Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

#WMDEDGT September 2017

Aus der Kategorie »just jawl«

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

6:30
Ich schrecke aus einem grauenhaften Traum hoch. Ich träume recht regelmäßig von der kleinen Katze und die Träume lassen allesamt Friedhof der Kuscheltiere wie eine niedliche Vorlesegeschichte für Kinder zwischen zwei und fünf da stehen. Immerhin bin ich gestern Abend um neun ins Bett sowie in Tiefschlaf gefallen und fühle mich zwar nicht erholt aber immerhin ausgeschlafen.

8:30
Ich habe irgendwelche Dokus geguckt, die Liebste verabschiedet, irgendetwas gefrühstückt und mal wieder in meine Simcity-Stadt auf dem iPad geguckt. Denen gehts gut.

9:30
Kleinscheiss gearbeitet. Mein Kopf ist ziemlich wattig und mich zu konzentrieren fällt noch immer schwer, deswegen bin ich arg froh, dass ich langsam wieder rein komme.

10:30
Gestern beim Einkauf was vergessen, also: 1 Kiste Wasser, 1 Flasche Cola und noch was gekauft. „Noch was“ hätte, wie ich später feststellen werde, eine Packung Toast sein sollen. Da im Laden aber nur „da war noch was, da war noch was“ im Kopf rotierte hab ich noch eine Flasche Müllermilch oben in die Wasserkiste gesteckt. Ja, ich weiß, Müller :( … – aber hey: Wenn ich tausend Flaschen kaufe, dann ist meine Chance, einen der Muh-Deckel zu finden immerhin annähernd so hoch wie die im Lotto zu gewinnen.

10:35
Müllermilch getrunken, keinen Muh-Deckel gehabt. Was mich nicht im geringsten davon abhält, mich auf dem Rückweg nach Hause so sehr in Tagträumen darüber zu verlieren, was ich mit den 50.000,- Gewinn machen würde, dass ich später die Liebste fast fragen werde, warum sie sich denn nicht freut. Tagträume kann ich gut.

12:30
Kleinkram gearbeitet.
Einen interessanten Mailwechsel mit einer Kundin darüber gehabt, ob und wie ich rechtlichen Service für meine Kundschaft anbieten kann. Könnte. Eventuell könnte. Also: Könnte, ohne rechtliche Beratung anzubieten. Schwieriges Thema, denn nicht ganz zu Unrecht denken Kunden gern: „Herr Fischer, Sie kennen sich da doch aus“. Tue ich oft, ja – darf ich aber nicht drüber sprechen. Jedenfalls nicht so, dass $Kunde dann denkt, jetzt wäre er oder sie rechtlich beraten worden. Ich arbeite deswegen mit einem äußerst fähigen Fachanwalt zusammen und empfehle den auch gern weiter. Aber Anwälte sind ja immer zu teuer – jedenfalls bis was passiert.

Einen Anruf bekommen, der mir ab Morgen die Möglichkeit eröffnet, für ein paar Tage außer Haus zu arbeiten. Sehr, sehr froh darüber gewesen, denn das Haus ist mir im Moment sehr, sehr leer.

Einen Anruf bekommen, dass ich auf das Fax noch gar nicht geantwortet habe. Darüber gelernt, dass die FritzBox Faxe wohl nicht mehr ordnungsgemäß per Mail an mich verschickt. Na, dann hoffen wir mal, dass da kein wichtiges Fax dabei wa… hahaha, ich habe „wichtiges Fax“ gesagt, so wie 1985.

Ein paar Mails mit Skandinavien gewechselt. Durch irgendein echt blödes Missverständnis stehe ich ganz eventuell irgendwo als Besitzer eine Domain, die mir nicht gehört. Alle anderen nehmen das wesentlich gelassener als ich – gut: besser so als andersrum.

13:30
Mittagspause mit dem Rest vom Curry gestern Abend und ein bisschen Podcasthören in der Sonne. Ich hoffe, Sascha nimmt es nicht persönlich, dass ich dabei eingenickt bin.

16:00 Uhr
Kleinkram gearbeitet. Ich arbeite gerade hauptsächlich Kleinkram ab. Einen Anruf bekommen, in dem der Kunde sich bedankte, das tut gut. Für meine Arbeit und für die Leute, die ich empfehle. Das tut sogar sehr gut.
Jetzt Pause, weil: Heute Abend gehts ins Theater.

17:30
Pause und verfrühtes Abendessen. Es war zum Glück immer noch Curry da. Man kann ja quasi gar nicht zu viel Curry machen.
Jetzt auf ins Theater!

20:50
Erste Probe zur Wiederaufnahme unseres Stückes vom letzten September. Dafür, dass acht Monate vergangen sind, liefs ziemlich prima.

21:30
Die Liebste und ich haben uns noch Bier an der Tanke geholt und sind oben auf den Berg gefahren, ein wenig in die nacht gucken. Wie mit 20. Ist aber immer noch gut, sollte man öfter tun.

23:00
Nach Hause gekommen, den Wecker gestellt, gebloggt. Jetzt Dokus bis zum Schlafen, wie immer.


