Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

Nett ist die große Schwester von freundlich

Aus der Kategorie »just people«

Die ein oder andere mag es mitbekommen haben: Anfang des Monats war ich für 2 Nächte in Dänemark; in Århus genauer. Ich war eingeladen gewesen, einem kleinen Konzert in einem kleinem Club beizuwohnen und auch wenn ich exakt das dann während der 2 Tage nicht getan habe – das ist eine andere Geschichte und gehört nicht erzählt – haben mir diese 48 Stunden in Dänemark einiges zum Nachdenken gegeben.
Und während das noch gärte, schrieb die hoch geschätzte Meike Winnemuth eine Kolumne über das Nett-sein und auf Twitter passierte „Get to know me

Ja, das hat alles etwas miteinander zu tun:
Mein erstes Gefühl, nachdem ich montags die Grenze nach Norden hinter mir gelassen und den ersten Kontakt zu den Einheimischen gehabt hatte: Mein Gott, sind die nett. An der Tankstelle. An der Hotelrezeption. An der Museumskasse. Im McDonalds. An der Supermarktkasse. Im schlimmsten Berufsverkehr.
Gut, ich war ja nun auch etwas euphorisiert, so eine Einladung bekommt man nicht jeden Tag und aus Gründen habe ich seit etwa zehn Jahren keine einzige Nacht mehr in einem fremden Bett verbracht – da war ich ja vielleicht auch etwas aufgeregt. Außerdem wissen wir alle, dass für mich gilt: je Norden, desto gut und vielleicht lags ja auch an der Landschaft und den Möwen?
Aber dann fuhr ich wieder zurück und bekam etwa sieben Sekunden hinter der Grenze emotional einen satten Klaps in den Nacken, dem dann in der ersten deutschen Raststätte ein satter Schlag in die Magengrube folgte.

Ich erzähl mal exemplarisch zwei Geschichten – wohlwissend, dass exemplarische Geschichten eben immer nur – Überraschung: exemplarisch sind. Aber sie erzählen meine schwer fassbaren Gefühle einfach zu gut.

Nummer 1. Ort: Ein McDonalds in der Nähe von Grenå.
Ich hatte Hunger und eine Pommes vor der Autobahn schien eine gute Idee zu sein. Also parken und rein.
Vorbemerkung eins: Ich übersetz mal alles zurück, was ich hier erzähle.
Vorbemerkung zwei: Wenn ich irgendwem zugestehe, nicht vor Dienstleistungsfreude überzuschäumen, dann sind es Arbeitnehmer in Fast-Food-Franchise-Unternehmen.

Er: Hej!
Ich: Hej! Do you speak English?
Er: Klar! Was kann ich für Dich tun?
Ich: Habt Ihr vegetarische Burger?
Er: Äh? Klar, ich kann Dir jeden Burger vegetarisch machen …?!
Ich: Jeden? Uff, das überfordert mich, dann muss ich erst gucken, was Ihr denn überhaupt so habt …
Er: Gerade neu den da, aber extra Bacon ist ja bestimmt doof für Dich, wie wärs mit dem? Wieso überfordert Dich die Auswahl denn?
Ich: Naja, in Deutschland gibts exakt einen Veggie-Burger und Sonderwünsche gibts bei uns nicht …
Er (wechselt ins Deutsche): Oh, aus Deutschland? Ich auch spreche eine wenige Deutsch! Möchten Du lieber Deutsch rede?
Ich: Nee, voll nett, aber Englisch ist supi.
Er: Und wieso können die das bei Euch nicht?
Ich: *schulterzuck*

Mein Burger dauerte dann einen Moment und in der Zeit bediente er die nächsten. Und ich schwöre, ich habe noch nie jemanden so entzückend mit einer ca 10-jährigen, etwas schüchternen Kundin umgehen sehen wie ihn.

