Die großen Verlierer

Aus der Kategorie »just people«

Eigentlich war es gerade nur eine eher kleine Meldung im Lokalblättchenwebsitchen: Hauptschulen sind die großen Verlierer schreibt der Hellweger Anzeiger und berichtet, dass nach der Anmeldephase an den weiterführenden Schulen feststeht, dass in meiner kleinen Stadt die Hauptschulen nicht mehr so gefragt sind wie früher.Es gibt zu wenig Anmeldungen, um Eingangsklassen bilden zu können.

Dazu muss man wissen: Menden hat sich vor einigr Zeit entschieden, seine Schullandschaft neu zu strukturieren. Es ist schon länger klar, dass es eine Gesamtschule geben wird und dass auf Dauer zwei der drei Gymnasien zusammengelegt werden. Denn es ist auch schon länger klar: Erstens schrumpft diese Stadt und zweitens haben sich die Interessen und Bedürfnisse der Schüler geändert.
Alles, was passiert, ist also eine Reaktion auf eine veränderte Ausgangslage.

Die Frage, die sich mir aber jetzt stellt ist die: Wieso sind die Hauptschulen jetzt die Verlierer? Wieso heißt es nicht „Yeah, unsere Überlegungen stimmen!“ Wieso nicht „Yeah, die Gesamtschule ist der Gewinner!“. Es war doch alles vorher bekannt, dann hat man – rechtzeitig(!) – reagiert und jetzt passen Konzept und Realität zusammen. Jippie.

Nein?

Und dann überlege ich, dass mir diese Art der Berichterstattung, diese Richtung der öffentlichen Meinung doch irgendwie bekannt vorkommt. Dass ich doch öfter höre, dass Plattenfirmen sterben, als dass ich lese, wie gut der iTunes-Store läuft. Dass ich eher Artikel lese, dass es ja gar keinen sweeten kleinen Einzelhandels-Läden mehr gibt – von den Tante-Emma-Läden mal ganz zu schweigen – aber nie, wie töfte die Malls am Standrand sind.

Oder anders: Ich lese nie, wie grandios doch der Fortschritt ist. Wir alle rennen ihm hinterher, streben nach höherschnellerweiter, glauben an das endlose Wachstum, lernen an den Unis Excel-Raubrittertum und Prozessoptimierung – und wenn dann alle Prozesse optimiert sind, wenn der Fortschrit fortgeschritten ist, dann fällt uns auf einmal auf, dass Plattenfirmen sinnlos werden, wenn man Musik herunterladen kann. Dass Hauptschulen schließen, wenn man Gesamtschulen einrichtet. Und dass Tante Emma sich zu den Mönchen, die fürs Bibeln abschreiben zuständig waren aufs Altenteil setzen muss.

Entschuldigt mal bitte, aber sind wir wirklich so blöd, dass da keiner vorher drüber nachdenkt, dass Handeln immer Folgen hat?
Bemerken wir die Folgen des ungezügelten Kapitalismus erst, wenn die Verlierer entweder eine fette Pressearbeit machen können?
Oder sogar erst, wenn sie uns vollkommen überraschend auf einmal einfach so sympathisch sind?


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

1 Reaktion

Am 28.02.2012 um 9:19 Uhr wusste Kiki:

Mich erinert das immer an den schönen Spruch „Nein, Ihr Geld ist nicht weg. Es ist jetzt nur woanders.“ Plattenfirmen sind natürlich mitnichten nutzlos, nur weil es den iTunes downloadstore gibt. Ihr Geschäft hat sich nur verlagert.

Tante Emmas Läden heissen jetzt „Esso Snack Shop“ – dieselbe Auswahl (Raviolidosen, Tampons, Piccolöchen von Henkell und die aktuelle Frau im Spiegel) zu denselben hohen Preisen, nur, daß man bei Tante Emma jetzt auch tanken kann.

Wir trauern alle der guten, alten Zeit hinterher und verdrängen die dunklen Seiten, die sie natürlich auch hatten. Vielleicht sind wir einfach so gestrickt.


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