Hinter dem Plakat

Aus der Kategorie »just politics«

Vollkommen überrraschenderweise dürfen wir in vier Wochen wieder unsere Kreuzchen auf einem Zettel machen, damit Frau Merkel weiter Kanzlerin bleibt. (So wird es uns jedenfalls suggeriert, aber das ist ein anderes Thema)

Wir haben also die Wahl.

Was mir aber in den letzten Tagen auffiel: Viel zu viel wird über die Kampagnen der Parteien gesprochen. Über die Freuqenz der Fernsehauftritte, über Wahlkampf in Hintertupfingen und ich frage mich: Warum? Wäre es nicht wichtiger, sich mal zu erinnern, wofür die einzelnen Parteien stehen, ungeachtet dessen, was sie gerade behaupten?

Und deswegen möchte ich kurz an etwas erinnern:
Diese Plakate lügen. Alle. Sie sagen so viel die Wahrheit wie die Plakate, die uns erzählen, dass unser Leben mit Coca Cola cooler ist oder dass McDonalds schmeckt. Es ist Werbung. Werbung genau wie die, für die wir Festplattenrecorder mit Vorspulfunktion kaufen und Adblocker installieren.

Egal was die CDU schreibt, sie möchte einfach nur, dass alles so bleibt, wie es in den Achtzigern war. Sie wäre mit bräsiger Gartenzaun-Gemütlichkeit und stolzer „Made in Germany“- Weltherrschaft vollkommen zufrieden und hat sich jahrzehntelang nur angepasst, wenn es sich überhaupt nicht vermeiden ließ. Weil sie dabei aber leider auch übersehen hat, dass ihre Lebensweise nur auf Kosten eines großen Teils der Menschheit umsetzbar war und ist und dieser Teil der Menschheit jetzt Montags auf die Strasse geht oder übers Mittelmeer kommt, müssen sie jetzt ihren rechten Flügel stärken. Geht zum Glück ohne schlechtes Gewissen, weil sie den rechten Flügel outgesourced hat. Und von der CSU kann man sich je nach Bedarf in der Presse distanzieren oder nicht – und ihr dann wegen des Koalitionszwangs folgen. Guter Bulle, böser Bulle halt.

Egal was die SPD schreibt, sie möchte das alles prinzipiell genau so. „Soziale Gerechtigkeit“ ist nur deswegen ihr Buzzword, weil die Partei auf mittlerer Ebene zumeist noch von Oberstudienräten geführt wird – und die finden schon etwas weniger, dass die Armen selbst Schuld haben als es die CDU findet. Aber so wichtig, dass sie wirklich etwas ändern möchten ist ihnen das nun auch nicht. Und weil sie aber jetzt schon in mehreren großen Koalitionen saß und es ja nur um persönlichen Machterhalt geht, ist das eigentlich alles auch vollkommen egal. So wie sich der Oberstudienrat unter seinem Rektor gut einrichtet hat, haben sie sich neben der CDU gut eingerichtet und alle paar Jahre dieses Wahlkampfgedudel ist ihnen eigentlich viel zu anstrengend.

Egal was die FDP schreibt, sie möchte einfach nur wieder mitmachen. Wieder Macht haben. Von der Sekretärin im Kostümchen Kaffee gekocht bekommen und wenigstens den ersten Parkplatz auf dem zweiten Parkdeck bekommen. Sie war daran gewöhnt, jahrzehntelang vollkommen ungeachtet ihrer tatsächlichen Größe und Bedeutung in Regierungsverantwortung und damit supidupi wichtig zu sein und das will sie verdammt noch mal zurück.
Leider glaubt sie exakt bei diesem Thema nicht an ihre eigene Weisheit, dass es der Markt – also in diesem Fall der Wähler bei den letzten Wahlen – schon gerichtet hat und so werfen sie ihren wahrhaft uniquen SP ins Rennen – voller Hoffnung darauf, dass niemand merkt, dass der schon in NRW vor wenigen Wochen alle Wahlversprechen gebrochen hat. Oder dass sie mit Liberalismus noch so viel zu tun hat, wie anti-autoritäre Erziehung mit Laissez-faire. Oder dass sich jemand fragt, wen es denn neben dem schwarzweißen Herrn Lindner noch gibt.

Egal was die Grünen schreiben, sie haben nicht den Hauch einer Ahnung wer oder was sie sind. Ihre alten Ideen sind längst Mainstream (aka. „Sie haben sie erfolgreich auf der politischen Agenda positioniert“). Dass sie selbst das alles noch etwas nachhaltiger umgesetzt hätten, will keiner hören und sie haben leider keine neuen. Ihre Wähler wählen neben ihnen auch Porsche Cayenne, globalisiert-peruanischen Kaffee und für die eigenen Kinder doch dann lieber die Kita ohne sozial schwache Problemkinder. Ihre Leute in Berlin sind längst vollkommen in die weltfremde Berliner Blase eingetaucht und damit weit weg vom Mensch auf der Straße. Aber das nimmt ihnen die sogenannte Basis, also die Krötenträger aus dem B.U.N.D.-Ortsverein krumm und deswegen sind sie eigentlich seit Jahren handlungsunfähig. Ist vielleicht auch besser so, denn wenn sie zufällig in Regierungsverantwortung geraten weil sich ein Kandidat dieser Basis gegenüber taub genug gezeigt hat, dann geben sie sich in Koalitionszwängen so sehr auf, dass sie sogar ihre Herzensthemen verlieren.

