Albumkritik: Stefanie Heinzmann

Aus der Kategorie »just music«

2007 suchte Stefan Raab den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf. Die Aktion war eine Antwort darauf, dass der DSDS-Kandidat Max Buskohl nicht bei ihm auftreten … – ach, lest doch selbst.
Siegerin wurde damals Stefanie Heinzmann, die vor ein paar Wochen ihr drittes Album »Stefanie Heinzmann« veröffentlicht hat. Liebe DSDS-Kandidaten, ein »drittes Album« ist … äh … ach egal.

Ich mochte bereits die Vorgänger »Masterplan« und »Roots to grow« und war sehr gespannt, ob es einen Nachfolger geben würde. Außerdem hat sich joerg gewünscht, dass ich dieses Album auch bespreche. Auf geht’s:

Das Prozedere ist etwas anders als sonst, denn: Ich hab das Album schon diverse Male nebenbei gehört, aber jetzt höre ich so richtig hin und schreibe – wie immer – quasi live.

  1. Fire
    Stefanie hat ja irgendwie immer eher Soul-beeinflusstes Zeug gemacht und dann so lustige Dinge wie Metallica-Cover dazwischen. Die neue Platte beginnt mit einem eher langsamen Song, mit einem Akustik-Gitarren-Gezupfe am Anfang, sehr balladig das ganze. Der Refrain zeigt aber: Da weiß jemand wie das geht, da steckt Power hinter. Schön geschrieben, sehr schön die ruhige Stophe und der Refrain gegeneinander arrangiert und dann kommt irgendwann noch eine geile, groovige Bridge.
    Beim ersten Hören dachte ich noch so etwas verhalten »Aha?«, bin aber inzwischen ziemlich überzeugt. Stefanies Stimme ist noch weiter gefestigt, sie gefällt mir als Sängerin richtig, richtig gut – schon nur von dem einen Song
  2. Diggin in the dirt
    Die Single hatte ich schon vor dem Album gehört und mich gefreut. Ein guter PopRock-Song mit einer schönen Hookline, tanzbarem Beat und ganz eigenem Sound. Auch hier gut geschrieben und arrangiert, ich überlege gerade, ob Stefanies Trick ist, Soul-Gesang auf Popmusik zu legen, die jederzeit von der Kraft her auch HeavyMetal sein könnte.
    Egal, auf jeden Fall ein sehr wiedererkennbarer Stil und sehr viel Energie. I like.
  3. Not at all
    Fängt an wie die Raab-geschriebenen Pop-Songs mit Gitarre, eher sparsam. Und unmerklich ändert sich der Gesang und wir sind in einem hübschen Refrain. (Überhaupt gefällt mir der Gesang so richtig gut, ich muss das nochmal erwähnen.)
    Insgesamt unaufgeregt und gut, aber nicht so catchy. Ein guter Filler – jetzt bin ich gespannt, was danach kommt.
  4. Coming up for air
    Ah: Streicher-Intro und Motown-Beat. Erinnert bis jetzt am meisten an das erste Album. Schön.
    Der Refrain geht diesmal nicht los, sondern wird loungy, ihre Stimme irgendwie ganz süßlich. Aber schön, auch wenn ichs nicht wirklich gut beschreiben kann.
  5. Everybody’s lonely
    Eine Ballade? Man weiß ja nie, ob das nicht gleich noch losgeht.
    Ja. Kräftig Streicher hinter den Refrain und es bleibt balladesk, zum Schluß hin wirds auch richtig groß. Hübsch gemacht, nicht klischeehaft, sondern mit hübschen Melodien und tollem Gesang (Hatte ich … Ach ja.)
  6. Another love song
    (Warum denn bitte nicht JUST another love song?) Groovt erstmal nett soul-y los und auf einmal erwische ich mich beim fröhlichen auf den mit dem Fuß-mitklopfen. Mist. 10,- in die Mucker-Coolness-Kasse. Und während ich noch Geld suche singt Frau Heinzmann etwas von sterbenden Menschen und es ist grauenhaft klischeehaft aber ich glaube ihr jedes Wort und überhaupt lungert hier auf der Festplatte ja eh noch eine Garage-Band-Version eines Songs herum, den ich mit einer Band vor vielen, vielen Jahren mal geschrieben hatte, der »just another song« hieß und exakt die selbe Aussage hatte. Und wo ich auch immer nicht wußte, ob es zu klischeehaft war oder nicht, der aber live der einzige von uns war, der so richtig, richtig, richtig gut ging.
    Äh, ich gleite ab.
  7. Stain on my heart
    Ich bewundere, wie Stefanie Heinzmann die Stile vermixt. Hier ist es wieder jetzt Motown pur und trotzdem darf sie als nächtes gerne Slayer covern. Sexy Streicher, fette Koteletten und mit dem Fastback in den Sonnenuntergang. Aber heute und nicht damals. Schön das feeling in die heutige Zeit rübergerettet, das passt schon.
  8. Second time around
    Ach guck: Die funky Heavytones-Bläsertruppe. Tanzbar. Und dann noch ein sexy Background-Chor im Refrain. Der Herr jawl wippt mit, ist zufrieden und hat nichts mehr zu sagen.
    Oh doch: Die Bridge ist ja geil!
  9. Ain’t no way
    Ich merke: Der Opener und die Single fallen wohl etwas raus – der Rest bleibt eher soulig. Und wie ich gerade schon sagte – ich sagte es doch? – die Songs wirken nicht retro, nicht angestaubt, sondern wo wie Motown heute klingen würde. Und alles sehr kraftvoll, nie cheesy. Ich mag das.
  10. Show me on the way
    Haha, kaum hab ich das geschrieben überrascht mich eine echt krabätzige Gitarre. Ach so, da kommt er, der Tamburin-OffBeat, dann ist es ja gut. Eine geile Uptempo-Nummer, geht gut los.
    Eine von den Nummern, die Dich endlich glücklich auf die Tanzfläche zieht, wenn Du vorher ein paar Stücke wippend am Rand gestanden und gezögert hattest.
  11. This old heart of mine
    Ist das von Aretha gecovert? Oh, nee, von den Isley Brothers. (Und ich lese gerade, das ich gnädigerweise die Version von Rod Stewart verdrängt hatte).
    Tja, während Rod alles verschmalzt, geht das Ding hier gut los und macht Spaß. Ich bewundere, wie sie quer durch ihren Musikgeschmack (jedenfalls hoffe ich das) alles spielt, was ihr gefällt und wie es alles zueinander passt.
  12. Numb the pleasure
    Ok, genug Soul. Hier gehts wieder eher zurück in Richtung Rockpop. Poprock? Ach, was weiß ich. Groovy bleibts und ich könnte mir auch gut heftige Gitarren vorstellen.
  13. You made me see
    Wie verletzlich sie klingen kann …
    Balladen müssen nämlich gar nicht schnulzig sein, nein, nein. Bleibt nicht so hängen, ist aber schön.
  14. Old flame
    Bin gerade verwirrt – im Refrain irritieren mich sowohl diese beiden großen Paukenschläge als auch die Melodie aus dem Refrain raus. Beides erinnert mich so sehr an irgendwas aus den achtigern – also an zwei verschiedene Stücke – und ich krieg’s nicht zusammen. Sehr verwirrend.
    Sonst klingt das Ding mit seinen Tremolo-Gitarren ein bisschen nach Tarantinos Wüstenlandschaften und das ist ja nicht doof.
  15. Home to me
    Ah, eine Rausschmeißer-Ballade. Ist das eine Dobro? Nee, doch nicht, eher irgendwas irisches. Mandoline? Ach, egal.
    Ja, genau das ist es – eine gute Rausschmeißer-Ballade. Nothin more left zu say. Würde ich gerne live am Ende eines geilen Konzertes hören

