You have to give a little, take a little.

Aus der Kategorie »just people«

Frau Pia schreibt über Praktikanten.

So sie denn will und aus meinem technisch leider etwas minderbemittelten Audiokommentar etwas heraushören kann werde ich dazu auch in ihrem nächsten Podcast etwas sagen, aber so ein Audiokommentar ist ja auch zeitlich sehr begrenzt und so wollte ich doch noch ein paar weitere Gedanken dazu loswerden.
In den letzten 5 Jahren mit WEBdsein haben wir eigentlich immer gerne Praktikanten bei uns aufgenommen.
Schülerpraktikanten genauso gerne wie Menschen, die für ihr Studium – welches auch immer – einige Zeit in einer Webdesign-Agentur oder ähnlichem nachweisen mussten.

Erste Frage, die sich stellt: Warum kommt ein Praktikant? Und: Was kann man ihm bieten?

Schülerpraktika in der 9. oder 11. Klasse dienen meiner bescheidenene Meinung nach eh hauptsächlich dazu, die Mädels und Jungs mal aus dem doch meist einigermaßen bequemen Schulalltag in einen Berufs-Tagesablauf hineinzuschmeissen. Mal fühlen, wie das so ist. Mal um 9 da sein müssen und bis 5 da sitzen.
Und daneben natürlich auch, um mal einen Blick in einen Beruf, den man sich schön vorstellt hineinwerfen zu können.
Wir hatten recht schnell für alle unsere Praktikanten eine Aufgabe herausgefunden, die sich wunderbar anpassen – oder wie man ja so schön sagt: skalieren ließ. Wer fitter war und vielleicht schon mit eigener Website kam, der konnte die 2 Wochen natürlich anders füllen als jemand, der interessiert kam, aber bisher das Internet nur konsumierend kannte. Wer html konnte und wollte bekam einen Quelltexteditor, die anderen GoLive.
Aber alle hatten hinterher eine Website "gebaut". Die sich natürlich auch gleich als Praktikumsergebnis schick in der Klasse vorzeigen ließ. (Wenn die Schulen an so etwas interessiert gewesen wären , aber das ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher)

Nebenbei haben wir dann noch unsere Partneragentur besucht und ein Treffen mit den Mediengestalter-Azubis arrangiert.
Haben vielleicht, wenn es sich ergab mal eine Druckerei oder einen Kunden besucht.
Haben morgens zum Start in den Tag auch mal ein reines Theorie-Stündchen eingelegt, damit man auch was lernt.
Und haben eigentlich immer ein offenes Ohr zwischendurch gehabt – egal ob da auf einmal die Frage kam, wie denn "das Internet überhaupt funktioniert" oder es nur um "Und wie geht der Tag für fett?" ging.
Und ehrlich gesagt auch in dem Luxus gelebt, zwei Wochen lang abends die Post nicht selbst wegzubringen und gelegentlich eine Kaffee an den Schreibtisch zu kriegen.

Ich denke auch rückblickend immer noch, dass wir da ganz nett waren.

Zweite Frage: Bringt einem das auch was?

Ausser Karmapunkten? Mir ja. Ich mag es, wenn jemand die Fragen stellt, die man sich selbst nach einiger Zeit nicht mehr stellt. Wenn mal jemand fragt, warum denn Tabellen schlecht sind (das ist leicht) oder warum denn eine Seite immer so und nicht anders oder warum man denn jetzt …
Man kommt endlich mal wieder dazu, sich ein paar Gedanken über seinen Job zu machen.

Nebenbei ist es – das muss ehrlich gesagt sein – auch anstrengend. Wenn man eh nur zu zweit – oder in dumm geplanten Urlaubszeiten – auch mal alleine mit einem Praktikanten ist, ist es anstrengend. Weil ja genau diese gerade noch hochgelobten Fragen auch tierisch nerven können. (»Das ist so, weil … weil … weil *stammel* … weil es eben so ist!«)
Und weil es anstrengend ist, wenn man sich die ganze Zeit über bewusst ist, dass da noch jemand im Raum ist, für den man verantwortlich ist. Und dem man es ja auch nett machen will.
Ich nehme das gerne in Kauf, für mich überwiegen da die Vorteile und die Karmapunkte, aber man sollte es vorher wissen.

Dritte Frage: Was muss man denn als Praktikant mitbringen? Muss man was mitbringen?

Jup. Sei neugierig. Mach den Mund auf. Wer zwei Wochen schweigt ist hinterher bestimmt auch nicht froh.
Und: Wenn Du keinen Computer bedienen kannst, dann lass es. Wer nicht weiss, wie man mit Windows oder modernen Betriebssystemen umgeht, wird in solchen zwei Wochen nicht glücklich.
Wenn Du schon mal mit Photoshop oder ähnlichem herumgespielt hast ist das toll. Wenn Du fließend html sprichst auch. Wenn Du fließend TCP/IP sprichst bist Du den meisten Arbeitgebern über. Wenn Du schon eine Website irgendwo hast ist das auch toll. Aber nicht wirklich nötig.

Wir haben immer eine schrftliche Bewerbung gewollt, weil das ein bisschen zum ernsthaften Umgang mit dem Praktikum gehört. Weil wir die zwei Wochen ja auch ernstgenommen haben.

Vierte Frage: Gibt es Regeln?

Klar:
Installiere nie etwas auf Deinem Arbeitsrechner. Nein, wirklich nie. Ich weiss, dass Du ein viel cooleres FTP-Programm kennst und dass die Trial auch prima läuft, wenn man das Systemdatum wieder zurückstellt. Aber: Nein. Nop. Nada. Stop. Niente.
Bleib von den P*rno-Sites. Klar sind die spannend und Mama kommt hier mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit rein als zu Hause, aber bitte lass es. Außerdem kann ich Deinen Bildschirm sehen.
Überhaupt kann man im Internet eine Menge Mist machen, den Du bitte sein läßt.
Ansonsten: Sprich mit Deiner Praktikumsstelle. Wer Praktikanten nimmt soricht auch mit ihnen. Frag halt.

Fünfte Frage: Das ging bis jetzt nur um Schulpraktika – hast Du auch so tolle Ratschläge und Erfahrungen mit längeren Praktika?

Klar. Da ist alles viel toller.
Wir hatten auch mehrere Male Prakikanten bei uns, die das Praktikum für ihr Studium brauchten und länger blieben.
Wir haben versucht, sie in unser Tagesgeschäft einzubinden. Sie teilhaben zu lassen. Wir hatten Glück, die waren alle nett und fit und nicht auf den Mund gefallen und das war immer ganz toll.
Die Regeln sind die gleichen: Miteinander sprechen macht alles einfach.
Einer hat es uns mit der selbstverständlichen Teilnahme an einer brutalen Nachtschicht und seinem privaten Rechner gedankt – weil wir gerade viel rendern mussten.
Der nächsten verdanke ich die wunderbare Einladung zu meiner Hochzeit.
Die nächste hat in ihrer Zeit den Grundstein für ein "demnächst"-Projekt gelegt. Und wird da bestimmt auch noch was von haben.
Man sieht: You have to give a little, take a little.

Sechste Frage: kann ich ein Praktikum bei Dir machen?

Nee, leider nicht.
Ich arbeite inzwischen ja wieder alleine, habe total unregelmäßige und unplanbare Zeiten und kriege das im Moment wohl nicht auf die Reihe.
Aber wenn Du das bis hier aufmerksam gelesen hast, weisst Du ja, wo Du Dich bewerben kannst. Mach ruhig.


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