig auf dem willkürlich abgesteckten Stück Land leben, dass die Adeligen als Besitz betrachten, alles wegzunehmen.
Ich habe das im Geschichtsunterricht als Fortschritt beschrieben bekommen. Wäre ich ein Adeliger sähe ich das eventuell anders.

Vom Adeligen bis zum Bauern, vom Städter bis zum Beamten haben alle das gleiche Recht mittels eines Bleistiftkreuzchens eine Stimme darüber abzugeben, wer in den nächsten vier oder fünf Jahren die Geschicke von Stand, Land oder Bund vertritt.
Auch das ist Fortschritt, habe ich gelernt; wäre ich adelig sähe ich auch das vermutlich anders.

Bei beiden willkürlich herausgepickten Beispielen (und bei einigen mehr) gibt es aber einen breiten gesellschaftlichen Konsens: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und daraus abgeleitete Werte, die dann in Verfassungen und Grundgesetzen mündeten, sind halbwegs anerkannte Werte.

Schaut man sich die Ausgestaltung dieser Werte an, scheint es aber noch einiges an Redebedarf zu geben. Nimmt man zum Beispiel den Abgeordneten Sebastian Fischer, so hat er offentsichtlich noch einen höheren Wert: Den christlichen Glauben.
Liest man seine Antwort, so schafft er ja folgenden, für mich arg mutigen, Gedankensprung:

  1. Jeder soll sich frei entfalten dürfen
    (Da bin ich dabei: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit usw; siehe oben)
  2. Keine Idee sollte als höherwertiger angesehen werden
    (D’accord; immer noch: Freiheit, Gleichheit, Dings usw)
  3. Als Christ finde ich es richtig, dass die Ehe etwas ist, was höherwertig ist und nicht allen zur Verfügung steht
    (Äh?)

Hups, wo ist denn die Gleichheit hin? Merkt er denn nicht, dass er die gerade über Bord gekippt hat? Merkt er nicht, dass Aussage drei den ersten beiden widerspricht?

Meine persönlichen Erfahrungen in Diskussionen mit wertkonservativen, christlichen Menschen in ländlichen Gebieten weisen statistisch signifikant nach, dass genau dieser Widerspruch nicht gesehen wird. Die gänge Argumention beginnt mit „Ja, aber …”.
Schaut man sich an, wie der Glaube an einen Gott konstruiert ist, kann es auch nicht anders sein:
„Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir”, heißt es – und nicht: „Ich bin der Herr, dein Gott, komm, hier steht Tee und jetzt lass uns mal drüber diskutieren, wie wir denn jetzt hier den Laden am Laufen halten”

Dass ich jetzt übrigens christliche Werte rauspicke soll gar nicht Religion allgemein bashen. Diese Regeln und Werte, die in Hinterköpfen rumspuken sind nur selten so klar formuliert wie dort. Sie können, fürchte ich, aber auch wenn sie sich eher auf nachbarschaftliches Zusammenleben oder andere Traditionen beziehen ebenso stark sein. Wenn nicht noch stärker.

Und während einer meiner höchsten Werte die Harmonie zwischen den Menschen ist, während ich fest daran glaube, dass man über Dinge reden kann und gemeinschaftliche Lösungen finden kann, muss ich wohl akzeptieren: Es gibt Menschen, die setzen zum Beispiel die Vorstellung eines Gottes (oder einer „das ist nun mal so”-Regel) darüber.

Und wenn Gott oder die Nachbarn oder die Schützen-Satzung sagen, dass der Moslem nicht Schützenkönig werden darf und der Schwule nicht heiraten und die Frau nicht so viel Geld verdienen und das Kind keine langen Haare haben, dann ist das eben so.

Und dann weiß ich manchmal nicht weiter. Aber vielleicht – und bevor das hier alles endgültig verschwurbelt – ist es gut, darüber gelegentlich nachzudenken. Sich das gelegentlich ins Gedächtnis zu rufen, dass es andere Meinungen gibt und dass die nicht per se doof sind, nur weil die halt doof sind.
Das ist ja by the way auch demokratisch. Wenn auch manchmal etwas schwer auszuhalten.


