Im jawl:

Christian Fischer

Christian Fischer? Webworker und Blogger.
Hobby-Musiker und Hobby-Fotograf.

Seit 2001 schreibe ich hier dieses Blog.
Hier findest Du paar Worte über mich und hier mehr über dieses Blog.

Und sonst:


Die letzten Artikel …

Wir müssen aufpassen, ganz schrecklich aufpassen …

Aus der Kategorie »just people«

… dass wir die Umwelt nicht zerstören.
Vielleicht könnten wir bis übernächstes Jahr aufhören, Dreck reinzupumpen. Oder bis 2025?

Oder vielleicht ist das auch nicht so dringend, wenn wir dafür an die Regierung kommen, wenn dafür unser Lieblings-Parteispender weiter billig produzieren kann oder wenn der neue SUV doch sogar Fernsehen auf den hinteren Sitzen hat, das muss man ja auch alles mal abwägen.

 

… dass die Schere zwischen arm und reich nicht zu weit auseinander klafft.
Vielleicht könnten wir als Anfang Hartz IV-Beziehern 5,- mehr im Monat geben. Oder sogar 6,-?

Oder vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig, die könnten ja auch arbeiten und wie soll man die denn sonst noch sanktionieren wenn sie es nicht wollen?
Und man muss auch mal an die deutschen Familienunternehmen denken, die sind ja die Stütze unseres Landes und dass die wenig Steuern zahlen ist ja auch alles rechtlich ok. Die können ja sonst gar nicht rentabel arbeiten, das stellt man sich immer so leicht vor.

 

… dass wir die Bildung nicht vernachlässigen.
Vielleicht können wir eine Arbeitsgruppe gründen, die mal versucht, alle Kultusminister an einen Tisch zu bringen.

Oder vielleicht ist es doch besser, wenn Bildung Ländersache bleibt, die werden bestimmt schon was tun und bis dahin haben sich an den meisten Schulen auch schon engagierte Eltern gefunden, die putzen und renovieren und das Prinzip der Fördervereine hat sich ja auch etabliert und wenn man auch Quereinsteiger ran lässt, dann fällt das kaum auf, dass uns Lehrkräfte fehlen.

 

… dass rechte Meinungen nicht wieder in der Gesellschaft Platz finden.
Vielleicht können wir selbst einfach wieder ein bisschen konservativer werden, dann geht das bestimmt vorbei.

Oder vielleicht sogar mehr als ein bisschen, dieser Linksterrorismus ist ja auch gefährlich. Wir haben kein rechtes Problem in Deutschland, schließlich sind wir seit exakt mai 1945 Nazifrei. Getötete Ausländer oder Anschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte sind bedauerliche Einzelfäller verwirrter, computerspielsüchtiger Jugendlicher und deswegen können wir auch diesen ganzen sogenannten Initiativen gegen rechts die Unterstützung abdrehen. Kostet ja alles Geld.

 

… dass wir Kinder überhaupt nicht überlasten, sie sind unsere Zukunft.
Vielleicht können wir die Tage mal wieder eine Schule besuchen und die Presse dazu einladen?

Oder vielleicht ist es doch besser, wir bleiben bei einem Schulsystem, was sich die alten Preußen im vorletzten Jahrundert ausgedacht haben. Und wo wir doch gerade Luther feiern, sollten wir uns eh mal an unsere protestantischen Prinzipien erinnern – auch wenn Wissenschaftler einig was anderes sagen: Uns hats ja auch nicht geschadet, mitten in der Nacht in der Schule zu sitzen und Hausaufgaben zu bekommen. Immerhin prügelt doch keiner mehr – da kann man doch auch bitte in zwölf Jahren alles Wichtige lernen.

 

… dass wir gut miteinander statt gegeneinander leben in der Gesellschaft.
Vielleicht könnten wir der ARD sagen, dass sie mal wieder diesen Tatort mit dem Asylbewerber im Rollstuhl zeigt?