Geschichte Nummer 2. Ort: Eine Raststätte irgendwo bei Hamburg.
Mit der Mopo in der Hand, die ich der Liebsten mitbringen wollte marschierte ich zur Kasse.
Vor mir ein kleiner Trucker, den ich an der Betonung des „Hej!“ zur Kassiererin leicht als Dänen identifizieren konnte. Am „Do you speak English?“ danach auch.
Sie (sagt nix)
Er (erklärt – ich habs sachlich nicht ganz genau verstanden aber das ist egal – er habe da einen Coupon und man habe ihm gesagt, er könne den hier einlösen. Seven Euros?)
Sie (nimmt ihm den Bon aus der Hand, guckt drauf und sagt laut): Zu! Spät!
Er (hat das überraschenderweise nicht verstanden und wundert sich vermutlich ebenso wie ich über die unangemessene Lautstärke und fragt nochmal freundlich nach)
Sie (reißt ihm den Bon aus der Hand. Nimmt einen Stift, kreist damit irgendetwas ein (ehrlich!) ) Das! Ist! Zu! Spät!
Dann zerreißt sie den Zettel.

Er guckt groß und schleicht weg. Sie stützt die Hände in die Hüften und guckt sich stolz um. Sie hat gerade immerhin einen Betrüger entlarvt und abgesaut.

Während der Geschichte ruht mein Blick auf dem Zettel neben ihr: Sagen Sie uns ihre Meinung, wir wollen Deutschlands freundlichste Tankstelle werden!
Danach bin ich dann wieder in den dreispurigen Kleinkrieg auf der Straße eingeschwenkt.

Ja, das sind beides nur Schnappschüsse ohne Zusammenhang aber sie stehen wirklich exemplarisch für ein tiefes Gefühl während der Fahrt.

Ein paar Tage später entdeckte ich bei @mellcolm, dass sie gerade nummeriert irgendwelche random facts über sich in Twitter hineinschrieb; ich entdeckte „Get to know me“ und fand das schön und machte auch mit.
Fix belehrte mich meine Timeline, dass ich das besser sein lassen solle: ich ginge damit allen auf den Geist. Ob zu selbstverliebt oder zu spät dran (immerhin lief dieses Meme schon einen ganzen Tag!) – meine Tweets nervten. Mein Spaß an der kleinen Geschichte erlosch quasi sofort; ich war traurig.

Ja, ich weiß, wir haben alle in teuren Coaching- oder Therapiesitzungen gelernt, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sie zu formulieren. Wir wissen, dass es wichtig ist, sich selber auch mal durchzusetzen – jetzt nicht so sehr durch wie Herr Lindner, aber schon ein wenig durch. Ich fürchte, wir haben auch in vielen Jahren Twitter gelernt, dass man quasi Narrenfreiheit hat und absauen kann wen man möchte, so lange man auch nur halbwegs genug Follower hinter sich weiß und ein wenig zynisch oder ironisch oder wenigstens sonstwie lustig formulieren kann. Und wenn man „Leute, die…“ an den Anfang eines Tweets setzt, dann darf man eh alles.

Ich war nicht traurig, weil ich noch unbedingt die nächsten 27 Belanglosigkeiten über mich ins Netz hätte blasen wollen – ich schreib’ seit 16 Jahren ins Netz, habe vermutlich eigentlich alles unwichtige und wichtige längst gesagt und kann auch ohne. Nein, ich war traurig, weil das nicht nett war. Weil es nett gewesen wäre, den Menschen und mir, einfach mal kurz ihren Spaß zu lassen.
Schon vor Jahren habe ich die These vertreten, dass es nicht medienkompetent ist, zu überlegen, was ich ins Netz schreibe, sondern zu überlegen, was ich lese. Ich mag heute anfügen: Netter ist es auch.
Natürlich kann so ein Meme nerven. So wie der ESC zum Beispiel garantiert auch, bei dem wir uns alle abends spät angetrunken in den virtuellen Armen liegen und beteuern wie schön das wieder war. Wie die republica und so wie jedes Fussballspiel, so wie jede Konferenz der Piraten so wie alles, was kurz aufflammt und auf einmal trendet.

Nett sein bedeutet Großzügigkeit im Wissen, dass man selbst oft genug auf Großzügigkeit und Barmherzigkeit angewiesen war. Nett sein bedeutet, ganz prinzipiell an mildernden Umständen bei der Beurteilung anderer interessiert zu sein.

Und dann wurde die Kolumne von Frau Winnemuth durch meine Timeline geliebt: Weil man ja mal wieder nett sein könnte und sie das so schön auf den Punkt bringt.

Ja, genau.


Embrace

Aus der Kategorie »just movies«

Gestern Abend waren wir im Kino.