Egal was die AFD schreibt, sie ist braunes Pack, das es irgendwie geschafft hat, den Armen zu erzählen, es ginge ihnen besser, wenn sie an der Macht wären. So wie es braunes Pack immer schon tat. Nuff said.

Egal was die Linken schreiben, ach, ich habe wirklich keine Ahnung. Wirklich überhaupt nicht. Ich kann die nicht einschätzen.

Dass in Deutschland das damals von den Amis in Schwung gebrachte Wirtschaftswunder endgültig ausgelaufen ist …

… dass ausgerechnet in der Vorzeigeindustrie „Made in Germany“ inzwischen „Cheated in Germany“ heissen müsste …

… dass Deutschland digital irgendwo auf Seite dreizehn bei Google zu finden ist* …

… dass wir immer mehr Armut in unserem Land haben …

… dass wir im Amnesty International Jahresbericht auftauchen …

… dass unsere Schulen nur deswegen nicht vollkommen auseinander fallen, weil es längst Usus ist, dass Eltern aushelfen und putzen und spenden …

… dass unser Gesundheitssystem mit dem Wissen aller Beteiligten dem Rentensystem vor die Wand folgt …

… das ist leider kein Thema. Bei niemand. Obwohl damit quer von rechts nach links, von liberal zu konservativ nirgend etwas geht.

Das Ruder in Deutschland müsste richtig kräftig rumgerissen werden (nein, nicht nach rechts, falls Du dummes Ding das gerade denkst), dass sich das niemand traut. Denn alle fürchten: Wer zuerst am Ruder dreht, der macht sich zuerst unbeliebt und wer sich unbeliebt macht, der wird nicht gewählt.

Wir haben also die Wahl.

*) Pun intended. Wer den Witz nicht rafft, beweist dass ich Recht habe.


Joschka Fischer

Aus der Kategorie »just cats«

Irgendwann im April 2005 bekam eine Feldkatze irgendwo auf dem Land hinter Unna in einem Haufen Heu einen Wurf Junge. Nichts ahnende vorbeigehende Menschen fassten die kleinen Kätzchen an und die Mutter verließ sie; aber zum Glück fand sie ein in der Nähe lebendes Paar und rettete sie über die ersten Wochen.
Auf die Zeitungsanzeige meldete sich ein Mendener Pärchen, die gerade in ein Haus mit Garten eingezogen waren. Sie hatten Glück: Das letzte, kleinste, schwarzweiße Baby-Kätzchen war noch da.

Als sich die potentiellen neuen Katzeneltern bei den Pflegeeltern vorstellten, tobte das schwarz-weiße Fellknäul gerade durch die Wohnung. Dann sah es die neuen Menschen, sprang auf die Couch wo die beiden saßen, legte eine Pfote nach rechts auf sein Bein, eine nach links auf ihrs und schlief schnurrend ein.
So kam Joschka zu uns.

Sie war die unfassbar beste Katze, die wir uns hätten wünschen können.
Wir waren uns nicht so ganz einig, ob und wie viele Katzenmöbel wir in der Wohnung ertragen wollten – sie löste das für uns: Sie interessierte sich einfach nicht für Katzenmöbel. Die waren unter ihrer Würde. Ebenso Katzenspielzeug, dafür war sie zu cool.
Sie spielte mit Mäusen, Libellen, Vögeln, den kleinen Kröten aus dem Teich, ein paar Maulwürfen und versuchte sich auch an einem Reh. Sie schlief am Kopfkissen oder unter meinem Kinn, da brauchts keine eigenen Möbel.

Sie kannte unterschiedliche Wörter für „Hallo!“ wenn sie uns an der Tür erwartet hatte, natürlich für „Hunger“ und „Das ist kein Essen, das ist Papp!“ und seit diesem Jahr auch für „es ist zehn Uhr, ich krieg jetzt Käse“ (mit Tabletten drin, aber das haben wir ihr nicht gesagt)
Und sehr deutliche für „jetzt will ich vom Arm runter“.

Sie hat einen Darmverschluss, zweimal Nierensteine, einen bösen Sturz in einen Zaun und zwei Autounfälle überlebt. Sechs Leben.

Seit etwa zweieinhalb Jahren mussten wir den Herzfehler behandeln lassen und nachdem sie sich auf die riesige Tablettendosis eingestellt hatte, feierte sie dieses Jahr nochmal den Sommer ihres Lebens; so viele Mäuse hat sie uns zuletzt 2006 gebracht, als alles hinter der Terrassentür noch so unfassbar aufregend und neu war.
Wir haben jeden Tag davon als Geschenk gefeiert.
Am Montag hatte sie eine Thrombose und die Ärztin sah die Lungen voll Wasser.
Sieben.

Ich habe seit 12 Jahren mein Büro im Haus, habe 12 Jahre mit nur 5 Tagen Unterbrechung mit ihr jeden Tag zusammen gelebt und habe nicht die geringste Ahnung wie das jetzt alles weiter gehen soll.


