Liebe Musikindustrie,

Aus der Kategorie »just people«

ich glaub‘, ich schreib auch mal einen offenen Brief an Euch.

Habe ich doch gerade gelesen, dass Ihr demnächst an Radio und an Journalisten keine CDs mehr verschickt. Sondern ihnen nur noch den Zugang zu einem Datenpool ermöglicht.
In dem natürlich nur die Mitglieder eines zu diesem Zwecke gegründeten Verbandes sitzen.

Schön. Wieder eine Nadel in der Voodoopuppe, mit der Ihr seit Zeiten das Ende der CD vorbereitet.
Und eine weitere Nadel in der Puppe Indie-Label.

Und – aber das seht Ihr nicht – eine dicke Nadel in der Puppe mit dem Schild Musikindustrie um den Hals.

Noch mal deutlich zum Mitschreiben: Ich kaufe CDs, weil ich die Musik haben möchte. Und weil ich die CD haben möchte – wobei CD in diesem Fall mehr bedeutet, als eine silberne Scheibe mit Bits und Bytes drauf. Denn die könnte ich mir auch herunterladen und brennen – ich bin der dazu notwendigen Technik mächtig.

CD bedeutet für mich aber das Gesamtkunstwerk, das ein Künstler mir anbietet (Merkt schon mal auf, in diesem Satz kam zweimal das Wort „Kunst“ vor).
Ein gutes Beispiel ist da die letzte Platte der Guano Apes. Da habe ich ein schön gestaltetes Leinencover in der Hand. Mit einem Booklet, das den Namen verdient; in dem sich die Künstler (schon wieder!) einen anderen Weg suchen, sich auszudrücken. Und mit Musik (auch merken!), die Spass macht. Für die eine Gruppe Menschen einige Zeit in einem Tonstudio verbracht haben, nachdem sie sich einige Zeit in ->Probenkellern und auf ->Livebühnen um die Ohren geschlagen haben.

Ein schlechtes Beispiel ist da eine CD-Single einer jungen Frau, die nicht singen kann, die aber ein paar Tage in einem Container gelebt hat. Ihr Name ist so unwichtig, dass sie als Logo schnell das Logo des Containers mit auf die Hülle (ich sage nicht „Booklett“) gepappt bekommen hat.
Weil sich sonst in 5 Tagen niemand mehr erinnert.

Ich erinnere mich heute noch an den Moment als ich vor fast 6 Jahren das erste mal ungläubig über diese Power „Open your eyes“ gehört habe.

Das macht den Unterschied zwischen Kunst und Produkt.

Wenn Ihr Euch mal wieder auf Euren Job besinnen würdet, würde das schon klargehen.
Zu Eurer und zu unserer Zufriedenheit.


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