2009? Auch.

Aus der Kategorie »just jawl«

Tja. Was issen das hier alles? 2009 hab ich so wenig wie noch nie gebloggt und der Gedanke, sich zum alljährlichen „abgenommen/zugenommen/bester Sex/und was haste denn so für Musik gehört“-Spiel aufzuraffen wirkt arg fremd.

Tja. Was ist das?

Manchmal vermisse ich die good old times. Vermisse, dass neue Blogs nicht mehr aufs Allerschärfste Willkommen geheissen werden. Und verabschiedet auch nicht.
Wobei ja die wenigsten verabschiedet werden müssen, die meisten gehen ja nicht, die faden ja nur away. Nein, Quatsch auch nicht, die ändern sich halt. Die erzählen keine Geschichten mehr wie früher, die erzählen nur noch von LinkLove oder sind umgezogen auf ein tumblr-Blog. Oder fassen einmal täglich die Tweets und einmal die delicious-Links zusammen. A change is gonna come.

Das Web ändert sich. (5 Euro in die billiger-Allgemeinplatz-Kasse.) Ist ja logisch, das Web ist ja selber erst einmal gar nichts, sondern nur die Leinwand für das, was wir draus machen wollen. Und wenn wir hip auf jeden Zug spingen wollen, dann wird das Web ganz fürchterlich losgehen, wenn wir alle eher ängstlich sind und alles so bleiben soll, wie es war, dann bleibts eben stehen. A change is gonna come.
Und wenn die kleinen Alltagsgeschichten bei genauerem Hinsehen klein genug sind, dass sie in 140 Zeichen passen, dann wandern sie eben rüber zu Twitter. Manch einer baut da die irrsten Konstruktionen, um die Tweets zu facebook, die facebook-Meldungen zu tumblr und alles zusammen mit vielleicht noch ein Foto hier, einem Link da und einem Video dort in den Livestream zu bekommen. Überhaupt: „Livestream“: Ein Gedanke, das alles abzubilden, was man so macht – das könnte das Ding sein.

Früher war das jawl mein Livestream. Unten gabs da noch so ein paar Randbezirke mit den letzten Links und den zuletzt gehörten Songs, aber die Musi, die war hier.

Geht nicht mehr. Zu zerfasert ist das alles, um zu viele Facetten meines Web-öffentlichen Egos muss ich mich kümmern. Und immer diese Entscheidungen …
Ist es ein flickr-Bild? Oder eher der schnelle, unmittelbare Kick eines twitpics? Oder eher ein Mittelding: Soll ich fix ein facebook-Album anlegen…?
Wer soll denn diesen Link bekommen? Nur die Follower? Und wenn ja: Welche?
Oder mach ich den Rundumschlag? (Menschen, die mehrere Facetten meiner online-Persönlichkeit verfolgen kennen das. Dann bekommt man die gleiche Geschichte schon mal mehrfach empfohlen. Auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss.)

Was dabei oft irgendwie auf der Strecke bleibt ist die Geschichte dazu. Vielleicht gar nicht, weil ich so leicht entscheiden kann (aber auch so sehr entscheiden muss), wem ich jetzt gerade was zukommen lasse – sondern vielleicht wirklich weil es schon zu einfach ist.
Weil ein Link mit 3 Klicks an diverse twitter- und facebook-Accounts geschickt ist.
Und ein twitpic mit einer eMail vom Handy schon online ist und gleichzeitig sofort alle Bescheid wissen. (Und unter uns: Ich finde twitpic grauenhaft. So hässlich. Aber schon einigermassen praktisch.)
Und weil die twitter-Follower schlau genug sind, sich die Geschichte zu den 140 Zeichen dazu zu denken, wenn ich sie gut schreibe, ja, weil die 140 Zeichen ja ausreichen.

Tun sie das? Reichen sie wirklich aus?
Warum nicht bloggen? Weil eine wirkliche Geschichte halt mehr braucht. Und so natürlich anstrengender ist. Oder weil eine schnelle @reply oder sogar ein Retweet natürlich das Ego mehr kickt als ein Kommentar, der irgendwann Stunden, wenn nicht gar Tage später eintrudelt?
Andererseits: Selbst Else Buschheuer twittert nur noch und hat dafür ihr Blog dichtgemacht. Was red ich also eigentlich?

Aber ich will das jawl doch gar nicht dicht machen. Ich will nur eher seltener was bloggen. Anderen scheint es ähnlich zu gehen. Die schreiben dann immer wieder, dass sie ja wenig schreiben. Auch eine Form von Selbstreferenzialität. Oder sie denken sich Rubriken aus, die sie dann wöchentlich mit Inhalt füllen. Ist doch schön, wenn man sich selbst unter Druck setzen muss, nicht wahr?

Im Jahre 11 nach Weblog und im Jahre 9 nach jawl hat mir das Web 2.0 also tatsächlich genug Werkzeuge an die Hand gegeben, dass ich all das, was ich früher hier getan habe an anderen Stellen erledigen kann.
Im Jahre 9 nach jawl liegt mir aber gleichzeitig nichts ferner, als jetzt hier ein „Sorry, we are closed“-Schild hinzuhängen, wie ich das in manch anderem meiner Blogs schon länger getan habe. Ist mir ja auch ans Herzchen gewachsen, diese kleine seltsame Website hier.

