Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Angst vor dem Internet? Angst vor dem Fernsehen.

Vorhin eine interessante Unterhaltung darüber gehabt, warum Menschen Angst vor dem Internet haben (könnten). Festgemacht hat sich die Unterhaltung irgendwie am unser aller Lieblingsmedium Fernsehen.
Dummerweise hab ichs nicht verstanden.

Es ging in etwa wie folgt:

  • Man weiss ja im Web nicht, was einen erwartet, wenn man etwas anklickt. Das macht halt unsicher. Beim Fernsehen hat man ja die Fernsehzeitung.
  • Doch, man gibt doch selbst eine URL ein. Oder sucht bei Google – da gibts ne Kurzbeschreibung.
  • Nein, wenn man etwas anklickt – da weiss man das doch nicht vorher.
  • Doch, man sieht in der Statusleiste die URL.
  • Aber die versteht doch kein Mensch…
  • Ach, die nötige Medienkompetenz um „20:15, 90Min, USA 1968, sw OmU SV765 225“ zu dekodieren ist also geringer als die, die man braucht, um „http://de.wikipedia.org/wiki/Menden_(Sauerland)“ zu verstehen?
  • Ja, aber im Web rutscht man trotzdem öfter mal in Inhalte, die man gar nicht sehen will. Da ist alles extremer.
  • Ach weisst Du, seit diese ganzen Tierarzt-Dokus laufen muss ich beim Mittagessen immer aufpassen, dass ich nicht beim Einschalten schon mitten in einem Kuh-Hintern lande. Den will ich dann weder sehen noch habe ich ihn hinter dem schönen Titel „Giraffe, Erdmännchen und Co“ erwartet. Und auch abends bei Big Brother fremden Menschen beim Rücken-Enthaaren zuzuschauen – das will auch nicht jeder.
  • Man kann ja auch wegschalten, wenn man etwas nicht sehen will. Das geht im Web nicht.
  • Wie? Du MUSST lesen, was vor Dir steht? Außerdem: Ich hab ja schneller den „Back“-Button gedrückt, als ich den Blick aus der Kuh nehmen konnte. Unsere Fernbedienung hat da ja so ein bisschen Delay.
  • Außerdem steht so etwas doch auch in Fernsehzeitungen – im Web bewertet doch niemand vorher, was sich hinter einem Link verbirgt – da weiss man nicht, was kommt.
  • Ach, aber wenn man im Fernsehen eine spannende Dokumentation über etwas angekündigt bekommt und dann doch bloß Galileo kommt – da bekommt man, was angekündigt war?

Es ging dann noch eine Weile so hin und her – aber ich fürchte, für mich steht am Ende das Ergebnis: Wer solche Argumente bringt, der hat nur einfach keine Lust oder ist zu faul, sich auch nur das geringste bisschen mit dem Medium auseinander zu setzen.

Oder die Angst hat eigentlich ganz andere Gründe. Abr ich fürchte, das ist eine eigene Geschichte.

5 Antworten zu “Angst vor dem Internet? Angst vor dem Fernsehen.”

  1. […] viajust another weblog.   […]

  2. Johannes sagt:

    Ich würde so eine Diskussion ja gar nicht erst annehmen. Jeder Mensch, der sich nicht mit dem Internet beschäftigen will, will es einfach nicht. Denn die manigfaltigen Vorteile, die dieses Medium hat, hat er schon mehr als einmal ge- und überhört. Mit guten Argumenten kann man solche Menschen nicht mehr die Angst vor etwas Neuem nehmen.

  3. Thomas sagt:

    Ja, und wenn ich eine Zeitung kaufe, weiß ich schon gar nicht vorher, was drinsteht. Oder ob die Werbung darin nicht meine moralischen, politischen oder ethischen Gefühle verletzt.
    Wer will, findet immer ein Haar in der Suppe. Man kann sich auf ein Medium einlassen oder auch nicht, und wenn man sich darauf einlässt, sich damit auch auseinandersetzt, weiß man auch, was einen erwartet. Man muss nur wollen. Punkt.

  4. Hauser sagt:

    Joa so seh ich das auch, solche leute wollen überhaupt nicht argumente dafür hören, sie wollen lediglich ihre argumente dagegen loswerden. Keine ahnung allerdingswas sie mit solchen sinnbefreiten argumenten bezwecken wollen. Dein text ist ja nur ein beispiel für vieles. Ich habe auch schon teilweise ähnlich diskussionen geführt und hab mich am ende auch gefragt warum ich mir die gute luft nicht einfach gespart habe.

  5. Christian sagt:

    : und hab mich am ende auch gefragt warum ich mir
    : die gute luft nicht einfach gespart habe

    Weil es immer schlauer ist, im Gespräch zu bleiben.
    Weil der Gap in der Gesellschaft sonst noch größer wird.
    So zum Beispiel …

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