Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Der gute alte Hausarzt

Ich sitze gerne mal 10 Stunden am Tag am Rechner – und das seit ca. 14 Jahren. Die geneigte Leserin mag sich also vorstellen, wie es meinem Rücken im allgemeinen und meiner Nackenmuskulatur im besonderen geht.

Als ich das letzte Mal mit einer blockierten Rippe bei meiner bevorzugten Manualtherapeutin lag fragte ich sie, wonach ich denn meinen Arzt wohl mal fragen müsse, um ein paar Sitzungen für meinen Nacken verschrieben zu bekommen.

Und dann saß ich bei meinem bevorzugten dem einzig möglichen Arzt hier im Ort. Ich erklärte ihm, was in meinem Nacken so los ist und was die Super-Manualtherpeutin mir empfohlen hatte.
Schwerer Fehler. Sag nie einem Arzt, was Du hast und was Du willst.

Er begann also mir einen Vortrag zu halten, dass ich ja – »Was machen Sie noch? Ach ja …« bestimmt viel am Rechner säße (ich hatte das in meinem kleinen Gesprächsanteil kurz erwähnt) und welche Muskelgruppen sich da gerne mal in eine Fehlstellung und/oder einen beständige Verkrampfung bewegten (ich hatte auch das erwähnt). Man müsse aufpassen, dass das nicht chronisch würde (die Befürchtung hatte ich geäußert), da habe meine Manualtherpeutin völlig recht …

… und dass er mir deswegen jetzt etwas ganz anderes aufschriebe.
Ah ja. Als ich dazu eine Detailfrage hatte begann er seinen Vortrag von vorne, beantwortete meine Frage aber leider nicht.
Und dann nochmal.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es phantastisch, dass ich jetzt 50 Sitzungen Reha-Rückenschule bekommen habe. Aber Kommunikation ist was anderes.

Richtig lustig wurde das ganze dann allerdings, als er noch eine kleine Mappe hervorzog und mir erzählte, ich solle doch mal überlegen, ob ich nicht mit meiner Krankenkasse einen sogenannten Hausarztvertrag abschließen würde. Der verpflichte mich dazu, bei irgendwelchen Beschwerden nicht sofort einem Facharzt aufzusuchen, sondern zuerst zu einem Hausarzt (also zum Beispiel ihm) zu kommen. Das habe für mich zwar eigentlich keinen Vorteil, aber ich könne dann ein gutes Gewissen haben, das Hausarztsystem zu stärken.
Ich versuchte zu fragen, wie lange er denn dann an mir herumdoktorn würde, bis ich eine Überweisung bekäme, kam aber nicht zu Wort, denn auch diesen Vortrag hörte ich dreimal.

Die dritte Runde beendete er allerdings mit den Worten: »Wissen Sie, wir Hausärzte sind ja schließlich diejenigen, die den Patienten noch richtig zuhören. So etwas kann so ein Facharzt ja gar nicht«

Als ich den nächsten Tag wegen der akuten Beschwerden, die mir die 50 zukünftigen Sitzungen, die erst noch den Weg durchs Krankenkassen-Genehmigngsverfahren gehen müssen natürlich nicht nehmen konnten, wieder bei der Super-Manulatherapeutin lag und ihr das alles erzählte hat mich ihr Lachanfall leider 5 Minuten meiner privat teuer bezahlten Behandlungszeit gekostet.

10 Antworten zu “Der gute alte Hausarzt”

  1. Nessy sagt:

    Auch ich habe mal auf Anraten meines erfolgreich tätigen und privat bezahlten Manualtherapeuten den Fehler gemacht, die Hausärztin um eine ebensolche Behandlung zu bitten. Es ging in etwa den oben beschriebenen Gang und gipfelte dann darin, dass die Ärztin das Vorhandensein des Iliosakralgelenks leugnete und meinte, ich sollte erstmal in ihre 100 Euro teure Ernährungsberatung kommen, denn fünf Kilo weniger könne ich gut vertragen und das würde dann auch die Beschwerden an der Wirbelsäule beseitigen.

  2. Christian sagt:

    na, da hab ich ja nochmal richtig Glück gehabt …

  3. Etosha sagt:

    Selber zahlen macht glücklich. Alles andere kostet nur Zeit und Nerven.

  4. Christian sagt:

    Nachtrag an Nessy: Die Wirbelsäule an sich hat ersie Dir aber gelassen?

    @Etosha:
    Mach ich auch seit Jahren so, aber irgendwann gibts da ja auch einen Punkt wo man denkt, dass Versicherung UND alles immer selber zahlen doch auch irgendwie blöd ist.

  5. Kiki sagt:

    Ich würde das gern flattrn, leider geht das dank Deiner Designspielerei mit den buttons vom ipad aus nicht.

  6. Christian sagt:

    es ist ja die Geste, die zählt :)

    (Stimmt, da könnte ich mich mal drum kümmern)

  7. TheMM sagt:

    da hast du dir aber offenbar auch ein ganz wunderbares exemplar von hausarzt ausgesucht. da empfehle ich doch in zukunft 15 minuten autofahrt nach iserlohn mit der belohnung einen wirklich auf den patienten eingehenden arzt konsultieren zu können. man muss sie zwar wirklich erst mal finden, aber es gibt auch noch das gegenbeispiel zu deiner aus meinen perspektive amüsanten geschichte…
    auf wunsch gebe ich dir gerne die adresse.

  8. Nessy sagt:

    Die Anwesenheit einer Wirbelsäule hat sie nicht geleugnet.

    Ich hätte ihr auch gerne entgegnet: „Wenn Sie Ihre Ernährungsberatung auch an sich selbst anwenden, ist das der beste Beweis, dass sie nutzlos ist.“ Aber ich habe es mir verkniffen.

  9. Kiki sagt:

    So, jetzt aber, vom Rechner aus. Ts!

  10. Christian sagt:

    *verneigt sich lächelnd*

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