Filme und Serien im Juli 2014

Aus der Kategorie »just movies«

Alle Filme und (neu! neu!) Serien – egal ob @Kino oder @home im Juli 2014.

  • 24: Live another day (IMDB)
    Serie, 2014, @home
    maxdome beglückte uns mit der aktuellen Staffel 24, noch während sie in Amerika im Fernsehen lief. Läuft. Gelaufen ist.
    Eigentlich müsste diese Staffel „12” heißen, mehr Zeit hat Jack Bauer nämlich diesmal nicht, um die Welt zu retten. Diesmal haben (Überraschung!) Terroristen eine (Überraschung!) streng geheime Technik in ihren Besitz gebracht um damit (Überraschung!) die Welt zu bedrohen. Jedes Wort mehr würde spoilern und das will ich hier gerade nicht.
    Das Muster ist also nicht neu aber dafür erleben wir ein paar alte Bekannte in neuen Rollen. Trotzdem gab es ein paar Situationen, in denen ich in betont gelangweiltem Tonfall sprach: „Jetzt tut … gleich …” – und ich hatte jedes Mal recht. Trotzdem ist es wie 24 immer spannend und wird nur zum Schluß etwas hudelig. Vielleicht wären 16 Stunden gut gewesen, um die ganze Story unterzubringen.
    Bechdel-Test: Nein, eher nicht. Es sind zwar ein paar Frauen an wichtigen Positionen im Einsatz, aber eigentlich sprechen alle über Jack und Jack spricht über die Rettung der Welt.
    ★★★★★★★★☆☆
  • Blue Lagoon: The Awakening (Blue Lagoon: Rettungslos verliebt) (IMDB)
    Film, 2012, @home
    Emma ist eine beliebte, gut in ihre Mädels-Cliquen eingebundene Highschool-Schülerin, Dean ist eher so der Nerd. Also so der schöne, sonnengebräunte, bodygebuildete Nerd. (Häh?)
    Auf einer Party fällt sie vom Boot, er springt hinterher um sie zu retten, das zufällig anwesende Rettungsboot reißt sich los und treibt aus dem Hafen quer über den Pazifik zu einer einsamen Insel. Die beiden richten sich und ihre makellosen Körper auf dem Inselchen ein, er darf sie noch deflorieren und es ist unvergesslich und nachdem sie sich sehr verliebt haben, werden sie überraschenderweise dann doch noch gerettet. Ups. Jetzt hab ich die vollkommen innovative Storyline gespoilert.
    Leider weiß ich nicht, welcher Teufel mich geritten hat, diesen Film zu gucken. Nebenher habe ich ein bisschen programmiert. Dabei hats nur wenig gestört.
    Bechdel-Test: Nein. Bikinibody-Test inklusive Slomo von Fuß bis Brust: Ja. Was es nicht besser macht.
    ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Prometheus (Prometheus – Dunkle Zeichen) (IMDB)
    Film, 2012, @home
    Wissenschaftler finden in einer Höhle Zeichen, die sie als Schöpfungsgeschichte einer außerirdischen Spezies und als Einladung zu diesen Schöpfern verstehen. Es wird ein Raumschiff gebaut, gepackt und gestartet und man macht sich auf den Weg. In einer Höhle auf dem erreichten Zielplaneten ganzweitweg finden die Forscher ein paar Leichen, ein paar Urnen und Zeichen wie die auf der Erde – und natürlich haben sie aus den gängigen ScienceFictionFilmen nichts gelernt und nehmen den Schmonz mit an Bord und beginnen, darin herum zu bohren.
    Außerdem haben natürlich alle an Bord heimlich noch unterschiedliche Interessen und hintergehen sich lustig gegenseitig und wenn man weiß, dass Ridley Scott den Film als Prequel zu den Alien-Filmen gedacht hat, dann ahnt man, wo das alles hinfühen wird.
