Bekenntnis eines digital natives

Aus der Kategorie »just people«

Ich nutze die Cloud nicht. Jetzt ist es raus.

Also, konkret: Ich habe keine Daten (nur) in der Cloud. Und wichtiges eh nicht.
Meine Bookmarks habe ich im Browser gespeichert. Im delicious-Account liegen hauptsächlich Links, die ich via Twitter oder facebook oder via Blog1 weiter verbreiten wollte.
Außerdem habe ich eine lokale Kopie aller Links.
Mein Kalender heisst Outlook, mein Adressbuch auch.
Meine eMail-Adresse endet nicht auf gmail, sondern auf c-fischer.com.
Und auch mein RSS-Reader synchronisiert sich nur mit dem beliebten GoogleReader, aber arbeitet lokal.
Mein Arbeitsserver steht unter dem Schreibtisch und nicht in den USA.
In meiner dropbox liegen nur Kopien von Daten, die noch an anderer Stelle gespeichert sind – und die Daten, die dort liegen, kann von mir aus jeder sehen.

Und dass Kundendaten nichts auf einem fremden Server zu suchen haben versteht sich in meiner Welt quasi von selbst.

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe »die Cloud«.
Ich liebe es, wenn sich das Wissen vieler dort potenziert. Ich liebe es, wenn kluge Dienste (wie zum Beispiel mein aktuelles Lieblingsspielzeug ifttt) mir Arbeit abnehmen. Ich liebe es, wenn meine RSS-Reader auf allen Endgeräten immer den gleichen Stand haben.
Das alles – und noch viel mehr – ist toll und ich liebe alle diese Bequemlichkeiten.
Aber ich bin nicht von ihnen abhängig.

Ich muss nicht aufhören zu arbeiten, wenn ein Konzern in den USA seine Nutzungsbedingungen ändert. Oder wenn er von einem Kollektiv anonymer Aktivisten ins Visier genommen wird und the service temporarily unavailable ist. Ich muss auch nicht zitern, weil meine Daten auf einmal dann doch eine Schnittstelle zum Geheimdienst eines anderen Landes bekommen haben.

Es ist schön, wenn selbst T-Online auf einmal damit wirbt, dass man alles in die cloud legen soll. Aber wer einmal im Konfigurationsmenu der Business-Accounts versucht hat, seine Website einzurichten, der kann dem einfach nicht trauen. Wer jemals monatelang ohne Telefon und Internet war, weil irgendwer in magenta ein Häkchen falsch gesetzt hatte auch nicht.

Wir beschweren uns, dass die Regierungen das Web nicht verstehen, wir schauen Politikern zu, wie sie aus dem WorldWideWeb ein schleswig-holsteinisches machen wollen – und lagern unsere Daten auf einem Server in den USA, dem Land der unbegrenzten Geheimdienste?

Och nö.
Wenn meine Daten mal weg sind möchte ich lieber selbst dafür verantwortlich sein, als dass ich darüber nachdenke, wo ich doch vielleicht die AGBs hätte lesen und verstehen sollen.

1) »Via Blog« ist schon ein schönes aktuelles Beispiel, das funktioniert nämlich im Moment nicht, weil da eine Firma den Besitzer gewechselt hat.


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5 Reaktionen

Am 10.10.2011 um 9:57 Uhr schriebFlusskiesel:

Dito!
Irgendwie mag ich der Cloud nicht so vertrauen, dass ich mich ganz darauf verlassen könnte – so angenehm und praktisch sie auch ist!


Am 10.10.2011 um 10:01 Uhr meinte Flusskiesel:

Nachtrag:
Sag mal, weißt Du überhaupt, was Du da anrichtest??
Mit ifttt werde ich jetzt Stunden oder gar Tage meines Lebens vergeuden, nur um irgendwelchen Quatsch miteinander zu synchronisieren!!
Und warum?
Weil’s geht!
;-)


Am 10.10.2011 um 11:30 Uhr antwortete rebhuhn:

ja.

und zu 1): ich hatte mich schon gewundert…


Am 13.10.2011 um 9:23 Uhr schriebChristian:

@Flusskiesel: Ja, warum sollte es Dir denn anderes gehen als mir :)
Wobei mir da noch einiges an Funktionen fehlt. Ich kann nur eine facebook-Page angeben und hin und wieder fehlen mir wenn-dann-Verknüpfungen.
Die Yahoo-Pipe war deutlich flexibler einzustellen – dafür aber deutlich unflexibler, was ihre ganz eigenen Vorstellungen von Zeitabläufen und Arbeitsbereitschaft anging :(

@rebhuhn: Wenn’s Dich interessiert, abonnier‘ doch den Feed bei delicious: http://delicious.com/v2/rss/chriseff


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