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Icon zum ThemaFeuchtgebiete die letzte

So als Zeitungsredakteur hat mans ja manchmal schwer.
Nehmen wir einmal an, da gibt es ein Buch. Ein umstrittenes Buch – eines das zwar die meisten ekelig finden, das sich aber trotzdem seit Wochen auf den vorderen Plätzen der Buch-Charts rumliegt.
Nehmen wir weiter an, die Schreiberin kommt in die Stadt und die Veranstaltung ist so schnell ausverkauft, dass man in einen größeren Raum umziehen muss.
Nehmen wir dann an, dass die Stimmung im Saal ausgelassen und heiter ist, dass Schreiberin und Zuhörer zusammen jede Menge Spaß haben.

Wenn man dann selbst Thema, Buch und Autorin richtig scheiße findet, dann kann es eventuell passieren, dass ganz schön rumgeierte Artikel dabei rauskommen.

Vielleicht können sich die jawl-Leser, die hier mitlesen mal äußern, wie es denn so war? Wisst Ihr – nach meinen ganzen Vorbereitungen habe ich da ja so etwas wie eine Chronistenpflicht…

12.04.2008 :: 11:18 Uhr :: 2 Kommentare » ::

Icon zum ThemaWie ich einmal nicht bei Charlotte Roches Lesung war

… aber immerhin ne Widmung kriegte.

Charlotte

10.04.2008 :: 22:36 Uhr :: 3 Kommentare » ::

Icon zum ThemaFeuchtgebiete II

Im Sinne einer angemessenen Vorbereitung auf Charlotte Roches Lesung am 10.4. hier in Menden habe ich soeben aufgehört mich zu waschen.

23.03.2008 :: 09:18 Uhr :: 1 Kommentar » ::

Icon zum ThemaFeuchtgebiete

Cover FeuchtgebieteIch überlege ja jetzt seit einigen Tagen, ob ich eine Kritik zu dem Charlotte Roche Buch schreibe. Also, ich – so als Mann. Angesichts der Vorbelastung, dass sich im Netz hauptsächlich Frauen zu dem Buch äußern und Frau Roche selbst gerne erzählt, dass Männer ihr berichten, beim Lesen erregt gewesen zu sein überlegt man sich das doch zweimal.

Andererseits hat es mich ja noch nie sonderlich gekümmert, was die anderen denken – und unbeindruckt hat mich das Buch schließlich auch nicht gelassen.

Über den Inhalt ist in den zahlreichen Interviews und Berichten – die Franzi lobenswerterweise schon einmal alle herausgesucht hat – ja schon eine Menge geschrieben worden – also nur kurz:
Die Hauptperson Helen, eine 18-jährige Schülerin, die sich beim Rasieren in die Hämorrhoiden gechnitten hat liegt nach der dadurch notwendigen Operation im Krankenhaus und macht sich so ihre Gedanken. Über Ihr Hinterteil (naheliegend) und den Umgang mit dem selben. Außerdem über Sex, Körperflüssigkeiten und deren Geruch, Hygiene im allgemeinen und den Umgang der Gesellschaft mit alledem.
Und ganz nebenbei auch noch über ihre Eltern, die ihr das Leben auch nicht gerade leicht gemacht haben oder machen.

Wer Charlotte Roche schon einmal hier oder da oder bei ihrem Promi-Flaschendrehen gesehen hat kann sich vorstellen, dass es dabei sprachlich ziemlich zur Sache geht. Helen ist nicht zimperlich und hat so ihren ganz eigenen Umgang mit sich und ihrem Körper. Frau Roche ist ebenso wenig zimperlich und beschreibt das alles recht deutlich.
Das geht dann auch manchmal über die ein oder andere Grenze hinaus.

Wer sich mal quer durch die Interviews liest wird quasi gebetsmühlenartig wiederholt darauf stoßen, dass das auch Absicht ist. Dass das Buch provozieren soll, dass Frau Roche findet, dass „alle” einen viel zu verklemmten Umgang mit sich selbst und Körperlichkeit im allgemeinen haben und auch dass sie selbst da immer noch viel zu wenig locker ist. Und selbst ihr ihre eigene Heldin da um einiges voraus ist. Aber auch, dass Helen gerne mal ein Vorbild sein solle.
Mal ganz grob zusammengefasst.

Zuerst sollte es ein Sachbuch werde: Charlotte Roche, Frauen macht dies und das! Ein Pamphlet, eine Kampfschrift für Frauen und ihren Körper. Dann fand ich die Idee zu platt. Und Helen Memel wurde geboren. Der Grundgedanke, etwas kreativer mit Körperflüssigkeiten umzugehen, als sie wegzuwaschen, ist allerdings geblieben.

(Charlotte Roche im Interview mit blond)

Völlig zufälliger Ausschnitt aus FeuchtgebieteWenn ein Roman aus der Idee, ein aufklärerisches Sachbuch zu schreiben entsteht, dann hat er natürlich ein klares Ziel. Und so mochte ich auch an der ein oder anderen Stelle mal denken „Man spürt die Absicht und ist verstimmt”. Anderseits ist dieses Buch so far out jenseits von allen Menschen, die ich um mich herum so kenne, dass es einfach Spaß gemacht hat. Denn ich liebe es, wenn jemand provoziert. Wenn jemand sich ganz, ganz weit nach draußen in eine Meinung oder Haltung hinein begibt und so überhaupt erst einmal zeigt, wie breit das Spektrum der möglichen Meinungen und Haltungen überhaupt sein kann.

Ich habe jetzt natürlich – so als Mann – nicht bei jeder neuen Überraschung, die mir Helen präsentiert das Bedürfnis, das gleich mit mir selbst, meiner gefühlten Freiheit oder Prüderie abzugleichen. (Sondern höchstens bei jeder zweiten.) Vielleicht macht es mir das einfacher, mich nicht angegriffen zu fühlen, von dieser Absicht mit der ich da konfrontiert werde.

Aber erstens macht es mir – wie gesagt – einfach unglaublich Spaß diesen ganzen Provokationen zuzuschauen und zweitens löst sich der Nebenplot mit Helens Eltern am Schluß so auf, dass mir fix ein Tränchen ins Auge schoß das den Rest des Buches dann in einem weicheren Licht schimmern ließ.

Ach ja: Und last but not least freue ich mich einfach unglaublich auf die Lesung hier in Menden für die wir Karten haben.
Fast hoffe ich darauf, dass neben uns nur noch die üblichen Vormietereihe „A” – Verdächtigen da sitzen. Die, die zu jedem Event, dass die Kleinstadt liefert hintrotten.
Die gehen dann nämlich unter lautstarkem Protest nach 5 Minuten und ich lerne Frau Roche persönlich kennen. So als einzig übriggebliebener.

Edit:
Da das Buch offensichtlich überall ausverkauft ist kannst Du das Charlotte Roches Feuchtgebiete von hier aus direkt bei amazon kaufen. Leider noch nicht herunterladen, aber immerhin schnell geliefert bekommen.

12.03.2008 :: 22:47 Uhr :: 10 Kommentare » ::

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