Es ist alles ein Mißverständnis

Aus der Kategorie »just tools«

Computer können gar nicht rechnen.

Äh?


ach?

Aus der Kategorie »just people«

Sie so: Ich hab ja heute den Wahlomaten gemacht. X (ihr Mann) hat ja auch geagt, ich soll den mal machen, ich wär bestimmt überrascht.

Ich so: Ja? Und was ist passiert?

Sie so: Ja, ich war überrascht; ich weiß jetzt: Ich bin rechtsradikal.

Ich so: Bitte?

Sie so: Ich weiß auch nicht, ich hab halt angekreuzt, dass Ehe und Familie das höchste Gut im Staat sein sollten und dass ich eben gegen Muhezzin und so bin. Kann ich doch nicht wissen, dass das dann rechts ist? Ob ich die jetzt wähle?

Wer solche Bekannten hat, der braucht auch keine Feinde mehr.


Rituale

Aus der Kategorie »just cats«

So gegen 10 will sie schlafen gehen. Wird immer unruhiger und schreit uns auch schon mal an.
Wenn wir aufstehen kommt sie aber natürlich nicht sofort mit.

Aber wenn ich im Bett bin wird kurz darauf die angelehnte Tür aufgezogen, sie springt hoch, kommt kurz ans Kopfende, stößt einmal den Kopf gegen meine hingehaltene Hand und dann höre ich vom Fußende, wie schnurrend die dort liegende Decke niedergetreten wird. Die Krallen knacken im Stoff und eine Minute später schläft ein ganz offensichtlich sehr zufriedenes schwarzes Fellrund ein.

Es ist einer der besten Momente jeden Tages.


ich schwör.

Aus der Kategorie »just links«

der moderne satzbau: subjekt – prädikat – beleidigung -, alter! ##


Ich bin der Mann vom Jugendamt

Aus der Kategorie »just people«

Teil 1Teil 2

1. Was machst du beruflich?
Ich studiere zwar noch, aber nebenebei arbeite ich für das städtische Jugendamt. Ich betreue Jugendliche, die gerade aus einem Heim gekommen sind und welche, wo das Familienklima so den Bach runtergegangen ist, dass eine Heimunterbringung durchaus eine Möglichkeit wäre. Vorher aber soll ich mit den Jugendlichen – und natürlich auch gerne mit den Familien insgesamt noch einmal arbeiten. Heißt: Sie ein paar Mal die Woche besuchen und versuchen, aus der jeweilig vorgefundenen Situation etwas konstruktives zu machen
Den Jugendlichen, die frisch aus dem Heim gekommen sind helfe ich bei dem Start in den alleine organisierten Alltag. Wohnung suchen, Möbel kaufen, Job oder Schule suchen und so.

2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?
Der Job ist toll, weil ich sehr selbstbestimmt und eigenverantwortlich arbeiten kann. Meine Vorgesetzten halten viel von mir und ich habe sehr viel Rückhalt im Amt.
Ich erlebe – und das ist jetzt überhaupt nicht so zynisch gemeint, wie es vielleicht klingt – Dinge, von denen ich vorher nicht gedacht hätte, dass ich sie mal erleben würde. Ich werde oft, wenn ich in einer kleinen Sozialwohnung stehe sehr demütig und weiß meinen eigenen Luxus einzuordnen.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich einem Menschen ein Stück auf seinem Lebensweg begleiten und vielleicht sogar helfen kann.
Einmal sitzt ein 16-jähriger Möchtegern-Punk vor meiner Haustür, weil ihm außer mir niemand einfällt, wo er hin kann.
Und: Für einen Studentenjob ist das ganze auch noch ganz prima bezahlt.

