Was braucht man heute?

Aus der Kategorie »just people«

Gerade hab ich sie im Lieblingsforum mal wieder gelesen, die Frage »Was muss man heute so auf einem Computer haben“«
Der Schreiber wollte einem Bekannten einen PC „fertigmachen“ und hatte auch gleich selbst ein paar Ideen: ZoneAlarm, AntiVir, Mozilla, Thunderbird, Fiefox, PaintShopPro, WinAmp, HexEditor2000, IrfanView. Außerdem kündigte er recht offen an, dass er natürlich auch „andere Software“ besorgen würde, über die (oder über deren Quelle) er im Forum nicht sprechen darf. (Ich nehme an, dass da z.B. MS-Office professionell gemeint war)

Für mich bestätigt diese Frage wieder mal meine These, das die meisten Menschen gar keinen Computer zu Hause brauchen.
Sie wissen gar nicht, wofür.
Eigentlich brauchen sie meist nur einen Internet-Client, um da nichts zu verpassen und nicht ausgeschlossen zu sein.
Aber mal im Ernst: Wer hatte denn bitte vor 10 Jahren eine Schreibmaschine zu Hause? Wer hatte eine gute Kamera und Alben voll mit den vielen tollen Bildern im Schrank? Keyboards und eine 8 – Spur – Maschine? Oder eine Videokamera und einen Schnittplatz?

Es ging dem Frager ja offensichtlich gar nicht darum, was sein Bekannter eventuell für Bedürfnisse haben könnte – er wollte ihn nur auf einen (wo auch immer definierten) Stand der Technik bringen.
Natürlich weiß ich, wie die Ausbreitung einer neuen Technik funktioniert – erst nur die Freaks, dann die interessierten Reichen, dann kann es billiger werden und damit kaufen mehr Menschen und schon ist es Standard und alle haben es (Mal ganz verkürzt).

Aber ist es nicht mal die Frage wert, was wir alle damit machen? Wozu braucht jemand, der sich jetzt „auch endlich“ einen PC zu Hause hinstellt eine Datenbank und eine Präsentationssoftware? Für die drei Kochrezepte, die man schon immer einmal sammeln wollte?
Wozu eine professionelle Bildbearbeitung? Um aufwändig die roten Augen bei den 436272 Fotos der letzten Weihnachtsfeier zu entfernen?
Selbst Word? Für die beiden Briefe im Jahr?
Einen Hex-Editor? ???
Eine Tabellenkalkulation? Taschengeldplanungen in Relation zu möglichen Urlauben unter Einbeziehung der allgemeinen Teuerungsrate bis zum Abitur des Jüngsten?

Wer von Euch hat sein MS-Access schon einmal wirklich benutzt?

Versteht mich nicht falsch – natürlich kann das alles jedem von uns viel Nutzen bringen. Und ich will garantiert niemanden von irgendetwas ausschliessen.
Aber wäre es nicht einmal schlauer, den Standpunkt zu wechseln? Erst einmal zu schauen, was man eigentlich will?
Keine Frage: Es ist toll, so viele Möglichkeiten zu haben. Aber ist es auch toll, an den meisten sofort zu scheitern – weil auch das tollste Videoschnittstudio nun mal noch keinen Filmemacher aus uns macht. Und Photoshop keinen Grafiker. (Anwesende ntürlich ausgeschlossen)

Ich stelle Menschen lieber erstmal einen relativ leeren Computer hin.
Um die drei Briefe auszudrucken ist Wodpad prima – da kann man auch gleich die Grundlagen(!) einer Textverarbeitung lernen.
Dazu einen Browser, einen Mailclient und eine InternetByCall-Verbindung.
Und vielleicht noch Irfan, weil der mehr Bildformate anzeigen kann als der interne Windows-Betrachter.
Und wer dann merkt, dass es mehr Möglichkeiten gibt, der kann sich auch entsprechend mehr Software besorgen. Tun die wenigsten. Manchmal nach ca. einem Jahr einen Scanner. Und zwischendurch vielleicht mal ein paar Spiele. Dafür sind die dann glücklich mit einem Rechner, den sie ziemlich durchschauen und der sie selten überfordert.
Und das finde ich verflixt mehr wert, als einen nicht benutzten State-of-the-Art – PC in der Ecke.


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