Die private Cloud im Small Office / zu Hause

Aus der Kategorie »just tools«

Wir sind uns einig: Cloud ist super. Also, es ist super, seine Daten immer griffbereit zu haben, egal auf dem Handy, auf dem Laptop oder (falls noch vorhanden) am Desktop-Rechner.
Gleichzeitig – Hand aufs Herz – hat vermutlich noch niemand die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Dropbox und Co gelesen UND verstanden UND ein gutes Gefühl dabei. Oder?

Ich habe hier inzwischen ein SetUp, bei dem meine Daten nur auf meinen Festplatten liegen, aber trotzdem auf allen meinen Rechnern immer synchron sind. Ich erzähl’ mal:

Die Basis für alles sind zwei Geräte, die vermutlich schon zum Teil in vielen Haushalten / Büros stehen oder aber zu einigermaßen normalen Preisen erhältlich sind: Eine aktuelle FritzBox und ein NAS von Synology. (Andere NAS-Hersteller mögen ähnliche Funktionen bieten, die kenne ich halt größtenteils nicht. Ich komme später darauf zurück, dass manche der dort angebotenen Lösungen mit Vorsicht zu genießen sind)
Außerdem nutze ich einen Internet-Dienst. Aber der Reihe nach:

41xKV-B5m9L._SL160_
Das NAS.
Synology bietet zu seinem NAS die sogenannte „Cloud Station”. Die Cloud Station bietet mir Speicherplatz auf dem NAS sowie einen Client, der auf Mac oder PC die gleichen Funktionen anbietet wie der bekannte Dropbox-Client: Er synchronisiert mir alle Dateien in einem wählbaren Ordner auf allen meinen Computern. Darüber hinaus kann ich über die Software auch auf frühere Versionen einer Datei zugreifen – total praktisch wenn man – wie gerade hier geschehen – seinen Text einfach in ein bestehendes Dokument hineinschreibt und speichert, weil man gepennt hat.
Wenn ich es möchte, kann ich auch Dateien über einen Link freigeben. Habe ich mein Netzwerk nach außen, also in Richtung Internet zugemacht, funktionieren diese Freigaben nur innerhalb des Intranets. Also praktisch für Büros, Firmen usw.

Ich habe der Cloud Station also gesagt, sie soll bitte einen Ordner „Cloud Station” in meinem Benutzerverzeichnis anlegen und synchronisieren. Dann habe ich alle meine Dateien dort hineingeschoben und gewartet, bis ich wieder ein grünes Häkchen am Cloud Station-Symbol hatte. (Das kann je nach Menge der Daten etwas dauern, ich hab zwischendurch auch gegessen, „Arrow“ geguckt und geschlafen)
Ich habe all den Mist, den Programme oder das Betriebssystem so anlegen und im Benutzerverzeichnis speichern bei der Gelegenheit NICHT dort hinein geschoben; diese Dateien sollen gerne auf jedem Computer unterschiedlich sein. Im Endeffekt muss und wird aber natürlich jeder selbst wissen, welche Daten er immer und überall verfügbar haben möchte.
Der schöne Nebeneffekt ist, dass ich jetzt diesen ganzen Mist nicht mehr sehe und nur noch wirklich „meine” Daten vor Augen habe.

Hat man das bis hierhin auf seinem Desktop-Rechner und seinem Laptop eingerichtet, hat man schon den vollen Cloud-Luxus. Jedenfalls, so lange man nicht das Haus verlässt oder so lange es nicht wichtig ist, dass die Daten sofort synchronisiert werden.
Will ich das Haus verlassen und es ist mir wichtig, dass auch unterwegs die Daten sofort synchronisiert werden, muss ich von unterwegs auf das zu Hause stehende NAS zugreifen.