Oder vielleicht ist es doch besser, wenn wir nicht zu laut über Integration reden, jetzt letztens wollten ja sogar schon Eltern, dass ihre behinderten Kinder aufs Gymnasium kommen und Thorben-Hendrik da eine Lücke in den Lebenslauf brechen. Und diese Asylbewerber, die sollen bitte in ihren Heimen bleiben. Wenn die quer durch die Stadt wohnen, dann hats plötzlich überall Burkas auf den Straßen als deutscher kann man dann ja schon mal ein ungutes gefühl bekommen. Das ist schon ganz richtig, die alle zu kasernieren, nicht arbeiten zu lasssen und ihnen Essensmarken statt Geld zu geben; man sieht doch, die wollen auch gar nicht arbeiten und ihre Handies kriegen sie ja offensichtlich auch ohne Geld irgendwo her.

 

 

Oh, entschuldigt, meine Überschrift war falsch.

Sie muss lauten: Vielleicht hätten wir schon vor vielen Jahren aufpassen müssen.


Revolution! Revolution!

Aus der Kategorie »just people«

Und sie schauten gefällig auf ihre Geschichte, feierten zum Beispiel den Tag als der alte Judenhasser die Thesen an die Tür nagelte, den als der alte Kaiser ging und von irgendeinem Balkon jemand Demokratie ausrief und erfreuten sich auch an den Nachbarn, die für sie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erstritten hatten.

Leider übersahen sie, dass sie bei der nächsten, längst laufenden Revolution nicht das Mistgabel-bewehrte Volk auf der Straße sondern die Kuchen-fressenden Adeligen waren.


#WMDEDGT Oktober 2017

Aus der Kategorie »just jawl«

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

8:20
Ziemlich angenehm aufgewacht. Ziemlich ausgeschlafen. Im Bett noch Timehop gelesen und dann aufgestanden.

Jetzt Schreibtisch. Ich habe viel zu texten und zu konzipieren – mal sehen, was das so gibt.
Außerdem: Geärgert, dass ich die Heizung im Büro gestern abgestellt hatte.

8:50
Mal eben zwischendurch für die jüngeren und/oder vergesslicheren geklärt, wie man früher Telefonate fakte. (Auf Twitter fürs Techniktagebuch).
Weltrettungsauftrag für heute also bereits erledigt.

10:30
Die Firefox-PlugIns sind aufgeräumt, das Büro auch, aber: Das leere Blatt Papier bleibt leer. Also nicht, dass ich nichts geschrieben hätte – es ist nur alles nicht gut. Ich beschließe eine Pause zu machen.
Da gerade alle laufenden Projekte irgendwo warten – und „irgendwo“ ist in diesem Fall nicht bei mir – beschließe ich sogar, in diesem Moment das Wochenende einzuläuten. Vier Tage frei. Klingt gut, oder?
Zur Feier meiner Idee, leg ich mich noch mal etwas hin.

10:40
Das Telefon klingelt. Ich schaffs zwar nicht mehr dran zu gehen, aber als ich zum Rechner zurück komme, sind da 15 neue E-Mails. Mit Material, Texten, Bildern von $kunde und einem JPG von $agentur.
Zweiterer bittet außerdem um Rückruf, um mit mir zusammen zu überlegen, wie sich das Layout einer Website die sie gerade gestalten am besten auf mobilen Endgeräten umsetzen lässt. Wir diskutieren ein paar Lösungen und sie stellen fest, dass ich erstmal machen soll – und sie dann ausprobieren wie’s ausieht.

Ich werfe einen Blick auf die anderen 14 Mails, verwerfe meinen Plan mit dem langen Wochenende und läute eine Runde Copy-Paste ein.
Naja, wenn ich ehrlich bin lese ich auch das Meiste, was ich copy-paste. Oft ist es so, dass ich Texte bekomme, die nicht speziell fürs Web geschrieben sind – obwohl es deutlich klüger wäre, wenn sie das wären. Wir alle lesen ja im Web anders als auf Papier, scannen viel mehr über die Absätze als das wir wirklich lesen.
Deswegen versuche ich wenigstens Absätze und Zwischenüberschriften einzubauen oder mit Listen- oder Tabellendarstellung die Textwüsten aufzulockern.

13:45
Die Liebste kommt nach Hause und wir erzählen uns kurz, wie der Tag bisher war. Ihrer war spannender als meiner. Aber sie bloggt ja nicht mehr.

14:00
Ich baue schnell eine Baustellenseite für $kunde. Die alte Website war so alt, das sie so schnell wie möglich aus dem Netz sollte. Die neue ist zwar noch nicht fertig, aber alles ist – so $kunde – besser als der vorherige Zustand.