Und obwohl ich offensichtlich in einer ganz ok-en Filterbubble unterwegs bin und für mich weder die Fakten noch die getätigten Aussagen neu waren: Das war schon ein intensiver Film. Eineinhalb Stunden noch einmal die gesamte Macht vorgeführt zu bekommen, mit der Euch Frauen ein Idealbild vorgegaukelt wird, das nicht erreichbar ist – das war schwere Kost. Und auch: Mit der uns Männern dieses Idealbild vorgegaukelt wird. Eines, das dann den dummen unter uns ihrer eigenen Meinung nach den Freibrief dafür gibt, Frauen nach Aussehen und Gewicht zu beurteilen. Egal ob abschätzig auf der Straße oder bei der Auswahl von Jobs bis hin zu Filmrolle oder Magazincover.

Ein kurzer Rückblick darein, wie ich aufgewachsen bin: Männer waren eben dick. Das war zwar jeweils bei dem einen gesellschaftlichen Event des Jahres – wenn der Anzug vom Vorjahr nicht mehr passte – mal Thema aber sonst voll egal. Männer mit Bauch und nacktem Oberkörper, die im Garten gruben waren ein absolut normaler Anblick.
Und als die Mens Health auf den Markt kam und mir damit das erste Mal an der Supermarktkasse die Notwendigkeit eines Waschbrettbauchs dargelegt wurde war ich Mitte zwanzig und hatte vor allem die gefährlich beeinflussbaren Pubertätsjahre hinter mir.
Trotzdem gab und gibt es Zeiten, in denen ich mein Aussehen und vor allem meinen Bauch hasse.

Und ich weiss, wie sehr im Vorteil ich da im Vergleich zu vielen, vielen, vielen Mädchen und Frauen bin, die über die Formulierung „es gab Zeiten“ nur höhnisch lachen können, weil diese Gedanken bei ihnen der Alltag sind. Und das ist unendlich traurig. Der Versuch, mir vorzustellen, dass meine schlchten Tage Alltag sein könnten ist traurig und macht mich wütend.

Im Film fiel der Satz: Oft benötigen Menschen eine der vier großen Krisen (Krankheit, Kündigung, Trennung, Tod eines nahen Menschen), um zu bemerken, dass es andere Werte im Leben gibt, als die bisher von außen übernommenen äußerlichen. Und der Film soll diese Erkenntnis ermöglichen, ohne dafür eine dieser Krisen zu benötigen. Und deswegen ist das ein guter Film.

Schaut ihn Euch an, wenn ihr ihm begegnet. Kauft oder streamt ihn bei der Plattform Eurer Wahl, wenn er da ankommt. Kommt heute Abend in den Facebook-Live-Chat.

Und dann noch ein persönlicher kleiner Tipp fürs sich-selbst-mögen, gespeist rein aus meiner persönlichen Erfahrung: Ich habe irgendwann begonnen, jeden Tag ein Foto von mir zu machen. Das erste habe ich gehasst, so wie ich bis dahin jedes Foto von mir gehasst habe. Auf allen Bilder war ich immer Chandler. Das zweite habe ich genauso gehasst, das dritte und vierte und fünfte … naja und so weiter. Das war nicht schön, aber ich bin dran geblieben.
Und irgendwann gings. Und irgendwann gefiel mir eins. Und irgendwann fand ich eins gut und konnte das sogar andere Menschen zeigen (was ich vorher natürlich! nie getan hatte). Und irgendwann sogar mehrere und irgendwann konnte ich in einen Spiegel schauen und fands gut und irgendwann konnte ich sogar auf Fotos, die andere gemacht hatten ok ausehen.
Denn: Unser Gehirn ist gar nicht so klug, wie wir gerne denken. Wir können uns selbst neu programmieren. Und so kann man auch den Speicherplatz, der mit der Info „ich bin nicht so schön wie die Magazincovermädchen“ beschrieben ist überschreiben. Dazu muss man sich nur wenigstens halbwegs so oft selbst sehen, wie die Mädels auf der Cosmo.


Der Xaver, die Reichsbürger, schlechte Musik und wir

Aus der Kategorie »just people«

Gerade lese ich, dass Radio Bremen eine Kooperation mit Xavier Naidoo zurückzieht. Und schon vorher tauchten in meiner Timeline immer wieder Artikel über den Mannheimer Sänger und seine neuen Lieder auf.
Ich möchte an dieser Stelle nicht über das Lied oder über den Sänger sprechen, das wird an anderer Stelle mal gut, mal nicht so gut getan.

