Alles eine Frage des Blickwinkels

Aus der Kategorie »just TV«

Den meisten von uns ist das Wort Gehirnwäsche schon einmal begegenet – aber genaueres können sich wahrscheinlich die wenigsten vorstellen.

Wikipedia erklärt im Einleitungssatz: „Gehirnwäsche ist ein Konzept zu so genannter psychologischer Manipulation“ und mir hat Robert Anton Wilson in seinem Buch Der neue Prometheus das erste mal ein Bild davon vermittelt, wie man ein Gehirn – also eigentlich ja ein Denken, wie man Überzeugungen – komplett ändern können könnte.

Ohne sich zu sehr in Details zu verlieren geht Wilson davon aus, dass man einen Menschen zuerst von allem Überlebenswichtigem abschotten kann – indem man ihm z.B. Nahrung, Schlaf und psychische Sicherheit, also zB einen Rückzugsraum und vertraute Personen nimmt.

Wenn man ihm dann in der Phase tiefster existenzieller Verunsicherung neue Sicherheiten – also wieder Nahrung, Sympathie, … – anbietet und die aber mit fremden Gedankengut verbindet wird das Opfer leicht bereit sein, diese neuen Überzeugungen anzunehmen, um eben die neuen, lebenswichtigen physischen und psychischen Sicherheiten zu bekommen.
Unsere moderne Gesellschaft spricht von Folter und ächtet so etwas.
Ähnliches – aber von den Tätern wohl eher unbeabsichtigtes ist im Umfeld von Geiselnahmen unter dem Namen Stockholm-Syndrom bekannt.

Das alles ist natürlich total widerlich, wenn man ein bißchen intensiver drüber nachdenkt. Menschen werden in ihrem tiefsten Innern manipuliert und gebrochen, um irgendwelche Ziele zu erreichen.

Heute Abend lief im Fernsehen wieder „Teeenager außer Kontrolle – letzter Ausweg wilder Westen“
Die Teenager, die bei dieser Maßnahme – warum auch immer – mitmachen werden aus ihrem Umfeld gerissen und finden sich mitten in der Wüste wieder. Sie haben weder ihre gewohnten Bezugspersonen noch etwas anderes oder jemand Vertrautes um sich herum. Sie sind 200km entfernt von jedem Ausweg und haben nichts, woran sie sich noch festhalten können.
In dieser Phase tiefster existenzieller Verunsicherung kommn Betreuer und bieten ihnen wieder Sicherheit, Stabilität und Freundschaft. Aber nur in Verbindug mit den Regeln, von denen sie sich in der letzten Zeit so weit entfernt haben.

Das alles ist natürlich ein total cooles pädagogisches Konzept wenn man mal genau hinguckt. Kriminelle Jugendliche werden in der Einsamkeit der Wüste auf ihr innerstes zurückgeführt, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen.


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3 Reaktionen

Am 27.03.2008 um 14:16 Uhr kommentierte Flummi:

Also ich weiß nicht…
Einmal habe ich diese Sendung gesehen, und es hat mir gereicht, als ich dabei mitbekommen durfte, wie erwachsene Menschen, die offensichtlich keinen Bezug zu ihrem Nachwuchs hatten, feiernd und triumphierend vor dem Fernseher saßen und sich darüber gefreut haben, daß diese jungen Menschen da mal so richtig unterdrückt werden. Einer rief sogar laut aus: „Ha, endlich wird dem Dreckstück mal die nackte Realität gezeigt und schon fängt es an zu flennen!“
Vielleicht sollten auch die Eltern der Betroffenen sich mal fragen, was einst schief gelaufen sein könnte.

Möglicherweise glaube ich aber auch zu sehr an das Gute im Menschen, keine Ahnung…


Am 28.03.2008 um 11:25 Uhr meinte Thomas:

Der Mensch ist Produkt seines sozialen Umfeldes. Soviel schon mal als Antwort auf die Frage, was denn bei den Jugendlichen schiefgelaufen ist. Vielleicht sollte man parallel zum Wüstentripp auch gleich noch ein Boot-Camp für die gescheiterten Erziehungsberechtigten einrichten. Oder gibt’s das eventuell schon bei RTL II? ;-) Schlagartig werden mir scheinbar bestehende Zusammenhänge bewusst …

Ich persönlich halte die gezeigten Methoden für zweifelhaft – deine Einleitung deutet da m. E., vielleicht auch etwas überspitzt, in die richtige Richtung – und ich halte die Ausstrahlung einer solchen Serie für mehr als zweifelhaft, da werden Mensche wirklich entblößt, Artikel 1 Grundgesetz ein Fremdwort.

Ist aber letztlich auch nur eine Ausprägung einer hilflosen Gesellschaft, die sich keinen Rat weiß, wie Menschen, die sich so weit in Abseits manövriert haben (oder wurden), wieder integriert werden können.

Im Prinzip aber alles schon mal erwähnt.

Nur meine Meinung.


Am 28.03.2008 um 18:57 Uhr sprach Christian:

a)
Natürlich tragen eine Eltern Verantwortung. Und oft täte ihnen eine Parallel-Therapie sicher gut. Aber – auch aus meiner Zeit als „Der Mann vom Jugendamt“ weiss ich auch von anderen Fällen.

b)
Auch wenn es uns allen nicht gefällt – imho gibt es Jugendliche, die sich soweit aus der Gesellschaft heraus bewegt haben, dass man ihnen mit „normalen“ Methoden nicht mehr beikommen kann. Habe ich selbst kennen gelernt.

c)
Ich finde die im Fernsehen gezeigte Methode dort nicht so übel. Die Jugendlichen werden gezwungen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, das ist sicher nicht das schlechteste.
Aber: Sie werden gezwungen, dessen muss man sich bewusst sein.
Aber natürlich ist es immer bequemer, einen Zwang, der gesellschaftlich legitimiert ist nicht als solchen, sondern als „Erziehung“ zu sehen und positiv zu bewerten.

d)
Ich behaupte: Rober A. Wilson war komplett druff als er das schrieb. So wie meist.
d2) Es ist trotzdem – oder gerade deswegen – unglaublich lustig und auch lehrreich, Wilson zu lesen.


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