Guess who’s back

Aus der Kategorie »just people«

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23.07.
Liebes jawl,

ab jetzt bist Du ein paar Tage ein Reisetagebuch.

Wenn ich das nächste Mal fahre, erinnere mich übrigens daran, dass ich am Abend vorher nicht noch Gäste – auch wenn ich sie noch so gerne mag – einlade, 4 Stunden Schlaf sind zu wenig, wenn man danach 12 Stunden Auto fahren willmuß.

Weitere Erkenntnisse des heutigen Tages:
Wenn man nachts in Deutschland (muß mir mein Tippfehler "Deutschöland" etwas sagen?) fährt, kann man ziemlich problemlos eine Durchschnittsgeschwindigeit von über 140 halten.
Das Panini an der letzen deutschen Raststätte vor Mulhouse ist ekelig.
Französische Raststätten sind eh viel geiler.
Die Franzose haben eine durchgängige Verkehrsfunkfrequenz für das ganze Land. Da laufen dann den ganzen Tag die Verkehrsmeldungen. Auch gelegentlich in Englisch. Geil.
Nach 14 Stunden Fahrt ist man echt müde. Ich geht jetzt schlaf…

24.07.
Ok, da bin ich wieder, liebes Tagebuch.
Also, wir sind hier in Port Camargue.
Wie Du da lesen kannst, ist das der größte Yachthafen Europas.
Wie Du da nicht lesen kannst, ist das sehr sehr schön, und es gibt ein Appartmenthaus – ok, das ist gelogen, es gibt unzählige Appartmenthäuser – aber es gibt eben eins, in dem wir jetzt sind.
Es erinnert auf den ersten Blick an alte, unseelige Studentenwohnheimszeiten …

… ist dann aber echt ok.

Man wird abends vom Balkon aus mit diesem recht ansehnlichen Blick belohnt …

… und in 4 Minuten ist man zu Fuß am Strand. Der ist vor allem abends super leer.

Aber auch tagsüber findet man noch genügend Platz, ohne gleich die Schweissperlen des Nachbarn zählen zu müssen.

Der Ort selber ist zwar schon ziemlich touristisch – vor allem, wenn man sich die schon erwähnten Appartmenthäuser mal unter einem architektonischen Blick anguckt.
Aber: Angenehmerweise finden sich hier eben nicht die typischen Touri-Cliquen und man hört auch hauptsächlich französische Gespräche. Das machts doch gleich sympathisch.
Und auch die Altersstruktur der Besucher passt eher zu gepflegtem "Ich schippör‘ ‚ier mit meinör Yacht ein bisschen ‚um" als zu "Voulez vous sie wissen schon schnick schnack die ganzö Nacht dass die Wändö wacköln?"
Sehr angenehm, wenn man mehr die Ruhe als die Party sucht.
Außerdem wohnt und arbeitet L. ganz in der Nähe und deswegen sind wir ja schließlich auch hier.

25.07.
Nachdem wir gestern ja eigntlich nur angekommen sind und uns ein bisschen an das Klima gewöhnt hatten (und wir haben wohl Glück, im Moment ist so nur so um die 30°, in der letzten Zeit waren es wohl meistens eher 40°) sind wir heute mal ein bisschen rumgefahren.
Wir sind in Nimes gelandet.
Wie Du da ja lesen kannst, liebes Tagebuch, ist Nimes eine alte Römerstadt und so findet man logischerweise auch diverse römische Überbleibsel.
Ich hatte noch nie antike Römerbauwerke gesehen und war dementsprechend sowohl vom Amphitheater…

als auch vom Tempel Maison Carrée

sehr beeindruckt.
Beide sind sehr gut erhalten – das Amphittheater wird auch heute noch genutzt.
Nicht mehr mit Gladiatoren und Löwen, sondern von Rammstein und Anastacia, die diese Woche hier waren.
Passt ja irgendwie.
Gegenüber vom Tempel hat Norman Foster ein Museum gebaut. Der alte Trick »wenn Du in einer Altstadt etas modernes bauen willst, nimm Glas, dann spiegeln sich die alten Fassaden und es sieht trotzdem sehr modern aus« hat auch hier gut geklappt.

Leider haben – wie auch sonst überall in der Welt – montags die Museen geschlossen, so dass wir die Ausstellung nicht sehen konnten.
Überhaupt scheint der Montag in Frankreich so ein bisschen dem Samstag bei uns zu ähneln; samstags arbeiten alle voll durch, dafür wird montags dann der Hund begraben.