Der Job ist furchtbar, wenn ich mit Eltern konfrontiert werde, die ihre Kinder so richtig versauen und dann vom Jugendamt erwarten, dass die es dann richten.
Ich arbeite mit einem 18-jährigen, der sein gesamtes Leben irgendwie im Kontakt mit Sozial- oder Jugendamt lebt weil seine Mutter es nicht auf die Reihe bekommt.
Ich erlebe einen 25-jährigen, der dem 15-jährigen Sohn seiner neuen Freundin den alten „solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst”-Spruch an den Kopf knallt – immerhin 5 Tage nachdem er selbst da eingezogen ist. Was hauptsächlich bedeutet, dass er dafür, dass er die Mitdreissigerin vögelt seine Playstation an ihren Fernseher anschließen und ihren Kühlschrank leer fressen darf.
Ich muß von einem 13-jährigen hören, dass seine Mutter mit ihm diskutieren wollte, ob sie den kleinen Bruder, der bei ihr im Bauch ist jetzt totmachen soll oder ob er bereit ist, sein Zimmer zu teilen.
Ich hasse es, wenn die Eltern meiner Klienten keine Grenzen kennen und mich nachts anrufen, weil Tochter oder Sohn gerade nicht funktionieren; und ich habe ehrlich gesagt absolut keine Lust, jeden Morgen die doofe Göre zur Schule zu bringen, wenn sie eh hinten aus dem Gebäude wieder abhaut.
Und einmal sitzt ein 16-jähriger Möchtegern-Punk vor meiner Haustür, weil ihm außer mir niemand einfällt, wo er hin kann.

3. Was wäre dein absoluter Traumberuf?
Ich habe absolut keine Ahnung. Ich studiere offziell vor mich hin, bin in Wirklichkeit aber nicht viel in der Uni; ich arbeite viel und merke gleichzeitig, dass ich für das, was ich da gerade tue nicht auf Dauer die Kraft haben werde.
Und während ich so rumschlingere, jobbe ich halt weiter.


Der Zoll

Aus der Kategorie »just people«

Da stoße ich bei Franzi auf ihre erste Begegnung mit dem Zollamt – und prompt steigt in mir eine Erinnerung hoch, die wunderbar dazu passt und die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Es war auf dem Weg in den Urlaub, S. und ich wollten uns dieses Italien auch einmal ansehen. Der Weg ist ja bekanntlich weit und so waren wir nachmittags hier losgefahren, wollten die Nacht durchfahren und dann am nächsten Vormittag im Hotel ankommen.
Abgesehen von den zwei kleinen Abzügen in der B-Note ( a] Irgendwann wird man ja doch sehr, sehr müde, b] wir haben die Alpen nicht gesehen) hat das auch prima geklappt und brachte uns irgendwann mitten in der Nacht an ein deutsch-schweizerisches Zollhäuschen.
Es war – von den vielen arg verblassten Kindheitserinnerungen auf dem Weg nach Belgien oder zurück – meine erste Begegnung mit so einem richtigen Zollmännchen. Die Dänen hatten mich ein Jahr vorher ja sogar mit einem abgelaufenen Personalausweis reingelassen.

Das wäre diesem Männchen bestimmt nicht passiert.
Es war also mitten in der Nacht, es regnete in Strömen und außer uns und einem tapferen Grenzsoldaten war niemand auf dem riesigen Gelände mit den vielen Schranken, noch mehr Fahrspuren aber dafür reichlich wenig Licht und noch weniger Orientierungsmöglichkeit.
Also fuhren wir möglichst nah bis an das Männchen und seine Schranke heran. Der bewegte sich nicht. Wir linsten fragend durch die Scheibe – keinerlei Reaktion. Kurze Ratlosigkeit, dann:
S. beschloss auszusteigen. Sie lief zu dem Männchen rüber und fing sich den Anschiss ihres Lebens ein – denn: Das Männchen war ein schweizer Männchen und sie hatte auf dem Weg zu ihm jetzt schon die Schweiz betreten. Und zwar nicht auf dem offziellen Fußgängerweg, sondern an der Schranke vorbei auf der Autospur – wie er ihr lautstark erklärte.
Also lief sie zurück. Ging außen um das Häuschen herum (das übrigens bei genauerem Hinsehen verflixt lang gebaut und gar kein Häuschen sondern eher ein langer Containerbau war) und näherte sich dem Männchen noch einmal auf dem Fußgängerweg. Also den Weg entlang, den er sie geschickt hatte. Hatte ich den Regen schon erwähnt? Ah, ok.

Wieder bei ihm angekommen fing sie sich dann den zweiten größten Anschiss ihres Lebens ein, denn sie hatte die Schweiz betreten, ohne sich vorher in einem anderen Container anzumelden.

Als dann erst sie – außenrum natürlich! – zurück am Auto und wir beiden dann am anderen Container gewesen waren ließ er uns ohne ein erkennbares Zeichen der Erinnerung an unsere erste Begegnung durch – natürlich nicht, ohne ausführlich den Zettel zu studieren, den wir dort aus einer anonymen Klappe gereicht bekommen hatten und der uns die Durchfahrt erlaubte.

