Albumkritik: Roman Lob – Changes

Aus der Kategorie »just music«

Nachdem Anfang des Jahres ja dummerweise quasi parallel »the voice of Germany« gesucht und angeblich auch gefunden und unser Start für Baku, unser! Vertreter für uns beim ESC entdeckt worden waren, gibt es jetzt auch das Album, das Roman Lob machen durfte. »Changes« heißt es, ein Titel, der sonst eher für altgediente Rockgrößen reserviert ist, die mal ihren Stil ändern wollen.
Grundsätzlich positiv finde ich, dass das Album nicht schon Montag nach der Final-Show in den Läden stand (auch so ein antiquierter Begriff), sondern erst geschätzte 8 Wochen später erscheint. Sich bei sowas auch mal wenigstens etwas Zeit zu lassen ist ja prima.
Hören wir also mal rein. Wer auch reinhören will:

Ich muss ja gestehen, dass ich die Sendung eher mittelmau fand und auch dem Gewinner erst einmal ziemlich wenig abgewinnen konnte. Aber wer weiß – vielleicht hat man ihm ja ein schönes Album auf den Leib geschrieben.

Zum Prozedere: Ich hab das Album vor ein paar Tagen schon einmal nebenbei gehört, jetzt höre ich hin und schreibe quasi live.

  1. Call out the sun
    Schön, die Single ist nicht der Opener. Stattdessen groovt da was ganz locker vor sich hin und erinnert spontan ganz entfernt an Sheryl Crows „Soak up the sun“ und das ist ja nicht doof.
    Leider – und ich fürchte, ich muss das jetzt hier schon einmal für das ganze Album vorwegschicken – merke ich schon beim ersten gesungenen Wort: Ich finde die Stimme von Herrn Lob total belanglos langweilig. Aber ich versuch’s weiter.
    Die Bridge ist nett, das Lied auch. Mehr gibts nicht zu sagen.
  2. Dream on
    Gabs da nicht mal was von Ozzy Osbourne? Aerosmith? Ich gleite ab.
    Ein entspanntes Mid-Tempo-Pop-Rock-Stückchen. Geht bestimmt prima beim Autofahren, wenn die ersten vier Stunden rum, aber Dänemark noch weit ist – da braucht man ja zwischendurch Musik, die so vorbeigleitet wie die flache Landschaft Niedersachsens. An ein oder zwei Stellen blitzt kurz auf, das Romans Stimme auch mal rauer sein könnte und dass der Groove mal eine Ecke oder Kante hatte, die dann aber dem Mix zum Opfer gefallen sind. Ich sag mal: Auch ganz nett.
  3. Standing still
    Aha, die Single als drittes Stück, so wie sich das gehört. Hihi.
    Gut, wer dieses Liedchen in den letzten Wochen nicht bis zum Erbrechen gehört hat, der muss definitiv keine GEZ-Gebühren zahlen, denn das Stück lief ja nun überall rauf und runter.
    Tragischerweise ist bei mir nicht einmal das eingetreten, was so ein Dauerfeuer sonst bewirken müsste: Es hängt mir nicht zum Hals raus. Ich kann aber auch immer noch nicht mitsingen und wenn ich gerade an die sicherlich fette ESC-Bühne und den ESC-Abend allgemein denke, dann fürchte ich, dass auch Roman Lob ca. 37 Sekunden nach seinem von-der-Bühne-Gehen vergessen sein wird. »Furchtbar belanglos« ist alles, was mir da einfällt. Nee, nicht wahr: »Vollkommen beliebig« auch noch. Sorry.
  4. Alone
    Da ist dann die obligatorische erste Ballade. Ja nun. Meiner Meinung nach müssten Balladen, die »Alone« heissen ja eher große Power-Balladen als kleine Piano-Stückchen sein – und man merkt, dass der Song das auch tapfer versucht. Aber … Mein Gott, traut Euch doch mal. Dreht den Hallregler auf, damit man die Snaredrum hört, lasst mal eine ordentliche Gitarre im Hintergrund stehen, aber bitte, bitte tut doch mal was, damit das Ding nicht so glatt, so gefällig ist.
  5. Changes
    Ach guck, ein echter Groove. Wow. Und ein bisschen Stimme. Hübsch. Ihr seht mich wirklich überrascht, das Stück könnte – zwar eine der schlechteren – Nummern auf einem Jamiroquai-Album von 1997 sein. Sollte da noch mehr kommen?
    Hier übrigens eine sehr hübsche Unplugged-Version, die Roman beim NDR spielte.
  6. Flying
    Hm, der nächste etwas abrupte Stilwechsel. Leider kommt die Samtsimme, die alle in ihren Bewertungen immer so toll fanden dem locker-flockigen Groove nicht hinterher und so bleibt das ganze auch wieder nur Mittelmaß.
  7. Make you smile
    … macht mich nicht smilen, aber es lässt mich zumindest so ein ganz klein wenig in der Wirbelsäule zucken – Ihr wisst schon, so ein kleines rechts-links, wenn es zum Bewegen der Hüfte noch nicht ganz reicht.
    Leider finde ich auch diesen Song – wie auch alle anderen – entsetzlich glatt produziert; mit etwas mehr Mut an den Reglern wäre mir vielleicht sogar das Wort »funky« in die Tastatur gerutscht. Nicht so übel.
  8. Day by day
    Da ist sie, die Klavierballade. Leider ertage ich die Mischung aus samtener Balladenstimme UND Klaviergeklimper nur schwer – so Klavierliedchen gehen meiner Ansicht nach nur, wenn sie eine gebrochen Whiskey-Stimme singt. Aber ein Platz auf der nächsten Kuschelrock sollte sicher sein, da findet sich derartiger Kram ja. Sorry, I’m out. *skip*
  9. After tonight
    Das ist doch gecovert, oder? Schöne Akustik-Gitarren-Akkorde am Anfang – harmonisch hübsch, nicht ganz so vorhersehbar gerade. Und sobald der Mann mal nicht schmusig getragen singt ist auch die Stimme ok, er kann’s doch. Das Arrangement ist zwar auch so mittel-langweilig, aber: Ganz ok.
  10. Something stupid
    Ist das wohl Konzept, dass die Songtitel immer wieder an bekannte Stücke erinnern?
    Wieder so ein auf-der-Fahrt-nach-Dänemark-Stück. Man kann sogar mitpfeif… Oh, schaut, ein Eichhörnchen. War was?
  11. First time
    Huch, jetzt hatte ich kurz eine »3 Doors Down«-Assoziation. Hm. Wenn das Lied nicht wieder so gnadenlos glatt gemacht worden wäre, dann würde die sogar bleiben, dann würde mich das auch weiterhin sehr an »Landing in London« erinnern – und das meine ich durchweg positiv. Ich warte noch kurz ab, ob jetzt wenigstens mal kurz die verzerrte Gitarre kommt … – ja, sie ist da, wenn auch arg nach hinten gemischt. Ok, fast richtig gut.
  12. Conflicted
    Ich mag den Drum-Groove am Anfang. Schade, dass das dann vom Klavier so zugeklebt wird, da steckt mehr drin.
    Kein schlechtes Lied, aber wieder so mainstreamig produziert, dass ich jetzt leider zum letzten Stück skippen muss. Oh, Mist, zu spät, die Bridge hätte ich gerne verpasst. Trotzdem: Roman hat mal ein bisschen aufgedreht und das steht ihm eigentlich ganz gut.
  13. Revolution
    Nein, keine Revolution. Aber ein echt o.k.-er Rausschmeisser, das passt wirklich schön an das Ende eines Albums (auch wenn das Konzept »Album« ja angeblich überholt ist) und bestimmt auch schön als letzte Zugabe an das Ende eines Konzertes.
    Stellt man sich dazu vor, wie am Ende des Gigs das Publikum die Hook noch weiter singt, während Roman von der Bühne geht und Bass und Drums noch vor sich hintickern – da kommt glatt kurz ein Gänsehaut-Anflug an der Wirbelsäule an.
    (Ah, jetzt weiß ich, woher diese Assoziation kommt: Das Ende von »40« auf U2s »Under an blood red sky«. Ihr wisst schon: »How long? To sing this song? How long? …« Wow, da kann einem was schlechteres in den Kopf kommen)