Später am Tag sind wir dann noch den Berg hinter L.s Ort (Calvisson bzw. St. Come) hochgefahren – und das hätten wir deutlich eher machen sollen.
Ich habe überlegt, ob ich Dir ein kleines Video mitbringe, damit Du eine Vorstellung davon bekommst, wieviel Lärm eine Million Grilen und Zirkaden machen, aber habs dann doch verworfen.
Computerlautsprecher sind dann doch deutlich zu leise.
Und so bekommst Du nur ein sehr breites und dementsprechend flaches Panoramabild. Mal sehen vielleicht mach ich die noch clickable…
Voila:

26.07.
Heute waren wir in Avignon, liebes Tagebuch.
Also jedenfalls später, nachdem wir uns am Strand den Bauch ein bisschen mit Sonne haben bescheinen lassen.
In Avignon findet man eine völlig erhaltene Stadtmauer, eine vielbesungene Brücke, einen Papstplast und wenn man Glück hat auch ein Theaterfestival und an jeder Ecke Straßenkünstler.
Wir hatten Glück.

Aber der Reihe nach.
Der Altstadtkern ist also wie erwähnt noch immer von einer völlig intakten Stadtmauer umgeben. Angeblich kann man auf dieser Stadtmauer spazieren, aber dazu muß man einen Aufgang finden. Hm.
Wenn man nicht weiß, was man tut beschließt man, direkt an der Stadtmauer zu parken, weil man dann nicht so weit laufen muß. Man muß schon irrwitziges Glück haben, um dann da auch wirklich einen Parkplatz zu finden, also parkt man als normalsterblicher Tourist besser ein bisschen weiter draußen.

Wir hatten übrigens irrwitziges Glück und haben hier geparkt …

… und konnten direkt in die wunderbare Stadt eintauchen.
Avignon ist eine tolle Mischung aus wunderschöner, alter Stadt mit eben der Mauer, alten Stadtvillen, engen Gassen …

… Kirchen und aber auch sehr modernen Bauten sowie Straßen mit allen Möglichkeiten, die so ein Mädchenherz zum Shoppen begehrt.

Das haben so gegen 1309 auch ein paar Päpste erkannt und sind einfach nicht nach Rom gezogen.
Für die knappen 100 Jahre, die dann der Papst jeweils in Avignon saß haben sie sich fix diesen schmucken Palast mit angrenzender Kirche gebaut.

Irgendwann hat dann jemand beschlossen, dass der Papst aber doch in Rom zu sein hätte, dann gabs eine Zeit lang mehrere Päpste und dann war wieder alles gut. Wikipedia weiss wieder mal mehr.
Aber den Palast haben sie stehen lassen.
Im Palast durfte ich leider nicht fotographieren, aber man kann sich schon vorstellen, dass es sich darin aushalten ließ.

In der Stadt ist außerdem gerade das berühmte Theaterfestival, so dass sich an jeder Ecke lustig bekleidetelustige Straßenkünstler …

… und kleine spielende Gruppen fanden. Sehr nett – wenn man die Chance hat, sich den Zeitpunkt für einen Avignon-Besuch auszusuchen – zu diesem Festival ist ein guter Termin.

Ach ja, dann gibts da ja noch die berühmte Brücke.

Über die tanzt kein Mensch, die ist nämlich eigentlich eher an einem Ende ziemlich kaputt und dementsprechend tanzt man eher darunter.
Liebe Kinder merkt Euch also: Kinderlieder lügen. Immer. Alle.

Trotz der Brückenlüge bleibt das Fazit: Wow. Wunderschöne, sehr lebendige Stadt mit einer tollen Mischung aus alt und neu.

27.07.
Heute war es heiß. Unerträglich heiß.
Mehr bleibt nicht zu sagen.
Naja, velleicht noch, dass Montpellier halt eine moderne Großstadt ist.
In der es heiß war. Unerträglich heiß.

28.07.
Heute waren wir in Arles.
Wobei ich vielleicht an dieser Stelle mal einschieben sollte, dass so ein Satz "heute waren wir in Xy" bedeutet, dass wir irgendwann nachmittags nach L.- oder Strandbesuch und der nötigen Mittgsruhe – die Spanier sagen auch Siesta – dann mal losgefahren sind, um den späten Nachmittag und den frühen Abend irgendwo zu verbringen. Sonst klingt das hier noch unangemessen fleissig.
Arles also.