20

Aus der Kategorie »just people«

Sie so: Den Film hab ich ja auch noch nie gesehen.
Er so: Den hab ich auf Video, den liebe ich sehr, lass uns den gucken.

Die beiden kennen sich schon ewig vom Sehen, wie man sich in der Kleinstadt so kennt, ein bisschen mehr, seit sie einmal im Jahr zusammen arbeiten, ganz gut, seit sie einen Abend mit Alkohol und gemeinsamen Weltleid verbracht haben. Und richtig gut, seit sie sich vor circa einem Jahr angefreundet haben. Und richtig, richtig gut, seit …, aber das wissen sie noch nicht wirklich.
Sie Single, er in den Endwehen einer mehrjährigen Beziehung.
Sie strebsam und geradeaus unterwegs, er verläuft sich gerade in den Windungen des Lebens.

Im Film geht es um zwei gute Freunde; sie strebsam, er verläuft sich gerade in den Windungen des Lebens und natürlich begreifen beide am Ende, wie sehr sie sich lieben, schließlich ist das hier Hollywood und kein kleines Häppchen Realität.

Vor dem Fernseher sitzen zwei Freunde, die beide ohne den geringsten Argwohn in den Kinogenuss eingestiegen sind und während des Guckens irgendwie merken dass die beiden in dem Film da … nun ja.

Und dann ist der Film zu Ende, der Fernseher schwarz und beide gucken möglichst unbeteiligt in entgegengesetzte Ecken des Raums und sie fragt: „Kneipe“ und er sagt „Auf jeden Fall“ und beide rennen in die Stadt weil sie beide absolut nicht ready sind for this sort of thing.

Und in der Kneipe will er ihr unbedingt immer diese eine Strähne wieder hinters Ohr schieben und dann laufen sie noch bis nachts um zwei durch die Straßen und dann fährt er irgendwann nach Hause in die Nachbarstadt.

Den nächsten Tag macht er eine Cassette, das machen Jungs damals noch.

„These seconds when I’m shakin’
Leave me shudderin’ for days” She says
And I’m not ready for this sort of thing

… sagt das Eröffnungslied. Nicht wirklich eine Liebes-Cassette also.

Heute ist das 20 Jahre her und ich sag Euch: Damals war besseres Wetter.


#WMDEDGT August 2017

Aus der Kategorie »just jawl«

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

5:00 Uhr
Ich wache das erste mal auf. Das ist ein deutlicher Fortschritt, denn in den letzten Tagen war ich zum einen so absolut am Ende und zum anderen von einem Job so angestrengt, dass ich selten nach vier aufwachte. Außerdem funktionierte das Großhirn heute schon so gut, dass der erste Gedanke war: „ich hab Urlaub“, so dass ich tatsächlich nochmal einschlafen konnte.

6:00 Uhr
Siehe 5:00 Uhr.

7:00 Uhr
Nachdem ich gerade noch mit Karla Paul an der Nordsee Kafee getrunken hatte war ich etwas verwirrt ob meines dunklen Schlafzimmers. Dann: „Ich hab Urlaub“, dann aber die Erkenntnis: Schlaf ist trotzdem vorbei; also aufstehen.
Das Katz fand das auch super, schließlich war ihr letztes Essen jetzt schon gute siebeneinhalb Stunden her und im Moment frisst sie sich alle Pfunde wieder an, die sie vor dem Einpendeln auf die richtige Medikation heruntergehungert hatte. Was mich nicht überraschenderweise sehr, sehr glücklich macht.

Oh, ein paar Nieselregentropfen, wenn ich jetzt noch einen leeren Marktplatz finde könnte das schöne trostlose Fotomotive geben. 3 Minuten später saß ich im Auto.
Exkurs: Ja, ich kann total super so kaltstarten. Jedenfalls solange niemand mit mir reden will.

Ca. 5 Minuten später war aus dem Nieselregen ein sehr, sehr, sehr veritabler Gussregen geworden, dem ich weder die Kamera noch mich aussetzen wollte. Aber wo ich schon unterwegs war hab ich noch fix Brötchen geholt und dann zu Hause einen netten Frühstückstisch fertig gemacht.
Und dann das Katz zur Frau geschickt, sie aufzuwecken.

9:30 Uhr
Das war ja auch alles schon sehr anstrengend und schließlich habe ich ja Urlaub. Folgerichtig bin ich noch mal schlafen gegangen.

11:30
[insert langezogenes wohliges Aufwachgeräusch]

13:00 Uhr
Huch, wo issen die Zeit hin? Keinen Schimmer, was ich gemacht habe; ich war doch nur kurz duschen?

