Red

Aus der Kategorie »just movies«

Trotzdem waren wir wieder im Kino. Red haben wir geguckt. Einen netten, belanglosen Abend nach einem anstrengenden Wochenende nach einer anstrengenden Woche hatten wir erwartet.

Und was soll ich sagen? Überrascht wurden wir. Weil uns die überdrehte Mischung irgendwo zwischen A-Team und Guy Ritchie, zwischen Ocean’s Eleven und Tarantino gefallen hat.
Nichts war neu, die Geschichte eines Ex-Agenten der überraschend überfallen wird, sich gegen eine scheinbare Übermacht durchsetzen muss und dazu erst sein altes Team wieder zusammensucht hat man so oder in Abwandlungen schon diverse Male gesehen.
Aber die Zusammensetzung stimmte eben, Tempo, Humor und Gefühl ebenfalls. Ein guter Wochenabschluss.

Und den Nachtsichtgerät-bewehrten Sheriffs war die letzte Vorstellung, die der Film noch gezeigt wurde auch keine Mühe wert. Man fühlt den Unterschied, ob man beobachtet wird oder nicht.


Überwachungs-Kino

Aus der Kategorie »just people«

Falls hier jemand mit juristischen Grundkenntnissen mitliest …

Nehmen wir mal an, jemand geht ins Kino. Kauft sich unten im Foyer seine Eintrittskarte und marschiert ca. eine halbe Stunde später hoch zum Kino.
Sieht dann beim Öffnen der Tür eher zufällig an der Innenseite der Kinotür, dass da ein »Raubkopierer sind Verbrecher … (sehr groß) … und deswegen überwachen wir diesen Raum mit Nachtsichtgeräten (recht klein)« – Plakat hängt.
Wird dann von einer sehr unfreundlichen Frau dazu gezwungen, sein Handy auszuschalten – nein, es geht nicht um lautlos, Sie können sonst den Film mitschneiden, Sie machen das aus sonst kommen Sie nicht rein.
(Wundert sich nach dem Film, dass das Plakat verschwunden ist)

Nehmen wir das also mal an …
Erstens: Ist das insgesamt rechtlich ok?
Und zweitens: Falls ja – das müsste doch schon unten an der Kasse angekündigt werden, oder?

Abgesehen davon: Liebe Filmindustrie, falls Ihr also gerade nach wirklich wirkungsvollen Möglichkeiten sucht, die Menschen aus den Kinos zu treiben – so geht’s.
Geht doch sterben.


so kann’s gehen

Aus der Kategorie »just people«

Als ich ihn kennen lernte, war er recht cool. Sah gut aus, war sportlich und klug. Spielte im angesagten örtlichen Sportverein und schaffte den Balanceakt bei Mitschülern und Lehrern gleichermaßen beliebt zu sein. Und sogar Mädchen, die in unsere Klasse hinein sitzenblieben fanden ihn interessant – und Ihr wisst, Mädchen interessieren sich nie! für jüngere Jungs.
Also wirklich recht cool. Die ideale Ergänzung zu mir.

Haha. Nein, im Ernst: Wir freundeten uns an, recht schnell recht gut sogar. Saßen schnell nebeneinander und begannen, nicht mehr die kleinen verschämt zusammengefalteten Zettelchen hin und her zu schieben, sondern nahmen lieber aus dem Collegeblock gerissene A4-Zettel, weil wir uns eh immer viel mehr zu erzählen hatten.
Und als ich mir überlegte, mit dem Tramper-Ticket mal das deutsche Bahnnetz zu erforschen war er der Partner der Wahl.

Gleichzeitig lernte er sie kennen. Sie war toll. In Amerika wäre sie vermutlich homecoming queen geworden – hierzulande reichte es nur für das Amt der Klassensprecherin. (Nebenbei hat sie mir damit mehr als einmal die Versetzug gerettet, indem sie die Anzahl meiner unentschuldigten Fehlstunden wieder in den Bereich des tolerierbaren korrigierte.)

Die beiden wurden das erste ernsthafte Paar unserer Klasse.
Ganz langsam veränderte er sich. Hörte auf, sich mit mir zu schreiben, sie sah das nicht so gerne. Trug die Haare kürzer, das mochte sie lieber. Trug richtige Schuhe und keine Sneaker – die damals noch Turnschuhe hießen – mehr. Reagierte seltsam, als meine Haare immer länger wurden.
Außerdem wurde er jähzornig. Bekam seltsame Ausbrüche und schmiss dann gerne mal etwas kaputt.

Sie zählte derweil für beide die nötigen Punkte fürs Abi und guckte komisch, als ich ihre Ratschläge, ich müsse mich jetzt einmal zusammennehmen nicht hören wollte.

Die Studienfahrt in der zwölf haben wir aus alter Gewohnheit noch in der selben Gastfamilie verbracht – aber da stellte er schon vorher die Forderung auf, wir würden aber »nicht die ganze Zeit über das Leben und so reden«

Und als sie auf einmal mit dem Typen mit den grünen Haaren durch die Stadt zog litt er, wie ich noch nie jemanden habe leiden sehen. Dauerte aber nur ein paar Wochen, dieses Intermezzo mit dem Typen mit den grünen Haaren.
Danach hat er nicht mehr mit seinen alten Freunde gesprochen, und stand nur noch bei ihrer Clique rum.

Vor ein paar Tagen habe ich die beiden im Supermarkt gesehen. Er sah aus, wie von Mama angezogen und ich habe sehr gehofft, dass ich genauso tiefunglücklich ausgesehen habe wie er. Denn dann könnte es einfach daran gelegen haben, dass es eben halb sieben an einem Freitag Abend im Supermarkt war.
Und nicht an irgendetwas, das tiefer saß.


