Handwerker. Oder: Marktwirtschaft im Jahr 2005

Aus der Kategorie »just people«

a) Der Elektriker.
Ist quasi verwandt, da kann man ja hoffen.
Sonntag Abend noch schnell telefoniert, ja er kommt Montag Morgen um acht.
So gegen viertel nach neun trudeln sie zu dritt ein (»wir wussten ja gar nicht, wo die Strasse ist«) und »wollen erst mal schauen, was zu tun ist«.
Hatten wir vorher erklärt: An drei Stellen sollten Deckenanschlüsse an eine andere Stelle verlegt werden.
»Ah, da müssen wir ja … (Pause) Wir fahren dann mal Werkzeug holen«
Aha? was habt Ihr denn in Eurem Bulli? Eiscreme?

Ich nutze dann die Zeit und fahre kurz Müll zur Kippe.
»Musse aber um zehn wieder da sein, wir brauchen ja nicht lange.“
Ich bin um zehn wieder da.

Um zwölf ruft das Büro an und teilt mit, es »wäre etwas wichtiges dazwischen gekommen«
Bin ich nicht wichtig? Wie wird man so ein VIP-Kunde?
Um zwei sind sie wieder da; der Rest lief gut.

b) Der Maler.
Hatte uns bei der Vorbesprechung versprochen, es gäbe Putz, den man über Tapete streichen kann.
Hatte dann Freitags bevor er loslegen sollte festgestellt, dass er sich da wohl falsch erinnert hatte. Und er dann mit der Zeit nicht hinkommen würde.
Hat er uns dann montags um acht gesagt, als es losgehen sollte. »Wobei … wenn ich ihm vielleicht helfen könnte, die Tapeten abmachen …?«
Ratet mal, wem jetzt drei Tage fehlen.
Ausserdem hat er mein Werkzeug verschlunzt, das Parkett grossflächig nicht abgedeckt, mit seinem Dauerqualmen das Haus auf Monate konterminiert, diverse Schalter und Steckdosen verklüngelt und …
Tatet mal, wer den Aussenanstrich nicht macht.

c) Der Rolladen-Notdienst.
»Ja, klar, wir können heute nachmittag kommen – ah, der Maler wartet auf uns?«
Ja.
»Dann beeilen wir uns«
Toll.

»Ja, sorry, das hat gestern nicht geklappt, können wir heute kommen? Ist jemand da? Oder.. ist es dringend, sonst kämen wir morge …?«

d) Der Klempner 1
Über eine Ecke bekannt, da kann man ja hoffen (hatten wir das nicht schon einmal gedacht?)
Montag Abend noch schnell telefoniert (die Geschichten gleichen sich, nicht wahr?), ja, er kommt dann am Dienstag Nachmittag.
Dienstag Abend nachgefragt.
»Ja, sorry, hat nicht geklappt, kann ich dann Donnerstag kommen?«
Donnerstag kommt er, hängt die neue Heizung auf und stellt fest, dass er das Silikon zum Abdichten der Dusche vergessen hat. Abgesehen davon, dass ich als Klempner auch ausgerechnet Silikon natürlich nie dabei hätte, wusste er doch, dass er die Dusche abdichten … ach lassen wir das.
Duschen wir eben erst am Sonntag morgen – wer will schon am Abend nach einem Umzug Duschen?

e) Der Klempner 2
Montag: »Ja, klar können wir Ihnen Spüle und Aramtur anbringen, aber heute klappt nicht, ich ruf Sie dann morgen an, wann unser Mann dann morgen kommt.«
Dienstag: ich habe ja aus a) bis d) gelernt und rufe direkt um acht an. »Ja, ist der noch nicht da? Der hat das heute auf dem Zettel stehen, der muss gleich bei Ihnen sein!«
Wollten Sie nicht anrufen?
»Ja, er kommt ja gleich!«
Das war zwar nicht meine Frage, aber …
Naja.
Um zehn klingelts dann und ein fröhlicher, freundlicher kompetenter Klempner bringt uns die IKEA – Power – Profi – Angeber – Superarmatur, die beim letzten Einkauf dann doch noch in den Wagen gehüpft ist an die neue Spüle an.

Fazit: Leute, Leute, wenn Ihr in der freien Wirtschaft wäret, Ihr wärt längts …
Ach ja, Ihr seid ja in der freien Wirtschaft.
Das könnte einiges erklären.
Warum halten wir Webdesigner unsere Abgabetermine eigentlich immer ein?


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