10 albums that have influenced me

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Auf facebook ging so ein Stöckchen-Dings rum und ein paar Wochen nach dem pflichtgemäßen Beantworten denke ich: Ach, ich schreib da mal ein paar Worte mehr zu.

Die Aufgabe lautete:

I’ve been challenged to list 10 albums that have had an impact on me. This challenge is not about best sellers or classics … just 10 albums that have had an effect on you in some way and it does not have to be in any particular order.

… und das war nicht ganz einfach. Weil zehn einfach zu wenig ist.
Meine Herangehensweise sah so aus, dass ich jeweils die Alben genommen habe, die für mich eine neue Tür aufstießen. Hier finden sich also nicht unbedingt die „besten” oder die erfolgreichtsten Alben, sondern ganz einfach die, die mir als erstes begegneten.
Aber seht selbst:

  1. metallicaMetallica – Garage Days Re-Revisited
    (amazon)
    Nachdem ich der Hitparaden-Pop-Phase entkommen war, hatte ich ein bisschen im Heavy Metal-Sektor rumgesucht. Vieles davon hatte zwar durchschlagenden Erfolg in der Disziplin „Schock Deine Eltern”, aber eines der ersten Alben, die mich musikalisch richtig begeisterten war diese EP. Sie war nicht nur laut und schnell wie die anderen Metallica-Alben, sie war roher, ursprünglicher. Metallica hatten sechs Stücke gecovert und schon damals galt natürlich, was ich Jahrzehnte später von Dave Grohl hören würde: „If you want to learn about your idols, ask them about their idols”. Und so öffnete sich für mich die Logik hinter der Gewalt der „Master of Puppets”, die ich natürlich schon besaß und ich hörte zu und ich verstand, und ich sah dass es gut war.
    Ich kannte jetzt den Heavy Metal.
  2. supertrampSupertramp – Crime of the century
    (iTunes / amazon)
    Natürlich stößt man als musikinteressierter junger Mann irgendwann auf ProgRock und Konsorten. Auf die bombastisch arrangierten Konzeptalben von Genesis, Yes, Pink Floyd oder eben Supertramp. Bewegte man sich in einem Musik-affinen Umfeld, dann wusste man einfach, dass man so etwas hören musste.
    „School” und vor allem „Hide in Your Shell” trafen nebem dem intellektuellen Zugang, den ProgRock manchmal erforderte auch noch mein melancholisches Teenie-Seelchen und schon wars um mich geschehen. Ich habe diese Platte unzählige Male gehört und kann bis heute weite Teile auswendig.
    Ich kannte jetzt den Siebziger-Rock.
  3. Peter_GabrielPeter Gabriel – Plays live
    (iTunes / amazon)
    Zum Abschluss der zehnten Klasse fuhren wir nach Würzburg und irgendwie schaffte es der Herr Mennigmann, dem Busfahrer nicht nur ein Tape ins Cassettendeck zu drücken, sondern auch noch dafür zu sorgen, dass der es auch eine Woche nicht wieder heraus nahm.
    Natürlich kannte ich „Sledgehammer” aus dem Radio, aber das ist ja auch nur eines von vielen Puzzlesteinchen aus Herrn Gabriels Werk. Deutlich mehr vom großen Rest lernte ich also auf dieser Klassenfahrt kennen – auch wenn es arg nervte, wenn Herr M. mir bei jedem „Shock!” in „Shock The Monkey” den Zeigefinger in die Rippen kiekste. Treue Leserinnen kennen die Geschichte. Please apologize.
    Ich kannte jetzt Peter Gabriel (ja, der ist ein eigenes Genre).
  4. milesMiles Davis – You’re under arrest
    (iTunes / amazon)
    Ebenfalls wichtig in einem Musik-affinen Umfeld ist es, „bessere” Musik zu hören als die anderen. Jazz ist immer besser. Haha.
    Keien Ahnung, warum ich dieses Album wählte (Sting? Cindy Lauper-Cover? Michael Jackson-Cover? Zufällig gerade veröffentlicht?) aber es öffnete die Tür zum Jazz und es öffnete die zu Miles. Um hier nicht zu ausufernd zu werden, gehen Sie doch einfach hier entlang, der Herr Davis hat einen eigenen Eintrag hier im jawl bekommen.
    Ich kannte jetzt Jazz (Haha).
  5. zappaFrank Zappa – Broadway the hard way
    (iTunes / amazon)
    Von Jazz zu Zappa ist es ja auch nicht weit. Nur, dass Jazz manchmal so ernst ist. Gerade auf Jazz-Festivals begegnen Ihnen ja gerne die Jazz-hörenden Oberstudienräte – in schlechtsitzendes Jack Wolfskin gehüllt, die Augen geschlossen und mit dem linken Zeigefinger irgendwelche Rhythmen in die Luft klopfend, deren einziger Zusammenhang zu dem auf der Bühne der ist, dass er nichts damit zu tun haben darf. Die nehmen das sehr ernst. Oder der Besucher, der auf einer kleinen Party bei uns als erstes zu meinem CD-Regal ging und dann meinte: „Da ist aber auch viel Rockmusik dabei”.
    Zappa ist ja nicht so ernst.
    Diese Platte war sicher ein leichterer Einstieg in Zappas Welt und ich muss noch heute grinsen, wenn ich an manche Sätze denke: You are not the illegitimate son of Michael Jackson!
    Ich kannte also jetzt Zappa (auch eher so ein eigenes Genre)
  6. garbarekJan Garbarek – Legend of the seven dreams
    (iTunes / amazon)
    Im Nachbarstädtchen gibt es eine Höhle und die ist groß genug, um darin Konzerte zu veranstalten. Vor den Fanta Vier wussten das schon andere Menschen und veranstalteten dort Ende der Achtziger ein Jazz-Festival. Ohne den Hauch einer Ahnung gingen wir hin.
    Am zweiten Tag, vollkommen übernächtigt und dementsprechend angeschlagen saß ich in der relativ leeren Höhle und dann begann vorne Herr Garbarek zu spielen. Sein Saxophon nahm mich mit auf eine Reise in die Geschichten und Mythen seiner skandinavische Heimat und als er fertig war und ich wieder im Sauerland ankam, hatte ich Tränen in den Augen.
    Ich kannte jetzt das, was die Skanidinavier aus Jazz und Musik allgemein machen. Ich würde es für immer lieben.
  7. ratmRage Against The Machine
    (iTunes) / amazon
    Nach der ersten Heavy Metal-Phase war ich ja nun arg verweichlicht. Hatte viel Popmusik gehört und mich von Jazzern zum Heulen bringen lassen. Was ein Glück, dass in Seattle der Grunge explodierte. Ich habe lange überlegt, welches Album meine traurige Wut aus dieser Zeit am besten repräsentiert, aber die unglaubliche Energie eines endlos wiederholten „Fuck you, I won’t do, what you tell me!” erreicht mich noch heute. Auch wenn natürlich auch heute noch gilt: Wenn die Lichter aus sind ist es nicht so gefährlich. Ach, ich sagte ja, es ist zu schwer, sich auf lächerliche zehn Alben zu beschränken.
    Ich kannte jetzt Grunge und es gab wieder Rockmusik in meinem Leben.
  8. lauschgiftDie Fantastischen Vier – Lauschgift
    (iTunes / amazon)
    Parallel zur Rockmusik aus dem Norden Amerikas begannen in Deutschland vier Jungs in bunten Klamotten über ein Mädchen zu rappen, dass Freitags nie konnte. Ich beobachtete das mit einiger Skepsis, aber da einige meiner besten Freunde sehr auf diesen Kram abfuhren und teilweise damit selbst später in den Charts auftauchten auch irgendwie mit Interesse.
    Die Fanta Vier selber hatten sich, als „Die da” durch die Decke ging selbst schon wieder davon emanzipiert und mit Lauschgift erschien ein Nachfolger, der eine Schneise durch die Scheisse schnitt und mich vollkommen mit nahm.
    Ich kannte jetzt (deutschen) HipHop.
  9. Faithless_ReverenceFaithless – Reverence
    (iTunes / amazon)
    Hip Hop hin, Acid Jazz her – ich war ein ehrlicher Rocker und wenigstens elektronische Tanzmusik kam mir nicht ins Autoradio. Als dritte Subkultur der Neunziger hatten ja ein paar DJs den Techno in die Charts gehievt und das wollte. ich. einfach. nicht.
    Dann erklärten mir Faithless, dass sie nicht schlafen konnten und sie machten das sehr überzeugend. Durch ein bisschen Vitamin B und nach dem Erwerb einer Flasche mittelguten Rotweins, die der türöffnende Hallenwart für eben dieses Türöffnen bekam, stand ich dann sogar eines Abends in der Frontrow der Phillipshalle, sah Faithless live und war endgültig verfallen. Wer jemals etwas über „Charisma” erfahren will, der schaue sich Maxi Jazz auf der Bühne an.
    Ich kannte jetzt elektronische Tanzmusik.
  10. tinadicoTina Dico – A beginning, a detour an open ending
    (iTunes / amazon)
    Jahrelang passierte wenig in meiner musikalischen Welt, dann lud Ina Müller Tina Dico zu sich in die Sendung ein. Ich besorgte mir eine Platte und sie sang jedes Wort nur für mich. Und erwähnte ich insgesamt schon meine Liebe zu skandinavischen Melodien?
    Der Rest ist Geschichte.
    Danke, Frau Müller!
    Ich kannte jetzt Tina Dico.

Die Links zu iTunes / amazon sind affiliate-Links und bescheren mir damit, wenn Ihr draufklickt, jeweils ein paar Cent.


Twitter-♥ im November 2014. Und im Oktober!

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Anne sammelt wie immer alle twitter-Liebe

Da ich im Oktober ja etwas geschlunzt habe, kommt jetzt hier die doppelte Ladung Tweets!


Filme und Serien im November 2014

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Alle Filme und Serien – egal ob @Kino oder @home im November 2014. (Ja, im Oktober hab ich geschlunzt)

  • Who Am I – Kein System ist sicher (IMDB)
    Kino, Deutschland 2014
    Benjamin ist ein Nerd, ein Unsichtbarer, ein Loser. Der, der nicht mal als letzter in die Mannschaft gewählt wird, sondern auf der Bank sitzenbleibt. Logischerweise kann er wenigstens gut mit Computern und das ebnet ihm den Weg in eine Hackergruppe, die immer größere und größere Ziele angreift. Und die schließlich mit internationalem Verbrechen in Kontakt und Konflikt kommt.
    Hacker-Filme sind meist entweder fachlich peinlich und zu reißerisch oder schlichtweg nur Nerd-kompatibel. Aber hier entdeckte weder ich fachliche Patzer, noch stieg die Liebste neben mir sachlich aus. Für die extremen Hacker-Szenen haben die Macher wirklich gute Bild-Metaphern gefunden und obwohl ich vor dem Gucken in die – wie immer sehr ausführliche – Wikipedia-Beschreibung geraten war, hatte ich vor lauter Spannung nach ein paar Minuten alles vergessen.
    Bechdel-Test: Nope.
    ★★★★★★★★★☆
  • Gone Girl (Gone Girl – Das perfekte Opfer) (IMDB)
    Kino, USA 2014
    Nick und Amy Dunne führen die perfekte Ehe. So sieht es jedenfalls aus, denn als Amy exakt an ihrem fünften Hochzeitstag verschwindet, weiß Nick irgendwie erschreckend wenig über sie – dafür findet sich ein Indiz nach dem anderen, das ihn schwer belastet. Hat er sie entführt? Getötet? Wer sonst? Es ist nicht klar.
    Auch wenn andere das anders sahen (*winkt Garvin zu*) – wir fühlten uns über die gesamte Überlänge des Films gar prächtig unterhalten. Spannend, uns immer wieder in die Irre führend und mit einem sehr angenehm offenen Ende kamen wir nach dem Film sehr in der Stimmung gefangen aus dem Kino und stellten fest, das wir jetzt leider nicht zusammen in ein Auto steigen konnten. Mehr gibts nicht zu bemängeln.
    Bechdel-Test: Nope.
    ★★★★★★★★★☆
  • The Hunger Games: Mockingjay – Part 1 (Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1) (IMDB)
    Kino, USA 2014
    Katnis ist im Bezirk 13 gelandet, nachdem sie bei ihrem zweiten Auftritt in der Arena die Kuppel zu Brei geschossen hat. Dort haben sich die freien Überlebenden des Krieges gesammelt und planen die Revolution. Und sie finden, Katnis sollte das Gesicht ihres Kampfes werden.
    /me hebt zwei Finger und pfeift vier Töne.
    Wir lasen vorher beide das Buch, ich fands toll, die Liebste fands flach und mau. Der Film wird dem Buch vollkommen gerecht und so hatte ich meinen Spaß, die Liebste nicht so.
    Bechdel-Test: Jep.
    ★★★★★★★★☆☆
  • The Big Bang Theory (Season 7) (IMDB)
    Serie, USA 2014
    Penny und SheldonLeonard scheinen ein ernsthaftes Paar zu sein, Howie und Bernie auch. Selbst Shamy verbindet irgendetwas, auch wenn Amy gerne eine etwas konventionellere Beziehung führen würde und immer sehr leidet.
    Und Raj hat ja seine Töle. Es geht also mehr um Beziehungsproblemchen als um Strings und Comics.
    Vor Jahren und damit vor vielen Seasons schon las ich jemanden (*winkt schon wieder Garvin zu*) im Internet sagen: „Ich hasse Amy Farah Fowler!” Und ja: Die Serie hat sich weit von ihrer ursprünglichen Story weg bewegt.
    Aber da ich immer noch ein Nerd bin, der kleine blonde Frauen liebt; da ich also folgerichtig immer noch haltlos in Penny verliebt bin, kann ich leider nicht anders: TBBT schließt für mich emotional und von der Bedeutung her quasi an Friends an und ist damit außer Konkurenz.
    Bechdel-Test: Ich denke, der sollte meist erfüllt sein.
    ★★★★★★★★☆☆
  • Sonic Highways (IMDB)
    Serie, USA 2014
    Die Foo Fighters machen ein neues Album. Sie kommen zuerst auf die lustige Idee, jeden Song in einem anderen Studio aufzunehmen und dann auf den Trichter, dass die Umgebung ja jeweils auch die Lieder beeinflusst. Zum Glück dokumentieren sie eh, was sie tun und so entsteht eine für Musiker und Pop-/Rock-Kultur-interessierte Menschen unglaublich wunderbare Dokumentation quer durch die Musikgeschichte der USA.
    Und als die Foo Fighters und mit ihnen die Doku in Austin ankommen, saß ich haltlos heulend auf der Couch, weil ich Stevie Rays Gitarre immer noch so sehr vermisse.
    Ein dickes Dankeschön an Herrn yelloled, der mir das Angucken empfahl. I love it.
    Bechdel-Test: Entfällt.
    ★★★★★★★★★★

Darüber hinaus habe ich in der letzten Zeit unfassbar viele Tierdokus und alle greifbaren „Eisbär, Affe und Co.”-Varianten geguckt, denn mir war aus Gründen nach so viel heiler Welt wie möglich. Ich führe das aber nicht einzeln hier auf, ebensowenig wie den Grippe-kranken Nachmittag, den ich damit verbrachte, „New Girl” im Original zugucken. Schon nach sechs Folgen hab ich dann nämlich selber gemerkt, dass ich eigentlich gar nicht hingucke.

Was ist eigentlich dieser Bechdel-Test? Guckstu hier. Banner und Links mit Sternchen führen zu iTunes und sind affiliate-Links


Ach ja. Da war ja noch was.

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Regelmäßige Leserinnen von twitter oder facebook wissen es schon, nichtsdestotrotz sollte ich es hier ja auch mal erzählen: Vor ein paar Wochen habe ich eine Fanpage über die wunderbare Tina Dico veröffentlicht. Sie hat natürlich alles, was eine Fanpage so braucht – also ein bisschen Biographie, die CDs, Bildergalerien, Videos, Konzertkritiken, Links und so weiter – aber vor allem hat sie, und das finde ich ganz wunderbar, die Unterstützung von Frau Dico selbst. Darüber bin ich furchtbar dankbar.

tinadicofan.de

Für die technisch interessierten: Als Unterbau hat sie eine ProcessWire-Installation – und das hat sich ziemlich schnell zu meinem neuen Lieblings-CMS gemausert. Aber das natürlich nur am Rande.


25 Jahre Mauerfall. 4 Tage Mauerbau.

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Der Mauerfall
1989 war ich 17 Jahre alt. Über das Jahr hin hatte ich natürlich mitbekommen, dass und was sich in der DDR tat. Aber zum einen unterhielt man sich in meiner streng CDU-wählenden Familie nicht weiter über politische oder gesellschaftliche Themen. Und zum anderen hatten meine Eltern meine Schule danach ausgesucht, dass sie mir ihr Weltbild möglichst nahtlos weiter in den Kopf pressen sollte – und so gab es wenig Raum für eine Beschäftigung mit den Ereignissen.

Ich erinnere mich dunkel, zwar schon ein Gefühl dafür gehabt zu haben, dass gerade etwas Großes passierte, aber vermutlich machte mir das hauptsächlich diffuse Angst. Ich glaubte zwar schon länger meinem Vater nicht mehr jedes Wort – aber wenn man von frühster Kindheit damit aufgewachsen ist, dass „der Osten” das Böse an sich ist und Papa morges das Haus verlässt, um in Uniform unser armes kleines Land und die ganze freie Welt zu schützen, dann sitzen manche dieser Gefühle tiefer als man das ahnen kann.
Außerdem schlug mein Herz damals – zwar noch wesentlich unfundierter aber vermutlich dafür emotionaler als heute – schon eher links als rechts und ich befürchtete, dass haarlose Idioten gleich mal auf den „Wir sind das Volk”-Zug aufspringen würden. War ja jetzt auch nicht sooo unbegründet, diese Angst.

Und so nahm ich dann auch den Tag der Maueröffnung zwar wahr, aber irgendwie … tja.

Das freudigste Ereignis für mich war ehrlich gesagt wohl am nächsten Tag: Die Nonnen, die meine Schule leiteten, wuselten wie frisch aufgezogene Duracell-Häschen durchs Gebäude – vor Freude darüber, dass sie jetzt wieder in das Mutterhaus ihres Klosters in der (noch-)DDR reisen konnten.
In nahezu ekstatischer Begeisterung stellten sie in allen Treppenhäusern Fernseher auf (mit dem Brandschutz hatte man es damals noch nicht so) und verdonnerten alle Schüler zum gemeinsamen Erleben deutscher Geschichte. Jaja, auf einmal.
Ein paar Freunden und mir war klar, dass niemand in dem Gewusel kontrollieren konnte, ob man ihm bewohnte und wir verbrachten den Vormittag deutlich entspannter im örtlichen Cafe. Und vier Stunden Unterrichtsfrei sind vier Stunden Unterrichtsfrei.

Die Wiedervereinigung
Am Samstag, dem 29.9.1990 fuhren ein, also genauer: mein Englisch-LK und ein Geschichts-LK zusammen auf die obligatorische Kursfahrt: Vierzig knapp 18-jährige für eine Woche nach England. (Wer die armen Geschichtler, die ja garantiert nicht aus tiefer Liebe zu Fremdspachen heraus Geschichte als LK gewählt hatten in diese Verlegenheit brachte, habe ich bis heute nicht begriffen – aber die Wege dieser Nonnen waren halt unergründlich)

Wir waren zuerst drei Tage in Oxford, dann vier Tage in London. Und um so richtig in die Kultur des Landes eintauchen zu können, hatte man uns in Gastfamilien untergebracht (arme Geschichts-LKler) und das war aus vielen Gründen sehr spannend.
Einer – und damit der in diesem Zusammenhang interessante – war, dass wir an Zeitungskiosken und überhaupt in einem anderen Land das erste Mal mitbekamen, wie man von außen auf die deutsche Wiedervereinigung schaute. Deutschland allgemein war ja größtenteils eher im Freudentaumel und wie gesagt: Mein kleines Umfeld war an politschenm Diskurs eher wenig interessiert.
Ich erinnere mich nicht konkret an Schlagzeilen oder Artikel, aber die Engländer sparen ja eh selten mit Nazi-Sprüchen und die in vielen Formen rübergebrachte allgemeine Bersorgnis machte mich sehr nachdenklich.

Zum anderen waren mein Freund und ich zumindest in der ersten Familie in Oxford bei Menschen gelandet, die nicht nur ein bisschen Taschengeld nebenbei brauchten, sondern die auch richtig Bock hatten, sich mit ihren Gästen mal zu unterhalten.
Sie selbst waren aus Nordafrika nach England gekommen und kannten jede Form von Fremdenfeindlichkeit aus Ausländerhass aus erster Hand. Es war interessant, sich mit ihnen zu unterhalten und ich hoffe, wir konnten zumindest diesen beiden Menschen vermitteln, dass Deutschland im Vereinungsfreudentaumel jetzt nicht gleich wieder von Maas bis Memel wollte.

In der Nacht zum dritten Oktober hingegen lernte ich das erste Mal in meinem Leben schmerzhaft, was eine Filterbubble ist. Auch offline wähnt man sich ja immer irgendwie in der Gewißheit, dass alle Menschen um einen herum irgendwie so ticken wie man selber und der engere Kreis um einen selbst.
Und da wir uns ja schließlich – ausgelöst durch Schlagzeilen und Gasteltern-Gespräche – auch all die Tage immer wieder durchaus auch besorgt über die möglichen Folgen dieser Hauruck-Vereinigung unterhalten hatten, gingen „wir” auch davon aus, dass der ganze Bus so tickte wie wir.

Tat er nicht.

Ich muss noch kurz erzählen: Wir trafen uns nachts, nach dem Schließen der Pubs, immer noch am Bus. Unser Busfahrer war wohl sehr England-Reisen-erfahren und hatte jeden verfügbaren Freiraum seines Busses mit Dosenbier vollgestopft. So konnten die Sperrstunden-ungewohnten Deutschen noch nachfeiern und ich vermute, er verdoppelte damit in etwa seinen Lohn.
In der Nacht zum dritten Oktober standen wir also wieder auf dem Parkplatz und mussten feststellen, dass um Punkt zwölf die andere Filterbuble, die sich zufällig im gleichen Bus befunden hatte, diesen historischen Moment mit dem Absingen der deutschen Hymne begehen wollte. Ach und weils so schön war: Da gabs doch auch noch ’ne erste Strophe. Und wenn man schon so schön zusammen steht, dann kann man ja auch in der Menge versteckt mal eine Hand in den Himmel strecken.

Außerdem lernte ich damals die Kraft kennen, die ein „Ach Du bist doch ’ne Spaßbremse!” haben kann, wenn man Menschen anspricht, die gerade finden: „da wird man doch wohl mal singen dürfen”.

Nachdem ich meinen Freund, der das Ganze dann mit den Fäusten klären wollte, zurückgehalten hatte gingen wir traurig in unsere Familien. Nein, nicht nur traurig. Hilflos, wütend, traurig, beschämt, verwirrt. Alles auf einmal.

Morgens am dritten Oktober 1990 war die Teilung Deutschlands beendet und die Teilung eines LKs eines Mendener Gymnasiums besiegelt.


Wetten, dass …?

Aus der Kategorie »just TV«

Nachdem Frau Dico ja sagt, dass sie gerne in Deutschland ist, sehen andere internationale Künstler das offensichtlich anders.


Interview mit Tina Dico zum Album „Whispers” und der bevorstehenden Deutschland-Tour

Aus der Kategorie »just music«

Manchmal bin ich ein kleines Glückskind :) Zum Beispiel, als ich letztens den Mumm hatte, Tina Dico zu fragen, ob sie mir ein paar Fragen für mein Blog beantwortet und sie ganz unkompliziert zugestimmt hat. Und mir sehr ausführlich und wie ich finde persönlich und interessant geantwortet hat. Mange tak!

Erstmal noch alles Gute zu Eurer Hochzeit!
Danke! :)

Meine erste Frage: Wenn man so auf Deine Karriere zurückschaut, dann hast Du in der letzten Zeit eine ganze Menge geändert: Vom rastlosen Reisen durch die ganze Welt hin zu einem Leben mit Haus, Ehemann und zwei Kindern in Island. Vermisst Du die alten Zeiten? Oder Teile davon?

Ich war noch nie jemand, der viel zurück blickt und so denke ich da gar nicht so viel drüber nach. Aber wenn ich an Orte von früher zurück komme – Notting Hill in London zum Beispiel, wo ich fünf der intensivsten Jahre meiner Karriere gelebt habe – dann kann ich all die Träume und Gedanken von damals wieder fühlen. Oder wenn ich durch New York laufe, dann kann ich wieder spüren, wie aufregend das damals war.
Aber wenn ich dann wieder zu Hause bin, dann denke ich darüber nicht mehr nach. Mein Leben hier bietet immer noch genau so viel Aufregung und Abenteuer wie damals das als „restless troubadour”. Und wie wahrscheinlich alle jungen Eltern fehlt mir nur manchmal etwas Zeit für mich selbst; dafür, einfach mal nur da zu sitzen und mal eine Stunde nur an die Wand zu gucken.

Kommen wir zu Deiner Musik: Das neue Album ist ja sehr akustisch und ruhig. Schaut man sich alle Alben an, dann wirkt es so, als ob Du immer wieder ein ruhiges akustisches mit einem „Pop”-Album abwechselst. Nimmst Du Dir das vor, oder passiert das einfach so?

Ja, da hast Du total Recht. Aber das ist nichts, was ich mir vornehme, das passiert einfach. Immer wenn ich etwas leiser und verschlossener war, fühlt es sich an, als müsste ich dann wieder etwas direkter werden – und umgekehrt.
In der Vergangenheit war das manchmal richtig schwierig: Viele Zuhörer mögen sehr, wenn ich alleine mit der Gitarre meine Geschichten erzähle. Und wieder andere, vielleicht besonders die zu Hause in Dänemark, mögen meine Lieder aus dem Radio und kommen zu den Konzerten mit der Band, um mitzusingen und zu feiern.
 Also versuche ich, beidem seinen Platz zu geben, es ist manchmal fast ein bisschen schizophren … (lacht)

Ich kann auch gut einen Abend in einem schönen, klassischen Theater alleine mit meiner Gitarre auftreten und für ein ruhiges Publikum spielen, das mir gut zuhört – und am nächsten Abend mit der Band in einem dreckigen Club. Und ich mag das! Ich nehme mir so das Beste aus beiden Welten.

Im Moment konzentriere ich mich aber hauptsächlich darauf, in ruhigen Shows meine Geschichten zu erzählen.

In den letzten Jahren hast Du ja auch meist zum Album erst eine Tour mit der Band gemacht, oft dann von einer intimeren Akustik-Tour gefolgt. Was werden wir auf der „Whispers”-Tour erleben?

Das habe ich ja eigentlich fast schon gesagt. Aber ausführlicher: Ich bin mit drei Musikern unterwegs: Dennis und Helgi, die mich ja schon seit vielen Jahren an der Gitarre, Klavier und Posaune begleiten. Außerdem ist noch eine Frau dabei, die auch singt und Percussion spielt. So werden wir eine ruhige, akustische Atmosphäre haben, können aber auch mal Gas geben, wenn es nötig ist.

Mir geht es viel um unsere Stimmen und darum, zusammen zu singen. Ich LIEBE es so sehr, mit Helgi zusammen zu singen und mit einer dritten Stimme dabei macht es noch mehr Spaß.

Wir werden natürlich die Songs von „Whispers” spielen aber mir ist auch immer bewusst, das die meisten Menschen auch kommen, um die alten Songs zu hören. Also spielen wir viele „Hits” und versuchen hauptsächlich, eine warme, gute Atmosphäre zu schaffen.

(Nach dem Video gehts weiter)

Deine Lieder wirken ja immer sehr persönlich; auf „Whispers” gibt es jetzt einige Lieder aus der Sicht eines Mannes. Wie schwer war der Perspektivwechsel?

Gar nicht! Ich habe gemerkt, dass die Themen in der Musik so allgemeingültig sind. Deswegen kann ich auch Lieder von Coldplay, Leonard Cohen oder Bob Dylan spielen und sie fühlen sich dabei an, als seien sie von mir.
Und so kann ich auch Lieder aus der Sicht eines Mannes schreiben, ohne dabei den Kontakt zu mir selbst zu verlieren. Es hat vielleicht ein bisschen dazu geführt, etwas einfacher zu schreiben und nicht so übermäßig gefühlsbetont, wenn Du verstehst was ich meine.

Eine Frage speziell für Deine deutschen Fans: Als Du letzten Herbst in Berlin warst, da schien es auf facebook so, als ob Du die Stadt wirklich mögen würdest. Könnte da ein Umzug nach Berlin eine Option sein?

Berlin ist einfach unglaublich! Und ja – wenn wir Island verlassen wollten, dann stünde Berlin definitiv weit oben auf der Liste. Helgi würde es auch lieben – er ist fast jeden Monat da, um an der Schaubühne zu arbeiten. Jetzt gerade beginnt er ein neues Projekt in Frankfurt, so dass ich auch diese Stadt vielleicht besser kennen lernen kann.
Aber so wie ich das sehe, hat Berlin wirklich alles, was man braucht.

