Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Was haben wir eigentlich früher gemacht?

Heute Morgen finde ich in der Tageszeitung einen Bericht über »Wetten dass..?«. »Gewohnt charmant« sei er gewesen, der Herr Gottschalk. Und auf der Couch sassen ja Frau Diaz und Madonna.

Ja und?
Wen interessiert das?
Also, wen interessiert das wirklich?
Ist eigentlich unser gesamter Lebensinhalt davon abhängig geworden, was uns das Fernsehen vorlebt?
Loriots berühmtes »Ich lasse mir doch von einer Kiste nicht vorschreiben, wo ich hingucke« ist doch längst von der Wirklichkeit meilenweit überholt – das Fernsehen ist völlig selbstverständlich Hauptthema, Lebensinhalt, Wissensquelle, Rolemodel, Peergroup, Unterhaltungsmittel, Meinungsmacher. Ohne dass es noch irgendjemand hinterfragt.
Außer ein paar bärtigen Spät-Achtundsechzigern, die eh niemand ernst mehr nimmt.

Letztens habe ich mit ansehen müssen, wie ein Saal voller Eltern, Erzieher, Lehrer und ein paar sogenannte C- und D-Promis sich um Erziehungsfragen und pädagogische Lösungen und Modelle unterhielten.
Nein, nicht unterhielten, das ganze war natürlich in eine amüsante Quizshow verpackt, man darf ja dem genormten Durchschnittszuschauer nicht zuviel zumuten. Und so ein Privatsender muss ja den kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenner treffen, sonst könnte ja jemand abschalten. Moderiert von einem Moderator, dessen Frechheit sich im Tragen von Turnschuhen zum Anzug erschöpft.

Eine Quizshow also.
Nichts gegen eine solche Show – da könnten sich interessante Gespräche ergeben.
Natürlich nicht mit den Promis, die ja darauf bedacht sein müssen, sich vernünftig zu prostituieren sich streng nach den Maßgaben des Managers und getreu des sorgfältig ausgearbeiteten Images darzustellen – nein, mit den Menschen könnten sich Gespräche ergeben.

Leider würde das sie Aufmerksamkeitsspanne sowohl des Moderators als auch des Publikums sprngen und so bleibt alles doch sehr oberflächlich.
Naja, so weit, so übel.

Was ich wirklich gefährlich fand war die Auflösungsrunde mit Frau Saalfrank, besser bekannt als »Super Nanny«.
Nicht, dass es dumm ist, sich eine Fachfrau in die Sendung zu setzen – gefährlich wird es, wenn so ein komplexes Thema wie Erziehung im multiple choice – Verfahren durchgehechelt wird und die Super Nanny dann die Lösung präsentiert.

So.
Jetzt wissen, wir, wie es geht.
Hat die Super Nanny ja gesagt.

Dass es Themen gibt, bei denen es kein allgemeingültiges »richtig« und »falsch« gibt, findet keine Erwähnung.

Dass Frau Saalfrank in ihrer Sendung (meiner Meinung nach) sehr vernünftige und gute Arbeit leistet, ist dabei noch pures Glück.
Dass Ihre Unterstützung Nadja Lydssan offensichtlich mehr nach passender Optik als nach anderen Kriterien ausgesucht wurde, zeigt worum es dem Sender geht.

Interessanterweise erinnern sich Fernsehmacher immer gerne an die gute alte Zeit™ in der ein Francis Durbridge Krimi noch die Städte menschenleer machen konnte.
Und wenn man sich einmal ansieht, welche Macht das Fernsehen heute hat, kann man nur froh sein, dass die Macher noch den alten Zeiten hinterhertrauern.

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