Treffen sich zwei Welten.
Sie kam vor einem Jahr in der Stadt an. Der Liebe wegen. Vorher hatte sie jahrelang am anderen Ende der Welt gelebt.
Mit Staunen und ein wenig Neid hörten wir ihre Erzählungen. Mit den Fischen war sie geschwommen und den Touristen hatte sie das große Riff gezeigt. Ihr Schlaf war von der aufgehenden Sonne unterbrochen worden und wenn es dunkel war, dann endete auch ihr Tag. Tiere, die wir nur aus dem Zoo oder dem Fernsehen kennen waren in ihrem Garten gelaufen.
Und irgendwann war sie aufgebrochen ins Innnere der großen Insel und hatte die Ureinwohner aufgesucht. Hatte dann eine Zeit lang mit ihnen gelebt und irgendwann bei einem nächtlichen Zeremoniell ihren Geist befreit und ihren wirklichen Namen gefunden, den, der uns jetzt erst so schwer über die Lippen ging.
Jetzt sass sie bei uns in der Mitte und machte unser Leben so klein durch ihre pure Anwesenheit. Manchmal lächelte sie über unsere Sorgen und unser kleines Hin- und Hergerenne.
Sicher, mit dem Abstand und mit ihren Erfahrungen musste das alles komisch aussehen für sie, die sie nicht einmal ein Krankenversicherung besass.
Ich habe sie um diese Gelassenheit beneidet.
Ich habe sie ein paar Monate nicht gesehen und als ich sie jetzt traf, war es uns wohl beiden ein wenig unangenehm. Aber ihr Job verlangte vermutlich, dass sie mich fragen muste, ob ich mit meinem Handytarif zufrieden wäre. Aber ich wollte den Flyer nicht, den sie mir hinhielt.

serotonic
(29. März 2007 - 11:23 Uhr)
Ich mag jetzt nicht mit Adjektiven umherschmeißen … nur sagen, dass mich diese Zeilen doch sehr bewegen.