Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Das Bloggen an sich…

… ist ja schon komisch.
Man schreibt ein paar Jahre einfach jeden Tag – oder seltener – so ein bisschen Zeug ins Internet. Gelegentlich bekommt man eine Antwort und man liest anderer Leute Zeug, das die jeden Tag – oder seltener – ins Internet schreiben.

Und auf einmal merkt man, dass man sich freut, wenn einer kommentiert. Weil der immer so gute oder so nette Sachen schreibt.
Und auf einmal merkt man, dass man sich freut, wenn jemand in der BlogRoll oben steht – dann gibts nämlich neues Lesefutter.
Und man kann kommentieren und man merkt, dass da jemand liest, was man sagt.

Und dann chattet man mal, weil das alles nicht mehr in Kommentare passt.

Und dann trifft man sich mal oder man telefoniert, weil man so langsam tippt, dass man gar nicht mehr alles in diesem kleinen Fenster unterbringt.

Und weil man sich ja schon kennt, muss man fast gar keine Angst haben, dass man jetzt einen komischen Anruf / Abend / Tag vor sich hat. Sondern kann sich einfach freuen.

Und dann fährt man mal einen Tag weg und ist abends ganz glücklich über so einen schönen Tag mit so tollen Menschen.

Ist das nicht schön?

Und dann sitzt man mit anderen Freunden zusammen und versucht ihnen zu erklären, was man am Wochenende so gemacht hat und sie verstehen nicht, woher man die Menschen kannte.
Aber Du hattest die noch nie vorher gesehen? Und Du hattest keine Angst, dass das komisch wird? Also, ICH find das komisch.

Ja, es ist schon komisch, das Bloggen so an sich.
Aber wunderschön.

Schön, dass Ihr hier seid.

6 Antworten zu “Das Bloggen an sich…”

  1. serotonic sagt:

    „Ist das nicht schön?“ – Ja. Unglaulich schön. Du hast da etwas sehr, sehr gut in Worte gefasst, was mir unformulierbar im Kopf rumspukte. Dankeschön dafür. Und Dankeschön, dass wir hier sein können und dürfen!

  2. liljan98 sagt:

    Wieder mal so wunderbar auf den Punkt gebracht. Vor allem die Irritationen bei anderen Menschen, wenn man erzählt, dass man „übers Internet“ (huch, wie verrucht, leider meist immer noch) nette Menschen kennengelernt hat, mit denen man sich einfach gut versteht und die man dann auch gerne besucht oder sich mit ihnen trifft.
    Ich vertrete ja eh die These, dass man sich übers Internet eigentlich viel schneller viel besser und persönlicher kennenlernen kann, als im richtigen Leben. Immer vorausgesetzt man bleibt dabei ehrlich und erzählt eben keine Märchen oder denkt sich sonst irgendwelche falschen Identitäten aus.
    Weil man mit dem was man erzählt und wie man es erzählt vielleicht mehr von sich preisgibt als vielleicht im direkten „live“ Kontakt. Und weil vor allem die ganzen oberflächlichen Dinge wegfallen, die einen sonst vielleicht davon abhalten würden mit dieser oder jener Person überhaupt ins Gespräch zu kommen. Weil man sich beruflich und/oder privat in ganz unterschiedlichen Kreisen bewegt. Weil man in ganz unterschiedlichen Regionen wohnt. Weil man denkt: „Boah, die wirkt aber arrogant, mit der rede ich doch besser mal gar nicht, die ist bestimmt doof“ und und und.
    Ich für mich kann zumindest wirklich sagen, dass ich einige ganz wunderbare Menschen aus genau diesen Gründen nicht kennengelernt hätte, wenn es nicht über das grenzenlose und in gewisserweise ja doch vorurteilsfreie Internet passiert wäre. Und mir würde ohne diese Menschen echt was fehlen.

    Aber das verstehen wohl auch nur die Menschen, denen schon mal ähnliches passiert ist.

  3. Ebola sagt:

    Schön kann es sein, und es ist schön, dass Du dieses Erlebnis hattest (oder hast).
    Ich habe das Gegenteil davon erlebt. Völliges Chaos. Kommt vor. So ganz unter Menschen.

  4. Christian sagt:

    Klar kommt das vor. Menschen halt.
    Ich glaube, mein Nachdenken und meine Freude kommt zum einen daher, dass – wie liljan schon sagte – eine Internetbekanntschaft oft (und hier in der Kleinstadt / und hier bei vielen Menschen, die um mich so herum sind) noch etwas ungewöhnliches ist.

    Und daran, dass hier gerade viele Menschen meinen, sie müssten kompliziert und anstrengend sein.

    Da ist der Kontrast um so schöner.

  5. Tobias K. sagt:

    Ja, oh ja. Wunderbar auf den Punkt gebracht.

    Deswegen treffe ich mich mit Bloggern ja auch a) nur wenn ich sie ausreichend kenne und b) nur weil sie mich als Menschen interessieren, nicht um mich fortzupflanzen. Bei letzterem ist die Gefahr auf Enttäuschung nämlich irrsinnig hoch *g*

  6. chat noir sagt:

    Ich weiß genau, was gemeint ist – ich habe mich auch mal mit einem Chatroom getroffen. Wir waren etwa 25 Leute, und nachhaltig ist bei mir hängen geblieben, dass man zwar die Menschen vorher noch nie gesehen hatte, aber sie dennoch sehr vertraut waren. Wir haben uns absichtlich nicht mit unseren richtigen Namen vorgestellt, obwohl wir die alle kannten, sondern abgesprochen, zunächst in Gesprächen herauszufinden, zu wem welcher Nickname passt. Zu unserer Verwunderung hat das prima funktioniert. So können Internetbekanntschaften schon ein wirklicher Gewinn sein!

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