üben, üben, üben

Aus der Kategorie »just people«

Sonntag Mittag an einer Mendener Tankstelle.
Ich stelle mich mit dem Fahrrad vor dem Regen unter und beobachte ein wenig das Drumherum.
Ein paar Meter weiter steht ein vielleicht 18-jähriger junger Mann. Schmächtig, in eine etwas zu weite Tankstellenuniform gesteckt. Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen, die Arme vor der Brust verschränkt, sichtlich genervt davon, dort zu stehen.
Wenn ein Auto kommt bewegt er sich im Zeitlupentempo dorthin und spricht – deutlich und lange geübt ohne den geringsten Blickkontakt aufzunehmen – den Fahrer an: »Öl gucken?«
Die Arme bleiben dabei vor der Brust, der Körper zurückgelehnt.

Erster Gedanke: Jetzt gehst Du rein und fragst, ob ihnen bewusst ist, dass der junge Mann geschäftsschädigend ist.

Zweiter Gedanke: Warum macht er den Job, wenn er es gar nicht will. Ok, Antwort selbst gefunden.

Dritter Gedanke: Wer hätte ihm eigentlich beibringen müssen, was er jetzt gerade nicht kann? Die Schule? Die Eltern? Die Bild? Warum empfinde ich jedes mal, wenn ich aus einem Auslandsurlaub wiederkomme die Deutschen als hässlich, verbittert, unfreundlich? Ist die Antwort auf all das 42 die selbe?

Jede dumme Zeitung ruft laut, wir müßten uns bewegen, wir müssen einen Ruck durch unser Land gehen lassen, wir müssen aufeinander zugehen, zusammenrücken und die Solidarität aus der alten DDR, die war wenigstens noch was.
Aber dieses dummearme Kind hat nicht begriffen, dass es allen Beteiligten und nicht zuletzt ihm selbst das Leben einfacher macht, wenn er die Menschen, mit denen er spricht anschaut und ganze Sätze formuliert.

Als ich in der 12. Klasse war, rutschte ein neuer Jahrgangskollege zu uns, der ein Jahr in den USA verbracht hatte. Die nächsten eineinhalb Jahre waren hart für ihn, denn er hatte in einem Jahr amerikanischen Schulsystem gelernt, in ganze Sätzen zu reden. Wollte hier aber keiner. Einmal ist er rausgeflogen deswegen – weil die Lehrerin sich verarscht fühlte, weil er ihre Frage in seiner Antwort aufgriff, um dann sprachlich zu seiner Lösung zu kommen. Soweit liess sie ihn nicht kommen. Ganze Sätze waren nicht erwünscht. Mitdenken auch nicht.

Ich glaube, dumm machen sie das nicht, die Amis. (Vieles andere ja, keine Frage) Wir alle haben das Bild von Charlie Browns kleiner Schwester Sally vor Augen, die bereits in ihrem ersten Schuljahr vorne steht und Hausaufgaben vorträgt.
Die wird ihr Leben lang den Menschen in die Augen blicken, wenn sie mit ihnen spricht.

Vorschläge Nummer 1? Ach so, Nummer 1, sie haben gerade mehr damit zu tun, Ihren Posten nicht zu verlierenIhren Posten stilvoll zu verlassen.
Na dann…


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