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Aus der Kategorie »just people«

(Das jawl sucht den Superstar)

In den letzten Tagen viel über den Begriff und das Phänomen »Superstar« nachgedacht.
RTL hat mit seiner Suche nach eben dem ja inzwischen Googles ersten Platz belegt, so dass man – nach den obskuren Internetregeln, denen wir hier alle so gerne folgen – davon ausgehen könnte, dass ein Superstar jemand ist, der von RTL gesucht, gemacht und produziert wurde. Steht ja so im Internet.
Sucht man mal danach, wer denn sonst noch so ein Superstar ist, wird das ganze schon differenzierter.
Da gibt es Artikel mit ähnlichen Problemen, wie ich sie wohl habe.
Da wird David Beckham gekürt und auch ein Stadion.

Andererseits kann man z.B. jedesmal, wenn die Rolling Stones aus der Gruft emporsteigen (Mist, 5 Euro ins Phrasenschwein) wieder auf Tour kommen / eine neue Platte veröffentlichen von den wahren Superstars lesen.
Auch Phil Collins, Robbie Williams, Tina Turner, David Bowie, Bono oder Michael Jackson werden gerne mal so genannt.

Und nun? Der Unterschied zwischen den gerade genannten und Alexander Klaws (Alexander wer??), … äh … ähm, ach achja, Ellie oder den aktuellen Kandidaten ist ja nun eklatant.
Und auch wenn die wenigen übriggebliebenen kreischenden Teenies das anders sehen und einfach jeden lieben, der auf einer Bühne steht und ihnen irgendetwas erfüllt.

Betrachtet man einmal den Begriff, so haben wir ja erst einmal den »Star«, den Stern. Also jemanden, der hell strahlt, heller als wir alle, die wir die dumpfe Masse bilden und aufblicken dürfen. Der hell strahlt, durch etwas was er kann und uns anbietet. Der also eine gewisse Ausstrahlung hat.
Verstärkt wird das dann durch ein vorangestelltes »Super«. Also nicht nur irgendwie Ausstrahlung, eine Begabung, ein Talent, das schon reichen würde, ihn aus der Masse herauszuheben – sondern noch mehr. Es muss schon jemand sein, der auch aus der Gruppe der Stars noch einmal heraussticht.

Cindy, Claudia, Linda und Naomi wurden in den 90ern zu den ersten Supermodels; vorher – z.B. bei Kraftwerk reichte noch der Begriff »Model« alleine aus, um uns einen wohligen Schauer den Rücken herunterlaufen zu lassen und ein bisschen neidisch auf eine Welt voller Schönheit, Geld und Koks werden zu lassen, die wir nie erreichen würden. Sie waren vermutlich die ersten, bei denen es keinen Grund mehr für das »super« gab, ausser einer Art self fullfilling prophecy, dass jemand schon angebetet werden wird, wenn wir nur oft genug behaupten, dass man ihn anbeten muss. (Dieses Konzept hat ja vor knapp 2000 Jahren schon einmal hervorragend funktioniert, aber das gehört nicht hierher)

Superstars im Musikgeschäft – um darauf zurückzukommen – müssen also auch etwas wirklich besonderes haben.
Um unsere Beispiele von oben wieder aufzugreifen: fast alle haben schon lange anhaltenden, internationalen Erfolg, sind Persönlichkeiten, die auch außerhalb einer Playbackbühne bestehen und ein gewisses Profil bieten. Sie haben eine Geschichte, sie haben Dinge erlebt, die sie geprägt haben und die zu ihrem Bild gehören. Sie haben Ausstrahlung und ein Talent, das sie von anderen abhebt – und sie haben über Jahre dieses Talent, diese Ausstrahlung erfolgreich der Öffentlichkeit vermitteln können.
Sie alle sind Persönlichkeiten, an denen man sich reiben kann – spontan fallen mir so Beschimpfungen wie »Kinderschänder«, »alte Säcke«, »Gutmensch«, »versnobter Schlipsträger«, »Psychowrack«, »will nicht alt werden« und »hätte nie vom Schlagzeug aufstehen sollen« ein. Ich denke, das kann jeder zuordnen.

Bleibt die Frage: was berechtigt einen 18-jährigen Jungen oder ein Mädchen zu der Hoffnung, dass eine Fernsehsendung, die schon zweimal ziemlich versagt hat ihn oder sie zu einem Superstar macht?

Ich schau es mit trotzdem immer wieder an. Vielleicht weil ich die Antwort suche.


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