15:10
Besuch: Jemand, der jetzt erstmal ein Projekt und in Zukunft vielleicht auch mal mehr für mich arbeiten könnte. Wir reden, was Programmierer so reden, um sich kennen zu lernen. Ein Beispiel hier, eine Anekdote da und ein bisschen Kick-Off fürs Projekt.
Gut, das.

17:10
Es regnet gerade nicht. Die Liebste und ich laufen einmal den Berg runter und wieder rauf.
Danach schmeiße ich Bohnen, Mais, Fleischersatz und Pilze in die Pfanne und taufe es auf den Namen „Wrapfüllung“. Und esse.

Danach Wanne, ausgiebigst.
Spontan die Idee gehabt, dass die Online-Bekannte die gerade in New York weilt, doch eigentlich mal ein Foto von Monicas Apartment machen könnte – mal sehen wie das heute aussieht. Fix angeschrieben, doch sie ist exakt in dem Moment auf dem Rückweg. Schade, aber: Das hätte man sich vor zehn Jahren auch noch nicht vorstellen können. (Nein, das ist kein Krückstockgefuchtel, ich finde das geil)

19:30
Noch schnell bei Patreon jemanden neu unterstützt, die es arg verdient, weil sie großartiges Zeug macht. Ich finde diese ganzen Micro-Payment-/Pledge-/Support-Plattformen unfassbar spannend und bin sehr neugierug, was sie mit Journalismus, Musikindustrie oder klassischen Verlagen noch so alles anrichten werden.

Dann Modern Family, Bett und Bloggen. Mit Wärmekissen im Nacken, weil da eine Migräne hochzieht.
Nicht gut, das.


Momentaufnahme: Das Fotografieren und ich

Aus der Kategorie »just pix«

Viele von Euch wissen, dass ich schon länger fotografiere. Also as in: Mit einem gewissen ästhetischen Anspruch Bilder mache, die mehr als Schnappschüsse sind; auch wenn das dazugehörige Fotoblog „Snapshots“ heisst.

Nichtsdestotrotz ist das Fotografieren für mich immer (noch?) ein immer wieder spannender Prozess. Selten gelingt es mir, eine Idee für (ein) Foto(s) zu haben, das Motiv zu entdecken, (ein) Bild(er) zu machen, sie evtl noch im Lightroom zu bearbeiten und dann am Ende genau das heraus zu bekommen, was ich mir zu Beginn mal vorgestellt hatte.

Oft passiert das gar nicht. Manchmal passieren mir unterwegs andere Bilder, oft ziehe ich auch nur vollkommen ideenlos offen für alles los und lasse mich überraschen.
Manchmal habe ich das Glück, dass ich mehrfach wiederkommen kann, so wie zB bei den Serien aus dem Theater, bei denen ich immer und immer wieder bei den Proben und Aufführungen dabei war und alles immer wieder ausprobieren konnte.
Auch ein paar Stunden bei einem Soundcheck sind lang genug um zwischendurch inne zu halten und vieles auszuprobieren.

Vielleicht – auch diese Möglichkeit ziehe ich als Hobbyfotograf in Betracht – ist mein Anspruch da ja auch vollkommen überhöht.

Wie auch immer: Vorgestern Abend setzte ich mich eigentlich ziellos ins Auto; dort aber formte sich schnell die Idee: „Wenn ich Glück habe, sind an der Uni noch wenige Leute bei der Arbeit. Ich möchte düstere Bilder, in denen jeweils ein oder wenige Büros in sonst dunklen Gebäuden leuchten.

Wenns Euch interessiert: Bitte hier entlang …

Nachtrag:
Um meinem Ideal näher zu kommen, habe ich übrigens für nächsten Monat Foto-Coaching gebucht; auch wenn ich interessanterweise vor dem Schreiben dieses Artikels noch nicht genau wusste, dass DAS mein Ziel ist. Ich werde berichten.


#WMDEDGT September 2017

Aus der Kategorie »just jawl«

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

6:30
Ich schrecke aus einem grauenhaften Traum hoch. Ich träume recht regelmäßig von der kleinen Katze und die Träume lassen allesamt Friedhof der Kuscheltiere wie eine niedliche Vorlesegeschichte für Kinder zwischen zwei und fünf da stehen. Immerhin bin ich gestern Abend um neun ins Bett sowie in Tiefschlaf gefallen und fühle mich zwar nicht erholt aber immerhin ausgeschlafen.