14:00 Uhr
Beim sinnlosen Blättern im Lightroom ein altes Bild gefunden, das die Liebste mal gemacht hat, als wir in Norddeich Mole die Fähre gerade noch rausfahren sahen und uns eine Stunde am Anleger vertreiben mussten. Nebelig wars, ich hab noch ein bisschen die Farben raus gedreht und es in Instagram geworfen.
Nebel über der Nordsee

Jetzt gammeln wir rum und überlegen gleich ins Kino zu fahren. Und ich blogge und stelle dabei fest, dass der letzte Beitrag exakt einen Monat her ist. Muss wohl doch mal über das alles hier nachdenken. Auch wenn ich die Befürchtung hege, dass „das Internet“ dabei nicht gut wegkommt und dieses kleine, liebevoll über 16 Jahre gehegte Blog dabei an seiner Daseinsberechtigung gerüttelt bekommt. LALALALALALALALALA …

17:13 Uhr
Wir kommen am Kino an. Die Liebste steigt schon mal aus, ich suche einen Parkplatz.

17:35 Uhr
Ich habe einen Parkplatz gefunden und renne los. Gut dass 17:30 meint: Werbung, Vorschau, Eis und dann irgendwann den Film, sonst wäre ich nämlich jetzt schon fünf Minuten zu spät.

Welcher Film? Ach ja.

Eine wunderbare Mischung aus frnzöischem Film und ein bisschen Hangover-Humor, wir hatten sehr viel Spaß.

19:35 Uhr
Die Fußballfans unter Euch wissen es, wir wussten es nicht: Heute spielen BVB und Bayern München in Dortmund um den Supercup. Wie gesagt, wir wussten es nicht, deswegen verbrachten wir erst mal eine halbe Stunde im Stau zum Stadion, weil wir durch Dortmund mussten.
Seit ich in Dortmund gewohnt habe und mal zufällig im „Wir feiern irgendeinen Sieg“-Autokorso feststeckte – und vor allem als ich in jenem Autokorso Prügel angedroht und Tritte vor die Stoßstange bekam, weil ich nicht fröhlich genug feierte – habe ich euphemistisch gesagt zwiespältige Gefühle in einem Stau rund ums Dortmunder Stadion. Naja, vielleicht war ich auch damals selbst Schuld, was will ich auch pünktlich zur Arbeit?

20:15 Uhr
Wir sind zu Hause und machen und noch ein bisschen lustfeindliches dröges veganes Essen.
Und gucken das Fußballspiel, haha.


#WMDEDGT Juli 2017

Aus der Kategorie »just people«

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

7:00 Uhr
Der Wecker klingelt früh. Also früh für meine Verhältnisse, bitte kein Neid.
Grund: Um Acht muss ich bei der Tierärztin sein und die gute Malzpaste kaufen, damit das Katz seine Haare besser wieder aus dem Magen rausbekommt. Außerdem zum Fressnapf, um noch mehr von dem besten (aktuell besten jedenfalls, Katzenbesitzer kennen das, dass Futter immer nur saisonal gern genommen wird) zu kaufen.
Und das muss alles vor neun sein, denn da beginnt die Telko mit @serotonic. „Ist die nicht immer Donnerstags?“ höre ich Sie fragen. Sehr gut aufgepasst, aber aus Gründen haben wir die verschoben. Ich komme drauf zurück.

8:00 Uhr
Ich stehe beim Tierarzt und merke, dass Autofahren schon ganz gut ging, sprechen aber noch nicht. Was steh ich auch so früh auf??

8:25 Uhr
Ich stehe vor dem Fressnapf und muss über mich selber lachen. Wie konnte ich nur denken, irgendein Laden in diesem Kaff hätte vor neun Uhr schon auf?

9:00 – 12:00 Uhr
Telko und Arbeit mit @serotonic. Heute bedeutet das: Ich mache mir Gedanken. Also genauer: ich konzeptioniere daran herum, wie ich mehrere 1000 Dokumente, die in einem Qualitätsmanagementsystem angelegt sind filtern und durchsuchen kann.
Damit das ganze so richtig Spaß macht, erfreut uns zuerst eine Schwalbe vor @serotonics Fenster, die schon auf ihrer Seite schrill klingt. Skype verzerrt das Ganze zu einem Gehirnzereissenden Fiepen. Nachdem sie das Fenster geschlossen hat, beginnt Skype mit digitalen Verzerrungen, nachdem wir aufgelegt haben, beginnt der Nachbar was zu mit der Kreissäge zu sägen.
Keine Ahnung, warum Lärm zum Foltern benutzt wird.

11:40 Uhr
Frau Dico schreibt und ich erfahre, wann Morgen der Soundcheck zu Helgi Jonssons Konzert beginnt. Was wichtig ist, weil ich dort sein darf und mal wieder fotografieren werde.
Irgendwie zwischendurch schreibe ich mir noch mit der Gewinnerin des letzten Gewinnspiels das ich organisiert hatte – damit auch sie weiß, wo und wann sie morgen ihre gewonnenen Tickets bekommt. Sie freut sich arg und ich erinnere mich, dass das einer der Hauptgründe für mich ist, diese kleine Fanpage zu betreiben: Die Freude und Dankbarkeit der Leute. Das Web ist ein guter Platz, wenn wir es dazu machen.

12:00 Uhr
„Auflegen“, schnell was essen, denn ich arbeite auch gerade für eine Agentur, die diese Woche gleich zwei Websites launchen will. We call it double fun. Das ist ein Fachbegriff.

