Der Zoll

Aus der Kategorie »just people«

Da stoße ich bei Franzi auf ihre erste Begegnung mit dem Zollamt – und prompt steigt in mir eine Erinnerung hoch, die wunderbar dazu passt und die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Es war auf dem Weg in den Urlaub, S. und ich wollten uns dieses Italien auch einmal ansehen. Der Weg ist ja bekanntlich weit und so waren wir nachmittags hier losgefahren, wollten die Nacht durchfahren und dann am nächsten Vormittag im Hotel ankommen.
Abgesehen von den zwei kleinen Abzügen in der B-Note ( a] Irgendwann wird man ja doch sehr, sehr müde, b] wir haben die Alpen nicht gesehen) hat das auch prima geklappt und brachte uns irgendwann mitten in der Nacht an ein deutsch-schweizerisches Zollhäuschen.
Es war – von den vielen arg verblassten Kindheitserinnerungen auf dem Weg nach Belgien oder zurück – meine erste Begegnung mit so einem richtigen Zollmännchen. Die Dänen hatten mich ein Jahr vorher ja sogar mit einem abgelaufenen Personalausweis reingelassen.

Das wäre diesem Männchen bestimmt nicht passiert.
Es war also mitten in der Nacht, es regnete in Strömen und außer uns und einem tapferen Grenzsoldaten war niemand auf dem riesigen Gelände mit den vielen Schranken, noch mehr Fahrspuren aber dafür reichlich wenig Licht und noch weniger Orientierungsmöglichkeit.
Also fuhren wir möglichst nah bis an das Männchen und seine Schranke heran. Der bewegte sich nicht. Wir linsten fragend durch die Scheibe – keinerlei Reaktion. Kurze Ratlosigkeit, dann:
S. beschloss auszusteigen. Sie lief zu dem Männchen rüber und fing sich den Anschiss ihres Lebens ein – denn: Das Männchen war ein schweizer Männchen und sie hatte auf dem Weg zu ihm jetzt schon die Schweiz betreten. Und zwar nicht auf dem offziellen Fußgängerweg, sondern an der Schranke vorbei auf der Autospur – wie er ihr lautstark erklärte.
Also lief sie zurück. Ging außen um das Häuschen herum (das übrigens bei genauerem Hinsehen verflixt lang gebaut und gar kein Häuschen sondern eher ein langer Containerbau war) und näherte sich dem Männchen noch einmal auf dem Fußgängerweg. Also den Weg entlang, den er sie geschickt hatte. Hatte ich den Regen schon erwähnt? Ah, ok.

Wieder bei ihm angekommen fing sie sich dann den zweiten größten Anschiss ihres Lebens ein, denn sie hatte die Schweiz betreten, ohne sich vorher in einem anderen Container anzumelden.

Als dann erst sie – außenrum natürlich! – zurück am Auto und wir beiden dann am anderen Container gewesen waren ließ er uns ohne ein erkennbares Zeichen der Erinnerung an unsere erste Begegnung durch – natürlich nicht, ohne ausführlich den Zettel zu studieren, den wir dort aus einer anonymen Klappe gereicht bekommen hatten und der uns die Durchfahrt erlaubte.

Da wir beide nie in der DDR gewesen waren fehlte uns vielleicht ein wichtiger Vergleich, aber: Wir mochten die Schweiz spontan total gerne.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

7 Reaktionen

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Am 28.04.2010 um 23:49 Uhr antwortete Teddy:

Für mich sind Grenzüberfahrten in der Schweiz vor allem mit einem immer und immer wiederkehrenden Satz verbunden: „Haben Sie Waren?“ (Es liest sich nicht halb so spektakulär wie der Klang dieses Satzes mein Herz hüpfen lässt.)


Am 29.04.2010 um 8:28 Uhr wusste Tim:

Es muss halt alles seinen korrekten Weg gehen.


Am 29.04.2010 um 8:56 Uhr kommentierte Christian:

Nein nein, nicht alles: jeder und jede ;)


Am 29.04.2010 um 8:58 Uhr kommentierte Christian:

@teddy: wahrscheinlich muss man dann positive Erinnerungen in dem land haben (ich kann mir den Klang vorstellen).
Aber ich erinnere nur das Zollmännchen und das teuerste Sandwich meines Lebens auf dem Rückweg. (Was sind schon 14,- für zwei Scheiben Toast unter Freunden …?)


Am 30.04.2010 um 17:25 Uhr wusste Teddy:

Ich erinnere mich nur an das Fleisch, das wir aus Italien ins gelobte neutrale Land geschmuggelt haben. ;)


Am 30.04.2010 um 19:12 Uhr ergänzte Christian:

@teddy: Dir ist klar, dass jetzt nach diesem öffentlichen Bekenntnis in ca. 5 Minuten ein schweizer SWAT-Team bei Dir durchs Fenster springen wird? ;)


Am 04.05.2010 um 9:03 Uhr ergänzte Teddy:

So, bin wieder frei. Konnte glaubhaft versichern, dass ich damals minderjährig war. Und mich ab jetzt neutral verhalte.


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