Bei der nächsten Möglichkeit bitte wenden

Aus der Kategorie »just people«

Ich fahre ja viel (und vor allem gut, hihi) Auto. Bin ich schon immer – erst hab ich auf dem Dorf gewohnt (hatte ich das eigentlich mal erzählt?) und musste raus und dann hab ich in der einen Stadt gewohnt und musste in die andere.
Und zwischendurch bin ich als Kurierfahrer für eine Werbeagentur gefahren – damals™, als Druckvorlagen noch nicht über dieses Teufelsding namens Internet verschickt werden konnten und junge Menschen noch Geld mit der Beförderung verdienen konnten.
Aber ich schweife ab.

Damals hatte man noch einen Autoatlas und musste sich seinen Weg selbst suchen – und das führte dann dazu, dass ich mich bald auf den größeren Strecken im Ruhrgebiet genau so auskannte, wie im Mendener Einbahnstrassengewirr. Ich wusste, wann man besser auf der A2 und wann besser auf der A42 quer durch den Pott kam, ich kannte schlaue Ausweichstrecken, und wusste die Stauzeiten der einzelnen Streckenabschnitte.

Dann kam das Internet und ich verlor meinen Job als Kurierfahrer – und gewann einen als Webdesigner. Und: Ich vergass das alles natürlich wieder.

Seit letzter Woche habe ich ja nun auch einen TomTom.
Zuerst habe ich natürlich auf allen Strecken, die ich kenne geschaut, ob die kleine Kiste denn auch die schlauen Wege fährt. Habe die Unterschiede zwischen „schnellster“ und „kürzester“ Strecke ausgetestet und wir haben uns ein wenig kennen gelernt.
Und gerade habe ich mich absichtlich in irgendein Wohngebiet „verfahren“, habe dort dann den kürzesten Weg nach Hause gewählt und dann in irgendeiner doofen verkehsrberuhigten Zone doch wieder zur schnellsten Strecke zurück geschaltet.
Und während ich so auf fremden Strecken durch bekannte Dortmunden Vororte fuhr musste ich daran denken, wie wir damals das erste Mal zu einer Dormunder Disko fuhren. Wir haben 23 Vororte durchquert – nur weil wir direkt an der ersten Ecke falsch abgebogen sind. Und: es hat einfach tierischen Spaß gemacht.
Aber das passiert doch heute keinem mehr. Du tippst die Adresse ein und die freundliche Stimme sagt irgendwann „Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht!“

Das mag zwar einerseits recht beruhigend sein, aber irgendwie fehlt dann doch auch was. Denn durch neben dem Spass, den man so haben kann haben wir doch so auch noch etwas ganz wichtiges gelernt: einen Orientierungssinn.

Und wenn ich heute jemanden höre, der von Dortmund aus nach Paris fährt und dabei befindet, er könne auf dem Weg doch noch einen Bekannten in Berlin besuchen, das läge doch auf dem Weg – dann weiss ich: ich bin froh, dass ich noch weiss, wie’s geht.
Und so viel Spass, wie mir mein neues Räppelchen macht – ich werde ihm nur in Notfällen die Kontrolle über meine Wege geben.


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