Beide Sites sind aber schon relativ weit, so dass wir heute nur noch ein paar Korrekturen erledigen müssen. Dann guckt schnell der Kunde, dann kommen noch ein paar letzte Korrekturen, dann gehts kurz zum Kunden, dann …

16:38 Uhr
Eine SMS: Wir können online gehen. Wen’s interesiert: Einmal im Jahr bringen wir eine neue Ausgabe eines Kundenmagazins online. Hier kann man es sich ansehen. Die Gestaltung kommt von der Agentur, ich bin für die Programmierung zuständig.
Die andere Website ist noch zur Ansicht beim Kunden, vielleicht gibts Freitag noch letzte Korrekturen.

17:30 Uhr
Wir sind online und ich fahre ein Stündchen ans Wasser. Mal was anderes sehen als Bildschirme.

18:30 Uhr
Feta, Melone die wilden 70er und ein bisschen Bloggen. Außerdem liegen hier noch ein paar Interviewfragen rum, die ich dringend beantworten möchte.
Mal sehen, ob ich früh schlafen kann; ich bin ehrlich gesagt ein wenig aufgeregt vor Morgen. Ich hoffe aber auch, das sich das nie ändert.


Horch, wer könnt’ mein Feindbild sein?

Aus der Kategorie »just people«

Die ein oder andere mag es mitbekommen haben: Seit Freitag habe ich ein neues Auto.
Und schon in diesen zwei Tagen habe ich einiges erlebt.

Vorwegschicken muss ich:
Der neue ist ein Audi A3.
Davor hatte ich einen anderen Audi A3, davor ebenfalls einen Audi A3, davor 2 Golf Kombi*.
Davor verschiedenes, was der Gebrauchtwagenmarkt an der örtlichen Tankstelle so hergab.

Irgendwann im Laufe des Umstiegs von Golf auf A3 habe ich das Wort „Überholprestige“ gelernt.
Eine schöne Defintion liefert die Zeit in einem ziemlich alten Artikel.

Das Wort entstammt der Tuner-Sprache. Tuner sind Leute, die an Motoren herumfummeln, um die Autos schneller zu machen. Danach zupfen und zerren sie so lange an der Karosserie herum, bis die Autos auch schnell aussehen. Denn für den Herrscher über mehrere hundert PS gibt es kaum etwas Schlimmeres, als auf der Straße nicht ernst genommen zu werden. […] Die Voraussetzung für den Respekt aber ist ein ordentliches Überholprestige: […] Wie wirke ich beziehungsweise mein Auto auf den von meiner Spur zu Scheuchenden?
www.zeit.de/1999…

Ein Audi A3 hat ein relativ hohes Überholprestige.
Mir ist das ziemlich vollkommen wumpe, denn ich drängle nicht, ich rase nicht, ich fahre Audi weil ich die Autos mag und sie mich sehr bequem und sehr sicher dahin bringen, wo ich hin will.
 Autoherstellern ist es vermutlich, auch wenn sie es nie so sagen würden, nicht so wumpe; zumindest nicht allen.

Aber auch darüber hinaus haben Autos und Automarken ein Image; bei vielen Wagen hat man doch sofort eine Vorstellung, wer drinsitzt. Glaubt Ihr nicht?
Ok, dann ordnet doch mal folgende Klischee-Besitzer den nachfolgenden Autos zu:

Die Autos:

  1. Tiefergelegter BMW mit Spoilern und der Buchstabenkombi „CY“ auf dem Kennzeichen

  2. schwarzer Porsche- oder Audi-SUV vor der Schule

  3. Grauer Audi-Kombi mit Firmenaufkleber

Die Insassen:

  1. gebotoxte Zahnarztgattin, die ihre Kiste immer quer auf zwei Parkplätzen parkt

  2. Vertreter mit chronischer Eile der plötzlich mit Lichthupe bei 160 Km/h 1,5m hinter Dir im Rückspiegel auftaucht
  3. Türkischer junger Mann mit lauter Musik an der Eisdiele vorbei cruisend


Seht Ihr? Geht.

Dummerweise für mich fahre ich also einen dunklen Audi Kombi Sportback mit agressiv dynamisch gestalteten Frontpartie und stelle fest: Ich büße wohl für alle Sünden meiner Automarkenkollegen.

Schon beim letzten A3 lernte ich: Reißverschlussverfahren hin oder her – mich lässt man nicht rein. Mir blinkt niemand freundlich zu, wenn sich bei rechts-vor-links vier Autos begegnen. Mich kann man auch mal prima auf der Autobahn ein paar Mal ausbremsen und mir dann hinterher hinterher winken. Oder mich an der Ampel stehenlassen und – bei wieder gelb noch schnell losjagend – mit dem Mittelfinger wedeln.

Gestern aber, das war die bisherige Krönung. Der neue A3 ist von Audi noch etwas agressiver dynamischer gestaltet und von mir mit ein paar Spoilern dynamischen Extras ausgestattet worden. Aber auch mit einem Tempomaten und einem automatischen Abstand-Halter. Beide zusammen nutze ich gern, um ohne weitere Anstrengungen und ohne zu schnell zu sein im Verkehr mit zu schwimmen.

