Liebe ist kein Argument?

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via Kaltmamsell


First kiss

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Das Problem ist, dass wir zwischen »Ihnen« und »uns« unterschieden. Je kleiner das »Uns« wird, desto mehr gibt es, was uns fremd ist. Und umso größer wird das Problem.
(Halbwegs frei nach Peter Gabriel übersetzt)

Das war Anfang der neunziger, als er gerade mitten in dem wilden Musik-Festival steckte, was viele Jahre später zu »Big Blue Ball« wurde. Und er meinte die vielen verschiedenen Kulturen die dort aufeinander trafen. Hört man sich Big Blue Ball an, sieht man übrigens sehr schön, dass es lohnt, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten. Großartiges Album, aber das nur am Rande.

Und so wie er immer gerne auf anderes, fremdes, neues zuging, so ist es auch im kleinen; so ist es auch, wenn wir auf einen einzelnen fremden Menschen zugehen. Klar muss man vielleicht mal kurz über den eigenen Schatten springen, aber es lohnt eigentlich immer. Gerade gestern war ich zum Beispiel am Bahnhof, wollte ein paar Fotos machen und war wieder mal erschrocken, wie abweisend und jeder-für-sich da alle rumliefen. (Ja, lacht ruhig, ihr coolen Großstädter, aber ich geh ja nicht so oft unter Menschen.)

Ich komme drauf, weil ich gerade vollkommen verliebt vor dem Rechner sitze und dieses Video anschaue. Die Macher baten fremde Menschen, sich zu küssen. Ja zugegeben, das ist ein etwas größerer Schatten, über den man da springen muss, aber …
Aber abgesehen davon, wie süß alle rumgibbeln und -kichern finde ich es am unfassbar beindruckendsten, was nach dem Kuss passiert. Wie viel Nähe, wie viel Zuneigung da ist.


Woanders

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„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir” – den Satz haben wir doch alle irgendwann mal gehört. Aber natürlich leben auch Lehrer – genau wie wir alle – in einer kleinen Blase, die mit der Realität (was auch immer das sein mag) nicht immer hundertprozentig übereinstimmt. Gleichzeitig haben Firmen entdeckt, dass man durch auf den ersten Blick gute Taten recht einfach ein bisschen der eigenen – also der gewünschten Firmenrealität – in die Schulen transportieren kann. Oder anders: Drei Viertel der größten deutschen Unternehmen erstellen und verbreiten eigene Unterrichtsmaterialien und die meisten Lehrer denken nicht darüber nach, dass man so etwas auch zu Lobby-Zwecken nutzen kann. Über so etwas zu sprechen gehört offensichtlich weder in die Ausbildung noch in den Schulalltag.

Apropos „drüber sprechen” – das würde ja in vielen Bereichen mal gut tun. Denn Tabuisierung vergrößert die Probleme. Immer. Oder, um es mit einem recht erfolgreichen Buch zu sagen: „Er heißt nicht »der, dessen Name nicht genannt wird«, er heißt Tom Riddle.”
Spricht man über Dinge, dann kann man sich ihnen stellen, dann kann man sie sich ansehen und sie verstehen und mit ihnen umgehen. Das gilt auch für weitaus komplexere und damit oft viel mehr tabuisierte Themen erst recht. Findet Antje Schrupp, sagt: „Beim eigenen Körper endet der Arm des Gesetzes” und spannt unter dieser Überschrift einen bemerkenswerten Bogen über eine ganze Reihe von Tabuthemen – von Abtreibung über Prostitution und Leihmutterschaft zu Suizid und Sterbehilfe.

Ein anderer Bogen, um mit diesen großen Themen umzugehen ist natürlich immer der Humor. Satire, Ironie oder Sarkasmus machen vieles aushaltbarer. Auch diese vielen Homosexuellen, die uns da neuerdings in unser Bett reinreden wollen. Aber glücklicherweise erkennen viele da jetzt Dank Sarrazin und Matussek ihren Irrtum.

Kommen wir zu angenehmeren Themen. Es ist zwar eine Binsenweisheit, dass das Alleinsein, oder besser noch: Das Allein-Unterwegs-Sein die Gedanken schärft, aber das macht ja nichts. Wenn dann ein Text darüber das gleiche Gefühl auslöst wie ein gutes Roadmovie, dann ist das schon einen Link wert.

Und wo wir bei Allgemeinplätzen sind, dann behaupte ich mal: Wenn wir die einfachen Dinge vergessen, wenn wir nicht mehr auf unseren Bauch hören, nur weil der Satz „Hör auf Deinen Bauch” ein solcher ist, dann hilft das am Ende auch keinem. Das wusste übrigens schon Till Eulenspiegel, als er den versammelten Schneidern erklärte, dass ein Knoten am Ende des Fadens eine praktische Sache ist. Und deswegen lohnt es auch, zum einhundertunddritten Mal zu lesen, was kreative Menschen so tun. Auch wenn der Titel etwas reißerisch ist.