Fazit:
Es dürfte ja schon bei den einzelnen Songs durchgeklungen sein, dass ich nicht wirklich begeistert bin.
Während ich noch über U2-Konzerte vor mich hinsinnierte lief das erste Lied wieder los, weil mein Player auf Dauerschleife steht. Und ich guckte überrascht hin, war ich doch sicher, dass ich gerade das letzte Stück besprochen hatte. Oder, in anderen Worten: Ich hatte prompt vergessen, dass ich »Call out the sun« schon mal gehört hatte.
Mehr ist tragischerweise nicht zu sagen.

*) Ja, ein affliate-Link
**) Nein, kein affiliate-Link


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5 Reaktionen

Am 27.04.2012 um 10:19 Uhr antwortete serotonic:

»… da braucht man ja zwischendurch Musik, die so vorbeigleitet wie die flache Landschaft Niedersachsens.“ <3


Am 27.04.2012 um 14:25 Uhr ergänzte Erik:

Mir gefällt das Album… ist ja eben eine Geschmacksfrage ;-)


Am 27.04.2012 um 15:14 Uhr meinte Christian:

Auf jeden Fall – ich erhebe hier ja auch keinen Allgemeingültigkeitsanspruch. So lange ich nur Recht behalte ;)


Am 27.04.2012 um 15:26 Uhr ergänzte joerg:

„Dream on“ -> NAZARETH! *hust*


Am 27.04.2012 um 19:00 Uhr schriebChristian:

Ach ja? Na dann :)


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