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Icon zum ThemaLehrer sein das ist schon schwer - Lehrer werden nicht so sehr (5)

Nach einer Lösung fragte ich mich gestern. Habe ich nun eine? Jein. Nur ich für mich fand eine.

Ich habe übrigens von mir aus mein Blockpraktikum (also zu Anfang des Hauptstudiums) und nach etwas Überlegen auch meine Lehrerkarriere abgebrochen. Nachdem die Lehrer, die mich dort betreuen sollten für mich nicht ansprechbar waren und ich so genau den oben in vielen Worten beschriebenen Mangel am eigenen verlassenen Leib spürte habe ich versucht, die nötige Betreuung einzufordern. Das stieß auf wenig Gegenliebe und so ging ich halt.
Ohne es zu wissen auch mit einem ziemlichen Knall – ich hatte nicht gesehen, dass zur Pause schon alle Lehrer im Raum waren als ich den Rektor abfing und ihm erklärte, ich würde unter einer Ausbildung etwas anderes verstehen und würde seinen Laden dementsprechend jetzt verlassen. Und auch bestimmt nicht weiterempfehlen.

Ein paar Jahre(!) später hörte ich von einer Freundin, die gerade ihr Referandariat an einer 400km entfernten(!!) Schule begann, dass man dort natürlich meinen Namen und diese Geschichte von meinem Abgang kannte.
Es scheinen nicht viele zukünftige Lehrer ihr Recht auf eine Ausbildung einzufordern.

Eine kleine Umfrage im Bekanntenkreis ergab übrigens noch ein kleines Detail, was mir lange noch nicht so bewusst war: Wenn unser kleiner Referandar tatsächlich durch die Abschlussprüfung gefallen sein sollte: Dann bekommt er eine zweite Chance – er darf ein Jahr anhängen und die Prüfung wiederholen. Und niemand kennt jemanden – weder direkt noch indirekt oder ganz hintenrrum über über jemanden, der jemanden kennt – der durch diese Wiederholungsprüfung gefallen wäre.

Lehrer werden ist also gar nicht so schwer. Ein bisschen Sitzfleisch vorausgesetzt schafft man das schon. Ob man dann glücklich oder sogar gut im Job wird ist eine andere Frage.

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4 – Teil 5

23.03.2008 :: 11:01 Uhr :: 2 Kommentare » ::

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Gestern am Ende von Teil 3 hatten wir beschlossen, heute noch einmal einen kurzen Blick auf das Lehramtsstudium zu werfen:

HörsaalEin Lehramtsstudium ist in höchstem Maße selbstbestimmt. Das bedeutet viel Freiheit im positivsten Sinne. Das bedeutet aber auch, dass man sich durch Prüfungen schummeln kann (ich hab das Sachen gemacht gehört, das glaubt Ihr nicht) und dass man sich sehr bequem durchmogeln kann, wenn man dazu neigt.
Es bedeutet auch, dass man sich sehr erfolgreich total in der Theorie vergraben kann, ohne allzu oft auf Kinder zu treffen. Wenn man dazu neigt.
Man hat eben alle Möglichkeiten offen.

Und: Eigentlich gibt es gar kein Lehrer-Studium. Es gibt nur die Möglichkeit, durch die Kombination von ein bisschen Fachstudium (Deutsch, Mathe, Physik, …) und ein bisschen Pädagogik die Scheine zu sammeln, die für z.B. das Grundschullehrmat nötig sind. Aber niemand – vor dem Referandariat – kontrolliert mal, ob bei dieser selbstbestimmten Kombination ein Lehrer rauskommt.
Nie ist – ich glaube ich sagte es schon einmal – wirklich zuständig für das große ganze. Nur für diese Mathe- oder jene Pädagogikprüfung.
Aber nie für die „Lehrer”-prüfung.

Habe ich neben all den schlauen Beobachtungen eine Lösung? Darum gehts dann morgen im fünften und letzten Teil.

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4 – Teil 5

22.03.2008 :: 08:42 Uhr :: 4 Kommentare » ::

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Gestern ließ uns der Cliffhanger mit der bangen Frage zurück, ob so ein unfähiger Student denn dann wohl einfach unbeirrt seinen Weg weitergehen wird. Ja, er wird.

Also studiert unser kleiner Student eifrig weiter. Macht seine Abschlussprüfungen und schreibt eine – vielleicht auch richtig gute – Staatsarbeit. Denn tragischerweise haben gute theroretische Kenntnisse und die Unfähigkeit, mit Kindern umzugehen ja nichts miteinander zu tun. Der kleine Student ist jetzt schon richtig groß, er hat eine gut benotete Staatsarbeit in der Tasche und hat sich vor dem Einstieg in den Berufsalltag noch einmal Urlaub gegönnt. Und ist so mindestens seit guten vier Jahren dabei sich ausbilden zu lassen. Wenn Mami und Papi ihm allerdings nicht die Ausbildung komplett bezahlen konnten und er nebenbei kellnern / taxifahren / coldcallen musste eher auch ein Jährchen länger.