Alles nur Theater?

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Gestartet im Sommer. Bilder gemacht. Menschen begleitet. Freunde begleitet.
Intensiver im Herbst. Töne gemacht. Eine Freundin begleitet. Den Weg weiter gegangen.
Menschen getroffen. Bekannte und unbekannte.
Menschen lieben und welche verachten gelernt.

Mein Förmchen, Dein Förmchen, meiner ist der längste. Ich red nicht mit Dir, komm betteln und fragen. Schlüssel gibts nicht, Werkzeug gibts nicht, geht eh nich und vor allem nicht ohne mich.
Die ganzen alten Spielchen.
Ging aber doch.

Stöcke zwischen die Beine galore. Ignoranz, Desinteresse, geheucheltes Pseudoengagement. Dies geht so nicht und jenes nicht, dies ist wichtiger, und jenes auch. Geht eh alles nicht und vor allem nicht ohne mich.
Aufgestanden, aufgerappelt, weiter gegangen.
Ging nämlich doch.

Die Seele aus dem Leib gespielt oder aber stundenlang gewartet. Geflüstert, geschrieen, geweint, gelacht oder aber auch stundenlang nichts zu tun.
Menschen lieben gelernt. Dankbarkeit, dabei zu sein. Ich danke Euch.

Vier mal bewegte Menschen. Vier mal dankbare Blicke und Worte. Vier mal ehrlicher Beifall.

Heute in einer Stunde alles wieder abgebaut.

Alles nur Theater.


Richtung Süden flieh’n

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Zieh‘ meine Jacke an – geh‘ durch die Stadt
Das Neonlicht glänzt und die Augen sind matt
Aggressives dumpfes Körpergefühl
Das Gesetz der Savanne regiert das Kaufhausgewühl

Die Sinne verschlossen, in Ketten gelegt
Den Blick auf die vermeintliche Freiheit gelenkt

Kalte November-Innenstadt – träume nur davon
Will mit den Vögeln Richtung Süden zieh’n
Dunkler Himmel über Deutschland
In meine eignen vier Wände flieh’n
Dunkler Himmel über Deutschland
Zieht den letzten Nerv, raubt Dir den Verstand
Abegfüllt, überfressen, ausgebrannt.

Will mit den Vögeln Richtung Süden zieh’n.

(Beckmann, schon 1994)


(Offener Brief)

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Betreff: Ihre Werbung für T-Entertain-Dings

Liebe Nina Hagen,

ach …


Sozial vereinsamt am Arsch

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Wir ins-Internet-Schreiber sind ja bekanntermaßen vereinsamte Sozialkrüppel, die nur ständig in Foren, Chats und Netzwerken rumhängen, weil wir sonst nur an die Wand starren oder uns ob unserer Einsamkeit betrinken könnten.

Von wegen.

Als ich irgendwann im Frühjahr einer Freundin zusagte, ich würde sie tontechnisch und auch sonst bei ihrer Inszenierung von Borcherts »Draußen vor der Tür« unterstützen, da war der November noch sehr weit weg. Und im November hat man ja eh nie was vor, da war die Aussicht, ein, zwei Wochenenden im Theater zu verbringen eh verlockend.

Abgesehen davon, dass ich mich vielleicht vorher darüber hätte informieren können, dass das Stück drei Stunden dauert und ich selbst bei einer multimedialen Inszenierung davon den größten Teil nur möglichst still hinter meinem Technikpult sitze würde …
… abgesehen davon, dass so ein Mammutstück natürlich auch Mammutproben von vier bis fünf Stunden jeden Abend mit sich bringt …
… abgesehen davon dass sich das »und auch sonst« zu einem all-inclusive Job zwischen Mannschaftsbetüddelung und Bühnenschrauberei entwickelt hat …

… abgesehen von all diesem geschieht diesen November auch noch folgendes:

  • S. feiert Geburtstag. (Wochenende vier)
  • S. beendet Ihre Fortbildung.
  • S. feiert das Ende ihrer Fortbildung. (Wochenende drei)
  • Die Patenichte wird eins. (Wochenende eins)
  • Die liebste älteste Freundin hat mich eingeladen. (Wochenende drei)
  • Die Hamburger lesen mal wieder was. (Einen Tag vor Wochenende drei. Frau Bogdan, Frau Kink, Herr Buddenbohm, es hätte mich sehr gefreut)
  • Da lädt wer zu einem Essen ein, zu dem quer aus ganz Deutschland ein paar Menschen kommen, die ich wirklich gerne mal (wieder) getroffen hätte. (Wochenende drei. Frau Lu, Herr M., Frau Gröner, Frau Kaltmamsell, es hätte mich sehr gefreut)
  • Da hat mich wer noch einmal extra zu eben diesem Essen eingeladen. (Frau Hammwanich, es hätte mich …)
  • Und gerade kam eine Einladung zu einer Geburstags-Einzugs-Party. Per Post! Mt einer Briefmarke und meinem Namen drauf! (Wochenende vier. Es hätte mich sehr gefreut.)

Man muss kein Mathe-Genie sein um festzustellen: Da passt was nicht. Ich komm mit dem Absagen schon gar nicht mehr nach und ärger mich, ärger mich, ärger mich. So ein bisschen vereinsamter wäre manchmal gar nicht schlecht.

By the way: 85% der oben aufgeführten Ereignisse fänden nicht statt, wenn ich die dazugehörigen Menschen nicht im Internet kennen gelernt hätte. Nur so fürs Protokoll.

Nachtrag am 6.11.: Hurra. Eine Partyeinladung fürs dritte Wochenende.


Twitter-♥ im Oktober

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