8:30
Ich habe irgendwelche Dokus geguckt, die Liebste verabschiedet, irgendetwas gefrühstückt und mal wieder in meine Simcity-Stadt auf dem iPad geguckt. Denen gehts gut.

9:30
Kleinscheiss gearbeitet. Mein Kopf ist ziemlich wattig und mich zu konzentrieren fällt noch immer schwer, deswegen bin ich arg froh, dass ich langsam wieder rein komme.

10:30
Gestern beim Einkauf was vergessen, also: 1 Kiste Wasser, 1 Flasche Cola und noch was gekauft. „Noch was“ hätte, wie ich später feststellen werde, eine Packung Toast sein sollen. Da im Laden aber nur „da war noch was, da war noch was“ im Kopf rotierte hab ich noch eine Flasche Müllermilch oben in die Wasserkiste gesteckt. Ja, ich weiß, Müller :( … – aber hey: Wenn ich tausend Flaschen kaufe, dann ist meine Chance, einen der Muh-Deckel zu finden immerhin annähernd so hoch wie die im Lotto zu gewinnen.

10:35
Müllermilch getrunken, keinen Muh-Deckel gehabt. Was mich nicht im geringsten davon abhält, mich auf dem Rückweg nach Hause so sehr in Tagträumen darüber zu verlieren, was ich mit den 50.000,- Gewinn machen würde, dass ich später die Liebste fast fragen werde, warum sie sich denn nicht freut. Tagträume kann ich gut.

12:30
Kleinkram gearbeitet.
Einen interessanten Mailwechsel mit einer Kundin darüber gehabt, ob und wie ich rechtlichen Service für meine Kundschaft anbieten kann. Könnte. Eventuell könnte. Also: Könnte, ohne rechtliche Beratung anzubieten. Schwieriges Thema, denn nicht ganz zu Unrecht denken Kunden gern: „Herr Fischer, Sie kennen sich da doch aus“. Tue ich oft, ja – darf ich aber nicht drüber sprechen. Jedenfalls nicht so, dass $Kunde dann denkt, jetzt wäre er oder sie rechtlich beraten worden. Ich arbeite deswegen mit einem äußerst fähigen Fachanwalt zusammen und empfehle den auch gern weiter. Aber Anwälte sind ja immer zu teuer – jedenfalls bis was passiert.

Einen Anruf bekommen, der mir ab Morgen die Möglichkeit eröffnet, für ein paar Tage außer Haus zu arbeiten. Sehr, sehr froh darüber gewesen, denn das Haus ist mir im Moment sehr, sehr leer.

Einen Anruf bekommen, dass ich auf das Fax noch gar nicht geantwortet habe. Darüber gelernt, dass die FritzBox Faxe wohl nicht mehr ordnungsgemäß per Mail an mich verschickt. Na, dann hoffen wir mal, dass da kein wichtiges Fax dabei wa… hahaha, ich habe „wichtiges Fax“ gesagt, so wie 1985.

Ein paar Mails mit Skandinavien gewechselt. Durch irgendein echt blödes Missverständnis stehe ich ganz eventuell irgendwo als Besitzer eine Domain, die mir nicht gehört. Alle anderen nehmen das wesentlich gelassener als ich – gut: besser so als andersrum.

13:30
Mittagspause mit dem Rest vom Curry gestern Abend und ein bisschen Podcasthören in der Sonne. Ich hoffe, Sascha nimmt es nicht persönlich, dass ich dabei eingenickt bin.

16:00 Uhr
Kleinkram gearbeitet. Ich arbeite gerade hauptsächlich Kleinkram ab. Einen Anruf bekommen, in dem der Kunde sich bedankte, das tut gut. Für meine Arbeit und für die Leute, die ich empfehle. Das tut sogar sehr gut.
Jetzt Pause, weil: Heute Abend gehts ins Theater.

17:30
Pause und verfrühtes Abendessen. Es war zum Glück immer noch Curry da. Man kann ja quasi gar nicht zu viel Curry machen.
Jetzt auf ins Theater!

20:50
Erste Probe zur Wiederaufnahme unseres Stückes vom letzten September. Dafür, dass acht Monate vergangen sind, liefs ziemlich prima.