Worüber ich kurz sprechen möchte: Geschätzte 90% der Postings, die ich las folgten diesem simplen Muster:
Dieses Gejaule/diese Stimme fand ich schon immer unerträglich. Und dann folgte schon der Link zu irgendeinem Artikel.

Oder in anderen Worten: Persönlicher Geschmack und eine gesellschaftliche/politische Stellungnahme wurden verknüpft:
– ich mag seine Stimme nicht, …
– ich mag seine Lieder nicht, …
– der hat schon immer komische Texte geschrieben …
… da wundert mich nicht, wenn der politisch fragwürdig ist.

Diese beiden Dinge dürfen aber nichts miteinander zu tun haben. Musikgeschmack und Ablehnung reichsbürgerischer oder anderer verfassungsfeindlicher Äußerungen haben nichts in einem Topf zu tun. Nicht einmal auf einem Herd oder in einer Küche.
Das eine ist vollkommene Geschmacksache, das andere politische und gesellschaftliche Haltung.

Warum mich das so stört?
Einfach: Wenn ich mich einmal darauf einlasse, Musikgeschmack und Politik so in einem Topf zuzulassen, dann ergeben sich schnell eine Menge gefährlicher Umkehrschlüsse:
– Xy singt so schöne Lieder, der kann kein schlechter Mensch sein
– Du magst die Musik von Xavier – bist Du auch einer dieser Reichsbürger?
– Du magst keine Musik von (beliebiger, korrekter Künstler) – bist Du dann Reichsbürger?

Glaubt Ihr nicht?
Stenne wir uns doch mal vor, es gäbe einen erfolgreichen und anerkannten Filmregiesseur der uns ein paar echter Klassiker gebracht hat. Nehmen wir weiter an, der würde des Missbrauchs einer Minderjährigen beschuldigt – glaubt ihr, die öffentliche Meinung wäre ganz klar: „Anzeige und Gericht“ oder eher „ach, da kann man ja auch mal das Gras drüber lassen“?


#WMDEDGT Mai 2017

Aus der Kategorie »just people«

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

0:00.
Der Tag fängt super an. Der komische grippale Dings, der sich letzte Woche überraschend im Hals eingenistet hat ist zwar quasi weg – nach einer Woche wie sich das gehört und nicht nach einem Monat wie Weihnachten – aber wenn ich abends von senkrecht zu waagerecht wechsle, will der Hals noch ein bisschen rumhusten. Ich stecke also seit ca. 22:00 in einem Kreislauf: Einnickern – husten müssen – hochschrecken – irgendwie wieder möglichst aufrecht an die Kissen lehnen – müder werden – einnickern – husten müssen – hochschrecken und so weiter und so weiter und meine Laune ist unterirdisch.
Dafür habe ich von einer amerikanischen TV-Doku gelernt, dass ich noch ’ne Menge aus meinem Studium weiß. Sinn der Doku war zwar, mir zu zeigen, wo mich meine Wahrnehmung so alles täuscht, aber da war nix Neues bei. Und ich zähle auch die korrekte Zahl an „F“ in diesem Text.

1:45
Immer noch wach aber viel genervter. Autofahren macht mich manchmal müde – also fahr ich doch mal ’ne Runde die Ländereien kontrollieren.

2:45
Die Ländereien sind besichtigt, ich bin immer noch wach as hell. Der Husten hingegen beginnt wieder weh zu tun. Netflix, here I come.

3:25
Na super. Ausgerechnet jetzt kommen ein paar schwache Folgen Voyager. Ich guck ja gerade alle Folgen der Reihe nach durch so vie vorher schon alle Folgen TNG.
TNG habe ich damals sehr geliebt und so ab Staffel 5 konnte ich mich auch erinnern, warum. Davor musste ich doch gelegentlich über die Plastikfelsen lachen.
Voyager habe ich damals nie geguckt, auch der Hype um SevenOfNine unter meinen Freunden ging an mir vorbei. Jetzt häng ich gerade irgendwo in der dritten Staffel und hab immer noch das Gefühl, nicht richtig reinzukommen.

