Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Alles fliesst, alles fügt sich zusammen. Irgendwann.

Gestern Abend traf ich nach längerer Zeit einen der armen Ritter – der Mendener HipHop-Truppe, die ich damals mischenderweise ein kleines Stückchen ihres Weges begleitet habe – wieder. Und wir fanden endlich einmal die Zeit, uns ein wenig zu unterhalten.
War interessant – er war ja damals quasi einer derjenigen, die mir zeigten, dass HipHop mehr ist, als mit tiefhängenden Hosen möglichst laut einen auf dicke ebensolche machen. Dass es HipHop gab, der sich auf eine Kultur und auf musikalische Wurzeln bezog. Dass es es mal um ein Leben mit DJing, Rappen, Breaken und Sprühen ging. Der mich mit zu Jams nahm, wo Menschen sich auf einmal auf den Jazz bezogen, den ich auch hörte. Und mir damals meinen Horizont ein Stück weiter öffnete.
Und ich vielleicht ja auch seinen; die Jungs hingen immer hoch interessiert bei uns im Probenraum rum, wenn wir jammten und losimprovisierten und so aus dem nichts neue Musik schufen.
Ich habe es geliebt damals, dieses kreative Aufeinandertreffen zweier Welten.

Natürlich fiel gestern Abend schnell der Satz „Und? machst Du noch was?“ Ist ja klar.
Er macht eigentlich nichst mehr. Hat mit dem HipHop quasi abgeschlossen – mit allem, was sich heute diesen Aufkleber gibt kann er genau so wenig anfangen wie ich. Dafür ist er zum audiophilen Extremist konvertiert, fragte mich nach Empfehlungen aus dem Jazz-Bereich und erzählte, wie er letztens noch gemerkt hatte, dass Child in Time eigentlich noch intensiver klingt, wenn man das Licht ausmacht.
HipHop hört er nicht mehr. Klingt schließlich alles scheisse, wenn man erstmal ne gute Anlage hat. Totkomprimiertes gesampletes Zeug. Sagt er.

Ich sag ja immer – irgendwann schließen sich alle Kreise.

4 Antworten zu “Alles fliesst, alles fügt sich zusammen. Irgendwann.”

  1. joerg sagt:

    Klingt irgendwie traurig. Passiert mir hoffentlich mal nicht.

  2. Christian sagt:

    Nee, traurig wirkte das gar nicht. Eher sehr, sehr begeistert…

  3. joerg sagt:

    Naja, dann bin ich da wahrscheinlich noch zu jung für. Und bleibe es hoffentlich auch noch lange.
    Wenn ich Child in Time im Dunkeln höre und mich an Hiphop nicht mehr die realness, sondern die Klangqualität interessiert dann … naja, dann werd ichs wenigstens zu ner guten Anlage gebracht haben ;-)
    Aber das ist jetzt nix worauf ich mich jetzt schon freue.

  4. Christian sagt:

    Ach ich weiss nicht. Ich versteh zwar glaube ich worauf Du rauswillst – aber …
    ich seh da eher jemanden, der über den „Umweg“ des perfekten Klanges und gut produzierter Musik zu „guter Musik“ kommt. „Child in Time“ war ja auch nur ein Beispiel.
    Und zum HipHop – Aggro ist – auch für mich – nicht hörbar. Und nicht real, sondern dumm. Ich denke, dass die beiden Dinge dann da zusammenkamen und ihm neue Welten eröffnet haben …

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