Der gute alte Hausarzt

Aus der Kategorie »just people«

Ich sitze gerne mal 10 Stunden am Tag am Rechner – und das seit ca. 14 Jahren. Die geneigte Leserin mag sich also vorstellen, wie es meinem Rücken im allgemeinen und meiner Nackenmuskulatur im besonderen geht.

Als ich das letzte Mal mit einer blockierten Rippe bei meiner bevorzugten Manualtherapeutin lag fragte ich sie, wonach ich denn meinen Arzt wohl mal fragen müsse, um ein paar Sitzungen für meinen Nacken verschrieben zu bekommen.

Und dann saß ich bei meinem bevorzugten dem einzig möglichen Arzt hier im Ort. Ich erklärte ihm, was in meinem Nacken so los ist und was die Super-Manualtherpeutin mir empfohlen hatte.
Schwerer Fehler. Sag nie einem Arzt, was Du hast und was Du willst.

Er begann also mir einen Vortrag zu halten, dass ich ja – »Was machen Sie noch? Ach ja …« bestimmt viel am Rechner säße (ich hatte das in meinem kleinen Gesprächsanteil kurz erwähnt) und welche Muskelgruppen sich da gerne mal in eine Fehlstellung und/oder einen beständige Verkrampfung bewegten (ich hatte auch das erwähnt). Man müsse aufpassen, dass das nicht chronisch würde (die Befürchtung hatte ich geäußert), da habe meine Manualtherpeutin völlig recht …

… und dass er mir deswegen jetzt etwas ganz anderes aufschriebe.
Ah ja. Als ich dazu eine Detailfrage hatte begann er seinen Vortrag von vorne, beantwortete meine Frage aber leider nicht.
Und dann nochmal.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es phantastisch, dass ich jetzt 50 Sitzungen Reha-Rückenschule bekommen habe. Aber Kommunikation ist was anderes.

Richtig lustig wurde das ganze dann allerdings, als er noch eine kleine Mappe hervorzog und mir erzählte, ich solle doch mal überlegen, ob ich nicht mit meiner Krankenkasse einen sogenannten Hausarztvertrag abschließen würde. Der verpflichte mich dazu, bei irgendwelchen Beschwerden nicht sofort einem Facharzt aufzusuchen, sondern zuerst zu einem Hausarzt (also zum Beispiel ihm) zu kommen. Das habe für mich zwar eigentlich keinen Vorteil, aber ich könne dann ein gutes Gewissen haben, das Hausarztsystem zu stärken.
Ich versuchte zu fragen, wie lange er denn dann an mir herumdoktorn würde, bis ich eine Überweisung bekäme, kam aber nicht zu Wort, denn auch diesen Vortrag hörte ich dreimal.

Die dritte Runde beendete er allerdings mit den Worten: »Wissen Sie, wir Hausärzte sind ja schließlich diejenigen, die den Patienten noch richtig zuhören. So etwas kann so ein Facharzt ja gar nicht«

Als ich den nächsten Tag wegen der akuten Beschwerden, die mir die 50 zukünftigen Sitzungen, die erst noch den Weg durchs Krankenkassen-Genehmigngsverfahren gehen müssen natürlich nicht nehmen konnten, wieder bei der Super-Manulatherapeutin lag und ihr das alles erzählte hat mich ihr Lachanfall leider 5 Minuten meiner privat teuer bezahlten Behandlungszeit gekostet.


Ähnliche Artikel lesen?

Außerdem schrieb ich zum gleichen oder ähnlichen Themen auch noch …

Ich finde den Artikel super!

Das freut mich natürlich sehr.

Du kannst den Artikel weiter verbreiten
Du meinst, der Artikel könnte auch anderen gefallen? Dann findest Du etwas weiter oben auf dieser Seite, direkt rechts unten am Artikel ein paar Buttons. Damit kannst Du den Artikel per eMail, Twitter, facebook oder google+ weiter verteilen. Ich würde mich darüber freuen.

