Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Pfingstjazz in der Nachbarstadt

Die geneigte Leserin weiss es: Wir waren beim ersten Iserlohner „Jazz an Pfingsten zwischen den Kirchen“ – Festival (oder so ähnlich).
Nach des Nachbarn Reggae-Band spielte da die Jazzkantine.
Ich habe diese Truppe seit den Pressemeldungen über das neue Projekt, das sich da zusammenfand mit grossem Interesse verfolgt und bin immer wieder etwas traurig, nach dem Auf- auch wieder den Abstieg einer klasse Band so miterlebt zu haben. Dabei grooven die immer noch wie Hulle.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte:
Neben mir stand die Muckermafia.

Für die nicht-Musikerinnen unter den Leserinnen: Die Muckermafia steht meist mit verschränkten Armen und versteinerter Miene in der ersten Reihe, kennt mindesten einen der Leute auf der Bühne persönlich, rührt sich den gesamten Gig lang nicht einen Milimeter vom Fleck, versaut damit gerne mal die Stimmung auf der Bühne, weil man denkt, dass keiner tanzt und behauptet hinterher, total begeistert zu sein. Aber Musiker tanzen eben im allgemeinen nicht.
Ausserdem nehmen sie Dir nach dem Gig jede Note auseinander „den Abgang im zweiten Solo von … hättest Du aber lieber im 5 Bund spielen sollen, Deine 54er Stratocaster hat doch diesen Dead-Spot am 9. Bund auf der G-Saite. Und wenn Du so um die 473Hz noch 0,5 dB dazugeben würdest …„.

Drei Muckermafiosi waren gestern zusammen da.
Ein Schlagzeuger, ein Saxophonist, ein reiner Musik-Konsument. Geschätztes Gesamtalter der drei: 54. Aber Ahnung für das dreifache an Lebensalter.
Eigentlich war für die drei schon nach dem Intro der Auftritt der Kantine vorbei: „Total versaut, sag ich, der Depp hat das Stück straight gespielt, dabei muss das doch geschuffelt“ wusste der Drummer. „Und das Sax, total verstimmt, so ein Idiot“, konnte der Bläser hinzufügen. Der Konsument beeilte sich „Genau, genau!“ hinzuzufügen, damit er weiter mitreden durfte.
Beim zweiten Stück grovten die drei dann eigentlich – so lange sie gegenseitig unbeobachtet waren – ganz locker mit. Aber Beifall durfte nicht sein, weil:
Total versaut, sag ich, der Depp hat das Stück straight gespielt, dabei muss das doch geschuffelt
„Und das Sax, total verstimmt, so ein Idiot“
Genau, genau!

Und so ging das weiter.
Zum Schiessen.

Ich fürchte, wir waren auch so.

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