Garderobenhaken in der SchuleDann beginnt das Referendariat. Quasi der praktische Teil der Ausbildung. Kindkontakt galore.
Soweit ich weiss gibt es irgendwo in dem großen goldenen Buch der Regeln den Satz „Alle Referendare kommen mit den neuesten pädagogischen Flausen im Kopf von der Uni und müssen sich ja erst einmal eingewöhnen. Alle.” Ist ja auch logisch.
Und so bekommt der Referendar noch einmal mindestens ein halbes Jahr Zeit, bevor er sich so richtig, richtig im Berufsalltag bewähren muss. Bevor der Unterricht klappen muss und es um Feinheiten geht, die man beim nächsten Unterrichtsbesuch präsentieren kann.

Wenn das dann nicht klappt, wenn sich unser zukünftiger Lehrer dann als kompletter Vollhonk im Umgang mit Kindern herausstellt – was dann? Dann hat der arme Ausbildungslehrer einen 26-jährigen Junglehrer vor sich, der jetzt sechs Jahre in seine Ausbildung gesteckt hat und dem er mitteilen müsste: „Stop. Bis hierhin und nicht weiter!”
Genau. Das macht man nicht einfach so. Wo sich doch auch sofort die Frage stellt: Was soll der arme denn dann machen – der hat doch nichts vernüftiges gelernt?

Zumal – ich erwähnte ja, dass sich ein perfektes System von nicht-Verantwortlichkeit gebildet hat – das ein Ausbildungslehrer gar nicht einfach so sagen kann.
Da gibt es nämlich – immerhin befinden wir uns in einem Beamtensystem – strenge Hierachien. Und aufgeteilte Verantwortlichkeiten. Da gibt es an der Schule zwei Ausbildungslehrer, einen Schulleiter und einen Ausbildungskoordinator. Und am Seminar (quasi die Berufsschule für Lehrer) noch einmal zwei Fachleiter und einen Seminarleiter. Bis auf den letzgenannten haben alle ein Wörtchen mitzureden.
Wenn also nicht einer aus der ganzen Truppe irgendwann einmal die Verantwortung übernimmt und mit hohem persönlichen Einsatz alle zusammentrommelt dann kann es sein, dass der Referendar erst nach zwei Jahren an der Schule (kurz im Kopf gerechnet: guten 7 Jahren Brutto-Ausbildungszeit) ein Zeugnis bekommt in dem steht, dass er es leider nicht geschafft hat.
Naja, und das macht man dann ja auch nur ungern.

Morgen werfen wir dann noch einen zweiten Blick darauf, wie so ein Lehramtsstudium aussieht.

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4 – Teil 5

21.03.2008 :: 07:55 Uhr :: 0 Kommentare » ::

Icon zum ThemaLehrer sein das ist schon schwer - Lehrer werden nicht so sehr (2)

Teil 1 hat uns gestern mit der Frage „warum tut da keiner was?” zurückgelassen. Die Antwort ist erschreckend einfach:

Schul-TreppenhausDummerweise ist niemand so richtig zuständig. Meiner Beobachtung nach hat sich das gesamte System der Lehrerausbildung erfolgreich dahin manövriert, dass niemals jemand einem zukünftigen Lehrer sagen muss: „Gehen Sie nach Hause, werden Sie nicht Lehrer, gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie keine 4000,- ein. Und überleg Dir einen anderen Job.”

Niemand.
Die Lehrerin im gestern erwähnten Praktikum? Die war eine einfache Grundschullehrerin, die sich bereit erklärt hatte einmal die Woche eine Horde von 20 Abiturienten zu Gast zu haben und auf ihre Klasse loszulasssen. Die dachte sich: „Ach, die haben ja gerade erst angefangen, das wird noch” und gab ein paar vorsichtige Worte mit. Muss ausgerechnet die mehr tun? Wohl kaum.

Die Pofessoren? Die einen lehren Deutsch oder Mathe oder ein Teilgebiet daraus und man wird ihnen als angehender Lehrer vorgeworfen, um etwas über die Fächer, die man unterrichten soll zu lernen.
Die Pädagogik-Veranstaltungen, die man so hat erzählen einem hingegen etwas über die theoretischen Grundlagen: Entwicklung der Lernfähigkeit / Grundlagen über mögliche Entwicklungsverzögerungen, ein bisschen Psychologie oder auch Basics über Montessori oder Herrn Steiner und seine Pädagogik. Alles wichtig, keine Frage.
Kindkontakt hat man im Studium nur während der Praktika – und das erste mal richtig unterrichten muss man im Blockpraktkum. Das ist im Hauptstudium und ein durchschnittlicher Pädgogikstudent hängt zu dem Zeitpunkt schon 12 Jahre an der Uni ab man hat dann schon sein Grundstudium erfolgreich angeschlossen.
Sollen also die Lehrer, denen man dort zugeteilt wird den folgenschwerern Satz sagen? Auch da sind die Zukünftigen noch so unausgebildet, dass man noch Hoffnung haben kann.

