Gestern

Aus der Kategorie »just people«

oder:
anachronistisch

oder:
die kleinste Headbangerin der Welt

oder:
so wenig Körper, so viel Stimme

oder:
das war dann also Patricia Kaas
Womit wir endlich beim Thema wären.

Die meiste Zeit des Abends war ich ziemlich traurig.
Traurig, dass sich da vorne eine kleine Frau mit einer unglaublichen Stimme abrackert, abmüht, sich die Seele aus dem Leib singt, hüpft, springt, rennt, winkt, flirtet, headbangt, rockt, … – und die größte Anteilnahme der Halle besteht – ganz wie eigentlich zu Recht vergessenen Dieter-Thomas-Heck-Zeiten aus schüchtern am Bühnenrand abgelieferten Blumengebinden. Und ein bisschen artigen Klatschen. (Ich vermeide das Wort Beifall – das klingt zu enthusiastisch).

Exkurs: Wenn man heute so einen durchschnittlichen Popstar auf die erste Tour schickt, dann weiss man: es wird nicht so klingen wie auf der CD. Weil ja auf der Bühne alles ganz anders…. und weil man im Studio ja bessere Bedingungen… und weil bei der vielen Bewegung auf der Bühne ja sowieso…
Vergesst es.
Sie lügen. Alle.
Entweder man kann singen oder eben nicht.
Ich hab es heute bewiesen – bzw. in Erinnerung gerufen – gekriegt

Exkurs Ende.

Frau Kaas hat eine grossartige Stimme.
Frau Kaas ist – so denke ich – Musikerin mit Leib und Seele – sie will einfach nur singen. Sie liebt den Blues, sie liebt guten, ehrlichen Rock, sie mag Chansons, sie mag Barmusik, und sie will einfach nur singen.
Ausserdem hat singen für sie etwas mit Emotionen zu tun und die will sie mit den Leuten teilen.

Sie ist überhaupt nicht cool. Oder hat sonst eine Attitüde, ein Styling, ein Image, einen Dance-Style oder irgendetwas, dem sie hinterherläuft.
Und ich war den ganzen Abend traurig, dass ich von den ganzen TopOfTheMcDonaldsChartsPopStarsShow-Mist abgestumpft genug bin, dass mir etwas fehlt. Oder ich sie nicht ernst nehmen kann, weil sie ja nur wie ein kleines Mädchen auf der Bühne herumläuft und singt. Oder weil sie headbangt.
Aber: Hey, ich habe Rage against the Machine erlebt. Ich habe the Prodigy erlebt. Ich habe Faithless gesehen. Vielleicht kenne ich ein paar zu extreme Extreme und alles andere muss im Vergleich dazu zu soft sein …?

Vielleicht stehe ich mir da selbst im Weg?

Zurück zu Frau Kaas.
Ich stehe mir da selbst im Weg.
Und irgendwann schaffte Frau Kaas es dann, die Halle dazu zu bewegen, ihre Ärsche von den Stühlen und sich selbst bis nach vorne an den Bühnenrand zu bewegen und auf einmal sah das alles auch wie ein Konzert aus.
Und fühlte sich auch so an – und ich konnte mir endlich selbst aus dem Weg gehen und den Rest des Abends einfach nur ziemlich geniessen.

Sagte ich schon etwas von der grandiosen Stimme? Echt? Ach so…

Sagte ich auch schon, dass Frau Kaas eine unglaublich schöne Frau ist? Nein?
Also: Frau Kaas ist eine dermassen schöne Frau, dass es selbst ohne Ton gereicht hätte, sie einfach nur ein bisschen anzusehen.
Ja, auch zwei Stunden lang.

Eine geile Band. Gute Musiker, perfekt eingespielt und mit deutlichem Spass an der Sache. Und jederzeit vollstem Respekt für ihre Chefin – die ihnen wiederum auch jederzeit viel Platz zum Austoben gab. Gute Kombination.

Ein anachronistischer Abend – Musiker, die einfach nur Popmusiker sein wollen gibt es irgendwie gar nicht mehr.

Ein wunderschöner Abend – wir würden und werden nochmal hingehen.

Ps.: Hey, Rosenstolz: das Stück ist geil

Nochmal Ps.: Hey, Frau links neben uns: Lach mal. Mit der Hackfresse kriegst Du nie ne Begleitung zu einem Konzert.


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