Der Schein, das Schwein

Aus der Kategorie »just people«

Eine Geschichte über Autos. Und Menschen.

Vor relativ genau 8 Jahren kaufte ich meinen ersten Neuwagen. Das heißt: Ich kaufte ihn nicht, ich leaste ihn, was für eine Firma, die ich ja nebenbei auch bin eine ganz kluge Sache ist.
Es war mein erster Kontakt mit einem Autohändler, ich war jung und hatte das Geld und ich handelte nicht viel.
Das Auto war ein grauer Golf 4 Variant. Nichts besonderes, einfach ein dunkler Golf Kombi. Ich fand ihn toll. Sonst fiel der Wagen nicht weiter auf.

Ziemlich genau 4 Jahre später lief der Leasingvertrag aus und ich zog los, einen Nachfolger suchen. Zu meiner Freude gabs den Golf 4 noch und ich fand quasi genau den gleichen Wagen noch einmal. Nur: VW hatte zum Auslaufen der Baureihe noch einmal gut hingelangt und ein schickes Sondermodell herausgebracht. Mit Alurädern, Lederlenkrad, Schiebedach und so. Außerdem in schwarz metallic und mit 10PS mehr.
Ich war nicht mehr ganz so jung und wollte Geld sparen und ging mit genau diesem Satz zum Autohändler. Er grummelte und rechnete und ich zahlte monatlich einiges weniger. Für mehr Auto. Fand ich gut.

Der Wagen fiel aber etwas mehr auf und die Fraktion der Menschen, die Autos an sich schon überflüssig und Neuwagen erst recht asozial fanden mussten meckern. Warum ich denn so ein teures Auto..? Der alte wäre doch viel schöner und passender gewesen? Mein Argument, dass der Wagen ja billiger war wurde geflissentlich überhört.

Interessant.

Außerdem war der neue recht schnell. Allerdings wird ein Golf auf der Autobahn nicht sonderlich ernst genommen. Wenn ein Golf im Rückspiegel auftaucht kann man trotzdem noch mal eben mit satten 87Km/h auf die linke Spur wechseln und hinter sich eine Vollbremsung auslösen.
Aus ein paar Fahrten mit geliehenen Audis und auch mal einem Mercedes wusste ich, dass so was auch anders geht.

Ebenfalls interessant.

Heute habe ich den nächsten Leasingvertrag unterschrieben. Durch geschickte Suche nach einem guten gebrauchten und heftigste Zahlenspiele mit Steuern, Versicherung, gefahrenen Kilometern und so weiter habe ich ab bald einen Audi A3. Der monatlich wieder etwas billger wird als der noch aktuelle Golf. Und geringfügig langsamer ist.
Heute habe ich ihn zur Probe gefahren.
Und habe gelernt: Er sammelt noch mehr neidische Blicke. Habe erfahren: Ja, einem Audi macht man Platz, auch wenn der gar nicht so herangerast kommt.
Bis auf einen LKW-Fahrer, der im Stau-Reissverschluß am Ende der dritten Spur versuchte vor mir mutwilig die Spur zu zu machen. Das hab ich auch noch nicht erlebt.

Höchst interessant.

Jetzt bin ich noch auf die Reaktionen aus dem Auto-hassenen Bekanntenkreis gespannt. Und wie sie diesmal überhören, dass ich wieder Geld spare. Hauptsache man kann „Bonzenauto“ schimpfen.


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