Außerdem: Da bekommt ein Lehrer irgendwo in irgendeiner Schule irgendeinen Studenten zugeteilt – eine fundierte Meinung über diesen Menschen und seine Fähigkeiten kann der sich gar nicht erlauben. Höchstens eine fundierte Meinung über ein paar Unterrichtsstunden – und selbst wenn die echt vermurkst sind – hat man dann als Lehrer das Recht die letzten mindestens eineinhalb Jahre Ausbildung zu beenden? Nein.

Der unfähige Student macht halt einfach weiter? Darum geht es morgen in Teil 3.

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4 – Teil 5

20.03.2008 :: 07:49 Uhr :: 7 Kommentare » ::

Icon zum ThemaLehrer sein das ist schon schwer - Lehrer werden nicht so sehr (1)

Wie ich jetzt auf Lehrer komme? Nun ja, zum einen wohnt hier ja einer mit mir, zweitens haben wir darüber natürlich auch ein paar Exemplare im Bekanntenkreis, drittens wollte ich selbst ja auch mal einer werden und dann hab ich letztens noch thematisch in der Ecke gearbeitet – der Gründe gibt es eigentlich genug.

KreidekastenAls ich damals voller Elan in meinem ersten studiumsbegleitenden Praktikum „Einführung in die Unterrichtsrealität” in einer Grundschule irgendwo in Dortmund saß, merkte ich schnell einen gewaltigen Unterschied, der die Gruppe der Studenten in zwei Teile spaltete: Die einen konnten mit Kindern umgehen, die anderen nicht. Highlight war ein blondes Exemplar der Gattung, die ich später als Primimäuschen kennen lernen sollte (Primi = Primarstufe (Grundschule); Mäuschen = äh … Mäuschen halt).
Sie versuchte sich an einer Kunststunde, hielt an deren Ende eines der Bilder hoch, machte es so richtig – aber so richtig, richtig – runter und wunderte sich dann, als keines der Kinder freiwillig als Urheber aufzeigte. „Aber einer von Euch muss es doch gemalt haben??” – Schweigen.
Tja, Kinder nicht verstanden, mach lieber ne Ausbildung zur Nagelfee, dachte ich. (Was mir die neben mir sitzende Klassenlehrerin mühsam ihr Schnauben unterdrückend bestätigte)

Aber: Sie unterdrückte ihr Schnauben. Sie sagte hinterher nicht „Das. War. Schaize.” oder ähnlich deutliche Worte. Sie kritisierte positiv und konstruktiv, (Komma, Du) wand sich um Formulierungen wie „… es ist besser, wenn Du… „ und liess die Tusse in dem beruhigenden Gefühl, dass das alles zwar vielleicht an der einen oder anderen Stelle verbesserungswürdig aber insgesamt durchaus ok gewesen war.

Das ist Jahre her.

Heute erlebe ich dann eher die Klagen von Lehrern, die gerade einen Referendar durch die letzten zwei Jahre in den Lehrer-Alltag begleiten. Dummerweise hat sich die grundlegende Trennung „Kann mit Kindern umgehen” vs. „Kann nicht mit Kindern umgehen” bis dahin gut gehalten. Und vergessen wir nicht: Wer es bis ins Referandariat geschafft hat, der hat ein Grund- und ein Hauptstudium erfolgreich hinter sich und hat diverse Praktika und Prüfungen sowie eine Staatsarbeit erfolgreich hinter sich gebracht. Und so im allerschnellsten Fall ca. 3,5 Jahre Ausbildung erlebt.

Ich habe in den letzten Jahren diverse Male Geschichten von zukünftigen Lehrern gehört, die in mir ein spontanes Glück, keine eigenen Kinder in die Schule schicken zu müssen erzeugten. Und darüber hinaus den dringlichen Wunsch nach einem Telefonat mit irgendwem zuständigen. Keine Einzelfälle, die kann ich als solche abtun. Nein – regelmäßige Geschichten, die bewiesen: Da ist jemand unfähig, ein Lehrer zu sein. Komplett und absolut falsch am Platz.

Warum tut da keiner was? Darum geht es dann morgen in Teil 2.

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4 – Teil 5

19.03.2008 :: 09:54 Uhr :: 4 Kommentare » ::

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