Nun fuhr ich gestern über eine Landstraße. Abwechselnd 70 oder 100 Km/h waren erlaubt und ich weiß: Allgemein fährt dort jeder schneller. Ein paar Kreuze am Straßenrand beweisen aber auch: Man sollte das nicht tun.
Hinter mir drängelte ein kleiner Seat. Blieb so dicht hinter mir, dass ich das Kennzeichen im Rückspiegel nicht mehr sah, kam bei jedem Wechsel auf 70 noch etwas dichter drauf – schaffte es aber auch nicht, zu überholen.

So ging das gute zehn Minuten, dann bogen wir beide ab. Vor mir jemand der so richtig langsam fuhr und dann hörte ich einen kleinen Seat-Motor aufheulen und endlich überholte er.
Ich überlegte auch kurz, aber dann kam mir wer entgegen und ich liess es und blieb hinter dem langsamen Wagen. Ein Toast auf den Abstandhalter!

Im nächsten Ort ist ein kleiner Kreisverkehr, davor gibts keine Möglichkeit abzubiegen. Am Kreisverkehr wartete der Seat. Liess mich vorbei und hängte sich wieder an meine Stoßstange. Und begann, mich mimisch zu beschimpfen.

Das war … äh … neu.

Noch ein paar Bemerkungen: Ja, ich kenne den Dunning-Kruger-Effekt und weiß, dass man sein eigenes Verhalten meist falsch einschätzt. Ich berufe mich daher auf Rückmeldungen von Beifahrerinnen und sage: Ja, ich fahre sehr vorsichtig. Ja, ich halte mich meist „nahezu übertrieben“ an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ja, ich halte albern viel Abstand. Ja, ich fahre nur schnell, wenn die Bahn frei ist. Ja, seit dem ersten Audi passieren so Anfeindungen wirklich häufiger.




*) Ich fahre Autos immer nur 3 oder 4 Jahre. Geschäftswagen, u know? Deswegen sinds so viele.


Nett ist die große Schwester von freundlich

Aus der Kategorie »just people«

Die ein oder andere mag es mitbekommen haben: Anfang des Monats war ich für 2 Nächte in Dänemark; in Århus genauer. Ich war eingeladen gewesen, einem kleinen Konzert in einem kleinem Club beizuwohnen und auch wenn ich exakt das dann während der 2 Tage nicht getan habe – das ist eine andere Geschichte und gehört nicht erzählt – haben mir diese 48 Stunden in Dänemark einiges zum Nachdenken gegeben.
Und während das noch gärte, schrieb die hoch geschätzte Meike Winnemuth eine Kolumne über das Nett-sein und auf Twitter passierte „Get to know me

Ja, das hat alles etwas miteinander zu tun:
Mein erstes Gefühl, nachdem ich montags die Grenze nach Norden hinter mir gelassen und den ersten Kontakt zu den Einheimischen gehabt hatte: Mein Gott, sind die nett. An der Tankstelle. An der Hotelrezeption. An der Museumskasse. Im McDonalds. An der Supermarktkasse. Im schlimmsten Berufsverkehr.
Gut, ich war ja nun auch etwas euphorisiert, so eine Einladung bekommt man nicht jeden Tag und aus Gründen habe ich seit etwa zehn Jahren keine einzige Nacht mehr in einem fremden Bett verbracht – da war ich ja vielleicht auch etwas aufgeregt. Außerdem wissen wir alle, dass für mich gilt: je Norden, desto gut und vielleicht lags ja auch an der Landschaft und den Möwen?
Aber dann fuhr ich wieder zurück und bekam etwa sieben Sekunden hinter der Grenze emotional einen satten Klaps in den Nacken, dem dann in der ersten deutschen Raststätte ein satter Schlag in die Magengrube folgte.

Ich erzähl mal exemplarisch zwei Geschichten – wohlwissend, dass exemplarische Geschichten eben immer nur – Überraschung: exemplarisch sind. Aber sie erzählen meine schwer fassbaren Gefühle einfach zu gut.

Nummer 1. Ort: Ein McDonalds in der Nähe von Grenå.
Ich hatte Hunger und eine Pommes vor der Autobahn schien eine gute Idee zu sein. Also parken und rein.
Vorbemerkung eins: Ich übersetz mal alles zurück, was ich hier erzähle.
Vorbemerkung zwei: Wenn ich irgendwem zugestehe, nicht vor Dienstleistungsfreude überzuschäumen, dann sind es Arbeitnehmer in Fast-Food-Franchise-Unternehmen.

Er: Hej!
Ich: Hej! Do you speak English?
Er: Klar! Was kann ich für Dich tun?
Ich: Habt Ihr vegetarische Burger?
Er: Äh? Klar, ich kann Dir jeden Burger vegetarisch machen …?!
Ich: Jeden? Uff, das überfordert mich, dann muss ich erst gucken, was Ihr denn überhaupt so habt …
Er: Gerade neu den da, aber extra Bacon ist ja bestimmt doof für Dich, wie wärs mit dem? Wieso überfordert Dich die Auswahl denn?
Ich: Naja, in Deutschland gibts exakt einen Veggie-Burger und Sonderwünsche gibts bei uns nicht …
Er (wechselt ins Deutsche): Oh, aus Deutschland? Ich auch spreche eine wenige Deutsch! Möchten Du lieber Deutsch rede?
Ich: Nee, voll nett, aber Englisch ist supi.
Er: Und wieso können die das bei Euch nicht?
Ich: *schulterzuck*

Mein Burger dauerte dann einen Moment und in der Zeit bediente er die nächsten. Und ich schwöre, ich habe noch nie jemanden so entzückend mit einer ca 10-jährigen, etwas schüchternen Kundin umgehen sehen wie ihn.