21:30
Die Liebste und ich haben uns noch Bier an der Tanke geholt und sind oben auf den Berg gefahren, ein wenig in die nacht gucken. Wie mit 20. Ist aber immer noch gut, sollte man öfter tun.

23:00
Nach Hause gekommen, den Wecker gestellt, gebloggt. Jetzt Dokus bis zum Schlafen, wie immer.


Hinter dem Plakat

Aus der Kategorie »just politics«

Vollkommen überrraschenderweise dürfen wir in vier Wochen wieder unsere Kreuzchen auf einem Zettel machen, damit Frau Merkel weiter Kanzlerin bleibt. (So wird es uns jedenfalls suggeriert, aber das ist ein anderes Thema)

Wir haben also die Wahl.

Was mir aber in den letzten Tagen auffiel: Viel zu viel wird über die Kampagnen der Parteien gesprochen. Über die Freuqenz der Fernsehauftritte, über Wahlkampf in Hintertupfingen und ich frage mich: Warum? Wäre es nicht wichtiger, sich mal zu erinnern, wofür die einzelnen Parteien stehen, ungeachtet dessen, was sie gerade behaupten?

Und deswegen möchte ich kurz an etwas erinnern:
Diese Plakate lügen. Alle. Sie sagen so viel die Wahrheit wie die Plakate, die uns erzählen, dass unser Leben mit Coca Cola cooler ist oder dass McDonalds schmeckt. Es ist Werbung. Werbung genau wie die, für die wir Festplattenrecorder mit Vorspulfunktion kaufen und Adblocker installieren.

Egal was die CDU schreibt, sie möchte einfach nur, dass alles so bleibt, wie es in den Achtzigern war. Sie wäre mit bräsiger Gartenzaun-Gemütlichkeit und stolzer „Made in Germany“- Weltherrschaft vollkommen zufrieden und hat sich jahrzehntelang nur angepasst, wenn es sich überhaupt nicht vermeiden ließ. Weil sie dabei aber leider auch übersehen hat, dass ihre Lebensweise nur auf Kosten eines großen Teils der Menschheit umsetzbar war und ist und dieser Teil der Menschheit jetzt Montags auf die Strasse geht oder übers Mittelmeer kommt, müssen sie jetzt ihren rechten Flügel stärken. Geht zum Glück ohne schlechtes Gewissen, weil sie den rechten Flügel outgesourced hat. Und von der CSU kann man sich je nach Bedarf in der Presse distanzieren oder nicht – und ihr dann wegen des Koalitionszwangs folgen. Guter Bulle, böser Bulle halt.

Egal was die SPD schreibt, sie möchte das alles prinzipiell genau so. „Soziale Gerechtigkeit“ ist nur deswegen ihr Buzzword, weil die Partei auf mittlerer Ebene zumeist noch von Oberstudienräten geführt wird – und die finden schon etwas weniger, dass die Armen selbst Schuld haben als es die CDU findet. Aber so wichtig, dass sie wirklich etwas ändern möchten ist ihnen das nun auch nicht. Und weil sie aber jetzt schon in mehreren großen Koalitionen saß und es ja nur um persönlichen Machterhalt geht, ist das eigentlich alles auch vollkommen egal. So wie sich der Oberstudienrat unter seinem Rektor gut einrichtet hat, haben sie sich neben der CDU gut eingerichtet und alle paar Jahre dieses Wahlkampfgedudel ist ihnen eigentlich viel zu anstrengend.

Egal was die FDP schreibt, sie möchte einfach nur wieder mitmachen. Wieder Macht haben. Von der Sekretärin im Kostümchen Kaffee gekocht bekommen und wenigstens den ersten Parkplatz auf dem zweiten Parkdeck bekommen. Sie war daran gewöhnt, jahrzehntelang vollkommen ungeachtet ihrer tatsächlichen Größe und Bedeutung in Regierungsverantwortung und damit supidupi wichtig zu sein und das will sie verdammt noch mal zurück.
Leider glaubt sie exakt bei diesem Thema nicht an ihre eigene Weisheit, dass es der Markt – also in diesem Fall der Wähler bei den letzten Wahlen – schon gerichtet hat und so werfen sie ihren wahrhaft uniquen SP ins Rennen – voller Hoffnung darauf, dass niemand merkt, dass der schon in NRW vor wenigen Wochen alle Wahlversprechen gebrochen hat. Oder dass sie mit Liberalismus noch so viel zu tun hat, wie anti-autoritäre Erziehung mit Laissez-faire. Oder dass sich jemand fragt, wen es denn neben dem schwarzweißen Herrn Lindner noch gibt.

