Wohngeschichten I – Wie ich auch einmal in einer WG gewohnt habe

Aus der Kategorie »just people«

Wenn ich Menschen spreche, die – wenn sie zum ersten mal mit jemand zusammenziehen – auch gleichzeitig das erste mal umziehen, bin ich immer etwas neidisch.
Ich bin inzwischen zehn mal umgezogen. Das bedeutet: ich besitze nichts mehr von früher, weil alles zig mal durch verschiedeneste Hände und LKWs ging.
Aber ich schweife ab – eigentlich wollte ich von meiner recht kurzen aber durchaus interessanten WG-Erfahrung erzählen.
Ich war gerade nach dem Zivildienst wieder kurz bei meinen Eltern eingezogen und suchte dementsprechend dringend eine Wohnung. Außerdem hatte ich gerade angefangen in Dortmund zu studieren – was lag also näher als direkt ins Ruhrgebiet zu ziehen?

Als ich dann auch noch Abends in der Kneipe einen flüchtigen Bekannten – nennen wir ihn mal Peter – traf, der erzählte, er hätte gerade eine tolle Wohnung gefunden, super günstig (stimmt), gut gelegen (naja, hinterm Bahnhof halt, aber immerhin nah an der S-Bahn), gerade renoviert (recht hübsch), und da wäre noch ein Zimmer frei. In die anderen beiden seien jetzt gerade er und eine Bekannte (nennen wir sie Petra), die er bei seiner Ausbildung kennengelernt hätt, die sei aber ganz nett und sie wollten doch lieber jemand bekanntes, weil die Wohnung ja zimmerweise vermietet würde.

Die Sache war dann klar, Anfang November begann ich, meine Sachen einzuräumen. So ganz eilig hatte ich es nicht – meine damalige Freundin wohne ja auch in der Stadt.

Anfang Dezember – ich hatte die Nacht bei meiner Freundin verbracht – kam Petra morgens in mein Zimmer und erklärte mir, sie würde ausziehen.
Weil: Letzte Nacht hatte sie sich „jemanden mit nach Hause gebracht“ und bei der Gelegenheit auf eine etwas doofe Art erfahren, dass Peter zwar nur ein Arbeitskollege war, der die ganze Geschichte mit der WG aber systematisch eingefädelt hatte, weil er total auf Petra abfuhr. Und zusammen wohnen ist ja ein guter Einstieg – vor allem, wenn dann noch jemand drittes in der WG lebt, der oft bei der Freundin übernachtet.
Dummerweise hatte er noch niemand ein Wort davon erzählt.

Letzte Nacht hatten sich dann also folgende filmreife Szenen abgespielt: Petra und ihr Gast kommen nach Hause und wollen Körperflüssigkeiten austauschen, Peter hört eine fremde Stimme, wacht auf, rennt raus, sieht, begreift und beginnt rumzubrüllen, dass nicht in seiner Wohnung und nicht jetzt und überhaupt. Und wie sie ihm so wehtun könne und was der typ denn jetzt hier solle und das komme jetzt nicht in Frage.
Petra schickt ihren Gast schon mal vor in ihr Zimmer und brüllt zurück, was das denn soll und was er sich denn einbildet und sie tausche Körperflüssigkeiten mit wem sie wolle.
Unsere Nachbarn eins weiter unten wachen auf und mischen sich mit Hilfe von rhythmisch gegen die Decke bewegten Besenstielen ein. Interessiert aber bei uns im Flur niemanden.
Petra geht irgendwann vögeln (mich beeindruckt bis heute, dass der Typ das abgewartet hat), Peter versucht das durch einsames weiter-rumbrüllen im Flur zu verhindern. (Mich beeindruckt wirklich sehr, dass der Typ geblieben ist.)

Am nächsten Morgen haben dann beide gekündigt – Peter ohne noch mit irgendwem ein Wort zu reden, Petra hat sich und die Situation immerhin noch erklärt.

Ich habe dann auch schnell gekündigt – die WG wurde ja zimmerweise vermietet und man weiss ja nie, wen man da so vorgesetzt bekommt. Wenn das schon mit Bekannten so schiefgeht…

Lustig war dann noch das Gespräch mit der Frau von der Ruhr-Lippe, die nicht verstehen konnte, warum innerhalb von zei Monaten alle wieder ausziehen wollten. Konnte ich ihr dann aber auch nicht so richtig erklären.


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