Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Gelesen: Auerhaus

Bov Bjerg: Auerhaus (eBook) (Blumenbar, 2015)

Foto 28.07.15 17 33 20Bov Bjerg kannte ich aus diesem Internet lesenderweise irgendwie schon sehr lange, er hat ein Blog und ist auf twitter und unsere Filterblasen haben genug Überschneidung.
Vor recht kurzem hat er „Auerhaus“ veröffentlicht und da ich ganz gute Erfahrungen damit gemacht habe, Bücher von Menschen zu lesen, die schon in 140 Zeichen und Blog-Artikeln toll schreiben hab ich zugegriffen. Kann man ja ruhig mal machen, wenn dann der Inhalt auch noch interessant klingt.

Ach ja, worum geht’s?
Frieder, ein Freund des Erzählers hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Und nicht nur, aber viel, um auf Frieder aufzupassen, ziehen die beiden zusammen mit noch ein paar anderen in ein Haus, in eine Schüler-WG sozusagen.
Die Freunde fühlen sich alleine in ihrem Haus natürlich viel erwachsener als sie es eigentlich sind. Und sie sind vielleicht nicht so erwachsen, wie sie es mit der Verantwortung für ihren Freund sein müssten. Aber wie will man das mit achtzehn denn schon wissen?

… sagt Frau Brüllen gestern Abend, etwas später twitterte ich:

Und diese beiden Tweets stecken wahrscheinlich den Rahmen dessen, was das Buch ist bestens ab: Bov erzählt die Erinnerungen an einen möglichen Weg des Erwachsenwerdens. Einen Weg, den der eine Leser vielleicht selbst auch so erlebt und der andere vielleicht eben auch „nur“ beobachtet hat. Denn auch wenn die Geschichten einmalig sind, so erlebt doch jede Generation den Schritt ins erwachsene Leben immer wieder neu.

In Bovs Buch ist es jetzt also die Geschichte des Freundeskreises um Frieder. Sie wollen es anders machen und ihre eigenen Wege suchen. Sie wollen nicht nur ihre eigene Leben irgendwie vor dem retten, was nach dem Abi auf dem vorgezeichneten Lebensweg kommt, sondern plötzlich auch noch das Leben ihres Freundes. Und es ist die Geschichte darüber, ob das gelingen kann. Ob man alles anders machen kann, wie weit man von den vorgezeichneten Wegen herunter darf und ob das alle überleben können.
Da ich die Suche nach dem passenden Weg genau so gut kenne, wie die Sorge um das Überleben eines Freundes war „Auerhaus“ für mich dann auch eine sehr persönliche Zeitreise.

Und trotzdem ich gestern, viele Jahre später also lernen durfte, dass andere unser unkonventionelles Leben damals vielleicht beneidet haben: Ich war nach dem Lesen hauptsächlich in Gedanken bei denen, die ich auf dem Weg verloren habe.

Und sowas muss ein Buch ja auch erstmal schaffen. Ein gutes Buch, vielen Dank, lieber Bov.

Die Links sind affiliate-Links.

5 Antworten zu “Gelesen: Auerhaus”

»