Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Kleine Teilchen, große Geschwindigkeiten, Gott und die 42

Wenn 15 Menschen sich freiwillig und mit großer Vorfreude einen Vortrag über Kernforschung anhören, dann ist das zumindest etwas außergewöhnlich.
In Düsseldorf gibt es die Kommunikationsagentur Trafodesign. Die machen relativ regelmäßig einen sogenannten Monatsvortrag.
Monatsvortrag heisst, dass ein Mensch vorne steht und über etwas erzählt, was er mag, was er macht, was ihn begeistert, womit er sich so beschäftigt. Muss gar nichts mit Design zu tun haben, kann aber. Und die Trafodesigner laden sich noch ein paar Gäste dazu ein, alle sitzen zusammen und hören zu.
Und haben – das ist mein persönlicher Erfahrungswert nach 3 Monatsvorträgen jede Menge Spass daran.
Das Rezept ist ebenso simpel wie gut: Einer erzählt und alle nehmen es ernst. Stellen – wenn es zum Beispiel ums Kino geht – Popcorn und kleine Colafläschchen hin und spannen eine Leinwand auf. Oder stehen mit Angelruten im Hof. Kleiner Aufwand, große Wirkung.
Die Themen, die ich so im Rückblick und teilweise eben auch selbst mitbekommen habe reichen vom Fliegenfischen bis zum Kinovorspann, vom Zeichenseminar bis zum Jahresbereicht großer Erotikunternehmen.
Für Abwechslung ist also gesorgt.

Erster Teil der Lobhudelei also: Bravo, liebe Trafodesigner für die Monatsvorträge.

Zweiter Teil:
Gestern Abend sprach Dr. Reiner Krücken über Kernforschung. Oder über das, was die Welt zusammenhält. Oder über Elektronen (wenig) und Protonen (mehr) und vor allem über ziemliche Beschleunigungen.
Und darüber, wie die Wissenschaft gerade daran arbeitet, der Öffentlichkeit ein wenig klarer zu machen, was sie da so tun (und warum das soviel Geld kostet, wo doch gerade der Spritpreis…).
Die meisten sind zwar irgendwo zwischen der zweiten und dritten Elektronenbahn rein fachlich ausgesteiegen, aber schon alleine das Zuhören machte Spass: Wenn man zwischendurch die Antwort bekommt, das am Ende als Weltformel ja eh „42“ rauskommt und Hinweise auf den Babelfisch und die „mostly harmles“ Sonne nicht fehlen kann man sich vorstellen, wie der Vortrag war.
Genau. Kurzweilig, interessant und einfach toll.

Zweiter Teil der Lobhudelei also: Bravo, sehr geehrter Herr Krücken für den Abend.

Den wir übrigens bei einem Bier noch in der Kneipe zwei Ecken weiter fortgeführt haben. Mit verschiedenen Gottesbildern und detaillierten Überlegungen darüber, ob es sich eigentlich lohnt, den alten Alchimistentraum zu erfüllen und Gold aus dem nichts zu schaffen. (Nein, es verbraucht zu viel Strom und ist somit unrentabel.)

Ein grandioser Abend also.
Muss ja auch mal gesagt sein.

Ps.: Ich persönlich – das muss auch noch eben gesagt sein – hatte übrigens meinen persönlichen Reichsparteitag (was ist das eigentlich für ein dämlicher Begriff??) hatte mein persönliches Highlight, als ich merkte, dass ich zumindest passiv komplett folgen konnte. Ich kann Euch jetzt wenig wiedergeben aber ich wusste die ganze Zeit, wovon der Mann sprach. Besten Dank also an dieser Stelle an meine Physik- und Chemielehrer. Muss wohl trotz Gnaden-Vier-Minus doch eine Menge hängengeblieben sein.

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