6:30
So ab vier hab ich dann geschlafen. (Ein wenig monothematisch hier heute? Sorry. Ich hoffe so sehr wie Ihr: das ändert sich). Die Liebste muss trotzdem pünktlich aufstehen. Da sie übers Wochenende ans Meer fährt will ich trotz allgemeiner Morgenmuffeligkeit schon noch einen Moment mit ihr zusammensitzen, verschwinde aber dann schnellstmöglich nochmal im Bett.

10:00
Regelmäßige Leserinnen dieser kleinen Kolumne wissen: Ich arbeite regelmäßig mit der weltbesten Serotonic zusammen – ich nannte es einmal eine jahrelang erprobte Mischung aus höchster Effizienz und größtmöglichem Spaß. Um zehn sind wir verabredet und dafür steh ich doch dann gerne auf *gähn*

13:20
Hach, war das ein schönes Arbeiten. Ich glaube, es war irgendwo in „weniger schlecht programmieren“ wo stand, dass man manchmal am Ende eines Programmierertages nur eine einzige Zeile da stehen haben kann. Das wirkt, wenn man wirklich nur die einzelne Zeile sieht, extrem uneffizient. Aber die Arbeit eines Programmierers ist eben die, diese eine richtige Zeile zu finden. Irgendwo bei einer der letzten Arbeits-Sessions, bei der Herleitung dieser Zeile quasi, sprachen Serotonic und ich darüber, wie unfassbar lebendig sich dieser Moment anfühlte – weil unsere Köpfe so arg gefordert waren und wir gerade gemeinsam im Flow arbeiteten. Besser gehts kaum.
Heute tippte ich dann übrigens die eine Zeile.

Zwischendurch hübsch war der Reiher, der sich erst auf den Schornstein gegenüber und dann im Garten auf einen Baum setzte. Naja, auf dem Baum war er eher damit beschäftigt das Gleichgewicht zu halten ohne höchst unelegant bei uns im Kompost bruchzulanden. Da war er dann auch schnell wieder weg.

14:30
Hurra, eine neue Folge „Big Bang Theory“. Ja, ich gucke das noch, obwohl ich eigentlich zugene muss, dass sie den Shark schon vor ein paar Staffeln nicht gejumped, sondern irgendwie komplett verloren haben. Aber ich mag die alle einfach so gerne. Gerne genug für Staffelpässe übrigens.

17:20
Wenn man davon absieht, dass der Tag ja irgendwie jetzt rum ist, dann ist jetzt alles ganz prima. Ich bin ziemlich ausgeschlafen und frisch geduscht. Naja, ich glaube insgesamt kann ich diesen fünften fünften wohl einfach abhaken – obwohl ich heute die eine Zeile schrieb. Kommt heute Abend wenigstens was auf Netflix?
Nein, Sense8 geht nicht, weil die Liebste ja nicht da ist.

19:30
Hustensaft gekauft. Honigbonbons gekauft. Katzenfutter gekauft. Das Auto von den Beweisen dafür, dass ich unter einem Schlafbaum geparkt hatte beseitigen lassen.
Vollkommen außer Puste. Jetzt Couch und nie wieder hier weg.
Zum Glück begegnet die Voyager gerade ein paar Borg und schon wirds interessant.

22:15
Luke die Schule und ich. Mehr bleibt zum Abschluss des Tages nicht zu sagen.

Wenn ich gesunder bin, passiert an meinen Tagen übrigens interessanteres.


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Im Feedreader sind ein paar Artikel liegengeblieben – es scheint, als wollten sie verbloggt werden. Irgendwie alle beschäftigen sich mit der Gesellschaft, in der wir hier so leben und leben wollen. Und da das jawl sich ja auch gern mit der Geellschaft in der wir leben und leben wollen beschäftigt, passt das gut.

Leserinnen, die das jawl lesen, lesen auch gerne XY, kaufen auch gerne bei amazon Bücher von YZ und schauen gerne die folgenden Serien: … Supi-praktisch, keine Frage; man entdeckt so viel Schönes. Denken wir das doch mal zwei Schritte weiter:
Normalerweise lesen Leserinnen, die das jawl lesen auch gerne die Blogs von XY und die Bücher von YZ.
Leserinnen, die das jawl lesen und nicht auch gerne bei XY oder in den Büchern von YZ lesen sind …
… nicht dem Durchschnitt entsprechend.
… nicht normal.
… unnormal.
Naja, hey, Blog-Lesegewohnheiten, wer wird denn da urteilen? Das kann doch jeder vernünftige Menschen schon auseinanderhalten. Was aber ist, wenn Menschen die Entscheidungen nicht mehr treffen? Don Dahlmann denkt noch ein paar Schritte weiter.

