Me, myself and I revisited

Aus der Kategorie »just people«

Reflexionen über „das Selbständig machen“ liegen wohl im Moment in der Luft.
Nach vier Wochen, in denen uns Praktikanten auf die Finger geschaut und manche kluge Frage gestellt haben vielleicht auch hier eine logische Folge.

Mein Fazit: Jeder sollte sich so einen Praktikanten halten. Abgesehen von den Karmapunkten und dem ewigen Dank der Schulen, dem Nutzen für die Volkswirtschaft (bestimmt!) und der einmaligen Chance, ein paar Exemplare der Gattung „Gymnasiallehrer“ in freier Wildbahn erleben zu können (aber davon erzähle ich ein anderes mal) hat man nämlich selber was davon.
Nämlich einen völlig unvoreingenommenenen Blick auf das, was man so den ganzen Tag tut. Jemanden, der genau die Fragen stellt, die so oft im Alltag untergehen.

Wann hat man schon die Chance, mal so von außen auf sich drauf zu gucken?
Im Normalfall – so denke ich – rennen wir doch alle den lieben langen Tag all dem nach, was die Selbständigkeit so für uns bereit hält.
In diesem Fall (ungeordnet): Buchhaltung, Vorträge vorbereiten Computernothilfe, Angebote schreiben, Datenhandling, (un-)erfreuliche Diskussionen, Angebote um die Ohren gehauen bekommen, viel Erklärungen über „das Internet“ oder „den Computer“, die Auseinandersetzung mit Grafikern die eben diesen Erklärungen nicht lauschen mögen, den Bankmenschen trösten, jede Menge „Du kannst doch bestimmt mal eben“-Anfragen, „Nein!“-Sagen lernen zu eben diesen Anfragen, Geldlücken schieben, sich selbst nebenbei weiterbilden, Akquiseüberlegungen, Kühlschrankjobs, ein kurzes Aufjammern über eben diese im Weblog, Abwimmeln von Akquiseanrufen (Danke, ich bin versichert, danke, ich habe alles was ich will abonniert) …

… und manchmal das, was ich mir immer so vorgestellt habe: dem Kunden herrliche Konzepte und wunderschöne Layouts präsentieren und dann genial pixelschieben und programmieren.

Unsere Praktikanten waren erstaunt darüber, wie unplanbar und wie viel da so tagtäglich hereinbrach. Oder anderes ausgedrückt: wie wenig an schlechten Tagen produktive Arbeit ist. Oder anders ausgedrückt: wie vielseitig der Job ist.

Wer das nicht abkann ist falsch. Ganz einfach. Oder braucht jemanden, der das für ihn macht.

Schön sind dann Leute, die nur die Vorteile des Jobs sehen und sich mit Vorliebe zum Frühstücken verabreden wollen. Weil wir doch schliesslich eh jeden Mittag im Cafe sitzen. Oder Samstags nachmittags verwundert fragen, was und warum man denn gerade arbeitet.

Schön sind auch die Leute, die das „Büro in der Mendener Altstadt“ dazu nutzen, sich dort zu verabreden – weil ja eh der halbe Bekanntenkreis da arbeitet, da kann man dann nett mit allen plaudern („Machst Du das bei D. in der Firma auch?“ – „Wieso, da kann ich doch nicht einfach die Arbeit stören …“)

Vielleicht lade ich disen Teil meines Bekanntenkreises demnächst auch mal zu einem Praktikum ein. Damit sie mal sehen, wie es läuft. Wie anstrengend und wie wunder-wunderschön.


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