Geschichte Nummer 2. Ort: Eine Raststätte irgendwo bei Hamburg.
Mit der Mopo in der Hand, die ich der Liebsten mitbringen wollte marschierte ich zur Kasse.
Vor mir ein kleiner Trucker, den ich an der Betonung des „Hej!“ zur Kassiererin leicht als Dänen identifizieren konnte. Am „Do you speak English?“ danach auch.
Sie (sagt nix)
Er (erklärt – ich habs sachlich nicht ganz genau verstanden aber das ist egal – er habe da einen Coupon und man habe ihm gesagt, er könne den hier einlösen. Seven Euros?)
Sie (nimmt ihm den Bon aus der Hand, guckt drauf und sagt laut): Zu! Spät!
Er (hat das überraschenderweise nicht verstanden und wundert sich vermutlich ebenso wie ich über die unangemessene Lautstärke und fragt nochmal freundlich nach)
Sie (reißt ihm den Bon aus der Hand. Nimmt einen Stift, kreist damit irgendetwas ein (ehrlich!) ) Das! Ist! Zu! Spät!
Dann zerreißt sie den Zettel.

Er guckt groß und schleicht weg. Sie stützt die Hände in die Hüften und guckt sich stolz um. Sie hat gerade immerhin einen Betrüger entlarvt und abgesaut.

Während der Geschichte ruht mein Blick auf dem Zettel neben ihr: Sagen Sie uns ihre Meinung, wir wollen Deutschlands freundlichste Tankstelle werden!
Danach bin ich dann wieder in den dreispurigen Kleinkrieg auf der Straße eingeschwenkt.

Ja, das sind beides nur Schnappschüsse ohne Zusammenhang aber sie stehen wirklich exemplarisch für ein tiefes Gefühl während der Fahrt.

Ein paar Tage später entdeckte ich bei @mellcolm, dass sie gerade nummeriert irgendwelche random facts über sich in Twitter hineinschrieb; ich entdeckte „Get to know me“ und fand das schön und machte auch mit.
Fix belehrte mich meine Timeline, dass ich das besser sein lassen solle: ich ginge damit allen auf den Geist. Ob zu selbstverliebt oder zu spät dran (immerhin lief dieses Meme schon einen ganzen Tag!) – meine Tweets nervten. Mein Spaß an der kleinen Geschichte erlosch quasi sofort; ich war traurig.

Ja, ich weiß, wir haben alle in teuren Coaching- oder Therapiesitzungen gelernt, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sie zu formulieren. Wir wissen, dass es wichtig ist, sich selber auch mal durchzusetzen – jetzt nicht so sehr durch wie Herr Lindner, aber schon ein wenig durch. Ich fürchte, wir haben auch in vielen Jahren Twitter gelernt, dass man quasi Narrenfreiheit hat und absauen kann wen man möchte, so lange man auch nur halbwegs genug Follower hinter sich weiß und ein wenig zynisch oder ironisch oder wenigstens sonstwie lustig formulieren kann. Und wenn man „Leute, die…“ an den Anfang eines Tweets setzt, dann darf man eh alles.

Ich war nicht traurig, weil ich noch unbedingt die nächsten 27 Belanglosigkeiten über mich ins Netz hätte blasen wollen – ich schreib’ seit 16 Jahren ins Netz, habe vermutlich eigentlich alles unwichtige und wichtige längst gesagt und kann auch ohne. Nein, ich war traurig, weil das nicht nett war. Weil es nett gewesen wäre, den Menschen und mir, einfach mal kurz ihren Spaß zu lassen.
Schon vor Jahren habe ich die These vertreten, dass es nicht medienkompetent ist, zu überlegen, was ich ins Netz schreibe, sondern zu überlegen, was ich lese. Ich mag heute anfügen: Netter ist es auch.
Natürlich kann so ein Meme nerven. So wie der ESC zum Beispiel garantiert auch, bei dem wir uns alle abends spät angetrunken in den virtuellen Armen liegen und beteuern wie schön das wieder war. Wie die republica und so wie jedes Fussballspiel, so wie jede Konferenz der Piraten so wie alles, was kurz aufflammt und auf einmal trendet.

Nett sein bedeutet Großzügigkeit im Wissen, dass man selbst oft genug auf Großzügigkeit und Barmherzigkeit angewiesen war. Nett sein bedeutet, ganz prinzipiell an mildernden Umständen bei der Beurteilung anderer interessiert zu sein.

Und dann wurde die Kolumne von Frau Winnemuth durch meine Timeline geliebt: Weil man ja mal wieder nett sein könnte und sie das so schön auf den Punkt bringt.

Ja, genau.