Diese digitale Gesellschaft, die wir da aufbauen, die sich da hinter unserem Rücken aufbaut, in die wir da hineingeschlittert sind spült uns also alle weg. Oder wie? Was ist überhaupt diese digitale Gesellschaft? Wann hat die begonnen? Mit facebook? Mit dem iPhone? Mit IBM? Oder schon viel früher? André Spiegel sagt: Viel viel früher. Und deswegen gibt es sie in der Form wie wir alle behaupten auch gar nicht.

Nichtsdestotrotz ändert sich ja nun gerad einiges – und eine der meiner humble opinion nach dringendsten Aufgaben dürfte es sein, Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten. Nicht mit mehr Whiteboards in den Schulen, nicht mit Informatikunterricht für alle, sondern, indem wir mit ihnen zusammen einen selbstverständlichen verantwortungsvollen Umgang mit den sogenannten neuen Medien leben. (Kann man übrigens auch gut mit den alten Medien und eh mit dem ganzen Leben machen, diesen verantwortungsvollen gemeinsamen Umgang, aber ich schweife ab). Schon länger lese ich das Blog „Mein Computerkind“, das eine Mutter und ihre Tochter beim gemeinsamen Entdecken begleitet. Jetzt gibts das ganze als Buch und ich mach mal was, was ich sonst selten tue: Ich empfehle das Buch, bevor ichs gelesen habe.

Und, ach .com, wo ich schon bei den klugen Ratschlägen bin – hier ist noch einer für Lehrerinnen und Lehrer: Sucht Ihr immer noch das Geheimrezept dafür, wie guter Unterricht geht? Hier stehts, in 250 Wörtern, das lässt sich in einer knappen Minute weglesen und danach wisst Ihr, wie’s geht. Bittedankegerngeschehen.

Kommen wir nochmal zurück zu den Normen, die wir in Algorithmen zementieren: Wir tun das ja gar nicht nur da. Wer nicht dünn, schön, erfolgreich und gesund ist, weiß vermutlich ein Liedchen davon zu singen. Wer nicht fröhlich ist auch. bei der Kaltmamsell fand ich einen dokumentierten Twitter-Thread (etwas was mich ja sonst eher etwas anstrengt) zu einem niedlichen, unscheinbaren kleinen Plakat, das ein paar Verhaltensratschläge parat hatte, falls man mal traurig oder wütend ist. “Crying ist litearally a cry for help … our faces get red to tell other humans: I need help.” Nicht wirklich eine Situation, um sich zusammen zu reißen und ein Liedchen im Kopf zu trällern, oder?


Nikka Costa: Nothing Compares 2 U

Aus der Kategorie »just music«

Die älteren unter Euch werden sich erinnern: Es gab mal Fernsehsender, die nichts anderes taten als Musikvideos zu zeigen. Und irgendwann (1990) zeigten sie drei Minuten lang eine blasse junge Frau, die ein trauriges Lied über das Verlassenwerden sang und am Ende weinte.

Das war natürlich Sinead O’Connor und das Lied war „Nothing Compares 2 U”

Ursprünglich (1985) war das mal ein Lied von Prince gewesen, aber das war relativ egal – aber so erklärt sich diese Schreibweise mit der 2 und dem U.

Prince’s Version war deutlich bombastischer und nicht so (sorry) „schnulzig“ wie die von Sinead, aber das war allen egal.

In den siebenundzwanzig Jahren seitdem ist das Lied unzählige Male gecovert worden – alleine die Wikipedia kennt 30 Versionen und nennt das eine „Auswahl weiterer Coverversionen“.

Ebenso unzählige Male dachte man sich: Hm, vielleicht ist das eines von den Liedern, von denen man die Finger lassen sollte. Auch Kandidaten bei DSDS oder The Voice bewiesen mit dem Song gerne, dass nicht jede Streicherballade ein Garant für den Recall ist.

Schlechte Voraussetzungen also für eine weitere Version?

