Es gab ein Konzert am Wochenende

Aus der Kategorie »just people«

OK. Ich auch.
Natürlich habe ich das Live8 Konzert geguckt.Natürlich habe ich auch ein bisschen Live8 geguckt und mir die nächtliche Wiederholung aufgenommen.
Wo schon ein Unterschied zu dem Original liegt, denn damals rannte ich mit dem sicheren Gefühl, etwas wirklich wichtigen beizuwohnen hektisch durchs Haus – immer auf der Flucht vor wohlmeinenden Eltern, die das mit der Popmusik eh immer bedenklich und auch sonst alles gar nicht so wichtig fanden.

Zurück zum Wochenende: Wir haben ja nun alle an diversen Stellen gelesen, dass es das Konzert nicht bringt, dass es der Schuldenerlass nicht bringt, dass es Bono nicht mehr bringt und so weiter.
Trotzdem hatte ich zumindest ein bisschen wieder das Gefühl, etwas großem beizuwohnen.
Mich hat die gesamte Konsens-Betroffenheitsschiene damals beeinflusst. Ein paar Jahre später, nach dem Nelson-Mandela-Birthday-Concert war ich sogar kurz bei Amnesty.
»Das machte man damals so«, bin ich geneigt zu sagen, aber das klingt so zynisch.
Aber: Ist es schlechter, sich mit den Ungerechtigkeiten der Welt als mit den J*mba-Nummern zu beschäftigen? Nur weil es so achtziger ist? Oder brauchen wir den Zynismus, den wir uns alle so sorgsam zurechtgebastelt haben, weil wir es sonst nicht mehr aushalten?
Ach .com…

Naja, eigentlich wollte ich ja auch zu den Musikern was schreiben.
Aber auch hier: ein Dilemma.
Generell geht es mir ja so, dass ich bei solchen Events merke, dass wirklich gute Musiker (eine Definition dieses Begriffes findet die geneigte Leserin übrigens bei der Kaltmamsell in den Comments, die ich für ihre Sicht der Dinge eh wieder mal liebe und bei der es in den Kommentaren richtig abgeht) …

Wo war ich? Ach ja: Normalerweise merke ich, was den Unterschied zwischen richtig guten Musikern und aktuellen Eintagshypes ausmacht. Freue mich daran, wenn dann ein paar sog. alte Herren mit ihrer Bühnenpräsenz selbst unter so ungünstigen Bedingungen zeigen, dass es etwas mehr bedarf, als ein, zwei nette Liedchen und ein paar gut einstudierte Schrittfolgen.

Dummerweise waren die alten Herren, die ich bis jetzt so gesehen habe so überflüssig wie nur was.

Die Bon Jovi-Choreographie (jaha, auch sowas kann man einstudieren) konnte ich auf den Zentimeter vorhersagen, weil ich ihn ja letztens noch bei 3sats 24-Stunden-Pop gesehen hatte. Gruselig.

Der von anderen so hoch gelobte Pink Floyd-Auftritt kam mir vor wie ein in 100-seitigen Veträgen sorgsam ausgehandeltes Umeinanderschleichen zweier Geschäftsmänner. Wahrscheinlich war es auch genau das. Auch gruselig.

Den guten PauleSir Paul sehe ich ja seit Jahren nur noch als ein Abziehbild, der hauptsächlich dazu da ist, um zeigen, dass die Rolle des Genies damals schon an John und die des Musikers an George vergeben waren. Und dass er – bloss weil er nicht der stille Drummer werden wollte eben bei »Schwiegersohn« schnell »That’s me!« gerufen hat.

Die Hosen, denen ich das am ehesten noch abnehme, was sie da tun sind fix in den Nachmittag verbannt worden. war ja auch wieder laut…

Madonna habe ich nicht gesehen. Was verpasst? Nee, oder?

Den Hype um Mr. Seltsam und wie ich lernte Collge-Pop zu mögen Stipe habe ich noch nie verstanden.

Elton John? Ok, der hat sich wenigstens schon lange nicht mehr ernstgenommen. Oder doch? Mit ein paar erfolgreichen Musicals im Rücken ist man leicht mal etwas lockerer. Aber dann hätte er doch auch statt eines UraltMedleys ein bisschen was aus König der Löwen (oder was es auch immer war) spielen können. Mehr Mut, Mr. John, sage ich da!

Björk war cool, da hätte ich gerne mehr gesehen.

Mr. Ashcroft? Coldplay? War Britpop nicht mal gefährlich?

Eine ganz schön lahme Veranstaltung jedenfalls. Vielleicht können die desqwegen alle besser mit Klingeltönen als mit E-Gitarren…

Und im Endeffekt hat der ARD-Sprecher es dann doch gut zusammengefasst: »Wir bedanken uns, dass Sie es mit uns ausgehalten haben … Und vor Weihnachten gibt es bestimmt auch eine Reihe mit DVDs dieses grossartigen Events.«
Na, dann ist ja alles gut.

Mist, doch wieder zynisch geworden.


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