Egal was die Grünen schreiben, sie haben nicht den Hauch einer Ahnung wer oder was sie sind. Ihre alten Ideen sind längst Mainstream (aka. „Sie haben sie erfolgreich auf der politischen Agenda positioniert“). Dass sie selbst das alles noch etwas nachhaltiger umgesetzt hätten, will keiner hören und sie haben leider keine neuen. Ihre Wähler wählen neben ihnen auch Porsche Cayenne, globalisiert-peruanischen Kaffee und für die eigenen Kinder doch dann lieber die Kita ohne sozial schwache Problemkinder. Ihre Leute in Berlin sind längst vollkommen in die weltfremde Berliner Blase eingetaucht und damit weit weg vom Mensch auf der Straße. Aber das nimmt ihnen die sogenannte Basis, also die Krötenträger aus dem B.U.N.D.-Ortsverein krumm und deswegen sind sie eigentlich seit Jahren handlungsunfähig. Ist vielleicht auch besser so, denn wenn sie zufällig in Regierungsverantwortung geraten weil sich ein Kandidat dieser Basis gegenüber taub genug gezeigt hat, dann geben sie sich in Koalitionszwängen so sehr auf, dass sie sogar ihre Herzensthemen verlieren.

Egal was die AFD schreibt, sie ist braunes Pack, das es irgendwie geschafft hat, den Armen zu erzählen, es ginge ihnen besser, wenn sie an der Macht wären. So wie es braunes Pack immer schon tat. Nuff said.

Egal was die Linken schreiben, ach, ich habe wirklich keine Ahnung. Wirklich überhaupt nicht. Ich kann die nicht einschätzen.

Dass in Deutschland das damals von den Amis in Schwung gebrachte Wirtschaftswunder endgültig ausgelaufen ist …

… dass ausgerechnet in der Vorzeigeindustrie „Made in Germany“ inzwischen „Cheated in Germany“ heissen müsste …

… dass Deutschland digital irgendwo auf Seite dreizehn bei Google zu finden ist* …

… dass wir immer mehr Armut in unserem Land haben …

… dass wir im Amnesty International Jahresbericht auftauchen …

… dass unsere Schulen nur deswegen nicht vollkommen auseinander fallen, weil es längst Usus ist, dass Eltern aushelfen und putzen und spenden …

… dass unser Gesundheitssystem mit dem Wissen aller Beteiligten dem Rentensystem vor die Wand folgt …

… das ist leider kein Thema. Bei niemand. Obwohl damit quer von rechts nach links, von liberal zu konservativ nirgend etwas geht.

Das Ruder in Deutschland müsste richtig kräftig rumgerissen werden (nein, nicht nach rechts, falls Du dummes Ding das gerade denkst), dass sich das niemand traut. Denn alle fürchten: Wer zuerst am Ruder dreht, der macht sich zuerst unbeliebt und wer sich unbeliebt macht, der wird nicht gewählt.

Wir haben also die Wahl.

*) Pun intended. Wer den Witz nicht rafft, beweist dass ich Recht habe.


Joschka Fischer

Aus der Kategorie »just cats«

Irgendwann im April 2005 bekam eine Feldkatze irgendwo auf dem Land hinter Unna in einem Haufen Heu einen Wurf Junge. Nichts ahnende vorbeigehende Menschen fassten die kleinen Kätzchen an und die Mutter verließ sie; aber zum Glück fand sie ein in der Nähe lebendes Paar und rettete sie über die ersten Wochen.
Auf die Zeitungsanzeige meldete sich ein Mendener Pärchen, die gerade in ein Haus mit Garten eingezogen waren. Sie hatten Glück: Das letzte, kleinste, schwarzweiße Baby-Kätzchen war noch da.

Als sich die potentiellen neuen Katzeneltern bei den Pflegeeltern vorstellten, tobte das schwarz-weiße Fellknäul gerade durch die Wohnung. Dann sah es die neuen Menschen, sprang auf die Couch wo die beiden saßen, legte eine Pfote nach rechts auf sein Bein, eine nach links auf ihrs und schlief schnurrend ein.
So kam Joschka zu uns.