Da kommen dann die beiden nächsten Mitstreiter ins Spiel:

Der Internetdienst und die Fritzbox:
Ich habe schon NAS-Systeme erlebt, die „total praktisch” per Mausklick einen Zugang von außen auf das NAS auf dem heimischen Schreibtisch erlaubten. Schaute ich genauer hin, ging der Datenverkehr dazu über irgendeinen amerikanischen Server und tunnelte sich irgendwie durch eine eigentlich nach außen abgeriegelte FritzBox. Ich rate also davon ab und nutze lieber ein VPN, um von außen an meine Daten auf dem Schreibtisch zu kommen.
Weil meine FritzBox ja bei jeder Einwahl ins Netz eine neue IP-Adresse bekommt, nutze ich www.noip.com. Dort habe ich mir dazu einen Account gegönnt und bin damit im Besitz der Domain irgendwas-uninteressantes.no-ip.biz.
Die brauche ich später. Eigentlich reicht auch der kostenlose Account, aber der muss regelmäßig manuell verlängert werden und weil man das ja vergisst, habe ich halt etwas Geld bezahlt. Außerdem überschüttet no-ip.com den Nutzer der kostenlosen Dienste mit noch mehr Mails als die zahlenden User und die meisten dieser eMails tun so, als ginge gerade die Welt unter, wenn man nicht jetzt einen kostenpflichtigen Account kauft. Ich habe also quasi resigniert und einen gekauft.

31yxALAci6L._SL250_In der FritzBox kann man im Bereich Internet->Freigaben->Dynamic DNS dann die Daten des bei no-ip.com gekauften Accounts eingeben. Die FritzBox teilt dann immer, wenn sie beim Einwählen eine neue IP-Adresse bekommt, diese IP an den Dienst no-ip.com mit. Und der verknüpft diese IP-Adresse mit dem gekauften Domainamen und sorgt so dafür, dass meine FritzBox unter dieser Adresse irgendwas-uninteressantes.no-ip.biz im Web erreichbar ist.
Weil ich ja aber eigentlich gar nicht will, dass mein Netzwerk für jedermann aus dem Internet erreichbar ist, habe ich alle Freigaben im Bereich Internet->Freigaben und im Bereich System->Fritz!Box-Benutzer->[ich] deaktiviert. Das einzige, einsame Häkchen ist bei „VPN” gesetzt. Nein, auch bei „Zugang aus dem Internet erlauben” kein Häkchen.

Als nächstes habe ich auf dem Laptop und dem iPhone (den Desktop-Rechner nehme ich ja selten mit nach draußen) eine VPN-Verbindung zur heimischen FritzBox eingerichtet. Die FritzBox macht es einem da recht leicht und bietet eine komplette Schritt für Schritt-Anleitung an. Man muss nur bei System->Fritz!Box-Benutzer einen Benutzer anlegen und dort das Häkchen für VPN setzen. Da taucht dann auch die Anleitung auf.

Halten wir also der Reihe nach fest:
– Meine Daten liegen auf dem NAS, das NAS steht auf dem Schreibtisch
– Die Software synchronisiert die Daten auf allen angeschlossenen Geräten
– Die FritzBox lässt niemanden von außen in mein Netzwerk, außer er meldet sich via VPN an.
– Das VPN stellt sicher, dass auch in einem öffentlichen WLAN niemand so einfach mitlesen kann.

That’s it. Cloud-Luxus und eine verschlüsselte Verbindung.

41m316h-5ZL._SL160_Zusätzlich fürs gute Gefühl: Sogar in meinem kleinen NAS sind zwei Festplatten; die eine ist eine Spiegelung der anderen (Raid1). Fällt eine aus, sind meine Daten immer noch da. Zusätzlich steht neben dem NAS noch eine externe Festplatte (bzw .zwei, ebenfalls als Raid1), auf die wiederum das NAS sichert. Das fühlt sich halbwegs sicher an. Exkurs Ende.

Ja, ich weiß: Das alles ist aufwändiger als einfach DropBox oder ähnliches zu installieren, aber: Ich sehe jeden Tag wo meine Daten liegen, die sind nämlich auf der kleinen weißen Kiste gespeichert, die am anderen Ende des Schreibtischs steht. Und das ist es mir wert.