Von „reißerisch” und „kreativ” zur Oscar-Verleihung ist es keine besonders weite, wenn auch – zugegeben – keine besonders einfallsreiche Überleitung. Trotzdem ist es ganz wunderbar zu lesen, wie es so ist, auf so einer Oscar-Feier. Also wenn man nicht A-, B- oder C-Promi, nicht nominiert oder sonstwie berühmt ist, sondern einfach nur ein ganz normales Mädchen.

Mein Lieblingslied der letzten Woche war Jamie Lidells „When I Come Back Around”


Großstadtflair in Kleinstadthausen

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Unterführung


Dortmund. Hier und da.

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Musik am Freitag *hust* Samstag

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Mir wurde auf facebook vorgeworfen, ich wäre etwas eindimensional in meinen Musiktipps.
Deswegen hier mal wer anderes:

Nils Landgren tauchte, wenn ich mich richtig erinnere, Mitte der neunziger durch einem Sampler der damals hippen Zeitschrift „Max” auf meinem Radar auf.

Max gibts schon länger nicht mehr, Nils, der Mann mit der roten Posaune hingegen macht immer noch seinen funky Scheiß und reist damit durch die Welt, lehrt an der Musikhochschule Hamburg und ist künstlerischer Leiter des Jazz Baltica-Festivals, eines der Festivals, die ich in einem anderen, einem gesunderem Leben fürchterlich gerne mal besuchen würde.
2004, 30 Jahre nach dem ESC-Sieg veröffentlichte er als Tribut eine Platte nur mit Songs von Abba, die er auch in den Studios aufnahm, in den Björn und Benny damals gearbeitet haben.
Man sagt, sie hätten seine Arbeit sehr geil gefunden. Ich auch.

Ich habe ihn vor ein paar Jahren mal live gesehen und ich würe es jederzeit wieder tun. Wann hat schon mal mit dem Kauf einer Konzertkarte quasi die Garantie für eine lange, spielfreudige und verflixt funky Party?


Wir rufen an wegen der Stelle

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Ein Anruf auf der Mailbox: „Ja guten Tag, Müller von Meier und Schmidt, ich rufe an wegen der Stelle, ich habe hier einen Schrieb von der Bundesagentur für Arbeit, können Sie mich wohl unter 12 34 56 zurückrufen?!”

Jetzt bekomme ich (natürlich) häufiger Anfragen nach Ausbildungsplätzen und regelmäßig jedes halbe Jahr kommt hier auch eine Welle mit Praktikumsgesuchen an – aber der Teil mit der Agentur für Arbeit, der war mir neu. Und suspekt.

Ich rief also an.

„Ah ja, Herr Fischer. Ja, das ist ja schon anderthalb Stunden her und jetzt kurz vor Feierabend muss ich das natürlich erst wieder raussuchen … [Pause, Papiergeräusch] … Ja, es geht also um diese Stelle …”

Ich: Wenn ich da kurz unterbrechen darf: Was für eine Stelle?

„Ja, das wollte ich Ihnen ja gerade darlegen …”

(Ich begann zu ahnen, dass nicht er bei mir arbeiten wollte)

„Wir haben also Ihre Adresse von der Agentur für Arbeit und Sie suchen …”

Ich: Halt, ich unterbreche noch mal, denn das ist sicher falsch. Ich bin seit 15 Jahren selbstständig und suche keine Stelle und ich bin nicht und war noch nie bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Aber wenn Sie meine Adresse von denen haben, dann würden mich Details jetzt sehr interessieren.

„Äh, Sie suchen nicht? Sie sind selbstständig?”

Genau.

„Ah so …”

Und das war dann der interessante Moment: Er war vorher nicht unhöflich. Er war vorher nicht von oben herab. Aber in dem Moment als er begriff, dass er nicht mit einem Bewerber sprach, da musste er ganz offensichtlich sein Gesprächs-Status-Benimm-Protokoll neu ordnen. Da wechselte ich vom Bittsteller zum Unternehmer. Da merkte ich, dass er sich innerlich aufraffte, dass er aufmerksamer wurde und sich gerade gerader hingesetzt hatte.

Und das finde ich schade.

Es stellte sich übrigens heraus, dass die Firma zwar die Namen möglicher Bewerber bekommen, aber nicht unbedingt eine Adresse. Dass er sich die aus dem Telefonbuch suchen muss.

Und das ist auf einer ganz anderen Ebene auch schade.


Da lang

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Da lang