Sie war die unfassbar beste Katze, die wir uns hätten wünschen können.
Wir waren uns nicht so ganz einig, ob und wie viele Katzenmöbel wir in der Wohnung ertragen wollten – sie löste das für uns: Sie interessierte sich einfach nicht für Katzenmöbel. Die waren unter ihrer Würde. Ebenso Katzenspielzeug, dafür war sie zu cool.
Sie spielte mit Mäusen, Libellen, Vögeln, den kleinen Kröten aus dem Teich, ein paar Maulwürfen und versuchte sich auch an einem Reh. Sie schlief am Kopfkissen oder unter meinem Kinn, da brauchts keine eigenen Möbel.

Sie kannte unterschiedliche Wörter für „Hallo!“ wenn sie uns an der Tür erwartet hatte, natürlich für „Hunger“ und „Das ist kein Essen, das ist Papp!“ und seit diesem Jahr auch für „es ist zehn Uhr, ich krieg jetzt Käse“ (mit Tabletten drin, aber das haben wir ihr nicht gesagt)
Und sehr deutliche für „jetzt will ich vom Arm runter“.

Sie hat einen Darmverschluss, zweimal Nierensteine, einen bösen Sturz in einen Zaun und zwei Autounfälle überlebt. Sechs Leben.

Seit etwa zweieinhalb Jahren mussten wir den Herzfehler behandeln lassen und nachdem sie sich auf die riesige Tablettendosis eingestellt hatte, feierte sie dieses Jahr nochmal den Sommer ihres Lebens; so viele Mäuse hat sie uns zuletzt 2006 gebracht, als alles hinter der Terrassentür noch so unfassbar aufregend und neu war.
Wir haben jeden Tag davon als Geschenk gefeiert.
Am Montag hatte sie eine Thrombose und die Ärztin sah die Lungen voll Wasser.
Sieben.

Ich habe seit 12 Jahren mein Büro im Haus, habe 12 Jahre mit nur 5 Tagen Unterbrechung mit ihr jeden Tag zusammen gelebt und habe nicht die geringste Ahnung wie das jetzt alles weiter gehen soll.


20

Aus der Kategorie »just people«

Sie so: Den Film hab ich ja auch noch nie gesehen.
Er so: Den hab ich auf Video, den liebe ich sehr, lass uns den gucken.

Die beiden kennen sich schon ewig vom Sehen, wie man sich in der Kleinstadt so kennt, ein bisschen mehr, seit sie einmal im Jahr zusammen arbeiten, ganz gut, seit sie einen Abend mit Alkohol und gemeinsamen Weltleid verbracht haben. Und richtig gut, seit sie sich vor circa einem Jahr angefreundet haben. Und richtig, richtig gut, seit …, aber das wissen sie noch nicht wirklich.
Sie Single, er in den Endwehen einer mehrjährigen Beziehung.
Sie strebsam und geradeaus unterwegs, er verläuft sich gerade in den Windungen des Lebens.

Im Film geht es um zwei gute Freunde; sie strebsam, er verläuft sich gerade in den Windungen des Lebens und natürlich begreifen beide am Ende, wie sehr sie sich lieben, schließlich ist das hier Hollywood und kein kleines Häppchen Realität.

Vor dem Fernseher sitzen zwei Freunde, die beide ohne den geringsten Argwohn in den Kinogenuss eingestiegen sind und während des Guckens irgendwie merken dass die beiden in dem Film da … nun ja.

Und dann ist der Film zu Ende, der Fernseher schwarz und beide gucken möglichst unbeteiligt in entgegengesetzte Ecken des Raums und sie fragt: „Kneipe“ und er sagt „Auf jeden Fall“ und beide rennen in die Stadt weil sie beide absolut nicht ready sind for this sort of thing.

Und in der Kneipe will er ihr unbedingt immer diese eine Strähne wieder hinters Ohr schieben und dann laufen sie noch bis nachts um zwei durch die Straßen und dann fährt er irgendwann nach Hause in die Nachbarstadt.

Den nächsten Tag macht er eine Cassette, das machen Jungs damals noch.

„These seconds when I’m shakin’
Leave me shudderin’ for days” She says
And I’m not ready for this sort of thing

… sagt das Eröffnungslied. Nicht wirklich eine Liebes-Cassette also.

Heute ist das 20 Jahre her und ich sag Euch: Damals war besseres Wetter.