Nikka Costa kennt die regelmäßige Leserin schon etwas länger. Leider wurde es in Deutschland immer schwerer, an ihre Musik zu kommen und nachdem sie dann 2010 endlich!!! mal in Deutschland auf Tour war und sie noch eine Zeit lang einen wirklich lustigen und sehenswerten YouTube-Kanal machte wurde es still.

Andererseits ist sie eindeutig die Göttin des Funk und auch die des Souls und damit sehr zu Hause in einer Musikrichtung, die sich wie kaum eine zweite eignet, um Traurigkeit ebenso stilvoll wie unschnulzig auszuleben. Und ihre Stimme ist eh über alles erhaben.

Zum Glück dachte sie sich das auch und als sie letztes Jahr auf Pledgemusic ankündigte, wieder Musik veröffentlichen zu wollen kam als erste Single dabei jetzt eine neue Version von „Nothing Compares… “ raus.

Ich machs mal kurz: Meiner bescheidenen Meinung nach ist dabei die Version rausgekommen, die für die nächsten 27 Jahre den Maßstab setzt. Nicht so cheesy wie Sinead aber so traurig. Nicht so überladen wie Prince aber so soulig. Und damit für mich eigentlich das was ich mir immer gewünscht hatte.

Hier könnt Ihrs (noch?) hören, aber kaufen fände ich natürlich besser, damit Nikka weiter Musik machen kann.

Ich freue mich sehr auf den Rest des Albums – und nicht nur, weil ich irgendwo auf dem Cover mein Name stehen wird.

Wem die Single jetzt auch gefällt und wer die Wartezeit zum Album überbrücken möchte: Nikka kann Motown, ist funky wie Hölle, bluesy wie nix gutes und kann losrocken. Und als Bonusist sie auch noch ziemlich lustig und hat Go the Fuck To Sleep („Verdammte Scheiße, schlaf ein!“) ziemlich genial vertont.


Kleinstadtleben (die Dings)

Aus der Kategorie »just people«

(Szene: Ein Sonntagsnachmittagsspaziergang in einer Kleinstadt)

Wollen wir mal hier rein gehen?

Auja, da waren wir lang nicht.
Ach, hat hier nich die Dings gewohnt?

Wer ist denn die Dings?

Die Dings. Die kleine, die alle so heiß fanden. Also alle bis auf die Mädels aus der Öko-WG.



Fanden die überhaupt jemand heiß?



(Gelächter)



Nee, die Dings. Die dann mal mit Dingsda zusammen war.



Dingsda?



Ja, dem, der bei M. gearbeitet hat.



Ach J?

Genau. J.
Und sie hat da auch gearbeitet, da haben die sich kennen gelernt …

Meinst Du die mit der Sextanerblase? Die, die alle Viertelstunde aufs Klo rannte?

Nee, die nicht.

(Pause)

Wie M. das mit J. ausgehalten hat, das versteh ich auch nicht. Die müssen sich doch gehasst haben.

Haben sie auch. Aus Rache hat er auch am letzten Abend auf M.s Schreibtisch mit der Dings gevögelt.

Das erzählt der Dir???

Wusste damals jeder. Nur die M. nich.

Ich wusste das nich.



Naja, sonst jeder. Und danach hatte sie ne Bindehautentzündung.

Die M.?

Nee, die Dings.

Und was hat das mit dem Vögeln zu tu… WARUM ERZÄHT DER DIR DAS????

Wusste damals jeder.

Ich wusste das nicht.

Naja, sonst jeder. Sogar die Öko-WG.



(Gelächter)



Und Du kanntest diese Dings also, aber weisst jetzt ihren Namen nicht mehr?



Genau.

(Pause)

Ich hab die mal aus der Disko nach Hause gefahren, die war eigentlich ganz nett. Aber als ich das mal sagte, fand mich die Öko-WG doof.



(Gelächter)

(Pause)

Sach mal, war das die, die dann was mit U. angefangen hat und ’ne Schwangerschaft vorgetäuscht hat?



Ja! Genau die! Wie hieß die noch?



Weiß nich mehr. Aber das war genau die, die alle Viertelstunde aufs Klo gerannt ist.



Ach guck. Die hatte ’ne Sextanerblase?


Die besten Designer sind unzufrieden!

Aus der Kategorie »just work«