Was ich – wie die geneigte Leserin die bis hierhin durchgehalten hat ja sieht – immer noch ganz gut kann, das ist über den ganzen Kram nachdenken. Meta-Stuff.
Das ist natürlich erst einmal recht beruhigend, weils ja auch mein Job ist.
Andererseits ist es – wie oben schon angedeutet – natürlich selbstreferenziell bis zum Abwinken. Ich will gar nicht ewig darüber schreiben, ob ich was schreibe und wenn nein warum nicht. Damit kann man zwar prima Seiten füllen, aber mal ehrlich: Will das wer? Ich nicht.
Relativ zusammenhangslos könnte ich an dieser Stelle (Ihr merkt schon, es gibt keinerlei Masterplan für dieses Posting) meine tiefe Bewunderung für die Franzi (the artist formerly known as Patsy Jones) aussprechen. So möchte ich bloggen können. Und trinken können, aber das ist eine andere Geschichte.

Wo war ich? Ach ja: Meta-Stuff.
Very, very few von Euch wissen über ein Projekt, das erst lange in der Schublade lag und jetzt seit ein paar Monaten hinter einem Passwort auch im Netz lag und liegt. Inhaltlich gesehen ist das Meta-Stuff galore.
Kennt Ihr Wayne’s World? Ziemlich zum Schluss hin suchen Wayne und Garth nach einer Idee für hab-ich-vergessen-was. Filmisch großartig und mit Orchestereinsatz vom Feinsten springen sie auf, rufen „Ich hab’s!“ und dann bleibt die Musik stehen, sie bemerken „Ach doch nicht“ und sinken wieder auf den Stuhl.
So komm ich mir gerade vor. Ich rede und rede, das Orchester setzt ein, ich erzähle vom neuen Projekt, Musik und ich erreichen beinahe ihren Höhepunkt …
Und die Musik bleibt stehen, weil das alles ja noch nicht fertig ist. Aber Silvester ist ja der Zeitpunkt der guten Vorsätze …

Tja. So ist das hier. Hier im jawl, zu Silvester 2009. Ich hab übrigens grauenhaft zugenommen, hab die Haare immer noch ab und wüsste immer noch weder die Frage nach dem Sex noch die nach dem besten Geschenk wirklich zu beantworten. Aber S. hat jetzt ein iPhone, das fand sie glaube ich ziemlich gut.


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Wer? Was? Warum?

Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

8 Reaktionen

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Am 02.01.2010 um 19:30 Uhr sprach Konstantin:

Tscha. Und irgendwann werden der allerschärfste Begrüßer, die industriellen Technik-Hexenmeister, Du und ich übrigbleiben. Dann kommen noch argh.de, ronsens und malorama zurück aus dem Ruhestand, und dann kommen wir alle ins Museum.


Am 02.01.2010 um 20:00 Uhr antwortete hinterlektuelles:

Und da zerbreche ICH mir den Kopf! Toller Eintrag, vielen Dank!


Am 03.01.2010 um 23:32 Uhr schrieb Franzi:

Ich hab auch zugenommen.

Danke für deine Worte. Und selbstreferenziell so wie hier find ich meisten gut.


Am 04.01.2010 um 9:33 Uhr sprach joerg:

@Konstantin: also, ich bin dann noch da. (Und guck zu, harhar.)


Am 04.01.2010 um 11:02 Uhr sprach Christian:

@Franzi: auch so Blog-selbstreferenziell? „Warum blogg‘ ich und wenn ja worüber?“ Das will ich gar nich so.
Viel lieber „Wer bin ich und wenn ja, was hab ich gestern nacht gemacht?“, oder?


Am 04.01.2010 um 11:04 Uhr kommentierte Christian:

@joerg: nee, nee, Du kommst mit ins Museum, Du mit Deinem tumblr-Dings, Du ;)


Am 09.01.2010 um 2:58 Uhr kommentierte Luca:

Es gab eine Zeit, an der ich täglich fünf Artikel geschrieben habe. In der ich Blogs minütlich abgeruft habe, weil ich dem RSS-Reader nicht traute, dass er mir die Inhalte rechtzeitig bringt. Damals gab es zweanzig, dreißig Leute, oder etwas mehr, die man gelesen hat. Alle bekannt und man freute sich immer, wenn man zwischen den Zeilen etwas wiederentdeckt hat. Es waren Persönlichkeiten und sind es auch heute noch. Doch mein Konsumverhalten hat sich geändert. Hunderte Leute, die man so halb im Kopf hat, hunderte Artikel von Autoren, die man vielleicht einmal liest. Es geht nicht mehr um das Gesamkunstwerk, sondern um einzelne Beiträge. Information. Was auch immer.

Ich vermisse das damals(c). Und weiß, dass es nicht mehr zurückkommen wird. Es ist eine schöne Erinnerung und diese wird mich noch länger begleiten. Die Menschen bleiben etwas besonderes.

Auch wenn ich sieben Tage brauche, bis ich einen Artikel lese, lese ich ihn. Und wenn der Autor der einzige ist, der mein Kommentar noch liest, ist das auch ok. Es wird immer bleiben. Das Gefühl. Und das Doppelleben ist auch noch da. Irgendwie.

Ich mag euch. Noch immer.


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Auch anderswo wird darüber gesprochen …

*indigoidian.de* » Blog Archive » zitiert #261

[…] (Christian von jawl. Über mich. Ich muss das zitieren, weil ich diesbezüglich eingebildet bin und weil es von jemandem kommt der schon doppelt so lange bloggt wie ich. Und das mit dem trinken wäre selbstmörderisch, aber es klingt gut. ) […]