Fazit:
Ich muss gestehen, ich war voreingenommen, ich mochte beide Vorgängeralben und war sehr erfreut, als ich hörte, dass Stefanie ein drittes Album veröffentlichen würde. Auch für die besseren unter den (besseren-der-) Casting-Show-Gewinnern ist ein drittes Album ja ein echter Akt.
Schon als Rockbands noch in Proberäumen und nicht in Fernsehstudios entstanden, war Nummer drei immer die Bewährungsprobe.
Aber ich finde: Sauber bestanden. Ich mag Stefanies ganz eigenen Mix, der problemlos in die souly oder funky Ecke kippen kann, im nächsten Moment aber auch ebenso losrocken kann. Sie mischt das alles, gibt ihm einen ganz eigenen Sound und das passt gut zusammen. Und ich werde mich jetzt gleich wohl noch einmal in den »Masterplan« reinhören und checken, ob sich mein Eindruck, dass ihre Stimme unglaublich gewachsen ist seit damals nicht täuscht.
Thumbs up; gute acht von zehn Sternchen wären da drin. Also, wenn ich hier Sternchen geben würde.

*) Ja, ein affliate-Link
**) Nein, kein affiliate-Link


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

2 Reaktionen

Am 15.05.2012 um 22:20 Uhr sagte rebhuhn:

danke für die rezension – ich hatte sie so gar nicht auf dem schirm. damals im tv verpasst, hinterher immer nur [casting-sternchen? aha.] gedacht. falsch gedacht.

magst du dann eigentlich auch joss stone, speziell mind, body & soul [amazon.de]? :) ich mag das album sehr!


Am 15.05.2012 um 22:53 Uhr wusste Christian:

Ja, Joss Stone mag ich auch sehr – ich hab vier Alben von ihr in meinen simfy-Playlists und alle vier auch meist fürs Auto aufs iPhone geladen, weil sie – in abwechselnder Reihenfolge – zu den Alltime-Favorits gehören.
Im Moment steht die letzte Platte, die LP1 ganz oben aber, wie gesagt: das wechselt.


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