Mir ein Geschenk machen? Uiuiuiui.
Gefallen Dir meine Artikel immer wieder, schöder Mammon ist Dir aber zu doof? Dann mach mir doch eine Überraschung: Hier findet Du meine amazon-Wishlist mit ausgesuchten und garantiert Freude spendenden Präsenten zwischen fünf und zweitausenfünfhundert Euro – da ist bestimmt was passendes dabei.

Geld? Wow.
Ist Dir mein Artikel darüber hinaus sogar noch etwas wert, dann findest Du bei den Icons zum Verbreiten des Artikels einen flattr-Button. Jeder Euro, der darüber reinkommt geht direkt weiter an netzpolitik.org.

Wer? Was? Warum?

Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

10 Reaktionen

Auch kommentieren? Zum Formular

Am 15.05.2011 um 15:15 Uhr sprach Nessy:

Auch ich habe mal auf Anraten meines erfolgreich tätigen und privat bezahlten Manualtherapeuten den Fehler gemacht, die Hausärztin um eine ebensolche Behandlung zu bitten. Es ging in etwa den oben beschriebenen Gang und gipfelte dann darin, dass die Ärztin das Vorhandensein des Iliosakralgelenks leugnete und meinte, ich sollte erstmal in ihre 100 Euro teure Ernährungsberatung kommen, denn fünf Kilo weniger könne ich gut vertragen und das würde dann auch die Beschwerden an der Wirbelsäule beseitigen.


Am 15.05.2011 um 15:27 Uhr schriebChristian:

na, da hab ich ja nochmal richtig Glück gehabt …


Am 15.05.2011 um 21:14 Uhr ergänzte Etosha:

Selber zahlen macht glücklich. Alles andere kostet nur Zeit und Nerven.


Am 15.05.2011 um 21:18 Uhr schriebChristian:

Nachtrag an Nessy: Die Wirbelsäule an sich hat ersie Dir aber gelassen?

@Etosha:
Mach ich auch seit Jahren so, aber irgendwann gibts da ja auch einen Punkt wo man denkt, dass Versicherung UND alles immer selber zahlen doch auch irgendwie blöd ist.


Am 15.05.2011 um 22:45 Uhr sagte Kiki:

Ich würde das gern flattrn, leider geht das dank Deiner Designspielerei mit den buttons vom ipad aus nicht.


Am 16.05.2011 um 9:55 Uhr kommentierte Christian:

es ist ja die Geste, die zählt :)

(Stimmt, da könnte ich mich mal drum kümmern)


Am 16.05.2011 um 9:56 Uhr schriebTheMM:

da hast du dir aber offenbar auch ein ganz wunderbares exemplar von hausarzt ausgesucht. da empfehle ich doch in zukunft 15 minuten autofahrt nach iserlohn mit der belohnung einen wirklich auf den patienten eingehenden arzt konsultieren zu können. man muss sie zwar wirklich erst mal finden, aber es gibt auch noch das gegenbeispiel zu deiner aus meinen perspektive amüsanten geschichte…
auf wunsch gebe ich dir gerne die adresse.


Am 16.05.2011 um 12:39 Uhr schriebNessy:

Die Anwesenheit einer Wirbelsäule hat sie nicht geleugnet.

Ich hätte ihr auch gerne entgegnet: „Wenn Sie Ihre Ernährungsberatung auch an sich selbst anwenden, ist das der beste Beweis, dass sie nutzlos ist.“ Aber ich habe es mir verkniffen.


Am 17.05.2011 um 17:08 Uhr sprach Kiki:

So, jetzt aber, vom Rechner aus. Ts!


Am 17.05.2011 um 23:24 Uhr antwortete Christian:

*verneigt sich lächelnd*


Dein Kommentar:

Du möchtest auch so ein hübsches Bild am Kommentar haben? Die Bilder gibts bei gravatar.com
Die Bedingungen für das Buchen eines kommerziellen Kommentars findest Du hier.