    Bechdel-Test: Jep. Das Raumschiff ist halbwegs quotiert besetzt und alle reden eh nur über die Aliens.
    ★★★★★★☆☆☆☆
  • Wir sind die neuen (IMDB)
    Film, 2014, @the movies
    Anne wird von ihrer Familie aus ihrer Wohnung gedrängt, sucht ihre alten Studi-WG-Kumpels Eddie und Johannes zusammen und gründet mit ihnen eine neue WG. Über ihnen wohnen Katharina, Barbara und Thorsten, die alle aktuell an der Uni sind.
    Entgegen aller Klischees sind die drei Alten die lauten und unsauberen, die junge WG hat eher geregelte Lernzeiten im Kopf als Grundsatzdiskussionen bei Tee am Küchentisch.
    Was lustig und klamaukig daher kommen könnte ist dann zwar durchaus an vielen Stellen zum lachen, hat aber deutlich mehr Tiefgang als befürchtet. Und: In dem Moment, als ich dachte „Jetzt wäre der perfekte Moment den Film zu beenden, aber deutsche Filme müssen ja immer noch …” – da hörte der Film auf. Thumbs up. Und sogar Herrn Lauterbach hab ich gut ertragen können.
    Wir – als sozialpädagogisch sozialisiertes Pärchen in den vierzigern – haben noch lange über den Film gesprochen.
    Bechdel-Test: Nop. Die WGs sind zwar insgesamt quotiert besetzt aber die beiden jungen Mädels sprechen quasi gar nicht miteinander. Und auch Anne spricht nur mit Thorsten.
    ★★★★★★★☆☆☆
  • Veronica Mars (IMDB)
    Film, 2014, @home
    Zehn Jahre nachdem sie Neptune verlassen hat, kehrt Veronica zurück, als ihr Exfreund Logan unter Mordanklage steht und einen Anwalt braucht. Sie bleibt in der Stadt und taucht wieder tief ein in das korrupte Leben in der Kleinstadt, die sich in der Zwischenzeit nicht zum besseren entwickelt hat.
    Vor zehn Jahren spielte Kristen Bell die Teenie-Detektivin in der miesen kalifornischen Kleinstadt; leider war nach der dritten Staffel Schluß. Im letzten Jahr nutzte sie eine Kickstarter-Kampagne, um die Geschichte weiter zu erzählen.
    Ja, „Teenie-Mädchen spielt in der HighScholl Detektiv” klingt recht grauenhaft, aber die Serie war wirklich ganz wunderbar. Und dieser Film setzt einen würdigen Abschluss hinter die etwas abrupt beendete Serie.
    Bechdel-Test: Ja. Veronica spricht mit jeder und jedem und dabei fast nur über ihren Fall.
    ★★★★★★★★★☆
  • Fantômas (IMDB)
    Film, 1964, @home
    Der Journalist Fandor schreibt einen Artikel, in dem er anzweifelt, dass es den genialen verbrecher Fantomas wirklich gibt. Der kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und entführt Fandor – und missbraucht ihn für seine nächsten Verbrechen.
    Louis de Funès wäre am 31.7. 100 Jahre alt geworden und so zeigte KabelEinsClassics die drei Fantomas-Filme an einem Abend. Ich habe sie aufgenommen, habe aber erst den ersten geschafft. Der Film entstand zu Beginn von Louis’ Filmkarriere und er ist viel weniger „Ja? Oah! Nein! Oah!”-klamaukig als später und 50 Jahre später hat der Film einen ganz wunderbar gemächlichen Charme – sowohl im Erzähltempo, in den Action-Szenen als auch in Tricks und Stunts.
    Bechdel-Test: Nope, Frauen sind nur Beiwerk.
    ★★★★★★★☆☆☆

Was ist eigentlich dieser Bechdel-Test? Guckstu hier. Banner und Links mit Sternchen führen zu iTunes und sind affiliate-Links



Twitter-♥ im Juli 2014

Aus der Kategorie »just twittered«

Anne sammelt wieder alle Twitter-♥


(sponsored) Das perfekte Selfie?

Aus der Kategorie »just links«

Damals (ja, Opa erzählt mal kurz von vorm Krieg) bloggten wir ja alle anonym. Keine Klarnamen, keine Fotos.
Irgendwann hat sich das rapide geändert.

Zuerst begannen ein paar Blogger ihre daily-Fratze zu schießen. Und so selbstdarstellerisch so ein Bild erst schien, so entstanden aus der Wiederholung durchaus interessante und faszinierende Serien: Ein Bild ist langweilig, zehn Bilder selbstverliebt, ein paar Jahre werden auf einmal Kunst. Oder Zeitzeugnisse.

Diese jungen Menschen im Web heute (Ihr verzeiht meinen ironischen Tonfall) wissen das alles nicht. Sie kennen nicht die weiten Wege, die von der daily-Fratze oder der daily-Dauerwelle über den daily-Mugshot zum „Selfie” zu gehen waren. Sie wissen nicht, dass man früher noch keine Frontkameras hatte, dass man seine Digicam auf Verdacht aufs Gesicht richten musste und nur hoffen konnte, dass man wirklich auf dem Bild auch drauf war und der Autofokus auch die Nase und nicht den Eisverkäufer im Hintergrund erwischt hatte.

Ja, Ihr Lieben, so war das früher.

Dafür haben sie das Selfie zu einer eigenen Kunstform erhoben, sie haben es zum britischen Wort des Jahres 2013 gehoben und ich bin – und das meine ich jetzt überhaupt nicht ironisch – furchtbar gespannt, was wir in ein paar Jahren aus den Selfies zwischen #609060 und dem worlds-most-retweetet Selfie von Oscar herauslesen.

Außerdem wissen sie wirklich – also: wirklich! – was sie tun. Simon Desue erklärt es. Und ich staune – nicht nur über die Menge der Bildbearbeitungsapps.

Transparenzdings: Simon erklärt das übrigens für die Vodafone-Kampagne 4milliarden.vodafone, für die ich wiederum diesen Beitrag schrieb.


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Beginnen wir unseren kleinen Linkreigen mit dem Thema Inklusion. Ich hatte ja schon etwas sehr langes darüber geschrieben, und hier finden sich auch noch einmal lesenswerte Worte. Besonders schön finde ich die Zwischenüberschrift „keine Gleichmacherei, sondern Chance” und daneben den einen Kommentar, der davon spricht, dass dieses Chancending eben an der Realität vorbei geht, weil nun einmal nicht alle die gleichen Chancen haben. Und weil ein „gesunder” diagnostiziert, welche Chancen eine „Behinderter” hat, darf man den Behinderten dann behindern oder wie? Entschuldigt, ich rege mich schon wieder auf.

Aufregen ist ja eh ganz wichtig, tut ja jede über alles – miteinander reden und mal zuhören und mal verstehen-versuchen hingegen ist ziemlich out. Philipp wirft einen Blick auf die schleichende, nichtsdesdotrotz gründliche Änderung in der Bedeutung des Begriffs „verstehen” (nach ”Gutmensch” und „Opfer”), woher die kommt und hat es nebenbei geschafft, mir mit einem sehr klaren kleinen Vergleich mal wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass es Menschen gibt, die gar nicht reden wollen. Falken und Tauben und so. Man darf das, glaube ich, nie vergessen.

Machen wir einen kleinen Schwenk rüber zu Frau Haessy, deren Körper auf einer ganz anderen Ebene als oben gemeint auch nicht ganz so funktioniert wie sie sich das wünscht. Und die sich deswegen furchtbar über einen Artikel in der BrandEins aufregt. Denn, so findet sie: Es ist in unserer Körper-entfremdeten Zeit ein bisschen simpel einfach zu sagen: „Essen Sie ruhig, Sie wissen schon was gut für Sie ist”.
Ich muss gestehen, ich habe den Artikel in der BrandEins gar nicht so schlimm gefunden wie große Teile meiner FilterBubble und mag den Tenor „Wir haben, wenn wir ehrlich sind, gar nicht wirklich Ahnung über Ernährung, deswegen kommt alle mal runter und hört auf Euch selbst” durchaus positiv hören, verstehe Frau Haessys Ansatz aber durchaus auch. Und trinken tu ich auch nie was. Kopfschmerzflosse, liebe Claudia.

Wo wir aber schon bei geunder oder ungesunder Ernährung sind (ist ja eh alles egal), kann ich auch gleich das Backrezept der Woche verlinken. Mein Lieblings-Satz: „Kurz nach diesem Bild stand Sohn II übrigens auf der Zitronenpresse, die Zeit bis zum Absturz reichte aber nicht für ein gelungenes Foto.” Ja doch, es ist wirklich ein Backrezept. Und wer hätte nicht schon immer a) die Herzdame in AspikGelatine sehen und b) wissen wollen, wie denn diese Waldmeisterweingummitorte aus der Kindheit geht?

Aprospos „Kindheit”: In meiner hatte mir irgendwer eine Fachzeitschrift für Musikinstrumente und Studiotechnik mitgebracht – da gab es einen Testbericht für ein tragbares Mehrspurgerät. Sensationell. Tragbar! Vier Spuren! Auf einer normalen Cassette! Revolutionär!
Times are-a-changing und natürlich kann das iPhone das heute auch. Propellerhead hat da einmal etwas vorbereitet.

Gehört habe ich in der letzten Woche viel Blues und mich dabei an Keb Mo erinnert. Den und seine unfassbar entspannte Art zu singen hab ich damals, als ich das Album in die Finger bekam sehr gemocht. Jetzt wieder.


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Habe ich beim letzten Mal behauptet, das wäre hier eine wöchentliche Kolumne? Ganz schlechte Idee. Man sollte nie aussprechen, wenn etwas gut läuft. Schlechtes Omen und so.

Schauen wir erst einmal über den großen Teich. Dort hat ein Teenager etwas programmiert (ok, das ist jetzt noch nicht überraschend), was ich gerne auch hätte: Ein Browser-PlugIn, das de Namen von Politikern auf Websites um ein paar nützliche Hintergrundinfos ergänzt. Darum, woher der jeweilige Politiker so alles Geld bekommen hat nämlich. Lesen hier Teenager mit Programmierkenntnisssen mit?

Auch sonst läuft da drübern ja einiges schräg – der ganze Überwachungswahn der NSA, darüber müssen wir ja gar nicht reden. Oder? Kann uns hier egal sein, denken viele. Oder nicht? Kann man als Deutscher etwa auch ins Raster fallen? Ohne böse Hintergedanken vielleicht sogar schon? Vielleicht erschreckend leicht?

Aber auch diesseits des Teichs würde ich Politikern gerne auf die Finger schauen, auch hier passiert Blödsinn. Die Gesundheitskarte zum Beispiel ist für viele denkende Menschen eine ziemliche Katastrophe. Mit erhöhter Sicherheit wurde für dieses Kärtchen geworben, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass alles, wo mir Sicherheit versprochen wird, garantiert keine drin ist.

Kommen wir zum Gutmenschen-Abschnitt der kleinen Kolumne. „Hast Du nichts besseres zu tun?” ist ein durchaus beliebtes Argument von Menschen, die man auf einen Mißstand hinweist und die da gerade keinen Bock drauf haben. Wer zum Beispiel durch die Gegend läuft und zählt, ob Frauen bei Veranstaltungen, in Firmen, in whatevers auch nur halbwegs repräsentativ auftauchen wird diese Gegenfrage sicher schon mal gehört haben. Anne erklärt aber ganz gut, warum sie Frauen zählt.

Und die FAZ geht noch eins weiter, die erklärt nicht, sondern die plädiert. Recht leidenschaftlich sogar. Und sagt: Billige Klamotten machen hässlich.

