Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Die Wahrheit über Jazzclubs

So mit 14 lernte ich aus Bravo und Popcorn ein paar Wahrheiten über den Rock’n’Roll und über Konzerte allgemein. Ich las von wilden Konzerten, von riesigen Bühnen, die von den Stars in schweißtreibenden Shows beackert wurden, ich las von den großen Posen des Rock’n’Roll, von Lautstärke, die einem die Ohren klingeln machte und von den glücklichen, die aus dem Publikum auf die Bühne gezogen wurden, um dort ein Lied lang mit den Großen des Biz zu tanzen.

Etwas später las ich (nicht mehr in der Bravo) manchmal von einer anderen Welt: Von der Welt der Jazzclubs. Da wo man an Tischen gepflegter intellektueller Musik lauschte. Wo es nicht auf die Pose, sondern auf den Inhalt ankam.

Meine ersten Konzerte waren dann auch Jazz-Konzerte und oft bestätigte sich das Klischee. Und als ich später Rock-Shows sah und von der Beliebigkeit der großen Posen enttäuscht war fand ich das auch gar nicht schlimm. (Wer jemals über zwei oder drei Bon Jovi-DVDs verglichen hat, ob sich Posen, Mimik, Gestik bei »Livin‘ on a prayer« vielleicht zufällig völlig gleichen, der weiß was ich meine.)

Gestern Abend gabs im Jazzclub in Münster Rock’n’Roll. T.M: Stevens war da. Und auch wenn die nicht-Bühne des Jazzclubs keine raumgreifenden Läufe von einer Bühnenseite zur anderen ermöglichen, ist es im Gegenteil umso geiler, dem Künster direkt gegenüber zu stehen. (Und ihm auf die Finger zu gucken)


Ich habe T.M. jetzt zum zweiten mal gesehen und selten jemanden erlebt, der mit so viel Spaß und Spielfreude auf den Bühnen steht – und das, obwohl (oder weil?) er irgendwie nicht zur Topriege der Rock-Heavy-Funk-wasweissich-Szene gehört, sondern auch nach vielen Jahren auf Tour immer noch eher ein musicians-musician ist. Die musicians erinnern sich dann vielleicht eher an die Anfänge bei Miles Davis und James Brown, an die legendäre Bassline von »Unchain my heart« und an viele Gastspiele auf vielen, vielen Platten anderer Künstler.

 


Wie auch immer, trotz kleiner Bühne war es (erwartbar) ein musikalisch unglaublich lohnenswerter Auftritt, der nebenbei drumherum alle mit 14 gelernten Klischees Lügen strafte: Die Show war purer Rock’n’Roll, war laut und schweißtreibend und schnell flirtete der große bunte Mann mit den tanzenden Mädels in der ersten Reihe. Holte sie dann auch auf die Bühne und auch die Menschen an den Tischen wurden mit einem herzlichen »Move your Arsch up!« dazu bewegt, doch bitte den Stock aus dem Gesäß zu nehmen.

Ob T.M.s Erinnerung, beim letzten Auftritt in »Munschta« doch dieses leckere Zeugs getrunken zu haben und die mehrfach wiederholte Aufforderung »Bring more Korn!« eine Rolle gespielt hat?

Egal. Hat gerockt. Besten Dank an den Herrn TheMM, ohne den ich das verpasst hätte.

Eine Antwort zu “Die Wahrheit über Jazzclubs”

  1. […] Shocka Zooloo Project, gestern im Jazzclub Münster. Einen ausführlichen Bericht gibt es beim Nachbarn.   If you enjoyed this article, please consider sharing it! Leave a Reply Cancel replyYour […]

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