Arles hat ebenfalls eine ganz gut erhaltene Arena, die man sogar zu normalen Zeiten besichtigen kann:

In der Arena wurden gerade wilde Dinge aufgebaut, die ein bisschen an eine Kulisse für Spiel ohne Grenzen erinnerten. Wobei wir gefürchtet haben, dass dort diesmal ein Stier ohne Grenzen bespielt wird – man pflegt hier nämlich den Brauch des angeblich ach so edlen Kampfes gegen wehrlose Tiere.
In manchen Städten ohne Waffen – da geht es nur darum, dem Stier elegant aus dem Weg zu gehen und der Stier darf überleben und auch mehrmals antreten; mit so etwas kann ich noch ganz gut leben.
In manchen geht es aber eben auch darum, in der bekannten Art das Tier langsam hinzumetzeln.

Vom Turm aus hat man außerdem einen wunderbaren Blick über die alte Stadt, die Rhone und in die Camargue hinein:

Exkurs: Das Wort Camargue habe ich ja übrigens das erste mal in einem mit 16 im Rahmen einer Mutprobe gekauften Playboy-Heft gelesen.
Da gab es eine dieser Fotostrecken – Ihr wisst schon, diese Bilderseiten, die die hervorragenden Interviews unterbrechen, wegen denen Ihr das Heft kauft – die wohl laut begleitendem Text in der Camargue aufgenommen war. Ich hatte jahrelang eine wirre Vorstellung von endlosen, sehr amerikanischen Ebenen mit Horden von Wildpferden. Und dem aufregenden Beigeschmack nach, den das Wort
Camargue jahrelang noch hatte spielten vermutlich auch wohlproportionierte unbekleidete Frauen auf den Pferden eine Rolle. Naja, was so eine Interview-Unterbrechung so alles in ein 16-jähriges hormongestörtes Hirn einpflanzen kann… Exkurs Ende.

Ein paar Meter neben der Arena steht dann noch der Rest* eines alten Amphittheaters (wieso habe ich denn bitte hier keine Photos? Na, wenigstens Wikipedia hat.). Ich fands recht beindruckend und war definitiv neidisch auf die Band, die gerade Sound-checkte um abends dort spielen zu dürfen, aber S. meinte so etwas wie »Also das in Orange ist ja viel besser erhalten« und zeigte sich einigermassen desinteressiert.
Naja, ist halt alles eine Frage der Relationen.
*) auch das Wort "Rest" ist sehr relativ – das Halbrund mit den Sitzreihen ist komplett erhalten, es fehlt halt nur der Bau an der geraden Seite …

Rund um diese beiden historischen Überbleibsel der Römer zieht sich eine verwinkelte Altstadt,

die uns jetzt aber irgendwie nicht so gefallen hat. Kleine Gassen mit vielen kleinen Läden, Cafes und Restaurants …

… – eigentlich sehr nette Rahmenbedingungen, aber irgendwie haben sie das mit dem Schönmachen und der Verkehrsführung nicht hingekriegt und so bleibt der Eindruck von hektisch, übervoll, laut, verwinkelt und unübersichtlich.

29.0629.07
Der letzte Tag – ein fauler Tag.
Wir waren noch ein bisschen ohne Fotoapparat im Aquarium von Port Camargue und in Le Grau du Roi unterwegs, haben da nett am Fischereihafen zu Abend gegessen.
Letzter-Tag-chillen sozusagen.

30.06.30.07.
Rückfahrt.
Wir lernen: Die spinnen, die Franzosen. Glücklicherseise hatten wir von L. gelernt, dass samstags alle(!) Franzosen entweder von Paris aus an die Küste oder von der Küste aus wieder nach Paris fahren und sind ziemlich gähnend so gegen 4 aufgebrochen.
Dass das die absolut richtige Entscheidung war merkten wir, als wir auf der Gegenseite die ersten 5km-Staus bewundern durften (morgens um5!); da hatten die aus Paris wohl ähnliche Ideen gehabt.
Die Staus in Richtung Süden wuchsen dann auch noch auf fröhliche A7-Verhältnisse an.
Wir sind gut durchgekommen, haben dann in Deutschland gehört, dass hier wohl auch absolutes Chaos war und sind mit unseren absolut entpannt verbrachten 13 Stunden für die1225 Kilometer sehr sehr zufrieden.
Dann bin ich ins Bett gefallen, um Euch möglichts früh heute Morgen unseren kleinen Reisebericht präsentieren zu können …
Voila.


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