Eine Frage zu Deinen Fans: Ich habe im Web einmal ein Video gesehen – ich glaube aus dem dänischen Frühstücksfernsehen – in dem ein Mädchen sich live ein paar Worte aus einem Text von Dir tätowieren ließ. Wie fühlt sich das für Dich an, wenn jemand Deine Worte in seiner Haut tragen möchte?

Das ist wirklich überwältigend, es ist fast nicht zu begreifen.
Wenn mir Menschen erzählen, was ihnen meine Lieder bedeuten oder wenn ihnen meine Musik in schweren Zeiten geholfen hat, dann denke ich immer, die meinen gar nicht mich – sie meinen die Musik. Und Musik, das ist etwas, was größer ist als ich. Die Musik, die wird dann dadurch zu etwas Besonderem, wenn sie sie so sehr aufnehmen und für sich zu etwas eigenem machen – verstehst Du was ich meine?

Aber natürlich macht es mich sehr stolz, wenn jemand meine Worte wie sein Motto für den Rest seines Lebens auf seinem Körper mit sich tragen möchte. Das ist wirklich sehr groß!

Zurück zur Musik: Was ist zuerst in Deinem Kopf, wenn Du ein neues Lied beginnst? Worte? Eine Melodie? Eine Stimmung? Was inspiriert Dich? Und: Ist die Arbeit an einem Soundtrack da anders? Und hat sich das über die Jahre geändert?

Als ich als Teenager Songs geschrieben habe, dann war es das Gefühl, das ich exakt in dem Moment hatte – ohne jeden Filter. Das hat sich schon etwas geändert und ich schreibe nicht mehr so viel über Gefühle, sondern eher über Gedanken und Ideen.

Am Anfang stehen normalerweise ein paar Worte, eine Idee eines Themas.
 Gleichzeitig habe ich Musik im Kopf und dann gibt es diesen Punkt, an dem sich Worte und Musik treffen und Bam!, dann ist es ein Song.

Einen Soundtrack zu schreiben IST anders, ja, und es ist wirklich unglaublich inspirierend. Du schreibst Deine Lieder in einen fertigen Kontext hinein – da sind schon alle diese Stimmungen und Geschichten, diese Menschen und Gefühle: Das ist wie ein Geschenketisch voll mit Dingen, über die man schreiben kann. Es ist eigentlich sehr befreiend!

Meine letzte Frage: Dave Grohl hat mal so etwas gesagt wie: „Wenn Du Deine Helden verstehen willst, dann frag sie nach ihren Helden”. Also: Wer sind denn Deine Helden? Wer hat Dich dazu gebracht, die Gitarre zu nehmen und mit dem Singen zu beginnen?

Ganz früher habe ich Popbands wie Wham oder Duran Duran gehört – aber gleichzeitig habe ich oft in der Plattensammlung meines Vaters gestöbert und habe mich den Singern/Songwritern, die ich da fand sehr verbunden gefühlt – Bob Dylan oder Donovan zum Beispiel. Da gab es einfach etwas wirklich besonderes, wenn mir eine Stimme und eine Gitarre Geschichten erzählten, so ehrlich und persönlich.

Dann hat Tracy Chapman ihr erstes Album veröffentlicht und es fühlte sich an, als hätte ich meine Seelenverwandte gefunden – und ich begann, Gitarre zu spielen und zu singen. Genauso wie sie: Ich wollte nur akustisch meine Geschichten erzählen.

Ich war mir sehr sicher, dass diese Leute irgendwie etwas wichtiges zu sagen hatten. Wichtiger als „Wake me up, before you go-go”.
So hat das alles angefangen …

Vielen Dank für Deine Zeit und für dieses Interview!


„Autumn Leaves” – Scott Devine Solo Bass Sessions

Aus der Kategorie »just music«

Ich bezeichne Scott etwas spöttisch in der letzten Zeit gerne als „meinen Bass-Lehrer”, denn seine Videos bringen mir Dinge bei, die ich in den letzten 20 Jahren nicht gekonnt, gewusst, begriffen habe. Deswegen: Liebe Bassisten – husch husch und los zu seiner Website und allen anderen viel Spaß bei dem, was man mit einem Bass, 5 Saiten und einem Kabel zum Mischpult alles tun kann: