Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Bekleidungsregeln 2006

Für Mädchen:
Entscheide Dich: Rock oder Hose?
Wenn es ein Rock ist: Gibt es den gleichen Rock auch in kürzer / geschlitzter / enger?
Wenn es eine Hose sein soll: gibt es die gleiche Hose in enger? Bedenke immer: Speck kann man nach oben drücken.
Gibt es das ganze auch in einer grelleren Farbe?
Kann man auch den tollen neuen KIK-String sehen? Zieh ihn möglichst hoch.

Entscheide Dich: Bluse oder nicht geknöpft?
Wenn es etwas geknöpftes sein soll: Kann man noch einen Kopf weniger zumachen?
Wenn es nicht geknöpft sein soll: Gibt es das nicht in enger?
Wenn es Träger hat, achte auf die Farbe: Wechsele im Zweifelsfall die Unterwäsche. Man muss die Unterwäsche sehen. Achte darauf, dass die Träger der Unterwäsche breiter sind als sie des Leibchens und/oder anders über die Schultern laufen.

Ist genug Haut zu sehen? Gut. Soll ja jeder sehen, dass dieses Jahr die Sonne noch nicht geschienen hat.
Achte darauf, dass man die eitrige Stelle in der Mitte Deines Bauches das tolle neue Piercing sehen kann.

Die Schuhe:
Stiefel sind gut. Falls Du eine Hose trägst: immer hinein damit. Das schmeichelt der Linie.
Wenn Du keine Stiefel hast schau, ob Du die goldenen Ballerinas wiederfindest. Denk bei der Gelegenheit noch einmal darüber nach, ob Du nicht auch eine Leggins anziehen könntest.
Schräggelatschte Absätze sind kein Hindernis.
Überhaupt: Schuhe müssen nicht unbedingt zum Rest des Outfits passen.

Falls Du auf all das keine Lust hast: Hast Du etwas in schweinchenrosa?
Gut, das geht immer. Ja, auch von der Haarschleife bis zum Schuh.

Für Jungs:
Gibt es das auch von Lonsdale?
Du hast kein Lonsdale T-Shirt? Aber ein lustiges, oder? Genau: »Sumsen is buper«, das passt schon.
Mach dann noch was ganz ganz außergwöhnliches mit Deinen Haaren – Du könntest Sie mit viel Gel alle straff nach hinten kämmen, das hat noch nie wer gemacht.
Schon bist Du fertig. Nur noch Geld und Handy in die Gürteltasche und auf gehts.

(Ja, ich war auf der Kirmes.)

7 Antworten zu “Bekleidungsregeln 2006”

  1. Pia sagt:

    Ich hatte schon Angst. Der letzte Satz war die Erlösung *puuuh*

  2. liljan98 sagt:

    So was gibt’s bei euch nur auf der Kirmes? Dann musst du mal in den Abendstunden oder nachts hier im Ruhrgebiet (oder am Rand) mit der S-Bahn / Zug fahren oder dich auch einfach nur mal an der Haltestelle der S-Bahn in einer Kleinstadt aufhalten. Da erlebst du auch die volle Pracht.

    Klasse Text!

  3. Bina sagt:

    Ich bin begeistert. Besser könnte man die Geschmacksverirrungen, die man täglich (nicht nur auf der Kirmes) zu sehen bekommt, kaum auf den Punkt bringen! Schön! (Und die Hose bitte noch aus weißem Stretchstoff – nur um sicher zu gehen, dass der String auch wirklich zur Geltung kommt!)

  4. moritz sagt:

    und ich dachte schon du wärst in siegen gewesen ohne mich zu besuchen. ;-)

  5. CountZero sagt:

    bitte eins dabei immer im auge behalten: geht man mal einfach nur eine stunde in einer x-beliebigen stadt im ruhrgebiet shoppen, drängt sich einem der eindruck auf, daß mindestens 90 prozent der bevölkerung im alter zwischen 14 und 25 diesen geschmacksverirrungen erlegen sind – insbesondere bei mädchen scheint der „schaut her, mein berufsziel ist straßenhure zu werden“-look nicht mehr wegzudenken sein – da ist pisa eine lachnummer gegen, sollte dieser neue „stil“ (ich bezeichne das eigentlich eher als die vollkommene abwesenheit desselben) in irgendeinem nicht reziproken verhältnis zum bildungsniveau stehen.
    mir graut vor dem tag, an dem ich solches gesocks ausbilden oder einstellen muss.

  6. Christian sagt:

    Tja, fassen wir mal zusammen:
    Eigentlich sind wir alle der Meinung, dass es das (zwar vielleicht noch etwas konzentrierter aber) nicht nur auf der Kirmes gibt, dass die Jugend überhaupt grauenhaft und stil- und geschmackslos herumläuft und uns vor dem Tag graut, wo „diese Menschen“ ins wahre Leben herüberkommen.

    Klingt genau wie das, was ich mir von meinen Eltern (und die vermutlich von ihren) anhören musste.
    Leute, wir sind alt.

  7. liljan98 sagt:

    Dass wir alt sind steht außer Frage :-) Und ich würde mich über die Farben und Formen der Klamotten der „Jugend von heute“ gar nicht groß weiter aufregen, wenn es einfach in den notwendigen Fällen einfach ein bisschen mehr Stoff wäre. Würde mir ja schon reichen *g*

»