Und? War das schon zu gutmenschig? Juckt es in den Fingern, ein paar kräftige Hasstiraden ins Kommentarfeld zu rotzen? Klar. Macht ja jeder, ist ja nur Internet. Andrea Diener schreibt bei der FAZ und kennt das. Und denkt drüber nach, was das mit ihr so macht.
Als ich ins Internet kam, da gab es übrigens noch die schöne Regel „Bedenke, dass am anderen Ende auch ein Mensch sitzt”. Nur mal so gesagt.

Aber was red’ ich? Ist ja wie gesagt alles nur Internet hier. Das scheint übrigens ernsthaft immer noch ein weit verbreitete Ansicht in unserer Gesellschaft, hier in Deutschland im Jahr 2014 zu sein. Glauben Sie nicht?


Heute war Morgennebel auf dem Haarstrang

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Die Filme im Juni 2014

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Alle Filme – egal ob @Kino oder @home im Juni 2014 (und zwei in Mai).

  • Safety Not Guaranteed (Journey of Love – Das wahre Abenteuer ist die Liebe) (IMDB)
    @home
    Darius Britt arbeitet als Praktikantin bei einer Zeitung und soll zusammen mit zwei Kollegen der Geschichte hinter einer seltsamen Kontaktanzeige nachgehen: „Partner für Reise in die Vergangenheit gesucht. Bezahlt wird nach Rückkkehr, Waffen werden nicht bereitgestellt, für die Sicherheit wird nicht garantiert.” Sie begeben sich auf die Suche und sie lernt Kenneth, einen seltsamen, aber sehr liebenswerten jungen Mann kennen.
    Ein sehr stiller Film über Menschen abseits des üblichen Weges, Menschen, die auf der Suche sind. Ein wunderhübscher kleiner Film.
    Bechdel-Test: Trotz Darius als Hauptperson findet sich leider keine zweite Frau, mit der sie über etwas anderes als Männer sprechen kann.
    ★★★★★★★★☆☆
  • The American (IMDB)
    @home
    George Clooney spielt den Waffenbauer und Auftragskiller Jack, der, nachdem er einem Anschlag auf sich selbst entkommen konnte, in einem kleinen italienischen Städtchen seinem nächsten Job nachgeht: Dem Bau eines speziellen Gewehrs. Während seiner Zeit dort verliebt er sich in eine Prostituierte und beschließt, auszusteigen. Er wird weiterhin verfolgt und auch seine letzte Kundin scheint nicht ungefährlich zu sein.
    Nicht ganz so wortkarg wie der erste Terminator überzeugt der Film eher durch Bilder als durch Worte – womit ich jetzt nicht andeuten will, der Film wäre so gewalttätig wie Arnies Frühwerk. Sehr still, sehr atmosphärisch; George macht auch das einsame, wortkarge sehr gut.
    Bechdel-Test: Nein.
    ★★★★★★★☆☆☆
  • 66/67 – Fairplay war gestern (IMDB)
    @home
    Florian und Otto führen eine Hooligan-Gruppe rund um Eintracht Frankfurt an. Die Gruppe bricht langsam auseinander, während die einzelnen versuchen, ihr Alltagsleben mit den Schlägereien und den Besäufnissen irgendwie unter einen Hut zu bekommen – und daran mal mehr mal weniger scheitern.
    Wenig Story, dafür teilweise fast beklemmend dicht an den Protagonisten, ihrer Szene und den sinnlosen Ritualen und Werten.
    Beeindruckend.
    Bechdel-Test: Nein.
    ★★★★★★★★☆☆

Ja, da war bestimmt noch mehr, aber irgendwie habe ich ein par mal vergessen, aufzuschreiben, wie’s war, wenn der Film zu Ende war. Frau Lawrence im blauem Bodysuit haben wir zum Beispiel noch zugeguckt aber es scheint das Alter zu sein: Ich erinnere mich nicht.

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