Nachteile: Ja, gibt es.
– Die Cloud Station-Software bekommt regelmäßig Updates (gut!), aber manchmal vertragen sich die Versionen auf dem NAS und auf dem Client nicht – man muss immer sehr hinterher sein, alles auf dem (gleichen) aktuellen Stand zu halten.
– Die Synchronisierung läuft nicht so 100%ig sauber wie in der Dropbox, sondern, vor allem bei großen Datenmengen und im ersten Sync-Durchgang, nur 99%ig. Verloren habe ich noch nie etwas, aber ganz selten finde ich zwei Dateiversionen, die die Cloud Station anlegt, wenn sie irgendwie nicht weiter weiß.
– Die iPhone-Version der Cloud Station war für mich beim letzten Versuch unbrauchbar. Warum? Weil sie alle Dateien direkt aufs Handy runterlud, anstatt sie nur die Namen anzuzeigen. Mir fällt dabei auf: Ich muss mir das nochmal angucken, ob das jetzt besser läuft.

Kommen wir nochmal kurz zum Dateiaustausch mit anderen – einer der großen Stärken der Dropbox. Ja, dafür nutze ich die dann auch. Ich sehe aber einen wesentlichen Unterschied zwischen zB Bilddateien, die mir ein Grafiker schickt und die eh ins Web sollen und einem Konzept, einer Rechnung oder meinen gesammelten Kundendaten. Erstere lege ich auch ohne große Hemmungen in die Dropbox, den Rest eher nicht so gerne.
Daher laufen hier friedlich Dropbox und Cloud Station neben einander her. Die Dropbox übrigens mit Boxcryptor verschlüsselt, weil ich ja doch ein Paranoiker bin, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Links zu amazon/Dropbox sind affiliate- bzw. Empfehlungslinks


Ähnliche Artikel lesen?

Außerdem schrieb ich zum gleichen oder ähnlichen Themen auch noch …

Ich finde den Artikel super!

Das freut mich natürlich sehr.

Du kannst den Artikel weiter verbreiten
Du meinst, der Artikel könnte auch anderen gefallen? Dann findest Du etwas weiter oben auf dieser Seite, direkt rechts unten am Artikel ein paar Buttons. Damit kannst Du den Artikel per eMail, Twitter, facebook oder google+ weiter verteilen. Ich würde mich darüber freuen.

Mir ein Geschenk machen? Uiuiuiui.
Gefallen Dir meine Artikel immer wieder, schöder Mammon ist Dir aber zu doof? Dann mach mir doch eine Überraschung: Hier findet Du meine amazon-Wishlist mit ausgesuchten und garantiert Freude spendenden Präsenten zwischen fünf und zweitausenfünfhundert Euro – da ist bestimmt was passendes dabei.

Geld? Wow.
Ist Dir mein Artikel darüber hinaus sogar noch etwas wert, dann findest Du bei den Icons zum Verbreiten des Artikels einen flattr-Button. Jeder Euro, der darüber reinkommt geht direkt weiter an netzpolitik.org.

Wer? Was? Warum?

Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

3 Reaktionen

Dein Kommentar:

Du möchtest auch so ein hübsches Bild am Kommentar haben? Die Bilder gibts bei gravatar.com
Die Bedingungen für das Buchen eines kommerziellen Kommentars findest Du hier.


Auch anderswo wird darüber gesprochen …

Unser Bundestag ist kaputt. Unser Sicherheitsbedürfnis auch. | just another weblog :: Christian Fischer – fine bloggin' since 2001

[…] recht überlege, eigentlich ganz gut, dass ich mir vor ein paar Tagen die Mühe gemacht habe, eine sichere Cloud-Lösung zu skizzieren. Schaue ich in meine Statistiken hat seit dem umgekippten Sack Reis am 31.2.1012 […]

Bei facebook gabs den „Daumen hoch” von: