Die Gefahr aus dem Internet

Aus der Kategorie »just people«

Albtraumautos im Internet

So steht es heute Morgen in der Zeitung.
Der Artikel beginnt mit den Worten

Das Traumauto zum Schnäppchenpreis. Der Wunsch vieler Autokäufer führt offenbar dazu, dass immer mehr Kriminelle den Autohandel im Internet für ihre Zwecke nutzen. Polizei und LKA in Nordrhein-Westfalen warnen vor Leichtsinn beim An- und Verkauf.
„Das Internet ist das Tatwerkzeug der Zukunft“ sagt LKA-Ermittler […]. Waren es 2004 noch rund 30000 Straftaten, hat sich diese Zahl im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. […]

Darauf folgen dann mehrere Schilderungen der Methoden der Betrüger.

So gibt es zum Beispiel Banden, die die Übergabe der meist hochwertigen Autos an entlegenen Stellen im Wald vereinbaren und auf Barzahlung bestehen. Trifft man sich dann im Wald wird man niedergeschlagen und ausgeraubt.
Ach nee?

Oder Luxuswagen werden zu wahren Schnäppchenpreisen angeboten, man soll aber erst eine geringe Summe Geld im Voraus überweisen, da noch der Transport nach Deutschland im Container bezahlt werden muss. Das Geld ist dann weg und der Wagen kommt dann nie.
Ach was?

Und auch Autohändler werden betrogen – sie stellen nach Tagen fest dass sie ungedeckte Schecks aus dem nahegelegenen Ausland bekommen haben, sind aber Wagen und Papiere schon los.
Ach?

Ihr vermisst jetzt den sensationellen Internet-Trick? Ich auch.

Das alles hat nämlich exakt gar nichts mit dem Internet zu tun. Beziehungsweise nicht mehr als mit dem Telefon, der Zeitungsanzeige oder einem Zettel am schwarzen Brett im Supermarkt an der Kasse.
Also mit allen anderen Stellen, an denen Menschen versuchen, Autos zu verkaufen oder zu kaufen.

Leute, Leute, den Trick mit dem Scheck hat bei mir bei meinem ersten Autoverkauf auch wer versucht. Das war noch vor dem Internet. Ebenfalls vor dem Internet haben Menschen andere mit dubiosen Versprechen und viel Bargeld in der Tasche in den Wald gelockt und da ausgeraubt – und dass man einem Fremden nicht einfach mal Geld schickt weiss man auch.

Was zum Teufel hat das mit dem Internet zu tun, dass Ihr es so groß in die Überschrift packen müßt?

Und wann begreift Ihr endlich, dass nicht das Medium Schuld daran ist, was die Benutzer damit machen?

Oder geht es darum gar nicht? Ist es vielmehr ein System, so oft wie möglich vor dem bösen Internet zu warnen und ein tiefsitzendes Misstrauen beim zeitungsleser zu erzeugen – damit die dann doch lieber die Finger von diesem Teufelszeug lassen und weiter brav die Nachrichten von gestern auf schlechtes Papier gedruckt vor sich liegen haben?


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5 Reaktionen

Am 29.05.2007 um 13:16 Uhr kommentierte eco:

Welche journalistisch hochwertige Postille war das?


Am 29.05.2007 um 13:32 Uhr ergänzte Christian:

Die Mendener Zeitung – in dem Fall wohl gelieferter Inhalt vom Westfälischen Anzeiger (http://www.westfaelischer-anzeiger.de), denn der Artikel stand im überregionalen Teil.
ich hab oben mal den Link auf die Zeitung ergänzt – den Artikel gibt es (natürlich?) nicht im Internet …


Am 29.05.2007 um 13:38 Uhr antwortete eco:

Was denn? Die trauen sich ins Internet? Ich hab gehört das Internet frisst auch kleine Kinder und zwingt zum Hören von Marianne und Michael.
Aber solche Berichte hab ich auch schon paarmal in den Fingern gehabt. Traurig


Am 29.05.2007 um 23:55 Uhr antwortete Matthias:

Die Kritik verstehe ich ja.
Trotzdem sehe ichs auch von einer etwas anderen Seite:

Es ist eben so, dass jeder (sorry) Depp sich beim Discounter einen Rechner kaufen kann, den ans Internet stöpselt und meint es wäre genauso einfach, wie es von zu Hause bequem ist, tolle Schnäppchen wie Traumauto für lau zu bekommen – zumindest denken das Leute scheinbar vermehrt so. weswegen sich scheinbar solche Betrugsfälle häufen.
Es scheint, dass bestimmte Nutzer ihren Verstand beim Onlinegehen abschalten, oder sich mit der Materie überhaupt nicht beschäftigen (z.B. Sicherheit vs. Risiken)…

Das Traurige ist aber in der Tat, in welcher Weise solche Geschichten von den Medien vermarktet werden.


Am 30.05.2007 um 6:36 Uhr kommentierte Christian:

Ja, aber darum geht es doch. Klar, dass jeder Depp (auch sorry) auf einmal denkt, dass im Internet alles anders ist.
Aber warum denn? Eben weil man über das Internet nur vernünftige Informationen bekommt, wenn man Nerd-Zeitschriften (und nicht Tomorrow oder [Com-pju-ta-Bild] ) liest.

Es bleibt doch (wie ich oben schon schrieb) dabei,
: dass nicht das Medium Schuld daran ist, was die
: Benutzer damit machen

So lange aber das Medium nicht endlich mal als das dargestellt wird was es ist – nämlich nur ein Medium – so lange werden doch alle Deppen noch daran glauben, dass das Internet zaubert.
Und die einen glauben dann eben fest daran, dass es ohne Internet keinen modernen Terorismus gäbe und die anderen, dass dort die Gesetze der Marktwirtschaft nicht gelten und man dort einen neuen Audi S4 für 9.999,- kaufen kann, wenn man das Geld nur bar an den netten Händler im Wald bringt.

Ich kenne genug durchaus sehr intelligente Menschen in meinem Alter oder jünger, die das ganze Internet einfach für obskur und ein bisschen gefährlich halten, weil sie nichts damit anzufangen wissen. Aber regelmäßig in der SZ (die ist da ja auch ganz groß) Gruselgeschichten lesen.

Wenn die nicht über ihren Job an den Computer gezwungen werden, dann sehen die keinen Grund, online zu sein. da kommt dann auf Nachfrage der Satz „Ach, ich brauch kein eBay“.

Alleine schon, dass aus meinem Jahrgang (120 Abiturienten anno 1991) afaik nur ca 10 im Internet aufzufinden sind. Die anderen sind online quasi nicht existent. Und die waren nicht alle zu dumm dafür…


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