Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Stillos

Juliette war ja gestern bei Raab.

Erster Eindruck:
Sie hat offensichtlich viel mit ihrem Personality-Trainer gearbeitet – alles, was laut und schrill (ok, und zugegebenermassen polarisierend) war ist weg.
Schade. Man konnte es Persönlichkeit nennen.

Und: Ihre neue Single ist ein monumetales Orchester-Schmalz-Stück.
Keine schlechte Nummer, wenn man das mag.
Aber: eben schon wieder was anderes.

Das ist wahrscheinlich der größte Schwachpunkt am Casting und „Wir – machen – jetzt – auf – Teufel – komm – raus – einen – Superstar – aus – Dir“ – System.
Wenn die erste Nummer nicht sofort knallt, dann werden sie sofort hektisch und fangen an, rumzuprobieren.

(In diesem Zusammenhang auch schön: ein Zitat zu Victoria Beckhams neuer Single:Sie war nur auf Platz 3 der britischen Charts eingestiegen, as nach dem erfolgten Werbeaufwand als Flop gilt.)

Aber zurück zu unseren Superstars:
Jazz-Klassiker covern klappt nicht?
Ok, dann eine coole R’n’B-Tanz-Nummer.
Klappt auch nicht?
Ok, dann hol das Orchester.
Klappt auch nicht – schick die Tusse nochmal zum Playboy.
Klappt auch nicht?
Ok, verbrenn den Vertrag.

„Einen Künstler aufbauen“ war früher ein Begriff dafür, an einen Künstler zu glauben, ihm evtl. sogar mehrere Alben und viele Live-Auftritte (!) lang Zeit zu lassen, seinen Stil und sein Publikum zu finden.
Ok, dafür braucht man einmal Leute bei den Plattenfirmen, die Sinn für Musik haben und dann auch noch welche, die an einen Künstler glauben.
Ist die Frage, was davon schwerer zu finden ist.

Herbert Grönemeyer z.B. war ja zuerst einmal gar nicht so dolle im Geschäft.
Wenn ich das gerade richtig recherchiere, hat der 1979 seine erste Platte rausgebracht.
Der richtig fette Erfolg war dann 1984 mit ‚Bochum‘, der 4. Platte.
5 Jahre.
Die 4. Platte.
So viel Zeit nimmt sich heute niemand mehr.
Kann sich auch niemand nehmen, weil die Werbepausen-geprägte Zielgruppe sich nichts mehr so lange merken kann.

Ganz davon abgesehen, dass wir uns alle ja ganz gut Bohlens Kommentare auf einen Herbert Grönemeyer beim üblichen 2 Minuten – Casting vorstellen können, nicht wahr…

Aber an Grönemeyer verdienen alle ganz gerne.

Kurze Anmerkung: Nein, ich mag Grönemeyer immer noch nicht. Ich habe ihn mal willkürlich rausgegriffen, ähnliche Geschichten gibt es garantiert auch über Stones, Tina Turner, Elton John, Cher, Shania Twain, Westernhagen, …, …, …

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