Da wir beide nie in der DDR gewesen waren fehlte uns vielleicht ein wichtiger Vergleich, aber: Wir mochten die Schweiz spontan total gerne.


Ich bin Kinder-Ferien-Spaßer

Aus der Kategorie »just people«

Kiki hats vorgemacht. Und Recht hat sie, ich hab ja auch noch mehr gemacht als nur dieses Internetzeugs.

1. Was machst du beruflich?

Ich studiere zwar noch, aber in den Sommerferien bespaße ich Kinder, die nicht in die Ferien fahren konnten. Wir haben einen Bauwagen voll mit Spielsachen und Bastelkram, mit dem wir auf irgendwelche Spielplätze fahren – deswegen heißt die Aktion auch einfach „Bauwagen”.

2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?

Der Job ist super – so für einen Sommerferienstudentenjob. Ich bin sechs Wochen am Stück jeden Nachmittag draußen und bin hinterher absolut Urlaubs-gebräunt, ich verdiene für Studentenverhältnsse gut und das Team mit dem ich arbeite hat sich so lieb, dass wir uns zu Nachtreffen verabreden und einige von ihnen auch 10 Jahre später zu meinen besten Freunden gehören.
Außerdem haben wir jeden Nachmmitag zwischen 20 und 140 Kinder um uns und haben mit denen einen riesigen Spaß.

Der Job ist furchtbar – wir sind sechs Wochen am Stück jeden nachmittag draußen und sechs regenfreie Wochen am Stück gab es in Deutschland noch nie. Wenn es regnet gehen wir mit 20 oder aber auch 140 Kindern in irgendeine Turnhalle und versuchen da den Nachmittag rumzukriegen. Wisst Ihr, wie 140 nasse Kinder riechen?
Außerdem blockieren wir mit unserer Aktion gelegentlich die Plätze, an denen sich sonst die coolen Jugendgangs gerne treffen – dann sind wir damit beschäftigt, die vom Platz fern zu halten. Und finden abends unsere Autos beschmiert und am nächsten Morgen unseren Bauwagen demoliert vor.

3. Was wäre dein absoluter Traumberuf?
Das wechselt im Laufe der sieben Jahre, die ich den Job mache. Zu Beginn denke ich noch, dass ich Sonderpädagoge werden will – wobei ich rückblickend gar nicht mal weiß, ob ich das damals „Traumberuf” genannt hätte. Im siebten Jahr habe ich das Studium längst aufgegeben und habe absolut keine Ahnung wohin mit mir.

4. Warum gerade dieser?
Tja. Aus heutiger Sicht reingerutscht, nachdem mir keiner das Studium an der Grafik-Schule bezahlen wollte. Und dann war da noch diese Sonderpädagogen-Familie, in der ich damals ein und aus ging …
Ich weiß, es sollte da bessere Gründe für einen Traumjob geben.


Launched

Aus der Kategorie »just work«

Die treue Leserin wird es wissen: Früher habe ich einmal ein Zweitblog geschrieben. Es hieß „Stadtwacht” und ich schrieb dort über die kleine Stadt, in der ich lebe.
Die Stadtwacht ging dann irgendwann den Weg aller Blogs und ich wandte mich anderen Dingen zu. Serious work und twitter und so.

Aber da sich die Kreise ja bekanntlich doch immer wieder schließen, habe ich die letzte Zeit mit dem Aufbau einer Website verbracht, die sich wieder mit dieser Stadt beschäftigt.
Hintergrund ist der: Wir hatten hier früher einmal zwei Lokalzeitungen. Eine davon hieß sogar „Mendener Zeitung”, weil sie eben hier gegründet war. Und das schon vor 150 Jahren – so ein richtig schönes Stück Tradition also.
Aber weil wir bösen Blogger den Markt für Print kaputtmachen gibt es diese Zeitung seit einigen Wochen nicht mehr. Eine der Schreiberlinge (so nennt sie sich selbst) wollte aber nicht ganz aufhören, über ihre Stadt zu schreiben und so fragte sie mich, ob ich ihr nicht eine Website bauen könnte.
Konnte ich natürlich. Falls Sie also aus der Gegend sind und/oder sonst gerade nichts vorhaben: schauen Sie doch mal rein, ins Mendener Magazin.